Monatsarchiv: Oktober 2013

Geld: der Saldenausgleichstandard von Geschäftsbanken

AlpenEs gibt ja immer wieder die Diskussion darüber, ob Banken „GELD AUS DEM NICHTS“ schaffen können oder nicht. Die Diskussion darüber ist meistens weniger durch Sachlichkeit, sondern durch apodiktische Rechthaberei geprägt. Und dennoch läßt sich sinnvoll der Versuch unternehmen, zu einer Klärung dieser geldtheoretisch interessanten Frage zu kommen.

Es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt, daß es mindestens zwei Begriffsinhalte gibt, die den Terminus „Geld“ für sich beanspruchen, Banknoten einerseits und Guthaben/ Depositen andererseits. Da es die gibt ist es nicht zweckdienlich dem jeweils anderen den Gebrauch dieses Terminus irgendwie streitig zu machen, bloß weil das Gegenüber den eigenen Begriffsinhalt anders bezeichnen will. Es geht dabei auch nicht um richtig oder falsch, sondern um die Frage, was man gerade thematisch behandeln will. Denn rein sachlich gesehen dreht sich diese Geschichte darum, ob man eine Sichtforderung (Guthaben/ Depositum) gegen eine Bank bereits als Geld (im Sinne eines schuldbefreienden Zahlungsmittels) ansehen will oder nicht. Dabei wird von keiner Seite bestritten, daß Sichtforderungen und Banknoten völlig unterschiedliche Dinge sind. Es besteht auch Einigkeit darüber was M0 darstellt, was in Frage steht ist, ob der Begriff Geld in dieser Bedeutung (wie es auf M0 zutrifft) auch auf die Geldmenge M1 angewendet werden kann. Das Problem bei der Sache ist, daß M1 zwei Dinge enthält, die nicht so ohne weiteres identifiziert werden können, nämlich Banknoten/ ZB-Forderungen einerseits und Sichtforderungen gegen Geschäftsbanken andererseits. Das hat schon ein rein rechtliches Problem, denn Banknoten sind Sachen im Sinne des Sachenrechts, während Sichtforderungen eben halt Forderungen sind und als solche eine schuldrechtliche Bedeutung haben.

Diese Tatsachen kulminieren dann in der Frage, ob bei einer Überweisung lediglich die Sichtforderung des Überweisenden übertragen wird oder nicht. Man könnte spiegelbildlich auch sagen, daß es darum geht, daß die Bankverbindlichkeit übertragen wird oder nicht. Das kann man so sehen, soweit man den Forderungs-/ Schuldübertrag als schuldbefreiende Zahlung ansieht (was sie nicht ist). Man kann es auch so sehen, daß bei einer Überweisung die Verpflichtung der Bank / Forderung gegen die Bank erlischt und Geld (eine Sache) zu einer anderen Bank übertragen wird, wo dann – wegen dieser Geldübertragung – eine neue Forderung gegen die Bank / Verpflichtung der Bank etabliert wird. Wenn es also Geld im Sinne von M0 ist, welches zu übertragen ist, verliert natürlich eine Forderungs-/ Verbindlichkeitsposition ihren Geldcharakter und stellt sich als das heraus, was es ist: eine Forderung gegen bzw. eine Verpflichtung der Bank.

Der eigentliche Aufhänger ist jedoch immer wieder der, was damit gemeint ist, wenn es heißt: Banken schaffen „GELD AUS DEM NICHTS“. Da man davon ausgehen kann, daß die Existenz von M0 unstreitig ist, M0 aber nicht dasjenige ist, was die Banken als „Geld“ schaffen, muß dann wohl doch eine Erklärung dafür her, wozu dieses Zentralbankgeld denn eigentlich da ist. Denn das was die Banken an „Geld“ schaffen ist nicht das, was die Bankkunden aus dem Geldautomaten ziehen.

