Stufen von Geldsystemen – ein Kurzdurchlauf

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EINS

Ein einstufiges Geldsystem ist dadurch gekennzeichnet, daß Zahlungen mit Werten erfolgen. Prototypisch steht dafür die Goldwährung. Gold dient dazu, die Tauschrelationen abzubilden, d.h. der “unsichtbaren Hand” einen gegenständlichen Ausdruck zu geben.

Die Quantitätstheorie ist denn auch eine Theorie des Tauschmittels. Daher muß Geld (=Gold) von der Zentralbank im Notfall exogen bereitgestellt werden. Seither laborieren Zentralbanken an dem Glauben herum, sie seien für die Entwicklung des Geldwertes verantwortlich.

Eigentlich ist in einem einstufigen Geldsystem eine Zentralbank entbehrlich, denn sie erfüllt nur die Funktion bei dem Aufkommen von Vertrauenskrisen einzuspringen. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Zentralbanken auch heute noch als “lender of last resort” verstanden werden. Das bedeutet, daß eine Zentralbank letzten Endes die Funktion eines Wertspeichers erhält und wegen der Endlichkeit der Vorräte in dem Tauschmittel (Gold) illiquide werden kann!

ZWEI

Zweistufiges Bankensystem bedeutet, daß ausschließlich die Zentralbank, Zentralbankgeld emittieren darf (und zwar per Kredit) und somit die Geschäftsbanken ein Liquiditätsproblem haben. Das ist deswegen erforderlich, weil das Delegationsproblem zwischen Zentralbank und Geschäftsbank, gelöst werden muß, da eine Zentralbank nicht alleine die Qualität der Kreditvergabe des Geschäftsbankensystems kontrollieren kann. Daher unterliegen Geschäftsbanken einem Liquiditätsproblem, welches permanent gelöst werden muß, damit keine Exklusion vom Interbankenmarkt erfolgt, die unmittelbar die Gefahr einer Insolvenz aufgrund von Illiquidität nach sich zieht. Das Delegationsproblem zwischen ZB und GB kann also nur so gelöst werden, daß der Interbankengeldmarkt gewissermaßen zur Kontrollinstanz wird, die darüber entscheidet, ob das Geschäftsgebaren einer Bank den allgemeinen Bonitätserfordernissen entspricht oder nicht. Verschlechtert sich die Bonität einer Geschäftsbank, steigt deren Refinanzierungszins, ansonsten bleibt er gleich, was den Effekt hat, daß bei einem ausgeglichenem Liquiditätssaldo zwischen bonitätsmäßig gleichen Banken der Refinanzierungszins zu einem durchlaufenden Posten der bankinternen Kalkulation wird. Heißt: das Kontrollproblem der Zentralbank hinsichtlich der Bonität der Kreditforderungen der Geschäftsbanken wird auf die Ebene des Interbankengeldmarktes verlagert!

Nur die Zentralbank darf den Zahlungsmittelstandard emittieren. Das bedeutet, daß die Geschäftsbanken von sich aus zu einer zentralbankgeldsparenden Operationsweise übergehen. Damit ist nicht die Werteinlage des Publikums bei der Bank der Ursprung für den Umfang des Kreditvolumens, sondern die Möglichkeit der Banken Zentralbankgeldabflüsse durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank zu kompensieren. Denn Geschäftsbanken werden aus Kostengründen versuchen, ihren Zentralbankgeldbedarf möglichst gering zu halten.

Das führt zu der geldtheoretischen Erkenntnis, daß die primäre Funktion von Zentralbankgeld im Zusammenspiel von Zentralbank und Geschäftsbanken die Nivellierung von Bonitätsnormen ist und nicht, wie es eine Nutzen- und Produktivitätstheorie will, die Erleichterung eines Tausches von Gütern. Letzteres kann zwar durchaus mal passieren. Jedoch reflektiert die emotionale Unmittelbarkeit des Austausches von Ware gegen Geld nicht die wesentliche Funktion des Geldes im Liquiditätsausgleich des Interbankenmarktes gewissermaßen zum Lackmustest dafür zu dienen, inwieweit die Kreditvergabepolitik der einzelnen Bank den allgemeinen Anforderungen an die Bonitätsnormen entspricht.

DREI

Das Grundproblem zwischen EZB und NZBen ist wie vorher, daß die zentrale Währungsbehörde (EZB) nicht alleine in der Lage ist die Kontrollaufgaben hinsichtlich der Bonität der Kreditvergabepolitik von NZBen zu überwachen. Im Fall der EZB wird jedoch stets die Vorstellung verbreitet, daß das Verhältnis von EZB zu NZBen quasi so geartet sei, wie das Verhältnis der Bundesbank zu den ihr angeschlossenen Landeszentralbanken. Diese Ansicht gewinnt ihre Nahrung aus dem Umstand, daß die NZBen an sich “nur” die Beschlüsse des EZB-Rates umsetzen, ohne daß es dabei zu länderspezifischen Besonderheiten kommen würde. Diese Theorie hat jedoch einen empfindlichen Schönheitsfehler, der zum einen daraus bestand, daß die jeweiligen NZBen durchweg die Wertpapiere “ihres” Staates ohne Risikovorbehalte akzeptierten, obwohl die Bonitätskriterien für die jeweiligen Staatshaushalte diese Gleichbehandlung keineswegs nahelegen. Zum anderen ist ebenso unklar, inwieweit die NZBen die Anforderungen an die Bonität für rediskontfähige Wertpapiere in gleicher Weise behandeln. Man darf jedoch bezweifeln, daß das Rating (es geht hier nicht um die Spaßagenturen) der Portfolios der NZBen einem einheitlichen Standard entspricht.

