Disclaimer: Gedanken ins Unreine

stairway to heavenOder: Logische Typenlehre IV: Investition und Einkommen

Ich habe während meines gesamten VWL-Studiums nie verstanden, warum in der Einkommenentstehungsgleichung Y = C + I zwei Dinge miteinander addiert werden, obwohl sie eigentlich völlig unterschiedliche Sachverhalte adressieren. Denn C als der Konsum ist eine Nachfragegröße der Haushalte, welche auf dem Warenmarkt einen Rückfluß der Investitionen – wenn man mal auch die Lohnzahlungen als eine kurzfristige Investition ansieht, da auch Lohnzahlungen eben Zahlungen sind – bewirken, während auf der anderen Seite die Investitionen erst genau die Einkommen schaffen, die dann von den Haushalten auch ausgegeben werden können. Demgegenüber ist die Einkommenverwendungsgleichung Y = C + S unstrittig, weil sie lediglich die einfache Aufteilung des Einkommens auf die beiden möglichen Verwendungszwecke beschreibt: man gibt ein Einkommen entweder aus oder nicht, ‚tertium non datur‘!

Nun mag man überrascht sein, daß auch Lohnzahlungen als Investitionen gesehen werden können. Dazu kann man sich mal das Diktum vom alten Kruschwitz wieder ins Gedächtnis rufen: „Eine Investition ist eine Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung beginnt.“ Man darf das aber ruhig dahingehend interpretieren, daß auch die Auszahlungen, welche im Verlauf einer Investition getätigt werden, ebenfalls dieser Investition zuzurechnen sind, denn Investitionsprozesse sind nicht so idealtypisch gestrickt, daß einer Auszahlung am Anfang dann nur noch die Einzahlungen folgen. Interessanterweise wird das ja auch gelegentlich thematisiert:

„Investment is defined in macroeconomics to be that spending which is devoted to increasing or maintaining the stock of productive capital.“
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=20400
Aber darum gehts nicht.

Der Punkt ist, daß man sich fragen muß, warum diese Einkommenentstehungsgleichung so unhinterfragt von allen Volkswirten so übernommen wird, ohne daß irgendwer auf die Idee kommt, daß da Äpfeln mit Birnen zusammengerechnet werden. Meine Vermutung ist dahingehend, daß die VGR eine Periodenrechnung ist, welche aus ihrer Anlage heraus sich nicht um die Frage kümmert, welche Vorbedingungen oder Konsequenzen aus dieser Periodenbetrachtung entstehen. Denn wenn man VGR als Rechenwerk einer abgeschlossenen Periode interpretiert, muß man sich auch nicht dafür interessieren, daß in Vorperioden Dinge existieren, welche in die laufende Periode hineinspielen. Da reicht es sich die Zahlen anzusehen, um daraus eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu erstellen.

Möglicherweise ist diese Grundanlage der VGR damit zu begründen, daß auch die Rechenwerke der öffentlichen Hand im wesentlichen davon bestimmt sind, daß sie eine Einnahmen/ Ausgabenrechnung darstellen, welche sich ebenfalls nicht um die Belange kümmert, die aus einer dynamischen Betrachtung entstehen. So ist beispielsweise die Diskussion um die Staatsverschuldung daran geknüpft, daß sie im wesentlichen die Frage der aktuellen Finanzierungsbedingungen adressiert, und sich weniger um die Fragen Gedanken macht, die noch zu Zeiten eines Domar virulent waren.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Die Frage die sich stellt ist, ob die aus ihrer Anlage heraus nicht-dynamische Konzeption der VGR nicht seit Jahrzehnten einem Mißverständnis Vorschub leistet, welches daraus resultiert, daß die verengte Betrachtungsweise den Schluß auf volkswirtschaftliche Grundgleichungen suggeriert, die aus ihrer Konstruktion heraus nicht dafür geeignet sind, die dynamische Natur des Wirtschaftsprozesses angemessen abzubilden. Denn wenn man sich bewußt die Identitäten der VGR ansieht wird ziemlich schnell klar, daß sie die Rückwirkungen der Bestandsrestriktionen nicht oder nur ungenügend adressiert, weil eine Periodenrechnung sich selbsterklärtermaßen nicht für Bestandsrestriktionen interessiert. Deswegen kann man durchaus davon ausgehen, daß für die VGR die Formel Y = C + I durchaus korrekt ist und sich damit keine weiteren Schlüsse auf die zugrundeliegenden Ursachen der Vorperioden ziehen lassen.

Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, daß die IS/LM-Modelle sich nicht dafür eignen, irgendwelche intertemporalen Entwicklungen abzubilden, weil sie aus einer statischen Gleichung heraus geboren sind. Denn wie bei dem Kinobeispiel ist es nicht automatisch garantiert, daß lokale Betrachtungen auch dann richtig sind, wenn sie mit ihrem Reaktionsumfeld konfrontiert werden. So werden in der VGR die aktuellen Einkommen dargestellt, ohne daß dabei eine Berücksichtigung stattfindet, ob sie in der laufenden oder der vorangegangenen Periode entstanden sind. Das muß die VGR auch nicht interessieren, denn als reine ‚flow‘-Rechnung kann sie sich diese Komplikation ersparen.

Dennoch ist eine unbesehene Übernahme der Einkommenentstehungsgleichung der Form Y = C + I deswegen nicht statthaft, weil damit automatisch Bestandsveränderungen integriert werden, die nicht in der aktuellen Periode zuzurechnen sind. Die Rede ist von den (monetär gesehen) Kreditrückzahlungen, welche sich in der unschuldigen Variable I verbergen. Denn I ist definitionsgemäß! die Nettoinvestition, welche ihren Counterpart – die Kredittilgung – nicht aus der Berechnung der aktuellen VGR-Zahlen deduzieren kann. Denn Kredittilgungen sind definitionsgemäß eine Angelegenheit der Kreditvereinbarungen von (mehreren) Vorperioden. Indem also eine IS/LM-Analyse auf diesen Grundgleichungen aufbaut, macht sie sich automatisch des Vergehens schuldig, die intertemporalen Aspekte der Investitionsrechnung zu ignorieren. Das macht denn auch ihr Desaster aus, weil eine Analyse der Entwicklung von Ökonomien sich nicht aus einer statischen Analyse, bzw. aus statisch deduzierten Grundgleichungen – ableiten läßt.

