Warum Zentralbanken Zentralbanken sind

Die nachfolgenden Absätze sollten eigentlich ein Kommentar zu einem Blogeintrag des Handelsblogs sein. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund, wollte die Blogsoftware den Kommentar nicht verarbeiten. Ist auch egal, schließlich bezieht sich dieser Kommentar auf ein Diskussionspapier von Peter Burgold und Sebastian Voll.

Et voilá:

„Durch die Übertragung eines Zentralbankguthabens entsteht für die beauftragende NZB keine Zahlungsverpflichtung.“ (S. 9)

und

„…während andere darauf verweisen, dass das Geld aus den Peripherieländern stammt.
Letzteres ist offensichtlich korrekt.“ (S. 12)

und dann auch noch:

„Paradoxerweise könnte hier also eine „Tilgung“ mittels gesetzlichen Zahlungsmittels nur stattfinden, indem der Gläubiger (hier: die Überweisungen empfangende NZB) dem Schuldner (hier: die Überweisungen beauftragende NZB) Geld übergibt.“ (S. 9)

Irgendwie kann hier etwas nicht stimmen. Der Fehler liegt wohl wieder mal darin, daß den Autoren irgendwo die Fehlvorstellung von der „bargeldlosen Zahlung“ in die Quere gekommen ist. Denn wenn die Peripherie-NZB einen Auftrag hat Zentralbankgeld an eine Zentrum-NZB zu zahlen, dann müßte sie eigentlich zahlen, sprich Zentralbankgeld übergeben – im wörtlichen Sinne! Insofern stimmt zwar der Verweis, daß das Zentralbankgeld aus den P-Ländern stammt. Der Punkt ist jedoch: die P-NZB gibt zwar eine Anweisung über einen Anspruch auf Zentralbankgeld an die Z-NZB weiter und und beide verbuchen das, ohne daß jemals gezahlt wird. Weswegen die P-NZB aber keine Zahlungsverpflichtung hat, bzw. darauf verzichtet werden kann, ist doch der ganze Witz an der Sache. DAS hätten die Autoren mal erklären sollen!

Der Grund, daß man auf die Übergabe des Zentralbankgeldes aber tatsächlich verzichtet, ist, daß eine Zentralbank gedanklich über einen nicht beschränkten Bestand an Zentralbankgeld verfügt und es DESWEGEN entbehrlich ist einen Zentralbankgeldausgleich zu machen, da eine nicht beschränkte (oder unendliche) Menge von Zentralbankgeld durch eine Zahlung von einer Zentralbank, die ebenso über einen unendlichen Bestand an Zentralbankgeld verfügt, nicht vergrößert werden kann. Die Empfänger-NZB wird dadurch weder reicher noch ärmer, ebenso wie die Sender-NZB nicht ärmer oder reicher wird. Oder anders gesagt: weil eine Forderung gegen eine Zentralbank schon Zentralbankgeld IST, kann man auf die tatsächliche Zahlung verzichten. Noch anders: das Verbringen von ZBG von einer P-NZB zu einer Z-NZB erzeugt nur eins: Kosten! Woran liegt das alles letztlich? Weil Zentralbankgeld für eine Zentralbank keinen Wert darstellt! (Schöner Gruß an den gesunden Menschenverstand – der hat hier aber gerade nichts zu suchen!)

Daher ist auch eine Verringerung der TARGET-Salden davon abhängig, ob die Besitzer von Sichtforderungen gegen deutsche Banken ihre Vermögens-Konten wieder in der Peripherie halten und damit ihre Guthaben statt im Zentrum wieder in die Peripherie verlagern. Die Übertragung von Zentrum zu Peripherie erfolgt – wie im umgekehrten Fall – ebenso ohne Übertragung von Zentralbankgeld, wozu auch, wenn ein paar Buchungssätze reichen! Die Voraussetzung dafür wäre, daß die Peripherie-Banken ihre verlorengegangene Bonität wiederherstellen, um so für Vermögensanleger wieder interessant zu sein. Denn das – die verlorengegangene Bonität – ist der eigentliche Grund dafür, daß es überhaupt zu diesen TARGET-Salden gekommen ist – ein Aspekt, der bei den Autoren immerhin einmal in einem Nebensatz erwähnt wird.

„Die Existenz der TARGET2-Salden liegt allein in der Konstruktion der Europäischen Währungsunion begründet.“ (Zit. Paper S. 8) So ist es. Und das liegt in a nutshell daran, daß wir es mit 17 NZBen zu tun haben und die EZB noch nicht mal eine ordentliche Clearingstelle ist – weil zwischen Zentralbanken, die dasselbe Zentralbankgeld emittieren, kein Clearing erforderlich ist. Its that simple!

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Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftspolitik

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