Als Konsequenz dieses Kontrollproblems müßte das gleiche Prinzip auf der Ebene zwischen EZB und den NZBen existieren. Ein dreistufiges Bankensystem benötigt daher zwei Geldmedien. Das heißt, daß zwischen der EZB und den NZBen ein separates clearing-System existieren müßte, welches für die NZBen einen Zahlungsmittelstandard definiert, der von den NZBen nicht geschaffen werden kann. (Ich nenne diesen Zahlungsmittelstandard an dieser Stelle mal EUROR!) Die EZB emittiert demnach ein bestimmtes Volumen von EUROR, welches nach üblichen Auktionsverfahren auf die angeschlossenen NZBen aufgeteilt wird. Für die NZB ist das von ihr “ersteigerte” Volumen an EUROR die Bemessungsgrundlage für ihren Kreditvergabespielraum, der sie dazu befähigt an die an sie angeschlossenen Geschäftsbanken Kredite in EURO zu gewähren.

Das Prinzip des Liquiditätsausgleiches ist somit für die NZBen in EUROR dasselbe, wie zwischen Geschäftsbanken in Bezug auf EURO. Das bedeutet, daß eine NZB dafür Sorge tragen muß, daß durch EURO-Überweisungen des Publikums ins Ausland der von ihr verwaltete EUROR-Bestand nicht abschmilzt und sie daher genötigt wäre, eine restriktivere Kreditvergabepolitik zu etablieren. Das clearing zwischen den NZBen übernimmt dann die EZB, die sich erst in dieser Funktion tatsächlich als europäische Zentralbank etablieren würde! Warum? Weil die NZBen den InterNZB-Zahlungsmittelstandard EUROR nicht selbst schaffen können und sie bei der Kreditgewährung an die Geschäftsbanken an die Verfügung über EUROR gebunden bleiben.

NUN DIE TATSACHEN

Was haben wir stattdessen? Eine TARGET-Regelung, die jede NZB dazu zwingt, auf jede Überweisungsanforderung eine entsprechende Zentralbankgeldemission genehmigen zu müssen. Das heißt auf gut Deutsch, daß die überweisende NZB in ihrer Zahlungsfähigkeit gegenüber anderen NZBen nicht beschränkt ist, weil jede NZB den Zahlungsmittelstandard EURO selbst emittieren kann.

Und das ist für die Nachhaltigkeit eines Zahlungssystems der eigentliche Knackpunkt: da es nicht zu einem Zahlungsbegehren der “nördlichen” Zentralbanken kommen kann, weil eine Forderung gegen eine Zentralbank, die diesen Zahlungsmittelstandard emittiert, bereits Zentralbankgeld ist und auf der anderen Seite aber auch keine Liquiditätsrestriktion bei der “südlichen” Zentralbank existiert (die ELA-Fazilität ist der greifbarste Ausdruck dieser Unbeschränktheit), ist dieses Zahlungssystem tendenziell davon bedroht, aufgrund der im “Süden” nachlaufenden bzw. überbordenden Zentralbankgeldemission (Ponzi-Finanzierung)  in eine Bonitätskrise zu geraten. Letzteres äußert sich im relativen Preis zu Alternativwährungen, die eine höhere Geldvermögenssicherheit versprechen.

Wenn man so will, ersetzt der EUROR die Funktion des Goldes, indem er die Kreditschöpfungsmöglichkeit einer NZB steuert. Denn die Funktionsbedingungen eines Goldstandards laufen ja auch darauf hinaus, daß die Zentralbank, die einen Goldabfluß realisiert, die Zinsen bzw. die allgemeinen Bonitätsstandards anheben muß, um dem Goldabfluß entgegenzuwirken. Um diesen Mechanismus zu erhalten, ist jedoch die Verwendung von Gold entbehrlich, sondern nur die Durchsetzung des Prinzips, daß eine Nichtzentralbank den Zahlungsmittelstandard, in dem sie zahlen muß, nicht selbst schaffen kann, erforderlich.

Its that simple!

26 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftstheorie, wonkish

26 Antworten zu “Stufen von Geldsystemen – ein Kurzdurchlauf

  1. Stephan G.

    Ich habe einige Geldsystem Fragen an Sie:

    1. Muss Inflation nicht langfristig immer zurückgezahlt werden (was dann schrumpfende Geldmenge bedeutet; da auch Inflation eine Kreditausweitung darstellt und Kredite Tilgungsfristen haben und zurückgezahlt werden müssen)?

    2. Was ist zuerst da: Zuerst der kleine Sockel Zentralbankgeld (und darauf der große Berg Giralgeld) oder zuerst der große Berg Giralgeld und DANACH wird davon ein kleiner Teil Zentralbankgeld beiseite gelegt? Oder anders gefragt: Ist kausal erst der Kredit in der Welt oder erst das Zentralbankgeld?

    3. Da Eigenkapital dauerhaft fest mit dem Unternehmen verbunden ist, aber auch Eigenkapital ja mal vorher durch Kredit entstanden ist, wie kann dann der (dem Eigenkapitalguthaben) gegenüberliegende Schuldner seine Tilgungsfristen einhalten?

    4. Das Horten von Geld ist doch prinzipiell unmöglich solange es im digitalen Kreislauf auf unseren Bankkonten bleibt (es heißt ja oft die Deutschen horten das Geld)?

    5. Es gibt die Aussage das bei Steuererhöhung in Deutschland das Geld ins Ausland wandert. Aber wenn das so wäre müsste doch auch der Wechselkurs angepasst werden? Und damit würde ein Ausgleich geschaffen der weiteres Abfließen verhindert. Das heißt die ersten Gelder die ins Ausland fließen könnten einen Nutzen haben, aber alle weiteren würden durch den ungünstigeren Wechselkurs davon abgehalten?

    • Ich kann ja verstehen, daß Ihnen die Antwort von J. Buschbeck nicht ausreicht. Wenn Ihnen diese Fragen wichtig sind, hätte sich jedoch wenigstens im Laufe der letzten 8 Wochen Ihre Fragestellung ändern müssen.

