FASB – auch nicht schlecht!

SuperPanneManchmal ist es ja doch ganz nützlich sich durch ziemlich durchgeknallte Websites zu klicken, denn gelegentlich stößt man auf Absonderlichkeiten, die es wert sind kommentiert zu werden. Dazu gehört ein Brief des Wirtschaftsprüfers Schemmann, der sich dagegen wendet, daß die FASB-Richtlinien und Definitionen zu eine fehlerhaften Testierung der Abschlüsse von Wirtschaftsprüfern Anlaß geben. Dies sei dadurch bedingt, daß Banken, wenn sie einen Kredit erteilen lediglich „Rechnungseinheiten“ schaffen würden, die aber nicht die Stellung von gesetzlichem Zahlungsmittel aufweisen würden. Als Folgerung kommt er dann zu dem Schluß, daß die FASB Buchhaltungs-Richtlinie (ASC 305-10-20) falsch sei:

„Bargeld“
„Übereinstimmend mit allgemeiner geschäftlicher Gepflogenheit besteht Bargeld nicht nur aus Geldscheinen und Münzen auf der Hand, sondern auch aus Sichteinlagen bei Banken oder anderen Finanzinstitutionen. Bargeld umfasst auch andere Kontenarten, die folgende Merkmale von Sichteinlagen aufweisen: Der Inhaber muss in der Lage sein, seine Finanzmittel jederzeit einzulegen oder abzuheben, ohne dass er das vorher anmelden muss und ohne, dass er dafür eine Strafgebühr zahlen muss.

Alle Zu- und Abflüsse von diesen Konten sind Bargeldein- oder –ausgänge, sowohl für den Kontoinhaber als auch für die kontoführende Bank. Zum Beispiel stellt die Vergabe eines Kredits und die Buchung des Betrags in ein Kunden-Sichteinlagenkonto zu diesem Zeitpunkt eine Bargeldzahlung der Bank und einen Bargeldeingang des Kunden dar. “

Quelle:
http://www.iicpa.com/articles/Uebersetzimg%20offener%20Brief%20Schemmann%20FASB%20IASB.pdf

oder im Original von 2011:

https://law.resource.org/pub/us/code/bean/fasb.html/fasb.305.2011.html

Nach allem, was hier in diesem Blog über Geld und Kredit bereits alles gesagt wurde, gibt es nur einen Schluß: welche Arbeitsgruppe oder Ausschuß auch immer diesen Text verfaßt und beschlossen hat: man kann diesem Gremium nur attestieren, daß sie das, was sie gutachterlich ausarbeiten sollten, in keiner Weise angemessen adressiert haben! Damit man nun nicht meint, die FASB sei irgendeine untergeordnete Organisation ohne Reichweite, hier (ausnahmsweise) ein Wikipedia-Link, der hinreichend deutlich macht, was es mit dieser Organisation auf sich hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Financial_Accounting_Standards_Board

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: denn es scheint offensichtlich so zu sein, daß an der FASB die letzten Jahrzehnte spurlos vorbeigegangen sind und noch nicht einmal die Aufhebung des Goldstandard (der Nixon 1971 zugerechnet wird) dazu Anlaß gegeben hat, die Konzeption dessen, was Geld darstellt in irgendeiner Weise den vorfindbaren Gegebenheiten anzupassen. Denn eine derartige Formulierung kann nur dann halbwegs gerechtfertigt werden, wenn eine Forderung eine reale Leistung zum Inhalt hat, wie es zu Zeiten der Goldwährung noch Usus war. Das liegt nicht etwa daran, daß eine Bank nicht so oder so die zur Erfüllung ihrer Verpflichtung notwendige Menge an Banknoten oder Goldklunkerchen vorrätig haben muß, sondern an der Art des Anspruches: eine Goldforderung ist grundsätzlich ein Herausgabeanspruch aus einem im wesentlichen begrenzten Bestand, während die Forderung auf eine Banknote, das gesetzliche Zahlungsmittel, vom Bankensystem in Zusammenarbeit mit der Zentralbank grundsätzlich beliebig vermehrbar ist und somit eine Banknote keinen materiellen Anspruch mehr darstellen kann.

Während aber eine goldgedeckte Banknote als stellvertretend für eine genau definierte Goldmenge angesehen werden kann und es sich hierbei gewissermaßen um einen Lagerschein handelt, weil bei Präsentation dieses Scheines eine Herausgabepflicht des Emittenten der Banknote besteht und hierbei kein Zweifel darüber besteht, daß Anspruch und herauszugebender Gegenstand zwei unterschiedliche Dinge sind, werden demgegenüber – insbesondere von „modernen“ Ökonomen – der Anspruch auf Geld (als Banknote) und die Banknote selbst als vollständig substituierbare Dinge angesehen und somit unbesehen in einen Topf geworfen. Dabei wird übersehen, daß auch in einem Kreditgeldsystem die Differenz zwischen Herausgabeanspruch und dem Herauszugebenden genauso existiert, auch wenn das Herauszugebende (die Banknoten) ebenso Ergebnis einer Kreditoperation ist. Diese Ignoranz gegenüber der Unterschiedlichkeit der Kreditebenen – Zentralbankkredit einerseits, Geschäftsbankenkredit andererseits – setzt sich dann auch in dem zweiten zitierten Satz fort, wo davon gesprochen wird, daß Zu- und Abflüsse auf den Konten der Kunden genauso zu sehen sind, wie Zu- oder Abflüsse von gesetzlichem Zahlungsmittel. (Das gilt zwar für eine Zentralbank hinsichtlich des von ihr selbst emittierten Geldes, dagegen für eine Geschäftsbank aber eben nicht, wie leidgeprüfte Kunden der z.B. Kaupthing-Bank sicher bestätigen können.) Wenn aber schon bei der FASB Geld und Kredit nicht auseinanderhalten werden, vermutlich weil beides wie in english üblich mit ‚money‘ bezeichnet wird, muß man sich nicht wundern, daß auch bei anderen weniger elementaren Dingen wie Finanzkrisen, deren Diagnose sowieso unterbleibt, die Therapievorschläge nach bewährten betriebswirtschaftlichen Kriterien gestaltet werden, deren „Erfolge“ dann allenfalls noch herbeiphantasiert werden können.

Und was macht Schemmann daraus? Statt darauf hinzuweisen, daß es sich hier um ein eklatantes Versagen ökonomischen Denkens handelt, versucht er dasjenige, was sowieso unlogisch ist, dadurch zu heilen, indem er sich auf die Seite der Monetative schlägt und daher fordert, daß Sichtguthaben de jure dem Bargeld gleichgestellt werden sollen. Die Morgensternsche Pseudologik für ihn liegt wohl darin, daß in diesem Fall die Banken nicht mehr nur „Rechnungseinheiten“ verleihen würden, wenn sie einen Kredit vergeben, sondern, wenn schon nicht Bargeld, so doch wenigstens das gesetzliche Zahlungsmittel, welches die Banken dann in ihren Tresoren ja auch tatsächlich vorhalten müssen (auch wenn sie dieses Bargeld in 99,99% der Fälle nicht benötigen werden). Diese Lösung ist dann für ihn wohl die Garantie dafür, daß es zu Liquiditätskrisen wie im Zuge der jüngsten Finanzkrise nicht mehr kommen könne. Nun ja, das ist die Monetative-Spielwiese.

Man muß natürlich beachten, daß der FASB-Unfug für die Frage nach der Liquidität von Unternehmen nicht so sehr zum Desaster wird, weil einzelwirtschaftlich die Sichtweise, daß ja der positive Konstostand ja „genauso gut wie Geld“ sei, durchaus einen praktischen Hintergrund aufweist. Denn für die Testierung eines Unternehmensabschlusses kann man die „Rechnungseinheiten“ durchaus so behandeln, als wäre es Geld im Sinne des gesetzlichen Zahlungsmittels. Das ist auch insofern richtig, als beide Positionen bei den Unternehmen auch auf der Aktivseite stehen und der Liquiditätsbegriff auch Sichtforderungen umfassen kann, ohne daß damit eine fehlerhafte Beurteilung der Sachlage eintreten würde.

Hinsichtlich des Umstands, daß da mit voller Überzeugung eine völlig gegenstandslose Identifikation unterschiedlichster Sachverhalte formuliert wird, kann man sich nur verwundert die Augen reiben. Denn was einzelwirtschaftlich noch halbwegs zu rechtfertigen ist führt bei der Analyse der Gesamtwirtschaft dann geradewegs auf die schiefe Bahn. So können sich z.B. Bankensanierer, die den „Einlegern“ ihre Ersparnisse abknöpfen eben nicht darauf verlassen, daß durch die Streichung von Verbindlichkeiten eine Bank wieder solvent wird. Warum? Ganz einfach: weniger Schulden heißt noch nicht automatisch mehr Liquidität – ein Umstand, welcher oft genug eben mal vergessen wird… Tröstlich an diesem Desaster ist nur die Erkenntnis, daß nicht alles, was aus dem Hollywood-Land kommt, automatisch ein Siegel der Wahrheit tragen muß. Nicht mal dann, wenn es sich um Ökonomie handelt…

68 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftspolitik

68 Antworten zu “FASB – auch nicht schlecht!

  1. Vandermonde

    Weil Sie die Monetative erwähnen – wie sehen Sie eigentlich die Standpunkte von Richard Werner? (falls Sie diese näher kennen). Insbesondere Werners Konzept des dissagregierten Kredits und die von ihm untersuchte Window Guidance der BoJ?

    • Richard Werner ist ein vielschichtiges Kapitel. Ich habe immerhin seine „Neue Wirtschaftspolitik“ durchgearbeitet und dabei viele Erkenntnisse sammeln können.

      Ich möchte hier kurz zu drei Aspekten Stellung nehmen:

      1) Die Strategie der BoJ ist offenbar außerordentlich zielführend gewesen, was die Entwicklung Japans zu einer der exportstärksten Nationen dieser Welt angeht. Das erinnert an eine These von Ulrike Herrmann, daß nur hohe Löhne dazu führen, daß technologische Neuerungen unter Hochdruck eingeführt werden. Man kann es so sehen, daß die Politik der BoJ, die Geschäftsbanken dazu zu zwingen eine vorgegebene Kreditquote einzuhalten dazu geführt hat, daß die Lohnentwicklung zu diesem rasanten technologischen Aufholprozeß maßgeblich beigetragen hat. Ob die These von Herrmann nun stimmt oder nicht: es scheint so zu sein, daß wenn Unternehmen Kredit nehmen müssen die Bereitschaft auch innovative Wege zu gehen doch erheblich gefördert werden kann und deswegen die Entwicklung Japans einen derart stürmischen Verlauf genommen hat.

      2) Zweifelhafter ist dagegen, daß Werner davon ausgeht, daß ökonomische Dinge aus ökonometrischen Analysen her gewonnen werden können. Das ist u.a. die Friedman Position, daß, egal wie abstrus die „Annahmen“ einer Theorie sind, die statistischen Ergebnisse darüber Auskunft liefern, ob die Theorie gut ist oder nicht. Dies betrifft ein epistemologisches Problem, inwieweit die Analyse von Phänomenologie bereits zu Erkenntnis führen kann. Gegen diese Position steht die konstruktivistische Position, daß die Ordnung der „Realität“ zunächst durch theoretische Konstrukte formuliert werden muß, damit man überhaupt die Welt interpretieren kann. Heißt: was man nicht denken kann, kann man auch nicht erkennen – auch nicht durch Statistik!

      3) Zu seiner Behauptung, daß Banken „Geld“ schöpfen können kann ich sagen, daß er sich einer Diskussion über dieses Thema verweigert. Das habe ich selbst mal versucht und bekam dann seine „Empfehlung“, doch mal das oben angegebene Buch zu lesen, als Antwort.

      Ich vermute mal eher, daß Werner bei der Monetative-Gang die Anerkennung bekommt, die er mit seiner früheren sehr kompetenten Arbeit nicht bekommen hat. Er ist m.M.n. ein Opfer der Intransigenz des ökonomischen ‚mainstream‘, welcher seine durchaus wegweisenden Analysen schlichtweg ignoriert hat. Denn schon das Aufbrechen der Quantitätstheorie in den „realen“ und den „finanziellen“ Teil muß der orthodoxen Ökonomie einen furchtbaren Schreck versetzt haben, weil schon damit die üblichen Grundüberzeugungen den Bach runtergehen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß ein Ökonom von seinem Format wirklich an diesen Blödsinn glaubt, daß Geschäftsbanken „Geld“ schöpfen können. Warum er es tut, müssen Sie ihn selbst fragen, ich habe es vergeblich versucht.

      • Vandermonde

        Ich würde vermuten, dass er das aus dem Blickwinkel der von ihm untersuchten Window Guidance sieht, die ja im Prinzip nicht nur die Quote beinhaltete, sondern auch die Zielbranche (was er in seinem Buch „Princess of The Yen“ beschreibt). Eine solche Einflußnahme der Zentralbank auf die Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken, führt ja die von Ihnen im Artikel „Geld: der Saldenausgleichstandard von Geschäftsbanken“ angesprochene Rolle der ZB, die Bonitätsniveaus der Geschäftsbanken qualitativ zu nivellieren, eigentlich ad absurdum, da die Geschäftsbank für die vergebenen Kredite ja nicht mehr allein verantwortlich ist. D.h. die Zentralbank kann sich gegenüber der Geschäftsbank schwerlich weigern eine mögliche Nachfrage nach ZB Geld entsprechend zu erfüllen.

        Da die dabei beschriebenen Prozesse informell ablaufen, stellt sich die Frage, ob entsprechende politische Prozesse trotz einer freieren Kreditvergabe durch Banken die Rolle der ZB als Bonitätskontrollinstanz entsprechend unterminieren können und bis zu welchem Grad.

        Ich möchte dabei ebenfalls auf Ulrike Herrmann verweisen, die die hohen Boni und Gehälter im Finanzbereich (neben der verursachten Volatilität) auf den Umstand zurückführt, dass die Risiken tw. mit staatlicher Hilfe externalisiert werden. Das bedeutet aber eigentlich nichts anderes als eine Verzerrung der „Bonitätsbewertungsfunktion“ der ZB.

      • Vielleicht sollte ich noch einmal folgendes präzisieren: die Zentralbank kann den Druck zur Nivellierung des Bonitätsstandards nur indirekt erzeugen, indem sie durch die (relative) Verknappung von Zentralbankgeld die Geschäftsbanken dazu zwingt, notwendig werdende Refinanzierungen über den Interbankenmarkt abzuwickeln. An dieser Stelle wird nämlich die Frage der Bonität akut, weil es sich hier um die üblichen Probleme von Banken handelt, die Qualität des Schuldners einzuschätzen. Das machen Banken nämlich auch untereinander, auch wenn das nirgends (Oder?) so richtig dokumentiert ist! Man mag sich noch an die grüne „Turnschuhbank“ erinnern, die ziemlich schnell gemerkt hatte, daß ihre Refinanzierung nur dann gesichert werden konnte, indem sie (wegen ihres schlechten standings) noch höhere Kreditvergabestandards anlegte, als es im „konventionellen“ Sektor üblich war.

        Demgegenüber favorisiert Werner eine Art von Investitionslenkung, bei der die Zentralbank direkte Vorgaben formuliert, die von den Banken dann zu erbringen sind. Diese Investitionslenkung wird auch ein Grund für die Affinität Werners für die Monetative sein, denn bei einer 100% Mindestreserve muß jeder einzelne Kredit der Banken von der Zentralbank durch zusätzliches Zentralbankgeld gewährt werden. (Was die Banken mit den überflüssigen 90% des Geldvolumens anstellen sollen, wissen ja auch die Monetativler nicht.) Ob man allerdings die Sachkenntnis von tausenden von Banken bei einer Zentralbank bündeln sollte, bzw. ob man das überhaupt kann, ist mehr als fraglich.

        Weniger fraglich ist hingegen der Umstand, daß die EZB mit dem LTRO-Tender diesen Nivellierungsmechanismus quasi gestoppt hat und damit an sich genau dasjenige behindert, was sie ihren Verlautbarungen gemäß eigentlich erreichen will: die Überwindung der monetären Fragmentierung der europäischen Geldmärkte. Und was tut sie? Eben, das Gegenteil, sie fördert die europäische Geldspaltung:

        https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/23/europaische-geldspaltung/

      • Vandermonde

        Korrektur: „Princes of the Yen“ – so feministisch ist die BoJ nicht😉

      • Vandermonde

        Bei der Zentralbank diese Befugnisse zu bündeln macht sicher keinen Sinn. Als Beispiel dazu dient witzigerweise ebenfalls „Princes of the Yen“, da Werner dann in den Interviews analysiert, dass der BoJ „Strukturreformen“ wichtiger wurden und sie (zumindest seiner Schlußfolgerung nach) die Window Guidance auf missbräuchliche Art verwendet haben soll.

