Makroökonomie: die Frage nach dem Machbaren

Hirschmedaillon mit NußkrusteDas Forschungsfeld Makroökonomie wird üblicherweise dadurch beschrieben, daß dort Untersuchungen über gesamtwirtschaftliche Größen wie Konjunktur, Inflation, Außenwirtschaft und nicht zuletzt auch Geldpolitik stattfinden. Für den oberflächlichen Betrachter mag damit die Frage nach dem Stellenwert von Mikro- und Makroökonomie erledigt sein. Anders sieht es dagegen aus, wenn man anfängt die methodologischen Grundlagen zu analysieren, die beiden Forschungsfeldern zugrundeliegen. Denn das Verhältnis von Mikro- und Makroökonomie ist nicht so, wie man es aus gleichberechtigter Kommunikation kennt, sondern durch eine Hierarchieebene getrennt, die es nicht erlaubt symmetrische Anforderungen an beide Ebenen stellen zu können.

Das betrifft im wesentlichen die Frage, auf welcher Ebene tatsächlich Handlungen vorgenommen werden und die Antwort darauf ist auch klar: auf der Mikroebene. Denn dort und nur dort können Akteure nach Maßgabe der ‚ceteris paribus‘-Klausel handeln, was nichts anderes heißt, als daß sie ohne Berücksichtigung von Rückwirkungen handeln können und dabei auch die sogenannten „makroökonomischen Ziele“ durchaus ignorieren können (und müssen). Eine handlungstheoretisch ausgerichtete Wissenschaft muß schon aus diesem Grunde postulieren, daß alle ökonomischen Effekte und Phänomene aus den Handlungen von Individuen heraus erklärt werden müssen. In gewisser Weise ist dies auch verständlich, weil es ein „Handeln der Gesamtgruppe“ schon allein deswegen nicht gibt, weil es an informationellen Bedingungen scheitert, die Rückwirkungen der (existierenden) Einzelaktionen explizit nachzuvollziehen – das ist das analoge Problem der nutzengesteuerten Entscheidungsfindung, was Berechnungsleistungen erfordern würde, die noch nicht mal von den schnellsten Supercomputern bereitgestellt werden können.

Diese Tatsache muß eine Theorie der Makroökonomie auf eine spezifische Weise durchaus ernst nehmen, denn sonst setzt sie sich automatisch dem Vorwurf aus, ökonomische Entwicklungen nicht aus der rationalen Wahl von Individuen ableiten zu können. Dieser Vorwurf ist so richtig wie faul, denn natürlich bestehen makroökonomische Entwicklungen aus individuellen Handlungen, nur können selbst diejenigen, die derartige Forderungen nach einer „Mikrofundierung“ aufstellen, ihren eigenen Anspruch nicht erfüllen und versuchen die Welt damit zu überzeugen, daß ein „repräsentatives Individuum“ schon geeignet sei, makroökonomische Phänomene abbilden zu können. Natürlich ist klar, daß mit einem solchen Ansatz sämtliche sich widersprechenden Gegensätze unterschiedlicher Akteure per Annahme (!!) ausgeblendet werden, insbesondere ist damit ausgeschlossen, daß es durch diese „individualistischen“ DSGE-Modelle keinen Raum für so widerlich reale Dinge wie Kreditverhältnisse gibt, die sich dadurch auszeichnen, daß Individuen offensichtlich doch nicht alle die gleichen Interessen haben, wodurch ihre jeweiligen Handlungsweisen durchaus andersartig sein und ohne weiteres auch widersprechen können.

Das stellt natürlich die Frage nach dem Erkenntniswert von Makroökonomie bzw. die Frage nach einer Vorgehensweise, die nicht von vornherein sich des Vergehens schuldig macht, Entwicklungen von Aggregaten ohne Umweg über die Handlungsinteressen von Individuen erreichen zu wollen. Ein prominentes Beispiel für ein derartiges Desaster ist der sog. „hydraulische Keynesianismus“, dessen Philosophie von einer Allmachtsphantasie getragen wurde, die sich aus dem IS-LM-Modell ableitete, in dem die „Stellschrauben“ Budgetdefizit und Geldangebot als ausreichend angesehen wurden, um eine verläßliche gesellschaftliche Wirtschaftssteuerung betreiben zu können. Dieser Schuß ging natürlich nach hinten los, weil sich diese Theorie der Annahme verschrieben hatte, daß sich makroökonomische Entwicklungen gestalten lassen, ohne dabei irgendwelche Ausweichreaktionen berücksichtigen zu müssen. Besonders ärgerlich in dieser Hinsicht ist, daß die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in dieses Konzept insoweit eingebettet war, als sie gewissermaßen den „Identitätsrahmen“ dafür bereitstellen mußte und folgerichtig mit dem Untergang des IS-LM-Keynesianismus gleichermaßen diskreditiert wurde. Es hat durchaus seine Gründe, warum die VGR bzw. in ihrer monetär fixierten Variante, die „volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ einen derart schlechten Ruf in der ökonomischen Profession besitzt.

Das hat natürlich seinen Grund der darin besteht, daß man monetären Aggregaten keine selbständige „Entwicklung“ unterstellen kann. Darauf hat auch W. Stützel als Hauptprotagonist der „Saldenmechanik“ immer wieder zu Recht hingewiesen. Doch auch wenn der Meister seine Warnungen ausspricht, sind die Lehrlinge dann doch immer wieder in Versuchung, die Fähigkeiten des Meisters sich selbst zuzurechnen nur um festzustellen, daß ihre Versuche dann doch in einer kolossalen Pleite enden. So ist beispielsweise der Schluß von einer „negativen“ Saldenänderung des Staates auf die „positiven“ Saldenänderungen im privaten Sektor korrekt, was nicht korrekt ist, sind die Vermutungen, welche Auswirkungen sich daraus auf den privaten Sektor ergeben, denn eine Aggregataussage läßt sich nicht ohne weiteres auf individuelle Auswirkungen herunterbrechen. Natürlich sind die Ausgaben des einen die Einnahmen des anderen, daraus läßt sich aber nicht schließen, daß diese Einnahmen wieder zu Ausgaben werden müssen, weil in gleicher Weise Einnahmen auch zur Tilgung von Krediten verwendet werden können und damit die Einnahme/ Ausgabe-Mechanik ins kreditäre Nirwana verdampfen kann. Stützel hat deswegen auch immer wieder betont, daß Saldenmechanik nur dazu dient zu ergründen, ob und inwieweit die Handlungsmöglichkeiten von Individuen bzw. Gruppen auch den Konsistenzerfordernissen einer modernen (monetären) Wirtschaft entsprechen, oder wegen saldenmechanischer Unvereinbarkeiten von vornherein auf einen nicht möglichen Zustand abzielen.

Damit bestimmt sich denn auch der Stellenwert von Makroökonomie: es geht darum zu entscheiden, ob z.B. Gesetze oder politische Entscheidungen, die das Staatsbudget betreffen überhaupt geeignet sind die Ziele zu erreichen, die mit der betreffenden Maßnahme beabsichtigt worden sind. Derartige Dinge sind durchaus ernstzunehmen, obwohl die Akzeptanz saldenmechanischer Argumente äußerst schleppend ist. So ist z.B. der saldenmechanische Vorbehalt, Sparmaßnahmen würden zu einem Rückgang des Wachstums, ja sogar zu einer Reduktion des Wirtschaftsniveaus führen durchaus als richtig rezipiert worden, auch wenn der aktuelle Fall (Griechenland) zu diesem Zeitpunkt längt tief im Brunnen liegt. Das betrifft auch eine „Wettbewerbsphilosophie“, die glaubt, „Wettbewerbsfähigkeit“ wie eine gute Eigenschaft auf alle verteilen zu können, die sich nur den Kriterien der „Sparsamkeit“ verpflichten. (Letzteres ist noch nicht einmal eine genuin saldenmechanische These, obwohl sie sich aus der Saldenmechanik auch ableiten läßt.) Was Makroökonomie nicht ist: ein Werkzeugkasten, den man zur Erreichung mehr oder weniger gewünschter ökonomischer Ziele benutzen kann wie eine Pumpe, deren Anwendungsbereich klar definiert ist.

Damit wird aber auch gleichzeitig das Feld der Kontroverse umrissen, welche die Makroökonomie ausmacht. Denn die Frage danach, was überhaupt möglich ist dreht sich nicht erst seit gestern um die Frage, welche Funktionsbedingungen sind anzulegen, um die Frage zu lösen, ob bestimmte Maßnahmen zum Erfolg führen und welche nicht. Die zentrale Kontroverse um die es hierbei geht besteht im Grunde genommen aus der I=S Frage, genauer nach der Wirkungsrichtung dieser Beziehung. Klipp und klar ausgedrückt geht es darum ob erst die Ersparnis vorliegen muß, um Investition zu ermöglichen, oder ob Investition die Voraussetzung von Ersparnis ist. Je nachdem, wie man diese Frage beantwortet, ist damit der Bereich des Machbaren abgegrenzt, obwohl das Ziel identisch ist: die Steigerung der Investition. Die eigentliche Zentralkontroverse geht darum wie die Investition erklärt wird: durch Sparen oder durch Kredit. Die erstere Theorie (Sparen) ist die allgemeine Gleichgewichtstheorie, die Investition aus Nicht-Konsum erklärt. Die andere Theorie (Investition = Geldvorschuß) existiert eigentlich bisher überhaupt nur in Fragmenten, weil sich die ökonomische Forschung der Idee verschrieben hat, neue Erkenntnisse nur dann zu akzeptieren, wenn das „Alte“ dabei erhalten bleiben kann. Das hat dazu geführt, daß immer dann, wenn keine unmittelbare geldtheoretische Antwort auf eine Sachfrage offensichtlich war zu den Theorien und Konzepten der Gleichgewichtstheorie zurückgegriffen wurde, nur um festzustellen, daß man sich damit von der eigentlichen paradigmatischen Plattform nicht emanzipieren kann.

Das ist unter anderem deswegen so virulent, weil die Welt schon lange nicht mehr durch die Regeln einer „übersichtlichen“ Kornökonomie gesteuert wird, in der man sogar noch eine „reale Ertragsrate“ als sinnvolles Konzept akzeptieren könnte, sondern das makroökonomische Koordinationsproblem dadurch gekennzeichnet ist, die Handlungsweisen von Millionen von „Individuen“ derart zu steuern, daß das Ergebnis gewissen (abstrakten) Erfolgskriterien genügt. Dieser Sprung von der heimeligen selbstversorgenden Kleinstwelt zu einer nach unpersönlichen Kriterien operierenden Funktionsweise des Kreditgeldkapitalismus ist von der zuständigen Wissenschaft nur in mikroskopischen Fragmenten überhaupt rezipiert worden. Daß jedoch in einer solchen Welt die Frage der Kooperation mit der Frage von Verschuldung zusammenhängt, geht bis heute nicht in die Köpfe der Professoren hinein. Dabei ist die Idee, daß kooperative Handlungen erst zu denjenigen Ergebnissen führen, die dann auf dem Markt als Waren auftauchen nicht so schwer zu begreifen, denn es gilt ja das Motto: Ohne Fleiß kein Preis. Damit der Fleiß sich entfaltet muß erst die Frage nach der Gegenleistung geklärt werden, wodurch man unmittelbar eine konkurrierende Erklärung für den Arbeitslohn erhält, die nichts mehr mit der „Wahl“ zwischen Freizeit und Arbeitsleid zu tun hat. Hier hinkt die theoretische Ökonomie der aktuellen Entwicklung, auch und insbesondere hinsichtlich der Behandlung des Finanzsystems, um Lichtjahre hinterher.

Aber unabhängig davon wird durch die Organisation gesellschaftlicher Arbeitsteilung durch ein Kreditarrangement die Makroökonomik auf einmal zu einer abstrakten Klammer, die im Gegensatz zu den Beschränkungen der realen Welt auf einmal Konsistenzerfordernisse setzt, die sich in der „Saldenmechanik“ wiederfinden lassen. Und unabhängig von der Tatsache, daß sich erst durch die Dekomplexierung durch Geld die Wirtschaftswelt handhabbar darstellt, wird auf einmal der Zwiespalt von Forderungen und Verbindlichkeiten, d.h. die Bedienbarkeit von Schulden zu einer Existenzfrage, die sich nicht auf ein „repräsentatives Individuum“ reduzieren läßt. Denn in der Geldwirtschaft gilt notwendig, daß jedes Individuum entweder Nettoschuldner oder Nettogläubiger ist – so daß sich deshalb die Reaktionsweisen der Individuen je nach spezifischer Rahmenbedingung auch verschieden darstellen. Man kann es auch umgedreht sehen: weil Geld ein soziales Verhältnis darstellt und der physische Ausdruck in Form der Banknote lediglich dazu gebraucht wird, Kontrolle über die Organisatoren des gesellschaftlichen Abrechnungssystems (Banken) auszuüben*, wird Makroökonomik auf einmal zu einer Theorie der strategischen Steuerung monetärer Interaktion. Dann wird es auch möglich Geldtheorie als Delegationsproblem zu interpretieren, wo die Funktionsfähigkeit des gesellschaftlichen Abrechnungsmediums zu erhalten zu einer konstitutiven Bedingung gesellschaftlicher Entwicklung wird. Damit entscheidet statt der individualistischen Methodologie die Qualität einer sozialen Methode bzw. ein Kooperationsverhältnis darüber, ob das Kreditgeldsystem eine kohärente Wirtschaftsstruktur generiert und sich damit Dimensionen eröffnen, von der die individualistische ‚mainstream‘-Schulweisheit noch nicht einmal weiß, daß sie davon träumen kann.

 

*Aus diesem Grund kann man die QE oder die LTRO-Operationen der (westlichen) Zentralbanken, die versuchen über verschiedene „Kanäle“ die individuellen Entscheidungen zu steuern, auch als eine Kapitulation vor ihrer eigentlichen Zentralaufgabe ansehen, nämlich die Kreditkonditionen „ihres“ Bankensystems qualitativ zu nivellieren, sowie nachhaltig zu gestalten. Man mag das mit der Begründung rechtfertigen, daß sonst unüberschaubare Kettenreaktionen zu desaströsen Entwicklungen führen würden. Das heißt jedoch nur, daß man sich darüber Gedanken machen muß, wie man diese Kreditketten auf ein gesundes Maß verkürzt. Solange allerdings die Bildung von Kreditketten sogar noch steuerlich begünstigt wird, braucht man eine vernünftige Lösung dieses Problems in nächster Zukunft nicht zu erwarten.

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153 Antworten zu “Makroökonomie: die Frage nach dem Machbaren

  1. Wettbewerbsfähigkeit ist weder eine gute noch schlechte Eigenschaft! (gut ist natürlich auch sehr relativ, es stellt sich immer die Frage ‚gut in Bezug auf welches Ziel?‘ Wachstum, Nachhaltigkeit, Seelenheil, das große kosmische Ganze?)
    Wettbewerbsfähigkeit ist vielmehr eine messbare Größe, die die Tendenz der unsichtbare Hand ausdrückt, die immer wieder auf oft unerwünschte Art und Weise den Markt heimlich zu lenken versucht, selbst wenn man das politisch und sogar rechtlich ihr per Androhung von Strafe verbieten will.

    • Also um mich doch ein wenig exakter auszudrücken: Wettbewerbsfähig im makro-ökonomischen Sinn misst die makro-ökonomische über die ganze volkswirtschaft integrierte Wahrscheinlichkeit, dass andere Volkswirtschaften Angebote dort vorfinden, die ihrer Nachfrage basierend auf realen Bedürfnissen und der vorhandenen Kaufkraft der Nachfragenden entspricht.
      Wettbewerbsfähigkeit in micro-ökonomie entspricht sehr individuellen Preferenzen, dennoch traue ich mir sagen, dass aufopfernde Wettbewerbsfähigkeit und das Restaurant, wo ein Getränk 1 Billion € kosten eher tendenziell sehr unwahrscheinlich sind.

      • Hallo Frau Stoa,

        der Begriff der Wettbewerbsfähigkeit ist eher ein Produkt betriebswirtschaftlichen Denkens, welches sich damit begnügen kann Umweltdaten als gegeben anzunehmen, um die eigenen Handlungen danach auszurichten. Diesen Begriff gibt es so in der Volkswirtschaftslehre nicht.

        Das was in der VWL formuliert wird ist der Begriff der „vollkommenen Konkurrenz“, der von seinem Bedeutungsinhalt darauf zurechtgeschnitten ist, was die Theorie der Marktwirtschaft erfordert. Um das Modell der Marktwirtschaft überhaupt einer Lösung zuzuführen ist es nötig unter vollkommener Konkurrenz einen Zustand zu verstehen, der sich dadurch auszeichnet, daß keiner der beteiligten Akteure einen Einfluß auf das Marktergebnis ausüben kann. Weder kann ein Unternehmen einen Preis setzen, weil es in dieser Konzeption gewissermaßen von der Preisbildung des „Marktes“ abhängt, obwohl es niemanden gibt der diese Preise setzen kann. Noch kann irgendein Haushalt seine Ressourcen sowie Arbeitsleistung selbst bewerten, denn diese „Aufgabe“ wird vom „Markt“ wahrgenommen. Der technische Ausdruck dafür ist, daß alle Akteure in der Marktwirtschaft sog. „Preisnehmer“ sind und je nach Preiskonstellation für sich die optimale Entscheidung treffen wieviel sie nachfragen und wieviel sie anbieten wollen. Man kann es etwas plakativer auch anders ausdrücken: in der Theorie der Marktwirtschaft ist für strategisches Verhalten kein Platz – würde es existieren, hätte man wohl keine Möglichkeit mehr eine (wohlfahrts-) optimale! Lösung ableiten zu können.

        Man sollte sich schon klarmachen, daß die Hohegesänge und Loblieder, welche über die Marktwirtschaft verbreitet werden, auf einer derart fragilen Basis beruhen. Denn die Existenz und Eindeutigkeit sind hochmathematisierte Konzepte, bei denen man sich schon mal fragen muß, ob diese überhaupt noch mit dem zu tun haben, was sich täglich in der Welt abspielt. Die Konsequenz daraus ist durchaus häßlich: man kann zwar aus der Theorie der Marktwirtschaft eine Wettbewerbspolitik ableiten, die darauf hinzielt, daß Marktmacht möglichst beschränkt bleibt – damit der „Marktmechanismus“ wirken kann, auch wenn die „unsichtbare Hand“ nicht beobachtbar ist. Alles was sonst noch so über „Wettbewerbsfähigkeit“ geschrieben wird, ist von der zugrundeliegenden Theorie nicht gedeckt bzw. schlichtweg in ihr nicht vorhanden.

        Natürlich kann man sich unter solchen Begrifflichkeiten etwas vorstellen, man sollte nur nicht den Fehler begehen zu glauben, daß damit in irgendeiner Weise höhere Weisheiten über unabdingbare „Gesetze“ der Marktwirtschaft zum Ausdruck gebracht würden. Das gibt die Theorie der Marktwirtschaft nicht her.

  2. Zwei Fragen an den Autor:
    1. Stimmt er mit mir im micro-ökonomischen überein, dass ein Individuum ein Produkt oder Dienstleistung nicht unter einem gewissen Mindestpreis verkaufen kann ohne Verlust zu machen und dass dieser Mindestpreis relativ unabhängig von den Preferenzen der anderen gesehen werden kann, sondern viel mehr auf Steuern, Gebühren und dem besten vorhandenen Preis von Materialien beruht, die benötigt werden um das Produkt/die Dienstleistung einmal ohne Verlust anbieten zu können?
    2. Stimmt er weiterhin mit mir überein, dass ein Preis für ein Produkt/eine Dienstleistung zur Unverkäuflichkeit des Angebots führt, wenn der festgelegte Preis die Geldmenge M3 übersteigt? (auch komplett unabhängig von der Kaufkraft der einzelnen Individuen)

    • Ich will darauf hinaus, dass im Staat Irrsistan, der gerade alle Steuern auf 100.000.000.000.000% erhöhte, kein einziges Individuum mehr ein Produkt und eine Dienstleistung anbieten kann, da der minimale Preis jedes Angebots die maximal vorhandene Geldmenge übersteigt
      Mit diesen Abgaben hat der Staat Irrsistan seine Wettbewerbsfähigkeit verloren, man glaubt das aber trotz formalen Beweises nicht, weil ich oft der Ansicht von Hans-Werner Sinn bin!

      • Ich bin gemein heute: Im Staat Halunkistan, wurden die Steuern nur soweit erhöht, dass der minimale Preis vieler Produkte und Dienstleistungen über 1/10 des netto Einkommens im Median liegt. Im Staat Halunkistan entsteht merkwürdiger Weise jetzt ein großer Schattenwirtschaftssektor. Sogar viele Ordnungshüter kassieren lieber ein Bagschisch als offizielle Organstrafen zu vergeben, da diese so hoch sind, dass viele Leute ins Gefängnis in Folge der Strafen müssten. Strafen die Verordnungsvollzieher jedoch unter einer gewissen Quote ab, dann gibt es 10 Jahre keine Gehaltserhöhungen und keine Karrierechancen. Dennoch verleitet sie scheinbar diese gemeine vorschriftswidrige unsichtbare Hand dazu, lieber selbst das Gesetz zu brechen und Hochverrat zu begehen.
        Merkwürdiger Weise ist mir als Heinrich Elsigan das vor 1 Monat real auch in Österreich passiert, als ich bei einer Verkehrsstrafe nicht genügend Geld dabei hatte und angab in Scheidung mit schlechter Auftragslage gerade zu leben.

  3. Kann es sein, dass „die Frage nach dem Machbaren“ um die „Frage nach den Basiskategorien“ erweitert werden muss? Kann es sein, dass der alte Charly M. so falsch nicht lag, als er „Das Kapital – eine Kritik der politischen Ökonomie“ geschrieben hat?

    Wobei die „Kritik durch Darstellung“ in meinen Augen darauf hinausläuft (sehr verkürzt): So lange die gesellschaftliche Arbeitsteilung über Ware und Geld abgewickelt wird, so lange gibt es Probleme. Erhebliche Probleme. Denn der Gesamtprozess verselbstständigt sich gegenüber den Protagonisten. Der Gesamtprozess wird bewusstloses Subjekt und die Protagonisten, ob mit oder ohne Kapital, sind bewusstlose Opfer der Verhältnisse.

    Dies kann nur aufgehoben werden, wenn die Menschheit sich in die Lage versetzt, bewusst – und ohne die Vermittlung von Ware und Geld – ihre Bedürfnisbefriedigung zu regeln. Wie das konkret funktionieren kann, weiß ich auch nicht. Aber ich fürchte, es ist der einzige Weg aus den multiplen Krisen der Jetztzeit.

    P.s.: Die Arbeiterbewegungs- und Weltanschauungsmarxisten konnten mit dieser Lesart von Charly M. nie etwas anfangen. Und die meisten Menschen, die sich mit Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie befassen, sind in der Auslegung der Schriften des Charly M. leider nicht über dessen exoterischen Positionen hinausgekommen. Schade.

    • moneymind

      Hallo Herr Zeller,

      die Marx’schen Überlegungen klingen gut, doch mit „bewußt geplanter“ Produktion, in der private Kreditverträge keine Rolle mehr spielen, wurden ja jahrzehntelange Erfahrungen gesammelt. Und es waren vor allem Ökonomen aus den realsozialistischen Systemen selbst, die diejenigen Muster, die sich dort eben ergeben, weil auch dort individuelle und kollektive Rationalität eben nicht deckungsgleich sind, sondern auseinanderfallen (eine klassische Stützel’sche Rationalitätenfalle), wunderbar analysiert haben: der „Mangel“ an Konsumgütern, der im Schlangestehen der Konsumenten in den „Geschäften“ zum Ausdruck kam, die „Arbeitslosigkeit in den Betrieben“, in denen die Arbeit oft nicht weitergehen konnte, weil die Lieferung von Vorprodukten ausblieb etc.

      Ich empfehle Ihnen da mal die Arbeiten des ungarischen Ökonomen Janosz Kornai, speziell seine Bücher „Economics of Shortage“ und „The Socialist System“. Seine Internetseite finden Sie hier:

      http://www.kornai-janos.hu/KornaiJ-home-English.html

      Gute Kurzusammenfassungen gibt es von der Ethnologin Katherine Verdery (in ihrem hervorragenden Buch „What Was Socialism, What Comes Next?“, dort das erste Kapitel: „What Was Socialism and Why Did It Fall?“. Weiterhin in einem Aufsatz von Heinsohn und Steiger: „Geld, Produktivität und Unsicherheit in Kapitalismus und Sozialismus“ (erschienen in: Leviathan, Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 9, 1981, S. 164-194, online verfügbar hier:

      http://de.scribd.com/doc/115170487/Geld-Produktivitat-und-Unsicherheit-in-Kapitalismus-und-Sozialismus

      Beste Grüße.

    • Hallo Herr Zeller,

      wie ich an anderer Stelle schon mal angedeutet habe ist das Projekt „Arbeitsteilung“ von sich aus bereits damit verbunden, daß es zu Verpflichtungsverhältnissen kommt. Dazu braucht man sich nur mal zu überlegen, wie es möglich ist, Teilnehmer für ein arbeitsteilig organisiertes Projekt zu finden. Sie werden es schwer haben ohne die Inaussichtstellung von Vorteilen oder Vergütungen irgendwelche Teilnehmer zu finden. Das gelingt vielleicht noch Parteien oder der Kirche, sobald es sich um Produktionsprozesse handelt, bei dem sich die Arbeiter noch dem eigenen Arbeitsprodukt entäußern sollen, erleiden Sie ohne das Angebot einer Kompensation schlichtweg Schiffbruch. Man kann natürlich von einer Gesellschaft träumen in der jeder mit jedem solidarisch ist, allerdings hört die Machbarkeit derartiger Arrangements in der Nähe der Dunbar-Zahl auf.

      Soweit man die Existenz unübersichtlicher bzw. anonymer Gesellschaften akzeptiert ist es wohl nicht vermeidbar irgendein System zu finden, welches die Ansprüche der Gesellschaftsmitglieder auf klare Weise definiert – und ob man das Geld nennt oder nicht, es läuft immer wieder auf Geld (= das was GILT) als abstraktes Kompensationsmittel, welches ausreichende Dekomplexierungseigenschaften hat, hinaus. Und wenn man noch den nächsten Schritt hinzunimmt, daß Geld als Information zu einem kommunikativen System hinführt, wird auch klar, warum man sich in gewisser Weise als „bewußtloses Opfer“ empfinden kann. (Die Hardware kann der Software nun mal nicht in Handwerk pfuschen.)

      Das hat aber wiederum etwas damit zu tun, daß Handlungsfähigkeit damit erkauft wird, die möglichen Konsequenzen des eigenen Handelns weitgehend zu ignorieren. (Denken Sie an den Flügelschlag des Schmetterlings!) Das ist Mikroökonomie. Die „Kritik der politischen Ökonomie“ ist dagegen Makroökonomie, weil sie die Frage nach den funktionalen Bedingungen stellt, welche die Steuerung eines Gesellschaftssystems genannt „Kapitalismus“ betreffen. Und auch wenn man „Charlie“ für abgehoben und kompliziert hält, war er in gewisser Hinsicht nicht abstrakt genug, weil er sich als Klassiker noch an den Arbeitswerten aufgehängt und den Charakter des Geldes als relatives Maß der Produktion übersehen hatte. Vielleicht noch mal bei „Jesse James“ reinsehen!

  4. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Man hat der ökonomischen Theorie viel vorgeworfen: dass sie ahistorisch sei, mathematisierend, dass sie auf unrealistischen Annahmen fusse, das Interesse einer Klasse formuliere, dass sie Kapital zur Ware vergegenständliche, Geld zur Ware mache und vieles mehr. Das Wichtigste freilich hat man übersehen: dass die ökonomische Theorie eine tote Lehre ist, dass sie ein Kunstprodukt ist wie die katholischen Kirche, die einen Gott verwaltet, der keinen Funken Leben in sich trägt. Ganz wie die christliche Lehre ist die ökonomischen Theorie merkwürdig abgehoben, weit entrückt von jeglichem Leben, einfach fremd dem alltäglichen Empfinden. Der Glaube an den Markt ist eben nicht, wie oft gesagt wurde, ein blinder, sondern ein verklärender, ein jenseitiger, der Erlösung verspricht, wenn man ihm folgt. Dieses christlich-mystifizierende Element, das den Menschen Heilsversprechungen macht, die an Leidensfähigkeit gebunden sind, das ist das wirkliche Merkmal der ökonomischen Theorie.

    Die Versprechungen der Ökonomie erinnern sehr an den Gott, der sich an das Kreuze schlagen lässt, um die Menschen zu erlösen. Was für ein unwirklicher Gedanke, was für ein künstlicher Gott, der sterben muss, damit die Menschen leben dürfen! Nur, was sich in der ökonomischen Theorie ans Kreuze schlägt, ist nicht mehr Gott, sondern der Mensch selbst, der dem utilitaristischen Konzept des Nutzens folgt. Das Diesseits ist das Verhalten, das von allen verlangt wird, die Zehn Gebote, das Jenseits das Ergebnis. Man zwängt sich in das Korsett einer irrealen Verhaltenswelt um am Ende das Pareto-Optmum zu erlangen so wie die Christen das ewige Leben. Die ökonomische Theorie ist daher viel mehr als Gottersatz, sie ist unmittelbares Fortleben eines mystifizierenden Glaubens, sie ist das Christentum selbst! Sie treibt die Unwirklichkeit in Dimensionen, die einem schaudern lassen so wie der ans Kreuz geschlagene Gott, dem man ins Gesichte blickt und dessen Leben man nicht versteht.

    Angesichts dieses Befundes fällt es mir schwer den von Ihnen proklamierten Dualismus in Mikro- und Makrowelt aufrechtzuerhalten. Mag sein, dass die ökonomische Theorie sich selbst so betrachtet, Relevanz hat es keine. Hier wie dort regiert die Unwirklichkeit, der alles Leben ausgehaucht wurde, die mit eisernem Besen, wie ein besessener Pfaffe, den Menschen den Teufel austreiben will. Lange wissen wir, was der Teufel wirklich ist: die Sünde, das authentische Leben, das wirkliche Empfinden. Und genau das soll in der ökonomischen Theorie wie im Christentum mit Akribie vernichtet werden: Niemand soll mehr leben, jeder soll tot sein und sich in das Gleichgewicht einfügen! Man kann so eine Theorie nicht kritisieren, weil Gläubige sich gegen jede Kritik immunisieren. Man kann sie nur einordnen in die merkwürdige Rationalität dieser Gesellschaft, die von ihrem Anspruch so rein und doch ein Mythos ist. Nur in den Stunden der Grausamkeit wird einem die Beschaffenheit dieser Rationalität bewusst.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      ich habe ein bißchen den Eindruck, als würde aus Ihren Darlegungen ein wenig Resignation und Desillusionierung durchschimmern. Das ist nachvollziehbar.

      Dennoch würde ich die Aussichten der Ökonomie für nicht so schlecht halten, daß es nicht gelingen könnte zu einer halbwegs vernünftigen Theorie zu kommen, die auch endlich mal die von ihr selbst gestellte Frage in angemessener Weise adressiert. Denn die Frage nach dem Steuerungssystem von Gesellschaften ist ja durchaus eine Angelegenheit, die über Wohl und Wehe ganzer Völkerschaften entscheidet. Daß die heutigen Ökonomen weitgehend wie Priester agieren (müssen) liegt daran, daß das theoretische Rahmenwerk der Ökonomie sich mit realen Dingen wie Produktivität, Technologie und Bedürfnisbefriedigung befaßt und dieses logischerweise nicht zur Erklärung heranziehen können, wenn es um Steuerungs- und Rückwirkungseffekte der Gesamtwirtschaft geht.

