EZB: Was ist eigentlich passiert?

Die lustigen Verlautbarungen der horroraffinen veröffentlichten Presse zur EZB können eigentlich nur noch als ‚running gag‘ angesehen werden. Man kann sich natürlich auch Gedanken machen, was wirklich passiert ist: ‚business as usual‘!

Der Kauf von ‚bonds‘ ist nämlich ein normaler Vorgang für eine Zentralbank. Das ist auch der Bundesbank passiert. Man muß sich fragen, welche Ziele damit erreicht werden sollen. Die offizielle Begründung ist, daß die geldpolitischen  Impulse offensichtlich nicht mehr wirken. Das kann ja durchaus sein, nur dann muß man sich fragen, aus welchem Grund sie ihre Wirksamkeit verloren haben. Die Geschichte mit den ‚bonds‘ ist dabei nur vordergründig von Wichtigkeit. Denn die säkulare Entwicklung der Zinsen ist großflächig im Sinken begriffen. Daher sind steigende Zinsen an sich ein Anachronismus. Nur: als Alarmsignal reicht das!

Der eigentliche Grund für die europäische Geldspaltung liegt darin, daß die Banken ein Rentabilitätsproblem haben, aus dem sie sich nicht selbst befreien können. Das Problem ist, daß die EZB nur Liquidität zur Verfügung stellen kann, aber keine Rentabilität. Ein bißchen geht das zwar, indem sie den Leitzins senkt, aber das hilft nicht viel. Denn das wirkliche Problem ist die mangelhafte Rentabilität der Unternehmen, welche die Rentabilität der Banken untergräbt. Das bekommt man nur hin, wenn die Unternehmen wieder den erforderlichen Schuldendienst selbst erwirtschaften können. Damit handelt es sich bei den ‚bond‘-Käufen um ein klassisches Nachfrageprogramm.

Das kann man machen, die Frage ist, warum ist das nötig? Die Antwort ist: ein Bauboom verändert die relativen Preise zwischen den Bestandspreisen und den Preisen der allgemeinen Lebenshaltung. Denn die Übersteigerung der Baupreise müßte an sich eine dementsprechende Steigerung der Lohneinkommen nach sich ziehen, damit der cash-flow der Bauunternehmen das erforderliche Volumen aufweist. Dabei kann es auch Pannen geben, die den (armen) „Investoren“ vor Augen führen, daß sie sich nicht auf temporäre Konjunkturen verlassen können. Das Ärgerliche ist: die Einkommen aus Bautätigkeit können sich verdünnisieren. Das äußert sich entweder in Kapitalflucht oder in Konsum- oder Investitionsverweigerung. Und davon sind auch ‚bonds‘ betroffen. So einfach ist das.

Niemand braucht dabei zu argumentieren, daß ja eigentlich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ja da sein müßte. Weit gefehlt: Kapitalverkehrsfreiheit bedeutet eben auch, sein Geld nicht dort ausgeben zu müssen, wo es erwirtschaftet wurde. Das ist so!

Was kann man als Zentralbank dagegen tun? Eben das! Warum? Weil Geldspaltung nicht nur was mit Zinsen zu tun hat, sondern auch mit Ertragsraten! Diese sind dann platt, wenn die erzeugten Einkommen nicht mehr demjenigen Wirtschaftskreislauf zugeführt werden, wo sie ursprünglich entstanden sind. Und wie steigert man Ertragsraten? Richtig: indem dort Geld ausgegeben wird, wo es eine Renditeklemme gibt! Kapitalverkehrsfreiheit hin oder her!

Daß die EZB damit Dinge macht, die nicht zu ihrem legalistischen Auftrag gehören – sicherlich! Das kann man kritisieren: Nur: warum kann sie es dennoch tun? Eben: weil die wesentlichen(!) geldvermögensvernichtenden Wirkungen der Finanzierung von Staatsschulden nur dann eintreten, wenn man einen Krieg verloren hat!

 

15 Kommentare

Eingeordnet unter Ordnungspolitik, Wirtschaftspolitik

15 Antworten zu “EZB: Was ist eigentlich passiert?

  1. rubycon

    Fazit ?!
    Deutsche und europäische Zentralbanker zusammen mit Staatenvertretenden Politikern waren und sind so blöde/geschickt den normalen (nicht verursachenden) Steuerzahlern, die gesteigerten Ertragsratenzahlungen für Fehlinvestments unterzujubeln (Wertberichtungen der geplatzten Erwartungsinvestitionen durch Inflation und Haftung zeitlich gestreckt).
    Neue Monopolyspielrunden (Kriegsende mit Anschreiben und Neuverteilung des Spielgeldes) können starten.
    Nur gibt es weiterhin keine Zinsorientierungswerte für Märkte.
    Insofern wird das Regionale Zinssuchverhalten für staatlich strukturierte Räume anhalten. Die EZB hat sich eine Daueraufgabe angeeignet . Und zusätzlich soll sie die Entscheidung über eine Insolvenz von Banken treffen dürfen.
    Ob das funktioniert ?