Die Frage der man sich stellen muß ist, ob man eine statische Wirtschaftstheorie pflegen will, oder ob man sich (selbst) zutraut, die dynamischen Aspekte von Ökonomie zu akzeptieren. Wenn man also die intertemporale Struktur von Ökonomie annehmen will wird es zwingend notwendig, die Einkommenentstehungsgleichung als

Y = Bruttokredite – Kredittilgungen + Löhne (als Kreislaufphänomen, welches aufgrund vorangegangener Kreditaufnahmen einen laufenden Posten reflektiert)

zu definieren. (Auch dabei ist nicht ganz klar, ob die laufenden Zahlungen mit den Zahlungen aufgrund der Bestandsveränderung der Investitonen einfach zusammengerechnet werden können!) Der Punkt dabei ist, daß von der VGR das laufende Einkommen völlig unbekümmert mit dem zusätzlichen Einkommen aus der positiven Nettoinvestition in einen Topf geworfen wird. Damit werden Bestandsaspekte und Wachstumsaspekte völlig unvoreingenommen in die gleiche Wirtschaftsrechnung integriert, ohne daß auch nur ein Gedanke daran verschwendet wird, woher die bilanzierten Einkommen überhaupt stammen.

Der Hänger daran ist, daß sich die üblicherweise als selbstverständlich akzeptierte Identität I = S in dieser Formulierung nicht mehr aufrechterhalten läßt, weil sich die Entscheidung über Investition oder nicht, nicht mit der Frage koppeln läßt, ob man ein gegebenes Einkommen konsumiert oder nicht. Denn I ist eine Entscheidung über zukünftige Entwicklungen, während S eine Angelegenheit vergangener Investitionsentscheidungen ist. Man kann es auch anders ausdrücken: ohne I kann S nicht existieren. Denn ohne daß sich Unternehmer dazu entscheiden, über Käufe von Faktorleistungen (incl. Arbeit) Investitionen zu tätigen (Kruschwitz plus), bleibt eine Betrachtung der Einkommensverwendung ohne jeden Belang.

Man kann es auch noch anders ausdrücken: wenn die Unternehmer nicht entscheiden, daß sie mehr Ausgaben tätigen wollen, als sie Kredittilgungen vornehmen, können die Haushalte machen was sie wollen: sie müssen entsparen, in dem Sinne, daß das Volumen der monetären Ersparnis sich zwangsweise der Investitionsentscheidung der Unternehmer anpassen muß.

Vielleicht muß man es noch anders ausdrücken: die monetäre Ersparnis ist abhängig davon, daß die Unternehmer Nettogeldausgaben tätigen! Denn ohne daß sich Unternehmer verschulden – und das tun sie bei jeder Lohnzahlung und  bei Sachausgaben sowieso – kann kein Einkommen entstehen. Wenn man das als Realität akzeptiert wird klar, daß die Frage der Ersparnis nicht so sehr davon abhängt, wie die Haushalte ihre Einkommenverwendungsentscheidung treffen. Denn in letzter Konsequenz können sie das nämlich nicht. Sicher: im Sinne des methodologischen Individualismus schon, nur hat man da die Rechnung ohne denjenigen gemacht, der für die Einkommenschaffung die entsprechende Schuldposition eingeht. Akzeptiert man das, geht die Logik der Einkommenschaffung von der Investition zur Ersparnis, als Restposten dessen, was zu den Unternehmen nicht zurückgeflossen ist. Und das auch als Kausalität: was die Unternehmer nicht als Einkommen schaffen, kann auch nicht gespart werden! (Könnte sein, daß Keynes sowas Ähnliches auch gesagt hat!)

Wird diese intertemporale Kausalität akzeptiert, ist es auch mit der hochwohlgelobten „Identität“ oder dem ‚ex ante‘ oder dem ‚ex post‘ der ganzen I = S Debatte ein für allemal vorbei! Denn statische Wirtschaftstheorie ist so wie „Die Sonne dreht sich um die Erde.“ Das muß endlich mal aufhören!

Also: ist es so, daß die VGR aufgrund ihrer periodenbezogenen Arbeitsweise die gesamte VWL auf eine falsche Fährte führt, weil sie die intertemporalen Aspekte der Investitionsprozesses nicht adressiert?

26 Kommentare

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26 Antworten zu “Disclaimer: Gedanken ins Unreine

  1. >>Vielleicht muß man es noch anders ausdrücken: die monetäre Ersparnis ist abhängig davon, daß die Unternehmer Nettogeldausgaben tätigen!

    Wer will denn die Geld-Sparer in der ersten Runde am Einnahmeüberschüssen hindern,dies kann doch erst die eventuell spätere Kündigung?