      Man kann sicherlich diagnostizieren, daß die Ökonomen den Schuß der Kybernetik nicht gehört haben oder wahlweise keine Peilung hatten, wie sie dies auf ihre Wissenschaft übertragen sollten. Die Folge war, daß die Ökonomie nach Art der Physiokraten weitergeführt wurde, indem man sich quasi mehr darum kümmerte was wohin fließt, aber nicht um das Warum! Es muß einem doch zu denken geben, daß eine gesamte Wissenschaft auf die Frage nach der Steuerung des „Marktmechanismus“ sich auch heute noch mit der faulen Ausrede der „unsichtbaren Hand“ um die korrekte Antwort „Wir wissen es nicht!“ herumwindet. Besonders lustig ist dann auch, daß die Nebenbedingung des allgemeinen Gleichgewichts ein ominöses „Pareto-Kriterium“ als „Wohlfahrtsoptimum“ erfüllen soll, welches – egal was es aussagt – von dem Zustandekommen des Gleichgewichts abhängt. WIE dieses Gleichgewicht zustandekommt, sagt doch die gesamte Theorie der Marktwirtschaft nichts aus, was nichts anderes heißt, als daß sich die Ökonomie zu wenig damit beschäftigt, was ihr eigenes Forschungsfeld ist.

      Natürlich ist es nicht so ganz einfach gegen ein etabliertes Priestertum eine Alternative zu etablieren, ich denke aber, daß die Modernität der Steuerungstheorie, welche auch durch die Verfügbarkeit von Simulationsprogrammen unterstrichen wird, durchaus die Möglichkeit eröffnet zu einer den heutigen Bedingungen angemessenen Vorstellung zu kommen, warum sich Wirtschaft so darstellt, wie man es derzeit beobachten kann. Daß dabei der Geldtheorie bzw. der Geldstromanalyse eine besondere Bedeutung zukommt liegt daran, daß im Grunde genommen an dieser Stelle wenn schon nicht die Steuerungsinstanz, so doch das Set der Steuerungsprinzipien zu verorten ist, nach denen sich der Kreditgeldkapitalismus entwickelt. Die Beschäftigung mit Steuerungsprinzipien ist aber das, was das Individuum in seiner Nutzenschätzung bzw. das Unternehmen bei seiner Technologiewahl durchaus ignorieren kann – da gelten ganz primitive Verfahrensregeln – weswegen man zurecht diesen Bereich als Mikroökonomie etikettieren kann. Die Makroökonomie, die sich dem eigentlichen (ursprünglichen) Problem der Ökonomie (wieder) stellt und ohne die Sicherheit der Rahmendaten aus der c.p.-Klausel dasteht hat immerhin aufgrund der (Schuld-) Beziehungen der Individuen zueinander ein Analyseinstrument, welches zumindest einen Funktionsrahmen bietet, womit die Menge der möglichen Eingriffsmöglichkeiten zumindest ein bißchen eingeschränkt wird. Man kann die Saldenmechanik als hoffnungslos primitives Analyseinstrument ansehen – das Schöne dabei ist, daß diese sich nicht darum kümmert, ob sie akzeptiert wird oder nicht. Wenn man so will: die „Lehre von den gesamtwirtschaftlichen Steuerungsprinzipien unter besonderer Berücksichtigung der Rückwirkungen der Änderung monetärer Aggregate“, kurz die Makroökonomie – es gibt sie doch!

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Naja, Resignation. Ich würde es eher als Realismus bezeichnen und die mehr als trügerische Hoffnung: andere von den Irrwegen abzuhalten, die man selbst durchschritten hat. Letztendlich ist die alles entscheidende Frage: Wie kann man politisch bleiben in einer Welt, die vom Zufall regiert wird? Und die Antwort kann nur lauten: Amor fati! Und sich selbst und die Welt nicht so wichtig nehmen. Hysterische Grabenkämpfe in einer Welt, die dem Roulette gleicht, sind tatsächlich entbehrlich. Oder wie es Nietzsche so einziartig sagte: „Gegen sein Schicksal soll man nicht stachlig sein, man sei denn ein Igel.“

        Was die Frage der Steuerungsinstanz betrifft, gehen wir dacore: Kapitalismus ist zunächst ein Zahlensystem und nichts mehr. Wir unterscheiden uns bloss in der Radikalität der Schlüsse, die aus der Beschaffenheit des Zahlensystems zu ziehen sind. Man kann es als „Ironie der Geschichte“ deuten, dass die analytische Durchdringung des Zahlensystems zu einer vollinhaltlichen Rehabilitierung des „Vulgär-Keynesianismus“ führt. Sie können mir glauben, lieber Herr Menendez, dass mir – als alter Staatsgegner – dieser Schluss nicht leicht fällt, und dass er gegen meine innersten Überzeugungen geht. Aber letztendlich muss ich mich der Logik fügen.

        Wenn es so ist, dass es kein „Mehr-Geld“ in einem Zwei-Sektoren-Modell (Unternehmen, Haushalte) gibt und wenn es so ist, dass JEDES Investitionsgut (ausser Grund und Boden) in letzter Instanz wertlos wird, dann kann die Gesamtheit der Investitionszyklen niemals zu einem Aufbau von Eigenkapital bei den Unternehmen, oder um das gängigere Wort zu verwenden: zu Akkumulation, führen. Es mag sein, dass dies und jenes Unternehmen kurzfristig Eigenkapital aufbauen kann, aber für alle und dauerhaft ist es unmöglich. Akkumulation erfordert daher einen externen Schuldner, den es bekanntlich nur als Staat gibt.

        Was kann Quelle von Akkumulation sein, was kann Eigenkapital aufbauen? Das ist die Frage, der wir uns stellen müssen. Weder die Investitionsgüter, noch das Lager, noch die Patente sind dazu in der Lage, weil letztzlich alle abgeschrieben werden müssen. Nur „Geld“ und „Grund und Boden“ können Medium der Akkumulation sein, nur sie unterliegen nicht der (vollständigen) Abschreibung. „Mehr-Geld“ erfordert einen externen Schuldner, den Staat, „Grund und Boden“ permanente Preissteigerungen, die über ausserordentliche Gewinne zum EK-Aufbau führen. Ein drittes Medium der Akkumulation gibt`s nicht, wenn man vom marginalisierten Gold und Silber absieht.

        Der Kapitalismus als Staatschuld-Akkumulations-Maschine? Eine verherrende Erkenntnis, sowohl für die Gegner der Staatsschulden-Ausdehnung als auch für deren Befürworter. Heisst es doch nichts anderes als die ewig wachsende Staatsschuld zur Kenntnis nehmen zu müssen, alle Widerstände dagegen einzustellen und vielleicht doch eines Tages dem Moment ins Auge sehen zu müssen, wo das Geldsystem zerberstet. Denn was heisst wachsende Staatsschuld schon anderes als sie irgendwann in die Notenbank verschieben zu müssen, die Geldmenge immer mehr in die Höhe zu treiben, die gesellschaftliche Qualität der Investitionen mehr und mehr verkümmern zu lassen?

        Es ist schon verständlich, warum sich die Menschen gegen diese Erkenntnis sträuben. Sie öffnet Abgründe unserer eigenen Existenz, sie zwingt uns ein absurdes, nämlich verschuldetes Dasein zu führen. Dass aber Sie, lieber Herr Menendez, der so knapp vor dieser Erkenntnis steht, sich auf einmal dagegen sträubt und den „Vulgär-Keynesianismus“ aus Gründen, die mir nicht einsichtig sind, zurückweisen, kann ich nur mit ihrem fehlerhaftem Begriff von Gewinn interpretieren. Ausgeschütteter Gewinn ist immer möglich, nur heisst ausgeschütteter Gewinn nicht Akkumulation! Und den Kapitalismus interessiert nie der ausgeschüttete Gewinn, sondern immer nur: die Akkumulation.

        Mit freundlichem Gruss
        Alfred Felsberger

      • Noch ist es so, dass „Grund und Boden“ als Akkumulationsmedium wesentlich bedeutsamer und als Preissumme auch grösser sind als die Staatsschuld. Nur können ewig steigende Bodenpreise immer mehr Menschen vom Eigentum ausschliessen, sodas an irgendeinem Punkt der Kapitalismus in den Modus der forcierten Staatsverschuldung übergehen wird, will er sich seiner Mission der Akkumulation weiter stellen. Auch ist es so, dass – eben weil sämtliches Eigenkapital der Unternehmen auf akkumulierte Staatsschuld und „Grund und Boden“ zurückführen ist – im weiteren Fortgang der Entwicklung die Eigenkapitalrenditen abnehmen. Umso grösser die Staatsschuld wird, umso höher die Bodenpreise, desto geringer ihre prozentuellen Zunahmen. All dies deutet auf einen holprigen Weg hin selbst unter der Annahme, dass alles optimal läuft. Wer jedoch von der Zufälligkeit der Ereignisse weiss, kann mit diesem optimalen Weg nicht rechnen. Wieder und wieder werden irrationale Seitenwege beschritten werden, wie gerade in diesem Europa mit seiner „Staatsschuldenbremse“, die das Leid der Menschheit aufs Neue strapazieren. Was kann man sich in so einer Situtaion schon anderes wünschen: als dass alle kühlen Kopf bewahren und sich ja nicht in gegenseitige Hetze stürzen?

        Alfred Felsberger

      • Die finanziellen Identitäten für ein Drei-Sektoren-Modell (Unternehmen, Haushalte, Staat) lauten:

        1) Fremdkapital der Unternehmen = Geldvermögen der Haushalte
        2) Eigenkapital der Unternehmen = Staatsschuld

        Natürlich ist es möglich, dass ein Teil der Staatsschuld sich als Geldvermögen der Haushalte abbildet. Auf lange Sicht kann man sich aber auf die Preispolitik der Unternehmen verlassen: Sie werden die Staatsschuld, die sich als Geldvermögen aufseiten der Haushalte findet, konsequent eintreiben. Lange Zeit dachte ich, dass die EK-Identität in einem Zwei-Sektoren-Modell (Unternehmen, Haushalte) die Form hätte:

        3) EK der Unternehmen = Aktienvermögen der Haushalte

        Das ist falsch: Die Aktie ist – genauso wie Grund und Boden – ein Eigentumstitel, der in einer finanziellen Identität nichts verloren hat.

        Alfred Felsberger

  5. Die Ökonomen sind Hohepriester, Pfaffen, die den Menschen das Leben austreiben wollen und sie auf ein heiles Diesseits verweisen. Sie haben ihr Abbild in dem Bauernpöbel Luther, der seinem eigenen Leiden wegen alle verbrannt sehen wollte. Man muss nur ihr tägliches Geschwätz deuten lernen: Sparen, Enthaltsamkeit, Verzicht, damit ja alles Lebendige stirbt. Unverständlich, dass Karl Marx hierin ein Klasseninteresse entdeckte. Es ist menschenfeindlich bis in die Knochen, richtet sich gegen die Arbeiter genauso wie gegen die Unternehmer. Hier geht`s um keine Klasse, und schon gar nicht um ein Klasseninteresse, sondern bloss um das Interesse von Menschenfeinden, die ihr Heil auf dem Leiden anderer bauen. Man muss sie in die Schranken weisen, ihr erbärmliches Geschwätz als das entschlüsseln, was es ist: Eine lächerliche Bergpredigt. Bemitleidenswert jene, so auch Sie, Herr Menendez, die glauben diesen Leuten mit Ratio begegnen zu können. Mag ja sein, dass es Rationalität gibt, die sich ausserhalb der Welt des Bürgers bewegt, nur diese Leute erreicht sie nie! Das sind Krieger, bornierte Gestalten, die das Leid, den Verzicht im Diesseits predigen um Erlösung zu erlangen. Die Einzigen, die jedoch Erlösung brauchen, sind diese Prediger selbst! Sie suchen das Selbstopfer um sich ihres Selbst zu entledigen unter dem sie leiden.

    Alfred Felsberger

  6. Es stimmt, dass man John Maynard Keynes eine gewisse Lebensfreude nicht absprechen kann. Dass er mehr Kunstsinn und Gegenwartsliebe hatte als Karl Marx, der hoffnungslos dem christlich-mystifizierenden Diesseits-Jenseits-Denken verfallen war. Letztendlich ist es gleichgültig, ob man zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, Jahre oder Jahrhunderte spannt, ob man das eine krass von dem anderen abhebt oder nicht, entscheidend ist nur die duale Struktur des Denkens, die von der Gegenwart ablenkt und sie nur verurteilend wahrnimmt. Insofern kann man tatsächlich von einer „keynesianischen Revolution“ sprechen, die das Diesseits in das Zentrum rückte und von Heilsversprechungen der Zukunft absah. Andererseits hat genau diese Revolution eine Gegen-Revolution befördert, die – im krassen Gegensatz zur Gegenreformation – die Moralisten zurückbrachte, ihnen das stärste Instrument in die Hand legte, das Hohepriester haben: das Schuldempfinden. Wir sind schuldig, weil wir uns verschulden, weil wir auf Kosten unserer Kinder leben! Für einen kurzen Moment der Diesseitsorientierung soll die Gesellschaft nun Jahrzehnte leiden, durch das Fegefeuer der Sparsamkeit und Enthaltsamkeit gehen, und auf alles Leben verzichten. Niemals hatte die „keynesianische Revolution“ die Kraft die Moral und Ratio zu sprengen, die der ökonomischen Theorie zugrundeliegt. Wie sollte sie auch, wenn sie sich auf diesem Feld gar nicht messen wollte? Was wir benötigen, ist nicht eine Revolution des ökonomischen Denkens, sondern eine Revolution des Denkens an sich: der Philosophie. Hat ein Karl Marx noch anklagend gesagt: „“Nach uns die Sintflut ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.“ Dann müssen wir lernen zu sagen: „Ja, Na und? Es soll so sein.“

    Alfred Felsberger

  7. Sehr geehrter Herr Zeller,

    >Der Gesamtprozess wird bewusstloses Subjekt und die Protagonisten, ob mit oder ohne Kapital, sind bewusstlose Opfer der Verhältnisse.> Menschen müssen nicht bewusstlos sein, K.Marx wollte sie nur bewusstlos sehen. Wir alle selbst entscheiden wie wir in dieser Welt leben. Und das hat nicht einmal so viel mit unserem Weltbild zu tun, sondern mehr mit unserer Lebensfreude wie Engels, der ähnlichen Phantasien wie Marx folgte, eindrucksvoll bewies. Der Lebemann Engels verstand zu leben was sein Weggefährte nie konnte. Er war frei von den düsteren Gedanken, voller Zuneigung zu den Menschen, nicht vergrämt wie der Alte. Er suchte die Nähe zu Frauen aus allen Schichten zum Entsetzen seines Freundes. Er liebte das Reiten, die Kunst, die Bälle, all das, was sich Marx versagte. Dem Marxismus hätte es gut getan, wenn er ein bisschen von der Lebensfreude eines Engels mitbekommen hätte, stattdessen kamen die Priester in Gestalt eines Lenin`s und Trotzki`s. Gedanken sind wie Schall und Rauch, was zählt, ist immer nur die Lebensfreude: Sie zu erhalten gegen alle Ratschläge der Priester.

    Alfred Felsberger

  8. Das Schlimmste an Marx war immer die Rechthaberei: Was ist, was sein darf, was sein soll. Er hatte den typischen Wesenszug aller Journalisten, die immer holzschnittartig sich die Wirklichkeit zurechtschneiden. Kein Wunder, dass die Menschen in der marxistischen Lehre einen Glauben, eine Religion, erkannten – eine Einsicht, die ihnen in Bezug auf die ökonomische Theorie bis heute fehlt. Die Welt ist voll von diesen Predigern, man braucht nur in der Früh`die Zeitung aufschlagen. Das Fatale an ihnen ist, dass sie in ihrem Publikum unentwegt die Suche nach dem Interesse freisetzen. Was ist das Interesse von diesem und jenem, was ist das Interesse des Schreiberlings selbst? Eine ganze Menschheit begibt sich auf die Suche nach dem Interesse aller, ohne zu begreifen, dass – selbst, wenn ich ein Interesse hätte – ich es in einer Welt nicht vorhandener Kausalitäten niemals durchsetzen könnte. So wird Hass geschürt, der sich tagtäglich aufschaukelt, immer entlang der Konjunkturen. Alle sind eines Interesses verdächtig, jeder ein Agent einer geheimen Macht. Wenn es überhaupt so etwas wie Bewusstlosigkeit im Marxschen Sinne gibt, dann die fehlende Einsicht: dass wir alle machtlos sind. Mögen wir Interesse haben bezüglich jenes und dieses, niemand wird sich darum kümmern, niemand wird es durchsetzen, ganz einfach, weil die Wirkung der Handlungen sich niemandem erschliesst. Wir treiben auf einem Meer, von dem wir uns nur einbilden, dass es Kausalität hätte.

    Alfred Felsberger

  9. Karl Marx war ein Meister des Interesses, er formte es gleich zum Klasseninteresse aus, wobei er zu verordnen glaubte, was das Interesse einer Klasse sei. Nur selten kam ihm der Verdacht, wenn er zum Beispiel über Lohnerhöhungen philosphierte, dass es denkbar wäre, dass genau diese das Gegenteil bewirkten, weil die Unternehmen mit Preissteigerungen antworten könnten. Er glaubte an eine riesengrosse, kausale Maschine, wo nur die Hebel der Interessen zu bedienen seien, um sie in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Ja mehr noch: Das Interesse formte sich in seinem Hirn letztendlich darwinistisch aus, indem es sich naturgesetzlich durchsetzen sollte. Was ist das für Weltbild? Wie realistisch ist das? Lernen wir nicht gerade das Gegenteil, dass das Interesse, zum Beispiel der deutschen Unternehmen keinen Konflikt mit Russland zu suchen, von der Wirklichkeit mit Füssen getreten wird? Und warum? Weil andere Inderessen das Sagen haben? So denkt nur ein Schelm, ein von Marx Zerstörter. Der Konflikt mit Russland hat mit einem Interesse überhaupt nichts zu tun, er folgt dem Gebot: des Willens zur Macht: „Diese meine dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens … dies mein Jenseits von Gut und Böse, ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt … Wollt ihr einen Namen für diese Welt? … Ein Licht für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten? … Diese Welt ist der Wille zur Macht – und nichts außerdem! Und auch ihr seid dieser Wille zur Macht – und nichts außerdem!“ (F.Nietzsche). Aber ich zweifle keinen Moment, dass Marx Nietzsche überleben wird.-)

    Alfred Felsberger

    • moneymind

      Hallo Herr Felsberger,

      Sie schreiben:

      „Wenn es so ist, dass es kein “Mehr-Geld” in einem Zwei-Sektoren-Modell (Unternehmen, Haushalte) gibt und wenn es so ist, dass JEDES Investitionsgut (ausser Grund und Boden) in letzter Instanz wertlos wird, dann kann die Gesamtheit der Investitionszyklen niemals zu einem Aufbau von Eigenkapital bei den Unternehmen, oder um das gängigere Wort zu verwenden: zu Akkumulation, führen. Es mag sein, dass dies und jenes Unternehmen kurzfristig Eigenkapital aufbauen kann, aber für alle und dauerhaft ist es unmöglich. “

      Sie sind vielleicht ein Witzbold. Natürlich werden Investitionsgüter abgeschrieben, aber das „Problem“, das Sie daraus konstruieren wollen, existiert aber natürlich nur dann, wenn man wie sie ignoriert, daß diese Investitionsgüter ja nicht nur vernutzt und abgeschrieben, sondern im Reproduktionsprozess eben auch neu produziert und sogar verbessert werden. In other words, wenn man den gesamten Arbeits- und Modernisierungs einfach „übersieht“ und so tut, als wäre er ein beständiger Prozess unwiederbringlichen Verfalls, wie in einem verlassenen und menschenleeren Dorf, in dem keine Menschenseele mehr lebt, arbeitet, kultiiviert und eben re-produziert.

      Sie haben natürlich ganz recht, daß gesamtwirtschaftlich keine Finanzvermögen akkumuliert werden können, sondern nur Realvermögen. Nun aber so zu tun, als würden die Güter zwar vernutzt und ihr Vermögenswert daher abgeschrieben, die Güter aber nicht gleichzeitig auf erweiterter Stufenleiter reproduziert, ist nur wirklich ein Schachzug zur Rechtfertigung der herrschenden TINA-Ideologie, über den man sich vor Lachen nur den Bauch halten kann – vor allem, wenn man sich die so imaginierte menschenlose Welt einmal real vorstellt.

      Das einzige, was für „dauerhafte gesamtwirtschaftliche Akkumulation“ von Realvermögen nun nötig ist, ist, daß der Vermögenswert der jeweils in einer Periode neu produzierten Sachvermögenswerte denjenigen der abgeschriebenen Sachvermögenswerte übersteigt.

      Was ja in jedem Boom auch in extremer Weise stattfindet – in extremer Weise, weil die Marktteilnehmer prozyklisch handeln müssen und deswegen auch der deflationäre Absturz plötzlich und heftigst kommen muß.

      Natürlich lautet die längst bekannte und nur aus ideologischen Gründen nicht mehr praktizierte Lösung dieses Problems, daß die Geld- und Fiskalpolitik einfach antizyklisch die zwar von der herrschenden Theorie nicht verstandenen, aber längst pragmatischer VWL-common sense gewordenen gesamtwirtschaftlichen Ziele angemessenen Wachstums und einer geringen Inflation ansteuert – denn letztere impliziert natürlich auch eine asset price inflation der von Ihnen angesprochenen Sachvermögenswerte, die Vermögensgewinne trotz gesamtwirtschaftlich nonexistenter Finanzvermögen implizieren (und damit gleichzeitig eine Ausdehnung des Kreditvergabepotentials ermöglichen, wobei diesem Prozess nach oben hin keinerlei Grenzen gesetzt sind, die gesamtwirtschaftlichen Schulden/Guthabensummen also ohne jede Probleme unendlich wachsen können).

      Die politisch durch antizyklische Steuerung erzielbare Verstetigung des Wachstums und die Stabilisierung der Inflationsrate bilden den Kern der keynesianischen Revolution.

      Als kleine Anregung dazu empfehle ich Ihnen mal einen interessanten Vortrag von Bruun und Heyn-Johnsen:

      http://de.scribd.com/doc/193146280/C-Bruun-C-Heyn-Johnsen-Contributions-Towards-a-Framework-for-Understanding-Financial-Crises

      Als Ergänzung dazu den schönen Aufsatz „The Paradox of monetary profits“ von denselben Autoren, den sie per google selbst finden (z.B. auf der Homepage von Frau C. Bruun).

      Alles, was dazu nötig ist, ist, daß die Theorie endlich die in der Praxis längst gefundenen Lösungen konsistent theoretisch begründet, indem sie endlich ein konsistentes Paradigma einer monetären Theorie der Produktion ausarbeitet (ein Prozess, der im übrigen in vollgem Gang ist); parallel dazu muß endlich das neoklassische Paradigma als fernab jeglicher Realität komplett entsorgt werden.

      • Sehr geehrter Herr Moneymind,

        >Sie sind vielleicht ein Witzbold. Natürlich werden Investitionsgüter abgeschrieben, aber das “Problem”, das Sie daraus konstruieren wollen, existiert aber natürlich nur dann, wenn man wie sie ignoriert, daß diese Investitionsgüter ja nicht nur vernutzt und abgeschrieben, sondern im Reproduktionsprozess eben auch neu produziert und sogar verbessert werden.>

        Jede Anschaffung eines Investitionsguts erfordert eine Netto-Neuverschuldung des Unternehmens in der Höhe des Anschaffungspreises. Die Netto-Neuverschuldung des Unternehmens kann entweder:

        1) durch eine entsprechende Erhöhung des Fremdkapitals, oder

        2) durch eine Reduktion der Kassabestände auf der Aktivseite durchgesetzt werden.

        Beide Vorgänge sind für das Eigenkapital des betreffenden Unternehmens neutral. Im ersten Fall verlängert sich die Aktivseite (Investitionsgut) um den gleichen Betrag wie die Passivseite (FK-Erhöhung), im zweiten Fall werden einfach Kassabestände gegen das Investitionsgut getauscht (konstante Aktiv-/ konstante Passivseite). Nirgends findet hier eine EK-Erhöhung statt.

        Alfred Felsberger

      • Das Problem ist doch banal: Man muss sich nur den Kapitalstock (Summe aller Aktiva) des Unternehmenssektors vorstellen und die Passivseite, die aus Fremdkapital besteht (=Geldvermögen der Haushalte). Wann immer der Unternehmenssektor eine Brutto-Investition tätigt, bedarf es einer Neuverschuldung in gleicher Höhe. Das FK wächst oder der Kassabestand sinkt. Wann immer der Unternehmenssektors Teile seines Kapitalstocks abschreiben muss, treibt er die entsprechenden Geldeinheiten von den Haushalten ein. Es gilt immer: Netto-Investition = Netto-Neuverschuldung = Netto-Ersparnis der Haushalte. Damit ist ein EK-Wachstum ausgeschlossen, Kapitalstock und Fremdkapital bewegen sich im Gleichschritt.

        Alfred Felsberger.

      • Hallo Herr Felsberger,

        so ganz banal ist diese Geschichte nun auch wieder nicht, weil die Frage der positiven Differenz von Aktiva – Passiva > 0 vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Nettogeldvermögens von Null einer Erklärung bedarf. Da muß ich noch ein bißchen nachdenken.

        Was Sie dagegen gut auf den Punkt gebracht haben ist die Kausalitätskette von der Netto-Neuverschuldung der Unternehmen zur Netto-Ersparnis der Haushalte. Das kann man nicht oft genug betonen, daß zwar der einzelne Haushalt immer seine Spar-Konsum-Entscheidung fällen kann, dagegen die Gesamtheit der Haushalte keine Möglichkeit hat diese Netto-Ersparnis zu vergrößern oder verkleinern. Die Haushalte sind gewissermaßen gezwungen den Geldvermögenszuwachs hinzunehmen, was nichts anderes heißt, als daß makroökonomisch gesehen das „Sparproblem“ in 1000 m Höhe platzt. Anders gesagt: die Gesamtheit der Kreditnehmer entscheidet über die Höhe des sektoralen Nettogeldvermögens und nicht die „Sparer“! Die Nettogeldvermögensempfänger qua Leistung (Arbeiter) können zwar versuchen 100% ihres Einkommens auszugeben, nur um den Effekt zu erzielen, daß die (temporäre) Netto-Ersparnis bei den Unternehmerhaushalten anfällt.

        Wenn man so will ist das das monetäre Analogon zum Say´schen Theorem: Der Kredit schafft sich seine eigene Ersparnis! Das Einzige, was man dabei verstehen muß ist, daß Einnahmen, soweit sie nicht zur Schuldentilgung verwendet werden (müssen) zur Ersparnis gehören. Und die bekommt man nicht weg, da können die Haushalte soviel ausgeben wie sie wollen.

      • JEDER Investitionszyklus mündet in der Totalabschreibung des Investitionsgutes, weshalb KEIN Investitionszyklus zu einer Erhöhung des Eigenkapitals der Unternehmen führt. Daran ändert sich auch nichts, wenn man 100 Investitionszyklen gleichzeitig oder zeitverschoben starten lässt. Unternehmen, die in der Lage sind, Geldeinheiten anderer Investitionszyklen zu attrahieren, stehen Unternehmen gegenüber, die an der Eintreibbarkeit des Geldes scheitern. Es gibt kein „Mehr-Geld“, weshalb der Unternehmenssektor ALS GANZES keinen EK-Aufbau betreiben kann. Ein „Mehr-Geld“ gibt es nur unter der Voraussetzung eines externen Schuldners, wenn man das Zwei-Sektoren-Modell zu einem Drei-Sektoren-Modell erweitert. Dann ist der Staat der edle Spender, der die Geldeinheiten zum EK-Aufbau liefert.

        Alfred Felsberger

      • >Das einzige, was für “dauerhafte gesamtwirtschaftliche Akkumulation” von Realvermögen nun nötig ist, ist, daß der Vermögenswert der jeweils in einer Periode neu produzierten Sachvermögenswerte denjenigen der abgeschriebenen Sachvermögenswerte übersteigt.>

        Was Sie hier so blümig beschreiben, ist nichts anderes als die Netto-Investition. Die entspricht aber immer der Netto-Neuverschuldung des Unternehmenssektors und damit dem Geldersparniszuwachs der Haushalte. Es gibt keine Verlängerung der Aktivseite des Unternehmenssektors, ohne dass sich zugleich das Fremdkapital erhöht (Netto-Investition = Netto-Neuverschuldung = Netto-Ersparniszuwachs der Haushalte). Anders gesagt: Das EK bleibt zu allen Zeiten unverändert.

        Alfred Felsberger

      • Man kann sich die Unmöglichkeit des EK-Aufbaus in einem Zwei-Sektoren-Modell (Unternehmen, Haushalte) auch noch auf andere Art vor Augen führen: Was produziert der Kapitalismus? Antwort: Konsumgüter und Investitionsgüter. Die Konsumgüter haben keine Haltbarkeit und werden im Austausch gegen Lohn und ausgeschüttete Gewinne vernichtet. Die Geldeinheiten, die zuvor an Arbeiter- und Unternehmer-Haushalte ausgeschüttet wurden, fliessen bloss zurück. Es gibt, von langfristigen Gebrauchsgütern abgesehen, keine Möglichkeit Konsumgüter zu horten. Sie sind, sowohl als Produkt als auch als Geldstrom, ein Null-Event. Bleiben die Investitionsgüter, die zunächst auf Lager produziert werden. Ja, es ist richtig: Es sind diese Investitionsgüter, die den Arbeitern im Arbeitsprozess „abgepresst“ werden. Aber nun liegen sie auf Lager und um einen Käufer zu finden, muss sich dieser verschulden. Das sind die kaufenden Unternehmen, die nun Finanzierungsmittel bei den Haushalten suchen. So kommt`s zustande, dass sich die Netto-Investition parallel mit der Verschuldung der Unternehmen und der Geldersparnis der Haushalte nach oben schraubt. Anders gesagt: Das im Arbeitsprozess geschaffene Investitionsgut existiert nie für sich alleine, sondern stets Hand in Hand mit der Verschuldung des kaufenden Unternehmens an die Haushalte. Man kann`s provokant auch so formulieren: Gäbe es nur Lager, dann gäbe es tatsächlich einen EK-Zuwachs der Unternehmen. Muss jedoch dieses Lager verkauft werden, dann wechselt der EK-Zuwachs als Geldersparnis in die Hände der Haushalte. Das ist das Geheimnis des Kapitalismus.

