Der „Geld ist Kredit“-Spezialfall

Lago di GardaManchmal stößt man auf Beiträge, die vielversprechend anfangen und sich dann doch wieder in den alten Mißverständnissen verheddern. So gibt es eine Videofolge von dem von mir geschätzten Dirk Bezemer, die sich damit beschäftigt, wie das mit dem Geld nun eigentlich ist. Zunächst scheint er auf einem guten Weg zu sein, indem er erklärt, daß bei dem Komplex Geld und Schulden erst die Schulden existierten und später erst das Geld zum Vorschein kam. Das kann man tatsächlich so sehen, wenn man davon ausgeht, daß Schulden zunächst auf reale Gegenleistungen ausgestellt waren und die Einführung von abstrakten Wertzeichen erst eine spätere Entwicklung darstellt. Was dabei jedoch nicht zulässig ist: die stillschweigende Auslassung, daß auch Schulden, die vor der Existenz eines allgemein verwendeten Geldzeichens entstanden sind, eine Erfüllungsgrundlage benötigen, so daß sowohl Gläubiger als auch Schuldner wissen, auf welche Art diese Schuld wieder getilgt werden kann. Denn es geht kein Weg daran vorbei zu erkennen, daß Schulden stets dadurch definiert sind, daß sie einen Erfüllungsgegenstand haben müssen, damit sie überhaupt als Schuld anerkannt werden können. Kurz gesagt: eine Schuld ohne Erfüllungsgegenstand ist keine Schuld, auch in grauer Vorzeit nicht!

Was dann kommt ist leider das übliche Mißverständnis, daß nach der Einführung von Banken die Erzeugung von Geld bereits damit geschehe, daß eine Bank einen Kredit einräumt und dieses „Giralgeld“ dann zur Bezahlung eines Maserati verwendet werden könne. Das gipfelt bei 10:40 in der Aussage: „Lending does create new money.“ Des weiteren wird noch suggeriert, daß Zahlungen tatsächlich lediglich durch Übertragungen von „Giralgeld“ erfolgen könnten und der Grundsatz, daß eine Schuldvereinbarung ein Erfüllungsmedium braucht, damit sie auch erfüllt werden kann, völlig aus dem Blickfeld gerät. Und wenn dann in der ‚conclusion‘ erklärt wird: „We use bank debt as money.“ ist der Punkt erreicht, wo man sich fragen kann, warum es nicht möglich ist, die simpelsten Grundsätze des Wirtschaftslebens auch in die Ökonomie einfließen zu lassen. Daß dieser Irrtum weit verbreitet wird, läßt sich anhand der Kampagne von ‚positive money‘ recht schön ersehen, wo die gleichen Widersprüche permanent wiederholt werden, so als würde der dadurch involvierte Widerspruch irgendwie wahrer.

Das Ärgerliche an der ganzen Sache ist, daß damit die elementaren Grundsätze nicht nur des bürgerlichen Rechts ignoriert werden, sondern auch wirtschaftliche Selbstverständlichkeiten zugunsten einer vermeintlichen Erkenntnis neutralisiert werden. Denn wenn man sich zu der Aussage versteigt, daß eine Schuld keinen Erfüllungsgegenstand braucht, wird der Begriff der Schuld zu einer Leerformel, deren Inhalt dann ganz nach Belieben gefüllt werden kann. Zu allem Überfluß werden damit die hierarchisch strukturierten Ebenen des Geschäftsbankenkredits und des Zentralbankkredits munter durcheinander gewürfelt.

Nun geht es hier nicht darum einen durchaus geschätzten Wissenschaftler zu diskreditieren, zumal er sich mit dieser Version von „Giralgeld“ in durchaus prominenter Gesellschaft befindet. Es soll anhand dieser Geschichte eher herausgestellt werden, daß es durchaus einen Spezialfall gibt, in dem diese Version von Geldtheorie tatsächlich gültig ist. Dieser Spezialfall ist vor 90 Jahren als didaktische Übung verwendet worden und trägt die schöne Bezeichnung „Monobank“! Derzeit wird dieser Begriff eher mit sozialistischen Bankverhältnissen in Verbindung gebracht, wo es gewissermaßen nur eine einzelne Staatsbank gibt, die sämtlichen Zahlungs- und Kreditverkehr abwickelt. Um dieses Konzept der Monobank für diese Analyse nutzbar zu machen muß jedoch noch zusätzlich die Bedingung gelten, daß es kein Bargeld geben darf und damit Zahlungsvorgänge ausschließlich aufgrund buchhalterischer Transaktionen möglich sind. Nur in einem solchen Szenario ist es legitim davon zu sprechen, daß eine Übertragung von Forderungen von der (einzigen) Staatsbank an die (einzige) Staatsbank zu einer Tilgung der zugrundeliegenden Schuld führt.