        Allerdings besteht das Problem ja genau darin, dass sich die kleinteiligen, dezentralen Prozesse zwar prinzipiell gut für komplexe Organisationsformen eignen, aber sich der Gesamtkontext damit nur sehr schwer steuern läßt – es gibt eben keine „unsichtbare Hand“. Was für eine einzelne Bank Sinn macht, muss noch lange nicht im längerfristigen gesellschaftlichen Interesse liegen.

        Die von Ihnen dargestellte bonitätsorientierten Steuerung mittels monetärer Prozesse steht und fällt ja mit der Frage der Bonitätsbewertung. Und wie von Ihnen ausgeführt hat das nicht zwangsläufig etwas mit dem Nutzen für die Gesellschaft zu tun. Die Schlußfolgerung kann daher nur lauten, dass man versuchen muss, den Nutzen für die Gesellschaft stärker bei diesen monetären Prozessen zu berücksichtigen.

        Man muss dazu vermutlich gar nichts besonders neues erfinden, sondern es reicht einfach nur eine politisch, transparente Form der Investitionslenkung, wie sie ja heute z.B. durch Staaten auch praktiziert wird.

  2. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Dass in der modernen Welt immer weniger Menschen in der Lage sind zwischen Geld (sprich: ZB-Geld) und Kredit (sprich: GB-„Geld“) zu unterscheiden, ist weniger dem menschlichen Intellekt geschuldet, sondern mehr der Wirklichkeit selbst. Was erwartet man von einem Geld, das als Kredit verrechnet wird, und doch Züge einer Sache trägt? Das beliebig vermehrbar, das papierartig und elektronisch zugleich ist? Dieses zwitterhafte Wesen, genannt ZB-Geld, trägt alle Verrücktheiten des Kapitalismus in sich und kann die Menschen in ihrem Bemühen zu verstehen nur zur Verzweiflung treiben. Wenn jemand zum Beispiel behauptet, dass ZB-Geld Kredit sei, dann phantasiert er fast zwangsläufig vom Konkurs der Zentralbank und schiesst sich prompt selbst ins Bein. Umgekehrt: Wenn jemand das ZB-Geld partout als Sache sehen will, dann wird er eines Tages die Frage beantworten müssen, wieso Staatskredit, verrechnet über die hauseigene Zentralbank, eigentlich nicht unendlich sei. Man sieht: Beide Positionen verzweifeln an der Wirklichkeit. Ich wehre mich daher dagegen ihrer Argumentation zu folgen, die da offensichtlich lautet: ZB-Geld sei Sache, nicht Kredit.

    „Was dann“?, werden Sie fragen. Es hängt bloss davon ab wie die Menschen selbst Geld begreifen wollen! Wenn zum Beispiel die Deutsche Bundesbank der Meinung sei, dass Staatskredit nicht unendlich sein sollte, dann ergibt sich für sie zwangsläufig die Defintion des ZB-Geldes als Kredit. Nur so lässt sich die Unabhängigkeit der eigenen Position verteidigen, indem man den Staat auf die Rolle eines Kreditnehmers zurechtstutzt und ihm die eines Geldproduzenten versagt. Wenn jedoch ein Staat über sehr lange Zeit die Unabhängigkeit der Zentralbank missachtet, dann wird sich unter den Staatsbürgern zwangsläufig die Meinung durchsetzen, dass ZB-Geld eine beliebig vermehrbare Sache sei. Man sieht: Es entscheiden Faktizitäten, nicht nur, wie immer behauptet, Interessen darüber, was ZB-Geld eigentlich ist. Und deshalb ist auch ihre Art die Argumentation zu führen, nämlich sich auf eine Position der „wahrheitssuchenden“ Analyse zu heben, äusserst fruchtlos. Wenn man von Foucault etwas lernen sollte, und er ist der Denker, von dem bekanntlich niemand etwas lernen will, dann: dass die Analyse des Diskurses hundertmal fruchtbarer ist als die der Sache.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      die Zwitterhaftigkeit von Zentralbankgeld ist doch gerade das ‚feature‘ und nicht der ‚bug‘ im Kreditgeldkapitalismus. Denn es spielt überhaupt keine Rolle, ob Zentralbankgeld als Banknote oder als Sichtforderung bei der Zentralbank existiert. Das eine ist für die Schuldbefreiung im Warenkleinverkehr, während das andere dazu dient, die auftretenden Salden im Interbankengeldverkehr auf eine effiziente Art konsolidieren zu können. Im Grundsatz geht es um dasselbe Faktum: eine Zahlung (mit Zentralbankgeld) zu leisten, damit eine Schuldbefreiung eintritt.

      Das ist auch der Gegensatz zu Staatsschulden: diese sind deswegen nicht tilgbar, weil damit eine reale Leistung aus der laufenden Produktion entnommen wurde, die zwar in einer späteren Periode nochmals erstellt werden könnte – nur ist diese nicht dieselbe, welche vorher bereits untergegangen war. Da aber Staatsschulden ein Ausdruck der Inanspruchnahme von Teilen vergangener Sozialprodukte sind und diese unwiderruflich untergegangen sind, lassen sich Staatsschulden auch nie wieder tilgen – es sei denn man interpretiert den Staat als ein Unternehmen. Das kann man tun, dann kann man aber auch nicht mehr über öffentliche Güter oder neudeutsch ‚commons‘ sprechen, da diese dann nicht mehr existieren.

      Selbstverständlich ist Zentralbankgeld eine Sache und wie oben angedeutet selbst dann, wenn sie „nur“ in digitaler Version bei der Zentralbank existiert. Man muß nicht den Fehler begehen „virtuell“ mit „nicht wirkmächtig“ zu verwechseln, denn ein „Nicht-Herbeischaffen“ dieser vermeintlich virtuellen „bits“ führt dennoch zu sehr realen Besuchen von äußerst realen und zickigen Gerichtsvollziehern.

      Ihre Bedenken hinsichtlich der Unendlichkeit des Staatskredites widerspricht der Sacheigenschaft des Zentralbankgeldes keineswegs, die richtige Frage lautet dahingehend, inwieweit der Staatskredit mit dem Nichtkonsum der Einkommensbezieher einhergeht. Heißt auf gut Deutsch: wenn die Einkommensbezieher nicht konsumieren wollen, kann es auch jemand anderes tun, wonach die „Sparer“ (als Gesamtheit) einen niemals wieder einlösbaren Formaltitel erhalten, der lediglich ein Merkposten über staatliche Inanspruchnahme von Gütern darstellt, ohne daß dabei eine Kompensation vereinbart wäre, Zinsen der Staatsschuld hin oder her.

      Das sind alles Konsequenzen der Tatsache, daß es kein „Mehr-Geld“ gibt. Dazu muß man nur ein bißchen gesamtwirtschaftlich denken.

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Die berühmte Frage Nietzsches: „Wer spricht?“ kann in Bezug auf das Geld nur beantwortet werden mit: „Der Staat spricht!“ Er alleine entscheidet, was Geld ist und was Geld nicht ist. Setzt er seine Staatsschuld auf die Aktivseite seiner Zentralbank, und belässt er sie dort auf alle Ewigkeit, dann hat er entschieden: dass Staatsschuld Geld sei. Unterlässt er dieses Verfahren und landet alle Staatsschuld auf der Aktivseite der Geschäftsbanken, dann hat er entschieden: dass Staatsschuld Kredit sei. Insofern ist Ihre Vorstellung, dass „Staatsschulden nicht tilgbar seien“ an die Annahme gebunden, dass der Staat sie als Kredit und nicht als Geld behandelt. Entscheidet er sich nämlich alle seine Schuld in der Zentralbank zu konzentrieren, kann er sich über Nacht entschulden, indem er den Aktivposten „Staatsanleihe“ gegen einen neuen Aktivposten (z.B. „Luft“) tauscht. Alle Staatsschuld ist aus dem System eliminiert, weil der Staat so entschieden hat. Oder genauer: Sie wurde endgültig in ZB-Geld („Luft“) verwandelt.

        Die Schwäche der in deutschen Landen kursierenden Schuldentheorie liegt ja gerade darin: die potentielle Macht des Staates nicht zur Kenntnis zu nehmen. Man fügt sich dem liberalen Diskurs, dass der Staat ein Kreditnehmer wie jeder andere sei. Im Gegensatz dazu hat die angelsächsische Variante der Schuldentheorie den Staat schon längst auf die Machtposition gehoben, die er dort auch einnimmt: Er produziert das Geld und er entscheidet über die zirkulierende Menge. Die Staatsschuld verkommt im angelsächsischen Diskurs zu einer Randnote, über die man sich nicht länger den Kopf zerbricht, während hierzulande das Schreckgespenst des „Staatskonkurses“ die Runde macht. Man kann`s auch so sagen: Der Staat gibt sich in Deutschland so schwach, dass sogar sein Konkurs denkbar ist. Das sollte nicht verwundern, ist er doch der Inbegriff des liberalen Staates: Jahre bevor die Bundesrepublik Staat wurde, war sie Wirtschaftsraum. Sie hat das „Gen“ des Liberalismus injiziert, was andere Staaten als Zumutung begreifen würden.

        Man wird die Frage des Geldes niemals aus übergeordneten Prinzipien beantworten können und schon gar nicht mit Rekurs auf eine abstrakte Schuldentheorie. Im Gegenteil wird man das Aufkommen solcher Theorien am Zeitgeist selbst messen müssen. Jahrzehntelang wurde zum Beispiel das GB-Geld in Europa als Quasi-Geld akzeptiert, heute, wo sich die Staaten entschieden haben, das GB-Geld an der Abwicklung der vom Konkurs bedrohten Banken zu beteiligen, wird sich der Diskurs der Stellung des GB-Geldes als Kredit wieder bewusst. In den USA hingegen, wo GB-Geld seit jeher „gerettet“ wird, wird Kredit und Geld mehr denn je gleichgesetzt. Daher sind auch alle Versuche übergeordnete „Wahrheiten“ zu konzipieren von vornherein zum Scheitern verurteilt. Jede „Wahrheit“ ist sofort mit der Frage Nietzsches zu konfrontieren: „Wer spricht?“. Und hier in Deutschland spricht ein platter Liberalismus, der sich seinen Weg über die Schuldentheorie bahnt. Das ist nichts Schlimmes, damit kann man leben. Man sollte es nur begreifen.

        Mit freundlichem Gruss
        Alfred Felsberger

      • Noch eine Anmerkung: Ein bisschen erstaunt bin ich schon, wenn gerade Sie, der Denken in realen Grössen zurückweist, auf einmal behaupten: dass mit Staatsschulden „reale Leistung aus der laufenden Produktion entnommen wurde“. Im Gegenteil müssten sie doch sagen: dass durch die Verausgabung der Staatsschuld diese reale Leistung erst angestossen wurde. Dass, mit anderen Worten, gar Nichts existierte, bevor nicht irgendjemand Schuld in das System wirft. Es zeigt mir, dass die Schuldentheorie doch nicht so perfekt ist wie Sie vermuten.-) Konkret erkennt man daran, wie sich der deutsche Diskurs eine künstliche Abgrenzung zum angelsächischen „Keynesianismus“ auferlegt: Schuldentheorie darf nur sein, was mit Keynesianismus nichts zu tun hat.

        Alfred Felsberger

      • Hallo Herr Felsberger,

        daß die anglos der Theorie anhängen, daß die Staatsschulden der „richtige“ Weg sei, um eine Ökonomie mit Geld zu „versorgen“ liegt doch eher daran, daß die anscheinend immer noch nicht mitbekommen haben, daß die Quantitätstheorie nur deshalb existiert, damit das Zentralmodell der Marktwirtschaft (Allgemeine Gleichgewichtstheorie) keinen Schiffbruch erleidet. Da das Marktmodell (Tausch Hirsch gegen Biber A.Smith) aber als ideologische Blaupause unverzichtbar ist, muß auch die „Geldmenge“ als zu regulierender Sachverhalt gesehen werden, der durch den Staat „zur Verfügung gestellt“ werden muß. Das folgt konsequenterweise aus der Konzeptionierung von Ökonomie als Tauschwirtschaft.

        Dem gegenüber steht eine abstrakte Schuldentheorie, die quasi ihren Ausgangspunkt in dem Kooperationsprinzip (Stecknadelbeispiel A.Smith) findet, so daß quasi die „Geldmenge“ dem Niveau der Wirtschaftsaktivität folgt, wofür stellvertretend die „produktivitätspotentialorientierte Geldmengenregel“ des Sachverständigenrats stand. In dieser Version kann der Staat eben nur etwas aus dem Sozialprodukt entnehmen, wenn er über Steuereinnahmen oder eben Kredit an Geld kommt. Da aber ein Staat nichts verkauft sind derartige Schulden für die Gläubiger zwar ein Vermögensbestand, dem sich die Gesamtheit der Gläubiger aber nicht entledigen kann, genauso wie die Gesamtheit der Gläubiger dafür sorgen muß, daß die Zinsen als zusätzliche Staatsschuld hochgebucht werden können. Dabei gilt nämlich die alte Weisheit, daß der Gläubiger den Schuldner zahlungsfähig erhalten muß, tut er es nicht, entwertet sich sein Vermögen sofort. Amit und Brits haben bei dieser Frage halt weniger Vertrauen in die Einsicht der Gläubiger – vermutlich zu Recht.

        Ja der alte Marx hat auch immer was „geworfen“. Natürlich ist die Frage, wie Geld in die Ökonomie integriert wird eine Angelegenheit davon, wie man die Funktion von Banken interpretiert. Es kommt ja nicht von ungefähr, daß in allen Lehrbüchern der Quatsch mit den Banken als „Transformatoren“ steht. Das steht letzten Endes deswegen da, damit das Erstausstattungskonzept der allgemeinen Gleichgewichtstheorie weiter verwendet werden kann und Geld in die Tauschwirtschaft „integrierbar“ ist. Wenn man das weiß braucht man sich auch nicht zu wundern, daß die Ökonomen keine Peilung haben, wie sie mit dieser Krise eigentlich umgehen sollen und was tatsächlich kommt ist aus einer Perspektive formuliert, die einen Staat aus einer einzelwirtschaftlichen Sicht her interpretiert. Da kann nichts vernünftiges herauskommen.

        Ich sehe allerdings nicht, daß aus einer marxistischen Perspektive etwas besseres zu erwarten ist. Denn irgendwann muß man auch die vornehme Zurückhaltung aufgeben und sich mal entscheiden, ob Geld nun ein materieller Wert sein muß, oder ob es eine gesellschaftliche Relation – also ein Schuldverhältnis – darstellt. Denn das Spannende ist doch, daß Geld offenbar ohne intrinsischen „Wert“ auskommt, so daß es einer Erklärung bedarf, weshalb es tatsächlich eine Aneignung von Waren oder Produktionsmitteln erlaubt. Der von Ihnen erwähnte Chartalismus liefert eine derartige Erklärung jedenfalls nicht, sondern kann diese Aneignungsfähigkeit lediglich voraussetzen.

      • Der ganze ökonomische Diskurs in Deutschland ist doch hoffnungslos verkorkst. Ganz anders als Sie vermuten ist die Scheidelinie nicht: Klassische Theorie versus Schuldentheorie, sondern viel umfassender: Liberalismus versus Ordnung. Das deutsche „Wesen“ kann nur in diesen beiden Polen denken und vereint sie seit je im Ordoliberalismus: Der Staat darf genauso stark sein als er die Ordnung des Liberalismus sicherstellt. Will man in diesem Gemeinwesen einen grossen Ökonomen zur Geburt verhelfen, kann man ihm nur empfehlen: das Land sofort zu verlassen. Man wird, anders als bei Marx, nicht mehr sagen können, wohin er sich zu wenden hat, aber viel deutlicher: dass er zu gehen hat, will er sich nicht von diesem Virus infiszieren. Ein ordnender Staat mitten im Liberalismus? Das ist, als ob ich den Teufel mit dem Belzebub austreiben möchte. Anders als in den angelsächsischen Ländern kann hier Kapitalismus immer nur im Kontext mit Staat gedacht werden. Im Grunde führen hier alle den gleichen Diskurs, ob sie sich nun Liberale oder Sozialisten nennen: Hier der Staat, der Ordnung sicherstellt, dort der Einzelne, der sich der Ordnung fügt und dazwischen das Privateigentum. Das hat mit Kapitalismus rein gar nichts zu tun und es verwundert daher nicht, dass dieses Schiff trotz aller Ordnungsbemühungen völlig ordnungslos durch die Weltmeere segelt. Man will sich der Wirklichkiet nicht stellen, weil sie Schmerzen verursacht und weiter seine infantilen Kindheitsbilder träumen.-)

        Alfred Felsberger

      • Vandermonde

        @Menendez

        Ihre Ausführungen bezüglich der Staatschuld sind mir nicht klar. Im Prinzip sollte es ja egal sein, wer sich verschuldet. Der Grund warum das primär der Staat macht, liegt ja eher in seiner Hoheitsgewalt und seiner damit verbundenen oft unübertrefflichen Bonität aber auch der Größenordnung von staatlichen Investitionen.