        Alfred Felsberger

  10. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. März 2014 | Die Börsenblogger

  11. Die Mächtigen interpretieren die Welt so, dass sie ihren Grundsätzen folgen können. Sie zimmern sich ihre Welt solange zurecht, bis sie gänzlich von ihren Machtgelüsten dominiert wird. Deshalb auch der kluge Satz Bismarck`s: „“Motiven zu Verstimmungen rechtzeitig vorzubeugen, solange es noch mit Ehre möglich ist.“ Wenn das Weltbild der Mächtigen ohne Gesichtswahrung verletzt wird, wenn ihnen ihre Ehre in Quere kommt, dann prallen die Kräfte aufeinander. Das ist alles, was hier abläuft und hat mit Interesse im Sinne einer kausalen, zielgerichteten Karft gar nichts zu tun. Prallen die Kräfte erst mal aufeinander, wird das Chaos in Gang gesetzt, das letztendlich alle behaupteten Interessen zerstört – was allerdings die Schüler Marxens nicht davon abhalten wird noch Jahre danach, wenn der Schaden für alle Beteiligten bedrückend wird, nach dem Interesse zu suchen, der ihn anrichtete.-)

    Alfred Felsberger

  12. Was war die Sowjetunion? Sie hat von sich selbst behauptet: ein Sozialismus zu sein. Gut, soll sie. Man kann allem einen Namen geben. Zunächst aber war sie das alte, zaristische Russland, dass sich entgegen seiner Tradition entschieden hat sich und seinen Machtbereich gegenüber Europa abzuschotten, anstatt weiter Krieg auf dem Kontinent zu führen eine Mauer zu bauen wie einst die Chinesen. Wer die russischen Literaten des 19.Jahrhunderts liest, spürt sofort die tiefe Abneigung gegen den europäischen Liberalismus. Bei Dostojewski mündet das in russischen Grossmachtsphantasien, in der Verehrung eines intellektuellen russischen Adels, der den Europäern die wahren, nicht nur christlichen Werte beibringen sollte. Bei Tolstoi entartet es zu einem anarchistischen Bauernbild, zur Anklage gegen den Staat, das Geld und zur Selbstbeschneidung eines Intellektuellen. Nur wenige wie Turgenew fanden im europäischen Liberalismus ein Zu Hause mit der Konsequenz, dass sie ihr Leben ausser Landes verbrachten. Wenn sich die Sowietunion anti-liberal gab, so aus einer tiefen Überzeugung, die in dem Volk und ihren Intellektuellen seit jeher verwurzelt ist.

    Nichts unangebrachter als diesen Sozialismus an Europa und seinen Effizienzkriterien zu messen, nichts anmassender als ihn mit Europa überhaupt zu vergleichen. Wollte in etwa das alte chinesische Reich mit irgendjemandem verglichen werden, es war sich selbst der Massstab und nur sich selbst. Wer Mauern baut, ist für sich auch immer der Mittelpunkt der Welt. Daher ist das grosse Triumpgeheule der Ökonomen über den Niedergang der Sowjetunion auch weitestgehend entbehrlich. Es ist und war nie ein Modell für Europa und dieses Europa kann die russische Perspektive auch nicht verstehen. Tatsache ist jedoch, dass die fast 200 Jahre währende Sehnsucht der Russen nach einem nicht-europäischen Weg noch lange nicht gestorben ist, dass sie noch lange nicht gewillt sind, diesem Europa um jeden Preis zu folgen. Daher sind auch alle Versuche unserer Intellektuellen, in Russland eine prowestliche Stimmung herbeizuphantasieren von ihrem eigenen Wunschdenken getragen. Anstatt den Russen Zeit zu lassen, sich selbst zu sammeln, werden wir Zeuge einer einzigartigen Bevormundungsaktion, die nichts bewirken wird ausser den russischen Stolz zu wecken und die vorsichtige Annäherung auf Jahre hinaus zu zerstören. Die Europäer benehmen sich wie immer: Sie haben recht und sie werden immer recht haben, Sie sind die grossen Conquistadores.-)

    Alfred Felsberger

    • moneymind

      Hallo Herr Felsberger,

      nochmals:

      Sie schreiben:

      „JEDER Investitionszyklus mündet in der Totalabschreibung des Investitionsgutes, weshalb KEIN Investitionszyklus zu einer Erhöhung des Eigenkapitals der Unternehmen führt. Daran ändert sich auch nichts, wenn man 100 Investitionszyklen gleichzeitig oder zeitverschoben starten lässt. Unternehmen, die in der Lage sind, Geldeinheiten anderer Investitionszyklen zu attrahieren, stehen Unternehmen gegenüber, die an der Eintreibbarkeit des Geldes scheitern.“

      Ja, richtig. Sie ziehen dann den Schluß:

      „Es gibt kein “Mehr-Geld”, weshalb der Unternehmenssektor ALS GANZES keinen EK-Aufbau betreiben kann.“

      Das wiederum ist ein Fehlschluß, weil das EK des Unternehmenssektors als Ganzes (und auch jedes einzelnen Unternehmens) eben nicht nur aus Finanzvermögen besteht, sondern auch aus Realvermögen, das in Abhängigkeit von Ertragsaussichten jeweils auf- bzw. abgewertet wird.

      Der Gewinn besteht nun aus der Differenz zwischen dem Nettovermögen eines Unternehmens in t2 und dem Nettovermögen desselben Unternehmens in t2. Bei gleichbleibendem Finanzvermögen kann er sich daher rein durch Auf- oder Abwertungen von Sachvermögen verändern.

      Da bei aggregierter Betrachtung Finanzvermögensgewinne per definitionem wegfallen (Vermögen – Schulden = 0), ergeben sich Gewinne auf dieser Ebene rein durch Vermögenswertänderungen der Sachwerte.

      Denjenigen Anteil des Realvermögens, der vernutzt und abgeschrieben wird, kann man – wie Sie schreiben – ebenfalls als EK-neutral beschreiben, solange man seinen Wert einfach konstant setzt.

      Nicht jedoch den Anteil, der nicht abgeschrieben wird – also beispielsweise Eigentumsrechte an Grundstücken, Patente, und so weiter.

      Steigen diese im Wert, erhöht sich c.p. natürlich ebenfalls das EK des Unternehmenssektors (und auch eines Einzelunternehmens). Es sind diese Wertschwankungen (die sich daraus ergeben, daß die Gewinnerwartungen der Unternehmer steigen bzw. schrumpfen), aus denen der Unternehmenssektor bzw. die Gesellschaft als Ganze Profite generiert. Wie Sie ganz richtig schreiben, sind gesamtgesellschaftlich aggregiert monetäre Profite unmöglich – nicht jedoch Bewertungsschwankungen der Sachwerte.

      HIer – bei der Bewertung nominell variabler Sachwerte bei nominell fixierten Schulden und Finanzvermögen – liegt daher auch der Schlüssel zum Konjunkturphänomen – und im Übrigen der Schlüssel zum Kern jeder Ökonomie, einer realitätskompatiblen Werttheorie (die Arbeitswerttheorie und die Grenznutzentheorie sind nämlich realitätsinkompatibler Schrott).

      Beste Grüße!

  13. @ soffisticated
    „nachdenken“
    Es hängt vielleicht mit der zeitlichen und räumlichen Offenheit von Modellen zusammen und möglichen mehrfachen Lösungen, die durch lokale Extrempunkte in beinhalteten Kurvenverläufen zu Mehrdeutigkeiten führen?

  14. Sehr geehrter Herr Menendez,

    >Der Kredit schafft sich seine eigene Ersparnis!> Ja, ich stimme mit Ihnen überein – und auch ich muss noch ein bisschen nachdenken über die Frage der Akkumulation. In den letzten Tagen ist mir hie und da der Gedanke gekommen, dass ein EK-Aufbau in einem Zwei-Sektoren-Modell vielleicht doch denkbar wäre. Das hätte allerdings eine Uminterpretation von I = S zur Folge. Ich möchte mich darüber noch nicht äussern, es ist einfach zu schwierig….

    Alfred Felsberger

    • moneymind

      Aber sicher doch.

      Sie müssen ja einfach nur nicht ausschließlich auf die nominell fixierten Finanzvermögen schauen, sondern auch auf die Realvermögen – bei denen dürfen Sie allerdings nicht unterstellen, daß deren Wert unveränderlich wäre. Denn das Sachvermögen – und in die Bewertung eines Unternehmens insgesamt geht natürlich neben dem Finanzvermögen des Unternehmens auch immer sein Sachvermögen ein – wird in Abhängigkeit von Ertragserwartungen bewertet, und jede Neubewertung wirkt sich direkt aufs Eigenkapital aus. Natürlich ist das „Spekulation“.

      Gehen wir nun auf die gesamtwirtschaftliche Betrachtungsebene, so sehen wir: auf dieser Ebene kann es im Rahmen des Modells einer geschlossenen Volkswirtschaft aus saldenmechanischen Gründen kein Netto-Finanzvermögen geben, da sich Finanzvermögen und Finanzverbindlichkeiten immer zu null saldieren. Also kann es auf dieser Betrachtungsebene auch keine monetären Profite geben.

      Aber natürlich besteht das Gesamtvermögen nicht lediglich aus Finanzvermögen, sondern aus Finanzvermögen plus Realvermögen.

      Gesamtwirtschaftlicher Vermögenszuwachst kann daher immer nur ausschließlich vom „Sachvermögen“ (besser: von Vermögensrechten wie Eigentumsrechten, Patenten usw.) kommen – und dieses „Sachvermögen“ ist etwas immaterielles, das mit den Gütern insofern nichts zu tun hat, als ihr „Vermögenswert“ „kein Atom Naturstoff“ (Marx) enthält. Es ist Resultat eines Bewertungsprozesses, es ist ein „soziales Gedankending“, wenn Sie so wollen.

      Hier darf man nicht unvermittelt auf die Ebene von Gütermengen springen und Gütermengen und Vermögenswerte durcheinanderwerfen – die präzise Klärung des Verhältnisses von Güter- und Vermögensebene wäre überhaupt erst Aufgabe für eine der Realität des Kapitalismus entsprechenden Werttheorie, die es bisher offensichtlich noch nirgends gibt (die bestehenden Werttheorien – Arbeitswert- und Grenznutzentheorie – haben dafür einen Erkenntniswert von Null).

      Betrachtet man dagegen die Gesamtwirtschaft aufgeteilt in einen privaten und einen staatlichen Sektor, dann entsprechen natürlich finanzielle Überschüsse der privaten Wirtschaft stets gleich hohe Defizite des Staats, wie Sie richtig beschrieben haben – das ist eine saldenmechanische Trivialität, hat aber mit Gewinnen nichts zu tun, in die ja immer auch Sachvermögenswerte eingehen. Man kann so z.B. sagen, in derselben Höhe, wie der private Sektor als ganzer Geldvermögen hält, muß der Staat finanzielle Verbindlichkeiten haben (und daraus dann eine „staatliche Geldtheorie“ konstruieren, etc.).

      Aber zurück zur Aussage, daß gesamtwirtschaftliche Gewinne nur auf der Sachvermögensebene stattfinden können:

      Nun kann man zwar im Rahmen einer solchen Betrachtung vom Finanzvermögen abstrahieren, um zu obiger Aussage zu kommen. Aber natürlich bestimmen Überlegungen auf der Ebene des Finanzvermögens diejenigen Erwartungen entscheidend mit, anhand derer die Wirtschaftenden ihre nominell variablen Vermögenswerte bewerten. Deswegen brauchen wird für eine monetäre Konjunkturtheorie natürlich wiederum auch die Ebene der Finanzvermögen – hier reichen allerdings rein saldenmechanische Betrachtungen nicht aus, da diese lediglich zeitfreie Momentaufnahmen darstellen. Wollen wir dagegen Konjunktur (und „gesamtwirtschaftliches Eigenkapitalwachstum“) verstehen, müssen wir auch die Fristenstruktur der FInanzforderungen und -Verbindlichkeiten mitbetrachten.

      Und hier kommt man dann auch sehr leicht zu einer monetären Konjunkturtheorie, die – über die Integration der wichtigsten Einsichten der Ökonomie des letzten Jahrhunderts, die von Keynes stammen – auch weitere Aussagen ermöglicht, die essentiell für sinnvolle und den Entwicklungsmustern einer Geldwirtschaft gerecht werdende Geld-, Fiskal-, Defizit- und Finanzpolitik sind.

      Aber dazu ggf. ein andermal mehr.

      • Auch die Finanzanlagen unterliegen Bewertungsschwankungen.
        Wertlosigkeiten in den Büchern blähen die Bilanzen auf und führen bei Wertberichtungen zur Entlastung der Verbindlichkeitenausgeber.
        Sollte der Staat als Rekapitalisierer eintreten?

  15. Sehr geehrter Herr Menendez, sehr geehrter Herr Moneymind!

    Ja, ich habe ein Fehler gemacht! Das schmerzt mich sehr zumal ich schon vor Monaten auf der richtigen Spur war und aus irgendwelchen Gründen sie dann verlassen habe. Meine Ausführungen in den letzten Beiträgen sind daher fehlerhaft. Im Konkreten ist die Gleichsetzung: „Netto-Investition = Geldersparniszuwachs der Haushalte“ falsch. Das alte I = S muss umgeschrieben werden. Genauso wie sich der Kapitalstock des Unternehmenssektors aus Fremdkapital und Eigenkapital zusammensetzt, so teilt sich auch jeder Zuwachs dieses Kapitalstocks (Netto-Investition) in einen Anteil, der auf das Fremdkapital entfällt, und in einen Anteil, der dem Eigenkapital zuzuordnen ist. Es gilt also:

    1) Netto-Investition = Geldersparniszuwachs der Haushalte + EK-Zuwachs des Unternehmenssektors

    wobei der Geldersparniszuwachs der Haushalte dem FK-Zuwachs des Unternehmenssektors entspricht. Mir ist schleierhaft, warum in so vielen Beiträgen zur „Neuen Geldtheorie“ stattdessen das fehlerhafte

    2) Netto-Investition = Geldersparniszuwachs der Haushalte = FK-Zuwachs

    zirkuliert. Ich selbst habe es irgendwo aufgegriffen und seitdem nicht mehr losgelassen. Eine kurze Rückbesinnung auf dìe Marx`schen Reproduktionsschemata zeigt aber, dass diese Gleichung falsch bzw. ein unbedeutender Spezialfall ist, wo der EK-Zuwachs gleich Null ist. Damit fällt auch Ihre Vorstellung, lieber Herr Menendez, dass „der Kredit sich selbst seine eigene Ersparnis schafft“ schlichtweg vom Baum. Die Netto-Investition bewirkt sowohl einen Geldersparniszuwachs der Haushalte als auch einen EK-Zuwachs, weshalb es auch immer einen Anteil der Netto-Neuverschuldung gibt, der in einen EK-Zuwachs und nicht in einen Geldersparniszuwachs mündet. Der Satz sollte korrekterweise lauten: „Der Kredit schafft sich EINEN TEIL der Geldersparnis selbst“. Ich werde im folgenden ein Zahlenbeispiel auf Grundlage der Marxschen Reproduktionsschemata konstruieren, das die Zusammenhänge verdeutlichen soll. Die Zahlen sind willkürlich gewählt und können beliebig ersetzt werden. Fortsetzung folgt…..

    Alfred Felsberger

  16. Wir betrachten eine Ökonomie mit zwei Sektoren: Investitionsgüter und Konsumgüter. Es existieren nur Unternehmen und Haushalte. Bewusst setze ich die jährliche Geldersparnis der Haushalte auf Null um zu zeigen, dass die Netto-Investition in diesem Fall zur Gänze in den EK-Zuwachs fliesst. Der Investitionsgütersektor hat folgendes Aussehen:

    1) 200 GE Löhne + 200 GE Gewinnausschüttungen = 500 GE Investitionsgüter.

    Um die Sache so einfach wie möglich zu halten, unterstelle ich, dass der Investitionsgütersektor als Input nur Arbeit hat. Er zahlt daher 200 Geldeinheiten Löhne an die Arbeiter-Haushalte und 200 GE Gewinnausschüttungen an die Unternehmer-Haushalte und schafft einen Output an Investitionsgütern, dessen Preis ich willkürlich mit 500 GE festlege. Der Konsumgütersektor kauft dem Investitionsgütersektor exakt diesen Output um 500 Geldeinheiten ab. Ferner schüttet er 100 GE Löhne und 100 GE Gewinne aus. Die Preissumme der so produzierten Konsumgüter setzen wir mit 600 GE fest:

    2) 500 GE Investitionsgüter + 100 GE Löhne + 100 GE Gewinnausschüttungen = 600 GE Konsumgüter

    Diese 600 GE Konsumgüter werden von den Haushalten, weil sie nichts sparen, zur Gänze aufgekauft (200 GE Löhne + 200 GE Gewinnausschüttungen + 100 GE Löhne + 100 GE Gewinnausschüttungen = 600 GE). Alle Märkte sind geräumt, das System ist in einem Wachstums-Gleichgewicht: Der Zyklus lässt sich Jahr für Jahr aufs Neue wiederholen. Betrachten wir nun die Bilanz des Investitionsgütersektors nach dem ersten Jahr. Im Ausgangsstadium sind sowohl Aktiva als auch Passiva Null. Dann verschuldet er sich in der Höhe von 400 GE um Löhne und Gewinne auszuschütten. Dafür nimmt er 500 GE aus dem Verkauf der Investitionsgüter ein, das Eigenkapital ist 100 GE, der EK-Zuwachs ebenso.

    Der Konsumgütersektor, der im Ausgangsstadium auch mit Aktiva und Passiva von Null beginnt, verschuldet sich in der Höhe von insgeamt 700 Geldeinheiten, um die Investitionsgüter (500 GE) zu kaufen und um Löhne (100 GE) und Gewinne (100 GE) auszuschütten. Als Abschreibungsperiode der Investitionsgüter setzen wir fünf Jahre fest, sodass die Aktiva des Konsumgütersektors nach Absatz seiner Ware an die Haushalte folgenden Preis haben: Investitionsgüter 400 GE (500 GE – 100 GE Abschreibung), 600 GE Kassa aus dem Verkauf der Konsumgüter. Die Passiva lauten: 700 GE Verbindlichkeiten (Anschaffungsksoten der Investitionsgüter und Ausschüttungskosten). Das Eigenkapital beläuft sich auf 300 GE, der EK-Zuwachs ebenso.

    Wir sehen sofort, dass die beiden Sektoren eine Forderungs-Verbindlichkeits-Beziehung aufgebaut haben, die in Summe Null ist. Den 100 GE Netto-Forderungen des Investitionsgütersektors stehen 100 GE Netto-Verbindlichkeiten des Konsumgütersektors (600 GE Kassa – 700 GE Verbindlichkeiten) gegenüber. In konsolidierter Betrachtungsweise, wo man beide Sektoren aggregiert, hebt sich diese Beziehung zu Null auf. Es gibt keine Aussenverschuldung des aggregierten Unternehmenssektors Richtung Haushalte, weil deren Geldersparnis Null war. Die Netto-Investition belief sich auf 500 GE Investitionsgüter – 100 GE Abschreibung = 400 GE. Der EK-Zuwachs des aggregierten Sektors ist auch 400 GE (100 GE des Investitionsgütersektors und 300 GE des Konsumgütersektors). Es gilt also: Netto-Investition = EK-Zuwachs. Lässt man eine Aussenverschuldung Richtung Haushalte zu, weil jene zu sparen trachten, dann verändert sich die Identität zu: Netto-Investition = EK-Zuwachs + Geldersparniszuwachs der Haushalte.

    Alfred Felsberger

  17. Wie kann man dieses Ergebnis interpretieren? Die Unternehmen verschulden sich eben nicht nur extern gegenüber den Haushalten, sondern auch intern, untereinander, um die Investitionsgüter zu „versilbern“, was aber bei aggregierter Betrachtung wegfällt. Man sieht – mit anderen Worten – immer nur einen Teil der Netto-Neuverschuldung, nämlich jene, die die Unternehmen den Haushalten gegenüber aufbauen. Daneben gibt es aber die interne Verschuldung, die bei aggregierter Betrachtung unsichtbar wird und zum EK-Aufbau führt. Den modernen Geldtheoretikern muss man vorwerfen, dass sie Opfer ihrer aggregierten Betrachtungsweise geworden sind, die nur die Aussenverschuldung der Sektoren sehen will, nicht aber ihre interne. Den Ökonomen muss man vorwerfen, dass sie von I = S sehr wenig verstanden haben, dass sie absurderweise den EK-Zuwachs als Ersparnis deuten. Sinnbild dafür ist die Keynessche Gewinnformel, die unter Annahme eines EK-Zuwachses von Null abgeleitet wurde, um dieses Problem zu umschiffen. Mir muss ich vorwerfen, dass ich zu lange diesem Geschwätz zum Opfer gefallen bin und zu wenig Marx vertraut habe, für den die Existenz von Akkumulation immer eine Selbstverständlichkeit war.-)

    Alfred Felsberger

  18. Soffisticated :
    Die Erdbeere passt jahreszeitlich und süssemäßig nicht zur Menuekomposition ?

  19. Die Gleichsetzung von Investition und Ersparnis, wie es die Ökonomen betreiben:

    1) Netto-Investition = Ersparnis der Haushalte + Ersparnis der Unternehmen

    ist gegenüber der korrekten Identität:

    2) Netto-Investition = Geldersparnis der Haushalte + EK-Zuwachs der Unternehmen

    eine schwere Provokation. Zunächst Marx gegenüber, der auf dem EK-Zuwachs eine ganze Theorie der Menschheitsgeschichte aufbaute: „Akkumuliert, akkumuliert, das ist Moses und Propheten!“. Sie ist auch eine semantische Provokation, weil „Ersparnis“ ein Begriff ist, der auf Geld abzielt, während der EK-Zuwachs durch jedes Aktiva, also sowohl Geld als auch Investitionsgut, erzielt werden kann. Schlussendlich ist sie logisch falsch, weil sie suggeriert, dass der Akkumulationsprozess ein kontinuierlicher Spar-Prozess sei, wo er doch in Wahrheit sich immer wieder aufs Neue beweisen muss, weil alte Investitionszyklen durch Abschreibung sterben. Der Akkumulationsprozess hat also weniger mit einer Dehnung in der Zeit zu tun als mit einer Intensivierung der Zeit, indem in derselben Zeiteinheit immer mehr Investitionszyklen vom Stapel gelassen werden müssen um das Ziel zu erreichen – was Marx im übrigen sehr gut erkannte.

    Schlussendlich hat der fragwürdige Begriff von I = S zu einem ebenso fehlerhaften Verständnis von „Gewinn“ geführt, indem, um all diese Probleme zu umschiffen, der EK-Zuwachs in den meisten Modellen gleich Null gesetzt und bloss der ausgeschüttete Gewinn berücksichtigt wurde. Dieser Fehler hat sich leider auch in der modernen Geldtheorie fortgesetzt. Damit hat die ökonomische Theorie als Ganzes eindrucksvoll bewiesen, dass es ihr weniger um die Wirklichkeit geht, sondern mehr um ein ideologisches Konstrukt, das den Unternehmen eine heroische Spar-Funktion zuweisen will. Sie hat ihren eigenen Klassencharakter offenbart, indem sie den Akkumulationsprozess als „gut“ und „sinnvoll“ darstellen wollte, wo er doch in Wahrheit nichts anderes als eine historische Notwenigkeit einer gegebenen Klassenstruktur ist. Man hat in I = S wie einer Nusschale die ganze ideologische und fehlerhafte Struktur der ökonomischen Theorie vereint.

    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      mir ist die Neigung von Ökonomen, am liebsten die Welt mit einer Formel zu erklären, die auf eine Zeile paßt, durchaus bekannt. Aber so einfach ist das alles nicht, obwohl sich die Neigung Dinge simplifiziert sehen zu wollen immer wieder beobachten läßt. So ist z.B. in den Diskussionen rund ums Geld immer wieder zu beobachten, daß den meisten Leuten die Differenz zwischen Kredit und Geld, also der Verpflichtung einerseits und dem Erfüllungsgegenstand andererseits, zu hoch bzw. zu unbequem ist, um diese als gültig akzeptieren zu können. Ebenso verhält es sich mit der Differenz von Steuerung und Gesteuertem wie es hier bei Ihnen anklingt, obwohl ich mir noch nicht darüber klar bin, ob Sie das tatsächlich so meinen.

      Zumindest scheint in Ihrem Kommentar die Vorstellung vorzuherrschen, daß es doch zu einer Einheit von Gütern (Waren) und Geld kommen müsse, denn Sie behandeln monetäre Ansprüche und Güter (Waren) soweit ich das sehe gleichberechtigt nebeneinander. Das macht es schwierig bis unmöglich zu erfassen, was denn überhaupt mit dem Begriff „Eigenkapital“ gemeint sein könnte. Für meine Begriffe ist dieser Begriff viel zu uneindeutig, als daß er in einer seriösen Problemanalyse Platz finden könnte und das schon deswegen, weil eine Bilanz eine Zusammenstellung inkommensurabler Dinge ist, die nur deswegen erstellt werden kann, weil sie die gleiche Einheit aufweisen, obwohl sie verschiedenen Sachbereichen angehören. Es muß einem doch zu denken geben, daß monetäre Forderungen völlig unterschiedslos mit z.B. Lagerbeständen addiert werden, denen einfach ein Geldpreis zugeschrieben wird. Dagegen ist die „Addition“ von Äpfeln mit Birnen zu „Obst“ ja noch halbwegs sinnvoll!

      Ähnlich ist es mit dem Begriff der Abschreibung, wobei mir nicht klar ist, wie er genau einzuordnen ist. Normalerweise ist die AfA ein fiktiver Aufwandsposten, der bewirken soll, daß ein Unternehmen „nicht von der Substanz lebt“ oder so ähnlich. Ob und inwieweit die AfA irgendetwas mit einer Bestandsveränderung bei den stehenden Zahlungsverpflichtungen (Krediten/ Schuldendienst) zu tun hat, bleibt irgendwie im nebulösen. Das betrifft auch die Frage, warum Sie unbedingt in ein Modell, welches die Zahlungsströme nachzeichnet unbedingt noch damit „erweitern“ wollen, indem Sie anmerken, daß damit ja kein Aufbau von „Eigenkapital“ möglich sei. Sie scheinen das als Fehler anzusehen, wohingegen letztens ‚moneymind‘ den Hinweis gegeben hatte, daß es Eigenkapital ohnehin letztlich nur als Realvermögen geben könne mit dem Verweis auf die Selbstverständlichkeit, daß es ein gesamtgesellschaftliches Nettogeldvermögen schlichtweg nicht gibt.

      Ich habe den Eindruck, Sie möchten diese Differenzierung von Geldvermögen und Sachvermögen nicht akzeptieren und hängen der tradierten Vorstellung an, es müßten sich doch Geld- und Gütersphäre miteinander „integrieren“ lassen. Das ist aus einer Marx-Perspektive auch folgerichtig, weil die Schnittstelle „Arbeit“ die Werttheorie mit der Geldtheorie zu verknüpfen scheint. Es mag sogar möglich sein eine Theorie zu entwickeln, welche diese Verknüpfung abbilden kann und irgendwie einen Nachweis erbringt, daß das Transformationsproblem eine Lösung hat – ebenso wie auch das nutzen- und knappheitsgesteuerte Konzept der allgemeinen Gleichgewichtstheorie eine Lösung hat. Das heißt bloß alles leider nicht, daß eine Lösung auch schon in dem Sinne praktikabel sein müßte, daß sich die Funktionsbedingungen einer operierenden Wirtschaft auch nach diesen Kriterien richten müßte. Es gibt nämlich kein Gesetz, daß die „graue Theorie“ zu einem „grünen Baum des Lebens“ werden müßte.

      Insofern bleibt bei Ihnen im Dunklen, zu welchem Ergebnis ihre Thesen führen sollen, eine Kritik daran, daß ein monetäres Modell keinen Eigenkapitalaufbau thematisiert, kann doch nicht wirklich ein valider Kritikpunkt sein. Man mag ein rein monetäres Modell als „fleischlos“ empfinden und alles vermissen, was an „realen“ Dingen des Lebens noch so wichtig ist. Das liegt aber wohl eher an Auffassungsunterschieden, ob Geld als ein Teil der Ebene angesehen wird, die gesteuert wird und weniger als eine Sache, die zur Steuerung von Ökonomie gehört. Aus der Kybernetik ist jedoch bestens bekannt, daß die Ebenen zwischen Steuerndem und Gesteuertem nicht übersprungen werden können, so daß sich nunmehr die entsprechende Frage anschließt: was ist für Sie die Steuerungsebene des Kapitalismus? Geld kann es nicht sein!

      • moneymind

        Hallo Herr Menendez,

        es käme einfach darauf an, das Verhältnis von Geld- und Gütersphäre realitätsgerecht zu modellieren.

        Das kann nichts mit Gütermengen zu tun haben, sondern nur mit Vermögenswerten, die sich nicht auf die Güter als solche, sondern auf die Eigentumsrechte an ihnen beziehen (Eigentumsrecht = Vermögensrecht). Natürlich werden solche Bewertungen immer von Akteuren in Relation zu Ertragserwartungen vorgenommen – einige der dabei verwendeten Methoden lassen sich jedem BWL-Lehrbuch entnehmen. Damit müssen die Akteure und ihre Bewertungsstrategien explizit und unausweichlich ins Modell hereingenommen werden (wie es Keynes ja richtigerweise versucht hat).

        Auch hier kann man wieder gesamtwirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Betrachtung unterscheiden. „Gewinn“ ist betriebswirtschaftlich die Differenz zwischen Nettovermögen in t1 und Nettovermögen in t2. Sowohl Zuwachs beim Finanzvermögen als auch beim Realvermögen schlagen sich im betriebswirtschaftlichen Gewinn nieder. Aggregiert man im Modell einer geschlossenen Volkswirtschaft alle Gewinne zum gesamtwirtschaftlichen Gewinn, kann in diesen kein Zuwachs von Finanzvermögen eingehen, da dieser konstant immer gleich Null ist. Gesamtwirtschaftlich zeigt sich also: nur Zuwächse von Sachvermögen führen zu Gewinn.

        Natürlich können diese Zuwächse beispielsweise auch bei gleichbleibenden Gütermengen rein durch höhere Bewertungen zustandekommen, die wiederum von optimistischeren Ertragserwartungen ausgelöst sein können (die Leute fühlen sich dann reicher, obwohl sie nicht mehr Güter besitzen).

        In diesem Zusammenhang nochmal der Hinweis auf die interessanten diesbezüglichen Überlegungen von Bruun/Heyn-Johnsen, die die von Marx und Keynes gelegten diesbezüglichen Spuren weiterverfolgen ….

        http://de.scribd.com/doc/193146280/C-Bruun-C-Heyn-Johnsen-Contributions-Towards-a-Framework-for-Understanding-Financial-Crises

      • Mal eine Bemerkung am Rande: ein Modell ist keine Abstraktion der Realität, sondern eine Abstraktion der (eigenen) Vorstellung von Realität (mal vorausgesetzt, daß die Realität existiert🙂 )!

        Was ich nicht so wirklich verstehe ist, daß es offenbar einen dringenden Hang danach gibt, die Geld- und Gütersphäre miteinander zu integrieren, obwohl die versammelten Versuche der Ökonomie als Wissenschaft genau daran gescheitert sind. Stellvertretend für dieses Versagen sind einmal das Transformationsproblem sowie die ‚Cambridge‘-Kontroverse, wo unmittelbar vor Augen geführt wird, daß (bisher) nicht erfolgreich gezeigt werden konnte, daß die Preisrelationen aus technologischen Bedingungen heraus abgeleitet werden können. Bisher hat sich nur ein einziger Versuch behaupten können, nämlich die allgemeine Gleichgewichtstheorie, indem sie unter restriktivsten Annahmen, wobei die Widerspruchsfreiheit der Präferenzen und Technologien noch vergleichsweise schwache Annahmen sind, immerhin einen Existenzsatz für ein derartiges Gleichgewicht ableiten konnte. Und trotz der ungeklärten Zweifelsfragen hinsichtlich der Eindeutigkeit und Stabilität des Gleichgewichts hat sich dieser Denkansatz bis in die heutige Zeit durchgesetzt. Heißt: mit „Realität“ hat der Erfolg einer Theorie nichts aber auch garnichts zu tun. (Und diejenigen, die das immer als bloße Ideologie diskreditieren wollen, dürfen sich einfach eingestehen, daß sie schlichtweg versagt haben.)

