Griechenland: Bonität, nicht Sozialhilfe

Die deutsche Griechenland-Debatte hat sich auf eine Trottelnummer festgelegt: die Griechen betrügen, ob bei der Frage der EURO-Beitrittskriterien oder bei der Durchführung von angekündigten Sparmaßnahmen. Damit wird der Eindruck erzeugt, daß Griechenland es willentlich darauf anlegt, die (vermeintliche!) EURO-Staatsschuldenkrise zu seinen Gunsten zu nutzen.

Doch so kann man das nicht sagen. Aber ein Aspekt ist richtig: daß nämlich in Griechenland – und in einigen anderen „Südländern“ auch – mit der Frage, wie mit der Bonität des Aktivportfolios der dortigen Banken umgegangen wird, andere Kriterien gelten als in Deutschland. Und genau diese Frage macht den Unterschied aus, wenn man diskutieren will, warum die Situation in diesem Europa so ist wie sie ist. Denn wie man aus der „Daneia-Parabel“ von W. Stützel wissen könnte, ist die Frage des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts davon abhängig, daß – zwischen Banken – der Liquiditätsausgleich eine Frage der Abtretbarkeit der Forderungen ist. Salopp gesagt hätten die griechischen Banken keine Liquiditätsprobleme, wenn sie als collateral für Zentralbankgeld den deutschen Banken Wertpapiere des griechischen Staates einreichen könnten. Oder Anleihen griechischer Unternehmen etc.

Daß das griechische Bankensystem im EURO-Verkehr praktisch illiquide ist liegt daran, daß grob gesagt die Usancen der griechischen Banken, was das Eintreiben von Außenständen angeht, nicht so funktioniert, wie in Deutschland. DESWEGEN sind sie illiquide und nicht, weil es in Griechenland nichts zu verdienen gibt. Denn eine Grundregel der Bankwirtschaft lautet, daß ein Liquiditätsbedarf stets dadurch gedeckt sein muß, daß man irgendeiner anderen Bank interbankenfähige Forderungen übertragen kann. Wer das nicht kann, fliegt aus dem Geschäft!

Was man noch aus der „Stützel-Parabel“ lernen könnte ist, daß auch eine wirtschaftlich „schwache“ Region die Bonitätskriterien, welche allgemein gelten, einhalten kann. Das hat dann was damit zu tun, daß dort kleinere Brötchen gebacken werden, als in einem Bankenbereich, der in einer Region mit bonitätsmäßig guten Unternehmen angesiedelt ist. Diese Geschichte wird immer durch eine Sozialphilosopie überdeckt, die meint, daß es überall die gleichen Lebensverhältnisse geben müsse. Das Deutschland-Problem, daß das so quasi grundgesetzlich verankert ist heißt auf der anderen Seite nicht, daß das auch im europäischen Maßstab funktioniert. Das geht deswegen nicht, weil die Erfahrungen der deutschen ökonomischen Zuschußphilosophie aka Solidaritätsbeitrag gezeigt haben, daß Finanzhilfen gerade das verhindern, was eigentlich erreicht werden soll. Das heißt auch, daß der vielgepriesene Marshall-Plan zum Glück NICHT gegriffen hat (die Marshall-Plan Mittel mußten mit viel Mühe seitens der Politik „untergebracht“ werden, damit sich die Amis damit nicht blamieren) und deswegen, bzw. in der Hauptsache aufgrund der Politik der deutschen Bundesbank, das deutsche „Entwicklungswunder“ überhaupt eine Chance hatte sich zu entfalten! Denn: es gab kein deutsches Wirtschaftswunder, es gab nur falsche Prognosen (Stützel)!

Aus diesen Gründen schießen sich die Griechen selbst ins Knie, weil die Abweichung von den eigentlich europaweit geltenden Bonitätskriterien für sie – zumindest zur Zeit – keine Bedeutung hat. Woher sollen sie das auch wissen, wenn der lokale Bankdirektor seinem Schwager/ Bruder/ Enkel bei der Ansage, daß ein Kredit nicht bedient werden kann nicht den Kredit sperrt, sondern fragt, wieviele Millionen es noch sein dürfen. Da liegt der Hase im Pfeffer und zwar deswegen, weil man so die eigene Bonität untergräbt, die für ein Verbleiben im Interbankenliquiditätsausgleich unbedingt erforderlich ist. Daß inzwischen die griechische Zentralbank dieses Scheißspiel mitmacht – die EZB ja auch, indem sie eine Freigabe sprich Aufweichung der Kriterien für zentralbankfähige Wertpapiere akzeptiert hat – bedeutet aber nur, daß die Bankenbonität in Griechenland weiter untergraben wird.

Wie bekommt man die Griechen wieder zurück? Ganz einfach: das EZB-System muß die ELA-Fazilität für Griechenland aufheben und die Kreditvergabekriterien auf ein höheres Bonitätsniveau schrauben, damit Griechenland – zwangsweise – seine ökonomischen Probleme lösen muß. Klingt komisch, ist aber so. Wer Altmeister Bagehot noch kennt wird wissen, daß man Bankenkrisen mit einem offenen Diskontfenster begegnen muß – aber mit fast prohibitiven Zinsen, sprich höheren Bonitätsanforderungen! DAS ist Ökonomie, alles andere hat nur was mit falschverstandener Sozialhilfe zu tun!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Wirtschaftspolitik

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