      Ich versuche, Ihnen ein paar Hinweise zu geben:

      1. „Inflation“ wird nicht zurückgezahlt und zwar schon deswegen nicht, weil Inflation ein statistischer Begriff ist, der versucht ein „reales“ Konzept für einen „Geldwert“ zu formulieren. Das kann man zwar machen, hat jedoch keine theoretische Substanz. Das liegt daran, daß das Einzige, was man als Geldwert bezeichnen kann, die Schuldentilgungsfähigkeit einer Geldeinheit ist. Und diese ist 1 (eins)!

      Daß Kredite Rückzahlungstermine haben gilt allenfalls individuell, ein gesamtwirtschaftliches Wachstum ist jedoch stets mit einer Kreditausweitung verbunden, selbst wenn der einzelne Kredit getilgt wird.

      2. Vom Giralgeld wird nichts „beiseite gelegt“! Zentralbankgeld wird benötigt, damit Banken ihrer Zahlungsverpflichtung entsprechen können, zu der sie sich bei einer Krediteinräumung verpflichtet haben. Wenn man so will brauchen Banken Zentralbankgeld, WEIL sie Kredite vergeben haben.

      3. Meinen Sie Eigenkapital, Grundkapital oder noch etwas anderes? Und wer ist der „gegenüberliegende Schuldner“?

      4. Auf den digitalen Konten liegt kein Zentralbankgeld! Ein Giro-Haben-Saldo ist ein Anspruch auf Geld aber kein Zentralbankgeld. Sie dürfen Geld und Forderungen auf Geld nicht verwechseln – allerdings ein weitverbreiteter Fehler!

      5. Mal abgesehen von der unhaltbaren Argumentation: die paar Leutchen, die tatsächlich abhauen (wenn sie das nicht sowieso schon gemacht haben) sollen eine Auswirkung auf den Wechselkurs haben? Nee, daraus wird nichts…

  2. Stephan G.

    Ich habe mich durch ihrer gesamten Blog hindurchgelesen und sehr viel dazugelernt. Offenbar ist es wirklich unsinnig von einem „realen Wert“ von Geld zu sprechen. Ich versuche mal mein Verständnis darzulegen:
    Zentralbankgeld hat einen Wert weil es:

    1. Künstlich auf juristischem Wege knapp gehalten wird ( es darf nicht nachgemacht oder gefälscht werden, Geschäftsbanken und Nicht-Banken können es nicht erzeugen, Rechtstaat überwacht dies)
    2. Als letzte Referenz gilt (Die selbst nicht mehr auf etwas referenziert, außer auf sich selbst). Sichtforderungen der Geschäftsbanken und ähnliches referenzieren letztlich immer auf Zentralbankgeld (ausgedrückt als Forderung auf Zentralbankgeld).

    Diese Operationen spielen sich nur in der Geldsphäre bzw. Juristischen Sphäre ab und sind völlig entkoppelt von „realen Werten“. Deshalb ist die Frage nach dem realen Wert von Bargeld sinnlos („ist doch nur bedrucktes Papier“). Gesetzliches Zahlungsmittel erhält seinen „Wert“ durch künstliche, juristisch überwachte Knappheit und durch die Funktion als letzte Referenz aller anderen Geldarten.

    Ist dies so richtig?

    Und war vor hundert Jahren Gold diese letzte Referenz, Bargeld eine Forderung auf Gold, Sichtforderungen eine Forderung auf Bargeld? Und im Laufe der Zeit hat man Gold aus dieser Forderungskette herausgenommen und Bargeld steht jetzt am Anfang?

    • Die Sache mit dem Knapphalten von Geld ist natürlich eine verführerische Sache, weil sie das Denken im Fadenkreuz der Ökonomie befriedigt. Leider ist es ja so, daß Zentralbankgeld keiner Mengenrestriktion unterliegen muß, so daß dieses Denkmuster dafür im Grunde genommen ungeeignet ist.

      Das Gleiche gilt auf für Kreditverhältnisse, denn Schuldvereinbarungen kann man so viele eingehen, wie sich Partner dafür finden. Auch da gibt es keine Restriktion.

      Man muß es sich bei der „Knappheitsfrage“ aber auch nicht so schwer machen, denn der Umstand, daß Kredite individuell(!) eine Tilgungsvereinbarung enthalten erzeugt für jeden Kreditnehmer den Zwang zu einer Leistungserbringung. Es ist dieser Zwang der dazu führt, daß Geld einen „Wert“ erhält, weil die Waren, die am Markt angeboten werden dazu dienen, Schuldverhältnisse bedienbar zu halten. Deswegen sind ja auch Waren für den Verkäufer nichts anderes als kalkulierter Geldwert!

      Die Sache mit der Referenz ist richtig, weil Zentralbankgeld ja stets zur Erfüllung selbst bargeldloser Überweisungen benötigt wird, auch wenn es „nur“ innerhalb des Bankensystems umgeschichtet wird. Man muß sich nur immer wieder klarmachen, daß die Referenz eine Referenz ist und nicht das auf was referenziert wird. Schumpeter hat das mal so ausgedrückt: Auf einer Forderung auf ein Pferd kann man nicht reiten!

      Die Formulierung „ist doch nur bedrucktes Papier“ ist verfänglich, weil sie ignoriert, daß Zentralbankgeld das Medium ist, mit dem Schuldverhältnisse getilgt werden können. Als Medium zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit sozialer Interaktionsverhältnisse hat es dann offenbar doch eine immense Bedeutung! Man mache sich dazu klar, daß multipersonelle Koooperationsveranstaltungen – aka Unternehmungen – auch nur dann funktionsfähig sind, wenn die darin enthaltenen Schuldbeziehungen regelmäßig bedient werden. Geld ist nun mal ein soziales Verhältnis, das Problem dabei ist „nur“, das in einem Modell zu operationalisieren.