        Und wenn der Staat seine Investitionen mittels Krediten finanziert, ist die Frage einer Verdrängung von Finanzierungsformen ja schwer zu beantworten, aber es muss ja nicht zwangsläufig so sein, dass damit das Potential an verfügbaren Krediten eingeschränkt wird – speziell wenn eine Zentralbank direkt Staatanleihen erwirbt. Und wenn der Staat dann z.B. Infrastuktur baut, wird diese ja Teil des Sozialprodukts. Wo entnimmt in diesen Fällen der Staat eine reale Leistung aus der laufenden Produktion?

  3. Das Beste an diesem ganzen Selbstbetrug ist, dass der Deutsche, sei er nun braver Liberaler, Konservativer oder Sozialist, tatsächlich glaubt, dass, wenn der Kapitalismus ihm wiedereinmal positiv gesinnt ist, dieser Erfolg auf seine Ordnungsleistung zurückzuführen sei, wo es seit jeher nur die Anpassungsfähigkeit, das Reagieren auf kurzfristige Veränderungen ist, das Erfolg in diesem Laden garantiert. Höchster Pragmatismus beschert Erfolg und nicht ein staatlicher Ordnungsrahmen, der immer mehr gedehnt wird. Das Herunterdrücken des Staates zur Karikatur, der sich jeder Veränderung sofort stellt, der wie eine Nutte dem Freier nachläuft, ist das Geheimrezept moderner kapitalistischer Vorherrschaft und nicht ein staatliches Monster, das sich kaum mehr zu bewegen vermag. Doch was für ein Glück, dass es Deutschland gut geht! So darf es seinen Traum von Ordnung weiterträumen bis er auch den letzten Öknomen das Hirn vernebelt! Wollen wir hoffen, dass wir nicht eines Tages erwachen.-)

    Alfred Felsberger

  4. Die Achillesferse des deutschen Ordoliberalismus ist längst greifbar: der Staat darf sich nur in einem gewissen Ausmass verschulden, das man am besten gleich selbst definiert. Man muss ja sein Haus in Ordnung halten, will man es dem Schönheitswettbewerb des Kapitals stellen! Ach, ihr Ahnungslosen, Ihr! Der Kapitalismus definiert zu jeder Zeit selbst, was er vom Staat abverlangt, welche Verschuldung er für richtig hält und ob er sie in Geld verwandelt sehen will oder nicht. Kapitalismus ist eine riskante Entdeckungsfahrt, kein statischer Schönheitswettbewerb, den man auf einem Foto festhält und durch Herausputzen zu gewinnen hofft. Nicht auszuschliessen, dass genau dieses Manko den Deutschen eines Tages den Todesstoss versetzt, wenn sie nicht in der Lage sind, dem System jene Staatsverschuldung zuzugestehen, das es über die Bewegung der Märkte signalisiert und verlangt. Doch zuvor werden andere auf dieser Halsstarrigkeit und Ordnungssucht zu Grabe getragen und handle es sich nur um ein paar „Südeuropäer“. Was für ein Trauerspiel kann man nur sagen, einem wahren Europäer unwürdig! Und wisst ihr was: Sie sind alle vereint: Konservative, Sozialisten und Liberale. Alle vom gleichen Schlage!

    Alfred Felsberger

  5. 15

    Diese Idee gehört in das Kapitel „Wie entmachtet man die Politik“. Hinter der Formel „Mehr Markt, weniger Staat“ steht eine Verlagerung politischer Entscheidungen auf die Privaten. Die verräterische Formel lautet: „Die Finanzmärkte stimmen über die Politik ab.“ Es wären aber nicht die Finanzmärkte, sondern die Akteure auf den Finanzmärkten, die Politik machen. Und wenn sie über die Politik abstimmen und abstimmen sollen, dann darf man nach ihrer Legitimation fragen. Die ist dann plutokratisch und nicht demokratisch.

    R.L.: Herzlichen Dank für das Interview.

    http://www.linksnet.de/de/artikel/20140

  6. Ad 15:

    Linke Politik? Ja, wie denn, was denn? Hat es sie denn jemals gegeben? Ich hab`nur in Erinnerung: dass alles, was sich in der Vergangenheit als links bezeichnet hat, schon bald einen alltäglichen und fahlen Nachgeschmack an sich trug. Man schläft ein im Angesicht eines Anspruchs, der nicht zu erfüllen ist. Gut, es hat Ausnahmen gegeben und ich bin dankbar Österreicher zu sein: Kreisky war ein Riese jedoch um den Preis, dass die, die ihm folgten, umso zwergenhafter wurden. Gerechtigkeit ist kein Wert, den man folgen sollte in einer Welt, die von vornherein auf das Gegenteil abzielt. Man soll den Stolz der ungerecht Behandelten mehren und nicht sie zu Misshandelte degradieren! Hundertmal lieber stolz gestorben als gut behandelt auf dem Totenbett des Mitleids! Und heute? Es ist besser man verschliesst die Ohren, wenn man Linke plaudern hört. Nicht, dass ich damit sagen möchte, dass das Selbstgefallen der Konservativen auch nur einen Deut` besser wäre. Aber die Grossmannssucht, sie stinkt zum Himmel! Die ewige Suche nach dem „Bösen“, wo doch wir alle das Böse sind. Will man uns richten, uns Ungerechte? Dann brauche ich auch nicht mehr „gut behandelt“ sein.

    Alfred Felsberger

  7. 15

    Herr Felsberger, mein Kommentar war als eine Ergänzung gedacht und eher nicht als ein Pladoyer für eine linke Politik. (das der Text von linksnet kam, nunja.) Ich selbst kann mit den Begriffen links und rechts im politischen Sinne auch schon lange nichts mehr anfangen.

    Die ewige Suche nach dem “Bösen”, wo doch wir alle das Böse sind…

    Sehr problema…..der Satz erscheint mir erst dann richtig, wenn jeweils ein ® eingeschoben wird. Beste Grüße

  8. Ja, wir sind in einer Links-Rechts-Watsch`n-Maschine. (Watsch`n = Ohrfeige). Man kann auch sagen: Wir wurden gemittelt.-)

    Grüsse
    Alfred Felsberger

  9. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Das Geld über den Staat zu stellen – ist die Krankheit aller Ökonomen. Marx musste es tun, um sich von Hegel abzugrenzen. Die Gleichgewichtstheoretiker tun es, um den Staat extern zu halten. Und die Schuldentheoretiker glauben es tun zu müssen, um sich von den beiden abzugrenzen. Dabei geht es nicht darum eine flache chartalistische Position einzunehmen, sondern bloss einzusehen: dass die Definitionshoheit des Geldes beim Staat liegt. Und diese Hoheit ist, wie man am Verhalten der USA beobachten kann, um vieles mächtiger als die Frage der Menge. Denn mit der Defintion des Geldes als Staatsschuld ist die offene Menge gleich mitgedacht. Dem US-Staat hier einen Nachdenkprozess derart zu unterstellen, dass er Geldmenge über Staatsschuld gesteuert sehen will, ist, lieber Herr Menendez, ein bisschen naiv. Eher ist es so, dass der US-Staat nimmt, was sein natürliches Recht ist: Seine Finanzierungsbasis, die Staatsanleihe, mit dem Geld zu verschmelzen. Alle Fürsten dieser Welt haben so gehandelt.

    Ich bin sehr erstaunt, dass diese Transformation der Regeln, die der US-Staat seit kurzem vornimmt, von den deutschen Ökonomen nicht wirklich zur Kenntnis genommen wird und stattdessen die Position bezogen wird: „Der Narr soll machen, was er will.“ Dabei sollte man immer hellhörig sein, wenn der mächtigste Staat sein Geld transformiert, weil es den Weg in eine Richtung weist, die über kurz oder lang von allen Staaten beschritten werden muss. Man kann aus der Geschichte der Währungssysteme gut ersehen, dass, wenn der Stärkste die Regel bricht (wie z.B. Grossbritannien mit der Einführung der Goldwährung) die anderen folgen müssen, und dass dann diese Position über längere Zeit beibehalten wird, weil niemand mehr die Regel zu brechen vermag. Insofern kann man den europäischen Weg, die Staatsschuld nicht in ZB-Geld zu übersetzen, nur als einen kostspieligen Verlust an Zeit interpretieren, der uns eines Tages schmerzlich auf den Kopf fallen wird ohne dass wir uns vor dem Notwendigen letztendlich zu drücken vermögen.

    Akzeptiert man, dass der US-Staat sich in einer Geldtransformation befindet, – und ich sehe nicht ein, warum man das bestreiten sollte -, dann muss man auch akzeptieren: dass die Gelddefinition nicht Sache des Forschers ist. Aber gerade diese Einsicht fehlt mir bei Ihnen, der Sie um jeden Preis eine „ideologiefreie“ Wirtschaftssicht bewahren wollen. Man kann dies tun, aber nur um den Preis zu schweigen, und dieser Preis erscheint mir entschieden zu hoch. Hinzukommt, dass auch blosses Schweigen zu Ideologie führen kann wie man am „Spardiskurs“ in Deutschland gut beobachten kann: Stellt man nämlich Europa ins Zentrum, ist man schon auf dem Weg zu einer Geldsicht, die ideologisch ist, eben weil man die USA verschweigt. Und genau bei diesem Punkt wollte ich einhaken: Bei der Dominanz des liberalen Diskurses in Deutschland, bei dem sparsamen Staat, usw. – alles Bilder, die nur im Kopf hochsteigen können, wenn man die Defintionshoheit des Staates in der Frage des Geldes ausblendet oder kritiklos zur Kenntnis nimmt.

    Was Ihren letzten Punkt betrifft, ob ZB-Geld nun einen materiellen Wert hätte oder nicht: Natürlich nicht, wie denn auch, wenn der US-Staat hierin seine Schuld verpackt? Allerdings greift die blosse Reduktion auf ein Schuldverhältnis, wie es sich hier in Europa anbahnt, auch zu kurz, weil, wenn Europa vor die Frage gestellt wird: Staatskonkurs oder Finanzierung über die Notenpresse, sich wohl für den zweiten Weg entscheiden wird. Die Defintion von Geld ist eben in Bewegung und verändert sich mit den Krisen des Systems. All dieses Verwandlungen des ZB-Geldes spielen natürlich im Denken der Ökonomen überhaupt keine Rolle, weil sie entweder von der Zentralbank überhaupt absehen, oder reichlich naiv, sie als unabhängig definieren. Ökonomen sind nun mal keine Historiker, was auch der Grund ist, warum ihr Diskurs so unendlich langweilig ist, oder: warum ein drittrangiger Historiker wie K.Marx zu einem bewunderten Ökonomen aufsteigen konnte.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  10. Während ZB-Geld keinen inneren Wert haben kann, weil ein blosses Abbild der vom Staat gesetzten Verhältnisse, stehen die Dinge beim GB-Geld anders. Denn hier haben wir einen Konsens in dieser Hinsicht, dass über die Vorfinanzierung der Löhne und der Gewinne zugleich das Verhältnis der beiden definiert ist („monetäre Mehrwertrate“), und damit die Aufteilung des realen Produkts, das sich durch Vorfinanzierung einstellt. Man kann also, ganz so wie Sie es ja auch tun, das GB-Geld als Verteilungsparameter betrachten, dessen Wert darin liegt ein Verhältnis von Löhnen zu Gewinnen auf ein noch nicht näher bestimmtes reales Produkt festzulegen. Das ZB-Geld in der US-Version, d.h. die Gleichsetzung von Staatsschuld und ZB-Geld, ist ein reines Geschenk an die Klassen, das niemals getilgt wird und wo sich der Staat dem durch das GB-Geld gesetzten Verteilungsparameter in der Regel fügt. Das Risiko, das der US-Staat eingeht, liegt bloss darin. die Bonitätsstandards der Geschäftsbanken zu untergraben, indem er das knappe ZB-Geld vermehrt, und damit Investitionen auf den Weg befördert, für deren Scheitern er ex post wieder aufzukommen hat. Das Verschuldungsverhalten des US-Staates entspricht also, sofern er es in ZB-Geld übersetzt, dem Verhalten eines „Gottes“, der Produktion anstösst um sie zu verschenken, allerdings um den Preis, dass diese Produktion sich unter Umständen als gesellschaftlich sinnlos erweist. Hingegen ist das ZB-Geld in der EU-Version die Tat eines „Gottes“, der eines Tages das Verschenkte wieder eintreiben will. Es fehlt ihm der Galube an sich selbst, an seine Grösse und Unfehlbarkeit. Oder wie Nietzsche sagte: Dieser Gott ist tot.-)

    Alfred Felsberger

  11. Es gibt ja tatsächlich deutsche Ökonomen, die meinen, die USA werde eines Tages auf den Pfad der Tugend zurückkehren und ihre Staatsschuld reduzieren. Geht`s noch dümmer? Die USA ist gerade dabei durch eine Transformation ihres Geldes sich den Vorsprung einer kontinuierlich wachsenden Staatsschuld zu verschaffen, der sie um Jahre nach vorne wirft und den andere Staaten nur kompensieren werden können, wenn sie auf den gleichen Weg einschwenken. Natürlich wird es Phasen geben, wo die USA ihre Staatsschuld auch wieder reduziert, aber nicht irgendeiner Tugend willen, sondern um Exzesse zu bereinigen und Unternehmen und Menschen zu disziplinieren. Aber im Grossen und Ganzen ist der Weg ins Himmelreich vorgezeichnet und jeder, der sich dem Himmelreich versperrt, wird die Konsequenzen zu tragen haben, die ihm die Tugend der Sparsamkeit beschert. Natürlich könnte man sagen, es ist ein Unglück, dass Europa gerade jetzt, wo diese richtungsweisende Transformation stattfindet, sich durch die Union blockiert. Wahrscheinlicher ist schon, dass Europa gerade deshalb die Union gewählt hat um zu versagen. Wie sollte man sonst das hirnlose Gestammel der deutschen Ökonomen interpretieren? Sie wollen versagen, sie wollen das Versagen rationalisieren und Gründe herbeidichten, warum das Versagen notwendig sei. Das Ganze erinnert fatal an eine selbsterfüllende Prophezeiung, an deren Ende die Versager auch noch recht bekommen. Man muss sparen, eben weil man sich vorher festgelegt hat und die Transformation, durch die die USA hindurch geht, nicht wahrhaben will. Aus der ersten falschen Annahme, dem Sparen, folgt das notwendige Ende: die Verarmung der Sparer. Aber was soll`s: Sie werden`s sowieso nie begreifen.