L.A. Hahn hat jedoch das didaktische Beispiel „Monobank“ dafür verwendet zu zeigen, daß die Erschaffung von Zahlungsfähigkeit nicht an eine vorangegangene „Ersparnis“ gekoppelt ist, die von der üblichen Wirtschaftstheorie stets als Grundvoraussetzung der Kreditvergabe gesehen wird. Wenn man so will gibt es in diesem Szenario nur eine Zentralbank, wobei dann natürlich gilt, daß die Verbindlichkeiten, welche diese Zentralbank eingeht, tatsächlich das ultimative Zahlungsmittel darstellen, da es hierbei auch keine Möglichkeit gibt die Auszahlung einer Forderung in Bargeld zu verlangen. Das wird dadurch entbehrlich, daß die Verbindlichkeit einer Zentralbank genau deswegen das ultimative Zahlungsmittel darstellt, weil es gerade durch diese passivische Natur zu einer Nicht-Verbindlichkeit wird. Nur weil man mit dieser Nicht-Verbindlichkeit der Zentralbank schuldbefreiend zahlen kann, läßt sich für diesen extremen Grenzfall formulieren, daß die Erteilung eines Kredites bereits die Schaffung von „Geld“ darstellen würde.

Man könnte nun meinen, daß die gelegentlichen Tendenzen zur Abschaffung des Bargeldes zu einem derartigen Zustand hinführen würden und sich nach weiterer evolutionärer Entwicklung des Banksystems dieses geldpolitische Nirvana schließlich einstellen würde. Leider scheitert dieser Schluß daran, daß private Geschäftsbanken ihr Hauptbetätigungsfeld darin finden zuzusehen, wie sie die eigene Liquiditätslage anhand der selbst eingegangenen Forderungen und Verbindlichkeiten so gestalten, daß sie den Anforderungen des Bankrechts nachkommen können, jederzeit ein ausreichendes Liquiditätspolster aufzuweisen bzw. sich jederzeit ausreichend und zu einem „erträglichen“ Zinssatz refinanzieren zu können, um niemals illiquide zu werden. Denn wie man weiß sind die Fälle, in denen Banken keine ausreichenden Liquiditätspolster besitzen, mit denen sie ihre aktuellen Zahlungsverpflichtungen erfüllen können, nicht so selten.

Leider beißt sich dieser ärgerliche Umstand mit der Theorie, daß das, was die Geschäftsbanken im Kreditvertrag vereinbaren, bereits „Geld“ sein soll – zumindest wenn es um nicht sozialistische Verhältnisse im Banksystem geht und man anzuerkennen gewillt ist, daß die Zweistufigkeit des Banksystems nicht eine launige Marotte von Geldsystemkonstrukteuren gewesen ist, sondern ihre Sinnhaftigkeit daraus zieht zu gewährleisten, daß die angeschlossenen privaten Banken einer einheitlichen Bonitätspolitik folgen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: was in grauer Vorzeit schon galt, daß nämlich ein Schuldversprechen durch einen genau definierten Erfüllungsgegenstand getilgt werden können muß, gilt auch bei der „Schöpfung“ von „Giralgeld“ im Zuge der Kreditgewährung bei Banken! Geldschuld ohne den Schuldgegenstand Geld (Basisgeld) geht nun mal nicht. Eigentlich ganz einfach!

7 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftstheorie

7 Antworten zu “Der „Geld ist Kredit“-Spezialfall

  1. „Das Geschuldete“ ist die realwirtschaftliche Leistung des Kreditnehmers, er muss seinen Kaufvorsprung später in einen Verkaufsüberschuss wandeln. Dies ist Sinn und Zweck eines Geldsystems, welches den Zeitbedarf arbeitsteiligen Wirtschaftens abbilden muss. Eine Zentralbank braucht es nur zahlungshalber, um die Übertragbarkeit der realwirtschatlichen Leistungsschulden der Kreditnehmer abzubilden. Deswegen entsteht ja Zentralbankgeld regelmäßig nur aus der Verpfändung zuvor bei Geschäftsbanken eingegangener Schuldkontrakte.