  3. Michael Gunczy

    Ich komme noch mal auf meine auf Twitter gestellte Frage zurück, die unbeantwortet blieb. Nicht von Ihnen, sondern vom Rest meiner kleinen Followerwelt. ( Ich hatte da auf Andre Kühnlenz gehofft)
    Was spricht gegen ihr 3stufiges Modell für den Euro?
    Je mehr ich mich als Laie mit dem Geldsystem und den Problemen der Eurozone beschäftige, desto klarer erscheint mir Ihr Entwurf.
    So jetzt ganz konkret gefragt, auch wenn es Sie als Systemtheortiker, vielleicht am falschen Fuss erwischt, ist ihr Modell von Ökonomen schon debattiert worden oder gibt es ein wissenschaftliches Papier darüber?
    Oder ist es nur bis jetzt nicht entdeckt und aufgegriffen, oder gibt es Lobbyinginteressen, die dagegen sprechen?
    Liebe Grüße aus Wien

    • rubycon

      Von Kühnlenz :
      http://www.weitwinkelsubjektiv.com/2013/05/30/adios-dicke-bertha/
      Draghi vor dem BVefG zur Stellungnahme gefordert?

    • Nu überfordern Sie mal die ‚follower power‘ nicht so, diese Frage ist ja nicht trivial!🙂

      Das größte Hindernis besteht sicherlich daraus, daß die herrschende Version der Geldtheorie immer noch damit herumkrebst, die einstufige Variante des Geldsystems mit den beobachtbaren Fakten in Einklang zu bringen. Jedes Mal, wenn da wieder von irgendeiner „Umlaufgeschwindigkeit“ gefaselt wird, kann man sicher sein, daß das Verständnis des Geldsystems auf der Stufe eines bäuerlichen Wochenmarktes stehengeblieben ist. Daß sich daran so schnell nichts ändern wird liegt daran, daß das zentrale „Marktmodell“, aus dem sich die schöne Formel der „Wettbewerbsfähigkeit“ herleitet, mit den Eigenheiten des Geldsystems nicht so richtig verbinden läßt. Da die „Wissenschaft“ dieses Marktmodell als „gesichertes Wissen“ nicht einfach aufgeben wird, darf man durchaus davon ausgehen, daß es kaum Chancen dafür gibt, daß sich eine Bewußtseinsveränderung einstellen wird, welche mal anerkennen könnte, daß wir seit geraumer Zeit in einer Geldwirtschaft leben.

      Wenn also Ökonomen noch nicht mal – obwohl durchaus gelegentlich davon die Rede ist, daß es sich bei dem Geldsystem der Gegenwart um ein zweistufiges Geldsystem handelt – wirklich klar ist, daß Kreditebenen eben nicht unterschiedslos behandelt werden können, braucht man sich nicht danach umzusehen, ob irgendwo über dreistufige Geldsysteme nachgedacht worden ist. (Man könnte den Goldstandard als ein dreistufiges Geldsystem ansehen, weil dort diese Dreiteilung angelegt ist: 1-Gold, 2-nationale Banknoten, 3-Sichtguthaben der Banken. Leider ein verfummeltes Thema!) Das merkt man jedesmal daran, daß den meisten Ökonomen der Unterschied von Geld und Kredit nicht klar ist, was auch dazu geführt hat, daß völlig unbekümmert das Basisgeld M0 (Banknoten und Zentralbank-„Reserven“) mit den Sichtforderungen (=Forderungen auf Basisgeld, für Private de facto Forderungen auf Zentralbank-Banknoten) zu einer „Geldmenge M1“ zusammengerührt wird und das in der sonnigsten Überzeugung, daß das alles seine Richtigkeit hätte.

      Was die Lobbyinteressen angeht: wie gesagt ist der EURO eine Konstruktion, die dazu gedacht war, dem „Zinsdiktat der Bundesbank“ zu entkommen, weil sich die Franzosen ausführlich davon überzeugen konnten, daß sie sich nicht von der Zinspolitik der Bundesbank abkoppeln konnten. (Es war ja nicht nur Deutschland, sondern der „Deutschland-Block“ bestehend aus Deutschland, Österreich, BeNeLux und einigen anderen wie Dänemark oder sogar im Hintergrund die Skandinavier.) Ein dreistufiges Geldsystem würde so ähnlich wirken wie der Goldstandard: das größte Überschußland häuft die größten Goldreserven an, steht vor dem Problem, diesen Goldzufluß mit seiner Wirkung auf die Geldmenge zu „sterilisieren“, während die Goldabflußländer eine – desaströse – Deflation begleitet von hohen Zinsen einleiten müssen, um dem Goldabfluß zu begegnen. Im Grunde genommen dasselbe, was derzeit in EURO-Land passiert. Nur diesmal heißt der zentrale Indikator nicht Goldabfluß, sondern TARGET-Saldo! Heißt: der Versuch, sich vom „Zinsdiktat der Bundesbank“ zu emanzipieren hat nicht dazu geführt, daß die finanzielle Hegemonie Deutschlands gebrochen worden wäre, im Gegenteil: statt des indirekten Zwangs der Zinspolitik (der man sich durch eine Abwertung noch einigermaßen entziehen kann, auch wenn das alles nicht so lustig ist) hat man sich den direkten Zwängen ausgesetzt, denen jeder (überschuldete) Schuldner sich unterwerfen muß – ohne Alternative, vielleicht versteht man so, was „alternativlos“ bedeutet, das ist ein grausames Spiel! Was lernt man daraus? Man muß sich vorher ansehen, was aus dem vermeintlich gezähmten Haustierchen wird, wenn es ausgewachsen ist. (Wahrscheinlich bestand die Fehleinschätzung bezüglich Deutschlands darin, daß Deutschland auf viele Jahrzehnte mit der Integration der DDR zu tun haben würde – ähnlich wie Italien mit seinem Mezzogiorno – und daher als Konkurrent ausfallen würde. Dann kam der Soli und die Erhöhung der MWSt. um 3%, und die ökonomische Welt war zwar in Deutschland nicht in Ordnung – hat aber dennoch die Stellung Deutschland im Weltmarkt wieder zur alten Stärke zurückgeführt. Tja, ’shit happens‘!)