        Insofern bin ich mehr als skeptisch wenn es darum geht Sachverhalte zu analysieren, deren Zusammensetzung schon aus so unterschiedlichen Dingen bestehen wie es eben Geld und Güter sind. Der Umstand, daß eine Bilanz nicht nur reale und monetäre Dinge miteinander addiert wird ja noch dadurch getoppt, daß sogar die Banknoten der Kasse und die Forderungen gegen die Hausbank unterschiedslos nebeneinandergestellt werden. Man addiert also die Sache „Banknote“ mit der sozialen Relation „Sichtforderung“. Diese Vorgehensweise kann man dadurch rechtfertigen, daß sie für den mikroökonomischen Zweck „Vermögensübersicht“ benutzt werden und damit der Anwendungsbereich eng eingegrenzt wird. Sobald man aber versucht mit einem derartigen Konzept gesamtgesellschaftliche Analyse zu betreiben steht man sofort auf einer nicht haltbaren Basis, weil die Randbedingungen auf einmal nicht mehr stimmen. Es muß einem doch z.B. zu denken geben, daß in der Definition von M1 die Banknotenbestände der Banken nicht enthalten sind. Fragt man sich nun nach der Ursache dafür, daß Zentralbankgeld manchmal eben „kein“ Geld sein soll, kommt man relativ schnell auf die Idee, daß M1 ein statistisches Konzept ist, welches von der Ökonometrie gebraucht wurde, um irgend so etwas wie die „Geldnachfrage“ schätzen zu können, wo eben die Banknotenbestände der Banken eben KEINE „Geldnachfrage“ darstellen. Wie man weiß wurde damit versucht eine stabile Relation zu ermitteln, die wiederum zur Unterfütterung der „Geldwechselhäufigkeit“ in der Quantitätstheorie gebraucht wurde. Soweit man also die Quantitätstheorie für eine valide Beschreibung der „Realität“ hält, muß man die Kröte schlucken, daß Banknoten, auch wenn sie als das einzige gesetztliche Zahlungsmittel definiert sind, manchmal eben doch kein Geld sind. (Gewissermaßen zur falschen Zeit am falschen Ort.) Die Begründung dafür ist ganz einfach die, daß wohl dann doch irgendjemand mal gemerkt hat, daß man mit der Einbeziehung von Banknoten bei Banken bei der Berechnung von M1 Dinge miteinander addieren würde, die auf entgegengesetzten Seiten der Bankenbilanz stehen. Da wäre der theoretische Kopfschuß dann doch zu offensichtlich gewesen.

        Daß man sich durch Bewertungsspielereien versuchen kann reich zu rechnen ist ja durchaus bekannt und begründet ja auch das Niederstwertprinzip, was soweit ich weiß inzwischen erheblich aufgeweicht worden ist. Egal. Was wesentlich wichtiger sein dürfte ist der Hinweis auf die Unmöglichkeit eines Zuwachses des Nettogeldvermögens und der sich daran anschließenden Frage, ob und wenn ja warum es zu einem Phänomen kommen kann, was vor den Augen der Wirtschaftsprüfer dann als Gewinn angesehen wird. Man kann natürlich versuchen den Gewinn als Eigenkapital zu verpacken, obwohl dabei immer im Nebulösen verbleibt, wie das dann mit ggf. der Ausschüttung zu verstehen ist. Denn irgendwie steht die bohrende Frage von Marx im Raum wie denn der Mehrwert denn nun versilbert werden könne – den Gewinn in das Eigenkapital zu packen verklausuliert das Problem nur mit anderen Worten. Mal abgesehen davon wird dann, wenn Arbeitsteilung mit Hilfe eines Mediums „Geld“ gestaltet wird nicht dann auf einmal zum Naturaltausch übergegangen, wenn es darum geht, die Erträge einer monetären Investition in Empfang zu nehmen. Man kann sich schlecht vorstellen, daß BMW seine Anteilseigner am Zahltag mit einer halben Bremsscheibe beglücken könnte.

        Wenn man sich der Geschichte, daß das gesellschaftliche Nettogeldvermögen stets gleich Null ist stellt und der Versuchung widersteht im Eigenkapital die Begründung für den Gewinn zu suchen, bleibt nicht viel anderes übrig, als sich mit der oft kolportierten Tatsache auseinanderzusetzen, daß weder mehr Geld vernichtet oder zurückgezahlt werden kann als jemals geschaffen wurde – was allerdings auch nur eine andere Formulierung der Marx´schen Frage nach der Versilberung des Mehrwerts ist. Eine valide Antwort darauf steht in dem Post „Dynamische Einsichten…“ wo Gewinn als temporäres Kreislaufphänomen skizziert wird, welches sogar bei einer „passenden“ Kreditstruktur als dauerhaftes Phänomen dargestellt werden kann – und das sogar ohne akkumulierende Schuldenstände zu benötigen. Das Modell ist so „übersichtlich“, daß man lediglich eine Excel-Tabelle benötigt, um sämtliche Transaktionen im Detail nachvollziehen zu können. Und unter diesem Dach der reinen finanziellen Transaktionen, ist noch genug Platz dafür den Aufbau von Realkapital und meinetwegen auch dafür Eigenkapital zu thematisieren. Nur eins darf man nicht: alles in einen Topf rühren und erwarten, daß etwas anderes herauskommt als Eintopf.🙂

        (Die Bruun und Keen und Bezemer Paper kenne ich bereits, so richtig überzeugend sind die auch nicht. Keen hat sich gerade auf sein Keynes-Minsky-Paper einen dicken Rüffel eingefangen, weil er bei der Verarbeitung Marx´scher Gedanken angefangen hat zu schummeln. http://www.economics-ejournal.org/economics/journalarticles/2014-15/version_1/count )

  20. Sehr geeherter Herr Rubycon,

    Man muss immer zwischen ordentlichem Gewinn (= „Kalkulation der Aktiva zu Kaufpreisen“) und ausserordentlichem Gewinn (= Kalkulation der Aktiva zu Marktpreisen“) unterscheiden. In einem theoretischen Modell hat es keinen Sinn das Zweitere erfassen zu wollen, weil die Preissteigerungen von Aktiva (Grund und Boden, Finanzanlagen, etc.) sich einer theoretischen Reflexion entziehen. Praktisch freilich hat der „ausserordentliche Gewinn“ unter Umständen eine grössere Bedeutung als der „ordentliche“, wie man an den täglich steigenden Preisen mancher Aktiva ablesen kann. Ja, man könnte sogar behaupten, dass dies der tatsächliche Wirkungskreis des Staates und seiner Verschuldung ist: die Unternehmensbilanzen durch ausserordentliche Gewinne (Grund und Boden, Finanzanlagen) aufzupäppeln. Ein Staat, der immer wieder aufs Neue Verschuldungseinheiten ins System katapultiert, wird auch Preissteigerungen der Unternehmensaktiva befördern, die er dann über Bilanzierungsregeln in „ausserordentlichen Gewinn“ übersetzt. Der Akkumulationsprozess verkommt so vollständig zu dem, was er im ordentlichen Ursprung bereits ist: die Expansion eines Zahlensystems.

    Alfred Felsberger

  21. Sehr geehrter Herr Menendez,

    >Ich habe den Eindruck, Sie möchten diese Differenzierung von Geldvermögen und Sachvermögen nicht akzeptieren und hängen der tradierten Vorstellung an, es müßten sich doch Geld- und Gütersphäre miteinander “integrieren” lassen.> Ich verstehe ihre Position oder glaube sie zu verstehen. Aber ich (oder: Marx) kann ja nichts dafür, dass der Gesetzgeber die Regel einführt, dass Investitionsgüter zum Anschaffungspreis zu bilanzieren sind. Damit drückt der Gesetzgeber selbst aus, dass er eine Verbindung zwischen monetärer und Sachwert-Ebene wünscht, und zwar exakt in dem Sinne, dass er jede Sache als monetäre Grösse dargestellt sehen will, sodass nicht nur Geldeinheiten zirkulieren sondern auch als monetäre Grössen verkleidete Sachwerte. Und die Unternehmen fügen sich dieser Regel und drängen solcherart auf den Gewinn, der sich eben nicht bloss als Geld, sondern als beliebiges Aktiva darstellen lässt. Nach meinem Dafürhalten konstruieren Sie, indem Sie auf die strikte Trennung der Ebenen beharren, einen Vorwurf an den Gesetzgeber, aber doch nicht jenen gegenüber, die sich an diese Regel halten. Anders gesagt: Die Steuerung des Kapitalismus funktioniert eben unter Einbeziehung aller Ebenen, denen ein Preisschild umzuhängen ist, und nicht nur jener, die Geldeinheiten per se sind. Die „Äpfel und Birnen“, die es zugegebenermassen ja auch sind, werden nicht von mir durcheinandergewürfelt, sondern von dem allmächtigen Staat, der sich das so einbildet und das Spiel nach diesem Kriterium organisiert. Was sollen wir jetzt machen? Wir werden das Spiel nicht ändern.-)

    Alfred Felsberger

  22. >was ist für Sie die Steuerungsebene des Kapitalismus? Geld kann es nicht sein!> Ganz offensichtlich ist die Steuerungsebene ein Zahlensystem, das Geld und Sachwerte nach gewissen Regeln homogenisiert und integriert. Den Unternehmen wird aufgetragen in Geld zu rechnen, und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. Daher ist nicht Geld an sich das Steuerungsinstrument, sondern die Recheneinheit „Geld“, die sich über alle Ebenen spannt. Überspitzt formuliert, gibt es keinen Gegensatz zwischen einer zirkulierenden Geldeinheit und einem zirkulierenden Sachwert, solange ihm ein Preisschild umgehängt wird. Auf dieser Grundlage ist der Gewinn zu berechnen, Steuern zu bezahlen und die ganze Planung zu vollziehen. Dass zwischen Geldeinheit an sich und Sachwert mit Preisschild kein Gegensatz besteht, zeigt sich schon alleine daraus, dass beide aus dem „Nichts“ ins Leben geworfen und so auch wieder vernichtet werden. Wir haben es, anders gesagt, mit einem viel grösseren Zahlensystem zu tun als es durch die Verschuldungseinheiten abgebildet wird: Wir haben zirkulierende Sachwerte und Geldwerte, beide reduziert auf Geldgrössen. Erster können (in toto) zu einem Zahlenplus führen, letztere nicht. Erstere können einen EK-Zuwachs – Akkumulation – bewirken, letztere nicht. Die Aufgabe ist: diese beiden Ebenen zu intergrieren, und zwar nicht auf Grundlage einer Werttheorie – die interessiert niemanden – sondern nach den Vorgaben des Gesetzgebers.

    Alfred Felsberger

  23. Ich will hier keine Verteidigungsrede Marxens halten, denn die ist unangebracht. Sein Geniestreich bestand letztendlich nur darin, dass er den Unternehmenssektor in Investitionsgüter und Konsumgüter disaggregierte. Keine Ahnung, wo er diese Idee her hatte, es wird wohl ein Gefühl dafür gewesen sein, dass Konsumgüter als sofort zu vernichtende Ware keinerlei Relevanz haben und Akkumulation daher nur in Investitionsgüter (oder wie wir heute wissen: im Preisschild, das ihnen umgehängt wird) vonstatten geht. Dass er partout die Akkumulation in anderen Recheneinheiten als Geld erfasst haben wollte, ist sein grosses Versagen. Aber wie weit sind die Ökonomen davon entfernt, die noch immer so tun als sei Akkumulation ein Problem von Privatgelehrten! Das ganze kapitalistische System kracht an dem Tag, wo EK-Zuwachs ausbleibt. Und der Erforschung dieses Problems sollen wir uns nicht widmen?

    Alfred Felsberger

  24. Genau so wie Sie, Herr Menendez, habe ich auch mal die Position vertreten, dass hier Äpfel (Geldeinheiten) und Birnen (Sachwerte) durcheinander geworfen werden. Lange fehlte mir die Einsicht, dass der Staat die Gleichsetzung von Geld und Sachwerte über das Preisschild wünscht, ja erzwingt. Man muss kein Anhänger einer Werttheorie sein, wenn man diesem staatlichen Zwang Folge leistet. Ein Gesetz zur Kenntnis nehmen heisst noch lange nicht: Ein Gesetz dahinter zu erkennen. Ich glaube, es tut der ökonomischen Theorie ganz gut zu begreifen: dass sie nicht nach ihren eigenen Regeln spielt, sondern dass es eine höhere Macht gibt, die die Regeln formuliert. Der Allmachtsgedanke, den die Ökonomen verinnerlicht haben, ist der grösste Hemmschuh dieser Lehre auf dem Weg zur Sozialwissenschaft. Wer den Nutzen, die Arbeit, und so weiter zur Allmacht erklärt, soll ruhig das Gefängnis spüren, in dem der Staat jene sperrt, die die Regeln brechen. Damit meine ich nicht, dass ich den Staat seiner Gewalt wegen zu bewundern habe – im Gegenteil -, sondern bloss: als Sozialwissenschaft zu berücksichtigen habe, in welchem Raum ich mich bewege. Was Marx intendierte, war ja nichts anderes als die Umgehung der Staatsmacht, als die Ableitung der Staatsmacht von einer höheren Macht: der Arbeit. Man kann beruhigt sagen: Dieses Gedankenexperiment ist gescheitert! Aber wie scheitern erst jene, die so tun als ob der Staat gar nicht existierte?

    Alfred Felsberger

  25. Sehr geehrter Herr Moneymind,

    Sagen wir mal so: Der Autor stolpert sich ins Ziel. Ich glaube nicht, dass er sich dem Entscheidenden bewusst ist. Brunn schreibt:

    1) Q + S = I, auf Deutsch:

    2) EK-Zuwachs + Geldersparniszuwachs der Haushalte = Netto-Investition

    hier bricht er ab anstatt fortzusetzen:

    3) EK-Zuwachs + FK-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition

    Was heisst: Bei gegebener Netto-Investition wird der EK-Zuwachs umso grösser sein desto kleiner der FK-Zuwachs ist. Was wiederum heisst: Dass der EK-Zuwachs von der Innen-Verschuldung des Unternehmenssektors bestimmt wird. Entscheidet sich der Unternehmenssektor die Netto-Investition bloss über Aussen-Verschuldung (FK-Zuwachs = Geldersparniszuwachs der Haushalte) zu finanzieren, wird der EK-Zuwachs im Extremfall Null. Entscheidet sich der Unternehmenssektor die Netto-Investition über gegenseitige Verschuldung zu stemmen, wird der EK-Zuwachs maximal. Daher ist die Preispolitik der Unternehmen auf möglichst schnelles Eintreiben der Aussenverschuldung angelegt: Man „quetscht“ die Haushalte in einem Auktionsverfahren aus mit dem Ziel ihren Geldersparniszuwachs zu minimieren.

    Alfred Felsberger

  26. Dass der Traum der Unternehmen, den EK-Zuwachs bei gegebener Netto-Investition zu maximieren, was heisst: die gesamte Netto-Investition über Innen-Verschuldung zu stemmen, nicht aufgehen kann, davon ist auszugehen. Zu gross ist der Wunsch der Haushalte nach Geldersparniszuwachs, zu viele „Schnäppchenjäger“ sind unterwegs, die sich erst bei der dritten oder vierten Auktionsrunde (= Preissenkungsrunde) zu einem Kauf motivieren lassen. So ist der ganze kapitalistische Prozess ein ewiges Ringen um die „gleichgewichtige“ EK-FK-Quote des Unternehmenssektors, wo das „Geld-Verlangen“ der Unternehmen und der Haushalte im Gleichgewicht ist Die Unternehmen wollen sie nach oben drücken, die Haushalte nach unten, ohne freilich zu wissen was sie tun. Dabei wird man zwischen kurzfristigen und langfristigen Schwankungen der EK-FK-Quote unterscheiden müssen. Konjunkturelle Abschwünge drücken die die Quote kurzfristig nach unten, ein allgemeiner „Sättigungsprozess“ langfristig. Über Hand nehmende Geldersparniszuwächse der Haushalte über viele Perioden hinweg sind ein klares Zeichen für Sättigung.

    Alfred Felsberger

  27. „Sättigung“ ist natürlich immer in Relation zur Verteilung zu sehen: Leicht möglich, dass der, der kaufen will, nicht kann und der, der kaufen könnte, nicht will. Sättigung ist auch in Relation zur Bedürfnisschaffungs-Fähigkeit des Kapitalismus zu sehen. Leicht möglich, dass der, der heute nicht mehr kaufen will, es morgen tut, weil ein neues Bedürfnis, sprich: Produkt, geschaffen wurde. So gibt`s im Grunde keinen Begriff, der das Spannungsverhältnis zweier Kräfte – Verteilung und Bedürfnis – in Relation zum Kaufverhalten setzt. Aus Verzweiflung spricht man halt von „Sättigung“.-)

    Alfred Felsberger

  28. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Ich wehre mich gegen die Vorstellung, dass es in einem Modell, dass nur auf Forderungs- und Verbindlichkeits-Beziehungen fusst, zu einem Eigenkapital-Zuwachs kommen könnte. Wenn die Summe aller Forderungen der Summe aller Verbindlichkeiten entspricht, ist jedes „Forderungen > Verbindlichkeiten = positives Eigenkapital“, das ein einzelnes Unternehmen erzielt, von einem „Verbindlichkeiten > Forderungen = negatives Eigenkapital“ begleitet, das ein anderes Unternehmen erzielen muss. Damit ist von vornherein klar, dass in einem reinen Forderungs-Verbindlichkeits-Modell der Gewinn, der eingeführt wird, nur ein ausgeschütteter Gewinn sein kann. Man konstruiert den Gewinn völlig analog zu Lohnzahlungen, indem ex ante, auf der Grundlage neuer Verbindlichkeiten, Einkommen an die Haushalte ausgeschüttet wird. Das hat mit dem ökonomischen Prozess nichts zu tun, sondern ist eine reine Machtfrage: Wie stark sind Arbeiter und Eigentümer im sozialen Gefüge, um Ausschüttungen zu erzwingen?

    Der ausgeschüttete Gewinn wird – genauso wie der Lohn – im Voraus bezahlt, auch wenn sich die Akteure dessen nicht bewusst sind. Wann immer ein Unternehmen Löhne oder Gewinne ausschüttet, reduziert es Kassa oder baut FK auf, erhöht also, mit anderen Worten, seine Netto-Verschuldung. Was den Ökonomen beim Lohn noch einsichtig ist, verschwimmt beim ausgeschütteten Gewinn. Sie behandeln gleiche Ströme als verschiedene Tatbestände. Schlimmer noch: Sie glauben durch eine Annahme etwas beweisen zu können. Was würde man über einen Theoretiker sagen, der Lohnzahlungen modelliert, und dann beweist, dass Löhne existieren? Genauso gehen die Ökonomen beim ausgeschütteten Gewinn vor: Sie setzen etwas voraus was sie dann als Beweis für dessen Existenz nehmen. Der ausgeschüttete Gewinn wird Null, wenn ich keine Ausschüttung zulasse genauso wie der Lohn. Nehme ich ihn in mein Modell, existiert er, tue ich es nicht, existiert er nicht. Mehr gibt`s darüber nicht zu sagen.

    Absurd ist die Vorstellung, dass zunächst EK-Zuwachs stattfinden muss, damit sich die Unternehmen zu einer Gewinnauschüttung durchringen. EK-Zuwachs ist nicht relevant, weil Ausschüttung in allen Fällen Netto-Neu-Verschuldung heisst. Niemals wird die Ausschüttung aus dem thesaurierten Gewinn betrieben, immer: aus Verschuldung. Daher ist es auch nicht möglich von der Existenz des ausgeschütteten Gewinns auf die Existenz des thesaurierten Gewinns zu schliessen wie es manche tun. Der ausgeschüttete Gewinn ist Ausdruck eines Machttatbestandes: Man schüttet aus, weil es die Eigentümer wollen. Ob ein thesaurierter Gewinn vorliegt oder nicht, ist für diese Machtfrage irrelevant. Mehr noch: Der ausgeschüttete Gewinn hat genau dann keinen Einfluss auf den thesaurierten Gewinn, wenn er zur Gänze wieder zu den Unternehmen zurückfliesst. Nur, wenn es zu Geldersparniszuwächsen der Eigentümer-Haushalte kommt, reduziert sich der thesaurierte Gewinn um exakt diesen Betrag genauso wie bei den Geldersparniszuwächsen der Arbeiter.

    Die ganze Flachheit der ökonomischen Theorie zeigt sich darin, dass sie sich bis heute weigert, den Gewinn in seine zwei Klassen zu zerlegen. Von der semantischen Verwirrung abgesehen, die sich solcherart bildet, ist es auch eine eklatante Verwechslung zwischen einem Machttatbestand und einem ökonomischen Prozess, der von der Netto-Investition und dem EK-Zuwachs getragen wird. Der ausgeschüttete Gewinn ist ein Entscheidungsprozess, eine Machtfrage zwischen Unternehmen und Eigentümer genauso wie der Lohn, der thesaurierte Gewinn ein Aneignungsprozess, in dem Investitionsgüter, die im Arbeitsprozess entstehen, unter der Hand angeeignet werden. Das Schlimme ist, dass, wenn man beide Gewinnkategorien ineinander vermengt und von einem Gesamtgewinn spricht, der Prozess der Ausbeutung einfach zu einem Preisaufschlag uminterpretiert wird. Falsch! Es wird nichts aufgeschlagen, es werden die Investitionsgüter angeeignet, die im Arbeitsprozess entstehen. Und daneben wird ausgeschüttet – kein Gewinn, sondern Verschuldung!

    Alfred Felsberger

  29. Die Frage nach der „Versilberung des Mehrwerts“ bezieht sich bei Marx immer nur auf den thesaurierten Gewinn, mit solchen „Kleinigkeiten“ wie der Ausschüttung musste er sich zu einer Zeit, wo die Basis und das Konsumbedürfnis der Kapitalisten noch eng war, gar nicht abgeben. „Mehrwert“ an sich ist thesaurierend definiert, auch wenn Marx keine Vorstellung davon hatte, was überhaupt Verbindlichkeiten seien. Das ganze Werk ist doch so konstruiert, dass auf der Passivseite der Bilanz kein Fremdkapital, sondern nur Eigenkapital steht. Die Aussagekraft so eines Gebildes ist äusserst rudimentär: Die Aktiva wachsen mit der Netto-Investition und das Eigenkapital im Gleichschritt mit. Wir wissen heute, dass das nicht mal theoretisch möglich ist, weil kein Unternehmen ohne Aussenverschuldung Richtung Haushalte auskommt. Er hat sich einfach eine Welt zurechtgezimmert, wo durch Arbeitskraft Konsum- und Investitionsgüter entstehen, von denen die ersten durch Konsumtion vernichtet werden und die zweiten von den Unternehmen akkumuliert werden. Folglich konnte er die Frage nach der Versilberung des Mehrwerts, wie denn die Unternehmen die Investitionsgüter kaufen, auch nicht beantworten.

    Der Stellenwert der „Werttheorie“ in diesem Werk wird masslos überschätzt: Dass die Investitionsgüter angeignet, den Arbeitern entrungen werden, dafür brauche ich nicht die Voraussetzung, dass alle Waren sich in Arbeitszeit auflösen müssen. Es genügt einzusehen, dass nur eine Klasse arbeitet: Die Arbeiter. Seine viel strapazierte Doppelwelt „Schein (= Preis) und Wirklichkeit (=Wert)“ ist bei näherem Hinsehen auch nur ein Verkaufsschlager: Denn wenn ich die längste Zeit des Werkes: „Preis = Wert“ setze, kann ich auf die Doppelwelt auch gleich verzichten. Es ist einfach, vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet, im höchsten Ausmass nebulös, was Marx mit diesen Täuschungsmanövern eigentlich wollte. Es erschliesst sich erst, wenn man versteht, dass er eine soziologische Theorie konzipieren wollte, der der „toten Arbeit“ die Gewalt über die lebendige einräumt. Er wollte die Geschichte der Menschheit, die zu aller Zeit Ausbeutung ist, in einer Art Bruckner`schen 9.Sinfonie ins Himmelreich auflösen: „Seht her, Ihr habt Ausbeutung so weit pervertiert, dass ihr den Göttern der toten Arbeit folgt!“ Er wollte nicht nur anklagen, er wollte befreien.

    Alfred Felsberger

  30. In einem gewissen Sinne stellen sich die Ökonomen – nicht alle, aber viele – selbst ein Bein. Sie machen aus zwei Fragen:

    1) Ist „ausgeschütteter Gewinn“ in einer reinen Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null möglich?

    2) Ist „thesaurierter Gewinn“ in einer reinen Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null möglich?

    eine Frage:

    3) Ist „ausgeschütteter und thesaurierter Gewinn“ in einer reinen Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null möglich?

    Man begreift sofort: dass es auf diese Frage keine sinnvolle Antwort gibt, genausowenig wie auf die Frage: Kann rot und grün in einer roten Farbenwelt existieren? Es ist einfach nur sinnlos. „Ausgeschütter Gewinn“ ist eine simultane Buchung von Forderung und Verbindlichkeit: das Unternehmen bucht passiv, der Eigentümer-Haushalt aktiv. Nichts wird dadurch in einer Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null verändert: Was in Summe Null ist, bleibt Null. Anders beim thesauriertem Gewinn, wo die Summe der Forderungen und Verbindlichkeiten sich erweitert zu: Aktiva + Forderungen = Verbindlichkeiten, daher der „Überschuss“ die Aktiva sind. Also auf den Punkt gebracht:

    1) Ist „ausgeschütteter Gewinn“ in einer reinen Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null möglich?

    Antwort: Ja.

    2) Ist „thesaurierter Gewinn“ in einer reinen Forderungs-Verbindlichkeitswelt mit Summe Null möglich?

    Antwort: Nein. Das war`s, kurz und schmerzlos, aber viele bevorzugen bekanntlich Schmerzen.-)

    Alfred Felsberger

  31. @ A. Felsberger

    Deshalb wird in der Doppik neben der Aufwands- und Ertragsrechnung die zahlungsorientierte Kapitalflussrechnung (Kassenhaltung) geführt.
    In den Gemeindehaushaltsverordnungen-Doppik gibt es neben der Ergebnisrechnung die parallele Finanzrechnung verbindlich vorgeschrieben. Damit wird diese Dualität abgebildet, die Sie zu ihren Differenzen führt.
    In einem Konzern ist das die Aufgabe eines zentralen Cashmanagements, wenn im Rechnungswesen aufgebaut.
    Wichtig der Finanzstatus zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit.
    Das, was den Schuldenstaaten des Euro kaum noch gelingt, daher immer wieder die Termine mit ihren Zahlungsverpflichtungen und deren Refinanzierungen. Das BVerfG hat der Bundesregierung geglaubt, durch die Finanzagentur jederzeit eine staatliche, nationale Schuldenaufnahme zu gewährleisten. Ende der Bedenken – so einfach geht das.

  32. Mit den konkreten Zahlen und Planungen :
    http://www.deutsche-finanzagentur.de/startseite/

    „Germany: Europe ́s benchmark issuer with a nominal funding volume of € 205* bn in 2014.
    We are service provider for and controlled by the Federal Ministry of Finance.
    We manage the Fedral Government ́s issuance activities, debt and liquidity.
    * According to the announcement in December 2013“
    Und dann kommen die Bundesländer und Kommunen noch dazu .

  33. Die Finanzrechnung schliesst mit der Aktivposition Kassenbestand .
    Ist dieser negativ wird vorgetragen und durch das Rechnungsergebnis des Folgejahres ausgeglichen. Bei einer Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung kann das analog praktziert werden und durch ein ewiges GoingConcerPrinzip des Staates endlos erfolgen und durch Geldschöpfung und -Geldaussgabe der Zentralbank garantiert werden.

    Und das wegen der Deflation demnächst die Helikopter mit Euroverteilung starten ist doch auch OK oder?
    Hauptsache der Konsument bekommt genug.

    • Dann muß sich die EZB auch eine gute Begründung einfallen lassen, daß das nicht mit OMT in Verbindung gebracht wird. Eine gute Begründung wäre, die Lasten der Bankenrettungen aus den Schuldpositionen der Staaten zu neutralisieren, denn dadurch wurde ja erst die Überschreitung der 60% Maastricht-Grenze erst richtig befeuert. Und da das alle EURO-Staaten betrifft bräuchte es auch keine politischen Rivalitäten zu geben – da sind alle Finanzminister gleich. (Nicht ausgeschlossen ist jedoch, daß irgendwelche Anti-EURO-Fundamentalisten dagegen wieder klagen würden.)

      https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/16/privater-ertragsverlust-ja-staatshaftung-nein/

      • Lieber Soffi:

        Im Sinne einer weberschen Wirkungszusammenhangsprozesskette:

        Eigenkapital wird wie Fremdkapital behandelt, es gibt keine Differenzen aus Schuld- und Guthabenzinsen mehr.
        Tatsächliche Investitionen / Leistungen bestimmen die Renditehöhe.
        Marktplatz-Online ergibt die Transaktionakosten des Serviceanbieters – Standardisierung führt zur Minimierung der Kosten.
        Überflüssigkeit der Geschäftsbanken bringt Systemkrise.
        Zentralbank über Internet und Onlinebanking als Geldprovider in Echtzeit über Ländergrenzen hinweg für jeden erreichbar ist die neue unabhängige politische Instanz.
        Puh mehr geht nicht !

      • So einfach ist es nicht, denn schon seit langem wird Fremdkapital gegenüber Eigenkapital steuerlich bevorzugt. Man kann ja über eine Schuldenkrise jammern und dennoch ignorieren, daß man sie selber erzeugt. Das bewirkt noch nicht einmal kognitive Dissonanz!

      • Per Smartphone / Tablet können mit dem zuständigen Zentralbankbroker die Konditionen für das Investment abgestimmt werden, wobei die aktuellen historischen Branchen- und Regionaldaten als Grundlage dienen z.B. Ausfallquoten.
        An denen wird sich auch die interne Kalkulation zur Preisermittlung der Produkte orientieren 😉
        Überschuß ist Kapitalerhöhung (ohne Unterscheidung EK-FK oder Ausschüttung-Thesaurierung sowie Ergebnis-Finanzrechnung).
        Be positivly visionary …

  34. >Die Hubschrauber werden startklar gemacht>. Naja, was sonst? Ist es wirklich eine Überraschung? Überraschend ist bloss wie lange die Verantwortlichen das Gegenteil beteuerten.-) Wir befinden uns in einer schweren Bilanzrezession, europaweit schrumpfen die Bilanzsummen der Geschäftsbanken. Wo sind die Akteuere, die noch Verschuldungsbereitschaft haben und die auch noch kreditwürdig sind? Ich sehe nur einen: den Staat. Zunächst wird irgendetwas von der EZB gekauft, am Ende: Staatsanleihen. Es muss so kommen, es geht nicht anders. In Österreich sagt man: Man kann nicht gegen den Wind pischen.-)

    Alfred Felsberger

  35. Hat`mir heute ein Freund zugeschickt: eine Statistik von der ÖNB-Webseite:

    Zinspapiere aus Österreich:

    Gesamt
    2011 … 497 Mrd
    2012 … 483 Mrd
    2013 … 478 Mrd

    Das Gesamtvolumen schrumpft also.

    Aber einer wächst gegen den Trend…

    Staat
    2011 … 185 Mrd
    2012 … 193 Mrd
    2013 … 199 Mrd

    Tja, Willkommen im Staats-Kapitalismus!