    Dieses Geschuldete, also die realwirtschaftliche Leistungspflicht muss durch Pfänder abgesichert werden, dann ist diese Währung auch gedeckt.

    Im übrigen ist Geld aber trotzdem nicht immer Bankkredit, Geld im Sinne von Geldvermögen sind auch Forderungen gegen Nichtbanken, so entstehen Geldvermögen ja auch grundsätzlich vor ihrere späteren Bezahlung aus Kaufsalden. Diese Geldvermögen sind in der Entstehung nur Lieferantenkredit oder Forderung eines Arbeitnehmers auf Arbeitslohn und nicht Bankkredit.

    Geld im Sinne von Zahlungsmittel entsteht mit Ausnahme des Wechsels dagegen regelmäßig aus Bankkredit.

    • „Im übrigen ist Geld aber trotzdem nicht immer Bankkredit…“

      Anscheinend haben Sie komplett überlesen was in dem Post steht. Da steht nämlich drin, daß Geld NIE Bankkredit ist und auch nicht sein kann. Der Grund ist einfach der, daß ein Schuldverhältnis immer und überall einen Schuldgegenstand benötigt, der dazu führt, daß ein Schuldverhältnis wieder aufgelöst werden kann. Aus diesem Grundsatz gibt es kein Entkommen!

      Man kann zwar argumentieren, daß die reale Leistungspflicht des Schuldners zu einem möglichst marktfähigem Angebot führen möge, aber dennoch ist die Leistungspflicht des Schuldners dahingehend gestrickt, daß er Geld – also die Sache, die das Schuldverhältnis wieder lösen kann – herbeischafft, so daß er keine Vermögenseinbußen aufgrund irgendwelcher Pfänder hat. Schafft er das nicht, werden natürlich die verpfändeten Sachen liquidiert und meistens kommt dabei heraus, daß der Veräußerungserlös nicht die ausstehenden Forderungen deckt. Das wars dann halt mit der „Deckung“! Ich erspare es mir, dafür Beispiele zu bringen, die sind für jeden der es sehen will offensichtlich! (Die übrigbleibende Differenz muß natürlich aus den Netto-Einnahmen der Banken beglichen werden, wozu auch hauptsächlich die Zinsen gehören!🙂 )

      Ihr Hinweis auf den Wechsel, der lange Jahrzehnte einen Gutteil der Geldemission der Zentralbank ausgemacht hatte, steht wahrscheinlich vor einer Renaissance, weil damit das, was im Finanzsystem die goldene Regel war, wieder eingehalten werden könnte: daß alle, die in einer Kreditkette (z.B. per Indossament) verpflichtet sind, auch für die Begleichung der ursprünglichen Schuld einstehen müssen. Das wurde zwar kürzlich abgeschafft, das heißt jedoch nicht, daß diese Verpflichtungskonstruktion nicht doch bald wieder in das Wirtschaftsleben Einzug hält. Warum ist das so? Weil man nur mit Geld zahlen kann – nicht mit Hundertschaften produzierter Güter auf irgendeiner Halde!

  2. Zahlen kann ich immer nur mit dem Schuldtilgungsmittel, auf den meine Verpflichtungen lauten, für Nichtbanken ist die regelmäßig eine Forderung gegen eine Geschäftsbank. Damit zahle ich schuldbefreiend.und wenn es nur eine Geschäftsbank gäbe, bräuchte es weder bares noch girales Zentralbankgeld.= Forderungen gegen die Zentralbank als Derivat von Geschäftsbankenforderungen.

  3. moneymind

    Forderung späterer Fälligkeit als Zahlungsmittel oder Primärgegenstand, auf den Forderungen lauten: Kreditgeldsystem, basierend auf Wechseln.

    Hypothetische Überlegung:

    Nehmen wir an, vertragliche Forderungen hätten – mal abgesehen davon, wie es zu Vertragsfreiheit und Vertragsrecht kam – an ihrem historischen Beginn (hypothetisch: antike Polis, Griechenland, archaische Zeit) zunächst immer auf konkrete Güter gelautet. Beispielsweise: A leiht B 10 Scheffel Weizen für 6 Monate. B schuldet also A 10 Scheffel Weizen, plus einen Scheffel Zins, also 11 Scheffel Weizen – fällig am ersten des siebten Folgemonats. Dann wäre diese Forderung erfüllt, sobald B dem A 11 Scheffel Weizen geliefert hat.