Die Frage, die dabei immer im Raum steht ist, wozu es eigentlich Zentralbankgeld gibt, denn ein Verrechnungssystem wie es aus dem „fei lun“ (Disclaimer: „Se non è vero, è ben trovato.“ ) bekannt ist, läßt sich ja auch allein durch die Banken bewerkstelligen. Aber aus irgendeinem verteufelten Grund gibt es auch noch die Frage, womit denn eigentlich Salden ausgeglichen werden, wenn es dazu kommt, daß sich Differenzen herausbilden, welche die Eigenschaft haben, sich nicht im Zeitablauf auszugleichen. Und das erfordert in Bezug auf moderne Bankensysteme die Antwort auf die Frage, warum Zentralbankgeld notwendig ist, weil auch ein Verrechnungssystem nicht darauf verzichten kann zu prüfen, ob die Verrechnungssalden „nachhaltig“ sind oder nicht. Ich gehe mal davon aus, daß dieser „Zahlungsausgleich“ im „fei lun“ System dadurch erfolgte, daß bei „zu großen“ Salden ein Übertrag in Rindern erfolgen mußte, genauso wie 1971 die Franzosen einen Saldenausgleich in dem definierten Saldenausgleichsmedium Gold verlangt haben, was ja dann zu der Aufhebung des offiziellen Goldstandards geführt hat – weil Bretton Woods, entgegen einer naiven Geldtheorie, einen Dollar-Standard und keinen Gold-Standard definiert hat.

Insofern ist es auch nicht erforderlich aus der Frage, wo Zentralbankgeld entsteht, ein Problem zu machen, sondern man muß sich fragen, warum es entstehen muß. Das WO ist einfach: es entsteht faktisch (hauptsächlich) bei der Kreditgewährung einer Zentralbank – Besicherungen hin oder her. Das WARUM? Banken brauchen Zentralbankgeld deswegen, weil sie Salden auszugleichen haben, von denen sie, bzw. die Gläubigerbank nicht erwarten, daß diese sich in absehbarer Zeit zurückbilden. Sobald das so ist – und jede Bank steht unter einem Druck ausreichende Zentralbankgeldbestände zu haben, um jederzeit einen Saldenausgleich vornehmen zu können, wird auch die Theorie, daß Banken „GELD AUS DEM NICHTS“ schaffen, hinfällig. Denn in letzter Konsequenz bleiben sie IMMER darauf angewiesen im Zweifelsfall über ein ausreichendes Volumen des Saldenausgleichsmediums Zentralbankgeld zu verfügen, um ihre Verbindlichkeiten ausgleichen zu können.

Und das ist die Antwort: die Funktion von Zentralbankgeld ist in einer Kontrollfunktion zu verorten, ob die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ein- und Auszahlungen einer Bank den üblichen Bonitätsnormen des Bankensystems entspricht. Denn sobald Abweichungen entstehen werden üblicherweise sofort sämtliche Swing-Kreditlinen per sofort fällig gestellt, wo sich für die betroffene Bank erweist, daß das, was sie als „GELD AUS DEM NICHTS“ erschafft eben doch nicht das ist, was sie zur Begleichung ihrer Verbindlichkeiten nutzen kann – denn dann heißt es zahlen, und zwar in dem Saldenausgleichsstandard Zentralbankgeld. Es erweist sich somit, daß Zentralbankgeld dazu da ist, um die Kreditvergabepolitik der Banken qualitativ zu nivellieren und über diese Notwendigkeit zum Liquiditätsausgleich in Zentralbankgeld sich ein einheitliches Bonitätsniveau herausbildet, welches als eigentliches Ziel von Zentralbankpolitik gesehen werden muß.

Daß Zentralbankgeld auch noch für Zahlungen im privaten Bereich genutzt wird, ist eigentlich ein Anachonismus der Geschichte. Im Unterschied zu anderen ist dieser nicht schädlich!

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Das Geldsystem braucht keinen Wert sondern Bonität

RheindämmerungManchmal muß man auf Kommentare eine Antwort geben, die den Rahmen eines Kommentars sprengen. Daher also hier mein Kommentar auf CarlBrandner:

„Richtig ist: eine Geldeinheit hat immer die Eigenschaft eine Verbindlichkeit von einer Geldeinheit zu tilgen (da erübrigt sich die Definition eines realen Wertbegriffs).“

