Wozu ist ein Markt?

Restaurant Kremmen„I am, as a theorist, more concerned with the intellectual move which axiomatically ensures that the invisible hand is never observed in reconciling inconsistent plans and so provides no account of how it might actually do this. It seems clear that this leaves the theory essentially incomplete. It also seems obvious that it cannot be usefully confronted with other theories, for it is no answer to the Keynesian proposition that there may be states in which willing workers cannot find a job at the going wage to announce it as an axiom that this can never happen.

Less extreme theories have recognised that some story must be told and to the non-economist the chosen one is known as the ‚law of supply and demand‘. Here the invisible hand is actually set in motion. When demand for anything exceeds its supply the price will go up, and vice versa when supply exceeds demand. In taking this account seriously, one finds oneself studying a rather complex dynamic system. It is a fact that this study has not led to the conclusion that this behaviour of prices must guide the economy to its tranquil equilibrium. Indeed, almost the converse is true: only very special assumptions seem to ensure this happy outcome.“ (Hahn, F.H., Equilibrium and Macroeconomics 1984, S. 125)

Dieses Zitat stammt nicht etwa von irgendeinem kenntnisbefreiten Kritiker der ökonomischen Theorie, sondern von einem der ausgewiesenen Kenner und Protagonisten der allgemeinen Gleichgewichtstheorie. Mal abgesehen davon, daß er das Grundmodell der Marktwirtschaft als ‚essential incomplete‘ bezeichnet ist bemerkenswert, daß er die ständig kolportierte Geschichte von den segensreichen Wirkungen von Angebot und Nachfrage als etwas charakterisiert, was Menschen mit geringen ökonomischen Kenntnissen vermittelt wird, damit diese überhaupt eine Vorstellung davon bekommen, was die zentrale Funktionslogik der allgemeinen Gleichgewichtstheorie überhaupt ist. Die Konsequenz aus dieser Behauptung ist durchaus eklig: sie besagt, daß das Marktmodell als Funktionsvorstellung für die Analyse gesamtwirtschaftlicher Bedingungen offenbar schlichtweg ungeeignet ist und eher als allegorisches Propädeutikum angesehen werden sollte, als als ernstzunehmende Funktionsbeschreibung.

Ein derartiger Befund kann allerdings nur denjenigen aufschrecken, der seine Auffassungsgabe noch nicht dem vermeintlichen ‚common sense‘ unterworfen hat. Denn wie so viele Halbwahrheiten auch ist die Vorstellung davon, daß eine Marktwirtschaft valide Funktionsbedingungen aufweisen würde, einer schöngeistigen Phänomenologisierung zuzuordnen und nicht einer ausgereiften modelltheoretischen Konzeption, wie man es erwarten würde, wenn diese Botschaft aus unzähligen Lehrbuchdarstellungen hervortönt. Daher lohnt es sich zu ventilieren, welche Funktionsvorstellung das Marktmodell überhaupt ausweist und ob diese Funktionsvorstellung überhaupt geeignet ist, den Bedingungen einer komplexfähigen Ökonomie gerecht zu werden.

Eine kleine Bemerkung sollte noch vorab eingefügt werden, die das übliche Angebot-Nachfrage Diagramm betrifft, weil dies als zentrales Lehrbuchelement allen Ökonomen irgendwann mal beigebracht wurde. Es wird sich zeigen, daß der zentrale Vorbehalt dagegen ist, daß die Ableitung der Angebots-Nachfrage Kurven zunächst aus einer mikroökonomischen Perspektive erfolgt, deren zentrale Voraussetzung darin besteht, daß diese voneinander unabhängig sind. Die Nachfragekurve wird aus den Präferenzen der Haushalte abgeleitet, während die Angebotskurve aus dem aufsteigenden Ast der Grenzproduktivitätskurve entstammt, welche die abnehmende Produktivität von Produktionsprozessen reflektiert. (Letzteres wird durch empirische Untersuchungen als unhaltbar festgestellt, was jedoch nicht dazu geführt hat, daß dieses Konzept jemals von dem mainstream der ökonomischen Theorie jemals in Frage gestellt worden wäre.) Soweit wäre ja noch alles in Ordnung, wenn nicht dann der Übergang zu dem gesamtwirtschaftlichen Modell die Grundlage des einzelwirtschaftlichen Modells schlichtweg aushebelt: es gibt nämlich in der Makroökonomie kein ‚ceteris paribus‘!