      • rubycon

        Habe soeben die Konten und Bilanzgliederung des neuen Weltwährungssystem dank Deiner Erläuterungen festgelegt:
        Aktivseite : M-1, M-2, M-3 … für den Euro somit M-1-EU bis M-17-EU für die jeweiligen Target-Verrechnungsforderungen.
        Unter den Bargeldern M-0 bzw. über den Eigenkapitalien (Virtual Wealth – vorweg Gefühlte Vermögen) auf der Passivseite.😉
        Bsp. M-17-EU-Zypern (NA, MA SA BR AF AS AU IN CH JA …)
        Sozusagen die Kassenbestandverringerungsposten, die das Eigenkapital kürzen !!!
        Schlechte Zeiten für den US-Dollar als weltweite Leitwährung.
        Und mit militärischer Gewalt die Güter- und Rohstoffmärkte und Nationen zwingen ist heute nicht mehr praktikabel und finanzierbar.
        Adios Bankerzirkel in den Bankentempeln !

        Wenn das Ulrich Döring „genehmigt“, bei dem ich Buchhaltung und Kostenrechnung lernnen durfte, ist uns heute am 1. Juni 2013 die Unsterblichkeit gelungen. So als „Ausstiegsschlaffies“;
        Tja, Luck happens too!
        http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=professor%20ulrich%20d%C3%B6ring%20l%C3%BCneburg&source=web&cd=3&ved=0CDkQFjAC&url=http%3A%2F%2Fwww.woehe-portal.de%2Ffileadmin%2Fpdf%2FDoering_Bwl_in_der_Krise.pdf&ei=wqKpUf38KsvMswaP6oH4Ag&usg=AFQjCNF4mN5cDoZTFwWIG_6l-Qzd4oauFA
        Und wenn die Bundeskanzlerin in Schwerin das Kafféepadwerk des Multinationalen schweizer Nestlékonzerns einweiht und die Subventionen der Steuerzahler verteilt, sollte man fragen, ob die Investitionsrechnungen Tariflöhne mit Steigerungen gerechnet (Kalkulationszins) haben oder stattdessen Aufstockerkräfte als Standortdrohpotenzial in den Finanzplänen stehen .

  4. Vandermonde

    Ich würde Ihr EUROR Konzept allerdings so interpretieren, dass die Währungsunion damit de facto nicht mehr existiert. Die einzige Konsequenz wäre dabei, dass wir statt mit explodierenden staatlichen Refinanzierungskosten (vor Draghis „wir tun alles notwendige“) mit nationalen Zentralbankinsolvenzen konfrontiert wären.

    Der „soziale Wert“ des Geldes entsteht eben nicht nur durch den Schuldendruck, sondern eben paradoxerweise auch durch die unbegrenzte Verfügbarkeit durch die emittierende Institution. Man könnte auch formulieren, dass die unbegrenzte „Abbildungsmöglichkeit“ der Schulden eine notwendige (aber nicht hinreichende) Bedingung für eine stabile Währung darstellt. Ansonsten hat man es wie beim Goldstandard mit einem „Kampf“ an zwei Fronten zu tun.

    • Die Währungsunion gäbe es schon noch, es würde jedoch mit der Legende aufgeräumt, daß es EUROweit einen einheitlichen Diskont geben müsse, in dem Sinne, daß die Bedingungen der Kreditvergabe nivelliert wären. Das funktioniert ja sowieso schon nicht und zwar deswegen, weil Banken bei ihrer Bonitätsbeurteilung sehr wohl zwischen potentiellen Schuldnern differenzieren können – und müssen. Das Beklagen der EZB hinsichtlich der „europäischen Geldspaltung“ beruht ja darauf, daß gerade die Banken derjenigen Regionen, die von einer Wirtschaftskrise betroffen sind, ausgerechnet die wenigste Lust darauf haben, den (kriselnden) Schuldnern nun auch noch mit Zinssenkungen entgegenzukommen.

      Wo Sie die ZB-insolvenzen herauslesen kann ich nicht nachvollziehen, denn es geht ja gerade darum ein Szenario zu diskutieren, was tatsächlich eine Zentralbank EZB beinhaltet und nicht wie derzeit von 18 nationalen Zentralbanken mit ihrer jeweils eigenen Auffassung von Bonität und Kreditkonditionen. Die NZBs wären ja dann quasi die Parallele zu den Landeszentralbanken, die ja letztlich nur eine Hauptverwaltung der Bundesbank darstellten. Da hat niemand darüber nachgedacht, ob eine Hauptverwaltung in Konkurs gehen kann.

      Die Sache mit Ihrem „Paradox“ habe ich noch nicht verstanden, vielleicht könnten Sie Ihre Idee noch einmal genauer ausführen? Bzw. was meinen Sie mit „unbegrenzte Abbildungsmöglichkeit der Schulden“?

      • Vandermonde

        Der Unterschied zu den Landeszentralbanken ist der, dass sie ja kein zweistufiges System darstellen (zumindest seit 1957) während Ihr EUROR Vorschlag eine eigene Clearing- und Refinanzierungsebene einführt. Mich erinnert das an die Target 2 Debatte, wo die dabei diskutierte Beschränkung der Target Salden eigentlich eine ähnliche Idee formuliert. Und daher läßt sich meiner Meinung nach auch diesselbe Replik geben: Eine Beschränkung würde bedeuten, dass es keine wirkliche gemeinsame Währung mehr gibt, denn ein Clearing auf der Ebene der nationalen Zentralbank würde nicht automatisch auch ein grenzüberschreitendes Clearing bedeuten.

        Die EUROR/EURO Aufteilung würde das Problem einfach auf die Ebene des EURO verlagern und diesen zu einer Art Giralgeld machen. Damit hängt die Stabilität jedoch wie bei einer normalen GB von der jeweiligen nationalen Bonitätseinschätzung ab und jeder der es sich leisten könnte, würde versuchen sein Vermögen in Länder mit hoher Bonität zu transferieren (wie es übrigens im Zuge der Krise möglicherweise geschehen ist, je nachdem wie man die tw. sehr unterschiedlichen Target 2 Salden interpretiert). Durch die Bonitätsbeschränkungen des EUROR wäre die NZB jedoch bald zahlungsunfähig und könnte keine Überweisungen mehr durchführen. Es ist ziemlich klar, dass eine solche Konstellation die Tür für eine self fullfilling prophecy weit öffnen würde (eine interessante Frage wäre dabei, wenn die Leute EURO Bargeld abheben und in einem anderen Land einzahlen würden bzw. wie sich das mit der EUROR/EURO Aufteilung vertragen würde, denn es wäre ja möglich, dass das abgehobene EURO Bargeld nicht durch EUROR gedeckt ist).