    Alfred Felsberger

  12. Aber was will man den von einem deutschen Ökonomie-Professor eigentlich erwarten? Dass er begreift, dass man Kredit hineinschleudern muss auf die vage Hoffnung hin, dass er zurückfliesst? Dass er versteht, dass sich der Staat wie ein Spieler zu verschulden hat um zu triumphieren? Der Herr Ökonomie-Professor ist ein Erbenszähler, der – ganz so wie es Dostojewski im „Spieler“ beschreibt – Kapitalaufbau über Generationen betreibt, indem er Erbse zu Erbse fügt. Zu lange ist sein Leben, zu fett sein Gehalt, als dass ihm ein anderes Verfahren verständlich zu machen wäre. Sparen wird für ihn immer bedeuten, „Kapital“ von einer zur anderen Generation weiterzureichen ohne zu verstehen was „Kapital“ eigentlich ist. Findet man in diesem Heer von Erbsenzählern zufällig einen, der anders, der kritisch denkt, wird er sich prompt auf das Wort „Kapital“ oder „Spekulation“ einschiessen und das Dasein als Spieler bestreiten. Man müsste jedem dieser Professoren einen Platz am Roulettetisch einräumen, damit sie die Dynamik der Verschuldung verstehen lernen. Doch dann wären sie ja keine Ökonomie-Professoren mehr. O Schreck!.-)

    Alfred Felsberger

  13. Nicht umsonst hat Nietzsche in der „Genealogie der Moral“ das Schuldempfinden aus der materiellen Schuld abgeleitet: Der Schuldner fühlt sich schuldig. Damit ist gesagt, was der Deutsche empfindet, wenn er sich verschuldet: Schuldig, er ringt mit seinem schlechten Gewissen! Doch wenn`s nur das wäre! Marx hat der Spekulation seit jeher eine negative Konnotation gegeben, indem er sie unverschämt den Angelsachsen zuwies: „In schroffem Gegensatz zu dieser kontinentalen Raffinesse ist die englische Spekulation zu ihrer plumpesten und primitivsten Form des Betrugs zurückgekehrt, zum nackten, ungeschminkten und durch nichts gemilderten Betrug.“ Sloterdijk hat darauf hingewisen, dass „Risiko“ von griechisch: „Klippe“, „Gefahr“ kommt und „riskieren“ von Umschiffen, ein Verfahren, das nur maritimen Völkern bekannt ist, nicht aber den Festland-Europäern, die Ackerbau vorziehen. Damit ist in nuce gesagt, was das Deutsche ausmacht: Ein risikoloses, schuldenfreies und schuldloses Dasein, das sich selbst immunisiert gegen die Schuld der anderen. Eine Zeitlang, mit dem Ende des Kolonialismus, durfte man hoffen, dass dieses „schuldlose“ Wesen seinen friedlichen Platz im Weltmarkt findet. Nur leider ist das alte Problem zurückgekehrt. das da heisst: seinen Platz in Europa zu finden. Und was zeigt sich nun? Dass Deutschland mit seiner „schuldlosen“ Art ganz Europa in Geiselhaft nimmt und den Kontinent ins Abseits schiebt. Was für Hohn! Man wollte Deutschland bändigen und wird nun selbst gebändigt! Verstehe mich hier niemand falsch: Ich bin kein Anti-Deutscher, aber die Skurrillität der Geschichte stinkt zum Himmel!

    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      Sie haben ja Recht, wenn der Terminus „Schuld“ stets eine moralische Dimension aufweist und somit die Diskussionen um Schulden immer wieder in eine puritanisch geprägte Schlammschlacht ausarten. Es hat schon seinen Grund, daß ich eigentlich lieber von Verbindlichkeiten spreche, als mich in derartige Niederungen der Moral zu begeben.

      Dabei muß ich Ihr Marx-Zitat doch mal dahingehend aufgreifen, da auch bei dem von Ihnen zitierten Vorwurf eine Vorstellung im Hintergrund mitschwingt, die man nicht so ohne weiteres übernehmen kann. Denn auch wenn Marx davon spricht, daß die „Angelsachsen“ die „plumpeste und primitivste Form des Betruges“ pflegen, pflegt er selbst seine Vorstellung davon, daß Geld sich irgendwie vermehren kann. Daß er dieser Vorstellung anhängt ist durch seine Erörterungen hinlänglich bestätigt, auch wenn er an dem Versuch, diese Vermehrung nachzuweisen schlichtweg gescheitert ist. Diese Vorstellung prägt jedoch die gesamte ricardianisch geprägte Klassik – ebenso wie die Neoklassik, die ja auch eine „Klassik“ ist – indem von der Kornökonomie völlig naiv auf die Vermehrung des Geldes geschlossen wird. Diese Geschichte wird eindeutig dadurch belegt, daß Marx auch die zusätzliche Förderung von Gold aus den Goldminen als notwendige Zutat zur Gewährleistung des kapitalistischen Wachstums diskutiert. (Daß Rosa Luxemburg daraufhin die Ausbeutung der dritten Welt als ‚conditio sine qua non‘ des kapitalistischen Expansionsdrangs aufgreift, setzt diesem Fehlschluß nur noch die Krone auf.)

      Natürlich: wenn man über eine Goldwährung spricht, kann man so argumentieren. Nur: die Welt ist nicht mehr so, sondern hat sich in eine Kreditgeldökonomie gewandelt. In der gilt nun mal, daß es ein Mehr-Geld nicht geben kann und wenn es zu einer Erweiterung des Kreditgeldkreislaufes kommt, ist immer eine erneute Kreditgeldemission dafür verantwortlich. Die Tatsache, daß eine Verbindlichkeit auch eine entsprechende Forderung bedingt ist ein Umstand, der nicht widerlegbar ist. (Cf. Logische Typenlehre II.) Das macht ja auch die Zinsdiskussion so eklig, weil man auch dabei genötigt ist einzusehen, daß dadurch nicht mehr Geld entsteht: denn Zinszahlungen löschen die damit verbundenen Forderungen/Verbindlichkeiten und hinterlassen lediglich eine etwas andere Verteilung von (Forderungen auf) Zentralbankgeld. Sobald man das einmal gefressen hat wird die Vorstellung, daß sich Geld vermehren kann zu einer kindlichen Vorstellung, welcher – zumindest in einem buchhalterisch geprägten Systemzusammenhang – nichts entspricht und nichts entsprechen kann! Wenn man so will hat Marx mit seiner Geschichte von G->G+ der Welt einen Floh ins Ohr gesetzt, von dem noch nicht mal die „führenden“ Ökonomen wissen, daß er auf einem gigantischen Fehlschluß beruht. (Das wird auch der Grund sein, daß Sie meinem Geldflußmodell nicht wirklich etwas abgewinnen wollen/können, denn dort entsteht die phänomenologische Vorstellung von Gewinn/Zins, ohne daß dabei eine Vermehrung der Geldmenge stattfindet. Aber das ist der Clou!)

      Daß die meisten Ökonomen tatsächlich glauben, daß sich Geld vemehren könne (Das sieht man ja!) ist einer der größten Fehlleistungen der Wissenschaftsgeschichte. Natürlich: Forderungen und Verbindlichkeiten können sich vermehren, weil es dazu lediglich eine Übereinkunft zweier Parteien braucht. Daraus zu machen, daß man durch Sparen zu einer Geldvermögensbildung beiträgt ist das vermutlich unauslöschliche Mantra der Traumverkäufer, die sich an der Gutgläubigkeit der „Anleger“ schamlos bereichern. Und daß dann ein Deutschland, dem der EURO zwangsweise übergestülpt wurde inzwischen dazu übergeht halb Europa zu beherrschen, war mit der Einführung des EURO zum Zweck der Eindämmung der Dominanz der Bundesbank auch nicht geplant.

      Aber es ist so gekommen und es sieht nicht so aus, als würde sich in nächster Zukunft daran etwas ändern. Vermutlich wird der chinesische Yuan den EURO als Konkurrenzwährung zum Dollar in absehbarer Zeit abhängen – das liegt daran, daß die Chinesen in wirtschaftlicher Hinsicht schon lange nicht mehr so dogmatisch sind, wie es die uninformierte Presse darstellt. Mit Marx hat die chinesische Wirtschaftspolitik jedenfalls nichts mehr zu tun!

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Die „grösste Leistung der deutschen Soziologie“ (W.Sombart) – Marxens Ableitung des Geldes im ersten Band des „Kapital“ – entpuppt sich nach heutigem Wissen als grösster Schnaps, der jemals von sich gegeben wurde. Es hat schon seinen Grund, dass Sombart immer nach den Goldvorräten im Mittelalter suchte – und welch`Witz: sie bei der römischen Kurie entdeckte -, eben weil kein Ökonom Gewinn ohne Vermehrung des Geldes zu denken wusste. Insofern haben sie recht, dass Marx der Welt mit „Geld-Ware-Mehr Geld“ einen Floh ins Ohr gesetzt hat, von dessen Bissen sich die Ökonomen bis heute nicht erholen. Man muss es als die spezifische Problemverarbeitung eines Deutschen verstehen, der, wie alle dieser bemitleidenswerten Sorte, kein Moralist sein wollte und doch einer sein musste: „Geld-Ware-Mehr Geld“ steht für eine moralisch reine Analyse, die zugleich ein verstecktes moralisches Urteil erlaubt. Dies ist auch der Grund, warum sich die Zukunft der Geldtheorie auf den Europäer und Amoralisten Nietzsche stützen sollte, auf seine sprachanalytische und genealogische Ableitung der Schuld, und nicht auf einen deutschen Schwindler, der sich als Amoralist verkleidet und keine Gelegenheit auslässt die Keule der Moral zu schwingen.

        Sofern man den Anthropologen glauben darf, war Geld zu allen Zeiten ein Massstab der Schuld. daher, wie Sie immer richtig betonen, zugleich Schuldtilgungsmittel. Als Tauschmittel konnte es sich nur in den seltensten Fällen bewähren, nicht nur weil es zu aller Zeit knapp war, sondern auch: weil die Bedingungen des Tausches (Privateigentum, Mehrprodukt, etc.) allzu selten erfüllt waren. Die konstruierte Hierarchie der Ökonomen, durch die sie das Geld zu fassen hoffen: Tauschmittel – Massstab – Schuldtilgungsmittel, ist also zu verändern in: Massstab – Schuldtilgungsmittel – Tauschmittel. Nur, wenn die primäre Funktion des Geldes seit jeher der Massstab der Schuld war, stellt sich eben die Frage, was frühere Gesellschaften unter Schuld verstanden. Und hier entdecken die Anthropologen die für Ökonomen nicht nachvollziehbare Erkenntnis, dass Schuld in frühen Gesellschaften für abweichendes Verhalten stand. Der Missetäter konnte sich von seiner Schuld befreien, indem er sich über eine bestimmte Summe Geld freikaufte. Anders gesagt: Die vorchristliche Schuld enthält kein Atom Ökonomie, sie ist ein moralischer Begriff, eine Definition für abweichendes Verhalten.

        Man kann die Leistung Nietzsches zur genealogische Ableitung der Schuld gar nicht hoch genug einschätzen, vor allem, wenn man sie mit seiner Staatstheorie kontrastiert. Von Beginn an hat der neuzeitliche Staat das Mittel des Geldes zur Eintreibung von Schuld angewandt, die er zuvor durch Steuern in die Welt setzte. Er unterscheidet sich in dieser Frage grob vom alten Griechenland und römischen Reich, wo die Eintreibung von Steuern verpönt war. Der moderne Staat, das „kälteste aller kalten Ungeheuer“, wie Nietzsche sagte, hat daher die Schuld in das Zentrum der Gesellschaft gestellt, er hat alle schuldig gemacht. Er hat das abweichende Verhalten eines Verbrechers jedem Einzelnen von uns aufgedrückt, indem er uns ex ante als solcher definiert. Dass sich dieser durch und durch schuldhafte Staat aus Scham einst selbst verschulden wird, eben weil er von der Masse der sich schuldig Fühlenden und nach Befreiung Lechzenden absorbiert wird, liegt auf der Hand. Man hat durch Nietzsche alle Ingredienzien einer Geldtheorie bei der Hand: Die Frage der Schuld, die Frage ihrer Tilgung und das Ungeheuer Staat, nur niemand will sie nutzen.

        Mit freundlichem Gruss
        Alfred Felsberger

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Der „grosse“ Historiker Marx, der keine Chance ausliess, um die neuzeitliche Welt über die Greueltaten der „ursprünglichen Akkumulation“ bis in die kleinsten Verästelungen aufzuklären, hat die schon zu seiner Zeit bekannte Herkunft der vorchristlichen Schuld einfach unter den Tisch fallen lassen. Er hat stattdessen das Märchen von A.Smith aufgegriffen und eine Welt „einfacher Warenproduzenten“, die niemals existiert hat, konstruiert, nur um seine Sicht des Geldes als Tauschmittel zu rechtfertigen. Er hat schliesslich die Arbeitswertlehre reaktiviert, um den Äquivalententausch ein moralisches Fundament zu geben, und all dies hat er aus einer „wertfreien“ Position eines Amoralisten beschrieben, um es dann als Ausbeutung zu geisseln. Die Welt hat diese Lüge gern zur Kenntnis genommen, war sie doch Voraussetzung für die Emanzipation der Massen und für die Usurpation des Staates durch die Massen. Unter dieser Prämisse verkommt Marx zu einem einzigen Geburtshelfer des neuzeitlichen Staates. Nicht umsonst wird die Sowjetunion von hellhörigern Historikern als Methode der nachholenden Entwicklung beschrieben, in der nur umgesetzt wurde, was die Neuzeit verlangte.

        Doch man soll das „Genie“ Marx niemals unterschätzen! Heute, wo die Methode nicht mehr heisst: „Schuldig jetzt gegen Geld später, sondern: Geld jetzt gegen Geld später“, wo also die Schuld in Geld verwandelt wurde, stellt sich die Arbeitswertlehre als notwendiges Zwischenglied ein. Niemand konnte von einem moralisch Schuldigen der vorchristlichen Zeit verlangen, diese Schuld abzuarbeiten, man gab sich in Ermangelung von Alternativen zufrieden mit den Gegenständen, die er besass. Heute jedoch, wo Geld jetzt gegen Geld später gilt, wird das Abarbeiten der Schuld zu einer conditio sine qua non der Verhältnisse. Die Schuldherrschaft verändert sich zu einem Arbeitshaus, wo die Eingesperrten hoffen, die äquivalente Arbeit auch tatsächlich noch zu erbringen und wo in dem Fall, dass es nicht gelingt, die Vernichtung des Geldes droht. Die Kunst, das ZB-Geld richtig zu lesen, liegt darin die Arbeitsleistung abzuschätzen, die die Bürger dieses Staates noch zu leisten haben, um dieses Geld auch tatsächlich als Wert halten zu können. Nur ein Narr glaubt, dass ein Staat sein ZB-Geld ins Unendliche ausdehnen könnte ohne dass das Konsequenzen der Abarbeitung der Schuld mit sich führen würde. Die Rückkehr der Arbeitswertlehre läuft eben nicht über das Tauschverhältnis der Waren ab, sondern über die Gleichsetzung von ZB-Geld und noch zu erbringender Arbeitsleistung.

        Alfred Felsberger

      • Im Grunde ist die Sache doch ganz einfach: Wenn die Sparquote 0,2 ist, wächst das Geldvermögen der Haushalte und die Netto-Verschuldung der Unternehmen kontinuierlich und im Gleichschritt an. Ein monetärer Gewinn des Unternehmenssektors ist unter diesen Bedingungen gar nicht möglich, weil das vorgeschossene Geld der Unternehmen stets nur zum Teil zurückfliesst. Will sich hier ein Gewinn einstellen, kann er nur über die Netto-Sachwertakkumulation (Netto-Investition) laufen. Die Aktivseite des Unternehmenssektors wächst schneller als seine Netto-Verschuldung und das EK steigt an. Deshalb ist es schlichtweg unmöglich von der Aktivseite des Unternehmenssektors zu abstrahieren.

        Alfred Felsberger

      • Mir leuchtet nicht ein, das dynamisch funktionieren soll, was statisch unmöglich ist. Der Gewinn des Unternehmenssektors ohne Unternehmer-Haushalte berechnet sich als: Netto-Investition minus jährlicher Geldersparnisbildung der Arbeiter-Haushalte. Setze ich die Sparquote der Arbeiter-Haushalte auf 0,2 der Lohnsumme, kann sich Gewinn nur einstellen, wenn die Netto-Investition diesen Betrag übersteigt. Da in ihrem Modell die Netto-Investition aber „ausgelagert“ und einer Klasse von „Rentiers“ überantwortet wird, kann sich für den Unternehmenssektor überhaupt kein Gewinn einstellen. Es ist höchstens möglich, dass die Kassa bei steigender Netto-Verschuldung der Unternehmen ins Positive schwankt. Und genau das scheint mir in ihrem Modell der Fall zu sein.

        Alfred Felsberger

      • Hallo Herr Felsberger,

        es hat ein bißchen gedauert, aber ich denke ich weiß nun woher Ihre Bedenken entstammen. Sie lesen die Konsumquote als die Ersparnis aus Einkommen. Das ist sie aber nicht. Was aus der Darstellung nicht hervorgeht ist der Umstand, daß sich die Konsumquote auf den „Kontostand“ der Arbeiter bezieht und nicht auf diejenige Größe, die als Bestandsveränderung dieses Kontos fungiert, welche üblicherweise als „Einkommen“ bezeichnet wird. Wäre das so, hätten Sie selbstverständlich Recht!