Nun muß man ja nicht bestreiten, daß es in kapitalistischen Ökonomien durchaus so etwas gibt wie Märkte. Die wesentliche Frage wäre jedoch zu ergründen, was sich tatsächlich auf Märkten abspielt, deren Funktion ja irgendwie doch zu den effizienten Ergebnissen führt, die man auf Märkten beobachten kann, die durch geldwirtschaftliche Vorgaben geprägt sind. Wie man sich leicht vorstellen kann, wird es hier nicht darum gehen alle möglichen schöngeistigen Vorstellungen zu rekapitulieren, welche um den Begriff „Markt“ gesponnen worden sind. Denn jenseits dessen, was üblicherweise zu diesem Thema angeboten wird, ist der Marktbegriff dahingehend zu prüfen, wie er von der dahinterstehenden Theorie begriffen wird. Man mag sich seine Vorstellungen davon machen, was ein Markt sein soll, man mag an Flohmärkte oder Supermärkte oder auch Arbeitsmärkte denken. Entscheidend ist dabei jedoch, was in dem theoretischen Rahmen, der verwendet wird, um den Marktbegriff zu formulieren, als die funktionale Eigenschaft angesehen wird, was ein Markt zu leisten hat. Insofern sind üblicherweise die Interpretationen dessen, was ein Markt für Wirkungen entfaltet davon geprägt, die phänomenologischen Aspekte zu beschreiben, ohne daß damit mehr als diffuses Verständnis davon erzeugt würde, welche Bedeutung ein Markt in einem volkswirtschaftlichen Begründungszusammenhang tatsächlich besitzt.

Hilfreich bei dieser Geschichte ist folgende Graphik, welche die Markttheorie in einen Zusammenhang mit der Haushaltstheorie und der Unternehmenstheorie setzt, weil hierbei ersichtlich wird, welche funktionalen Kriterien bei der Formulierung eines adäquaten Marktbegriffes erforderlich sind.

Markttheorie

Man sieht daran sehr schön, daß es bei dem Grundlagenmodell der Marktwirtschaft um das zentrale Problem geht, daß ein Gleichgewicht erreicht werden soll, dessen Kriterium ist, daß es bei dem gleichgewichtigen (relativen) Preissystem zu einem Verschwinden der Überschußnachfrage kommt, d.h. daß diese zu Null werden, was bedeutet, daß ein Individuum bei dem geltenden Preissystem keine Möglichkeit mehr hat, seine Situation durch Umschichtungen zu verbessern. Denn ein Individuum wird nur dann sein Angebot bzw. Nachfrage ändern, wenn die Preissignale, die er empfängt ihn dazu veranlassen, seine angebotenen/ nachgefragten Mengen zu ändern. Für den Haushalt sind die (relativen) Preise insofern maßgeblich, als sie darüber bestimmen, wie hoch sein Handlungsspielraum ist, d.h. wie es mit seiner Budgetrestriktion beschaffen ist. Denn ohne Budgetrestriktion kann er keine sinnvolle Wahl zwischen den Alternativen treffen, ohne die Vorgabe der Preise hängt die Budgetrestriktion in der Luft. Man kann wenn man so will das „Herantasten“ an das gleichgewichtige Preissystem damit vergleichen, daß der Haushalt je nach gegebener Budgetrestriktion ein dazu passendes Angebots-/ Nachfrageprofil wählt. Man kann sich an dieser Stelle vielleicht vorstellen, was Hahn eingangs ausdrücken wollte, indem er von einem ‚rather complex dynamic system‘ gesprochen hatte.

Man hat es also beim Grundmodell der Marktwirtschaft mit einer Optimierung unter sich verändernden Nebenbedingungen zu tun, wobei die konstante Größe in diesem Prozeß die Präferenzen der Haushalte sind, so daß die Änderung der Angebots-/ Nachfragemengen lediglich davon abhängig sind, wie der aktuelle relevante Preisvektor beschaffen ist. Das wiederum bedeutet – im Gegensatz zu der üblicherweise kolportierten Version, daß das Individuum durch seine Entscheidungen die Ökonomie steuern würde -, daß die Bestimmung des allgemeinen Gleichgewichts der Marktwirtschaft aus der Festlegung des gleichgewichtigen Preissystems besteht, was postwendend bedeutet, daß dieses Marktmodell dazu da ist, um für die Haushalte die relevante Budgetrestriktion zu bestimmen. Denn ohne die relevante Budgetrestriktion kann auch der ‚homo oeconomicus‘ nicht optimieren, geschweige denn sein Angebot bzw. seine Nachfrage bestimmen, er ist dann plötzlich völlig machtlos, weil für eine Optimierung (Maximierung) keine Grundlage existiert. (Es gibt bestimmt noch Leute, die das sozialistische Prinzip kennen: möglichst viel erreichen bei möglichst geringem Aufwand. Ich hoffe, diesen Unfug muß man nicht auch noch erläutern!)