    Im ersten Schritt sinken die Gewinne der Unternehmer durch das Geldsparen der Nichtunternehmer. Siehe die Gewinnformel von Keynes – die wichtigste Formel des Kapitalismus:
    http://www.kapitalismus-verstehen.de

    Im übrigen scheint mir der Krebsschaden der S und I Debatte zu sein, dass S doppelt für Einnahmeüberschüsse und Sachwertsparen steht und I doppelt für Ausgabeüberschüsse und Investitionen. Da Sachwertsparen und Investieren schon ex_ante eine Identität bilden, kommt es zu Verwirrung bei dem entscheidenten Punkten der Pläne für Einnahmeüberschüsse und Ausgabeüberschüsse. Diese fallen ex_ante und ex_post auseinander und sind neben der Problematik aus der Gewinnformel die zweite monetäre Einflussgröße in der Konjunktur. Wenn die Pläne für Ausgabüberschüsse der Unternehmer kleiner sind wie die Pläne für Einnahmüberschüsse der Nichtunternehmer, investieren bei neutralem Ausland und neutralem Staat die Unternehmer unter Abbau von Geldvermögen zwangsweise in ihren Lagerbestand, was kongruente Effekte wie der weggesparte Unternehmer-Gewinn hat. Dabei muss der Unternehmer keine Finanzierung für seine unfreiwilligen Investitionen in Bestände haben. Ausgabeüberschüsse sind von Auszahlungsüberschüssen streng zu unterschieden. Der Unternehmer hat auf gut deutsch einfach mehr offene Eingangs-Rechnungen als Geldvermögensverlust.

    • Daß I und S doppelt verwedet werden ist ja richtig, aber hier habe ich die Verwendung dieser Variablen auf die monetäre Bedeutung beschränkt. Denn eine reale Bedeutung besitzen diese Variablen in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie – vulgo Neoklassik – wo sie definitionsgemäß dasselbe ausdrücken. Das war an dieser Stelle nicht das Thema.

      Es ging um eine ganz andere Frage: ist es statthaft eine Variable I, welche eine Kategorie der Einkommensbildung ist unbesehen mit einer Variable C zu addieren, welche eine Kategorie der Einkommensverwendung darstellt. Als Unternehmer müßte man wissen, daß Ausgaben etwas anderes sind als Einnahmen und niemand würde auf die sonderbare Idee kommen, beide Dinge miteinander zu addieren um dann festzustellen, daß beides ja Nachfrage sei, die zu Einkommen führen würde. Wer das macht verwechselt schlichtweg Umsatz mit Gewinn. Und das scheint irgendwie eine unerschöpfliche Quelle von Mißverständnissen zu sein. Dazu gehört z.B. auch die in der Wirtschaftspresse manchmal zu lesende Aussage, daß die US-Wirtschaft zu xy% vom Konsum „lebt“. (Oder so ähnlich.) Das ist völliger Schwachsinn, denn Konsum ist Umsatz und was Umsatz bedeutet zeigt sich erst dann, wenn man den an den dafür aufgewendeten Kosten mißt.

      Der Punkt hier ist doch der: ist es statthaft eine Größe I, welche definiertermaßen als Nettogröße fungiert einfach so in eine Wirtschaftstheorie zu packen, ohne daß die intertemporalen Aspekte der Kreditbeziehung dabei eine Rolle spielen? Es geht dabei um meine lang gehegte Vermutung, daß die Analyse von Ökonomie mit Hilfe statischer Konzepte schlichtweg auf eine falsche Fährte führt. Da ist übrigends Stützel nicht ganz ausgeschlossen, denn seine Grundüberlegungen basieren auch auf statischen Gleichungen. Es gibt Anhaltspunkte, daß er dieses Problem sieht, nur so richtig systematisch diskutiert er darüber auch nicht.

      P.S. Was diese ‚ex ante‘ und ‚ex post‘ Geschichten angeht: das kann doch kein Mensch verstehen wenn man nicht explizit dazusagt, was damit gemeint sein soll. Da müßten Sie sich schon ein bißchen mehr Mühe geben.

      • Huthmann

        Ich denke,daß Y=C+I davon kommt, daß Sie das folgende Input-Output-Modell bei einer VWL ohne Staat und ohne Ausland haben:

        1) Unternehmen:

        Input vom Vermögensänderungskonto: Nettoinvestitionen
        Input von den Haushalten: Konsum
        Output an die Haushalte: Einkommen
        (Output an Vermögensänderungskonto: Sparen Unternehmen als einbehaltende Gewinne ist im Rückfluß Nettoinvestitonen enthalten)

        (weiterhin: Input von Unternehmen an Unternehmen: Abschreibungen. Dies kann aber bei einer Input-Output-Beziehung Unternehmen weggelassen werden)

        Input in Unternehmen = Output aus Unternehmen, somit:

        Nettoinvestionen + Konsum = Einkommen.

        2) Haushalte:

        Input von Unternehmen: Einkommen
        Output an Unternehmen: Konsum
        Output an Vermögensänderungskonto: Sparen

        Somit:

        Konsum + Sparen Haushalte = Einkommen.

        3) Vermögensänderungskonto

        Input von den Haushalten: Sparen
        Input von den Unternehmen: Sparen (einbehaltende Gewinne)
        Output zu den Unternehmen: Nettoinvestitionen

        Somit:

        Sparen Haushalte + Sparen Unternehmen = Nettoinvestitionen.

        MfG

        AH

  2. Wenn wir I mit Ausgabeüberschüsse und S mit Einnahmeüberschüsse definieren wollen, dann ist die reale Investition, welche eine Identität mit realem Sparen bildet hier DEFINITIV draußen. Also auch die realen Ausgaben für Investitionen, welche zusammen mit den realen Ausgaben für Konsum die Summe der realen Ausgaben und damit auch die Summe der realen Einnahmen bilden.