        Der Punkt ist aber der: eine monetäre Ersparnis kann sich für eine Gesellschaft – und um die geht es hier – ausschließlich aus einer Nettoinvestition heraus speisen, denn – der Staat ist hier noch nicht inbegriffen – nur wenn sich die Unternehmen verschulden entsteht ein Nettogeldvermögen, welches gespart werden kann. Ich gebe zu, daß das schwer zu erkennen ist, denn das „Konto Arbeit“ verläuft zunächst auf einem Niveau, welches einem kleinen Anteil der anfänglichen Nettoinvestition entspricht, um dann, sobald der zweite Investitionsprozeß dazutritt, (immerhin) auf die doppelte Höhe heraufzusteigen. Das heißt, daß Ersparnis nur dann erfolgt, wenn es auch seitens der „Banken“ über die unternehmerische Nettoinvestition zu einem Anstieg des Schuldenvolumens kommt.

        Es scheint so zu sein, daß Sie den größten Blödsinn, den (volkswirtschaftlich gesehen) Keynes in die Welt gesetzt hat, hier meinem Modell unterstellt haben. Das Mißverständnis besteht daraus, daß Einkommen bereits aus Verschuldung, die eine spiegelbildliche Geldvermögensbildung erzeugt, entsteht und deshalb Einkommen – solange es nicht ausgegeben ist, schon Ersparnis darstellt. Anders gesagt: die Keynessche Konsumfunktion verwechselt schlichtweg Ströme und Bestände und hat daher der ökonomischen Welt einen fürchterlichen Bärendienst erwiesen. Der Grund dafür ist, daß monetäre Ersparnis nur bei monetärer NETTOinvestition erfolgen kann, so daß das Konzept einer Ersparnis aus Einkommen (was ja schon Investition voraussetzt – Kruschwitz) schlicht und ergreifend doppelt gemoppelt ist. Man könnte auch sagen, daß Keynes bei der Formulierung seiner Konsumfunktion einzelwirtschaftlich und nicht gesamtwirtschaftlich gedacht hat, was die ökonomische Welt nicht daran gehindert hat, diesen volkswirtschaftlichen Anfängerfehler unbesehen zu übernehmen.

        Sobald man aber Ersparnis als Quote aus einem Geldvermögensbestand (denn Schulden sind ein Bestand) akzeptiert, wird auch klar, daß diese „Konsumquote“ überhaupt nicht zu einer Nettoakkumulation von Geldvermögen führt, weil insgesamt die Summe aus Zugang und Anfangsbestand die Konsumausgaben definieren. (Platt gesagt: wenn bei einem Geldvermögensbestand von 20 ein Zugang von 80 erfolgt, bedeutet eine „Konsumquote“ von 80% des Geldvermögensbestandes eine 100%ige Verausgabung des Einkommens!) Sobald man das aber mal gesehen hat, kommt es dazu, daß – wie man es auch an dem „Konto Arbeit“ erkennt – bei den Arbeitern auch zu keinem Nettogeldvermögensaufbau kommt – es sei denn, es kommt zu einer Nettoinvestition, was man im Grunde genommen als homomorphe Expansion des Kreditgeldsystems interpretieren kann. Das wiederum heißt nichts anderes, als daß dieses Modell eigentlich eine Bestätigung des Diktums von Kalecki repräsentiert: „Die Arbeiter geben aus was sie verdienen, die Kapitalisten verdienen was sie ausgeben.“

        Es ist wohl so, daß die Tücken zwischen Strömen und Beständen zumeist völlig unadressiert bleiben, weil es üblicherweise keine saubere Trennung zwischen diesen geldtheoretischen Sachverhalten gibt. Denn 99,9% aller Ökonomen sind schon zufrieden, wenn sie lediglich das „flow-Konzept“ von Ökonomie erfassen. Das ist aber der Vorteil von Simulationssoftware, die es einem nicht ermöglicht von einer Argumentation zur anderen zu springen. Von daher bin ich Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, daß Sie mich auf diese Mißverständlichkeit eingehend aufmerksam gemacht haben!

  14. Sehr geehrter Herr Menendez,

    „Das wird auch der Grund sein, daß Sie meinem Geldflußmodell nicht wirklich etwas abgewinnen wollen/können, denn dort entsteht die phänomenologische Vorstellung von Gewinn/Zins, ohne daß dabei eine Vermehrung der Geldmenge stattfindet. Aber das ist der Clou!“. Ich bezweifle, dass bei einer Konsumquote von 0,8 (oder alternativ: einer Sparquote von 0,2) keine Vermehrung des ZB-Geldes eintritt. Denn: Sobald eine Schuld im System verbleibt, lädt sie sich auf der Aktivseite des Bankensektors als Forderung ab und auf der Passivseite als GB-Geld. Wird die entsprechende Forderung an die Zentralbank weitergereicht, entsteht ZB-Geld. Mir scheint, dass Sie nicht ausreichend würdigen, dass – sofern ihr Modell tatsächlich mit einer positiven Sparquote arbeitet – die Schuldmenge im System, sei es als GB-Geld oder ZB-Geld, im Zeitablauf wächst. Sie konstruieren, mit anderen Worten, einen immer mehr sich verschuldenden Unternehmenssektor, der Kassa realisiert, aber dessen Nettoschuld (d.h.: Fremdkapital – Kassa) steigt. Das hat mit der Wirklichkeit – ich weiss, sie mögen dieses Wort nicht – nichts zu tun: Denn dort stellen sich Gewinne als jährliche a) Netto-Sachwertakkumulation plus b) Kassa-Aufbau minus c) Fremdkapital-Aufbau ein. Wenn man von der Sachwertakkumulation, wie Sie es tun wollen, absieht, dann reduziert sich der Gewinn auf b) Kassa-Aufbau minus c) Fremdkapital-Aufbau. Wie leicht einzusehen ist, wird unter dieser Bedingung einer postiven Sparquote der Gewinn negativ weil b) kleiner als c) ist. Das ganze Modell happert daran, dass sie die Sachwertakkumulation nicht berücksichtigen. Es zeigt im Grunde nur, dass Kassa-Aufbau möglich ist und tarnt dies als Gewinn. Das ist meine ehrliche Einschätzung.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  15. Die Gemeinheit an „Geld-Ware-Mehr Geld“ liegt ja darin, dass es unter den Bedingungen eines ewig sich weiter verschuldenden Staates zur Möglichkeit wird. Was in einem Zwei-Sektoren-Modell ausgeschlossen ist, wird unter den Bedingungen der Staatsschuld Wirklichkeit. Unternehmen können neben der Sachwert-Akkumulation auch noch Abbau ihrer Netto-Schuld betreiben. Setzt man, wie es durchaus realistisch ist, die Geldersparnisse der Arbeiter-Haushalte auf Null, und fasst man, wie es Marx machte, Unternehmen und Unternehmer-Haushalte zum „Kapital“ zusammen, dann hat der Alte auf einmal recht. Das „Kapital“ betreibt mithilfe der Verschuldung des Staates neben der Akkumulation der Sachwerte auch noch die Geldakkumulation. Ich denke, dass an dieser verquickten Konstellation die meisten Ökonomen scheitern und sich ohnmächtig der Formel „Geld-Ware-Mehr Geld“ ergeben. Sie ist falsch und wird bloss durch das Ungeheuer Staat ermöglicht! Die linke Gefolgschaft freilich, die nie zwischen Unternehmen und Unternehmer-Haushalt zu unterscheiden wusste, würde am liebsten beiden die Möglichkeit der Geldakkumulation rauben. Sie solidarisiert sich, wie es ihrem Wesen entspricht, mit dem Staat um seine Entschuldung zu betreiben. Nichts ist verräterischer als diese Position, heisst sie doch nichts anderes: als dem Ungeheuer wieder die Keule in die Hand zu drücken.

    Alfred Felsberger

  16. Es ist ja interessant mit anzusehen, wie das Ungeheuer Staat im Zeitalter der Dekadenz von seinen Untertanen beackert wird. Hier ist die Masse, die vehement die Verschuldung des Staates fordert, auch weil der Lohn nie reichen wird sie zu nähren, dort die Unternehmen, die Verschuldung des Staates immer dann einfordern, wenn ihnen das Wasser bis zum Halse steht und in der Mitte der bürgerliche Verstand – das Gedächtnis der über Jahrhunderte Geprügelten -, der Entschuldung des Staates und Qual fordert genauso wie es ein misshandeltes Kinder im Alter von seinen Peiningern verlangt. Natürlich bleibt das Gedächtnis auf der Strecke und der Staat driftet hoffnungslos in die Verschuldung ab. Die dekatenten Kräfte, die am Werk sind, sind weit stärkerer Natur als es der Wunsch nach Selbstpeinigung jemals sein kann. Man will sich ertränken im Gelde, am besten bei gleichzeitigem Müssiggang, sich keinem Risiko mehr stellen, die Investition drosseln, die Aktien steigen und das Alter verplant sehen – mit einem Wort: rundum versorgt sein. Das Ungeheuer Staat, das mittlerweile zu einem Kuscheltier verkommen ist, stirbt wie einst Gott ab, mutiert zu einem Selbstbedienungsladen, von dem man Absolution genauso fordert wie Emanzipation und Einkommen. Ach, ihr Ahnungslosen, ihr! Der Gute wird sich zu rächen wissen, wenn die Zeit gekommen ist! Ihr werdet Euch eine bürokratische Klasse züchten, die herzlos wie nur, Euren Niedergang verwaltet, die Euch die letzten Tropfen Blut aus Eurem Leben saugt. Ihr werdet selbst Bürokraten und Diener dieser Institutionen werden, die, morsch bis in die letzten Poren, die Sprache des Todes sprechen. Ihr werdet Euch in Geld ertränken und doch nur ewig wachsende Institutionen sehen! Die völlige Verwaltung alles Lebens bis es abstirbt, die Durchorganisierung der Masse, die Vernichtung aller Indvidualität, aller Gabe, des Talents, alles kritischen Denkens, nur mehr ein sozialistischer Massenbrei, der sich aus Konservativismus speist, die Vereinheitlichung aller zur Mitte – Der Ameisenstaat: Das ist Eure Zukunft!

    Alfred Felsberger

  17. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Ich habe Sie jetzt verstanden. Es zeigt letztendlich nur, dass eine Theorie immer auf dem „Alten“ aufbauen muss, weil, sobald man das „Alte“ über Bord wirft, neue Begriffe schafft, die kein Mensch versteht. Bei uns allen ist der Terminus „Sparquote“ so klar mit Einkommen verbunden, dass es nur zu einem Missverständnis führen kann, wenn man ihn anders definiert sehen will. In gewisser Weise tragen wir alle das Erbe vergangener Epochen in uns und müssen uns der Sprache fügen, die sie vorgibt. Es zeigt auch, warum ich die Begriffe der „klassischen Theorie“ (vor allem: I = S) der „Keynes`schen“ vorziehe: Dort gibt es kein Atom „Verschuldung“, während jene eine eigenartige Mixtur von Nicht-Verschuldung und Verschuldung ist. Man kann in der klassischen Theorie den Verschuldungs-Tatbestand lupenrein einführen, ohne die Theorie auch nur im geringsten zu gefährden, während man bei der Keynes`schen nie wirklich weiss, was man eigentlich tut. Die Verwirrung ist dort allgegenwärtig.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      sobald man monetäres Sparen darauf bezieht, daß es aus einer Stromgröße erfolgt, ist man auf genau derselben Argumentationsebene angelangt, mit der die Geschichte vom „Josephspfennig“ versucht die Leute zu indoktrinieren. Ich habe ja nicht umsonst davon geschrieben, daß Keynes mit seiner Konsum-/ Sparfunktion der ökonomischen Welt einen ungeheuren Bärendienst erteilt hat, denn eine Konsumfunktion, die durch Stromgrößen definiert ist, bringt jegliche Wirtschaft in absehbarer Zeit zum Stillstand.

      Die einzige logisch haltbare Formulierung einer Sparfunktion ist die, welche Ersparnis als Teil eines Investitionsvolumens definiert, zumindest dann, wenn man Ökonomie als einen ‚ongoing concern‘ analysieren will. Umgekehrt: wird stets aus Einkommen gespart, ist die Ökonomie in kürzester Zeit tot!

      Unter diesem Link:

      http://books.google.de/books/about/Theorie_des_Kapitalismus_als_Sozialwisse.html?id=Om9idaj6MnkC&redir_esc=y

      finden Sie meine Interpretation des Keynes´schen 45°-Diagramms, wo I als Nettoinvestition durch die Konsumfunktion über- oder unterschritten werden kann. (S. 133) Da steht nämlich, daß die Geldnachfrage (auf dem Gütermarkt) abhängig von der Nettoinvestition I ist, genauso wie die Konsumnachfrage, die ebenfalls ein Teil der Nettoinvestition ist, obwohl sie zum größten Teil ein durchlaufender Posten der (gesamtwirtschaftlichen) betriebswirtschaftlichen Kalkulation ist und auf den schönen Namen „Lohnsumme“ hört. (Daß die Lohnsumme nicht zur Nettoinvestition gerechnet wird liegt daran, daß die Periodenbetrachtung dafür keinen Saldo ausweisen kann – das heißt jedoch nicht, daß dann, wenn man etwas nicht sieht, es keine Bedeutung hat!)

      Je länger ich darüber nachdenke ist das, was ich in meinem Post „Disclaimer…“ diskutiert habe der Schlüssel zu der ganzen Verwirrung, welche die VWL in die Lächerlichkeit geführt hat, obwohl sie dort in keiner Weise hingehört!

      • felsberger2012

        Sehr geehrter Herr Menendez,

        Ehrlich gesagt: Ihr Argument, dass, wenn „aus Einkommen gespart (wird), die Ökonomie in kürzester Zeit tot ist!“, verstehe ich nicht. Und es interessiert mich sehr, wo hier mein Fehlschluss liegen sollte. Wenn ich eine Ökonomie ohne Zentralbank und bloss einem Geschäftsbankensektor unterstelle, lautet das Gleichgewicht:

        1) Netto-Sachvermögenszuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + ungeplanter Lagerauf/-abbau = Verbindlichkeitenzuwachs der Unternehmen = Forderungszuwachs der Haushalte,

        wobei der Forderungszuwachs der Haushalte bei Existenz eines GB-Sektors ihrem Geldvermögenszuwachs entspricht. Als statisches Gesamtbild betrachtet:

        2) Kapitalstock der Unternehmen = EK + FK = Aktienvermögen der Haushalte + Geldvermögen der Haushalte

        Wie man aus Gleichung 1) erkennen kann, ist die Ökonomie im Gleichgewicht (Unternehmens-Gewinn = EK-Zuwachs = Null), wenn der Geldersparniszuwachs der Haushalte dem Netto-Sachvermögenszuwachs der Unternehmen entspricht. Oder wie die Ökonomen sagen: S = I + ungeplante Lagerveränderung. Wächst die Geldersparnis abhängig vom Einkommen, muss der Netto-Sachvermögenszuwachs in der gleichen Rate mitwachsen. Also zum Beispiel: S = 0,3 x Y, dann muss I ebenso 0,3 x Y sein. Wie sollte hier ein Zusamenbruch konstruiert werden?

        PS: Mir scheint, dass ihr Modell mit einer Zentralbank und einem konstanten Geldangebot arbeitet. Das ist allerdings ein ökonomisches Denken, das wir überwinden und nicht pflegen sollten! Ich zumindest denke IMMER ohne Zentralbank.

        Mit freundlichem Gruss
        Alfred Felsberger

      • Hallo Herr Felsberger,

        daß Ersparnis aus Einkommen getätigt wird, war doch Ihre Idee und nicht meine, bzw. daß dann in kurzer Zeit sich die Ökonomie verabschiedet. Auch wenn die Kreislaufvorstellung nicht so ganz richtig ist, führt dennoch eine kontinuierliche Entnahme aus diesem „Kreislauf“ letztlich zum Versiegen.