        Mit der „Abbildung“ meine ich die Art und Weise wie die schuldrechtlichen Verpflichtungen „gemessen“ bzw. bewertet werden (Man könnte es vielleicht auch die Frage der „Deckung“ nennen). Prinzipiell handelt es sich ja dabei um eine Abbildung von verpfändbaren Vermögenswerten (dazu gehören z.B. auch reine Investitionsideen) auf einen Nominalwert. Bei einem Fiat Money System ist diese Abbildung ja keiner expliziten Beschränkung unterworfen ganz im Gegensatz zu einem System, das auf physikalischen Beschränkungen basiert (wie eben z.B. der Goldstandard). Ich fand das insofern paradox, weil dabei eigentlich zwei gegensätzliche Strategien (Unbegrenztheit vs, Knappheit) Anwendung finden.

        Ich wollte damit begründen, dass gerade auch die Unbeschränkheit der grenzüberschreitenden Zahlung ein wesentliches konstituierendes und auch stabiliserendes Element einer gemeinsamen europäischen Währung darstellt.

      • Die Sache ist eher umgekehrt: eine Beschränkung des Zentralbankgeldes bewirkt ja erst eine Vereinheitlichung des Zahlungsraumes, weil es aus Konkurrenzgründen dabei zu einer Vereinheitlichung der Bonitätsstandards kommt, so daß im Endeffekt sich das einstellt, was derzeit von der EZB als „europäische Geldspaltung“ kritisch beleuchtet wird. Es ginge ja gerade darum den derzeitigen 18 Zentralbanken den Zwang aufzuerlegen, bei anderen Zentralbanken oder der EZB um Kredit nachsuchen zu müssen, wenn es seitens des angeschlossenen Bankensystems zu einem erhöhten Zentralbankgeldbedarf kommt. Denn nur dann ist gewährleistet, daß die z.B. griechische Kreditvergabepraxis hinsichtlich der Bonitätsstandards sich derjenigen annähert, die z.B. in Finnland gepflegt wird. Eine Nivellierung der Bonitätsstandards bedeutet ja gerade, daß praktisch jeder jedem Kredit erteilen wird, weil das Risiko des Forderungsverlustes überall identisch ist.

        Das ist ja nicht zuletzt auch das Ziel der europäischen Geldpolitik, das Problem besteht nur daraus, daß man gemeint hat, daß mit der Formulierung dieses Grundsatzes als EZB-Zentralbankgesetz sich diese heile Welt schon von alleine einstellen würde. Das liegt zum Teil an der Naivität von Juristen, die unter der kollektiven Psychose leiden sich vorzustellen, daß die Welt auch so funktionieren würde, wie es in Gesetzestexten stehen würde und auf der anderen Seite an der Naivität von Ökonomen, die tatsächlich davon ausgehen, daß die Zentralaufgabe einer Zentralbank in der Verhinderung von Inflation bestehen würde. Im Grunde genommen hat man die Ziele des EURO vorgegeben und vergessen (oder nie gewußt), worin die Vorbedingungen bestehen, die zur Erreichung dieser Ziele führen. Denn eine EUROweite Vereinheitlichung der Geldpolitik ist das Ergebnis der Harmonisierung, aber nicht das Mittel dazu. Was aber macht die EZB? Wacht eifersüchtig darüber, daß überall die gleichen Zinssätze und ‚collateral‘-Normen eingehalten werden und übersieht (qua Auftrag), daß eigentlich eine Ungleichbehandlung angebracht wäre, gemäß der allgemeinen Gerechtigkeitsformel, daß nur das gleich behandelt werden muß, was auch gleich ist.

        Man kann natürlich die EUROR-Geschichte auch damit substituieren, daß die EZB eine Geldmengenzuteilung im Auktionsverfahren durchführt und die Zuteilung nach Höhe des Zinsgebotes gewährt. Dann ist aber auf einmal klar, daß die 18 Zentralbanken eben keine Zentralbanken mehr sind, weil sie das Rechts auf Emission von EURO nicht mehr besitzen. Höhere Zinsen ziehen dann aber auch höhere Bonitätsanforderungen mit sich, ohne daß sich eine Troika sich dem beschissenen Geschäft widmen muß, sich von dem Pleitekandidaten ständig belügen lassen zu müssen. Es gibt sicherlich auch für Troika-Mitarbeiter sinnvollere Beschäftigungen!

      • Vandermonde

        @soffisticated

        „Es ginge ja gerade darum den derzeitigen 18 Zentralbanken den Zwang aufzuerlegen, bei anderen Zentralbanken oder der EZB um Kredit nachsuchen zu müssen, wenn es seitens des angeschlossenen Bankensystems zu einem erhöhten Zentralbankgeldbedarf kommt. Denn nur dann ist gewährleistet, daß die z.B. griechische Kreditvergabepraxis hinsichtlich der Bonitätsstandards sich derjenigen annähert, die z.B. in Finnland gepflegt wird.“

        Wenn die Bonitätsstandars nicht denselben Level haben, werden sie sich nicht annäheren, sondern die höheren Bonitätsstandards werden das Kreditvolumen z.B. in Griechenland weiter reduzieren mit der Konsequenz, dass die Bonitätsstandards weiter sinken.