  36. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Wir werden noch einige Umdefinierungen erleben, da bin ich frohen Mutes. Wenn die NB`s erstmal die Staatsanleihen aufkaufen, werden sie sie auch eines Tages umbenennen: Anstatt Staatsanleihe – na, wir wär`s eigentlich mit Muscheln? Macht sich doch gut auf der Aktivseite.-) In Österreich würde sich sofort eine entspannte Stimmung breitmachen, wenn es nicht mehr hiesse: Wir haben 200 Milliarden Staatsschulden, sondern: bei uns zirkulieren 200 Mrd. Muscheln.-) Und wisst ihr was? Wir fühlen uns gut dabei! Ein Touristikland wie Österreich erkennt hier sofort neue Chancen.-)

    Alfred Felsberger

  37. Eine Welt, die sich über ein Zahlensystem steuert, unterliegt einer Vernunft, die der Zahl entspricht: kalt, abstrakt, entmenschlicht, rational, auf den Endzweck reduziert. Nichts verräterischer als die moderne Stadt, die quadratförmig und rasterartig angeordnet, ihre Wolkenkratzer nach Meter in die Höhe schraubt. In dieser Welt ist kein Platz für ein ästhetisches Empfinden, das über den Zahlenstift hinausgeht, das Äussere ist genauso kalt wie das Innere. Ein Wunder, dass es hier überhaupt noch menschliches Leben gibt, Schicksale, Hoffnungen, Leid und Glück, denn alles wird durch den Fleischwolf der Zahl gezogen. Dabei entsprcht der Zwang des Zahlensystems der Ausformung des Gewissens, einer inneren Stimme, die Zuwiderhandeln mit Selbstkasteiung bestraft. Es bedarf keiner Klassen, keiner Unterdrückten, keines Staates, um die Gesetze des Zahlensystems zu entfalten, sie entfalten sich im Hirn der Zivilisierten selbst und fordern erst dann die Institutionen ein, die ihnen entsprechen. Die Statistik zum Zwecke der Bevölkerungsverwaltung, die Polizei, die Gesundheitspolitik, das Melderecht, das Steuerrecht, die Datenverwaltung, alles Auswüchse eines Zahlensystems! Nicht die „Plusmacherei“ (K.Marx), die ewige Expansion des Zahlensystems, ist Grund für den moralische Aufschrei des Menschen, sondern das Zahlensystem selbst, das unsere Existenz auf eine Ratio reduziert, die alles archaische Empfinden verunglimpft. Der ewige Traum des „Zurück zu den Naturverhältnissen“ ist die Sehnsucht des Menschen das Zahlensystem und seine Logik zugunsten eines „archaischen Miteinander“ abzuschütteln. Die kognitive Dissonanz, von der Sie sprechen, lieber Herr Menendez, hat ganz andere Dimensionen als Sie vermuten: Wir fühlen uns unwohl, eben weil wir eine Vielzahl an Wahrnehmungen haben, von denen nur eine akzeptiert wird: die der Zahl.

    Alfred Felsberger

    • @ felsberger2012

      Danke für Inspiration und Gefühle, die Sie mit Ihrem Geist hervorbringen.
      Kann nicht alles hier zurückbringen.
      Vielleicht etwas motivierendes, schönes jenseits von Zahlen:

      Bin in der Grundschule mit Logischen Blöcken gebildet und bilde mir ein, hinter diese zu schauen.
      Deshalb, erst wenn Du weisst wo Du herkommst, wirst Du ahnen wo Du hinkommen kannst.
      Interessant die Psychoanalysen von C G Jung und S Freund – zur Dialektik und Unterhaltung. Bringt viel Erkenntnis.😉

  38. Sehr geehrter Herr Rubycon,

    Ich nehme das Kompliment entgegen – und reiche es gleich an Adorno/Horkheimer weiter.-) Es sind nur längst verschüttete Gedanken, mehr ist es nicht. Es tut nur gut: manchmal daran zu erinnern.

    Alfred Felsberger

  39. Für Ökonomen, die sich in die Höhle der Löwen begeben:

    Hoffentlich mit Vergnügen am Sonntag .

  40. moneymind

    Hallo Herr Menendez,

    da es oben keine Antwortmöglichkeit gibt, kurz hier:

    Sie schreiben:

    „Was ich nicht so wirklich verstehe ist, daß es offenbar einen dringenden Hang danach gibt, die Geld- und Gütersphäre miteinander zu integrieren, obwohl die versammelten Versuche der Ökonomie als Wissenschaft genau daran gescheitert sind. “

    Ja, die Ökonomen sind bisher daran gescheitert, in makroökonomischen Modellen das Verhältnis von Geld- und Gütersphäre so zu beschreiben, wie es die Wirtschaftenden in der Praxis handhaben.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie nun der Meinung, daß man dies deshalb, weil es bisher nicht gelang, gar nicht probieren soll. Verstehe ich Sie da richtig? Dann frage ich mich, wieso Sie sich noch mit dem Versuch beschäftigen, Geldwirtschaft verstehen zu wollen.

    Sie schreiben weiter:

    „Insofern bin ich mehr als skeptisch wenn es darum geht Sachverhalte zu analysieren, deren Zusammensetzung schon aus so unterschiedlichen Dingen bestehen wie es eben Geld und Güter sind.“

    Dann müssen Sie sich in ihrem akademischen Kämmerlein (Ökonomie-Zelle?) einmauern und dürfen Sie sich nicht mit Bilanzen beschäftigen. Oder nur mit fiktiven Bilanzen, in denen „Sachwerte“ nicht existieren. Doch dann müssen Sie immer noch diejenigen „Sachwerte“ aus ihrem Modell heraushalten, die zu den haftenden Sicherheiten der Forderungen zählen, mit denen allein sie dann noch hantieren können …

    Im Übrigen geht es natürlich nicht um „unterschiedliche Dinge wie Geld und Güter“. Das „Vermögen“, das Güter repräsentieren, ist keine Eigenschaft dieser Güter, sondern bezieht sich lediglich auf das Eigentumsrecht an diesern Gütern. Deswegen nennt man Eigentumsrechte auch Vermögensrechte. „Vermögen“ ist also nichts materielles, sondern eine soziale Konstruktion, die eine bürgerliche Rechtsordnung voraussetzt. Ohne die kein „Vermögen“, keine monetisierbaren Nominalforderungen, keine boom / bust-sequenzen.

    Es geht also nicht einmal um „Güter“ und einmal um „Geld“ oder auch „Nominalforderungen“. Es geht ausschließlich um Rechtstitel – beim „Sachvermögen“ ebenso wie bei „Nominalforderungen“.

    Und die fürs Verständnis von „Geldwirtschaft“ entscheidend ist das Verhältnis von nominal fixierten Forderungen und nominal variablen haftenden Vermögenswerten (denn immer zählen zum haftenden Vermögen auch forderungslose Vermögenswerte). Letztere bewertet der Gläubiger im Moment der Kreditvergabe subjektiv. Und zwischen der Bewertung der Sicherheiten und der Kreditvergabe besteht dabei ein wunderbares „reflexives Verhältnis“ positiven Feedbacks, das beispielsweise George Soros in „Alchemy of Finance“ schön beschreibt, und bei dem Einkommenserwartungen die Bewertung des Sachvermögens bestimmen. Oder jedes keynesianische Lehrbuch, wie das von Heine/Herr, im Abschnitt „Finanzmarktkrisen“. Da fehlt nur noch die Einsicht, daß in der Realwirtschaft der grundlegende Prozess von Kreditvergabe und Bewertung (samt Feedbackschleife) auch nicht grundlegend anders verläuft.

    Aber natürlich darf all das nicht existieren, weil die bisherige akademische Wirtschaftswissenschaft sich ja erfolglos mit dem Verhältnis von „Geld- und Gütersphäre“ (lol) herumgeschlagen hat, während die Praktiker einfach tun, was nötig ist.

    • Ich will ja niemandem vorschreiben, was er sich auf die Forschungsagenda schreibt, ich möchte lediglich darauf hinweisen, daß es offenbar ein paar Unvereinbarkeiten gibt, welche eine derartige „Integration“ nicht aussichtsreich erscheinen lassen. Die Frage der Unvereinbarkeit hängt an der Kommensurabilität dessen was „integriert“ werden soll.

      Eine dieser Geschichten betrifft die Frage, womit man den Gewinn bezahlen kann. Ihre Anmerkung hinsichtlich der Tatsache, daß ja Sachwerte schließlich auch in der Bilanz stehen klärt nicht, wie ein Unternehmen an das Geld kommen soll, welches für die Zahlung von Gewinn gebraucht wird. Sie können die Frage für irrelevant halten, nur irgendwie sind die Bedingungen hinsichtlich der Liquidität von Unternehmen nicht gerade ein Ruheplätzchen, wenn es darum geht zu zahlen. Das geht mit Sachwerten im Kreditgeldkapitalismus nicht.

      Sie können gerne alles als Rechtstitel auffassen, nur kann man mit manchen Sachen für die man einen Rechtstitel besitzt zahlen und mit anderen nicht. Das hat nichts mit „fiktiven Bilanzen“ zu tun, sondern mit einer Differenzierung zwischen Geld- und Sachvermögen. Herr Felsberger ist ja auch stets dabei, wenn es darum geht Gewinn in ein Eigenkapital zu packen, weil sich im Eigenkapital keine Zurechnung widerfindet, ob es nun monetär oder real ist. Die Nummer ist allerdings nur eine Ausrede für das gesamtwirtschaftliche Gewinnproblem, weil man je nach erforderlicher Richtung die Bewertungsansätze beliebig nach oben und nach unten definieren kann, so daß eine Halde unverkäuflicher Waren auch noch als „Wert“ geführt werden kann. Damit löst man aber kein Problem, sondern setzt die Betrachtung von Ökonomie einer Beliebigkeit aus, mit der man buchstäblich alles beweisen kann. Wozu soll das gut sein?

  41. moneymind

    Hallo Herr Menendez,

    sie schreiben:

    „Die Bruun und Keen und Bezemer Paper kenne ich bereits, so richtig überzeugend sind die auch nicht.“

    Was die beiden schreiben, ist doch weder überzeugend noch nicht überzeugend, sondern schlichte Logik:

    In SFC-Modellen ist die Summe aller Forderungen und Verbindlichkeiten gesamtwirtschaftlich immer Null. Daher kann in der Gesamtwirtschaft niemals ein Überschuß der Forderungen über die Verbindlichkeiten (Nettoguthaben) entstehen. Ein Überschuß der Verbindlichkeiten über die Forderungen (Schulden) ebenfalls nicht.

    Betriebswirtschaftliche Gewinne beziehen sich aber nicht aufs Finanzvermögen, sondern aufs gesamte Nettovermögen (Finanzvermögen plus forderungslose Vermögensrechte – wie Eigentumsrechte (incl. „Sachvermögen“), Patente, usw.

    Da sich gesamtwirtschaftlich nun Forderungen und Verbindlichkeiten immer zu Null saldieren, können auf gesamtwirtschaftlicher Ebene Vermögensänderungen nur durch Veränderungen im Wert der nonfinancial assets (forderungslose Vermögenswerte) entstehen: sowohl Gewinne (im Boom) als auch Verluste (in einer deflationären Depression).

    Entscheidend für Boom und Depression sind damit gesamtwirtschaftlich v.a. die Bewertungsprozesse. Und die wiederum nehmen Wirtschaftssubjekte in Bezug auf zukünftige Erwartungen und Pläne vor – zu den wichtigsten davon zählen natürlich Einkommenserwartungen … womit wir wiederum bei Soros‘ „reflexivem Verhältnis von Kredit und Sicherheiten“ wären … und Kreditwirtschaft trivial einfach erscheint.

    Jetzt kann man natürlich große Diskussionen über „currency vs. credit“ beginnen, die sind aber allesamt überflüssig. Die Lösung ist einfach, Erwartungen antizyklisch zu beeinflussen, und zwar über credit itself. Das kann am besten derjenige Wi-Teilnehmer, der der stärkste Gläubiger und deswegen auch der kreditwürdigste Schuldner ist, der Staat. Der unterliegt nämlich deswegen auch nicht dem Zwang zu prozyklischem Handeln, dem die privaten Einzelsubjekte im eigenen Interesse folgen müssen.

    Kurzfristige Entwicklungen kann die Zentralbank besser über ihre geldpolitischen Instrumente beeinflussen. Ganz kurzfristige und schnelle Entwicklungen, wie durch realwirtschaftliche Aktivität ungebremste Finanzmarkt-booms und busts, unterbindet man am besten recht umfassend, beispielsweise über ein Trennbankensystem, Finanztransaktionssteuern, die Schließung des Devisenmarkts durch ein internationales Währungssystem, etc.

    Längerfristige Gesamttrends dagegen kann nur „der Staat“ steuern – in der Weltwirtschaft nur „die Staaten“, die dabei natürlich u.U. in einem Gefangenendilemma landen können.

    • „Ein Überschuß der Verbindlichkeiten über die Forderungen (Schulden) ebenfalls nicht.“

      Das ist ja gerade der Punkt: Sie meinen, weil es richtigerweise dabei keinen Saldo geben kann, kann der Gewinn nur „real“ sein. Damit behaupten Sie quasi, daß man eine Lösung erhält, wenn man „durch Null teilt“. Man erhält zwar eine Lösung, nur verletzt sie die „Spielregeln“, nämlich daß in einer Geldwirtschaft der Gewinn gezahlt und nicht nur ausgedacht sein muß.

      Sie haben offenbar vor diesem Problem kapituliert.

      • moneymind

        Hallo Herr Menendez,

        an wen genau muß denn Ihrer Meinung der gesamtwirtschaftliche Vermögensgewinn – denn um den ging es ja hier nur – „ausbezahlt“ werden? An den Mars?

        Danke + Gruß!

  42. moneymind

    Hallo Herr Menendez,

    “Was ich nicht so wirklich verstehe ist, daß es offenbar einen dringenden Hang danach gibt, die Geld- und Gütersphäre miteinander zu integrieren, obwohl die versammelten Versuche der Ökonomie als Wissenschaft genau daran gescheitert sind. ”

    Die Praktiker haben da keine Probleme. Das Problem der „Wissenschaftler“ besteht vermutlich darin, daß sie nicht versuchen, zu verstehen, was die Praktiker eigentlich tun, sondern Modelle konstruieren, die mit fiktiven Annahmen beginnen („Arbeitswert“, „Grenznutzen“ usw.).

    “Insofern bin ich mehr als skeptisch wenn es darum geht Sachverhalte zu analysieren, deren Zusammensetzung schon aus so unterschiedlichen Dingen bestehen wie es eben Geld und Güter sind.”

    Da hätte ich einen wunderbaren Vorschlag. Machen Sie sich um die Ökonomie verdient, indem Sie eine monetäre Theorie der Produktion entwickeln, bei der sie aus methodischen Gründen die Produktion weglassen … am besten lassen Sie aus methodischen alles „Materielle“ (Güter, Produktion, Arbeiter …) weg und erklären dafür so „geistige“, sozial konstruierte Bedeutungen wie Eigentumsrechte, Nominalforderungen oder „Nachfrage“ zu „Dingen“ … natürlich zu „Dingen“, die die wundersame Eigenschaft „besitzen“, als quasi-Subjekte „handeln“ zu können wie einst die Götter … es gibt einfach noch nicht genügend realitätsferne Ökonomythologien …

    • Bilanzierungsregeln zur Beurteilung von Unternehmungen und Verwaltungen werden durch Praktiker entworfen und festgelegt.
      Haben sich diese jenseits der realen Sachverhalte verselbständigt?
      Sind sie nicht Anstoß zum Glauben für Götter des Rechts?

      • moneymind

        Umm … wie bitte?

      • moneymind

        Da sich unten nicht antworten läßt, hier.
        Eine „theoretische“ Lösung:
        http://bnarchives.yorku.ca/259/

      • „Kapital als Macht“ ist zunächst mal eine Leerformel, die es auszufüllen gilt. Ich kann nur einigermaßen einschätzen was die Autoren damit meinen, aber Macht spielt auch bei der Frage der Verschuldungsfähigkeit eine Rolle. Denn Verschuldungsfähigkeit versetzt denjenigen in die Lage „… to reshape – or creorder – their society.“

        Allerdings sind wir hier dann wieder beim Thema, wie durch die Umschichtung von Geldvermögen das entsteht, was dann „Akkumulation von Kapital“ d.h. also von Realkapital genannt wird. Dabei ist die Antwort nicht allzu schwer: durch den Verkauf von Waren über den Kostenpreisen wird automatisch der Spielraum eröffnet, der zu einer Realkapitalakkumulation führen kann. Was macht man also als guter Staat, um diesen Prozeß zu fördern? Genau, man unterstützt den durch expansive Ausgabenpolitik und ignoriert, daß man eigentlich nach Maßgabe der neoklassischen Theorie für einen atomistischen Wettbewerb (vollkommene Konkurrenz) sorgen sollte.

        Vielleicht meinen die Autoren so etwas auch wenn sie schreiben:

        „The starting point is finance. As we shall see, Marx classified finance as ‘fictitious’ capital – in contrast to the ‘actual’ capital embedded in the means of production. This classification puts the world on its head. In fact, in the real world the quantum of capital exists as finance, and only as finance. This is the core of the capitalist regime.“

        Daß die Autoren dann später Macht als „Kapitalisierung“ interpretieren und damit eine fiktive Größe ins Spiel bringen, erscheint mir doch ein bißchen gewagt. Denn auch wenn Kapitalisierung eine Bedeutung bei der Planung besitzt muß für eine Planung bei der Durchführung gezahlt werden und das geht nicht ohne Geld – Macht hin oder her. (Vielleicht war das bei den Pharaonen noch so, aber auch der mußte die Arbeiter irgendwie durchfüttern – im wahrsten Sinne des Wortes.)

        Wenn Sie das Buch kennen: gibt es eine Erklärung für die Entstehung von Gewinn und einen Zusammenhang mit dem Kreditzins?

    • Die „Praktiker“ beschäftigen sich auch nicht damit gesamtwirtschaftliche Fragestellungen zu analysieren. Daß wissenschaftliche Erkenntnis damit verbunden ist aus Prinzipien Funktionszusammenhänge zu konstruieren, die gewissen Konsistenzerfordernissen genügen sollen steht auf einem anderen Blatt.

      Was man dabei allerdings auch nicht übersehen sollte ist, daß auch praktische Erfahrungen aus einer Vorstellung sprich Theorie entstehen, wie diese Welt funktioniert. Unf für diejenigen, die ihre Erfahrung für ihre eigene Eingebung halten, hat Keynes ja schon das passende Bonmot formuliert:

      “Practical men who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist. Madmen in authority, who hear voices in the air, are distilling their frenzy from some academic scribbler of a few years back.”

      Was die „monetäre Theorie der Produktion“ angeht: das ist ja genau die Falle, die es gilt zu vermeiden!

      • moneymind

        Den Praktikern kann die gesamtwirtschaftliche Theorie natürlich egal sein, es reicht ihnen, bezüglich gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen heuristische Erwartungen zu bilden.

        Leider aber kann der Theoretiker es sich nicht leisten, in seinem makroökonomischen Modell (das Ansprüchen logischer Schlüssigkeit – stock/flow-consistency – genügen muß), das Handeln und die Planungs- Entscheidungs- und Bewertungskalküle der Praktiker zu ignorieren, wenn sein Modell etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben soll. Nicht umsonst hat Keynes einer Analyse der „Veranlassung zur Investition“, des „Hangs zum Verbrauch“ und der „Liquiditätspräferenz“ umfassenden Raum eingenommen.

        Bruun/Heyn-Johnsen konstruieren deshalb auch ganz folgerichtig ein „agent-based model“, in dem sich das „almost“ der ansonsten (mit explizitem Bezug auf Stützel) logisch stringent durchgehaltenen stock-flow-consistency eben aus der „valuation of real capital“ ergibt.

        Diese zu konzeptualisieren, ist kein logisches Problem, sondern einfach nur eine Frage der Beschreibung der Praxis. Es sollte doch klar sein, daß es genau diese erwartungsbasierten Bewertungsprozesse sind, die sich geld- und fiskalpolitisch beeinflussen lassen – sodaß beispielsweise ein insolventes Unternehmen – um mal ein offensichtliches Beispiel zu nehmen – durch Staatsaufträge eben wieder kreditwürdig und solvent werden kann, weil die gestiegenen Einkommenserwartungen zu einer Aufwertung des Sachwertanteils des Unternehmens und damit zu verbesserter Kreditwürdigkeit führen.

        Aber natürlich steht es jedem frei, aus logisch-theoretischen Erwägungen heraus jeglichen Realitätsbezug fallenzulassen und sich ins begrifflich wasserdicht nach außen hin abgedichtete akademische Gehäuse der reinen Logik zurückzuziehen.

        Wessen Interessen das aber dient, steht sicher auf einem anderen Blatt.

        Beste Grüße.

  43. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass vom Ökonomen Marx viel übrigbleibt, wenn man die moderne Geldtheorie ernst nimmt – wie umgekehrt von der modernen Geldtheorie nicht viel übrigbleibt, wenn man den Philosophen Marx ernst nimmt. Das sind einander ausschliessende Gedankengebäude, das eine philosophisch orientiert, das andere ökonomisch. Man muss Marx klein schneiden, herunterdrücken auf die Ebene eines Ökonomen, um überhaupt Vergleichbarkeit zu schaffen. Die einen werden immer behaupten, dass dieses Herunterschneiden auf Zwergengrösse nicht gerechtfertigt ist, die anderen werden immer den so Heruntergeschnittenen der Inkonsistenz anklagen. So herrscht im wesentlichen Sprachlosigkeit, die nicht zu überwinden ist. Aber fragen wir mal kurz: was macht Marx als Ökonomen aus?

    Das ist die Wertformel: c + v + m = W, mit c als „konstantes Kapital“, v als „variables Kapital“, m als „Mehrwert“ und W als „Warenwert“. Diese Begriffe existieren nur als Arbeitszeitgrössen, eine monetäre Interpretation ist nicht gewollt. Man weiss aber, das Marx diese scharfe Trennung zwischen Arbeitszeitgrössen und monetären Grössen nicht wirklich durchhalten konnte, weshalb im Ersten Band des „Kapital“ als Arbeitsvorraussetzung: Wert = Preis, stand. Nun ist auch das wieder verwirrend, weil der Preis noch lange nicht eine monetäre Grösse ist. Ein Preis kann ein blosses Tauschverhältnis darstellen, während eine monetäre Grösse sich in Geldeinheiten ausdrückt. Gelöst hat Marx diesen Widerspruch dadurch, dass er das Geld, wie alle anderen Waren auch, auf Arbeitszeiteinheiten zurückführen wollte.

    Man weiss heute, dass diese Vorgangsweise kontraproduktiv ist, denn es gibt keinen Sinn eine monetäre Grösse wie 1 (Unze Gold) auf Arbeit zurückführen zu wollen. Da der Arbeitswert des Geldes ja selbst schwankt, schwankt einem der Boden unter den Füssen. Man hat keine Konstante, von der man aus argumentiert. Viel besser wäre es gewesen: die monetären Grössen als blosse Zahlen zu akzeptieren und parallel dazu – und völlig unabhängig davon – eine Arbeitszeit-Welt zu konstruieren. Dann hätte man unter dem Zugeständnis, dass im Kapitalismus immer das Geld die Arbeit steuert (und nie umgekehrt), die Arbeitszeit-Gesetze dieser Gesellschaft offenlegen können. Man hätte aber zu aller Zeit den Vorwurf eingefasst, dass die so formulierten Arbeitswerte redundant seien, das heisst: zur Bestimmung der Steuerung des Systems gar nicht notwendig.

    Macht man jetzt einen grossen Bogen um all diese Probleme und definiert Marx als „modernen Ökonomen“, dann ist es erlaubt: seine Wertformel monetär zu lesen. Die Arbeitswerte haben sich in Luft aufgelöst und c + v + m = W steht bloss für monetäre Grössen. Was hätten wir dann? Die Gleichung: Abschreibungen + Lohnsumme + Gewinnsumme = Bruttoprodukt, alles in Geldeinheiten ausgedrückt. Dem steht die Identität der „bürgerlichen Ökonomie“ gegenüber, die lautet: Lohnsumme + Gewinnsumme = Nettoprodukt. Wie haben also gegenüber der „bürgerlichen Theorie“ eine minimale Verschiebung, die anstelle des Nettoprodukts das Bruttoprodukt setzen will und Abschreibungen zu berücksichtigen fordert. Diese Marx`sche Herangehensweise hat in der „bürgerlichen Theorie“ keine Akzeptanz gefunden. Man sollte fragen: warum?

    Hier gäbe es zunächst einmal den technischen Einwand, dass Abschreibungen, so wie sie bei Marx definiert sind, auch immer „ausserordentliche Wertberichtigungen“ beinhalten. Er betont ja, dass eine Ware nur dann eine Zahl haben kann, wenn sie Gebrauchswert hat, also gesellschaftlichen Nutzen hat. Die Abschreibungen bloss auf den Zahlenverlust der Investitionsgüter zu beschränken, wäre demnach falsch. Mit anderen Worten, ist die Marxsche Theorie eine Theorie des „ordentlichen und ausserordentlichen Gewinns“, die im Widerspruch zur „bürgerlichen Theorie“ steht, die von vornherein als Theorie des „ordentlichen Gewinns“ konstruiert ist. Insofern ist der Marxsche Ansatz empiristisch ausgelegt, der theoretisch jedoch kaum brauchbar ist. Doch lassen wir diesen Punkt weg und unterstellen wir, dass die Abschreibungen bloss „ordentliche“ wären.

    Was hätte es für einen Sinn, wie Marx es verlangt, die Abschreibungen zu berücksichtigen? Ganz offensichtlich, um eine Beziehung zum Kapitalstock (= konsolidierte Aktiva des Unternehmenssektors) herzustellen. Die meiste Zeit argumentiert ja Marx unter der Annahme einer Abschreibungsperiode von 1, sodass Abschreibungen und Kapitalstock zusammenfallen. Bei vielen Marxisten hat dies die Verwirrung ausgelöst, dass sie c, das „konstante Kapital“, gleich als den Kapitalstock interpretieren, obwohl c ja nur die Abschreibungen auf den Kapitalstock darstellt. Aber immerhin ist man nun zum Entscheidenden vorgestossen: Marx verlangt eine Beziehung zum Kapitalstock, was der „bürgerlichen Theorie“ fremd ist (was aber nicht heisst: dass man sie nicht um diesen Aspekt erweitern könnte).

    Nun wissen wir aus der modernen Geldtheorie, dass dem Kapitalstock auf der Passivseite das Eigenkapital des Unternehmenssektors und sein Fremdkapital gegenübersteht. Es gilt: Kapitalstock = EK + FK des Unternehmenssektors. Damit eröffnet sich für Marx, der Abschreibungen berücksichtigt sehen wollte, ein Einfallstor in die moderne Geldtheorie, was der „bürgerlichen Ökonomie“ fremd ist. Die Marxsche Wertformel wird dann – unter Annahme einer Abschreibungsperiode von 1 – umgeformt zu: EK + FK + Lohnsumme + Gewinnsumme = Bruttoprodukt. Damit wird schlagend klar, dass das EK (und seine Veränderung) mit der Gewinnsumme nichts zu tun hat. Das heisst: Marx selbst hat den Mehrwert „ausschüttend“ interpretiert, während das EK als Bestandteil des Kapitalstocks konstruiert ist.

    Was ist der tiefere Sinn des Ganzen? Den Kapitalstock selbst als – den Klassen eindeutig zuordbaren – Vermögenstitel darzustellen! Kann das gelingen, wenn er gleichzeitig aus EK und FK bestünde? Natürlich nicht. Deshalb hat Marx – unter der Hand – das FK auf Null gesetzt. Seine Wertformel verändert sich zu: EK + Lohnsumme + Gewinnsumme = Bruttoprodukt. Nun ist die Quintessenz klar: Die Arbeiter verfressen alles (=Lohnsumme), die Kapitalisten auch (=Gewinnsumme) und ihr Kapitalstock wächst als EK in der Höhe der Netto-Investition vor sich hin wie ein Monster, das sich immer mehr der Gesellschaft bemächtigt. Eine Geldersparnis gibt`s in dieser Theorie nicht so wenig wie ein FK des Unternehmenssektors. Das ist ein sehr rudimentäres Bild einer frühkapitalistischen Gesellschaft, die mit der heutigen nichts zu tun hat.

    Ist es theoretisch überhaupt denkbar, dass das FK des Unternehmenssektors Null ist? Die Antwort ist: Ja! Und was ist die Voraussetzung dafür? Dass der Unternehmenssektor die Netto-Investition aus interner Verschuldung finanziert. Die Geschichte ist anders gelaufen, wie wir wissen, aber der Kapitalismus ohne FK hat zu der Zeit, wo Marx lebte, tatsächlich existiert. Ist es denkbar, dass die Unternehmen, die über die letzten 150 Jahre so ein mächtiges FK aufgebaut haben, dies wieder zurückfahren könnten? Die Antwort ist: Ja! Sie haben bereits damit begonnen! Deshalb sollten sich all jene, die sich über die aktuelle Irrelevanz der Marxschen Theorie freuen, nicht zu früh freuen.-) Leicht möglich, dass der Kapitalismus nach einem „kurzen Abschwenker“ wieder auf die alte Bahn zurückkehrt. Man sieht: Marx ist und bleibt ein Durcheinander.-)

    Alfred Felsberger

    • moneymind

      Marx als Philosoph und Marx als Ökonom nicht vereinbar? Kann sein.

      Aber: Philosophie = Basis des Kapitalismus.

      Denn:

      Philosophie (griech. Polis) —> Freiheit/Gleichheit (Kant/Hegel) —-> Recht —> Öffrecht vs. Privatrecht = Staat vs. bürgerliche Gesellschaft —> Kapitalismus.

    • Bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich aus dieser dürftigen Formel

      c + v + m = W

      nicht erkennen kann, worum sich Ihre Besprechung im Detail dreht.

      „…dass er das Geld, wie alle anderen Waren auch, auf Arbeitszeiteinheiten zurückführen wollte.“

      Das ist soweit richtig, als Marx ja auch die Bewirtschaftung der „Grenzgoldmine“ danach bestimmen wollte, wie hoch der „Bedarf“ an Gold gerade ist. Offenbar hat er geglaubt die Schwankungen des Goldwerts damit abfedern zu können.

      Aber unabhängig davon subsumiert er damit Gold unter die Bedingungen von Produktion und verbaut sich selbst den Weg zu einer Geldtheorie zu kommen, die seinem Anspruch, Geld als soziales Verhältnis fassen zu wollen, genügen konnte. Das kommt davon, daß man versucht inkommensurable Dinge miteinander „integrieren“ zu wollen.

      Bei Ihrer Interpretation übersehen Sie, daß im geldtheoretischen Sinne die Abschreibung durch die Kredittilgung ersetzt wird, weil nicht der Warenverzehr, sondern der Liquiditätsverlust aufgrund von Tilgungen zur entscheidenden Kategorie wird. Wenn man das akzeptiert ist auch klar, daß eine Tilgungsperiode von 1 eine viel zu große Beschränkung für den ökonomischen Prozeß darstellt. Sobald man mehrperiodige Prozesse betrachtet, benötigt man auch nicht mehr den Kunstgriff über das Eigenkapital bzw. mit Hilfe von Bewertungsänderungen, um zu wissen, wie und unter welchen Voraussetzungen Gewinn entstehen kann.

  44. Ein Wort zum Transformationsproblem: Lässt man die obige Argumentation gelten, und liest Marx „modern“, dann gibt es bloss zwei Systeme: 1) ein Arbeitszeit-System und 2) ein monetäres System. Die Marx`sche Wertformel c + v + m eignet sich beide zugleich zu erschliessen. Das Absurde ist: dass man in Wahrheit nur EIN identes Zahlensystem hat, das man einmal mit dem Zusatz „Arbeitsstunden“ schmückt, und das andere Mal mit dem Zusatz „Geldeinheiten“. Man schreibt also zum Beispiel hin: 100 + 200 + 300 = 600, und behauptet das eine Mal, es handle sich um Arbeitsstunden, und das andere Mal, es handle sich um Geldeinheiten. Es gibt mit einem Wort NICHTS zu transformieren ausser den Zusatz, die Masseinheit: Arbeitsstunden oder Geldeinheiten. Das ist das Transformationsproblem aus heutiger Sicht: Man hat EIN Zahlensystem über das man sich streitet wie man es nennt.