    Stützel hat sein Werk sehr systematisch gegliedert, in der „Volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ geht es nunmal um die gesamtwirtschaftlichen Grundrechenarten und genau die Begriffsklärungen. Eigentlich um genau diese Mißverständnisse zu vermeiden, welche mit Regelmäßigkeit auch heute noch die ökonomische Debatte incl. des obigen Beitrags beherrschen. Dabei geht es schwerpunktmäßig gerade um die Nichtzusammenhänge, also die unzulässigen Problemverschlingungen.

    siehe ab Abschnitt 2.2
    https://economics.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/economics/Keynes/Paper_Johannes_Schmidt.pdf

  3. Um die dynamischen Zusammenhänge/konjunktur geht es in der „Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft“. Da geht es fast nur um die logische Wiederlegung von Nichtzusammenhängen. Stützel als statischen Betrachter von Zusammenhängen einzuordnen, liegt aufgrund seines bekanntesten Titels „Saldenmechanik“ zwar nahe, wird seinem Denken aber in keinster Weise zurecht. Was nur bitter für die Zunft ist, wenn man die ganze Sprachverwirrung und Problemverschlingungen wegräumt, bleiben in Käufermärkten nur ganz wenige Zusammenhänge übrig:
    http://guthabenkrise.wordpress.com/2013/02/13/vwl-studium-wird-kunftig-durch-einen-2-tage-kurs-ersetzt-1h-davon-ist-konjunkturtheorie/

  4. um nicht immer blos zu meckern – schön, dass Sie das Thema der Kredittilgungen aufgreifen.🙂

    Monetäre Neutralität besteht, wenn die Pläne für Einnahmeüberschüsse(Geldvermögensaufbau) und Ausgabeüberschüsse(Geldvermögensabbau) übereinstimmen. Dass die Kredittilgungen aus Vorperioden bestimmter Geldvermögensaufbau der laufenden Periode sind, was zusammen mit den Einnahmeüberschüssen der Guthabensünder ca. 20% BIP Neuschuldnerbedarf ergibt, hat kaum einer auf dem Schirm.

    Die kollektive Vorstellung vom „verliehenen Geldding“ impliziert ja, dass man nur „Neu-Schuldner“ für die „Neu-Sparer“ braucht. Man braucht aber Neukreditnehmer für Neugeldsparer plus Kredittilger für monetäre Neutralität.

    Dieser Bankkreditbedarf gilt natürlich nur für die Grundannahme der „Liquiditätskonstanz“. Ansonsten hat Verschuldung ja mit Zahlungsmitteln und Bankkredit/Zahlungsmittelschöpfung nichts direkt zu tun. Ist ja nur ein Überschuss der Käufe über die Verkäufe, die man auch gar nicht, irgendwann später, oder mit Liquitätsreserven aus Vorperioden bezahlen kann.

    http://guthabenkrise.wordpress.com/2012/01/25/die-kredittilgungen-und-das-wirtschaftliche-gleichgewicht-2/

    • „Dass die Kredittilgungen aus Vorperioden bestimmter Geldvermögensaufbau der laufenden Periode sind…“

      Eigentlich habe ich ja den Eindruck, daß Sie den Menschen etwas erklären wollen. Wenn dieser Eindruck richtig ist, verstehe ich eigentlich nicht, warum Sie derartige Rätselvorlagen präsentieren, die auch nach dem 3. Mal durchlesen sich nicht erschließen. Denn wie soll man Kredittilgungen früher mit Geldvermögensaufbau heute zusammenbringen?

      Da nützt es auch nichts auf irgendwelche Beiträge zu verweisen, denn dadurch wird die eigentliche Frage nicht geklärt. Wenn man sich was zusammenreimen kann, dann die Tatsache, daß für ein gleichbleibendes gesamtwirtschaftliches Kreditvolumen die Kredittilgungen durch neue Kreditaufnahmen kompensiert werden müssen was zwar eine Wachstumsrate von Null impliziert, aber das ist ja ohnehin inzwischen Realität.

      Im folgenden Absatz ist überhaupt nicht klar, was denn eigentlich gemeint ist denn Neu… bedeutet nicht automatisch Netto-Neu… was ja auf ein globales Kreditwachstum hindeuten würde. Wenn Sie das nicht spezifizieren – und das möglichst unter Verwendung unmißverständlicher Begriffe – bleibt völlig offen, was damit eigentlich gesagt werden soll.

      Unabhängig davon gehen Sie dann von der Voraussetzung aus, daß irgendjemand das verstanden hat und verwenden diesen xyz-Kreditbedarf für den Begriff „Liquiditätskonstanz“. Das ist in keiner Weise zwingend, sondern erst dann, wenn man voraussetzt, daß die Zahlungsverhältnisse konstant bleiben, was gerade angesichts der LTRO-Kredite keineswegs selbstverständlich ist. Denn das Bruttokreditvolumen ist nicht direkt mit dem Volumen der vorhandenen Liquidität (M0) verknüpft. Könnte man – gerade wenn man mit Stützel argumentieren will – wissen.

  5. “Dass die Kredittilgungen aus Vorperioden bestimmter Geldvermögensaufbau der laufenden Periode sind…”

    2.Versuch:
    In Vorperioden mach ich den Kreditvertrag mit seinen vertraglichen Tilgungen in der laufenden Periode. Es sind also keine in der Periode variablen Pläne für Geldvermögenserhöhung, sondern vertraglich fixierte Geldvermögenserhöhung. In Deutschland überschlägig ca. 12% BIP. Da man einen Kredit regelmäßig nicht aufnimmt, wenn man für Kaufüberschüsse diese Mittel als überschüssige Zahlungsmittel zur Verfügung hat, sind Kredittilgungen also nur aus Verkaufsüberschüssen der Kreditnehmer zu tilgen, für welche es umgekehrt eben Pläne für Kaufüberschüsse (Verschuldung) geben muss.

    Was ist daran unklar – für viele schon die Frage, warum Kredittilgungen bei ansonsten konstantem Zahlungsmittel- und Forderungsbestand (Liquiditätskonstanz) Geldvermögenserhöhungen sind? Die ist doch ganz einfach:

    Geldvermögen = alle Forderungen (also auch Zahlungsmittel und Forderungen gegen Nichtbanken) abzgl. aller Verbindlichkeiten.