Das ist ja noch nicht die ganze Geschichte, denn die Funktion von Geld ist es ja gerade das Kostenvolumen mit dem (unsicheren) realen Output in Beziehung zu setzen. (Das ist die Jesse James Geschichte.) Das Kostenvolumen ist eine monetäre Größe mit der Einheit EURO (oder whatever), während der Output eine Stückgröße ist, woraus die Preiskalkulation eine Relation erzeugt, deren Dimension „Geldeinheiten pro Stück“ sind, also das, was man überall als Geldpreis wiederfinden kann. Wegen DIESER Verklammerung von Input (in Geld gemessen) und Output (in Geld kalkuliert) sowie der Maßgabe, daß das erwartete Erlösvolumen (€ pro Stück multipliziert mit Stück gleich Angebotsvolumen vermehrt um die Gewinnspanne) die laufenden Kosten sowie die Finanzierungskosten abdecken soll ergibt sich, daß Geld als ein relatives Maß der geldfinanzierten Produktion anzusehen ist. Das ist nämlich der Clou, weil relative Maße die Dimension dessen, was sie abbilden sollen, nicht selber haben müssen.

Das ist aber der Unterschied zu einem absoluten Maß: ein absolutes Maß muß diejenige Eigenschaft, die sie messen soll, selbst aufweisen. So ist die Eigenschaft des Urmeters gerade die eine Länge zu definieren, die seit der Definition den Namen „Meter“ trägt – eben die Länge, die der Urmeter aufweist. Das was gemessen werden soll und das was das Maß darstellt sind beides identische Dinge mit der Einheit „Meter“.

Dagegen ist Geld gerade kein Maß für „Wert“ und muß es auch nicht sein, weil es lediglich auf die Relation dessen ankommt, was auf der Inputseite als „Kosten“ verzeichnet wird, während sich dieses Kostenvolumen vermittels der Preiskakulation auf der Outputseite wiederfinden. Daß man die Input- und die Outputseite mit Hilfe eines absoluten „Wertmaßstabes“ nicht kommensurabel machen kann ist ein Ergebnis des 200jährigen Ringens um eben diese Lösung. (Man könnte auch sagen, die dahingehend gemachten Versuche waren schlichtweg erfolglos!) Denn die „Integration von Wert- und Geldtheorie“ zieht sich als Erklärungsproblem durch die ökonomische Theoriegeschichte, ob als Gold (wie z.B. bei Marx und den Austrians) oder als „Geldgut“ oder auch ’numeraire‘ (Debreu, Arrow, Hahn) bis hin zur Quantitätstheorie, die das reziproke Preisniveau zum „Wert“ des Geldes stilisiert. Dabei ist diese Geschichte eigentlich schon vor über 100 Jahren geklärt worden:

“Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderen Faktors ein konstantes Verhältnis besteht, bestimmen die Größen des einen die relativen Größen des anderen, ohne daß irgendeine qualitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu existieren braucht. Damit ist das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähigkeit des Geldes, Werte zu messen, von der Tatsache seines eigenen Wertes abhängig zu machen schien.“ Simmel (1907)

Läßt man einfach den Unsinn beiseite dem Geld (makroökonomisch gesehen) durch alle möglichen Konstruktionen irgendeinen „Wert“ andichten zu wollen, lösen sich auch alle damit verbundenen Widersprüche in einem logischen Rauchwölkchen auf. Damit ist beispielsweise die Frage nach der Motivation von Kredit auch anders zu beantworten, weil Geld als Nicht-Wert, welches nicht unter einer Mengenrestriktion steht, in keiner Weise zu einer persönlichen Vermögensvermehrung beitragen muß (mal abgesehen davon, daß man sich immer klarmachen muß, daß es kein gesellschaftliches Nettogeldvermögen gibt). Kredit bedeutet demnach die Ingangsetzung sozialer Schaffensprozesse, deren Ergebnis – in Geld bepreist – zu einer Verbesserung der allgemeinen Konsummöglichkeiten führt – falls nicht, werden die „zu Unrecht“ vergebenen Kredite einfach gegen die Zinseinnahmen der „erfolgreichen“ Produktionsprozesse gegengerechnet, wodurch sich ein monetäres Gleichgewicht in einem dynamischen Kontext herstellen kann.