    Das „alte“ Transformationsproblem, das die Ökonomen so lange beschäftigt hat, nämlich die Transformation ZWEIER unterschiedlicher Zahlensysteme zueinander, ist ein Null-Problem. Es kann nämlich nur von der Annahme aus formuliert werden, dass neben dem Marx`schen Arbeitszeitsystem, das eindeutig definiert ist, noch ein Preissystem existiert, das dann in Beziehung zum Ersteren gesetzt wird. Nur Pech gehabt: Das Preissystem existiert nicht! Zumindest nicht jenes, das die Ökonomen und Marx selbst vorgeschlagen haben, das sich entlang einer einheitlichen Profitrate entwickelt. Wir haben dieses Preissystem nicht und wir können`s auch nicht herbeizaubern, es übersteigt entweder unsere Fähigkeiten oder es existiert nicht. So endet die Geschichte des Transformationsproblems.in der makabren Feststellung: dass wir Marx haben und sonst gar nichts.-)

    Alfred Felsberger

  45. Das „Transformationsproblem“ musste ja gerade deshalb so enden, um der Welt zu verdeutlichen, dass wir nichts haben ausser EIN Zahlensystem, das uns steuert. Es ist völlig gleichgültig mit welchem Zusatz wir dieses Zahlensystem schmücken, mit „Euro“, „Dollar“, „Unze“, „Arbeitsstunde“, oder „Würstel“, es ist das Zahlensystem, das uns bewegt. Dass wir aber nicht in der Lage sind, dieses Zahlensystem von der Makroebene auf die Mikroebene herunterzubrechen und vielleicht auch nie in der Lage dazu sein werden. Marx hat`s versucht, weil c + v+ m zugleich makro- als auch mikroökonomisch arbeitet. Die Kritiker und er selbst haben aber gemeint, dass dieses Zahlensystem nur makroökonomisch konsistent sei, weil es sich mikroökonomisch in divergierende Profitraten auflöst. Mag sein. Vielleicht ist das ja die Welt, in der wir leben.-)

    Alfred Felsberger

  46. Ich möcht`s pointiert so zusammenfassen. Der liebe Gott hat den Ökonomen eine Aufgabe gestellt: „Schreibt ein System ABSOLUTER Zahlen hin“. Marx hat`s sofort begriffen und hingeschrieben: 100 + 200 + 300 = 600, oder allgemein: c + v + m = W. Die Ökonomen haben`s auch begriffen und hingeschrieben: 200 + 300 = 500, also v + m = N, mit N als Neuzahl (Nettoprodukt). Dann hat der liebe Gott gesagt: „Schreibt dieses System absoluter Zahlen so hin, dass es auch für ein einzelnes Unternehmen gilt“. Marx hat gesagt: „Nema problema“ und hat wieder hingeschrieben: c + v + m = W. Die Ökonomen haben gesagt: „Du schummeltst. Das stimmt nicht.“ Der liebe Gott hat gesagt:“Kümmert Euch nicht um den Narren, sondern schreibt selbst das System absoluter Zahlen hin, das für ein einzelnes Unternehmen gelten soll.“ Die Ökonomen haben gestutzt, nachgedacht, jahrzehntelang geforscht und haben ein System RELATIVER Zahlen hingeschrieben. Der liebe Gott hat gesagt: „Das gilt nicht, das ist nicht die Aufgabe. Ihr habt verloren“. Und Marx hat gelacht.-)

    Alfred Felsberger

  47. PS: Ich habe im ersten Beitrag leider einen schweren Fehler gemacht. Das Marx`sche Model c + v + m = W ist dadurch charakterisiert, dass es:

    1) das FK gleich Null, und

    2) Die Gewinnsumme m gleich der Netto-Investition setzt,

    sodass das Modell lautet:

    Abschreibungen + Lohnsumme + Netto-Investition = Bruttoprodukt

    Die Kapitalisten konsumieren also gar nichts, sondern ihr Gewinn (die „bürgerlichen Ökonomen“ nennen das „Ersparnis“) deckt sich mit der Netto-Investition. Die Gewinnsumme m wird thesauriert, nicht ausgeschüttet. Bildlich kann man sich das so vorstellen, dass der Kapitalstock und das EK im Gleichschritt nach oben wachsen (in der Höhe der Netto-Investition), während das FK Null bleibt. Weiss der Teufel, was mich da geritten hat.-)

    Alfred Felsberger

    • Ich sags mal so: versuchen Sie doch mal Ihr Modell vielleicht mit Hilfe eines Simulationsmodells in eine Form zu gießen, die dann auch zweifelsfrei nachvollziehbar ist und die, sobald sie EINMAL läuft, auch alle Konsistenzprüfungen besteht. Diese modernen Simulationstools sind auch relativ einfach zu bedienen, man muß nur wissen, was man tatsächlich untersuchen will. Und: man beschäftigt sich automatisch nicht mehr mit statischer Analyse.

  48. @ felsberger2012
    Hiermit beende ich mal die Differenzierung in Eigenkapitalzins und Fremdkapitalzins, um das System der Finanzwissenschaft reduziert auf Geldpolitik im folgenden Sinne
    http://www.deutschlandfunk.de/europaeische-zentralbank-der-kunde-zahlt-fuer-die.724.de.html?dram:article_id=282984
    für ziellos nicht effizient zu erklären und zu erneuern.

  49. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Ehrlich gesagt, glaube ich, dass sie der ökonomischen Theorie einen Bärendienst erweisen, wenn sie die Frage des Gewinns von der Frage des Eigenkapitals getrennt sehen wollen. Sie unterstützen damit – bewusst oder unbewusst, das sei dahingestellt – die irrige Auffassung, dass der Gewinn als Differenz zwischen Umsatz und Kosten zu berechnen sei, die dann in der Behauptung gipfelt, dass der Gewinn ein Aufschlag auf die Produktionskosten sei. Ein für allemal: Das ist falsch! Und nur richtig für jene, die den engen Rahmen der Gleichgewichtstheorie – der da lautet: Räumung aller Märkte – als Referenzhintergrund akzeptieren. Dann nämlich und nur dann bildet sich KEIN Lager, das als Aktiva in der Berechnung des Gewinns zu berücksichtigen ist. Pointiert gesagt: wenn man behauptet, dass der Gewinn als Differenz zwischen Umsatz und Kosten zu berechnen sei, ist man per defintion: Gleichgewichtstheoretiker. Und nur, wenn man den Gewinn als EK-Zuwachs von einer Periode auf die nächste definiert sehen will, akzeptiert man das Ungleichgewicht auf dem Gütermarkt und wendet sich konsequent von der Gleichgewichtstheorie ab.

    Man könnte ja noch damit leben, dass die Ökonomen ein Modell kreieren, wo sie das Problem des Lagers eliminieren und auf dieser Grundlage einen Gewinnbegriff einführen, der diesem Spezialfall entspricht. Aber was man sicher nicht akzeptieren kann, wenn aus diesem Spezialfall dann geschlossen wird, dass die Frage des Eigenkapital-Zuwachses irrelevant sei. Das ist nun wirklich Chuzpe! In der alltäglichen Welt, wie aus jeder Bilanz abzulesen, zerfällt nun mal der Gewinn in einen „ausgeschütteten Gewinn“ und einen „EK-Zuwachs“ („thesaurierten Gewinn“), und jemand, der über den EK-Zuwachs nicht sprechen will, wird immer den „ausgeschütteten Gewinn“ als einzige Gewinnart betrachten. Von da weg ist es dann ein Leichtes, die Aneignung von Investitionsgütern in eine „Aufschlagstheorie“ umzudichten und die ökonomische Theorie um 150 Jahre zurückzuwerfen. Der Bärendient, den Sie, lieber Herr Menendez, aus gewiss redlichen Gründen, der ökonomischen Theorie erweisen, liegt also in nichts Geringerem: als sie weiterhin in ihrem irrelvanten Gewinnbegriff zu bestärken. Das muss doch nachdenklich machen, oder?

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberger,

      selbstverständlich bin ich auf der Seite derer, die denken, daß eine Gleichgewichtstheorie zur wissenschaftlichen Analyse gehört. Das heißt ja nicht, daß die Art von Gleichgewicht die von mir vertreten wird sich in der Standardökonomie wiederfinden ließe. Die Gleichgewichtstheorie der ‚mainstream‘-Ökonomie ist eine güterwirtschaftliche Angelegenheit, die auf der Überschußnachfrage beruht, die aus der Nutzenschätzung von Individuen resultiert. Dem stelle ich eine Theorie gegenüber, die ihr Gleichgewicht aus Zahlungsprozessen bezieht und insofern – auch wenn Sie das nicht wahrhaben wollen – einen im systemtheoretischen Sinne abgeschlossenen Komplex definiert.

      Den „Vorwurf“ an die Gleichgewichtstheorie als solche kann man mit links vom Tisch wischen, weil sich jeder ausdrückliche Vertreter (sind Sie einer?) einer Ungleichgewichtstheorie stets fragen lassen muß, wie er „Ungleichgewicht“ definiert. Man braucht nicht lange darüber nachzudenken um zu erkennen, daß Ungleichgewicht nur dann einen Sinn ergibt, wenn auch die Vorstellung von einem Gleichgewicht existiert. Und schon wird mit einer einfachen Transponierung eine Ungleichgewichtstheorie zu einer Gleichgewichtstheorie. Falls diese Identitätstransformation nicht möglich sein sollte, darf man sich schon fragen, was diese Theorie eigentlich sein soll. Selbst Chaostheorie ist logisch!

      Ihre Interpretation, ich würde Gewinn lediglich als Differenz zwischen Umsatz und Kosten betrachten weist eher darauf hin, daß Sie die entscheidenden Sachverhalte, die sich aus den Forderungen/ Verbindlichkeiten ergeben, bisher noch überhaupt nicht gewürdigt haben. Denn neben der Periodenzurechnung von Umsatz und Kosten gibt es im Kreditgeldkapitalismus auch noch die Finanzbuchhaltung, welche damit beschäftigt ist, den Liquiditätsstatus sowie den Geldvermögensstatus im grünen Bereich zu halten, wobei diese gerade überhaupt nicht auf die einzelne Periode beschränkt ist. Sie weigern sich zwar diese (mehrperiodige) Zeitdifferenz als eigentliche Ursache dessen zu erkennen, was die Periodenrechnung (deswegen heißt sie so) quasi benötigt, um einen (temporären) Gewinn auszuweisen, aber es nützt nichts. Jedenfalls dann nicht, wenn Gewinn auch gezahlt werden muß, weil sich Gewinnempfänger üblicherweise nicht mit der Vorstellung, es sei ja Gewinn da, abspeisen lassen. Mit einer Halde unverkaufter Waren kann man nicht zahlen! (Und bitte nicht nochmal die „Vorfinanzierung“ des Gewinns – ich erspare mir eine Charakterisierung dieser Idee.)

      Der Spezialfall, den Sie immer wieder anführen, existiert so nicht, denn das Konzept der mengenmäßigen Markträumung gehört zur Tauschtheorie, nicht zur Geldtheorie. Denn wenn die Produzentenrente hoch genug ist, kann bei einem halb verkauften Lager die (zum weiter wirtschaften notwendige) Umsatzerwartung bereits erfüllt sein. Das Kriterium „mengenmäßige Markträumung“ hat für eine Geldwirtschaft nicht den Stellenwert wie für die Tauschwirtschaft, die dieses Kriterium als Gleichgewichtskriterium benötigt. Sie laufen mit Ihrer Philippika hinsichtlich der mengenmäßigen Markträumung einer Chimäre hinterher, die sich aus der Werttheorie zwangsweise ergibt, weil Werttheorie ohne Markträumung nicht funktioniert – das ist ihr zentrales Effizienzkriterium. Nur: das interessiert die Geldtheorie nicht die Bohne.

      Und: natürlich ist der EK-Zuwachs nicht nebensächlich, aber der kann nicht automatisch für einen monetären Gewinn stehen. Ich finde es schon kurios: was die „Versilberung des Mehrwerts“ angeht, nehme ich Marx durchaus ernst, Sie wohl eher nicht!

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Ich glaube schon zu verstehen, was der Grund ist, warum wir zwei niemals auf einen Nenner kommen können. Er liegt im Ausgangspunkt des Denkens, ganz am Beginn, dort, wo man die Klassen modelliert. Mein Denken ist sehr simpel: Unternehmen und Haushalte, die sich in Arbeiter- und Kapitalisten-Haushalte teilen. Im Gegensatz zu Ihnen jedoch – und diesen Verdacht hege ich – verfügt bei mir NUR der Arbeiter-Haushalt über eine Ressource: die Arbeitskraft. Den Kapitalisten-Haushalt denke ich mir als Eigentümer des Unternehmens, niemals jedoch wie die Ökonomen: als Eigentümer einer Ressource (z.B. Boden), die er dem Unternehmen verkauft. Wenn Sie zum Beispiel meiner Idee des ausgeschütteten Gewinns, der einseitige Verschuldung des Unternehmens darstellt, nicht folgen können, ja davon sogar gelangweilt sind, dann liegt das einzig und alleine darin: weil sie den Kapitalisten-Haushalt als Verkäufer einer Ressource verstehen. Dann ist es tatsächlich so, dass dem Gewinn, der ausgeschüttet wird, eine Gegenleistung und entsprechende Buchung gegenübersteht: der Kauf der Ressource (Boden, Investitionsgut, etc.). Für dieses Spiel, lieber Herr Menendez, bin ich nicht zu haben.-)

        Für mich ist der Kapitalisten-Haushalt eine leere Box, die sich aus Gewinnauschüttungen speist, die auf einem Rechtstitel und nicht einer Ressource beruhen. Folglich ist für mich jede Gewinnausschüttung eine Verschuldung des Unternehmens und nicht der Kauf einer Ressource. Anders gesagt: Nehme ich Marx ernst, sprich: wortwörtlich, wonach jedes Eigentum des Kapitalisten-Haushalts bereits Ergebnis von vorangegangener Aneignung ist, weshalb der Nachdenk- und Modellierungsprozess dort zu beginnen hat, wo der Kapitalisten-Haushalt ohne Ressourcen ist. Eine andere Erklärung finde ich nicht, weshalb jemand das Argument zurückweisen könnte, dass eine Gewinnausschüttung eine Netto-Neuverschuldung des Unternehmens sei. Ich kann natürlich niemals, lieber Herr Menendez, in ihren Kopf eindringen, ich kann nur meine Position verdeutlichen. Für mich, für den das Eigentum jedes Investitionsgut Aneignung ist, ist es gänzlich inakzeptabel den Kapitalisten-Haushalt mit einer Ressourcenausstattung beginnen zu lassen. Das bedeutet für mich: eine verzerrte Ökonomie zu betreiben, dem Phänomen der Aneignung nicht wirklich auf den Grund gehen zu wollen: weil man sie voraussetzt.

        Alfred Felsberger

  50. Marx – modern, d.h. in Geldgleichungen gelesen! – war der Lösung des Problems sehr, sehr nahe. Er hat verstanden, dass sich der EK-Zuwachs der Sektoren ungleichmässig verteilt, sodass ein Sektor eine höhere Eigenkapitalrendite aufweisen kann als der andere. Er hat das gänzlich falsch formuliert, indem er den EK-Zuwachs nicht auf das Eigenkapital, sondern auf ganz etwas anderes, das er idiotischerweise „Kapital“ nannte, bezog. Von da an ist die ganze Theorie ein Fiasko. Aber bis zur Erkenntnis, dass sich der EK-Zuwachs (oder wie er sagte: der Mehrwert) ungleich verteilt, ist es ein Geniestreich! Er zeigt nämlich, dass es uns gar nicht gelingen kann die Preise so umzudichten, dass sich gleichmässige Renditen einstellen. Weshalb auch jede Behauptung, dass der Ek-Zuwachs ein Aufschlag auf die Produktionskosten sei, Schwachsinn ist. Hier bricht die ökonomische Theorie ab und hier müssen wir ansetzen: Wieso benötigt der Kapitalismus ungleichgewichtige Eigenkapitalrenditen?

    Alfred Felsberger

  51. Es ist längst an der Zeit mit dem Marx`schen Kapitalbegriff aufzuräumen – und zwar nicht aus der Perspektive der Werttheorie, die sich schon längst überholt hat, sondern: aus der Sicht der Bilanz. Es hilft nichts den Marx`schen Kapitalbegriff als soziales Verhältnis, als Verhältnis zwischen Klassen, und so weiter, zu würdigen, daran wollte sich der Mann nicht messen lassen. Einem Ökonomen kann der soziale Gehalt einer Theorie egal sein und genau diesen Anspruch hat doch Marx erhoben, oder? Also: Was ist der ökonomische Gehalt des Marxschen Kapitalbegriffs aus der Sicht der Bilanz? Fremdkapital kannte er nicht und wollte er auch nicht kennen, denn das hätte ihm unangenehme Folgewirkungen beschert. Konkret wäre ihm die Zuordnung der Aktiva zu den Klassen verloren gegangen, denn kann man eine Maschine, die fremdfinanziert ist, „Kapital“ des Unternehmers nennen? Man kann, aber um welchen Preis? Dass man die dahinter stehende Schuldbeziehung auf eine Bedeutungslosigkeit herabwürdigt. Also: Weg damit! Andererseits wollte er das „Kapital“ auch nicht als „Eigenkapital“ definiert sehen, das Hantieren mit einer mathematischen Differenz war ihm nicht geheuer. Also hat er das „Eigenkapital“ kurzerhand mit der Aktivseite der Bilanz gleichgesetzt und die letztere „Kapital“ genannt. Der gute Mann hat einfach die Bilanz negiert um die Aktiva als „Kapital“ bezeichnen zu dürfen, wo doch immer die Passivseite das Eigenkapital enthält. Er wollte also nicht nur das Fremdkapital eliminiert sehen, sondern auch noch die Passivseite, um einem Kapitalbegriff zu huldigen, der von der Aktivseite her definiert ist.

    Dass er die Lohnzahlungen als Kapital sehen wollte („variables Kapital“), folgt exakt dem obigen Muster. Denn was findet sich auf der Aktivseite ausser Anlagevermögen noch? Guthaben, die zum Kauf von Arbeitskraft eingesetzt werden. Marx hatte keine Vorstellung davon, dass diese Guthaben bereits für eine Schuldbeziehung stehen, sodass jeder Kauf von Arbeitskraft immer Neu-Verschuldung bedeutet. Das konnte er ja auch gar nicht haben, weil Fremdkapital für ihn nicht existierte. Umgekehrt aber erfordert die Darstellung der Guthaben als Nicht-Schuldbeziehung ein „dinghaftes“ Verständnis von Geld: Die Guthaben liegen auf der Aktivseite genauso als „Ding“ herum wie die Investitionsgüter. Marx war also meilenweit entfernt von einer Zahlentheorie, die das Eigenkapital ins Zentrum der Betrachtung stellt, obwohl er mit der Arbeitszeit eine homogene Zahl schuf und damit die „Condicio-sine-qua-non“ für eine solche Theorie. Dass ihm andere ein so grosses Verständnis für seine Fehlschlüsse entgegenbrachten, liegt alleine am Begriff des „variablen Kapitals“. Das ganze Schicksal der Arbeiterklasse zu einem Ergebnis der Bewegung von Guthaben zu machen, ist nun tatsächlich ein revolutionäres Verständnis von einem sozialem Verhältnis. Und darin liegt auch der Mythos begründet, dass der Marx`sche Kapitalbegriff ein gesellschaftlicher sei. In Wahrheit wird auch der beste Begriff dadurch nicht wahr, nur weil er gesellschaftlich ist. Was hat man von einem sozialen Begriff, wenn er den Voraussetzungen der Bilanz nicht entspricht? „Viel“, werden Marxisten sagen.-)

    Alfred Felsberger

  52. „Bei Ihrer Interpretation übersehen Sie, daß im geldtheoretischen Sinne die Abschreibung durch die Kredittilgung ersetzt wird, weil nicht der Warenverzehr, sondern der Liquiditätsverlust aufgrund von Tilgungen zur entscheidenden Kategorie wird.“ Stimmt: Wenn man c + v + m konsequent als Geldgleichung liest, sind die Abschreibungen c so zu interpretieren. Man könnte hier dann auch den Zinssatz verpacken……..allerdings verlässt man dann endgültig das Marx`sche Terrain, weil er es wohl kaum dulden würde den Zinssatz in die Berechnung der Profitrate einfliessen zu lassen.

    Alfred Felsberger

  53. Lässt man den ganzen Hokuspokus um die Werttheorie weg, dann reduziert sich die Marxsche Theorie auf den Satz:

    1) EK-Zuwachs („Mehrwert“) = Netto-Investition

    Damit ist aus seiner Sicht alles gesagt: Die von den Arbeitern geschaffenen Produktionsmittel (abzüglich der Abschreibungen) werden von den Unternehmen angeeignet, die Arbeiter expropriiert. Moderne Ökonomen schreiben bekanntlich:

    2) EK-Zuwachs („Mehrwert“) = Netto-Investition minus FK-Zuwachs,

    wobei der FK-Zuwachs den Einnahmeüberschüssen der Arbeiter entspricht, wenn man das Problem der ausgeschütteten Gewinne mal weg lässt. Damit ist die Frage der Expropriation „aufgeweicht“, weil im Extremfall die Netto-Investition dem FK-Zuwachs – und damit dem Geldersparnis-Zuwachs der Arbeiter – entsprechen kann.

    Marx wollte von „Aufweichungen“ dieser Art nichts wissen, sondern hat seine verhärtete Sichtweise noch weiter getrieben, indem er bewusst das Lager aussperrte. Sonst müsste es nämlich heissen:

    3) EK-Zuwachs („Mehrwert“) = Netto-Investition plus ungeplanter Lageraufbau

    Dann wäre die „Expropriation“ noch ein Stück weicher, weil sich das ungeplante Lager jederzeit in Verluste auflösen könnte. Aber gesetzt, man akzeptiert das, dann liegt das grössere Problem darin, dass Marx dachte eine Brücke zur Mikroökonomie schlagen zu können, indem er für eine einzelne Ware schreibt:

    4) EK-Zuwachs = Umsatz („Bruttoprodukt“) – Abschreibungen – Lohnsumme

    Damit hat er sich das alte Problem wieder eingefasst: den Gewinn, der bereits (als Ausbeutung) bestimmt ist (EK-Zuwachs = Netto-Investition) über das Preissystem (Umsatz – Kosten) nochmals fassen zu wollen. Er ist also in die gleiche Trunkenheit verfallen wie alle anderen Ökonomen auch.

    Alfred Felsberger

  54. Die Frage der Realisierung des Mehrwerts (= EK-Zuwachses), die Marx so plagte, lässt sich damit auch einfach beantworten: Versilbert wird nur die Netto-Investition, nicht aber das Lager und die Eigenleistungen (z.B.Patente). Nicht-versilberte Konsum- und Investitionsgüter sammeln sich im Lager:

    1) EK-Zuwachs („Mehrwert“) = (versilberte) Netto-Investition plus ungeplanter (nicht-versilberter) Lageraufbau

    Bei der Realisierung muss man zwischen Innen- und Aussenrealisierung unterscheiden, d.h.: ob die Unternehmen sich die Investitionsgüter über gegenseitige Verschuldung oder über Verschuldung gegenüber den Arbeitern abkaufen. Es gilt immer:

    2) EK-Zuwachs plus FK-Zuwachs = Netto-Investition

    In dem einen Extremfall, wo die Unternehmen alle Investitionsgüter über Aussenverschuldung kaufen, wird der EK-Zuwachs Null:

    3) FK-Zuwachs = Netto-Investition

    Im anderen Extremfall, wo die Unternehmen alle Investitionsgüter über Innenverschuldung kaufen, wird der FK-Zuwachs Null:

    4) EK-Zuwachs = Netto-Investition

    Woraus man den Schluss ziehen darf, dass die Ausbeutungsmaschine „Kapitalismus“ dann auf Hochtouren läuft, wenn die Arbeiter auf Geld-Sparen verzichten. So gesehen, gewinnt das Geldspar-Bedürfnis der Arbeiter eine ganz andere Bedeutung: Es ist ein Schutzschild gegen Expropriation. Umgekehrt wird das System alles daran setzen dieses immer wieder aufkeimende Interesse der Arbeiter durch Konkurse, Arbeitslosigkeit, Überkapazitäten, etc. zu ersticken.

    Alfred Felsberger

  55. Ich kann nicht wirklich abschätzen, was es für ein Zahlungsmodell heisst, wenn man die Kapitalisten-Haushalte zu Eigentümern von Ressourcen macht. Zu fern liegt mir dieses Denken, als dass ich mich damit beschäftigen könnte. Was ich aber sicher weiss: dass so ein Modell zu einem Begriff von Gewinn führt, der völlig abgehoben ist. In einem solchen Modell existieren nämlich gar keine Gewinn-Ausschüttungen, sondern bloss Verkaufserlöse der Kapitalisten-Haushalte. Mit anderen Worten: Man kann sich die Gewinn-Ausschüttungen sparen, es gibt sie nicht. Übrig bleibt dann ein Gewinn der Unternehmen, der sich aber NUR als Netto-Investition darstellen kann: Die Unternehmen eignen sich die Investitionsgüter an. Aber eben dieser Netto-Investition, d.h. der Aneignung der Investitionsgüter, wollen Sie sich ja nicht zuwenden. Wo führt das hin, wo endet man da? Wenn Sie zum Beispiel sagen: „Und: natürlich ist der EK-Zuwachs nicht nebensächlich, aber der kann nicht automatisch für einen monetären Gewinn stehen.“, dann verstehe ich den Satz gar nicht. Denn der EK-Zuwachs muss sich ja, sofern er nicht Lager oder Eigenleistung ist, aus dem Verkaufserlös der Netto-Investition speisen. Die Frage ist ja bloss: wie? Und meine Antwort darauf: durch Innen- oder Aussenverschuldung der Unternehmen, das heisst: durch EK-Zuwachs oder FK-Zuwachs. Mit einem Wort: Ich kann ihrem Begriff von monetärem Gewinn nicht folgen. Er ist nicht Gewinnausschüttung, er soll aber auch nicht EK-Zuwachs sein. Das geht aber nicht.-)

    Alles, was ich mir zusammenreimen kann, ist folgendes: Sie wollen zeigen, dass die Investitionszyklen so flexibel sind, dass – obwohl ein Mehr-Geld in toto unmöglich ist – Ketten von „Mehr-Geldern“ für einzelne Unternehmen möglich sind. Schön und gut. Das mag möglich sein und durch ein Modell verifizierbar. Aber dieser Gewinn-Begriff ist nichts Substanzielles ausser: ein temporärer Überschuss an Forderungen, dem gleichgrosse Verbindlichkeiten bei anderen gegenüberstehen. Man bewegt sich in einem Meer mit ewig gleichem Pegelstand und zeigt, dass es Wellen nach oben wie nach unten gibt. Nur: Das hat mit Kapitalismus nichts zu tun! So funktioniert er nicht! Kapitalismus ist Aneignung von Investitionsgütern, die über einen EK-Zuwachs (Innenverschuldung) oder FK-Zuwachs (Aussenverschuldung) realisiert werden. Ich kann die Investitionsgüter, sprich: die Netto-Investition, nicht ausradieren, weil ich dann im Nirvana bin. Oder um einen Vergleich zu wählen: Wir reden vom Alter einer Frau, und ich sage: „Sie ist um 10 Jahre gealtert“. Und Sie sagen d´rauf: „Das stimmt nicht, das kommt ihnen nur so vor, weil die andere, mit der Sie sie vergleichen, 10 Jahre jünger geworden ist.“ So erforschen wir vielleicht die Welt der Täuschungen, aber nicht: den Altersprozess der Menschen.

    Alfred Felsberger

  56. Was meint man denn eigentlich mit „monetärem Gewinn“? Die Gewinn-Ausschüttungen können es nicht sein, denn der Aktiv-Buchung der Kapitalisten-Haushalte entspricht die Passiv-Buchung der Unternehmen. Also meint man einen Verkaufserlös zuvor – im Arbeitsprozess – angeeigneter Investitionsgüter („Mehrprodukt“). Dafür aber braucht man einen Schuldner und der kann nur ein anderes Unternehmen oder ein Haushalt sein. Also realisiert sich die Netto-Investition, das heisst: die angeeigneten Investitionsgüter, bei aggregierter Betrachtung entweder durch Innen- oder Aussenverschuldung der Unternehmen den Haushalten gegenüber. Was soll der Begriff des „monetären Gewinns“ da bedeuten? Es gibt ihn ja gar nicht! Es gibt nur eine Netto-Investition, die über Verschuldung realisiert wird. Die ganze Begrifflichkeit der ökonomischen Theorie ist absurd. Und sie speist sich bloss daraus, dass man den Investitionsprozess (=Ausbeutungsprozess) seit jeher mikroökonomisch betrachtet: Man sieht den Wald vor lauter Bäume nicht.

    Alfred Felsberger

    • Der Umsatz fliesst als Verkaufpreis von aussen in die Kasse des Unternehmens. Woher erhalten die Käufer ihre Deckungen der Zahlungen?
      Bargeld, Guthabenüberweisung (Echtzeitkontostand) : woher erhalten die Käufer diese Mittel?
      Lohn aus Arbeit, Zinsen aus Anlagen, Kredit wegen Bonität (Rückzahlungshoffnung in der Zukunft), Kredit aus Leichtfertigkeit der Banken (mangelnde Bonitätsprüfung).
      Basis ist das Vertrauen,Versprechen auf Zahlungen in der Zukunft zu erfüllen. Wer sich dabei täuscht hat den Abschreibungsbedarf.
      Wie das darzustellen ist sollen Rechnungswesen und Bilanzierungsgrundlagen abbilden.
      Beispiel im Konzernanhang des Geschäftsberichts
      http://airberlin-07.sw-gb.de/index.php?id=278
      mit vielfältigen Sachverhalten.

  57. Was heisst überhaupt „Versilberung des Mehrwerts“? Es heisst, wenn man Marx ernst nimmt: Versilberung der Investitionsgüter. Ein Mehrprodukt existiert nur in Form von Investitionsgütern, die Konsumgüter werden Jahr für Jahr verbraucht. Dabei interessiert es gar nicht, ob alle Konsumgüter abgesetzt werden, ob sie verfaulen oder abgeschrieben werden, denn, was gesellschaftlich nutzlos ist, ist auch kein Mehrprodukt. Man schmeisst es weg, man entsorgt es, man setzt es auf Null, man hat keinen Bedarf. Dass die Konsumgüterunternehmen, obwohl meilenweit von der Schaffung der Investitionsgüter entfernt, trotzdem einen Teil des Mehrprodukts erheischen, zählt zu den grossen Mysterien des Kapitalismus. Das ganze Preissystem arbeitet so wie es gar nicht arbeiten dürfte: Es verteilt „Mehrwert“ zwischen Investitions- und Konsumgüterunternehmen um.
    Wer von Investitionsgüter nicht sprechen will, kann auch von Mehrwert nicht sprechen, und schon gar nicht: von seiner Versilberung. Man kann das Mengensystem nicht vom Zahlensystem trennen, solange ein Teil des Mengensystems, die Investitionsgüter, als Zahl auftreten. Man kalkuliert sie zu Kaufpreisen und verbucht sie als Aktiva. Ein Zahlensystem ohne Investitionsgüter ist möglich, nur nicht sinnvoll: Weil sich die Frage der Versilberung des Mehrwerts dann gar nicht stellt. Ein Zahlensystem mit Investitionsgüter bricht den Grundsatz: dass Zahl und Menge zu trennen seien. Man darf sich aussuchen, was man bevorzugt. Ich für meinen Teil kann keinen Sinn darin entdecken das Herz des Kapitalismus – die Investitionsgüter – aussen vor zu lassen. Das heisst natürlich nicht: dass es so etwas wie eine „Wahrheit“ gäbe.-)

    Alfred Felsberger

  58. Was die Steuerungsfunktion des Kapitalismus betrifft, liegen meines Erachtens alle falsch: Die Mengen-Ökonomen genauso wie die Arbeitszeit-Ökonomen als auch die Zahlen-Ökonomen. Es ist weder die Menge, noch die Arbeitszeit noch das Geld, die den Kapitalismus steuern, sondern nur: die gesellschaftliche Nützlichkeit der Produkte. Keinem Konsumgut kann es gelingen, die zuvor an Arbeiter- und Kapitalistenhaushalte ausgeschütteten Geldeinheiten wieder einzutreiben, wenn es keinen gesellschaftlichen Nutzen hat. Kein Investitionsgut darf aktiv verbucht werden, wenn es sich nicht vorher am Markt bewährt hat. Jedes Lager, ob Konsum- oder Investitionsgut, wird irgendwann wertlos. Der ganze Prozess der Zahlenzuordnung steuert sich über die Qualität der Produkte, der Kapitalismus ist ein zutiefst soziales Produktionsgefüge. Krise heisst nichts anderes als dass sich eine Fülle von Produkten als nutzlos erweisen, dass Lager abgeschrieben und Investitionsgüter ausgebucht werden müssen. Bevor das Zahlensystem überhaupt eine Chance hat Produktion zu steuern, ist es längst durch die gesellschaftliche Nützlichkeit der Produkte determiniert.