Aus all dem Gesagten ergibt sich, daß die Funktion eines Marktes die Bestimmung des gleichgewichtigen Systems der relativen Preise ist, was gleichbedeutend mit der Bestimmung der relevanten Budgetrestriktion für die Haushalte ist. (Dieser Prozeß findet spiegelbildlich auf der Seite der Unternehmen statt, wobei die Vorgabe der Unternehmen die Technologie darstellt, die für sie die Optimierungsgrundlage liefert. Ich verzichte hier darauf, diesen quasi analogen Vorgang noch extra zu diskutieren.) Dieser weithin unbekannte Umstand hat jedoch eine eklige Konsequenz: das Angebots-/ Nachfrage-Diagramm der Mikroökonomie, welches Heerscharen von Studenten beigebracht wurde ist erst dann als analytisches Instrument für gesamtwirtschaftliche  Probleme anwendbar, wenn das relevante Preissystem bestimmt wurde – sonst nicht. Diese Notwendigkeit der Existenz des gleichgewichtigen Preissystems kann nicht mit Rückgriff auf einen ‚deux ex machina‘ (oder Auktionator) postuliert werden, da – wie es Hahn sehr schön ausgedrückt hat – ‚the invisible hand is never observed in reconciling inconsistent plans‘! Der Auktionator als Vorstellung mag ja ganz spaßig sein, was Not tut ist jedoch die Deklarierung des Verfahrens, mit dessen Hilfe dieses Gleichgewicht zu erreichen wäre. Man braucht da nicht lange zu raten: da gibt es Nichts. Nichts! Null! Nada! (Nur die Leute, die noch wissen, was im real existierenden Sozialismus die „material-technische Versorgung“ war, werden sich noch gut daran erinnern können, WIE hoffnungslos dieses Unterfangen gewesen ist. Und das soll die zentrale Funktionalität der Theorie der Marktwirtschaft darstellen?) Und dennoch heißt die Antwort auf die Frage: Wozu ist ein Markt? : der Markt bzw. das Marktprinzip hat in der Neoklassik bzw. in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie die Funktion den Vektor der gleichgewichtigen relativen Preise zu bestimmen, welcher bewirkt, daß alle Individuen bei den gegebenen Preisen keine Änderung ihrer Nachfrage sowie ihres Angebotes mehr vornehmen.

Das Interessante an dieser Perspektive ist, daß sich 99% der Kritik der Neoklassik damit an einer völlig falschen Stelle befindet, obwohl man aus der Theoriegeschichte durchaus wissen müßte, wo der eigentliche Defekt steckt. Man kann den Neoklassikern zugutehalten, daß sie es lange Zeit vermocht haben, ihre eigentliche Schwachstelle zu vertuschen, indem sie einen Popanz wie den ‚homo oeconomicus‘ zum Zentrum der DAGEGEN von vornherein untauglichen Angriffe gemacht haben. (Don Quichote läßt grüßen!) Denn die eigentliche Frage für die präferenzgesteuerten Entscheidungen der Haushalte ist ja nicht die, ob sie lieber Artischocken oder Hummer haben möchten, sondern wie hoch der Handlungsrahmen ist, mit Hilfe dessen sie erst eine sinnvolle Entscheidung über ihre präferierte Wahl herbeiführen können. Das Wichtigste an der Frage wie denn nun die Budgestrestriktion genau aussieht ist der Umstand, daß diese Frage niemals individuell geklärt werden kann, sondern sich als Ergebnis des sozialen Prozesses „Findung der Gleichgewichtsposition“ (ein Kommunikationsprozeß!) herausstellt. Dieser Nexus, die Budgetrestriktion als soziales Phänomen sehen zu müssen begründet, daß selbst in der Neoklassik Ökonomie eine genuin soziale Komponente aufweist,  die nicht, wie Heerscharen von Schreiberlingen es darstellen, aus Horden autistischer Individuen geformt wird, die nichts weiter zu tun haben, als ihren egoistischen Motiven nachzugehen.

Im Grunde genommen wirft dieser Befund ein neues Licht auf eine alte Anekdote die besagt, daß der Sohn des Aga Khan nach einer Vorlesung Keynes gefragt haben soll: „Meister, wie funktioniert das ohne Budgetrestriktion?“ Es hat natürlich seinen Grund, daß nur jemand, der es nicht gewöhnt ist sich einer Budgetrestriktion unterwerfen zu müssen, die Fähigkeit aufweist zu erkennen, daß die Existenz der Budgetrestriktion ein virales Problem der ökonomischen Theorie darstellt. Man könnte ja mal spaßeshalber vermuten, daß Aga Khan Junior nicht gemeint hat, daß er selbst damit nichts anfangen kann, weil er diese Budgetrestriktion nicht kennt, sondern genau gesehen hat, daß die Ableitung der Budgetrestriktion aus dem Präferenzmechanismus der Neoklassik de facto nie funktionieren kann. (Das erinnert auch ein wenig an das Ergebnis der Cambridge-Kontroverse, weil sich ja auch die Frage nach einem eindeutigen Maß für Kapital als nicht lösbar erwiesen hat.) Wie die Kapitaltheorie besitzt auch die Markttheorie der Neoklassik keinen faßbaren Funktionalismus, womit sich dann auch die Bemerkung von Hahn bestätigt, ‚that this leaves the theory essentially incomplete‘. Wohlgemerkt: „essentiell“ und nicht etwa lediglich im Hinblick auf eine unbedeutende Nebensächlichkeit!