    Und mit Kredittilgungen sinkt nun mal der Saldo der Verbindlichkeiten und steigt dann logisch bei konstantem Forderungsbestand das Geldvermögen.

    • Sorry, wie bringt man „Tilgungen in der laufenden Periode“ mit „vertraglich fixierte Geldvermögenserhöhung“ in Verbindung?

      Ein Sinn ergibt sich nur dann, wenn Sie mit „vertraglich fixierte Geldvermögenserhöhung“ meinen, daß die Unternehmer gezwungen sind, die für die Tilgungszahlungen erforderlichen Beträge durch einen entsprechenden Absatz ihrer Produkte „reinzubekommen“. Das erfolgt, indem die AfA (stellvertretend für die erforderlichen Tilgungszahlungen) in die Produktpreise eingerechnet wird. Bis man allerdings darauf kommt, daß Sie mit „vertraglich fixierte Geldvermögenserhöhung“ die simple Tatsache meinen, daß Unternehmer zur Begleichung ihrer Kreditschulden die entsprechenden Umsätze machen müssen, dauert es eine Weile – und letztlich auch viel zu lange. Mal abgesehen davon, daß der Umsatz eine Stromgröße ist, die mit der Stromgröße Kosten korrespondiert und von vornherein niemand weiß, ob aus dieser Differenz die Tilgung des Kredits möglich ist, während auf der anderen Seite eine Kredittilgung eine Bestandsänderungsgröße ist und die sich damit kategorial auf einer anderen Ebene befindet, als eine Stromgröße. Wenn Sie also wollen, daß man Ihre Ausführungen nicht verstehen kann, brauchen Sie nur weiterhin Strom-, Bestands- und Bestandsänderungsgrößen munter zu vermischen.

      Noch was: „Und mit Kredittilgungen sinkt nun mal der Saldo der Verbindlichkeiten und steigt dann logisch bei konstantem Forderungsbestand das Geldvermögen.“
      Hier steht das Gegenteil dessen, was Sie sonst immer predigen, denn eine Kredittilgung läßt das Geldvermögen unverändert. Mal abgesehen davon: wie sollen Verbindlichkeiten abgebaut werden, wenn der Forderungsbestand (plus Kasse) konstant bleibt? Entschuldung durch Erlaß? Oder welche Verwechslung liegt hierbei vor?

  6. Viel spannender ist aber eigentliche Thema dieses Beitrages:

    „unreine Gedanken seit dem Studium wegen der Verwendung von I für 2 völlig verschiedene Dinge:

    1. realer Kauf von Sachwerten – logischerweise Einkommen der Verkäufer so wie der Verkauf von Konsumgütern.

    2. Verschuldung – eventuell noch mal in die Kategorien, Ausgabeüberschüsse (mehr Käufe als Verkäufe) oder Auszahlungsüberschüsse( mehr Auszahlungen als Einzahlungen, regelmäßig durch Bank-Kredit) zerfallend.

    Genauso könnten wir an allen Ampeln die Farben rot und grün durch einheitliche Brauntöne ersetzen. Da hätten die Verkehrsrichter unendlich Arbeit. So ähnlich kommt mir auch die Strategie der VWL-Bildung daher, mit einem einfachen Trick der Doppelbelegung der Begriffe:

    Sparen(Kauf von Sachwerten und Einnahmeüberschüsse)
    Investieren(Kauf von Sachwerten und Ausgabeüberschüsse)
    Geld (Zahlungsmittel und Geldvermögen )

    schafft man sich bei den trivialsten Dingen unendlich Arbeit, die dauerhaft unvollendet und diskutabel bleibt – wenn dies nicht Strategie wäre, hätte man Stützels aufteilende Terminologie doch längst in die VWL-Lehre eingeführt -oder?

  7. „Und mit Kredittilgungen sinkt nun mal der Saldo der Verbindlichkeiten und steigt dann logisch bei konstantem Forderungsbestand das Geldvermögen.“
    Falsch es finden Aktivtausch (Gläubiger) und Passivtausch (Schuldner) statt.

  8. Und es gibt auch kein Zeitloch zwischen Einnahme(überschuss) und Ausgabe(überschuss) bei Investitionen – diese(r) entsteht logisch im gleichen Moment des Kaufs/Verkaufs der Investionsgüter, was immer Juristen als diesen Zeitpunkt definieren wollen. Die Geldvermögensoperation(Veränderung des Forderungsbestands zu Nichtbanken) ist also auch sofort beim Kauf.

    Aber es gibt natürlich eine Zeitdifferenz zwischen Einnahme/Ausgabe (Kauf) und Einzahlung/Auszahlung (Bezahlung). Wenn man unzulässig die Zahlungsprozesse verrührt, kann die Illusion des Zeitlochs entstehen, ich hoffe dass die VGR da nicht rumschlampert. Aber die zur Statistik verdonnerten Betriebe bilanzieren doch wohl auch ihre Forderungssalden gegen Nichtbanken, statt wie Private in den Kategorien der Zahlungsflüsse , also der geldvermögensneutralen Änderung des Forderungssaldos gegen Banken, zu denken.

  9. @rubycon
    ja, wenn man nur den eigentlichen Tilgungsprozess als Bankbuchung betrachtet, wie ich aber schrieb, gehört der regelmäßig nötige Verkaufsüberschuss des Kreditnehmers aber auch dazu.

  10. @ guthabenkrise

    Der Gedankenfehler ist, dass reale Anlagegüter sich von alleine verzehren (Zeit oder Nutzung) während Kredite (Forderungen/Verbindlichkeiten) nur Umwandlungserfüllungsakzeptanz ausgebucht werden.
    Abschreibungen müssen erst zukünftig neu erlöst werden um über GuV (Gewinn) in der Bilanz (Cash) zu verbleiben.

  11. „Der Gedankenfehler ist,“ von was bitte?