        Der Punkt den man bei diesen Dingen immer im Kopf behalten muß ist: es gibt kein Mehr-Geld! Das heißt, daß man alles was so aussieht, als wäre es „Mehr-Geld“ auf monetäre Bestandsumschichtungen zurückführen muß. Im einfachsten Fall ist die Bestandsumschichtung von Geld vom Unternehmen zum „Arbeiter“ – genannt Einkommensbildung – auch nichts anderes als eine Bildung von Ersparnis, weil in diesem Zeitpunkt das Einkommen noch nicht ausgegeben worden ist. Erweitert man den Beobachtungszeitraum, so daß ein Teil des Einkommens wieder ausgegeben wird, verringert sich quasi die anfängliche Ersparnis und führt nur dann bei den Unternehmen zu etwas, das wie Gewinn aussieht, wenn die Unternehmen aufgrund einer mehrjährigen Kreditlaufzeit nicht sofort ihre Ausgaben komplett „amortisieren“ müssen. Aber auch das beruht lediglich auf einer monetären Bestandsumschichtung, welche durch den sog. ‚mark-up‘ bzw. kalkulatorischen Aufschlag verursacht wird, welcher bewirkt, daß die „Arbeiter“ einen Teil ihres Produktes nicht mehr käuflich erwerben können.

        Die grausame Erkenntnis daraus ist doch die, daß – weil es kein Mehr-Geld gibt – alle Vorstellungen über die wachstumsfördernde Qualität des Kapitalismus in die Mottenkiste der Geschichte gehören. Das einzige was Wachstum erzeugt ist das Mehr-Geld-Investieren, was deswegen geht, weil Geld als Nicht-Wert keiner Emissionsbeschränkung unterliegt. Weil das so ist kann man diejenigen, die immer glauben, daß Kapitalismus essentiell aus der Intensivierung von Produktionsprozessen besteht, nur noch mitleidig belächeln. Denn da Geld ein relatives! Maß! der Produktion ist sinken bei Produktivitätssteigerungen ziemlich schnell die Preise – und alle „produktive Anstrengung“ inclusive des „schöpferischen Unternehmergewinns“ ist mal wieder für die Katz!

        Ich habe übrigends keine Ahnung, was Sie immer wieder mit dem Verweis auf irgendwelche Lagerbestände ausdrücken wollen. Sie suchen dort anscheinend die Quelle für die Akkumulation und assoziieren diese mit einer Netto-Investition. Lagerbestände werden allerdings überaus schnell zu Ladenhütern, deren Bewertung üblicherweise „südwärts“ gerichtet ist. Mal abgesehen davon können Sie damit nicht plausibel darlegen, daß deswegen eine „erweiterte Reproduktion“ initiiert wird, denn der Aufbau von Lagerbeständen ist üblicherweise ein Vorbote der Krise. Nein, halten Sie sich lieber an die Frage des „Alten“ wie der Mehrwert tatsächlich(!) und nicht nur kalkulatorisch „versilbert“ werden kann. Ich weiß, daß das eine eklige Frage ist – aber sie lohnt sich!

      • felsberger2012

        Überhaupt erscheint mir Ihre Vorstellung fragwürdig, dass die Investition die monetäre Ersparnis bestimmt. Zwar ist es richtig, dass die Investition das Einkommen der Ökonomie festlegt und damit eine Obergrenze der potentiellen Spartätigkeit, aber noch immer handelt es sich um zwei autonome Entscheidungen, die das eine Mal von Unternehmen, das andere Mal von Haushalten getroffen werden. In der Mitte steht der ungeplante Lagerauf- bzw. -abbau, der die beiden Entscheidungen koordiniert und zu einem Gleichgewicht führt. Preiseffekte treten erst dann ein, wenn kein Lager mehr vorhanden ist und die Haushalte dennoch auf eine Konsumausweitung drängen. Ihre Emporhebung der Investition zur alles bestimmenden Komponente folgt letztendlich dem alten Marx`schen Schema, das Lohnzahlungen als Teil der Investition sieht. Das ist schön und gut, und wenn man eine Geschichte des Kapitalismus schreiben möchte, auch richtig, aber wenn man von einem gegebenen Kapitalstock einer Periode ausgeht, ist dieses Modell nur hinderlich. Ich plädiere für eine sehr enge Fassung der Netto-Investition als: Netto-Sachvermögenszuwachs – ungeplanter Lageraufbau.

        Alfred Felsberger

      • felsberger2012

        Man kann den Zusammenhang zwischen Netto-Investition und Geldersparniszuwachs der Haushalte an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Entscheidet sich der Unternehmssektor für eine Netto-Investition in der Höhe von 1000 Geldeinheiten, und der Haushaltssektor für einen Geldersparniszuwachs von 1000 GE, dann wird der Stand des Lagers konstant gehalten und alle Produktion abgesetzt. Ist der Wunsch der Haushalte nach Geldersparniszuwachs oberhalb von 1000 GE, sagen wir 2000 GE, dann bildet sich beim Unternehmenssektor zusätzliches, ungeplantes Lager in der Höhe von 1000 GE. Liegt der Geldersparniszuwachs der Haushalte hingegen unterhalb von 1000 GE, sagen wir 500 GE, dann verkleinert sich der Lagerbestand der Unternehmen um 500 GE. Erst wenn in einer Periode das Lager Null wird, und die Hauhshalte einen niedrigeren Geldersparniszuwachs wünschen als er durch die Netto-Investition gerechtfertigt wäre, kommt es zu Preiserhöhungen. Dann verschieben sich Geldeinheiten aus alten Sparguthaben von den Haushalten zu den Unternehmen und reduzieren dort die Netto-Verschuldung ohne dass sich am Lagerbestand von Null etwas ändert.

        Alfred Felsberger

      • felsberger2012

        Ich sage es noch einmal in aller Deutlichkeit: an „I (Netto-Investition) plus L (ungeplante Lagerveränderung) = S (Geldersparniszuwachs)“ gibt`s nichts auszusetzen. Vielmehr ist es das Herzstück der neuen ökonomischen Theorie. Dass sich die Ökonomen, und auch Sie, Herr Menendez, dagegen sträuben hat viele dogmengeschichtliche Gründe, so zum Beispiel die Vorstellung, dass I = S etwas mit physischen Dingen zu tun hätte, wo es in Wahrheit eine rein monetäre Gleichung ist. Oder, dass das Ganze zu einem „Zinsmechanismus“ überleiten würde, wo doch in Wahrheit der Zinssatz weder bei I noch bei S etwas zu reden hat. Man muss sich endlich von dem Zinswahn lösen! Oder, dass die Ökonomen glauben, mit ihrem IS-LM-Modell über I=S hinausgewachsen zu sein, wo doch in Wahrheit ihre ganze Geldangebots-Theorie völlig falsch (nämlich exogen) formuliert ist. Oder: weil sich Gleichgewichtstheoretiker gegen den Gleichgewichtsmechanismus „Lager“ sträuben und partout den Preis an seiner Stelle sehen wollen. Man muss zurück, zurück hinter die Gleichgewichtstheorie und zurück hinter das IS-LM-Schema, nicht nach vorne! Und ferner einige Begriffe (wie Gewinn = Unternehmens-Gewinn + Unternehmer-Haushaltsgewinn) neu definieren. Dass Ökonomen das alles nicht schaffen, und seit langem die Stunde der Nicht-Ökonomen schlägt, liegt auf der Hand: Sie haben`s leichter, sie müssen sich nicht von Ballast trennen, der einem das Leben versaut.

        Alfred Felsberger

      • Dear Soffi,
        hatte für die Bildung Zertifikate mit kalkulatorischen Lohnkosten aus einer Kostenrechnung vorgschlagen, die dann auch als „Saldo“ bilanziert werden würden. Auch die AHK von Produkten enthalten im Lagerbestand kostenrechnerisch belegte Lohnanteile.
        Und Felsberger, sie sollten die Bewertungsmethoden für Lagerhaltung mal praktizieren, mit den Auswirkungen für den Preiskalkulationsprozess.

      • felsberger2012

        Sehr geehrter Herr Menendez,

        Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Sie ziehen aus dem Scheitern der ökonomischen Theorie den Schluss, dass die statische Betrachtung zu überwinden sei, indem sie die Netto-Investition als intertemporales Ereignis zeichnen. Schön und gut. Sie gehen als Ökonom nach vorne! Doch das Scheitern liegt für mich ganz woanders: Nicht die statische Betrachtung ist die Ursache des Scheiterns, sondern eine grässliche Begriffsverwirrung! Da wird von „Ersparnis“ gesprochen und keiner weiss von was er eigentlich spricht, von „Gewinn“ ohne zwischen Unternehmen und Unternehmer-Haushalt unterscheiden zu können, einfach kunterbunt durcheinandergeworfen, von „Investition“ ohne dass jemand weiss, was er damit meint. Sie selbst gehen äusserst fahrlässig mit dem Begriff der „Investition“ um, indem sie ihn nicht feinsäuberlich von Lohnzahlungen trennen wollen. Und so weiter, und so weiter. Ich kann Ihnen hunderttausend Beispiele geben, wo die ökonomische Theorie an Begriffen scheitert und nicht an der Statik.

        Überhaupt ist das Argument von dem Intertemporalen Charakter der Netto-Investition (definiert als Investitionsgüterkäufe minus Abschreibung) ein schwaches Argument, bezieht sie sich doch alleine auf die Abschreibungsdauer. Auch manche Konsumtionsgüter, und nicht nur Investitionsgüter, haben eine mehrperiodige Lebensdauer und sind entsprechend der Abnützung abzuschreiben. Der Haushalt hat genauso wie das Unternehmen Geldersparnisse in der Höhe der Abschreibung zu bilden, sonst stünde er nach 10 Jahren ohne Waschmaschine dar. Was sie so grossartig als Kredittilgung verkaufen wollen, ist der Aufbau von Kassa um abgeschriebene Investitionsgüter am Ende ersetzen zu können. Der Begriff „Kreditilgung“ ist in diesem Zusammenhang sehr irreführend, weil dieser Kassaaufbau ja nicht zum jährlichen Gewinn gerechnet wird. Er deckt bloss den Verschleiss der Investitionsgüter ab, genauso wie der Haushalt den Wert seiner Waschmaschine nach unten revidiert und einen Geldbetrag aufbaut ohne dadurch im betreffenden Jahr vermögender zu werden. Damit erschöpft sich das ganze Getue um den intertemporalen Charakter der Investition auf ein blosses Abschreibungsprozedere.

        Man wird wohl den Ökonomen keinen Vorwurf machen können, wenn sie Abschreibungsperioden in ihren Modellen normieren, denn der Gesetzgeber tut`s ja auch. Das verändert den Charakter der Netto-Investition (nochmals: als Investitonsgüterkauf minus Abschreibung) in keiner Weise. Für mich ist ganz klar, dass hier nicht das grosse Jammertal der ökonomischen Theorie liegen kann. Würden Sie, lieber Herr Menendez, den Begriff der Netto-Investition genauso eng fassen wie weiter oben geschehen, verschwindet auch das Problem der Lohnzahlungen, weil es keinen Menschen interessiert welchem konkreten Investitionszyklus eine Lohnzahlung zugeordnet ist. Mit einem Wort: Ich sehe keinen Milimeter Fortschritt in einer dynamischen Betrachtung, nur viel, viel Verwirrung, wenn man nicht die Begriffe schärft, mit der man diese Dynamisierung vorantreiben will. Man kommt von einem schwachen Wind in einen Sturm, wenn man mit der Komplexität des Modells nicht die Begriffe anzieht sondern sie auch noch lockert. Deshalb ersuche ich Sie den Begriff der Investition, wie Sie ihn verwenden, einen exakten Sinn zu geben. Ich bekomme den unangenehmen Verdacht nicht los, dass sie partout die Marx`sche Linie in den Abgrund fahren wollen.-)

        Nichts für ungut, denn Kritik muss sein!
        Alfred Felsberger

      • @ felsi

        herrlich Ihre klare Begriffsanalyse …
        Wöhe und Döring werden Sie betriebswirtschaftlich bewundern!!!
        Und ich spare gerade für eine zukünftige Waschmaschine.😉
        An der Abstimmung von Investition und Kalkulation arbeiten wie noch.

  18. Im Konkreten läuft`s so ab:

    1) Netto-Investition = Netto-Sachvermögensbildung = Netto-Gewinn der Unternehmen

    Die Netto-Investition verlangt einen Verschuldungstatbestand in gleicher Höhe, der den beiden Klassen zugeordnet werden muss:

    2) Netto-Investition = Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte + Geldersparniszuwachs der Unternehmer-Haushalte, woraus folgt:

    3) Netto-Gewinn der Unternehmen = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte – Geldersparniszuwachs der Unternehmer-Haushalte = Null,

    womit sich die klassische Theorie (Unternehmensgewinn von Null) schliesst.

    Diese Darstellung ist der „Keynes`schen“, wo der Gewinn der Unternehmen und Gewinn der Unternehmer-Haushalte durcheinandergeworfen wird, klar überlegen. Wegen:

    4) Unternehmer-Haushalts-Gewinn = Unternehmer-Haushalts-Konsum + Geldersparniszuwachs der Unternehmer-Haushalte, gilt:

    5) Geldersparniszuwachs der Unternehmer-Haushalte = Unternehmer-Haushalts-Gewinn – Unternehmer-Haushalts-Konsum, und daher:

    6) Netto-Gewinn der Unternehmen = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte – (Unternehmer-Haushalts-Gewinn – Unternehmer-Haushalts-Konsum), und weiter:

    7) Netto-Gewinn der Unternehmen = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte – Unternehmer-Haushalts-Gewinn + Unternehmer-Haushalts-Konsum

    Hier ist ganz klar ersichtlich, dass der Unternehmer-Haushalts-Gewinn zunächst ausgeschüttet werden muss, bevor er als Unternehmer-Haushaltskonsum wieder an die Unternehmen zurückfliesst, während in der Keynes`schen Darstellung:

    8) Netto-Gewinn der Unternehmen (??) = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte + Unternehmer-Haushalts-Konsum,

    der Unternehmer-Haushalts-Gewinn schwuppsdiwupps – was für Verrücktheit! – auf einmal beim Netto-Gewinn der Unternehmen auftaucht:

    9) Netto-Gewinn der Unternehmen + Unternehmer-Haushalts-Gewinn = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte + Unternehmer-Haushalts-Konsum.

    Man sieht hier einfach, dass die klassische Theorie mit exakten Klassenbegriffen arbeitet, während im Keynes`schen Modell alles durcheinandergeht. Wenn man nicht zwischen Unternehmen und Unternehmer-Haushalt zu unterscheiden vermag, kann man auch nie die Funktion der Geldersparnis der Unternehmer-Haushalte verstehen!

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  19. Kalecki`s Satz: „Arbeiter geben aus, was sie bekommen, Kapitalisten bekommen, was sie ausgeben.“, sollte also korrekt heissen: „Arbeiter geben aus, was sie bekommen, Unternehmer bekommen, was die Unternehmen an sie ausschütten, und Unternehmen bekommen nach Ausschüttung, was Unternehmen und Unternehmer ausgeben.“ Dann freilich ist der Satz nicht mehr so plakativ, erlaubt aber die Gleichsetzung von Netto-Investition der Unternehmen und Geldersparnis-Zuwachs der Unternehmer: Alles, was die Unternehmer nicht ausgeben, ist die Netto-Investition der Unternehmen. Damit löst man sich endlich von der weitverbreiteten Vorstellung, dass das ganze Problem des Kapitalismus sich auf das Ausgabeverhalten der Kapitalisten reduziert. So ist es eben nicht!