Was fängt man nun mit einer derartigen Erkenntnis an? Es stellt sich die Frage, ob man gewillt ist, die Funktionalität des Verfahrens, wie eine Budgetrestriktion entsteht ernstzunehmen oder nicht. An diesem Punkt erweist sich, ob man es mit einer validen ökonomischen Theorie zu tun hat, oder ob man weiterhin gewillt ist, die Ummöglichkeit der Formulierung einer Budgetrestriktion aus dem neoklassischen Begründungszusammenhang heraus ergeben zu akzeptieren und lieber weiter an die Funktionalität von „Angebot und Nachfrage“ glauben will. Letzteres kann man ja machen, dann kann man auch gleich die Geschichte vom Klapperstorch für Evolution halten.

63 Kommentare

Eingeordnet unter Wirtschaftstheorie, wonkish

63 Antworten zu “Wozu ist ein Markt?

  1. Um Markt praktisch zu handhaben, Börse mit unbekanntem Bargeldinhalt sowie mit EC-, bzw. Kreditkarte einstecken und auf dem Wochenmarkt das Menue für den Sonntag zusammen kaufen. Die Preise werden die Budgetrestriktionen bestimmen, auch bei Akzeptanz der Karten😉

    Die Vektoren sind ganz reale – Menue, Zutaten, Zahlungsmittel und Marktordnung der Kommune…
    Und wo wird der Gesamtumsatz des Markttages liegen?

  2. Der österreichische Staat ist sehr erfolgreich beim Herbeiführen von Budgetrestriktionen. Man sieht das an der Sparquote. Konnten die privaten Haushalte in den vergangenen Jahrzehnten noch Sparen, wird jetzt eher erspartes verkonsumiert. Sobald alles ersparte aufgebraucht ist, dann tritt mit Sicherheit die Budgetrestriktion ein. Auch eine steigende Zahl an Arbeitslosen hilft die Budgetrestriktion für möglichst viele mehr real werden zu lassen.

    Eigentlich müsste eine permanente Budgetrestriktion vorherrschen, da alles Zentralbankschuldgeld kreditgeschöpftes Geld ist, dass mit Zinsen zurückgezahlt werden muss.
    Die permanente Budgetrestriktion führt auch zu permanent niedrigeren Preisen, wenn man die Geschichte inflationsbereinigt betrachtet, denn meistens ist die Steigerung des VPI stets unter der Steigerung der Inflation und Steigerung der Geldmengen M1 + M2 + M3.

    aus irgendwelchen Gründen steigen die Verbraucherpreise langsamer als die Geldmenge. Jeder Sinnianer würde mich jetzt hängen, denn die sehen tag täglich die Hyperinflation per EZB kommen und trotz Draghi’s Q&E und falscher Sterilisation, steigt der VPI weniger stark als das Geldmengenwachstum.

    • Der Verbraucherpreisindex VPI2000 lag in Österreich tatsächlich unter den gemessenen jährlichen Inflationsrate (wie auch immer die ermittelt wird und welche Aussagekraft diese haben soll???).
      Allerdings, wenn wir uns Österreichs Beitrag zu den €-Geldmengen M1 + M2 + M3, sowie ein par Preis-Indizes für Commodities und den ATX ansehen, wird klar:
      Öl-, Gas- und Gold-Preis verhalten sich wie in einem freien Markt mit Angebot und Nachfrage (so leid mir das auch tut, auch dann wenn bei Beginn der Weltwirtschaftskrise 2.0 2008 viele in Gold flüchteten und den Preis dadurch nach oben trieben)
      http://wp.me/p2XoPQ-gp

      Die Preise für commodities haben nun mal mit Angebot (=Fördermenge) und Nachfrage der Realwirtschaft + Spekulationen an den virtuellen Märkten (inkl. Tricks von Goldman Sachs, das Aluminium zwischen 2 Lagerhallen herumkarrt um den Preis künstlich in die Höhe zu treiben) zu tun. Gold ist vielleicht eine Ausnahme, da manche diese commodity aus nostalgischen Gründen und „falscher Sicherheit“ gerne auch als Anlageform verwenden, aber Öl- und Erdgas sind klassische Rohstoffe.