  2. Bernd Klehn

    Warum verschleierst Du was eigentlich passiert? Ich habe sehr, sehr viel über das Geldsystem von dir gelernt. Money makes the world go round. That is all. Es soll uns also nur in ein effektives Hamsterrad zwingen. Es ist nicht gerecht, wenn das Eurosystem mit seiner national fragmentierten Geldschöpfung, dazu führt, dass die Einen Geld drucken und die Anderen arbeiten und die Gelddrucker weiter darauf bestehen, dass es so bleibt. Dann stimmt was nicht.

  3. Eclair

    „dass die Einen Geld drucken und die Anderen arbeiten und die Gelddrucker weiter darauf bestehen, dass es so bleibt.“

    Nur zur Klarstellung: Wer sind denn hier „die Einen“ und wer „die Anderen“? Wenn mit den „Einen“ die versammelten privaten Nettogeldvermögensbesitzer bzw. Ihre lobbyistischen Vertreter gemeint sind, und mit den „Anderen“ die versammelten nicht-nettogeldvermögensbesitzenden Klassen Europas (nota bene auch die erzwungenermaßen Arbeitslosen), dann würde ich durchaus zustimmen…

  4. Bernd Klehn

    Bei der national fragmentierten Geldschöpfung geht es natürlich zuerst um die Ungleichgewichte zwischen den Volkswirtschaften, dann sekundär innerhalb einer Volkswirtschaft. Für mich wäre gerecht, wenn jeder Eurozonenbürger ein Konto bei der Zentralbank hätte und mit dem 18ten Geburtstag 13000Euro erhielte und dieses der einzige Weg der Zentralbankgeldemittierung wäre

  5. Eclair

    Naja, aber die national fragmentierte Geldschöpfung ist doch gegenwärtig ganz offenkundig ein Nebeneffekt der Verlagerung von Forderungen aus der Peripherie nach Kerneuropa. Case in point: Irland. Leistungsbilanzüberschüsse, aber negative T2-Salden, weil seit der 100%-Garantie der korrupten irischen Ex-Regierung die europäischen MFIs, allen voran die deutschen, ihre Anlagen schrittweise repatriieren. Die Verluste sind somit ins EZB-System ausgelagert (in Form von Schrottpapieren, die die irische Zentralbank als Sicherheiten für die hierzu notwendige Zentralbankgeldbeschaffung hinterlegt hat), und werden dort im Auflösungsfall anteilig abgeschrieben. Gutes Geschäft für Deutschland. In Irland kommen die Sinnschen Target-Thesen da entsprechend schlecht an.

  6. Eclair

    Oder mal anders: Ohne Target-2 und ohne die massive Aufweichung der Bonitätskriterien bei den für die Liquiditätsbeschaffung zu hinterlegenden Sicherheiten wären die Bankensysteme in der Peripherie schlagartig pleite. Auf intakte Bankfunktionen ist aber die komplette verbliebene Wirtschaft in diesen Ländern angewiesen. Die EZB macht das doch nicht aus Jux an der Freude. Kapitalflucht – nordeuropäischer Gläubiger wie lokaler Vermögender – wird derweil lautlos über T2 ermöglicht, und die Abschreibung nicht mehr werthaltiger Forderungen kann in der Bilanz des ESZB-Systems irgendwann per Buchungseintrag vonstatten gehen. Von allen denkbaren Lösungen ist das die schmerzfreiste. Es sei denn, die Irren setzen sich tatsächlich durch und bestehen darauf, eine Zentralbank in ihrer eigenen Währung zu rekapitalisieren. Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber es gibt ja diesen Spruch von Einstein zur Dummheit und zum Universum.

    Klar ist, dass die preisliche Wettbewerbsfähigkeit in den Krisenländern hoch und die Defizite über höhere Ex- und niedrigere Importe runter müssen (wobei bei letzterem die uneingeschränkte Liquiditätszufuhr natürlich nicht unbedingt hilft). Ob das ohne Kollaps gelingt, ist die entscheidende Frage, große Skepsis angebracht.

    • rubycon

      Merkel und Schäuble tragen den Barzaster zur Eigenkapitalstärkung dieses Jahr haushaltswirksam 9 Milliarden in die Tresore nach Frankfurt oder ist es ein Barscheck, eine Sofortüberweisung oder eine goldige Bareinlage – na egal wird sich noch irgendwas Flüssiges auftreiben lassen.
      Quittung nicht vergessen ausstellen zu lassen . Kann dann im Staatsforderungsbuch ordenlicht hinterlegt werden – für die Nachfolgegenerationen als historisches Lehr- (Leer-)stückschmankerl.