  12. Doppik vermischt Bestände, Vergangenheit und Zukunft für Reales (Ein-, Auszahlungen; Erträge, Aufwendungen) und Fiktives (Einnahmen, Ausgaben). Eine Trennung muss sorgfältig unterscheiden.
    Planziele daraus zu determinieren, führt zu Differenzen zur Nachkalulation, die nicht eindeutig zugeordnet werden .

  13. Huthmann

    Gott sei Dank kommt endlich die Diskussion über Nettoinvestitionen ungleich Sparen in Gang. War mir nie klar, weshalb der Bankensektor hier nicht modelliert wird. Denn der eigentliche Treiber – leider – für Wachstum ist heutzutage die zunehmende Verschuldung. Allerdings gilt dann wieder für die Summe über alle Zeitperioden: Summe aller Nettoinvestitionen gleich Summe aller Ersparnisse.

    MfG

    Huthmann

    • Bei dieser Geschichte muß man immer darauf achten, was denn nun im Einzelnen als „Sparen“ bezeichnet wird, das ist ja keineswegs einheitlich. In der konventionellen Wirtschaftstheorie wird ja meistens mit Realgrößen hantiert, so daß Sparen eigentlich dasselbe ist wie Nichtkonsum von im Prinzip konsumierbaren Gütern. Deswegen sind ja auch die Robinson-Märchen so beliebt, weil sie suggerieren, daß damit irgendwie die „wahre“ Sichtweise von Ökonomie vertreten wird und das Ganze so schön nachvollziebar ist. Was dabei immer auf der Strecke bleibt ist der Nachweis, daß der Schluß von der Robinson-Insel auf die Sozialtechnologie einer „großen“ Gesellschaft zulässig ist – da schweigt dann des Sängers Höflichkeit.

      Wenn man also Sparen als Geldsparen interpretiert hat das schon mal eine Konsequenz, daß nämlich der „Sparer“ erst einmal irgendwie an ein positives Nettogeldvermögen gekommen sein muß, damit Geldsparen überhaupt möglich ist. Da fällt einem natürlich die schwäbische Hausfrau ein, die allerdings ignoriert, daß Geld nicht einfach so vom Himmel fällt, sondern auf dem Kreditwege in die Ökonomie integriert wird. Wenn sich also ein Unternehmer verschuldet indem er über die Zahlung von z.B. Löhnen Einkommen schafft heißt das letztlich, daß die Möglichkeit von Sparen aus Einkommen an den Käufen der Unternehmer von Produktionsfaktoren hängt. Der Prozeß der Einkommensentstehung ist eine von wenigen Möglichkeiten (das andere sind die Unternehmensgewinne) wie Wirtschaftssubjekte an Nettogeldvermögen kommen können. Dies setzt aber in letzter Konsequenz voraus, daß irgendwo die entsprechende Schuldposition existiert, so daß letztlich NUR über ein Wachstum der Schulden auch ein Einkommenswachstum erfolgen kann. Anders gesagt: die Akkumulation von Schulden ist die! Vorbedingung, damit sich überhaupt ein Wachstumsprozeß einstellen kann. (Daß die Entwicklung des Schuldenstandes darin münden kann, daß über den Prozeß der Kreditkonsolidierung „überflüssige“ Forderungsbestände wieder abgebaut werden könnten, steht auf einem anderen Blatt.)

      Worum es aber hier ging war ja, daß die Ersparnis einer laufenden Periode nicht nur von den Entscheidungen innerhalb des Betrachtungszeitraums abhängig sind, sondern auch von vorangegangenen Kreditverlaufsentscheidungen, die vorsehen, daß ein gewisser Teil des Kredits fortlaufend getilgt wird und von daher auch das Volumen, welches die Erzeugung von Nettogeldvermögen überhaupt möglich macht, sukzessive verringert wird. Heißt auf gut Deutsch: die monetäre Nettoersparnis – wo auch immer sie anfällt – ist von existierenden Schuldbeziehungen abhängig. Das muß man sich immer vergegenwärtigen, wenn man darüber diskutieren will, welche volkswirtschaftlichen Wirkungen Verbindlichkeiten aufweisen. Schulden als solche sind nicht schlecht!

      • Huthmann

        Mir geht es im wesentlichen um das Vermögensänderungskonto. Auf dieses fließen ja als INPUT die Ersparnisse der Unternehmen und der Haushalte wenn wir einmal vereinfacht eine geschlossene VWL ohne Staat nehmen. Ersparnis ist hier definiert als Komplement des Konsums bezogen auf das verfügbare Einkommen. D.h. entweder ein Wirtschaftssubjekt (also hier: Unternehmen oder Haushalt) konsumiert oder es spart.

        Aus dem Vermögensänderungskonto fließen sodann – unter oben aufgeführten Annahmen – Nettoinvestitionen an die Unternehmen.

        Somit gilt: Nettoinvestitionen = Sparen.

        Modelliert man nun einen Bankensektor, so kommen zusätzliche Flüsse dazu:

        – Kreditaufnahme bzw. -tilgung

        Somit kann z.B. das verfügbare Einkommen der Haushalte durch eine Kreditaufnahme erhöht werden.

        Dito können die Nettoinvestitionen durch Kreditaufnahmen erhöht werden.

        Diese Flüsse finden sich weder in den ex-ante Modellen wie IS-LM oder in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit verheerenden Folgen.

        MfG

        Huthmann

  14. @Rubycon
    diese betriebswirtschaftliche Sicht würde ich teilweise anders sehen, richtig ist aber, dass man über Bilanzansätze immer streiten kann, es geht doch aber hier nicht um das Lagerwert sondern den Fluss.

    @Huthmann
    Sparen = Kaufen von Sachwerten und Bildung von Geldvermögen, da es gesamtwirtschaftlich keine Geldvermögen gibt, ist die Identität von Nettosparen und Nettoinvestieren der Gesamtwirtschaft als Zuwachs der Sachwerte logisch gegeben.