      • Um noch etwas anzumerken:
        Nur weil sich die Basisrohstoffpreise meiner Ansicht und Wahrnehmung wie in einem freien Markt verhalten, heißt das nicht, dass das Marktmodell irgendeine allgemeine Gültigkeit hat / haben soll. Sicher sind Einkommen und Sparguthaben für die Kaufkraft und den prinzipiellen Rahmen an Präferenzen des einzelnen, aber auch für die ganze Volkswirtschaft entscheidend.

        Trotzdem finde ich es eigentlich sehr erstaunlich, dass sehr stabile (robuste) Produktpreise in unserem hoch komplexen Wirtschaftssystem in dieser Form existieren.. Zwar gibts ab und zu Überraschungen und Anomalien (manche Smartphones sind in Taiwan merkwürdigerweise um 40€ teurer als in €uropa, trotz des näheren Transportweges, aber vielleicht bekommen große europäische Märkte Mengenrabatt.), aber trotz schwankender Rohstoffpreise, Weltwirtschaftskrisen, Konflikte, Naturkatastrophen sind die Verbraucherpreise für die wichtigsten Güter des alltäglichen Bedarfs erstaunlich stabil und das fast weltweit!

      • Sorry, ich bin heute ganz lästig.

        Im Gegensatz zu Rohstoffen verhalten sich industriell hergestellte Güter eher wenig nach Angebot und Nachfrage.
        Bei zu wenig Nachfrage, verbilligt sich vielleicht das Angebot, aber bei zu viel Nachfrage bleibt der Preis meistens gleich.

        2005 kaufte ich mit meiner Ex-Frau einen VW-Polo, der damals sehr beliebt war. Trotz der hohen Nachfrage, stieg der Preis natürlich nicht, VW brauchte einfach länger zum Liefern. Während andere Marken/Modelle in 2 Wochen verfügbar waren, wartete ich damals ganze 2 ;Monate auf das neu bestellte Auto. Die Schichtarbeiter in Wolfsburg schoben damals Überstunden bei der übermäßigen Nachfrage nach dem Modell. Es gab allerdings weder bei den Materialen irgendeine Knappheit oder eine Seuche, die Arbeitskräfte verknappte, VW konnte einfach mehr in etwas mehr Zeit problemlos produzieren. Nur die anderen Automobilhersteller senkten dann etwas ihrer Preise um auch ihren bereits produzierten Bestand los zu werden.

    • Vandermonde

      Es herrscht ja auch eine permanente Budgetrestriktion, weil jegliche Ressourcen beschränkt (auch die von reinen Kommunikationsprozessen)

      • Sehen Sie, genau das ist es ja: weil Menschen üblicherweise an allen Ecken und Enden nur (Budget-)Beschränkungen sehen, können sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, daß ausgerechnet die als Theorie der Marktwirtschaft verkaufte Geschichte eine Begründung für das Zustandekommen der Budgetrestriktion nicht liefert. Das ist so etwas wie ein Sakrileg. Das Interessante beim (Gedanken-)Sakrileg ist, daß es sich (nicht nur) in diesem Fall gegen das Vorurteil richtet, welches durch die individuelle Wirklichkeitsauffassung definiert wird. Insofern ist die Khan Junior Anekdote nicht nur ein Gag, sondern ein ernstzunehmender Hinweis, wo die Denkblockade bei der Interpretation dessen, was man sich so unter Marktwirtschaft vorstellt, sitzt. (Dazu gehört auch das Mißverständnis, die unbestreitbare Beschränktheit realer Ressourcen als Argument gegen eine Vorstellung der Funktionsweise von Ökonomie verwenden zu wollen. Das Argument ist nicht nur nicht erfolgreich, es geht auch am Thema vorbei, weil ausgerechnet die damit kritisierte Theorie in ihrem Grundansatz von beschränkten Ressourcen – dort genannt Erstausstattungen – ausgeht!)

    • Vandermonde

      ?
      „denn meistens ist die Steigerung des VPI stets unter der Steigerung der Inflation“
      meinen Sie mit „Inflation“ den BIP Deflator?

  3. Vandermonde

    Witzigerweise könnte man gesetzliche Preisfestsetzungen eigentlich als die von der neoklassischen Theorie implizit erforderlichen Preisvorgabe interpretieren.

  4. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. Juli 2014 | Die Börsenblogger

  5. Für mich stellen sich – nicht nur nach der Lektüre dieses Artikels – einige grundsätzliche Fragen:

    Wie sinnvoll ist eine von sozialen Prozessen losgelöste Beschäftigung mit einem Teilbereich der sozialen Interaktion?