        Die Bonität ist eben keine unabhängig Variable und gerade auf der Ebene der ZB ist eine gesamtwirtschaftliche Sichtweise mit all ihren Rückkoppelungseffekten essentiell. Man könnte die Austeritätsmaßnahmen ja eigentlicht auch als eine Form der Erhöhung der Bonitätsstandards betrachten und sie bieten dabei eigentlich ein gutes Beispiel für die dabei auftretenden Rückkoppelungseffekte, die dann vollkommen kontraproduktiv wirken.

        „die tatsächlich davon ausgehen, daß die Zentralaufgabe einer Zentralbank in der Verhinderung von Inflation bestehen würde“

        Insofern hat ihr oft erwähntes „Entkommen“ vom Zinsdiktat der DB nicht geklappt, sondern es kam mit dem Inflationsdiktat alles doppelt und dreifach so schlimm zurück.

        Da sie ja den EURO auf der Systemebene kritisieren macht Ihre Kritik der „Pleitekandidaten“ eigentlich keinen Sinn. Die Troika muss ja wissen, dass diesen Ländern bei den unrealistischen Vorgaben und absurden Modellannahmen nichts anderes übrigbleibt als zu „lügen“. Und wenn sie es nicht wissen, ist es traurig genug und die einzige sinnvolle Beschäftigung die dann für die Troika noch übrig bliebe wäre z.B. das Lesen dieses Blogs😉

    • „Der “soziale Wert” des Geldes entsteht eben nicht nur durch den Schuldendruck, sondern eben paradoxerweise auch durch die unbegrenzte Verfügbarkeit durch die emittierende Institution. “

      Kann als Reziprozität bezeichnet werden, kein Paradoxität.

      Schuldendruck = Geldvernichtung durch Tilgung, Ausbuchung, Bilanzkürzung von Beständen der Vergangeheit

      Emittierung = Geldschöpfung durch Kreditgewährung, Einbuchung, Bilanzverlängerung von Beständen der Zukunft

      Revolvierung schafft zeitliche Hierarchie, die durch Bewertungsspirale funktioniert, bis der „soziale Wert“ nivelliert – Tulpenzwiebelzucht und Tulpenzwiebelwerte an den Börsen:
      http://www.zdf.de/ZDFinfo/Tulpenfieber-27864116.html

      • Vandermonde

        Das Paradox bezog sich auf den Umstand, dass einerseits das Geld knapp gehalten wird, in dem Sinne das es nur gegen schuldfähige Sicherheiten emittiert wird und anderseits das Versprechen der „Nicht-Verknappung“ bzw. der Unbegrenztheit der Abbildung, d.h. solange eine GB schuldfähige Sicherheiten besitze bekommt sie ZB Geld. Und dieses ZB Geld ist in seiner Emittierungsfähigkeit nicht begrenzt.

  5. „Durch die Bonitätsbeschränkungen des EUROR wäre die NZB jedoch bald zahlungsunfähig und könnte keine Überweisungen mehr durchführen.“

    US-Bundesstaaten und lokale FED`s stimmen nicht überein und dass Banken dort nicht gerettet werden, zeigt die Insolvenzliste.
    Es gilt der uneingeschränkte Bonitätsmaßstab, die Unternehmensverantwortung.

    „… denn es wäre ja möglich, dass das abgehobene EURO Bargeld nicht durch EUROR gedeckt ist).“

    Das ist doch gerade die Funktion von Währungen als Wettbewerbsfaktor, Gestaltungkraft.
    hierzu :
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/parallelwaehrungen-wege-aus-der-eurofalle-12734752.html

    Es bleibt die Frage der Zulässigkeit der Staatsfinanzierung durch Zentralbanken oder durch Bindung an Realgüter.

    • Vandermonde

      Ob sie übereinstimmen oder nicht ist in diesem Fall irrelevant, weil es sich zwar um einen dezentralen Zentralbankverbund handelt, der über ISA entsprechende Ausgleichsmechanismen (Goldzertifikate und Wertpapiere) vornimmt, jedoch muss(!) dieser Ausgleich nicht stattfinden und damit ist die grundlegende Haftungssituation (insbesondere im Krisenfall) nicht wesentlich anders als bei einer einzigen ZB.

      http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-28885/51.pdf
      http://jpkoning.blogspot.de/2012/02/idiots-guide-to-federal-reserve.html
      http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2012/05/das-fed-system-ist-nicht-die-loesung-in-der-target2-debatte/
      http://saldenmechanik.wordpress.com/2013/05/15/ezb-reform-nach-michael-burda-und-robert-heusinger/
      http://www.bruegel.org/blog/detail/article/696-target-2-of-the-ecb-vs-interdistrict-settlement-account-of-the-federal-reserve/

      Unabhängig davon existieren in den USA im Vergleich zur EU ausgeprägtere wirtschaftspolitische Ausgleichsmechanismen.
      http://www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2012/1/2699/

      bezüglich FAZ: ich glaube nicht, dass sich so etwas einfach und stabil umsetzen lassen würde. Dazu hängt es von zu vielen Annahmen ab.

      • Aus einem der „Mobsterlinkliste“ hier Klose/Weigert:
        „Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Bonität der Sicherheiten im Pool der Refinanzierungsgeschäfte hoch genug ist, da die Anforderungen an die Sicherheiten im Zuge der Finanzkrise massiv gelockert wurden. Würde im Eurosystem wie in den Vereinigten Staaten die Aktivseite der Bilanz neu aufgeteilt und jede nationale Notenbank einen Anteil am aktuellen Refinanzierungsgeschäft in die Bilanz nehmen, dann sind es vielmehr die Risiken dieser Wertpapiere, die Anlass zur Besorgnis geben, nicht jedoch die TARGET2-Salden selbst. Sollte der Euro auseinanderbrechen, dann würden die Verluste für Deutschland nicht deswegen kleiner, weil die TARGET2-Salden im Zuge des Ausgleichsverfahrens durch die Sicherheiten aus den Refinanzierungsgeschäften ausgeglichen werden. Vermutlich ist es dann immer noch besser, Forderungen gegen das Eurosystem zu haben.“

        In Sinne soffis kann ein Ausstieg nur langsam und einzeln „verkraftet“, wertberichtigt werden, weil nur eine gewisse Quote jährlich zu handhaben ist. Von daher ist der jährliche Saldenausgleich der FEDs sinnvoll, übermäßige nicht mehr werthaltige Sicherheiten zu vermeiden.
        Die Lösung der Altbestände in Europa steht aus, Neukreditierungen sind hart auf Bonität zu prüfen.
        Clearing and settling = verrechnen und verteilen
        Danke für das Wissen!