    Die Nettoinvestitionen sind aber im Verhältnis zu den Geldsparen der Nichtunternehmer der entscheidende Punkt, da geht es nämlich um den Sinn der Investitionen – den Gewinn. Ohne Gewinn wird in den Folgeperioden kaum mehr investiert.

    Konjunkturbestimmend ist deshalb die Unternehmer-Gewinnformel von Keynes:

    Unternehmergewinne = Nettoinvestition plus Unternehmerkonsum minus GELDsparen(also Einnahmeüberschüsse) der Nichtunternehmer.

    Diese Formel hat eine positive Rückkopplung, sobald die Geldsparer den Gewinn der Unternehmer zu weit reduzieren, bricht natürlich deren Nettoinvestition ein – der Geldsparer erzwingt also im reifen Kapitalismus (ohne nennenswerte Nettoinvestitionen) entweder die Verschuldung der anderen Nichtunternehmers – also dem Staat, dem Ausland oder den Crash.

    Deutschland setzt dabei voll auf die Ausgabeüberschüsse
    (Importüberschüsse) des Auslands und wundert sich, wenn es im nächsten Moment diese Verschuldung wieder retten muss.

    Und alles nur wegen ökonomischer Sprachschlamperei – das zumindest im reifen Kapitalismus schädliche Geldsparen wird mit dem positivem Sachwertsparen unter einem Begriff geführt. Ein Schelm wer….

    • Huthmann

      Die bekannte saldenmechanische Aussage, daß das Nettogeldvermögen = O ist, gilt nur, wenn:

      – Sie den Bankensektor mit seiner Möglichkeit der Geldschöpfung und -vernichtung nicht modellieren oder
      – Sie den Bankensektor abbilden und das über alle Perioden gesehen wird

      Für eine gegebene Periode – unter Berücksichtigung von Geldschöpfung- bzw. Geldvernichtung durch den Bankensektor – gilt das nicht, denn die Bank stellt z.B. durch die Verlängerung ihrer Bilanz Giralgeld heute zur Verfügung (Per Forderung Kreditnehmer an Sichtguthaben Kreditnehmer), das aber über Kredittilgung erst in einer späteren Periode zurückgeführt wird. D.h. über die Klammer Bank verbinden Sie Forderung und Verbindlichkeit über unterschiedliche Perioden.

      MfG

      Huthmann

      • „Für eine gegebene Periode – unter Berücksichtigung von Geldschöpfung- bzw. Geldvernichtung durch den Bankensektor – gilt das nicht, denn die Bank stellt z.B. durch die Verlängerung ihrer Bilanz Giralgeld heute zur Verfügung (Per Forderung Kreditnehmer an Sichtguthaben Kreditnehmer), das aber über Kredittilgung erst in einer späteren Periode zurückgeführt wird.“

        Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Sie richtig verstehe, aber ich glaube, daß Sie bei dieser Geschichte eine Sache übersehen. Denn wenn eine Bank einen Kredit erteilt bucht sie bei sich selbst sowohl eine Forderung sowie eine Verbindlichkeit. Das heißt, daß in Höhe des Kreditbetrages sowohl der Kreditnehmer eine Verbindlichkeit gegen sich hat wie auch die Bank eine Verbindlichkeit gegen sich zuläßt, die sie dann, wenn der Kreditnehmer über das zur Verfügung gestellte Zentralbankgeld verfügt durch eine Zahlung entweder in bar oder in Zentralbankreserven (=Forderungen gegen die Zentralbank) ausführen muß.

        Wenn nun eine Bank an die Empfängerbank gezahlt hat ist sie von der Verpflichtung zur Zahlung befreit, dafür hat aber nun die Empfängerbank die entsprechende Zahlungsverpflichtung in ihren Büchern. Das heißt, daß die zweiseitige Schuldbeziehung nun nicht mehr direkt besteht, aber dennoch die Banken als Gesamtheit trotzdem nicht von der Zahlungspflicht befreit sind – die Zahlungspflicht hat nunmehr halt eine andere Bank. Sowohl die Zahlungsverpflichtung des Kreditnehmers bleibt bestehen als auch die Zahlungsverpflichtung der Bank(en) aus dem ursprünglichen Kredit und zwar unabhängig davon, welche Bank nun gerade diese Zahlungsverpflichtung übernommen hat.

        Was bei der Erörterung von Kreditbeziehungen meist unter den Tisch fällt ist, daß auch die Bank durch einen Kreditvertrag Schuldner wird und deswegen auch damit rechnen muß, daß ihr Liquidität (Basisgeld) verloren geht. Die Bank kann ihre Schuld auf eine andere Bank übertragen, wenn sie dieser mit der Schuld auch Zentralbankgeld überträgt. Das ändert aber nichts an der Gesamtsumme der Zahlungsverpflichtungen der Banken insgesamt. Die Schuld hat halt dann nur eine andere Bank.

        Heißt, die Bestandsidentität von Forderungen und Verbindlichkeiten gilt stets und überall, der Punkt aus dem Post war dagegen, daß in den Nettoinvestitionen die vorgesehenen Kredittilgungen aus Vorperioden enthalten sind und deswegen I nicht aus den Entscheidungen der laufenden Periode alleine bestimmt wird. Das betrifft soweit ich das sehe ihren anderen Kommentar, da bin ich noch am überlegen…

      • Huthmann

        Die Aussage von mir hinsichtlich des Nettogeldvermögens war falsch. Das Nettogeldvermögen = 0. Eine andere Frage ist natürlich, inwieweit Forderungen, die weiter in der Zukunft liegen, einbringlich sind oder nicht.

        Meine anderen Aussagen halte ich für richtig.