    Wie sinnvoll ist es überhaupt, „die Wirtschaft“ aus der sozialen Interaktion herauszunehmen und separat zu untersuchen?

    Gibt es eine Möglichkeit sich der Totalität „der Gesellschaft“ mit wissenschaftlichen Methoden zu nähern und wie sieht diese Möglichkeit aus?

    Ist der methodologische Individualismus für eine Totalität geeignet?

    Können „ganzheitliche“ oder „dialektische“ Ansätze nicht wertvollere Dienste leisten?

    Oder sollte in der „Wirtschaftswissenschaft“ zumindest in der Abteilung Makroökonomie lediglich nach empirisch belegbaren Zusammenhängen gesucht werden?

    Man könnte ja auch zu dem Schluss kommen: Lasst doch den VWLern ihr Spielzeug! Leider bleiben die VWLer jedoch nicht auf der akademischen Spielwiese, sondern mischen sich mit ihren Konzepten in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Abläufe ein. Mit zum Teil dramatischen Folgen für Land und Leute.

    Das lässt mich alles ein wenig ratlos zurück.

    • Ein VWL Prof. müsste (im Prinzip) bei einer Diskussion, z.B. in einer Talkshow, seine Aussagen markieren. Er müsste kennzeichnen, ob er gerade als VWL-Theoretiker spricht oder ob er als normale, politisch-engagierte Person (wie jeder andere auch) spricht. Das wäre fair. Unfair ist es, beides zu vermischen, also aus der VWL „rhetorisch“ mehr rauszuholen als drinsteckt. Es ist unfair, dass sprachliche Gewand des VWLlers zu tragen, aber aus dem Mund kommt nur Politik. 99% der (Meta-) Erklärungen/Diskussionen/“Herleitungen“ sind Politik und „gesunder Menschenverstand“ – und nicht VWL. Selbst die Lehrbücher, (ich arbeite derzeit mit Mankiw/Taylor), machen keine „harte“ VWL, sondern einen seltsamen Misch-Masch aus allem. Das soll wohl „Praxisrelevanz“ erzeugen, mich verwirrt es eher. Ich hätte nämlich gerne erst die „untersten“ theoretischen Grundlagen der VWL beigebracht bekommen (also das absolute Fundament).

    • Na Sie sind ja lustig. Ein paar Grundsatzfragen stellen, die ganze Wissenschaftsbereiche umfassen? Sehr witzig. Aber gut, ich versuchs mal in der gebotenen Kürze!

      „…von sozialen Prozessen losgelöst…“ und dann „soziale Interaktion“ paßt irgendwie nicht zusammen. Falls Sie meinen, daß die allgemeine Gleichgewichtstheorie diesen Problemkreis nicht adressiert hätte: das hat sie schon, nur ist die Lösung nicht akzeptabel, weil die Vorstellung vom „Auktionator“ die entscheidende Frage nicht behandelt, nämlich wie kommt das Gleichgewicht zustande! Das kann man ihr nachsagen, aber nicht, daß sie dafür kein Problembewußtsein hätte.

      Die Analyse der „Totalität der Gesellschaft“ ist doch das Wissenschaftsfeld der VWL. Möglichkeiten gibt es natürlich, auch mehrere, nur man muß sich dieser Kontroverse auch stellen. Daß eine „etablierte Theorie“ dazu keine Lust hat, muß einen ja nicht überraschen.

      Der „methodologische Individualismus“ muß sicherlich eine Rolle spielen, denn sonst vergibt man sich die Möglichkeit etwas über die Potentiale einer liberalen Ökonomie zu sagen. Die Neoklassik hat es mit diesem Prinzip allerdings übertrieben und über das Ziel hinausgeschossen. Denn menschliche Interaktion hat auch immer etwas mit Kommunikation zu tun – und genau diesem Aspekt verweigert sich die Neoklassik. Folge: der Funktionsmechanismus, wie das Gleichgewicht zustande kommt, wird nirgends auch nur ansatzweise angesprochen. Statt dessen reiben sich jedoch die Kritiker am ‚homo oeconomicus‘ auf, statt sich auf den richtigen Kritikpunkt zu stürzen. (Das Problem mit der Budgetrestriktion hat wesentlich etwas mit Geldtheorie zu tun, aber das hier nur am Rande.)

      Die Neoklassik IST „ganzheitlich“, ignoriert dabei jedoch, daß der Funktionsmechanismus, der das Ganze steuern soll, auf ihre Art und Weise nicht funktioniert. Die Neoklassik ist quasi eine Maschine, die nicht oder nur im Prinzip funktioniert. Das stellt aber die Frage nach der Funktionsfähigkeit von Prinzipien.