    Alfred Felsberger

  59. Sehr geehrter Herr Menendez,

    >Dem stelle ich eine Theorie gegenüber, die ihr Gleichgewicht aus Zahlungsprozessen bezieht und insofern – auch wenn Sie das nicht wahrhaben wollen – einen im systemtheoretischen Sinne abgeschlossenen Komplex definiert.> Das bestreite ich nicht. Mir gefällt nur der Gewinn-Begriff nicht, der durch diese Reduktion auf das Zahlensystem entsteht. Mein Problem ist simpel das: dass ich diesem Begriff von Gewinn nichts abgewinnen kann. Er ist nämlich – über alle Kapitalisten (und Perioden) betrachtet – Null. Was habe ich von einer Theorie, die mit einem Gesamtgewinn von Null arbeitet? Mir ist dieses Anliegen nicht verständlich.

    Alfred Felsberger

  60. Mir wird eigentlich immer klarer, was es heutzutage heisst ökonomische Theorie zu betreiben. Es heisst nicht: vom Einzelnen zum Ganzen zu steigen um dann vom Ganzen auf das Einzelne zu blicken. Dieser Weg, an den Marx noch glaubte, führt unweigerlich in die Sackgasse. Es heisst viel mehr: in einem phantasievollen Akt das Bild vom Ganzen zu entwerfen, um das Einzelne konsequent zu desillusionieren. Wenn jemand zum Beispiel in typisch einzelwirtschaftlicher Art die Investition als den Beginn einer Zahlenreihe darstellen will, dann kann man ihm nur entgegenrufen, dass die Investition, vom Ganzen aus betrachtet, zugleich das Ende einer Zahlenreihe ist, indem der Käufer des Investitionsgutes, der Investor, dem Verkäufer die Versilberung des abgepressten Mehrprodukts ermöglicht. Wenn man aus einzelwirtschaftlicher Perspektive auf die Investition blickt, übersieht man schlichtweg, dass sie das Ende einer Zahlenreihe ist und nicht der Beginn, dass in dem Moment, wo ein neuer Investitionszyklus gestartet wird, ein alter seine Realisierung findet. So entgeht einem, dass – aus Vogelperspektive betrachtet – das Mehrprodukt zur Gänze aus neugeschaffenen Investitionsgütern besteht, die der Arbeit abgepresst werden. „Netto-Investition = EK-Zuwachs“ ist eine Aussage, die einzelwirtschaftlich betrachtet keinen Sinn ergibt.

    Die Ökonomen antworten gewöhnlich damit, dass die Frage der Ausbeutung keine Relevanz mehr hat, dass die Zivilisation einen Stand erreicht hat, wo man über solche Dinge nicht mehr diskutiert. Dieses Argument kann man akzeptieren, sofern das Gegenüber, der moderne Ökonom, in der Lage wäre den Investitionsprozess beidseitig – aus der Sicht des Verkäufers und des Käufers des Investitionsgutes – zu charakterisieren. Er kann es aber nicht, auch weil es einzelwirtschaftlich gar nicht möglich ist, und damit beginnt der fade Beigeschmack aller ökonomischen Theorie. Die einen, die das Ganze im Blick haben, werden nie aufgeben auf das „Wesen“ des Mehrprodukts zu verweisen und die anderen werden immer konsequent darüber hinweggehen. Mit was sie aber nicht rechnen dürfen: dass das Schicksal mit ihnen gnädig ist. Denn was immer sie an Begriffen und Aussagen entwickeln, wird an Zutat immer die mikroökonomische Perspektive haben so wie ein Kuchen, der immer nur nach Zucker schmeckt. Sie sind gefangen in einem Labyrinth, das sie sich selbst erreichtet haben, und niemand wird sie daraus befreien. Ab und an dringen Hilfeschreie nach aussen, die niemand hören will. Getröstet werden die Gefangenen der Mikroökonomie alleine dadurch, dass sie einen Fachdiskurs führen dürfen ähnlich dem von Blinden. Der Elfenbeinturm hat auch was Schönes.-)

    • Hallo Herr Felsberger,

      soweit man die Kuhn/ Lakatos Geschichte ernst nimmt, wird eine Theorie immer um eine Grundidee herumgesponnen und mit allen möglichen Randannahmen abgesichert. Etwa in der Weise kann man ja auch die Neoklassik interpretieren, welche die Grundfigur des Austauschs von Hirsch und Biber von Adam Smith übernommen hat und daraus – über die allgemeine Gleichgewichtstheorie – den heutigen ‚mainstream‘ der Ökonomie gezaubert hat. Was man bei der Konstruktion dieser Theorie übersehen hat ist, daß man sich aufgrund der realen Grundlage des Tausches das Geldproblem eingefangen hat, welches an dieser Stelle noch überhaupt nicht auftaucht.

      Geld wird ja erst „gebraucht“ wenn es Kooperation gibt und Ansprüche gegeneinander verrechnet werden müssen. Aus diesem Grunde setze ich auch das Stecknadelbeispiel an den Beginn der Ableitungskette, was dazu führt, daß Art, Umfang und Methode des Ausgleichs von Ansprüchen zunächst mal den größten Raum einnimmt. Das kann man abstrahierend als die Analyse bloßer Zahlungsreihen (nicht: Zahlenreihe) ansehen, wobei selbstverständlich das Problem der Bildung von Wohlstand dadurch nicht erfaßbar ist. Denn alleine der Umstand, daß es ein gesellschaftliches Nettogeldvermögen nicht gibt weist darauf hin, daß die Ursachen der Akkumulation woanders gesucht werden müssen, als in der Aufhäufung eines „Goldschatzes“! An dieser Stelle wird Marx der eigene Materialismus zum Verhängnis, wo er quasi die Vorstellung von Geld als soziales Verhältnis selbst verrät.

      Daß die Frage von Akkumulation etwas mit Gewinn zu tun hat ist ja richtig. Und wenn man so will hat die Frage nach dem Gewinn auch etwas mit der Frage von Ausbeutung in dem Sinne zu tun, daß Gewinn – obwohl Gewinn keinen gesellschaftlichen Vermögenszuwachs markiert – die Umverteilung steuert, woraus sich dann auch die Steigerung des Eigenkapitals ergibt – allerdings lediglich als in Geld bewertetes Sachvermögen. Daß letzteres nicht dazu verwendet werden kann Gewinn zu zahlen, da Gewinn nun mal eine monetäre Größe ist, sollte der Vollständigkeit halber hier noch erwähnt werden.

      Diese Umverteilung ist solange möglich, wie die Zahlungsreihen permanent erneuert werden (wo auch der Staat als Großschuldner zeitweilig hilfreich einspringen kann), sowohl was die Investition als Geldausgabe betrifft, als auch was den Konsum als Geldausgabe betrifft (die Ersparnis ist ja bekannterweise in der Geldwirtschaft durch die Investition vorgegeben). Das ist etwa das, was man als ‚ongoing concern‘ bezeichnet, der, solange er funktioniert, den realen Umverteilungsprozeß am Laufen hält.

      Was man aber nicht machen darf ist aus purer Verzweiflung dem Gewinnproblem gegenüber anzufangen reale und monetäre Kategorien miteinander zu vermischen, um irgendwie auf einen positiven Gewinn oder wahlweise auf das Ausbeutungstheorem zu kommen. Dann kann man gleich bei Marx bleiben.

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Ja, Sie haben recht. Die Frage der „Herkunft des Gewinns“ kann man getrost als abgehakt betrachten und ich bin auch froh, dass zumindest in diesem Punkt eine Integration von Marx und „moderner Geldtheorie“ gelungen ist. Zu lächerlich waren seit jeher die Theoreme bürgerlicher Ökonomen, die dem Eigentum wahlweise einen Verzicht oder eine Leistung zurechnen wollten. Nur hat der makroökonomische Satz:

        1) Netto-Investition = EK-Zuwachs + FK-Zuwachs

        mit FK-Zuwachs = Geldersparniszuwachs der Haushalte, leider auch Konsequenzen, die weit über das „Ausbeutungstheorem“ hinausreichen. Anders gesagt, sollten sich die Ökonomen schön langsam entscheiden, was sie denn eigentlich als „Ersparnis“ bezeichnen wollen: den EK-Zuwachs oder den FK-Zuwachs. Beides geht nicht, weil es sich um gänzlich verschiedene „Dinge“ handelt, hier: um einen EK-Zuwachs, der sich aus dem Zuwachs an Investitionsgütern, bewertet zu Kaufpreisen und getragen durch gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten, die im Aggregat Null sind, zusammensetzen, dort um Geldersparniszuwächse der Haushalte, die per definition Forderungen der Haushalte an die Unternehmen sind. Mit anderen Worten sollten die Ökonomen endlich aufhören den obigen Satz wie folgt zu schreiben:

        2) Netto-Investition = Ersparnis der Unternehmen + Ersparnis der Haushalte

        Sonst machen sie sich lächerlich und dokumentieren der ganzen Welt den Grund ihres Versagens: dass nämlich EK-Zuwachs „Ausbeutung“ von Arbeitskraft ohne Gegenleistung und niemals „Ersparnis“ ist.

        Nun liegt es für mich auf der Hand, dass der Begriff „Ersparnis“ NUR für die Geldersparniszuwächse der Haushalte Verwendung finden sollte und man endlich die „Ersparnis“ der Unternehmen als EK-Zuwachs bezeichnen sollte. Dann hat man auch die Voraussetzung über die von ihnen aufgestellte Behauptung zu diskutieren: dass der Geldersparniszuwachs der Haushalte ein blosses „Abfallprodukt“ der Netto-Investition sei. Und in diesem Punkt, lieber Herr Menendez, muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie – nach meinem Geschmack – deutlich von der korrekten Einschätzung des Sachverhalts entfernt liegen. Die Geldersparniszuwächse der Haushalte sind ein „Abfallprodukt“ insofern, als keine Geldersparnisse ohne Netto-Investition denkbar wären. Sie sind aber eine alleinige Entscheidung der Haushalte, auch wenn: nur eine Verweigerungs-Entscheidung, die im Konsumverzicht begründet ist. Sie sind, mit anderen Worten, ein Mass für das „soziale Scheitern“ eines zutiefst sozialen Produktionssystems.

        Alfred Felsberger

      • Sehr geehrter Herr Menendez,

        Ich kann ihrer radikalen Zurückweisung der Gleichgewichtstheorie nicht wirklich folglich. Sagen wir mal so: Sie konzipiert eine „Ware-Geld-Ware“-Welt, die mit Kapitalismus, d.h.: der „Geld-Ware-Geld“-Welt, in der wir leben, nichts zu tun hat. Aber dass der Tausch ein zentrales Moment auch im Kapitalismus ist, kann man nicht zurückweisen. Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft und wird in Geldeinheiten entlohnt (Ware -> Geld). Diese stehen für einen offenen Kreditkontrakt, der durch Bezug von Produkten eingelöst wird. Der Arbeiter gibt sein Geld aus (Geld -> Ware), es fliesst zum Unternehmen zurück und verschwindet. Letztendlich hat der Arbeiter Arbeitsleistung gegen einen Teil des Endprodukts getauscht. Man kann den Kapitalismus, wenn man von ZB-Geld absieht, – sofern man das überhaupt kann – als ein Geflecht von Forderungen und Verbindlichkeiten charakterisieren, in dem sich „Ware-Geld-Ware“-Beziehungen entwickeln. Das Problem kommt nur daher, dass jede Gesellschaft auf den Konsum hin produzieren muss, aber die kapitalistische zusätzlich: auf die Vermehrung der Zahl. Und dass dies, im Grunde genommen, gar nicht möglich ist. Es gibt kein Medium – weder Gold, noch Staatsschuld, noch Investitionsgut, das irgendwann erlischt – das Vermehrung der Zahl zulassen würde. Das Problem, mit dem wir konfrontiert sind, ist also nicht: die Gleichgewichtstheorie der Ignoranz zu überführen, sondern endlich offenzulegen: wie Akkumulation (=Vermehrung der Zahl) in dieser Gesellschaft auf Dauer stattfinden soll.

        Alfred Felsberger

  61. Wie fällt denn überhaupt der EK-Zuwachs an? Er fällt bei einem Teil der Unternehmen als Sachvermögenszuwachs kombiniert mit Verbindlichkeiten an, bei anderen als blosse Forderungen, bei anderen wiederum als blosser Sachvermögenszuwachs. Wichtig ist nur, dass die Forderungen und Verbindlichkeiten im Unternehmens-Aggregat Null sind, sodass – über alle Unternehmen betrachtet – der EK-Zuwachs der Netto-Investition, also dem Sachvermögenszuwachs, entspricht (für den Fall: dass die Haushalte alles Einkommen konsumieren). Wie kann man in diesem Fall von Gewinn-Ausschüttung sprechen? Was soll den ausgeschüttet werden? Einzelne Unternehmen mögen Forderungen haben, die sie ausschütten können, andere blosse Verbindlichkeiten, die nie und niemals eine Ausschüttung zulassen. Somit muss es doch einleuchten, dass – über alle Unternehmen betrachtet – eine Ausschüttung nur möglich ist, wenn man Aktiva und Passiva simultan verlängert, d.h. Kredit aufnimmt. Insofern kann ich Ihre Sichtweise, dass hier irgendetwas wäre, was ausgeschüttet werden könnte, in keiner Weise mittragen. Wir sind einfach mt dem Problem konfrontiert, dass wir uns – logisch – mit einer Welt auseinandersetzen, wo kein Staat existiert, während in der „Wirklichkeit“ bloss der Staat die Forderungen bei den Unternehmen schafft, die dann zu Gewinn-Ausschüttungen führen.

    Alferd Felsberger

  62. Anders gesagt: Zunächst wird auf Kredit ausgeschüttet – Löhne und Gewinne – und dann fliessen hoffentlich die Ausschüttungen zurück. Dass in einer Welt ohne Staat dieser Prozess irgenwann ins Stocken käme, weil die Enttäuschungen der Unternehmen über die Rückflüsse zu gross werden, liegt auf der Hand. Ohne Staat und seine Verschuldung funktioniert das ganze Spiel gar nicht. Man muss Kapitalismus als eine theoretische Forderungen denken lernen: „Akkumuliert, Akkumuliert, das ist Moses und Propheten!“, die praktisch nicht erfüllbar ist, weder auf Bais von Gold (und seinen natürlichen Grenzen) noch auf Basis von Staatschuld (und seiner machtpolitischen Grenze). Somit ist das ganze System unentwegt auf der Suche nach einem Medium, das diese Forderung leisten könnte. Ein unentwegtes Suchen nach etwas, das es noch nicht gibt und vielleicht nie geben wird.-)

    Alfred Felsberger

  63. Taj, Herr Moneymind, was könnte man einem Praktiker schon sagen? Die Welt hat sich verändert, die alte staatliche Welt, mit der wir aufgewachsen sind, ist tot. Die Arbeitsteilung ist eine allumfassende geworden, die sich längst nicht mehr an staatlich abgesteckten Räumen und Sektoren orientiert, sondern mehr und mehr die Form eines weltweit agierenden Körpers annimmt, wo der einzelne Raum nur mehr ein Organ ist. Industrien mit hohen Lohnanteil werden ausgelagert, solche mit hoher Forschung und Verwaltung in den Zentren konzentriert, und zwar nicht nur nach sektoralen sondern auch nach arbeitsteilig unternehmerischen Kriterien. Dienstleistungsindustrien enstehen wie Satelliten um die Knotenpunkte dieses Netzwerks, die sich nach dem Wohlergehen der einzelnen Räume richten, selbst aber kaum zur Reichtumsproduktion beitragen. Wenn man dieses ganze Geschehen in ein Bild fassen möchte: dann muss man sich einen Gesamtarbeiter (oder wie Marx sagte: ein Gesamtkapital) vorstellen, das sich weltweit aufgestellt hat, in verschiedenen Räumen verschiedene Einkommen schafft, die dann wiederum über die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Dienste in diesen Räumen entscheiden.

    Was hat der Staat in dieser Welt für eine Bedeutung? Er ist kein Sachwalter eines Geamtorganismus mehr, er ist ein Sachwalter eines Organs. Nur fällt es staatlichen Menschen schwer sich vorzustellen, dass sie kein Blutkörperchen eines Körpers mehr sein sollen, sondern bloss mehr: eines Organs. Dass die Zirkulaitionsbahn, in der sie sich bewegen, niemals über eine paar Zentimeter hinausreicht, während das Grosse Ganze immer grösser und unheimlicher wird. Was haben in dieser Welt staatliche Träüme noch zu bedeuten? Sie sind doch nichts anderes mehr als kurzfristige Korrekturmassnahmen, um Blutstockungen zu begegnen, um den Raum gesund zu halten für die Position, die er im weltweiten Körper einnimmt. Grossmannssucht ist ausgeträumt, die weltweiten Träume sind verflogen, die Stunde der Effizienzverbesserer hat geschlagen. Insofern glaube ich, dass unsere Praktiker so einen schlechten Job nicht machen, dies umso mehr als sie sich zu ihrem Handeln immer gezwungen fühlen. Sie reagieren auf Druck, auf Missstände und versuchen sie zu beseitigen. Nichts schlimmer als wenn einem so heiklen Auftrag unentwegt ideologische Zwischenrufe begegnen. Oder glauben Sie im Ernst, das irgendjemand in Deutschland irgendjemand in diesem Land etwas Schlechtes wünscht?

    Ich für meinen Teil habe schon längst die Konsequenzen gezogen und bin auf eine chauvinistische Betrachtungsweise eingeschwenkt: Jeder Staat muss für sich selbst beweisen, was er in in diesem weltweiten Konzert sich zutraut und ich finde es sehr bedauerlich, dass einzelne Staaten den Mut nicht aufbringen an der Positionssuche teilzunehmen und sich zu Unter-Organen anderer Organe stempeln wie im aktuellen Fall: die europäische Peripherie. Ich habe Vertrauen in Österreich und sehe zu was dieses Land in der Lage ist und trage auch, wie jeder andere, meinen Teil dazu bei. Gewiss beteilige ich mich auch an sinnlosen Wutausbrüchen, die bloss der Frustration der Ohnmacht geschuldet sind, aber im allgemeinen bin ich mir bewusst: dass ALLE sich bemühen das Beste aus der Lage zu machen. Wir werden halt weiter die Touristen tonnenweise ins Land schleppen und sie mit Mozart-Kugeln versorgen.-) Was sollen wir auch anderes machen? Dass die Ausgabe der Mozart-Kugeln dann zu einer ungleichen Verteilung führen, tja, damit werden wir leben müssen. Aber jeder in dem Land ist sich bewusst, dass niemand verhungern wird, und dass die Einnahmen allemal reichen um Infrastruktur, Bildung und Gesundheit zu ermöglichen. Ja, es ist wahr: Marx war ein grosser Philosoph, doch irgendwann dämmerte es auch ihm, dass es im Leben um Kleinigkeiten geht.-)

    Alfred Felsberger

  64. Ich empfinde ja schon die Frage „Cui bono“ als eine Anmassung und glaube nicht, dass sie mit dem konform geht, was Marx unter Interesse verstand. Auch er war sich bewusst, dass Handlungen, die aus einem Interesse gesetzt werden nicht notwendigerweise zu dem Ziel führen, das mit eben diesem Interesse verbunden war. Seine ganze Theorie des Warenfetischs fusst doch auf der Täuschung, die der Einzelne im Gesamtkörper unterliegt. Wir können also stundenlang über das Interesse dieser und jener sinnieren und müssen letztendlich doch zur Kenntnis nehmen, dass der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung so nicht existiert. Letztendlich steht „Cui bono“ für ein Ressentiment jenen gegenüber, die zufällig, aus Glück, Leistung oder Nebenergebnis, an einer zentralen Stelle des Netzwerks gelandet sind. Ja, und? Wenn es jene nicht sind, dann sind es andere. Warum fällt es Menschen so schwer sich mit diesem schlichten Tatbestand zu versöhnen? Wäre ein frühmittelalterlicher Bauer jemals auf die Idee gekommen die Position des Fürsten zu hinterfragen? Und was hätte er geerntet als das, was er geerntet hat: den Kapitalisten. Marx hat den ganzen Prozess der „ursprünglichen Akkumulation“ aus purem Ressentiment heraus verfälscht, indem er den Aufstand der mittelalterlichen englischen Bauern nicht als „Freiheitsbewegung“ sehen wollte, sondern als Einkehr in die Herrschaft von Pächtern, die andere zu Lohnarbeitern stempelten. Das war nicht die Absicht, das war das Nebenergebnis der Bauernkämpfe! Man kann „Cui bono“ immer so drehen als ob man Kenntnis von der Zukunft hätte, die zu jedem Zeitpunkt offen ist. Nichts verwerlicher als das!

    Alfred Felsberger

  65. Sie haben eine Lösung konzipiert: das Aneinanderreihen von Investitionszyklen, die für jedes Unternehmen vorübergehend (?) Vermehrung der Zahl zulassen. Aber nach allem, worüber ich bis jetzt nachgedacht habe, befürchte ich, dass Sie hier einen Konstruktionsfehler begangen haben: Sie haben Gewinn bis jetzt nur als Ausschüttung erfasst. Sie haben nur den Gewinn der Unternehmer-Haushalts konzipiert, aber wo ist der Gewinn (=EK-Zuwachs) des Unternehmens? Der Unternehmer-Haushalt verfrisst alles und das Geld kehrt zu den Unternehmen zurück. Davon hat niemand was, das ist keine Vermehrung der Zahl! Das ist ein System, wo vor sich hingefressen wird, aber die Motivation der Produktion – EK-Zuwachs der Unternehmen – ignoriert wird. Leicht möglich, dass ich mich irre, dass logisches Denken einer Software nicht folgen kann. Leicht möglich aber auch, dass Sie sich irren.-) Wer weiss es schon?

    Alfred Felsberger

  66. Den EK-Zuwachs – die Akkumulation von Zahl – als treibenden Motor nicht sehen zu wollen, heisst: das alles bestimmende Systemmerkmal zu ignorieren. Den alten Fehler der Ökonomen nochmals zu machen, den Kapitalismus um zu interpretieren zu einer Konsumtionsmaschine, wo doch genau das nicht das Anliegen seiner Produktion ist. Es gibt nur einen logischen Grund von dieser Argumentation abzusehen, nämlich zu behaupten: dass der „Stachel der Produktion“ (K.Marx) – der EK-Zuwachs – im Fortgang der Geschichte erlahmt, dass das System zu einer Konsumtionsmaschine degeneriert. Dafür gibt es Anhaltspunkte, die durch die Ausschüttungs-Bereitschaft bereits reifer Unternehmen bestätigt wird. Ihre Aktiva sind so gross geworden, die Zahl so mächtig, dass die Profitabilität schwindet und sie sich durch überzogene Ausschüttung quasi selbst liquidieren. Kann das für das System als Ganzes auch gelten? Wohl kaum. Wenn der EK-Zuwachs degenerativ erlahmt, so ähnlich wie es Marx im Gesetz der tendenziell fallenden Proditrate sehen wollte, dann werden wir uns, wohl oder übel, in einer neuen Welt wiederfinden: Die Verschuldungsbereitschaft der Unternehmen nimmt rasant ab und die Menschen kullern unbeschäftigt durch die Gegend. Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt, weshalb wir uns endlich der zentralen Frage zuwenden müssen: Wie funktioniert ein System der Ausdehnung der Zahl, das logisch keinen Mechanismus hat, die Ausdehnung zu befördern?

    PS: Es ist ja irgendwie typisch, dass ich die Marx`sche Frage ganz anders lese als die Ökonomen. Die glauben ja tatsächlich: Marx wollte zeigen wie Ausdehnung der Zahl möglich ist. Sie ist nicht möglich und daher konnte er es auch nicht zeigen. Also: Weiter denken, meine Herren!

    Alfred Felsberger

  67. Im Schach ist es ja bekanntlich so, dass man über die ersten 20 bis 30 Züge gar nicht nachdenkt, sofern man die Spielstärke eines Meisters erreicht hat. Längst ist durch überliefertes Wissen und durch Rechenarbeit des Computers der Korridor abgesteckt, wo sinnvolles Denken stattfindet. Gewiss kann man die ersten 20 Züge ganz anders machen, man kann im 3.Zug, im 5.Zug oder auch im 10.Zug die eingetretenen Pfade verlassen, doch man wird auf Hindernisse stossen, die einem keine Freude machen. So ist es auch in der ökonomischen Theorie: Am besten beurteilt man einen Ökonomen danach wie er die ersten 5 Züge spielt. Macht er hier schon Fehler, weicht er hier schon von der Sinnhaftigkeit ab, dann kann man sich den Rest der Partie getrost sparen.

    Das Schach ist gnadenlos, weil es mit einem eindeutigen Ergebnis endet und niemand sich hinter Rechtfertigungen der Art wie „Ich habe die ersten 5 Züge gut gespielt, dann schwach, aber dann wieder sehr stark“ flüchten kann. Die ganze Partie ist wie ein Kunstwerk, Zug um Zug, und einen Fehler, den man am Beginn gemacht hat, kann man gegen einen starken Gegner nicht mehr korrigieren. In dieser Position finden sich die Ökonomen leider nicht: Sie glauben tatsächlich über Aussenwirtschaft, über Staatsverschuldung und vieles mehr schwadronieren zu können, obwohl sie im Regelfall schon im 5.Zug versagen. Und niemand sagt zu ihnen: „Mein lieber Mann, das ist Schwachsinn von A-Z.“ Deshalb möchte ich mal einen Ökonomen zu Wort kommen lassen, wenn er über „Netto-Investition = Ersparnis“ oder „Ersparnis = Netto-Investition“ nachdenkt, den vielleicht, wenn man es mit Schach vergleicht, 4.Zug einer Partie. Auf was man hier alles stösst, das setzt in Erstaunen!

    >The product can be written as: Y = C + I or Y = C + S, which means to “find” for the closed economy what was assumed, namely, that: S = I> (H.Flassbeck)

    >The recent and current debate have been ignoring that some 70 years ago, in his “fundamental equations” in the Pure Theory of Money, which forms the first volume of his “Treatise on Money”, Keynes clarified the inherent logic of this classical approach. The famous equality of saving and investment is valid from an ex-post point of view, or if the economy under consideration is in a state of perfect equilibrium. The latter describes a stationary economy, an economy where real income is constant and where there are no incentives for entrepreneurs to change the existing level of activity as the level of profits is exactly zero.>

    Ich habe keine Ahnung was Keynes geschrieben hat, ich will`s auch gar nicht beurteilen. Löblich ist, dass wie im Schach eine Rückbesinnung auf bereits gewonnenes Wissen stattfindet. Nur stellt man sich sofort die Frage, warum diese Identität nur ex post gelten sollte – und warum, im Gottes Namen, ex-ante nur als Refernzhintergrund einer Theorie? Man spürt den Schwindel sofort, weil wie im Schach eine Zugreihe in die Zukunft gedacht wird, wo doch noch nicht einmal die ersten vier Züge auf ihre Fehlerhaftigkeit hin kontrolliert wurden. Aber so geht das nicht! Ich kontrolliere. Also, was heisst ex post? Er heisst nach allem Wissen, das wir mittlerweile haben, dass I=S umgeschrieben werden muss zu:

    1) Netto-Investition + (ungeplantes) Lager = Ersparnis

    Es gibt also ein Restprodukt, ein unverkauftes Lager, das bilanziell als Aktivum zu Buche schlägt und die beiden Grössen wieder ins Gleichgewicht bringt. Das ist alles, was ex post heisst. Was soll das mit einer neoklassischen Gleichgewichtstheorie zu tun haben? Nichts, Null, Nüsse, das ist ein ehernes Gesetz, das für alle Gesellschaften dieser Welt gilt. Die Verkaufserlöse der Investitionsgüter und die Lagerbestände zu Marktpreisen zusammenaddiert sind die Ersparnis einer Gesellschaft. Punkt, Ende der Diskussion. Der gute Herr Flassbeck hat sich schon mal in ein Terrain geflüchtet, wo er von irgendeiner „bösen“ Theorie fabuliert, die ein Naturgesetz der Menschheit falsch darstellen will. Respekt für diesen Schwachsinn! Doch schauen wir weiter:

    >In all other cases, it is not S = I that rules the course of events but an equation like: Q = I ─ S , where Q denotes the profits or losses of entrepreneurs (Keynes 1930, p.136). In this world, any act of individual saving, be it by governments, private households or the rest of the world, reduces profits, the saving of companies, because it decreases effective demand in the corporate sector as a whole.>

    So, jetzt wird es abenteuerlich. Man muss einmal tief durchatmen um diesen Gedankensprüngen überhaupt folgen zu können. Entweder setzt er wie ein Schachmeister ein Wissen voraus, das bis zum 20.Zug reicht oder er fabuliert gequirlten Mist. Ich weiss, er fabuliert Mist. Wieso behält er denn jetzt, wo es d`rauf ankommt, die ex-post/ex-ante-Sicht nicht aufrecht? Was hindert ihn den eingeschlagenen Weg fortzusetzen? Dann würde er schnell seine ex-post-Antwort bekommen:

    2) EK-Zuwachs (Q) = Netto-Investition – Ersparnis, woraus folgt:

    3) EK-Zuwachs = (ungeplantes) Lager

    Da hat er seinen Gewinn, ob es ihm passt oder nicht: Das Lager schlägt als Aktivum zu Buche. Damit ist alles aufgeklärt: Netto-Investition und Lager sind „gleichwertige“ Aktiva, die sich bloss darin unterscheiden, dass das eine umgesetzt wurde und das andere nicht. Diese Schlussfolgerung wäre natürlich bitter, weil es heissen würde, dass der Kapitalismus dann am besten fährt, wenn er gar nichts absetzt und alles (vorübergehend) als Lager einbucht. Dann würde man schnell begreifen, dass es sich hier um einzigartige Ausbeutungsmaschine handelt, die arbeitende Menschen mit ein paar Konsumgüter abspeist. Doch egal, das ist nur eine Nebenfront und gehört bestenfalls in den 8.Zug einer Schachpartie. Aber, was Flassbeck danach liefert, bedarf sowieso keiner Erwähnung mehr:

    >The difference between the two models is remarkable and, unfortunately, very often not adequately reflected even in economic theory and economic policy. With profits Q being the equilibrating force between saving and investment, the picture of the world changes fundamentally and in such a way that the traditional model of a perfect capital market can no longer describe it.<

    Erstens, es gibt keine Differenz zwischen zwei Modellen, es gibt nur ein ehernes Gesetz, das Flassbeck nicht versteht: Netto-Investition + (ungeplantes) Lager = Ersparnis. Zweitens ist nicht der EK-Zuwachs der Ausgleichsmechanismus – wie kommt man auf so einen Schwachsinn? – sondern das Lager, das man bilanziell als Gewinn verbucht, drittens hat dies mit Gleichgewichtsökonomie nichts zu tun, weshalb sich auch die Welt durch Keynes nicht verändert hat. Ich erspare mir die notwendigen 8. bis 15.Züge der Schachpartie weiter zu spielen, die dann zur Geldersparnis und dem FK-Zuwachs führen würden, denn dorthin wird ein Herr Flassbeck niemals gelangen. In Schachkreisen sagt man dazu: Ein 1700 Elo-Mann, der vor sich hingurkt.-)

    Alfred Felsberger

  68. Das Drama der Schachpartie, die nach dem 4.Zug immer wieder falsch gespielt wird, beginnt dort, wo man nicht zwischen „Ersparnis-Zuwachs der Unternehmen“ und „Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte“ unterscheidet. Dann pendelt man zwischen diesen beiden einander ausschliessenden Ersparnis-Begriffen hin und her bis man ganz schwindlig wird und von einem Fehlschluss in den anderen stolpert. Der Beitrag Flassbeck`s ist ein gutes Beispiel dafür: I=S und I-S beruhen auf verschiedenen Ersparnis-Begriffen. Der Letzte, der diesen Fehler nicht gemacht hat, war K. Marx, und dies auch nur deshalb, weil er keinen „Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte“ kannte, und nicht, weil er so ein gefeierter Schachtitan war. Also: Man beginnt am besten dort, wo Marx aufhörte und setzt den Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte gleich Null:

    1) Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte = Null

    Dann formuliert man das allgemeine, für alle Gesellschaften gültige ex-post Gesetz, wonach der Ersparniszuwachs der ganzen Gesellschaft immer der Netto-Investition und dem ungeplanten Lager-Zuwachs entspricht:

    2) Ersparnis-Zuwachs der ganzen Gesellschaft = Netto-Investition + (ungeplanter) Lager-Zuwachs

    Dann legt man das, weil man ja nur den Unternehmen die Ersparnis zubilligt (Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte = Null), um zu:

    3) Ersparnis-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + (ungeplanter) Lager-Zuwachs

    Vor lauter Freude über das bisher Erreichte, besinnt man sich nun auf die Begriffe. Macht es denn wirklich Sinn den Ersparnis-Zuwachs der Unternehmen als Ersparnis zu bezeichnen? Marx sagte: Nein! Er nannte ihn „Mehrwert“ oder „Mehrprodukt“. Da man aber kein Marxist sein will, umgekehrt aber auch kein Mainstream-Ökonom, sagt man am besten EK-Zuwachs. Das ist ein neutraler Begriff:

    4) EK-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + (ungeplanter) Lager-Zuwachs

    Jetzt besinnt man sich auf Keynes, wonach der Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte, den man jetzt einführt, den EK-Zuwachs der Unternehmen ja mindert, also:

    5) EK-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + (ungeplantem) Lager-Zuwachs – Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte

    Dann auf die Saldenmechanik, wonach der Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte dem FK-Zuwachs des aggregierten Unternehmensektors entspricht:

    6) Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte = FK-Zuwachs der Unternehmen

    Und schwuppsdiwupps sind wir endlich beim 5.Zug der Schachpartie angelangt und haben den verfluchten 4.Zug hinter uns gelassen:

    5) EK-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + (ungeplantem) Lager-Zuwachs – FK-Zuwachs der Unternehmen

    Woraus folgt:

    6) EK-Zuwachs der Unternehmen + FK-Zuwachs der Unternehmen = Netto-Investition + (ungeplantem) Lager-Zuwachs

    Das ist der 5.Zug, von dem aus man nun endlich weiterdenken kann.-) Marx und Keynes würden es danken!