      • Vandermonde

        @rubicon:

        ich denke nicht, dass ein Ausgleich überhaupt auf der rein geldpolitischen Seite funktionieren kann, weil die Ungleichgewichte schlicht und einfach zu hoch sind.

        Bezüglich der harten Bonitätsprüfung bin ich deswegen skeptisch, weil die Bonitätsbedingungen nicht unabhängig von der Kreditschöpfung sind. D.h. das die Bonität von den Kreditvolumen und deren Verteilung beeinflußt wird und umgekehrt.

        Sind die Bonitätsbedingungen bereits allgemein niedrig ist eine weitere Verschärfung und damit Einschränkung der Kreditschöpfung vermutlich eher kontraproduktiv.

  6. Es ist auf das BVerfG und die Diskussion im Herdentrieb hinzuweisen.
    http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/02/10/der-gau-in-karlsruhe_7100/comment-page-2#comments
    Der zeitliche Verlauf bestimmt das Handeln der Akteure,
    Wahlen, Schuldenaufnahmen zur Refinanzierung, Verfassungsänderungen, EU-Vertragsanpassungen.

  7. Die Welt entwickelt sich nun einmal durch Inflation, durch Ausdehnung der Zahl, genauer: des ZB-Geldes. Wen wundert`s, wenn der Unternehmensgewinn der Motor der Entwicklung ist und „Mehr-Zahl“ erfordert? Wo ist das Problem? Das Problem haben doch nur jene, die sich mit der Gegenwarts-Orientierung des Kapitalismus nicht anfreunden können, die partout glauben, eine einmalig erbrachte Sparleistung auf ewig als „Wert“ verwahren zu können. „Hinter mir die Sintflut!“, hat Marx einst gesagt, „ist der Schlachtruf aller Kapitalisten-Nationen.“ Insofern halte ich den ganzen Diskurs, das ganze Gejammerwerk über die nicht vorhandene Stabilität des Geldes, nicht nur als wirklichkeitsfremd sondern auch noch von einer spezifischen Klassenperspektive getragen: dem des Kleinbürgers. Was interessiert einen Arbeitnehmer die Inflation oder ein Unternehmen? Dankbar sind sie, wenn die ewig wachsende Zahl ihre Bilanzen auffrischt! Fort mit diesem Gejammerwerk, raus mit dem Geld aus Euren Taschen! Wenn mich etwas wirklich stört, dann: das Umfeld, in dem die „neue Theorie“ des Geldes entwickelt wird, das durch und durch kleinbürgerlich ist und vom Stabilitätsgedanken getragen wird. Wer an Stabilität glaubt, hat in dem Spiel, das Kapitalismus heisst, nichts verloren.

    Alfred Felsberger

  8. Versuche von einem Protagonisten in Finanzaufsicht :

    „Wie man aus dem Schlamassel wieder herauskommt, weiß Turner auch nicht. Schulden bekommt man nur durch Wachstum oder durch Inflation wieder weg, glaubt er. Aber er hat einige Vorschläge dafür, wie sich so eine horrende Überschuldung künftig vermeiden lässt. Hier ist eine Auswahl:

    Zentralbanken sollen künftig nicht nur darauf achten, dass das Wachstum der Kreditmenge im Rahmen bleibt – sondern auch darauf, wie groß die Kreditmenge insgesamt geworden ist

    Auch mit Zinserhöhungen sollten Zentralbanken schneller werden (aber Vorsicht: Ungünstig wird es, wenn sich die Immobilienkäufer trotz hoher Zinsen nicht vom Kauf abhalten lassen, aber die Unternehmen ihre Investitionen aufschieben).

    Kredite zu vergeben, könnte besteuert werden – zumindest aber sollten Steuervergünstigungen auf Kredite abgeschafft werden.

    Auch ein höheres Eigenkapital in den Banken hilft – eine Forderung, die Turner mit Anat Admati und Martin Hellwig teilt.

    Recht wären Turner auch Banken, die keine Immobilien finanzieren, sondern nur normale Unternehmenskredite für Investitionen.“

    aus :
    http://blogs.faz.net/fazit/2014/02/11/raus-aus-der-schuldensucht-3539/

    Soffi hat wiederholt auf die steuerliche Bevorzgung des Fremdkapitals gegenüber Eigenkapital hingewiesen.
    Soddy die Eigenkapitaldeckung erklärt.

    Negative Zinsen bringen auch einen Spread.

    Infrastrukturen und technische Innovationen statt Immobilienhandel bringt sinnvolle Neufinanzierungen -> Umverteilung.

    Staatliche (zentralbankliche) Direktkredite statt Geschäftsbankenblockade wegen Angst vor Eigenisolvenz durch Kapitalverpflechtung als Alternative ->Strukturpolitik.

    Kreditmengensteuerung hat die Zentralbank sehr vernachlässigt bzw. durch QE ersetzt?

    Nur ein paar spontane Gedanken.
    @ Vandermonde

  9. Bei diesen Bilanzkennzahlen
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/ezb-stresstest-deutsche-banken-koennen-auf-erleichterungen-hoffen/9473704.html
    wären 30%Eigenkapitaldeckung und 30%Mindestreserve plus 30% Steuer auf jede Kapitaltransaktion stabilisierend?
    Spekulationen gegen Währungen/Staaten würde Kapital entzogen.
    Rettungen von gelb und rot eingestuften Anlagen nach Elke König (heutiges Zeitinterview) werden ausgeschlossen – Wertberichtigung und Nichtanrechnung bei der Eigenkapitalquote .

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