Damit wird aber die Frage von Bonität bzw. die Frage nach der Schuldenbedienungsfähigkeit zu der zentralen Kategorie einer Geldwirtschaft. Damit kann man auch die Frage, warum sich heutzutage alles ums Geld dreht dahingehend beantworten, daß das Finanzsystem die zentrale Steuerungsinstanz eines Produktionssystems darstellt, wo nach monetären Kriterien bemessen wird, welche Produktionsprozesse erfolgen dürfen und welche nicht. Die Frage nach einem „Nutzen“ für die „Gesellschaft“ stellt sich in diesem Sinne somit nicht mehr – nur noch die Frage nach der Bonität. Das mag man bedauern, jedoch: ein (auch nur halbwegs) funktionierendes Steuerungssystem wird man nicht so einfach zugunsten irgendwelcher „Werte“ abschaffen können. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß unsere „Standard“-Ökonomen, die als „Wertspezialisten oder -experten“ ausgebildet wurden nicht irgendeinen Unfug anrichten und mal wieder eine Krise verursachen. Zu einem Untergang des (notwendigerweise) abstrakten Geldsystems wird es jedoch dennoch nicht kommen. Hardware funktioniert halt ohne Software nicht – crash hin oder her!

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Von substanzbehafteten Luftnummern

ShipBellGelegentlich kann man sich ja auch mal um etwas kurzweiliges kümmern. So gibt es ja im Rahmen der Pseudo-Debatte, ob Banken „Geld aus Luft“ schöpfen würden inzwischen auch lustige Webseiten, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, der Ungerechtigkeit deutscher Gerichte hinsichtlich der Verurteilung säumiger Schuldner den Kampf anzusagen. So heißt es in der einschlägigen Website kreditopfer.at:

„Da Banken also tatsächlich meist kein Geld (gesetzliche Zahlungsmittel) verleihen, sind die Schuld- und Zinsverhältnisse dieser Kreditverträge oft nicht rechtmäßig.“

Wer nun denken würde, daß man darüber aufgeklärt würde, wann denn nun die Banken „meist kein Geld“ und wann doch verleihen würden, sieht sich allerdings getäuscht. Ersatzweise wird auf ein „Gutachten“ eines in dieser Szene einschlägigen Hörmann hingewiesen, um der Verwirrung noch einen weiteren Schub zu verleihen. Denn darin heißt es:

„Die Kreditgeldschöpfung (= Giralgeldschöpfung) der Geschäftsbanken ist ein reiner Schreibvorgang auf den Konten der Bank. Banken benötigen dazu keinerlei Zahlungsmittel (Bargeld), weder von Sparern noch von anderen Banken noch von der Zentralbank. Die Rückzahlung (Tilgung) eines Kredits stellt demgemäß ebenfalls einen bloßen Schreibvorgang dar (falls es durch Überweisung geschieht und nicht durch Einlage von Bargeld), ebenso ein allfälliger Kreditausfall.“

Man sieht sofort, wie der unbedarfte Leser hier auf eine falsche Fährte geführt werden soll. Denn das, was hier als „Kreditgeldschöpfung“ etikettiert wird, ist in Wahrheit nichts anderes als eine zweiseitige Willenserklärung, daß nämlich zum einen die Bank bei dem Kreditnehmer verschuldet ist, sowie zum anderen, daß der Kreditnehmer bei der Bank verschuldet ist. Der Unterschied zwischen beiden Willenserklärungen ist nur einer: die Bank verpflichtet sich zur Lieferung des Schuldgegenstandes „Geld“ JETZT, der Kreditnehmer verpflichtet sich zur Lieferung des Schuldgegenstandes SPÄTER – oder eben häppchenweise, wie in den meisten „Abzahlungsdarlehen“ so üblich!

Kredit1

Man muß es vermutlich noch deutlicher sagen: das was von derartigen Vertretern immer als Giralgeldschöpfung dargestellt wird ist nichts anderes als das Ergebnis eines Willensaktes, dessen Inhalt das Versprechen ist, zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Summe Geld zu zahlen. Es geht hierbei lediglich um eine Absicht – und wie man weiß, ist eine Absicht noch nicht die Tat!