        MfG

  15. „Ein Sinn ergibt sich nur dann, wenn Sie mit “vertraglich fixierte Geldvermögenserhöhung” meinen, daß die Unternehmer gezwungen sind, die für die Tilgungszahlungen erforderlichen Beträge durch einen entsprechenden Absatz ihrer Produkte “reinzubekommen”.

    Einzelwirtschaftlich mögen dies für den Unternehmer Ausgaben sein wie alle anderen auch. Aber diese Ausgaben sind niemands Einkommen!!! Sie sind zwar Einnahmen der Bank, aber kein Einkommen, was diese wieder ausgeben könnte – dies macht die Kredittilgungen so besonders.

    Sie sind eben nur wie die anderen Ausgaben, die niemands Einkommen werden, nämlich die in Ausweitung der Geldhaltung blockierten Einkommen.

    Netto-Geldsparpläne plus Kredittilgungen = Bedarf an Neuverschuldungsplänen, und dies sind nun mal ca. 20% BIP. Viel mehr als wir finanzierbare inländische private Verschuldungspläne haben.

    Trivial – Warum rechnet kaum einer die VGR so? Und die es wie Flassbeck und Helmedag wohl machen, wollen nur Staatsverschuldung und nicht Guthabenrückzahlung denken.

    Alles Schla…äh Guthabensünder, außer Buschi🙂

    • Auch wenn ich normalerweise bei Wikipedia davon ausgehe, daß in volkswirtschaftlicher Hinsicht da nur Blödsinn steht, kann ich ja wenigstens mal was betriebswirtschaftliches zitieren:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Ausgabe_%28Rechnungswesen%29

      „Eine Ausgabe im betriebswirtschaftlichen Sinne vermindert das Netto-Geldvermögen eines Unternehmens.“

      Das ist (manchmal) auch Ihre Position, soweit Sie davon sprechen, daß es bei Geldvermögensbetrachtungen auf diese Unterschiede ankommt. (Ihre Predigt ist doch gerade, daß erst mit einer Leistungstransaktion eine Veränderung des Geldvermögens einhergeht!) Aber auf einmal glauben Sie zu argumentieren, daß Tilgungszahlungen „niemandes Einkommen“ seien. Ja selbstverständlich, denn Tilgungen sind Bestandsveränderungsgrößen, welche keine leistungswirtschaftlichen Aspekte implizieren. Das ist auch nichts Besonderes, weil jeder Buchhalter weiß, daß Zahlungen für Leistungen andere Konsequenzen für die betriebliche Vermögensposition haben, als Zahlungen für Kredittilgungen. Zahlungen für Leistungen vergrößern die betriebliche Schuldposition, während Zahlungen für Kreditablösungen die betriebliche Schuldposition unverändert lassen. Denn letztere sind nichts anderes als eine Bilanzverkürzung – und zwar beim Debitor Unternehmen, wo die Nettoverschuldungsposition konstant bleibt, genauso wie bei dem Kreditor, der auch nur eine Bilanzverkürzung verbucht.

      Heißt: Sie verwenden den Begriff „Ausgaben“ für den Vorgang „Kredittilgungen“, obwohl eine Ausgabe die Konsequenz hat, daß sich das Geldvermögen (des Unternehmens) ändert – eine Kredittilgung aber bekannterweise (da könnte ich auch Stützel zitieren) das Geldvermögen (von wem auch immer) nicht! ändert.

      Bei solchen Fehlern helfen auch Smilies =🙂 nicht!

  16. Heißt: Sie verwenden den Begriff “Ausgaben” für den Vorgang “Kredittilgungen”, obwohl eine Ausgabe die Konsequenz hat, daß sich das Geldvermögen (des Unternehmens) ändert

    Stimmt, Ich hätte korrekt „Auszahlung wie andere auch“ verwenden müssen.

    Damit haben wir es doch jetzt, für Kredittilgungen braucht man einzelwirtschaftlich regelmäßig Einzahlungsüberschüsse, da Auszahlungsüberschüsse entstehen. Diese Einzahlungsüberschüsse sind aber regelmäßig nicht ohne die eigentlich konjunkturbestimmenden Einnahmeüberschüsse zu haben.

    Neben der saldenmechanisch zwingenden Gewinnformel von Keynes sind allgemein die Pläne für Einnahmeüberschüsse im Verhältnis zu den Plänen für Ausgabeüberschüsse der konjunkturbestimmende Faktor des Geldsystems.

    Auf Pläne für Ausgabeüberschüsse < Pläne für Einnahmeüberschüsse folgen regelmäßig aber unbestimmte (u.a. in der Höhe von den Erwartungen abhängige) Ausgabekürzungen der von "Zwangsverschuldung" betroffenen Einzelwirtschafter in den Folgeperioden.

    In Käufermärkten fällt die entsprechende einzelwirtschaftliche Nachfragekürzung dann direkt aus.

    I ex ante < S ex ante ist also mit Bezug auf die Worte Einnahmeüberschüsse und Ausgabeüberschüsse relevant.

    Einnahmeüberschüsse und Ausgabeüberschüsse sind aber realwirtschaftliche Kaufsalden. Wenn die bisherigenEinnahmeüberschüssler mehr kaufen als verkaufen, kann das Kreditsaldo bei Plangleichgewicht sinken.

    Auf Deutsch, wenn (Staats) Schulden bei ausgereizter Privatverschuldung konjunkturneutral zumindest konstant sein sollen, müssen die Geldsparer die Liebe zum Sachwertsparen entdecken. Die alternative Verschuldung des Auslandes wird uns um die Ohren fliegen. Dies den Politikern nicht klar zu sagen, ist die unentschuldbare Sünde deutscher Ökonomen in der Politikberatung. Bei solchen Fehlern sind Smilies dann tatsächlich unangebracht. Mir als Hobby-Volkswirt ist dagegen jeder Fehler nachzusehen.🙂

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