    Würde der B nun merken, daß es für ihn angenehmer ist, seinen Sicherheitsvorrat statt in realem Getreide in Forderungen auf Getreide zu halten, da er sich dann nicht um die Pflege und den Schutz seines Getreidevorrats zu kümmern braucht, aber durch das Weiterreichen der Forderung gegen den A auch vor deren Fälligkeit bei Dritten Weizen einkaufen kann, dann würde er möglicherweise dazu übergehen, von zukünftigen „Kreditnehmern“ nicht mehr realen Weizen, sondern Forderungen auf Weizen zurückzufordern.

    Diese Forderungen müßten dann natürlich einen späteren Fälligkeitstermin haben als jene, die mit ihnen erfüllt werden, und sie müßten gegen einen Dritten gerichtet sein. Der Kreditnehmer müßte nun also nicht nur Weizen produzieren und zurückgeben, sondern diesen zunächst gegen eine Forderung späterer Fälligkeit an einen Dritten verkaufen, um die Forderung gegen diesen Dritten dann an den Kreditgeber weiterreichen zu können (Wechsel als Zahlungsmittel).

    Will sagen: sobald der Gegenstand der Erfüllung einer Forderung kein materielles Gut mehr ist, sondern selbst wiederum eine Forderung – aber eben eine späterer Fälligkeit – sind wir in einem Kreditgeldsystem, in dem Forderungen späterer Fälligkeit als „Zahlungsmittel“ fungieren und in dem es zu den bekannten Boom-Bust-Zyklen mit nachschuldnermangelbedingten Liquiditätskrisen kommt, die dann erst durch ein zweistufiges Bankensystem mit Zentralbank, die eng mit dem Schuldner „Staat“ zusammenarbeitet (Geld- und Fiskalpolitik) wieder antizyklisch konterkarierbar werden.

    Ein solches System ähnelt beispielsweise den von Frank Decker beschriebenen Verhältnissen in der englischen Kolonie „New South Wales“ (Australien) vor der dortigen Existenz einer Zentralbank (Frank Decker: „The Emergence of Money in New South Wales“).

    Entscheidend ist hier das leider oft (auch von Decker) vernachlässigte Terminphänomen und damit verbunden, das „Nachschuldnerproblem“.

    @Guthabenkrise: Jörg, Du würdest das oben beschriebene Verhalten des Gläubigers, der statt Getreide eine später fällige Forderung auf Getreide als Schuldtilgung verlangt, vermutlich einen „Konsumverweigerer“ nennen, der auf „Geldsparen“ aus ist – durchaus! Aus seiner individuellen Sicht kann das rational sein, und über die gesamtwirtschaftlichen Folgen hat er bis zum Eintreffen der ersten Zahlungsmittelknappheitskrise sicher nicht gleich nachgedacht ….

    • Zunächst mal ist ein Wechsel kein Zahlungsmittel sondern ein Zahlungsversprechen an Zahlung Statt, wobei die Zahlungsschuld in dem Wechsel genau vermerkt sein muß. Denn durch die Ausstellung eines Wechsels wird die eigentlich geforderte Gegenleistung des Grundgeschäfts gerade auf einen späteren Termin verlagert.

      Wenn also wie Sie schreiben Bauer B seine Scheffel Weizen erst an den „Dritten“ verkaufen soll, um im Gegenzug ein Rückgabeversprechen des „Dritten“ zu erhalten, mit dem er dann bei A dann, wenn er es benötigt sein Saatgut erhalten kann bedeutet das nicht viel mehr, als daß sich A nun zur Eintreibung seiner Forderung (auf Weizen) an den „Dritten“ wenden muß, um seine Forderung zu realisieren.