    Alfred Felsberger

    • Jetzt ist das Thema auf der Agenda der Finanz- und Steuerpolitik:

      „Wir werden den Existenzminimum-Bericht bekommen und werden darüber entscheiden müssen, wie wir den Grundfreibetrag verändern, um dem veränderten Existenzminimum Rechnung zu tragen, und dann wird das wieder auf der politischen Debatte stehen. Und es wird auch auf der politischen Debatte stehen, ob wir das, was es in Deutschland über 50 Jahre gab, nämlich eine steuerliche Behandlung von Zinsen so wie normale Einkommen, ob man dahin nicht wieder zurückkommt, weil die Steuerflucht, wegen der man mal die Privilegierungen eingeführt hat, um die einzudämmen, dass die nicht mehr in dem Maße gegeben ist, und das ist eine mögliche Form der Gegenfinanzierung. Ich finde, wir sollten nicht über steuerpolitische Tabus reden, sondern wir sollten darüber reden, dass Steuerpolitik etwas ist, was regelmäßig verändert werden muss und was entemotionalisiert werden muss.“
      aus:
      http://www.deutschlandfunk.de/kalte-progression-absenkung-noch-in-dieser-legislaturperiode.694.de.html?dram:article_id=284024

  69. Pingback: Makroökonomie: die Frage nach dem Machbaren

  70. Stichwort Erkenntniswert und Lehrbuchtheorien. In BWL-Büchern fallen mir immer wieder zwei Dinge auf (die ich nicht verstehe).

    1. Lehrbuch: Unternehmen produzieren Güter um Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen. (Meist wird noch zusätzlich die Maslowsche Bedürfnispyramide gezeigt)

    Verstehe ich nicht. Kaufkraftlose Hungernde (mit enormen Bedürfnissen) interessieren die Unternehmen nicht. Wer keine Kaufkraft hat (also Geld) der kann direkt neben einem Waren-Berg aus Essen verhungern. Der Waren-Berg ist durch Eigentumsrechte geschützt. Zugriff ohne Geld unmöglich (bzw. Straftat). Müsste es nicht vielmehr heißen: Unternehmen produzieren Güter um das Geld hereinzubekommen das ihre Kreditschulden tilgt? Je mehr ich mich mit „Wirtschaft“ beschäftige, desto mehr empfinde ich die Lehrbücher als unpräzise bzw. unverständlich.

    2. Lehrbuch: Eine Einzahlung ist der Eingang von Bargeld oder Sichtguthaben. Eine Einnahme ist der Eingang einer Forderung auf Geld.

    Moment mal. Zahlungsmittel sollen laut Lehrbuch „Geld“ sein. Nun ist Sichtguthaben (bzw. Sichtforderung) aber ein Forderung auf Geld, müsste daher eigentlich zu den Einnahme-Forderungen gezählt werden. Wird hier nicht Geld-Apfel und Forderungs-Birne in Zahlungsmittelbestand (Kasse) und Geldvermögensbestand vermischt?

      • Was ich eigentlich sagen wollte:

        Die Sichtguthaben müssten m.E. aus der Gruppe der Zahlungsmittel herausgelöst und in das eigentliche Geldvermögen (ohne Zahlungsmittel) integriert werden. Denn Sichtguthaben stellen eine Forderung auf Geld dar. Also genau das, was man mit dem Geldvermögen (ohne Zahlungsmittel) meint.

        Nun weiß ich natürlich nicht, wie man „Zahlungsmittel“ ganz präzise definiert hat, aber offenbar von den Autoren als: „Zahlungsmittel ist alles was ‚geldig‘ ist und keine Forderung ist“. Es heißt ja (etwas schwammig), Zahlungsmittel sind der Fond an „liquiden Mitteln“.

        Kurz: Dürfen in den Zahlungsmitteln auch Forderungen sein (dann müssten sie aber eigentlich, von der Systematik her, zu den Geldvermögen-Forderungen zählen) oder sollen Zahlungsmittel „reines“ Geld sein, also z.B. Zentralbankgeld?

  71. Sehr geehrter Herr Goldammer,

    Letztendlich muss jeder selbst entscheiden mit welchen Begriffen er arbeitet. Die ökonomische Theorie wird dabei nicht helfen. Ich persrönlich arbeite nur mit den Begriffen „Zentralbank-Geld“ und „Geschäftsbanken-Geld“, wobei Letzteres eine Forderung auf Ersteres ist. Ganz nach dem Grundsatz: Umso einfacher, desto besser.-)

    Alfred Felsberger

    • Richtig, so würde ich es auch formulieren. Aber wir Lehrlinge warten doch lieber auf Meister Menéndez Kommentar – bevor wir uns hier zu weit aus dem betriebswirtschaftlichen Fenster lehnen😉

      Aber zu der Geschichte mit der Bedürfnisbefriedigung. Es kann doch nicht sein, dass solch eine Wischi-Waschi-Wir-haben-uns-alle-lieb-und-befriedigen-unsere-Bedürfnisse-Annahme Grundlage der BWL ist.

      Ich gehe morgen zu Media-Markt und rufe: „Die BWL sagt, ihr Unternehmen befriedigt meine Bedürfnisse. Ich habe das Bedürfnis nach einem Fernseher, bitte befriedigen sie mein Bedürfnis.“

      Oder der Leiter des Flüchtlingslagers Addis Abeba ruft bei Dr. Oetker an und sagt: „Lieber Herr Oetker, hier sind hunderttausende Menschen mit fast unendlich vielen Bedürfnissen, bitte kommen sie und befriedigen sie. Gemäß Lehrbuch müssten sofort sie begeistert aufspringen und schon morgen mit tonnenweise Pizza und Joghurt auftauchen.“

      • Na ja, ich bin auch nicht gerade ein Freund davon ökonomische Begriffe beliebig durcheinanderzuwürfeln. Man kann natürlich „Sichtguthaben“ sagen und Sichtforderungen meinen. Aber jeder emotionale Funke macht aus dem, was eigentlich ein „Nicht-Haben“ ist dann aufgrund der Bezeichnung dann doch wieder ein „Haben“. Und schon ist man auf dem besten Wege Mißverständnisse zu produzieren. Mal abgesehen davon, daß das „Haben“ aus buchhalterischer Sicht ein Fachbegriff ist, der auf dem Kontoauszug aussagt, daß die Bank eine Verbindlichkeit hat, wobei deren „Haben“ mit dem Haben im Sinne von Besitzen bei dem Forderungsberechtigten nichts zu tun hat.

        Und nun die Zahlungsmittel: an sich gibt es nur Schuldentilgungsmittel, das ist das Zentralbankgeld, welches als gesetzliches „Schuldentilgungsmittel“ allein die Fähigkeit aufweist, durch seine Übergabe eine Geldschuld schuldbefreiend tilgen zu können. Man könnte auf die Idee kommen, daß der Begriff „Zahlungsmittel“ für Zentralbankgeld stünde, aber so wird er offenbar nicht gebraucht, weil es sich „eingebürgert“ hat auch Sichtforderungen zu den Zahlungsmitteln zu rechnen.

        Der Grund dafür ist folgender: es hat sich deswegen „eingebürgert“ die Sichtforderungen als „Geld“ zu betrachten, weil man davon ausgeht, daß eine „Überweisung“ als „bargeldlose Transaktion“ als „Geldtransfer“ angesehen werden kann – obwohl eine Schuld der Bank kein Geld geschweige denn ein „gesetzliches Zahlungsmittel“ ist. Und solange das Bankensystem reibungslos (und der Interbanken-Zentralbankgeldverkehr) funktioniert kann man auch seine „Verfügungsberechtigung über Geld“ bei der Bank auch dazu benutzen, die Bank dazu zu veranlassen, einen Transfer von Zentralbankgeld durchzuführen – den die Banken üblicherweise als Umbuchung auf ihrem Zentralbankkonto abwickeln, weil Forderungen gegen die Zentralbank wegen deren Emissionsrechts genauso „gut“ sind, wie Banknoten (zweistufiges Geldsystem). DAS ist der Inhalt von Sichtforderungen, die berechtigen nämlich entweder Zentralbankgeld zu bekommen (Geldautomat), oder die Bank zu veranlassen, Zentralbankgeld jemand anderes zukommen zu lassen. Daß das bei einer Überweisung damit verbunden ist, daß die Empfängerbank! das Zentralbankgeld erhält und dem Empfänger eine Bestätigung schickt, er könne über den Betrag verfügen, ist im Grunde genommen eine „beauftragte Barzahlung“. Sobald man einmal kapiert hat, daß Banken lediglich die Beauftragten der Zentralbankgeldübertragung sind, kann einem eine Verwechslung von Zentralbankgeld und Zentralbankgeldforderungen nicht mehr passieren!

      • >Es kann doch nicht sein, dass solch eine Wischi-Waschi-Wir-haben-uns-alle-lieb-und-befriedigen-unsere-Bedürfnisse-Annahme Grundlage der BWL ist.> Die meisten Menschen auf dieser Welt sind in die Bewegungen „Ware – Geld – Ware“ eingebunden: Man verkauft seine Arbeitskraft, erhält ein Stückchen Geld und befriedigt seine Bedürfnisse, indem man Ware kauft. Scheitert der Verkauf der Arbeitskraft, dann fehlt das Stückchen Geld und damit auch: die Bedürfnisbefriedigung.

  72. Frankie (f.k.a.B.)

    @Herrn Goldammer
    “Es kann doch nicht sein, dass solch eine Wischi-Waschi-Wir-haben-uns-alle-lieb-und-befriedigen-unsere-Bedürfnisse-Annahme Grundlage der BWL ist.”
    Nun, Entschuldung ist halt auch ein Bedürfnis, vielleicht hilft das bei der Akzeptanz, dass nur bezahlte Bedürfnisbefriedigung für Wert befunden wird, von der BWL beschrieben zu werden?

    • Guter Einwand. Allerdings findet man „Entschuldung“ nicht in der Maslowschen Bedürfnispyramide!😀 (Entschuldung ist nicht das erste Bedürfnis in einer „Wirtschaftsreihenfolge“, davor muss ja noch etwas anderes kommen, aus dem dann das Bedürfnis nach Entschuldung folgt – klar, es ist der Kredit, aber auch der fällt nicht vom Himmel usw. – So gesehen sind die Entschuldungsbedürfnisse eine Metaebene oberhalb der Maslowschen-Bedürfnisse – aber solche Gedanken sauge ich mir hier ad-hoc aus der Fingern)

      Die BWL soll sich halt nicht am Anfang als „menschlich“ und „wir sind hier die großen Maslowschen-Bedürfnisbefriediger“ darstellen, sondern klipp und klar sagen was Sache ist. Denn das Wirtschaften etwas mit Bedürfnisbefriedigung zu tun hat, das weiß nun wirklich der allerletzte Hinterwäldler, aber erklären kann man damit fast nichts.

      Von der VWL/BWL erwarte ich als Wissenschaft von Anfang an eine präzise und einleuchtende Begriffsbildung, mit deren Kenntnis ich auch schwierige Probleme schnell durchdringen kann und nicht Begriffe, die schon nach ein bisschen Nachdenken nicht auf die Geschehnisse der Welt zutreffen. Vor allem die Reihenfolge der Begriffe – Ständig überlegt man: Was war zuerst da – und verheddert sich.

      Mir ist bisher noch nie eine schlüssige begriffliche Gesamtdarstellung über den Weg gelaufen, die alles erklären kann. Kann natürlich auch an mir liegen, denn selbst die viele unterschiedlichen Robinson-Insel-Wirtschafts-Beispiele sind für mich fast immer un-plausibel.

      • „Marxisten (und sozialistische Derivate) sehen Soddyaner (und damit auch Keynesianer) als “Lunatiker”, die eine “falsche” Auffassung von Ökonomie besitzen. “Energie” als Produktionsfaktor wurde schlichtweg “übersehen”, ebenso wie der Produktionsfaktor “Entdeckung”. Wem die Sonne gehört, kann uns zuguterletzt auch noch für den “Konsum” von Photonen (Licht und Wärme) und deren Folgen (Sauerstoff und reduzierte Kohlenstoffverbindungen) bezahlen lassen. Wasser wird ja schon jetzt großflächig privatisiert, bald zahlen wir sogar für die Luft, die wir zum Atmen benötigen.

        Reichtum (wealth) kommt aus der Sonne und nicht aus dem Geld (virtual wealth) oder gar dem Mond. “Lunatiker” sehen das halt anders…“
        aus:
        http://www.wiesaussieht.de/2014/05/16/in-paderborn-leben-glueckliche-frauen/#comment-92452

        soffisticated fragte nach den Erkenntnissen der Verknüpfung von Natur- und Geisteswissenschaften. Wird in obigen Beschreibungen gut erklärt, muß in der Praxis des Rechnungswesens und Geldverfassungen umgesetzt werden.
        Energie und Entdeckung können als aktivierte Eigenleistungen kalkuliert werden und zu Unternehmenserlösen führen und ergänzen Arbeitslohn, Kapitalverzinsung, Mieten und Pachten sowie kalkulatorischen Gewinn (Saskia Sassen).

      • Ist ja nur meine Einschätzung: Marxisten sehen nur sich und den Mehrwert. Das mit der Energie ist die Geschichte von ein paar Physikern, während das mit der „Entdeckung“ zu Schumpeter gehört, der auch nicht wußte, was er mit seiner (ungewollten) Schlußfolgerung anfangen sollte, daß der langfristige Zins bei Null ankommt. Mit Marx hätte er nichts anfangen können, denn das Konzept „Mehrwert“ ist nicht vereinbar mit dem Konzept „Knappheitsrente“. Das Witzige ist: beide erzählen was über Zins und übersehen, daß sie statisch argumentieren. Eine Veränderungsrate existiert jedoch nicht in statischen Überlegungen, denn da kennt man nur Bestandsveränderungssalden.

        Langer Rede kurzer Sinn: Marx wollte Entwicklungslinien beschreiben und hat übersehen, daß man diese nicht mit statischen Konzepten beschreiben kann. Und Rosa Luxemburg, die ja Marx „verbessern“ wollte, hat sich mit ihrer Ausrede „Globalisierung“ auch lächerlich gemacht. Witzigerweise ist dieses Luxemburg-Argument auch heute noch gültig. Mickey Mouse ist ein Scheiß dagegen!

    • Mir fällt dabei ein Spruch vom BankhausRott ein, der das gelegentlich so ausdrückt: „Nachfrage sind die Bedürfnisse, die bezahlt werden können.“

      Entschuldung selbst ist üblicherweise eine Vorbedingung für Bedürfnisbefriedigung, nämlich dann, wenn diese Entschuldung (aka Zahlung des Kaufpreises) dazu führt, daß einem der begehrte Gegenstand der Bedürfnisbefriedigung als geschäftliche Gegenleistung übertragen wird. Das eingenommene Geld wiederum ist für den Verkäufer erst mal Mittel zum Zweck des Schuldendienstes und erst dann, wenn die Differenz „für ihn ausgeht“ auch dazu einsetzbar, „Gebrauchswert“ zu kaufen.

  73. Hallo Herr Menendez,

    Ich habe die Software am Rechner, auch ihre Datei reingespielt, nur leider tut sich nichts. Welche Funktionstaste muss ich nun drücken? Oder sollte das automatisch laufen? Merkwürdig…… Was den Modellaufbau betrifft, ist meine Kritik ohnehin klar: Die Investitionsgüterindustrie als „Verpächter“ darzustellen, verzerrt den ganzen ökonomischen Prozess: Investitonsgüter werden produziert und verkauft, nicht verpachtet. Es ist sehr eigenartig, dass wir ein völlig gegensätzliche Verständnis davon haben, was Marx mit „Realisierung des Mehrwerts“ meinte. Für micht heisst`s nämlich: Realisierung der Investitionsgüter. Und genau diese Frage fällt weg, wenn man die Investitionsgüterindustrie zu „Verpächter“ macht.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

    • Hallo Herr Felsberber,

      versuchen Sie einfach mal das zu sehen was da ist und nicht das, was Sie als absolut notwendigen Bestandteil sehen wollen. Das was da steht sind KONTEN, die eine FUNKTION aufweisen. Es geht da um Geldströme und -bestände und nicht um irgendwelche Personen, Klassen oder Institutionen!

      Ich habe bei einem älteren Computer den Effekt gesehen, daß sich die *.mdl Dateien nicht per Doppelklick öffnen lassen. Daher vielleicht mal ausprobieren, ob die gute alte Geschichte noch funktioniert: Datei -> Öffnen -> (Datei suchen) -> Öffnen!

  74. Um das zu verdeutlichen, mache ich aus der Marx`schen Wertgleichung (c + v + m) die geldtheoretische Gleichung:

    1) Kredittilgungen + Lohnsumme + Netto-Investition = Bruttoprodukt

    Untestellt man zwei Typen von Haushalten, die einen, die über Geldersparnisse verfügen („Geld-HH“), und die anderen, die blosse Arbeiter sind („Nicht-Geld-HH“), dann gilt:

    2) Netto-Investition = EK-Zuwachs der Unternehmen + EK-Zuwachs der Geld-Haushalte

    und somit:

    3) Kredittilgungen + Lohnsumme + (EK-Zuwachs der Unternehmen + EK-Zuwachs der Geld-Haushalte) = Bruttoprodukt.

    Der „Mehrwert“ ist die Netto-Investition, die Frage der „Realisierung“ daher die Frage des Verkaufs der Netto-Investition. Die „Mehrwertrate“ ist das Verhältnis der Netto-Investition zur Lohnsumme und die „organische Zusammensetzung des Kapitals“ das Verhältnis der Kredittilgungen zu der Lohnsumme.

    PS: Man erkennt daran gut, dass die Marx`sche Vorstellung „einer fallenden Profitrate“ an den Haaren herbei gezogen ist. Wenn überhaupt, fällt die „organische Zusammensetzung“ ab, indem die nominale Lohnsumme schneller wächst als die Kredittilgungen. Mit einem Wort: Das Marx`sche Modell ist logisch und korrekt, „Ausbeutung“ folgerichtig definiert, nur ein „Zusammenbruch“ irgendwelcher Art lässt sich daraus nicht ableiten.

    Alfred Felsberger

  75. >Die eigentliche Arbeit kommt ja jetzt erst!> Wie meinen Sie das?

  76. Ich habe schon einen „Verdacht“, warum das Modell so konstruiert ist wie es konstruiert ist. Nur wird dieser „Verdacht“ kaum mit Ihrem Wissen übereinstimmen, der Sie so lange daran gearbeitet haben. Deshalb muss ich Sie fragen: Warum haben Sie das Modell so konstruiert und nicht anders? Ich will und kann Ihnen nicht vorgreifen…….

    Alfred Felsberger

    • Sehen Sie, das Marx-Problem mit der „Versilberung des Mehrwerts“ ist ja nicht deswegen interessant, weil es zu einer Arbeitswerttheorie gehört, sondern weil die Frage nach dem Gewinn/Profit seitens der Grenzproduktivitätstheorie auch immer mit einem „Grenzertrag“ begründet wird. Aus dem Umstand, daß das in einer Kornökonomie funktioniert folgert eine ganze Wissenschaft, daß das auch in einer Geldwirtschaft so sei und verschleiert die Unhaltbarkeit einer derartigen Vorstellung mit der „Umlaufgeschwindigkeit“ des Geldes. Letzteres Argument ist gewissermaßen die Stelle, wo in der Ökonomie „durch Null geteilt“ wird und damit vermeintlich die Theorie des Gewinns aus dem Grenzertrag bestätigt sei.

      Es wird häufig übersehen, daß Keynes eine für den deutschen Wissenschaftsraum selbstverständliche Geschichte bei sich präsentiert hatte, nämlich daß Geld eine „Produktionselastizität von Null“ aufweist. Oder platt gesagt, daß Geld nicht durch den Produktionsprozeß entsteht und daher keine Begründung für die Entstehung von Gewinn abgeben kann – genausowenig wie der Mehrwert eine Begründung dafür abgibt, wie ein monetärer Gewinn entsteht, der tatsächlich auch ausgezahlt werden kann und nicht nur aus einem fiktiven Buchungsposten besteht.

      Vielleicht sollten Sie Ihren „Verdacht“ mal beiseitelassen und aufhören etwas zu bekämpfen, was von seiner Konstruktion her nicht bekämpfbar ist. Das Einzige, was Sie tun könnten, ist die Angemessenheit dieser Konstruktion zur Erklärung der Frage „Wie entsteht Gewinn?“ anzuzweifeln. Daß auf diese Weise Gewinn entstehen kann, können Sie nicht widerlegen, jeglicher Versuch dagegen ist sinnlos, weil das Grundprinzip derart einfach ist, daß man es mit „Töpfchen und Spielchips“ am Tisch nachvollziehen kann – ist zwar aufwendig, aber geht. Es ist auch völlig unnötig zu versuchen irgendwelche „reale Netto-Investition“ oder Ähnliches dort hineininterpretieren zu wollen – das ist mit Blick auf ein Geldstrommodell völlig am Thema vorbei.

      Wie gesagt: ich nehme die Frage nach der „Versilberung des Mehrwerts“ ernst und versuche nicht mit irgendwelchen Ausreden wie „Goldfunde“ oder „höhere Zirkulationsgeschwindigkeit“ oder „fiktive Wertzuschreibungen“ der Lösung auf die Schliche zu kommen. Manchmal muß man auch mal Altes über den Jordan schicken, damit überhaupt Platz für etwas Neues wird…

  77. Das Problem, so wie ich es sehe, ist: Sie, sehr geehrter Herr Menendez, sind ökonomisch erzogen, das heisst: durch die „Mühlen“ dieser Theorie gegangen. Viele andere, die sich mit der Frage des Geldes beschäftigen, sind es nicht. Auch ich nicht. Dadurch entsteht ein Graben der Begrifflichkeit, der kaum zu überwinden ist, und an der Frage der „Netto-Investition“ immer wieder auftaucht. Akzeptieren Sie doch endlich: dass die (Netto-)Investition ein Geldstrom ist, der vom Käufer des Investitionsgutes zum Verkäufer fliesst, und zu Kaufpreisen gemessen wird. Sie scheinen, wann immer der Begriff „Netto-Investition“ auftaucht, ein physisches Investitionsgut vor Augen zu haben, wo doch die Netto-Investition eine blosse Zahl als Ausdruck eines Stromes ist. Sie prallen mit Ihrer Kritik (Grenzproduktivität, etc.) an mir ab, weil ich den Begriff Netto-Investition als Zahl verwende. Ich denke nicht an physische Einheiten.

    So, und jetzt frage ich Sie: Was ist diese Netto-Investition eigentlich? Angenommen, sie wäre Null, dann würde das Netto-Produkt eines Jahres dem Konsum entsprechen (Y = C). Alles würde verfressen werden, nichts (keine Zahl!) würde dem Kapitalstock nach Abschreibungen hinzugefügt worden sein. Können Sie sich vorstellen, dass Marx daher mit „Mehrwert“ Netto-Investition meinte? So, und jetzt sprechen Sie die ganze Zeit von „Mehrwert-Realisierung“, nur dummerweise enthält ihr Modell keine Netto-Investition. Nochmals: Realisierung des „Mehrwerts“ heisst Realisierung der Netto-Investition, und wer keine Netto-Investition modelliert, soll auch nicht von „Realisierung des Mehrwerts“ sprechen. Was Sie gemacht haben, ist ganz etwas anderes: Sie haben die alten Aufschlagstheorie der Ökonomen wieder aufgewärmt, indem Sie zeigen dass „Einnahmen > Ausgaben“ möglich ist, auch wenn die Netto-Investition Null ist. Ja: Legitim! Bravo! Nur: warum sprechen Sie dann immer von der „Realisierung des Mehrwerts“? Nennen Sie es doch einfach: Gewinn.

    PS: Die Lösung der „Realisierung“ der neugeschaffenen Investitionsgüter ist um vieles komplizierter als Ihr Modellaufbau, der Investitionsgüter verpachtet. Ich bezweifle, dass es überhaupt möglich ist, dies bis in alle Verästelungen zu zeigen. Ich hab`s für zwei Stufen geschafft: Investitionsgüter (produziert nur mit Arbeit) und Konsumgüter (produziert mit Investitionsgüter und Arbeit). Und schon hier entstehen schwere Bruchstellen, weil sich die Konsumgüterunternehmen verschulden müssen um die Investitionsgüter zu kaufen. Die Menschheit ist weit davon entfernt das Problem zu lösen und glauben Sie mir: Sie leider auch!

    Alfred Felsberger

    • „…dummerweise enthält ihr Modell keine Netto-Investition.“

      Man sollte derartige Dinge nur dann schreiben, wenn man sich wirklich sicher ist, damit keinen Bock zu schießen. Ich kann nichts dafür, daß Sie vor einem Modell sitzen und nicht verstehen, was dort vor sich geht. Ich bin aber nicht Ihr Nachhilfelehrer, da müssen Sie sich schon anderweitig umsehen.

      Viel Glück!

      • >Man sollte derartige Dinge nur dann schreiben, wenn man sich wirklich sicher ist, damit keinen Bock zu schießen> Also ich sehe, wenn ich Ihr Modell betrachte: ein im Mittel konstantes Kreditvolumen. Wie Sie glauben einen wachsenden Kapitalstock (= positive Netto-Investition) mit einem im Mittel konstanten Kreditvolumen finanzieren zu können, wird auf ewig Ihr Geheimnis bleiben. Dafür brauche ich wirklich: keine Nachhilfe.-) Es sei denn, Sie wollen mir beibringen, dass eine positive Netto-Investition kein steigendes Kreditvolumen benötigt. Na dann: Hut Ab! Sie haben das „Perpetuum mobile“ erfunden!

  78. Nochmals: Ich will Ihre Leistung nicht schmälern. Sie zeigen, dass Gewinn in einem dynamischen (Nicht-Wachstums)-Modell möglich ist. Das ist eine grossartige Leistung. Ich stosse mich nur gegen ihren permanenten Verweis auf Marx. Lassen Sie ihn doch aussen vor, er hat mit dem, was Sie gezeigt haben, gar nichts zu tun! Was er zeigen wollte, ist: dass die produzierten Investitionsgüter (nach Abschreibung) von den Unternehmen angeeignet werden und dass dies preislich zu verarbeiten ist. Das ist eine um hundertmal komplexere Aufgabe, weil sie verlangt einen Konnex zwischen verbuchten Investitionsgüter (=Zahlen!) und Preistheorie herzustellen. Davon ist die Menschheit weit entfernt udn es wäre schon ein schöner Schritt nach vorne, wenn man einen Kreislauf modellieren könnte, wo die Produktion und Aneignung der Investitionsgüter reibungslos nachgewiesen wird. Also: Lassen sie Marx in Ruhe! Sie mögen ihn ja sowieso nicht.-) Ihre Modell-Probleme sind ganz anderer Natur.

    Alfred Felsberger

  79. Beate

    Sie schreiben lange über das Gleichgewicht.

    Das Gleichgewicht ist eine Lösung mathematischer Gleichungen.

    Die mathematischen Gleichungen sind die logischen Prämissen des Modells.

    Ob die Prämissen in sich konsistent sind und empirische Relevanz haben.

    Und worüber überhaupt Aussagen Prognosen möglich sind.

    Haben sie nicht geschrieben.

    Die Prognosen scheinen sich empirisch nie prüfen zu lassen.

    Wenn ihr keine Theorie habt.

    Warum stellt ihr euch dann hin und gebt überhaupt wirtschaftspolitische Empfehlungen ab?

    • Vandermonde

      Da „soffisticated“ meines Wissens nach nicht Angela Merkel berät, können Sie das ruhig entspannt sehen. Wobei das vermutlich sogar eine ziemliche Verbesserung darstellen würde. Und wenn Sie ein bisschen im Blog stöbern, stoßen Sie auch auf genau diese Fragen (unter anderem auch von mir).

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