      Die „empirischen Zusammenhänge“ kann man erst dann erfassen, wenn man eine Theorie darüber hat. Mit Empirie kann man nichts beweisen, was nicht schon theoretisch vorher formuliert wurde. Das Höhlengleichnis ist doch kein Gag, sondern eine bittere Einsicht in die Unzulänglichkeit der Möglichkeit „Realität“ erfassen zu können.

      Man muß auch nicht jeden, der ökonomische Begriffe in den Mund nimmt als VWLler bezeichnen. Das wird der Wichtigkeit dieses Wissenschaftsbereiches nicht gerecht. Es gibt auch beschissene Ärzte, nur daß sich deren Opfer nicht mehr beschweren können… was allerdings auch für das Desaster der Entwicklungstheorie gilt.

      • Vandermonde

        Ich glaube irgendwie verstehe ich den Zweck Ihrer Anspielung auf die Budgetrestriktion inklusive der Aga Khan Anekdote nicht ganz. Könnten Sie dazu etwas weiter ausholen?

  6. Konstanz Vogel

    Aus dem Mitdenken entstand der Gedanke: Wenn der Begriff „Markt“ für das (Funktions)-Modell steht „Marktmodell als Funktionsvorstellung“, dann kann der Begriff nicht gleichzeitig für einen Teil des Modells stehen „…der Markt bzw. das Marktprinzip hat in der Neoklassik bzw. in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie die Funktion den Vektor…“.

    Davon abgesehen einige allgemeine Bemerkungen: Markt ist ein der Alltagssprache entlehnter Begriff, der einen schwer verstehbaren Zusammenhang in einem Fachgebiet veranschaulichen soll. Der Begriff ist in der Alltagssprache allerdings mit einem konkreten Inhalt ausgefüllt (in diesem Fall „Ort“), den Menschen derart verinnerlicht haben, daß er nicht leicht, mit dem was in dem Fachgebiet damit gemeint ist, um interpretierbar ist. Es wird vorrangig die verinnerlichte Bedeutung mitgedacht und nicht die in dem Fachgebiet mit ihm gemeinte. Ähnliche Schwierigkeiten ergeben sich mit dem Begriff „Geld“, der meistens bedeutungsgleich mit Scheinen und Münzen gedacht wird. Noch problematischer ist, daß in dem Fachgebiet keine allgemein gleiche, eindeutige, gültige Definition des Begriffes „Markt“ existiert.
    Zwischen der möglichen authentischen Begriffsdefinition in dem Fachgebiet und dem ursprünglichen Bedeutungsinhalt tummeln sich in der zwischenmenschlichen Kommunikation unterschiedlichste Verwendungsmöglichkeiten des Begriffes, deren Gemeinsamkeit der (Ko)Gedanke an Selbstregulation ist. Der Begriff „Markt“ wurde ein dehnbarer und unterschiedlich interpretierbarer Begriff mit einem scheinbar eigenem Bewußtsein welches zu Handlungen befähigt.

    • Hallo Herr Vogel

      Sehen Sie, man muß unterscheiden zwischen dem, was einem die tägliche Erfahrung sagt und dem, was die theoretische Vorstellung ist, die deswegen gepflegt wird, weil diese von mehr oder weniger berufenen Wissenschaftlern vorgetragen wird. Es gibt für jeden Menschen eine Vorstellung über das, was er in seinem täglichen Erfahrungsbereich über „Wirtschaft“ weiß. Und dann gibt es die Geschichte, die man sich vorstellt, wie dasjenige funktioniert, was aber aus dem eigenen Erfahrungsbereich nicht ableitbar ist. Manche sagen dazu Theorie und Praxis, aber besser ausgedrückt ist es mit „kleiner“ (aus Erfahrung gespeister) Theorie und „großer“ (aus konsistenter Modellierung entstandenen) Theorie. Denn auch wenn es schwerfällt: das was man meint sicher zu wissen, ist auch nur ein Aspekt irgendeiner Theorie, die manchmal funktioniert und manchmal nicht.

      Und nun kommt es dazu, daß auf einmal die Vorstellung darüber, wie Wirtschaft funktioniert dadurch ins Schleudern gerät, daß die „große“ Theorie etwas nicht mehr erklären kann, was in der „kleinen“ Theorie als unbestreitbar angesehen wird. Daß nämlich das ökonomische Prinzip nur dann anwendbar ist, wenn es eine Beschränkung gibt – entweder der Mittel oder der Ziele. Da die Beschränkung des Ziels als nicht akzeptabel gilt, gibt es nur noch die Beschränkung der Mittel. Und hier fängt die Katastrophe an. Denn die herrschende Wirtschaftstheorie startet von der Voraussetzung beschränkter Mittel – genannt Erstausstattung – kann aber dann nicht nachweisen, wie die individuelle Budgetrestriktion zustandekommt, die aber die Vorbedingung dafür ist, daß Individuen optimieren (maximieren) können. Anders gesagt: die Erstausstattung ist für jeden vorgegeben, die Frage, wie er diese einsetzen kann, um damit andere Güter einzutauschen, wird durch diese Theorie nicht erklärt – und das obwohl diese Theorie den Anspruch erhebt, die grundlegende Theorie der Marktwirtschaft zu sein. Noch schlimmer: die grundlegende Theorie einer liberalen Gesellschaft, bei der die individuelle Handlungsfreiheit ein Baustein sein sollte, die eine Gesellschaft zu einem (beschränkten) Optimum führen können soll, kann gerade das, was sie als individuelle! Voraussetzung formuliert, nicht in eine gesellschaftliche Lösung transformieren (aber das ist ihr Anspruch)!