      Man kann das Ganze natürlich als Wechselgeschäft ausgestalten, nur wird dabei die Forderung selbst nicht verändert. Denn entweder sie lautet auf Weizen oder nicht. Die Sache ist doch ganz einfach: Bauer B (der Aussteller) übergibt Weizen mit der Maßgabe „spätere Rückgabe plus Zusatzmenge“ an den „Dritten“ (den Bezogenen), und erhält dann, wenn er es braucht von A (dem jetzt Begünstigten des Wechsels) das benötigte Saatgut, wobei B den Wechsel an A weiterreicht, so daß nun A gegen den Bezogenen die Forderung auf Weizen hat. B hat erfüllungshalber die Wechselforderung gegen den Bezogenen an Zahlung Statt dem A weitergegeben, wobei A diesen wiederum an einen „Vierten“ (per Indossament) übertragen kann und B genau dann, sobald der Bezogene/ „Dritte“ seine Leistungspflicht erfüllt, seinerseits leistungsfrei wird. Das kann man ja alles machen, nur was ist der Witz dabei? Es bleibt immer noch eine Forderung auf Weizen.

      Wie Sie bei dieser einfachen Konstruktion darauf kommen, daß da auf einmal „nicht materielle Güter“ involviert sein sollten, läßt sich aus Ihrem Vortrag nicht erschließen, die haben Sie vorher in keiner Weise motiviert. Denn der Erfüllungsgegenstand einer Forderung kann zwischen den Geschäftspartnern frei ausgehandelt werden, das muß kein Geld sein, sondern lediglich eine definierte Sache, deren Übergabe dann die ursprüngliche Schuld wieder löscht. Das ist es doch: eine schuldbefreiende Zahlung geht nur mit einer Sache, die „Zahlung“ mit einer Forderung läßt den vermeintlich „gezahlt Habenden“ gerade potentiell wieder zahlungspflichtig werden, wenn man sich ansieht, was passieren kann, wenn ein Wechsel zu Protest geht!

      PS.: die Nachschuldnergeschichte ist lediglich in einem statischen Argumentationszusammenhang einigermaßen ableitbar, in einem dynamischen Kontext löst sich dieses Problem in einem logischen Rauchwölkchen auf.

    • „A leiht B 10 Scheffel Weizen“

      Der Begriff „Leihe“ passt hier nicht. Leihe bedeutet, dass dieselbe Sache zurückzugeben ist und das Eigentum an der Sache bei A verbleibt.

      B gibt nicht dieselben Weizenkörner zurück, sondern „gleiche Art, Güte und Menge“ und das Eigentum ist an B übergegangen => also § 607 BGB (Sachdarlehensvertrag).

      [Einschub zur Leihe: § 603 BGB – Der Entleiher darf von der geliehenen Sache keinen anderen als den vertragsmäßigen Gebrauch machen. Er ist ohne die Erlaubnis des Verleihers nicht berechtigt, den Gebrauch der Sache einem Dritten zu überlassen. – Diese Satz verhindert m.E. das durch eine „Leihe“ (zusätzlich zur Unentgeltlichkeit und den obigen Gründen) sinnvolles Wirtschaften möglich ist.]

      Interessant bei § 607 BGB (Sachdarlehensvertrag): „Die Vorschriften dieses Titels finden keine Anwendung auf die Überlassung von Geld.“

      Dazu gibt es § 488 BGB. Hier wird statt „Überlassung“ von „zur Verfügung stellen“ gesprochen (ein [interessanter] Wechsel der Begrifflichkeiten, m.E. begründet durch den Unterschied zw. Geld und Forderung auf Geld). Auch ändert sich „Entgelt“ zu „Zinsen“.

      [Offenbar kann (theoretisch) der Zins (wenn vorher vereinbart) auch in etwas anderem als in Geld gezahlt werden, vorausgesetzt die Bank macht mit. – Einen juristischen Automatismus, Zins = Geld, konnte ich nicht finden, zumindest nicht als explizite Definition (in § 488 BGB oder an anderen Stellen).]

  4. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit dem Thema der Finanzierung .Finanzierung stellt in erster Linie die Strategie zur Geldmittelaufbringung dar. Es gibt verschiedenste Arten und Formen der Finanzierung. In Unternehmungen kann ein gezieltes Finanzierungsmanagement maßgeblich zur Gesamtunternehmenszielerreichung beitragen. Finanzierung ist nicht immer mit der Aufnahme von Fremdkapital verbunden, vielmehr geht es darum, Prozesse zu optimieren und gezielte Möglichkeiten in der Unternehmenssteuerung auszunützen. Schlussendlich stellt der Bereich der Finanzierung Liquidität zur Verfügung, welche zeitglich die Grundlage für wirtschaftliches Handeln darstellt.

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