    Alfred Felsberger

    • felsberger2012

      Sehr geehrter Herr Ruby,

      Wenn Sie allen Ernstes glauben, dass Sie mit einer betriebswirtschaftlichen Investitionsrechnung der makroökonomischen Bestimmung der Investition auf die Spur kommen können, bitte sehr, dann begeben Sie sch auf die Suche! Viel Spass bei dem Weg der Verirrungen zwischen einzel- und gesamtwirtschaftlicher Perspektive! Ökonomen sind bekanntlich geübt darin.-)

      Alfred Felsberger

  20. Im Konkreten kommt den Kapitalisten (Unternehmen plus Unternehmer-Haushalte) eine „doppelte Steuerungsfunktion“ in dem Ganzen zu: Die Unternehmen müssen an Unternehmer-Haushalte und Arbeiter Einkommen ausschütten, sich netto-verschulden, und die Unternehmer-Haushalte exakt in der Höhe Geldsparen wie es der Netto-Investition der Unternehmen entspricht. Man muss kein grosser Prophet sein, um einzusehen, dass es am zweiten Steuerungsmechanismus happert. Die Unternehmer-Haushalte sparen über das notwendige Mass der Netto-Investition hinaus und sorgen damit für Lageraufbau bei den Unternehmen. Das ganze System läuft auf einem „Unterbeschäftigungs-Gleichgewicht“, das sich kontinuierlich in Geldvernichtung durch Konkurs entladen muss. Da aber die Unternehmer-Haushalte selbst in diesem Fall nicht zu motivieren sind ihr Geldspar-Verhalten den Gegebenheiten anzupassen und der Staat es durch seine „Rettungsaktionen“ auch unentwegt verhindert, macht sich chronische Unterauslastung breit. Das Absinken des Zinssatzes bleibt wirkungslos, weil die Inflation schlussendlich unter Null fällt. Dieser Zustand wäre längst erreicht, würde nicht der Staat unentwegt Verschuldung in das System schütten. Der Marx`sche Schlachtruf „Enteignet die Enteigner!“ müsste also korrekterweise lauten: „Zwingt die Unternehmer-Haushalte zu einem angebrachten Geldsparverhalten!“ oder „Enteignet den Staat!“. Jeder weiss, das es auf das Letztere rausläuft.-)

    Alfred Felsberger

  21. Die „wichtigste Gleichung des Kapitalismus“ – ich muss jetzt noch lachen, wenn ich an den „armen“ Herrn G. denke -:

    1) Netto-Gewinn = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte + Unternehmer-Haushalts-Konsum

    ist der grösste Schnaps der Welt, weil der Herr Keynes nicht zwischen Unternehmen und Unternehmer-Haushalte zu unterscheiden wusste. Welche Handlungsanleitung sollte denn – unter der Prämisse, dass nur die Variablen, die von den Kapitalisten zu beeinflussen sind, zählen – daraus gewonnen werden? Dass die Unternehmer-Haushalte möglichst viel zu konsumieren haben? Dass die Netto-Investition möglichst hoch sein sollte? Dass die Arbeiter nicht Geld-Sparen sollten?

    Die Formel sagt gar nichts aus, weil sie falsch formuliert ist, konkret: weil der Unternehmer-Haushaltskonsum eine Funktion des Unternehmer-Haushalts-Gewinns, das heisst: der Gewinnausschüttung, ist. Richtig heisst die Gleichung:

    2) Netto-Gewinn der Unternehmen = Netto-Sachvermögensbildung – Geldersparniszuwachs der Arbeiter-Haushalte – Unternehmer-Haushalts-Gewinn + Unternehmer-Haushalts-Konsum

    Denn jetzt kann man zumindest sagen (unter der Annahme, dass Arbeiter nicht Geld-Sparen) : dass der Unternehmer-Haushalts-Konsum, der durch die Ausschüttung und das Konsumverhalten festgelegt ist, exakt so hoch sein sollte, dass die Geldersparnis der Unternehmer-Haushalte die Netto-Investition deckt. Was zuvor völlig unbestimmt war, wird jetzt eine klare Handlungsanleitung wie das System im Gleichgewicht zu halten ist.

    Alfred Felsberger

  22. Es gibt also drei, und nicht wie gewöhnlich behauptet: zwei, elementare Entscheidungen im kapitalitischen Komplex (d.h. unter der Annahme, dass Arbeiter-Haushalte nicht Geld-Sparen): Erstens, die Nettoinvestition, die zugleich die Höhe der Lohnsumme festlegt. Zweitens, die Gewinnausschüttung, die die Höhe Unternehmer-Haushalts-Einkommen festlegt, und dann erst: die Geld-Sparquote der Unternehmer-Haushalte, die sich mit der Netto-Investition koordinieren muss und über das „ungeplante Lager“ auch macht. Dass von der Gewinnausschüttung zumeist abstrahiert wird, liegt darin, dass in der Wirklichkeit so getan wird als sei sie eine Grösse, die sich ex-post einstellt. Was sie aber nicht ist! Das Unternehmen entscheidet permanent, was es ausschüttet und was nicht, und nicht erst am Ende der Rechnungsperiode. Von der Gewinnausschüttung zu abstrahieren, heisst eine wesentliche Ursache der Krise nicht sehen zu wollen. Sie kann von Beginn an so hoch angesetzt werden, dass sie jede Hoffnung auf ein Gleichgewicht zerstört.

    Alfred Felsberger

  23. felsberger2012

    Sehr geehrter Herr Ruby,

    Wenn ich mir vorstelle, dass die überwiegende Mehrheit der Ökonomen die Abhängigkeit der Investition vom Zinssatz preist, obwohl sie jetzt mehr als 30 Jahre Zeuge sind, dass ein fallender Zinssatz in den entwickelten Staaten mit einem Sinken der Netto-Investitionsquote Hand in Hand geht, dann wird mir speiübel. Die gleichen Ökonomen preisen sich Methoden der zinsabhängigen Investitionsrechnung zu beherrschen wie ein Kind Russisch lernt, das dummerweise in den USA zu Hause ist. Und dann wundert sich diese Zunft, dass sie dem hämischen Gelächter der Menschen ausgesetzt ist. Aber egal, man kann daraus lernen: dass ein Kind auch dann noch stolz sein wird eine Sprache zu sprechen, die kein Mensch versteht, eben deshalb, weil es eine Geheimsprache ist. Geheimwissen ist doch eine schöne Sache, oder nicht, Herr Ruby?

    Alfred Felsberger

  24. felsberger2012

    Wir sind nun seit einer Ewigkeit in der Situation, dass in den entwickelten Staaten die Netto-Investitionsquote fällt, obwohl die Gewinnquote steigt und der Zinssatz fällt. Das heisst: Ein Ökonom, der behauptet, dass die Investition eine Funktion des (erwarteten) Gewinns und des Zinssatzes ist, macht sich lächerlich, auch wenn es ihn nicht abhalten wird den Schwachsinn weiter zu behaupten. Ganz offensichtlich hat die Investition eine starke technologische Komponente, die über ihre Machbarkeit entscheidet. Und eben diese Komponente führt dann zu Rationalisierung, Druck auf das Lohnniveau und Druck auf weitere Geldausgaben der Unternehmen. Die ganze Gesellschaft ist in einem Rationalisierungsmodus, der Erweiterungsinvestitionen abwürgt. Sie verfährt wie ein Heer, das die schlagkräftigsten Einheiten, die an den Flanken stehen, immer mehr verkleinert und zugleich verschärft, während die Masse des Heeres in einem Zustand der Gleichgültigkeit verfällt. Kein Ökonom kann mit Technologie und ihre Wirkungen auch nur irgendetwas anfangen, seit jeher wird dieser Teil der Ökonomie den Soziologen überlassen. Nun soll sich die Zunft auch nicht wundern, dass sie in die Bedeutungslosigkeit verfällt! Das Leben ist gar nicht so ungerecht.-)

    Alfred Felsberger

  25. felsberger2012

    Es ist für einen Soziologen völlig klar, dass ab dem Moment, wo der Kapitalismus die Kraft verliert neue Märkte im Aussen („Kolonialisierung“) oder im Innen („neue Produkte und Bedürfnisse“) zu erschliessen sich die Wucht der Rationalisierung gegen den Menschen wendet. Dabei hat das System die Bürde zu tragen, dass mit jedem höheren Stand der Produktivkraft die Erschliessung der äusseren und inneren Märkte sich zeitlich komprimiert. Die Kolonialisierung Chinas hat nicht einmal drei Jahrzehnte gedauert, wo sie eine unbestimmte Zeit davor noch ein Jahrhundert in Anspruch genommen hätte. Der Kapitalismus ist in einem unentwegten Wettlauf zwischen der Notwendigkeit etwas zu erschliessen und seiner Fähigkeit es möglichst rasch über die Bühne zu bringen. Umso stärker die Rationalisierung voransschreitet und umso mehr die Kräfte des Neuen erlahmen, desto radikaler werden die Menschen gezwungen auf kapitalismusähnliche Tätigkeiten („Dienen“, „Prostitution“, etc.) auszuweichen. Das System schafft in sich selbst einen wesensähnlichen Körper, der den Menschen die Vorstellung von einer Firma („Ich-AG“) aufzwingt, deren Tätigkeit jedoch ohne Sachvermögensbildung verbunden ist. So gedeiht dieses zwitterähnliche Wesen ohne wirklich zu gedeihen und treibt immer Menschen in den Abgrund. Ein Ökonom hat diesen Tendenzen höchstens Kopfschütteln entgegenzusetzen oder den Verweis, dass die Beschäftigung doch steige. Meine Herren! Dostojewski lesen um zu begreifen, was hier abläuft und nicht Eure verbildeten Kollegen!

    Alfred Felsberger

  26. Sehr geehrter Herr Menendez,

    „Ich habe übrigens keine Ahnung, was Sie immer wieder mit dem Verweis auf irgendwelche Lagerbestände ausdrücken wollen.“ Das Problem ist schlichtweg, dass NUR durch Lageraufbau ein EK-Zuwachs zustandekommt. Wenn Sie so wollen: Der Kapitalismus ist noch in einer viel dramatischeren Situation als Sie vermuten: Nicht nur gibt es kein „Mehr-Geld“, sondern zu allem Überdruss auch noch einen Gewinn, der sich jederzeit als ausserordentlicher Verlust entpuppen kann. Um Ihnen das zu verdeutlichen, verweise ich auf die Gewinnformel unter korrekter Unterscheidung zwischen Unternehmens-Gewinn (thesauriertem Gewinn) und Unternehmer-Haushalts-Gewinn (ausgeschütteter Gewinn):

    1) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen minus Unternehmer-Haushalts-Gewinn plus Unternehmer-Haushalts-Konsum minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    woraus folgt:

    2) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen minus Geldvermögensbildung der Unternehmer-Haushalte minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    woraus wegen I = S folgt:

    3) Unternehmens-Gewinn = Null

    Hier haben wir die ganz Krux auf den Nenner gebracht: Ein EK-Zuwachs des Unternehmenssektors ist nach Ausschüttung gar nicht möglich, es sei denn man zieht sich auf die unhaltbare Position zurück, dass I = S falsch sei. Ein EK-Zuwachs kann sich nur dann einstellen, wenn man den Gleichgewichtsmechanismus „Lager“ berücksichtigt:

    I + L (Lagerveränderung) = S

    denn dann lautet die Gewinnformel:

    4) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen plus Lagerveränderung minus Unternehmer-Haushalts-Gewinn plus Unternehmer-Haushalts-Konsum minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  27. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Ich lese gerade (oder besser: ich überfliege) die „Allgemeine Theorie“ von Keynes. Mein Eindruck nach gut der Hälfte des Buches und unter Berücksichtugung, dass das Buch bald 80 Jahre alt wird: Die Ökonomen sind hoffnungslos verloren. Was man hier findet, ist eine Hybris, die glaubt: „Saldenmechanik“ und „Identität“ mit Aussagen über menschliches Verhalten verbinden zu können. Mit der unerbittlichen Konsequenz: dass kein einziger Satz lesbar ist. Mich erinnert das Ganze fast an den 2.Band des „Kapital“, nur mit dem Unterschied, dass Marx den grossen Vorzug hatte menschliches Verhalten nicht erklären zu müssen. Es ist meine ehrliche und aufrichtige Meinung, dass die ökonomische Theorie auf ewig tot ist. Diese „Wissenschaft“ hat sich diesen Status nur erschwindelt und wird nur weiterleben können, indem sie sich auf die „Saldenmechanik“ zurückzieht. Leider wird zu erwarten sein, dass genau das Gegenteil eintritt: dass weiterhin empirische Studien auf der Grundlage völlig absurder Theorien betrieben werden und Wissenschaftlichkeit geheuchelt wird. Das erste, was ich den Ökonomen verordnen würde, ist: Begriffsdefinitionen! Mit dem wären sie ohnehin, wie Herr Keynes eindrucksvoll beweist, ihr Leben lang beschäftigt.

    PS: Im Angesicht dieser Vorgeschichte, die Sie, lieber Herr Menendez, als Ökonom hinter sich haben und ich, so wie viel andere, – Gottseidank – nie hinter uns haben werden (ich schlage die „Allgemeine Theorie“ heute noch zu!), verstehe ich ihr Ansinnen: so wenig wie möglich, dafür aber exakt zu sagen, immer besser. Trotzdem mein Rat: Wechseln sie die Wissenschaft, wenn sie reden wollen!.-)

    Alfred Felsberger

  28. Mir ist im Übrigen längst klar geworden, an was der Begriff „Ersparnis“ krankt und weshalb er die Ökonomen abwechselnd in den Wahnsinn, das heisst: die Behauptung treibt, dass die Ersparnis nicht der Netto-Investition entspräche, oder in Vermutungen, wie Sie auch von Ihnen formuliert werden, dass die Ersparnis ohnehin nur ein Residuum der Netto-Investition sei. Alles falsch, lieber Herr Menendez! Denn es gilt:

    1) Netto-Investition = Ersparnis

    und unter der Berücksichtigung dreier Klassen:

    2) Netto-Investition = Ersparnis der Unternehmen + Ersparnis der Unternehmer-Haushalte + Ersparnis der Arbeiter-Haushalte

    Was ist nun die Ersparnis der Unternehmen? Richtig! Der EK-Zuwachs:

    3) Netto-Investition = EK-Zuwachs der Unternehmen + Ersparnis der Unternehmer-Haushalte + Ersparnis der Arbeiter-Haushalte

    Hier ist das ganze Problem wie in einer Nussschale auf den Punkt gebracht: Während die Ersparnis der Haushalte Geldersparnis ist, ist die Ersparnis der Unternehmen ein EK-Zuwachs. Und was ist das EK? Richtig! Eine Residual-Grösse, etwas Unbestimmtes, von dem man nicht weiss, durch was sie verändert wird. Die Ökonomen schmeissen – wieder einmal – Äpfel mit Birnen durcheinander, eine Gelderspanis mit einer Residualgrösse, solange bis sie verrückt werden und gar nichts mehr verstehen. Wie ich immer sage: Begriffsverwirrungen, wohin man blickt!

    PS: Sie verstehen nun auch, dass NUR im Fall von EK-Zuwachs = Null das ganze Gebäude für einen Ökonomen einen Sinn ergibt. Denn nur dann ist die Ersparnis einheitlich als Geldersparnis definiert. Das heisst nicht: dass man nicht auch anders denken könnte. Nur: der handelsübliche Ökonom schafft das nicht…..-)

    Alfred Felsberger

  29. Nochmals in aller Klarheit: Der einzige Mechanismus, der das EK-des Unternehmenssektors bewegen kann, ist die Lagerveränderung. Folglich ist er auch der einzige Mechanismus, der das System steuert. Keynes hat irgendwo im zweiten Buch scharf gegen diese Vorstellung polemisiert, wohl aus dem einfachen Grund, weil dann die ganze Preistheorie – inklusive der Vorstellung des Preises als Gleichgewichtsmechanismus – nicht mehr haltbar ist. Denn es gibt vier Möglichkeiten:

    1) Gleichgewicht auf dem Gütermarkt (physische Räumung), das heisst: die Lagerveränderung ist Null. Dieser Fall wird von der ökonomischen Theorie analysiert, obwohl er sinnlos ist (EK-Zuwachs der Unternehmen ist Null bei stetig wachsendem FK). Eine Preistheorie ist nicht notwendig, aber formulierbar.

    2) Die Lagerveränderung ist positiv, was heisst: dass der Veränderung der Aktivseite um den Lageraufbau ein FK-Zuwachs in gleicher Höhe auf der Passivseite gegenübersteht. Das Ungleichgewicht auf dem Gütermarkt (Überangebot) schlägt sich in einem „Kreditverhältnis“ nieder: Bilanzverlängerung des Unternehmenssektors! Der EK-Zuwachs bleibt Null.

    3) Die Lagerveränderung ist negativ bei einem existierenden Lager (Übernachfrage am Gütermarkt): = Bilanzverkürzung des Unternehmenssektors. Das „Kreditverhältnis“ wird geschlossen, der EK-Zuwachs bleibt Null. Weder für 2) noch 3) ist eine Preistheorie notwendig.

    4) Übernachfrage am Gütermarkt bei einem Lagerbestand von Null: Jetzt erst wird eine Preistheorie notwendig, weil das nicht vorhandene Angebot sich in steigenden Preisen und einem wachsenden EK niederschlägt.

    Man sieht also: die ganze Preistheorie ist eine Randerscheinung für einen Fall, der noch dazu unwahrscheinlich ist: Übernachfrage bei einem Lagerbestand von Null. Die ökonomische Theorie gehört zusammengestutzt und um die Preistheorie bereinigt!