  7. Bernd Klehn

    Irland hat zwar eine leicht positive Handelsbilanz, aber eine stark negative Kapitalbilanz, auch vor 2007, und bezahlt Zinsen ans Ausland und hat als Ergebnis, auch wenn sich dieses bei den extremen internationalen Kapitalverquickungen ,1500% external Debets, sehr ungenau berechnen lässt ca. 100% Nettoauslandsschulden und ist längst pleite. Ich vermute, dass Irland seit langen am Finanzmarkt von USA und UK über den Tisch gezogen wird. Aber dieses alles ist nicht darauf zurückzuführen, dass Irland bei der Geldschöpfung benachteiligt wäre, dieses ist es nicht sondern im Gegenteil.

  8. Bernd Klehn

    Eclair

    Portugal, Spanien und Griechenland sind mit 100% Nettoauslandsschulden und weiteren Leistungsbilanzdefiziten pleite. Die EZB will diese Diagnose nur nicht wahrhaben und beatmet diese Länder künstlich mit Euroliquidität, fördert so die Kapitalflucht und verhindert so das Entstehen von neuem Leben.

  9. Eclair

    Aber was heißt denn das, Portugal, Spanien und Griechenland sind pleite? Doch wohl, dass deren Gläubiger eigentlich ihre Forderungen abschreiben müssten! Nun ist es aber so, um den Hausherrn zu zitieren, dass „sich keine Regierung trauen würde, eine großflächige Vermögensentwertung ihrer Bürger (Altersvorsorge) zuzulassen. Klein klein, wie es schon passiert geht es, eine große Entwertung (sagen wir “nur” 50%) würde jedoch immer verhindert werden.“ Damit bleiben zwei Möglichkeiten: Eine neue Runde nordeuropäischer Bankenrettungen mit Steuergeldern (Schuldenbremse!) im zwei- oder dreistelligen Milliardenbereich (deutsche MFI-Forderungen in GIPSI im Juli 2012: 300 Mrd., Versicherungen noch nicht mit eingerechnet) – oder eben die Variante über die EZB. Und nun stellen Sie sich mal vor, Sie sind Merkel – welche Variante bevorzugen Sie? Na…?

  10. Eclair

    PR-Technisch übrigens weiterhin astrein von Merkel: Ihr Ex-Berater stimmt im EZB-Rat dagegen, der Sozi Asmussen dafür, und die Regierung selbst poltert ein bisschen rum, kann aber ja gegen die unabhängige Zentralbank bekanntlich nix machen. Schuld ist eh Schröder, der die Griechen reingelassen hat. Wiederwahl Merkel 2013.

  11. rubycon

    @ Eclair
    Jetzt wird es aber Zeit, den gemeinsamen Abend mit dem Hausherren und Sarah Wagenknecht zu organisieren – allein schon aus nachhaltig optischen Gründen.
    Ich steuere das Monopolyspiel zur vertiefenden Sachanalyse bei 😉

  12. Ich komme etwas spät hierher, aber egal.
    Meines Erachtens sind bei der ‚Geldversorgung der ‚Südbanken‘ (Irland hier gedanklich eingeschlossen) durch die EZB zwei Sachverhalte zu unterscheiden:

    1) Der Ausgleich von Kapitalflucht (bzw. Kapitalrepatriierung, wenn wir an die ausländischen Banken denken). Insoweit übt die EZB doch wohl ihre ganz normale Funktion als „Lender of last Resort“ aus und dürfte auch die Absenkung der Anforderungen an die Qualität der bereits vorhandenen Sicherheiten unvermeidlich sein.

    2) Die „nackte“ Geldschöpfung gegen (m. E.) Scheinsicherheiten, nämlich von den Banken selbst emittierte Anleihen (die durch die Heimatstaaten garantiert werden). Das scheint mir eine Kreditausweitung zu ermöglichen, und zwar an Schuldner mit schlechter Bonität. Dadurch muss sich die Rentabilität der Banken zwangsläufig noch weiter verschlechtern. Aus diesem Grunde haben unsere europäischen „Freunde“ auch so ein dringliches Interesse daran, dass ihre Banken über den ESM direkt rekapitalisiert werden, also ohne Haftung der Heimatstaaten.

    Kriminell (im umgangssprachlichen, aber möglicher Weise auch im engeren strafrechtlichen Sinne) agiert die EZB m. E. dort, wo sie nicht nur illiquide Banken mit frischem Zentralbankgeld versorgt, sondern eindeutig bankrotte (i. S. v. überschuldete) Banken. Ich gehe davon aus, dass das in Griechenland und Spanien der Fall ist. Offenbar verlässt sich die EZB aber darauf, dass diese Banken via europäischer Gemeinschaftshaftung rekapitalisiert werden.
    Sollte das nicht der Fall sein und im Einzelfall eine überschuldete Bank tatsächlich in die Insolvenz gehen, sehe ich den Straftatbestand der Untreue für Meister Draghi und seine Mannschaft gegeben.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s