Nun möchte der Gläubiger der Bank (Haushalt K) eine Immobilie erwerben und verwendet das ihm zur Verfügung gestellte Darlehen vertragsgemäß zum Kauf seines Traumhauses. Damit ist die Bank nunmehr nicht mehr gegenüber Haushalt K(äufer) verschuldet, sondern gegenüber dem Haushalt V(erkäufer) – und das ohne daß ein einziger EURO bisher überhaupt auch nur bewegt worden wäre, falls der Verkäufer sein Konte bei derselben Bank(filiale) hat.

Kredit2

Heißt: SELBST WENN eine Bank den Kaufpreis für ein Wohnhaus für den sie einem Kreditnehmer (Käufer) einen Kredit eingeräumt hat diese Überweisung NUR einem anderen ihrer eigenen Kunden gutgeschrieben hat – also ohne daß es unmittelbar zu einer Auszahlung von Zentralbankgeld kommt – ist es dennoch so, daß der Herausgabeanspruch des Verkäufers hinsichtlich der Kaufpreissumme nicht untergeht, auch wenn der Käufer seine Kreditraten nicht bedienen kann. Der Käufer hat durch seine Überweisung bewirkt, daß die Verschuldung der Bank gegen ihn (seine Kreditlinie) auf den Verkäufer (dessen Verkaufspreis) übergeht. Damit ist nun die Bank jetzt gegenüber dem Verkäufer verschuldet, welcher jederzeit seine Verfügungsberechtigung über diesen Geldbetrag – egal ob in bar oder per Überweisung – ausüben kann.

Wie kommt man angesichts dieser Sachlage zu der Einschätzung, daß die Banken „Geld aus Luft“ schöpfen würden? Ganz einfach indem man zwar auf der einen Seite zugesteht, daß Sichtforderungen (Einlagen, Depositen, Guthaben) kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellen, dann aber sofort weiterargumentiert, daß ja schließlich der Übertrag des „Giralgeldes“ eine Zahlung bewirken würde. Denn schließlich ist ja „Giralgeld“ ja auch Geld? Man muß sich wirklich fragen, wie man auf einen derartig primitiven semantischen Trick hereinfallen kann, bloß weil es sich landläufig eingebürgert hat die „Guthaben“ bei einer Bank als Geld anzusehen. Das liegt wohl daran, daß in einem funktionsfähigen Banksystem für den privaten Verwender dieser Unterschied üblicherweise nicht existiert. Nun sieht es ja so aus, als würde diese Theorie ja stimmen, denn in dem skizzierten Beispiel ist ja eine Verfügung über Zentralbankgeld nicht erfolgt. Nun, das mag ja für den Moment so sein, heißt aber nicht, daß der Verkäufer nicht die Freiheit besitzt über seine Forderungen dahingehend zu verfügen, daß es dann doch für die Bank bedeutet den geschuldeten Betrag zu 100% an eine andere Bank zu übertragen. Dann heißt es für die Bank eben auch: zahlen – und zwar in Zentralbankgeld!

Woran das liegt? Ganz einfach: wenn die Bank ihre Schulden (welche die Forderungen des Verkäufers sind) loswerden will kann sie das nur dann, wenn sie – wie alle anderen Wirtschaftssubjekte auch – ihre Schulden auslöst, d.h. Zentralbankgeld zahlt, wenn sie eine andere Bank dazu „überreden“ will, die entsprechende Schuld zu übernehmen. Ohne die Übertragung dessen, was herausgegeben werden soll, passiert auch bei den Banken – nichts.

Daß Überweisungen nur mit der gleichzeitigen Übertragung von Geld überhaupt durchgeführt werden wird immer dann klar, wenn eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Die „Kaupthing-Anleger“ wissen inzwischen, daß es durchaus möglich ist vor den geschlossenen Türen einer Bank zu stehen, ohne zu wissen, ob von den dort existierenden Forderungen überhaupt noch etwas wiederzuerwarten ist. Diese Leute haben ein im Gegensatz zu vielen „Ökonomen“ besseres Verständnis für die Tatsache, daß ein Verbindlichkeitsübertrag einer Bank noch keine schuldbefreiende Zahlung bedeutet. Das kann man als eine heilsame und lehrreiche Erfahrung ansehen. Obwohl: nun deswegen reihum alle Banken mal pleite gehen zu lassen, damit die übrigen Bankkunden das auch live mitbekommen – das geht ja nun auch nicht. Wobei: nach Zypern ist vieles möglich…

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