    Alfred Felsberger

  30. Zusammengefasst: Der Kapitalismus kann einen EK-Zuwachs stets nur temporär erzielen, nämlich dann, wenn ein nicht vorhandenes Lager auf steigende Nachfrage trifft. Das ist im Prinzip eine Bestätigung der alten Schumpeter`schen These, dass ohne Innovation der Gewinn verschwindet. In allen anderen Fällen bleibt der EK-Zuwachs Null, wobei der Fall eines steigenden Lagerbestandes bei simultanem FK-Zuwachs sogar zu einem massiven Absturz führen kann. Der Kapitalismus kann ferner, wenn man das Modell erweitert, den Staat oder das Aussen kannibalisieren. Das sind – aus saldemnechanischer Sicht – seine Handlungsoptionen um ein steigendes EK durchzusetzen, wobei die Plünderung des Staates den bitteren Beigeschmack des offenen Klassenkampfes trägt. Denn wie hat Marx so schön mal vermerkt: Das Einzige, was dem Arbeiter am Ende seines Lebens bleibt, ist die Staatsschuld.-)

    Alfred Felsberger

  31. Sehr geeherter Herr Menendez,

    Ja, sie haben recht! Es gibt kein „Mehr-Geld“, es gibt kein EK-Wachstum, es gibt immer nur ein neues Hineinwerfen von Schuld in der illusionären Hoffnung auf „Mehr-Geld“. Vielleicht ist das unser einziger Gegensatz: das Bewusstsein, dass „Akkumuliert, akkumuliert, das ist Moses und Propheten!“ (K.Marx) den „armen Hunden“ als Handlungsanleitung gilt ohne zu wissen, dass es gar nicht möglich ist. Marx hat sich in die „Kapitalhirne“ solange hineinversetzt bis er selbst glaubte, dass der abwegige Wunsch möglich sei. Vielleicht hat es irgendeinen Punkt in der Geschichte gegeben, irgendwo vor der massenhaften Einführung der AG, wo dem Kapitalismus ein anderer Entwicklungsweg offengestanden wäre. Heute, im Zeitalter von EK/FK-Quoten von bestenfalls 1/4, ist dieser Weg Geschichte. Denn wie heisst`s so schön: Ein Zurück gibt es nicht!

    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      wie es aussieht haben Sie jetzt auch die zentrale Illusion des Kapitalismus erfaßt: nämlich daß monetärer Gewinn nicht aus irgendeiner realen Produktivität, sondern aus einer zeitlichen Verschiebung von Geldvermögensbeständen entsteht, ohne daß dabei ein „Zuwachs“ an Geld entstehen müßte. Ihr Verweis auf Marx ist deswegen korrekt, weil er sein „Zusatzgeld“ in der Produktion von Goldminen erblickt hatte, was dann Rosa Luxemburg noch dahingehend übersteigert hat, daß der Kapitalismus in die „Dritte Welt“ ausgreifen muß, um seine Akkumulationsbedürfnisse zu erfüllen. Da haben anscheinend die spanischen Raubzüge für ihre Vorstellung Pate gestanden.

      Doch das ist alles Mumpitz, zumindest solange man akzeptiert, daß es eine „Vermehrung“ von „Geld“ im (Kreditgeld-) Kapitalismus nur dann gibt, wenn es zu zusätzlichen Verschuldungsprozessen kommt, die dann wegen ihrer zeitlichen Ablaufstruktur (temporär) den Effekt eines Gewinns und damit scheinbar! (nicht anscheinend) die Vorstellung eines „Mehr-Geld“ erzeugen. Das macht denn auch das Spannungsfeld im Kapitalismus deutlich: die Netto-Investition schiebt ökonomische Prozesse an, während die (schleichende) Ersparnis ‚peu á peu‘ diesen Impuls wieder zunichtemacht – die Kredittilgung tut das übrige dazu. (Dabei muß man sich natürlich darüber klar sein, daß Gewinn, begriffen als ein Überschuß der Zahlungseingänge über die der Periode zugerechneten Zahlungsverpflichtungen, überhaupt erst durch den Ausgabeprozeß der Netto-Investition entstehen kann.) Schumpeter hat diesen Effekt zwar gesehen, aber in eine Mythologie gepackt, welche die reale Produktivität für die Entstehung von monetärem Gewinn verantwortlich macht. Er wird zwar allenthalben gefeiert, sein eklatanter Mißgriff monetären Erfolg auf reale Produktivität zurückzuführen, ist jedoch mehr als offensichtlich. Allerdings macht das die Marx-Nachfolge-Ökonomie alias Neoklassik ja auch.

      Ich bin nicht davon überzeugt, daß der Kreditgeldkapitalismus eine andere Entwicklung benötigt hätte. Natürlich werden derartige Prozesse dann verändert, wenn es in diesem System einen Schuldner gibt, der nicht tilgt. Denn dann entsteht das sog. ‚outside money‘ welches dadurch definiert ist, daß es keiner Tilgung unterliegt – der Wunschtraum aller Banker, die aus einer Einmalanlage ohne nochmals darüber nachdenken zu müssen kontinuierlich Zinsen ziehen können. Möglicherweise ist ja auch die Sucht der Haushalte nach „gesichertem Nettogeldvermögen“ so hoch, daß es dieses Placebo bedarf. Mit Hilfe meiner Simulationsmodelle kann man ohne weiteres zeigen, daß die Höhe der Staatsschulden dann völlig neutral ist, wenn die (verzinsten) Nettogeldvermögen immer wieder neu angelegt werden. Ist auch intuitiv leicht zu verstehen.

      Ich weiß nicht, ob Sie es gesehen haben: diese Konstruktion geht damit einher, daß die Arbeiter auf einen Teil ihres Produktionsergebnisses verzichten – denn der ‚mark-up‘ bzw. die Zuschlagskalkulation erfordert einen höheren monetären Rückfluß als es durch die „gerechte“ Formel – die der Periode zuzurechnenden Aufwendungen geteilt durch das zahlenmäßige Produktionsergebnis – nahegelegt wird. (Da kommt nämlich die Einheit „Geldbetrag pro Wareneinheit“ alias Preis her!!) Das hat zwar alles mit dem Begriff des „Mehrwert“ nichts zu tun, die Erschaffung von Wohlstand ist jedoch durchaus damit verknüpft, daß Prozeßorganisatoren (Unternehmer) einen Teil des Produktionsergebnisses dazu verwenden müssen, um einen Teil der (temporären) monetären Gewinne umzuleiten, weil auch noch monetäre Konsistenzerfordernisse erfüllt werden müssen.

      Aber das hat was mit der Funktion von Zinsen zu tun…

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Zu meiner Verteidigung: Das es kein „Mehr-Geld“ gibt, ist mir schon lange bewusst. Ich habe mich nur gegen die Vorstellung gesträubt, dass es auch keinen EK-Zuwachs des Unternehmenssektors geben könnte. Ich muss jetzt einsehen, dass die Möglichkeit eines EK-Zuwachses tatsächlich auf einen marginalen Fall beschränkt ist, nämlich: wenn es den Unternehmen gelingt bei Vorgabe einer jährlichen Netto-Investition eine Geld-Ersparnis der Haushalte in derselben Periode durchzusetzen, die unterhalb dieser Grenze liegt. Es läuft also auf „Preismacht“ hinaus und es ist sehr interessant die Fälle zu untersuchen, wo den Unternehmen das „Unter-Sparen“ der Haushalte im obigen Sinne gelingt. Es sind dies jene Phasen, wo, wie Marx sagen würde, der Klassenkampf sich zugunsten der Unternehmen neigt, und es beinhaltet auch den Fall der Innovation und des durch sie geschaffenen Bedürfnisses. Man könnte es so sagen: wenn es den Unternehmen gelingt, das Arbeitsleid der Bevölkerung durch neue Produkte fühlbar zu mildern, dann haben sie den Grundstein zur Bereitschaft zum „Unter-Sparen“ der Haushalte gelegt. Dass darüberhinaus viele andere Fälle denkbar sind, und wir gerade Zeuge so einer Entwicklung sind, sei nur am Rande erwähnt.

        Ihr Verweis auf die „Neutralität“ der Produktivität ist ein zweischneidiges Schwert, ist doch die Innovation für gewöhnlich an ein Produkt mit höherer Produktivität gebunden. Sie haben recht, wenn Sie betonen, dass es keinen unmittelbaren Einfluss der Produktivität auf den monetären Kreislauf geben kann, liegen aber doch falsch, wenn Sie die mit der Produktivität verbundene Preismacht nicht sehen wollen. Unternehmen, denen es gelingt neue Bedürfnisse zu schaffen, sind auch in der Position einen Zuwachs des EK durchzusetzen. In Phasen heftiger Innovationen in allen Sektoren, wie wir es beispielsweise um die Jahrtausendwende erlebt haben, ist dann auch die Grundlage gelegt, das EK des Unternehmenssektors insgeamt nach oben zu bewegen. Die negativen Sparquoten der US-Haushalte sind uns noch gut in Erinnerung. Kurzum: Man darf die Beschäftigung mit Technologie und Produktivität nicht ad acta legen, schon alleine deshalb nicht, weil eine Produktivitätsentwicklung oberhalb der vorgegebenen Wachstumsrate des Systems die Macht der Klassen zugunsten der Unternehmen verschiebt. Gewiss, ist die Analyse in diesem Feld vertrackt, und durch Partailschlüsse immer gefährdet, doch wird kein Ökonom sie übergehen können.

        Mit freundlichem Gruss
        Alfred Felsberger

      • Hallo Herr Felsberger,

        ich denke, ich sehe die „Preismacht“ der Unternehmen sehr wohl, denn gerade der Verweis auf Schumpeter war doch auf diesen Punkt abgestellt. Das Ärgerliche bei Schumpeter ist, daß er lediglich Knappheitsrenten ableiten kann und bei der Frage der Dauerhaftigkeit von Zinsen nichts mehr sagen kann, sondern wie ich mich glaube zu erinnern die langfristige Situation bei ihm durch ein Zinsniveau von Null gekennzeichnet ist. Knappheitsrenten haben aber die unangenehme Eigenschaft durch Konkurrenz zu verschwinden, da der technologische Vorsprung eben lediglich temporär verteidigt werden kann.

        Was man dabei allerdings berücksichtigen muß ist, daß eine Knappheitsrente geldtheoretisch gesehen ein Nullsummenspiel ist, denn der Extra-Profit speist sich monetär aus der den Konkurrenzunternehmen nicht mehr zufließenden Nachfrage. Was der eine an Extra-Profit erzielt, geht dem anderen als Profit verloren, weil die technologische Innovation eben nicht das „zusätzliche“ Geld für den Extra-Profit generiert. Von dieser falschen Theorie hat sich die konventionelle ökonomische Lehre noch nicht erholt, es sieht auch nicht so aus, als würde das bald passieren…

      • Ein letztes Wort zum analytischen Apparat, mit dem meines Erachtens die ökonomische Theorie arbeiten sollte:

        1) Die Unterscheidung zwischen Unternehmens-Gewinn und Unternehmer-Haushalts-Gewinn, um Wirkungen auf das EK auch tatsächlich studieren zu können.

        2) Eine Dreiteilung des Haushaltssektors in geldlose, geldarme, und geldreiche Haushalte, wobei Letztere aus Gründen der Einfachheit mit den Unternehmer-Haushalten gleichgesetzt werden sollten.

        Nur unter dieser Voraussetzung scheint es mir möglich die Wirkungen des „Klassenkampfes“, der sich mittleweile sowohl entlang der Linie Unternehmen >=< Haushalte als auch innerhalb des Haushaltssektors entfaltet, studieren zu können. Die herkömlichen Kategorien, die den Gewinn, genauso wie die Haushalte, zu einer Kategorie zusammenfassen, sind gänzlich unbrauchbar.

        Alfred Felsberger

  32. Poesie der Ökonomie:
    „Zukünftige Erträge
    Die zukünftigen Erträge, soweit vertraglich unterlegt, sind in Abhängigkeit von der Refinanzierung in kongruent und nicht kongruent finanziert zu differenzieren. Die Vorgehensweise bei der Zuordnung zur Fristenkongruenz der Refinanzierung ist zu begründen. Sofern es sich um nicht kongruent refinanzierte Verträge handelt, ist das Verfahren zur Ermittlung der verwendeten Diskontierungssätze zu beschreiben. Dabei
    ist auch darzulegen, wie potenzielle Zinsänderungen oder ein Wiedereindeckungsrisiko berücksichtigt worden sind und welche Zinserwartungen dieser Betrachtung zugrunde liegen. Zukünftige Ertrags- oder Aufwandseffekte aus abgeschlossenen Sicherungsgeschäften sind, sofern sie in der Substanzwertrechnung berücksichtigt werden, ebenfalls nachvollziehbar zu begründen und zu belegen.“
    TZ 19 aus IdW EPS 810
    Wer diese Aufgaben wahrnimmt, ist Herrscher der Methoden und Begriffe!
    Genuss gegen Gleichgültigkeit.
    Anschliessend währungswirtschaftliche Aggregation.
    Interpretation nach Marx, Schumpeter und anderen oder neuen Ideen.
    Dank für die Analysen.

  33. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Es steht für mich völlig ausser Frage, dass die „neue ökonomische Theorie“, die sich in ihrer statischen Variante in den Satz zusammenfassenlässt:

    1) Unternehmens-Gewinne = Nettoinvestition minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte minus Geldvermögensbildung der Unternehmer-Haushalte = Null

    zu einer Renaissance der „klassischen Arbeitswertlehre“ als Preistheorie führen wird. Denn genauso wie der Arbeitswert der Ware X berechnet wird durch Aufsummierung des Arbeitswerts aller Inputs plus dem zugefügten Neuwert (lebendige Arbeitszeit), berechnet sich der Geldwert der Ware X durch Aufsummierung des Geldwerts aller Inputs plus der Neuverschuldung für Lohne und Gewinnausschüttungen. Das führt unmittelbar zur Marx`schen Wertgleichung:

    2) c + v + m, wobei c den Geldwert aller Inputs (Abschreibung) und (v + m) die Neuverschuldung darstellt.

    Mit einem Wort: die neoklassische Preistheorie ist tot, Sraffa mit seinem „Aufschlag“ ist tot und weiterleben wird bloss die Mehrwertrate als Verhältnis zwischen m und v. Das solcherart über Geldwerte zugewiesene Produkt wird dann real verteilt.

    Ich weiss, das Sie für derartige statische Überlegungen nichts übrig haben, trotzdem ist es wichtig zu sehen, wohin die „neue ökonomische Theorie“ triftet. Wichtig ist hierbei, dass diese Theorie NUR unter Annahme eines thesaurierten Unternehmens-Gwinns von Null und einem ausgeschütteten Gewinn > Null arbeitet, wobei Letzterer genauso zu behandeln ist wie Lohnzahlungen. Ohne Vorfinanzierung geht nichts.

    Alfred Felsberger

  34. Es erstaunt mich doch einigermassen, dass sie im Falle Schumpeter`s die unzulässige Vermengung einzel- und gesamtwirtschaftlicher Perspektiven erkennen, aber selbst, zumindest in ihrem Modell, auf dem Konzept eines einzelwirtschaftlichen „Aufschlags“ („mark-up“) beharren. Das geht leider nicht. Vielmehr muss man akzeptieren, dass im Gleichgewicht die Preise sich entsprechend der Marx`schen Werttheorie bilden, wo die Neuverschuldung auf Löhne und ausgeschüttete Gewinne aufgeteilt wird. Was man Marx ein Jahrhundert lang angekreidet hat, dass in der Werttheorie die Profitrate keine Einheitlichkeit hat, erweist sich nun als sein grösster Triumph: Eine einheitliche Proditrate existiert nämlich gar nicht! Das Preisgefüge wird alleine über die „Mehrwertrate“ gesteuert.

    Alfred Felsberger

  35. Überhaupt kann ich Ihre Kritik, dass meine Unterscheidung zwischen thesaurierten Unternehmensgewinnen und ausgeschütteten Unternehmens-Haushalts-Gewinnen nicht nachvollziehbar ist, nicht folgen. Jede AG schüttet ex-ante aus so wie sie ex-ante Löhne bezahlt. Es ist eine blosse Täuschung, wenn man sich einbildet, dass Gewinne und Löhne ex post bezahlt werden. Wann immer ein Unternehmen zur Ausschüttung oder Lohnzahlung schreitet, muss es sich verschulden!

    Alfred Felsberger

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