      Von daher ist es sicherlich richtig zu versuchen, die Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten, was schon schwer genug ist, wenn es sich um die Frage von Marktanalyse handelt, die unter der Voraussetzung ‚ceteris paribus‘ läuft und wo diese Voraussetzung nicht angewandt werden kann. Allein diese Differenzierung läßt sich nur noch bei anständig ausgebildeten VWLlern wiederfinden, obwohl dieser Unterschied alles andere ist als eine Trivialität. Möglicherweise ist dort auch die von Ihnen angesprochene Verwirrung zu orten: zwischen dem „Fadenkreuz“ der Ökonomen, welches i.d.R. nur bei Voraussetzung der c.p.-Klausel anwendbar ist und dem Marktmodell der allgemeinen Gleichgewichtstheorie, wo es sich um die Lösung eines rückgekoppelten Regelkreises handelt.

  7. Hallo Herr Renée Menéndez,

    die Weltfinanzlage steht vor der Notwendigkeit, die erklärten Kenntnisse mit den fortgeführten Fehlentwicklungen in Einklang zu bringen.
    Bonität der Kredit(-geld-)gewährung bestimmt Wertberichtigung der Vermögenspositionen, Forderungen mit spiegelbildlichen Verbindlichkeiten für vorfinanzierte Investitionen, die Tilgung und Zinszahlungen ermöglichen soll. Dieser soziale Vertrauensprozeß abstrakt gesichert bzw. materiell hinterlegt wurde und wird massiv zerstört.
    Das Instrumentarium der handelnden verantwortlichen Akteure Zentralbanken und Finanzintermediären Bankensysteme hat durch Manipulationen und den Versuchen durch ablassversprechende Strafzahlungen zu keinem Sinneswandel mit Neuanfang geführt. Die Konsequenz lautet somit, diesen Personen die Handlungsverantwortung und Macht zu entziehen. Also, einen Reload durchzuziehen.
    Erste Maßnahme: Rahmen und Regeln für eine Staatsinsolvenz, wodurch Währungsverfügung und Geldverfassungssystem verlässlich gesteuert reguliert sind. Moral Hazards und Erpressung sind dann beendet.
    Der Ordnungsrahmen der Wirtschafts- und Finanztheorie gibt die praktische Politik für Märkte und Haushalte sowie Währungsräume!
    Umverteilungswirkungen für Vermögensbestandsbesitzer und Renditevermehrer sind unvermeidliche Normalität. Reality happens, langfristig empirisch dokumentiert : Graeber und Piketty sowie Wallerstein.
    Zweite Maßnahme: Finanzierung und Sicherung der Banken durch Eigenmittel und Finanzaufsichtvorgaben.
    Drittens: Gleichbehandlung von Eigenkapital, Fremdkapital und Arbeitskapital, wodurch die Technologie keine Privilegierung und der menschliche Arbeitseinsatz keine Diskrimierung erfahren sowie Geldhortung nicht zum Selbstzweck mutiert, der Vermögenskonzentration befördert.
    Umfeld:Wachstum durch Energiezufuhr, -umwandlung und -nutzung von Aussen (Sonnenstrahlung) ist im erforderlichen Umfang zur fortwährenden Erhaltung der Stoffkreisläufe begrenzter Ressourcen „ewiglich“ gestaltbar (Sonnensystem). Menschliche Ideen und Phantasien dafür bereiten Freude.
    Abstimmung und Zusammenarbeit schöpfen friedliches miteinander der nachfragenden Verbraucher und herstellenden Anbieter. Persönliche Präferenzen und Fähigkeiten finden zueinander mit Kommunikation.
    Stöcker und rjmaris haben die Neocons im Herdentrieb plattgeschossen, was zum Paradigmenwechsel führt. Vielleicht kann Eclair etwas wissenschaftliche Schützenhilfe, Vielfalt geben, wenn er mitliest?
    Wir suchen ein Modell mit Bankensektoren (ZB +GB) und offenen „Volks-, Währungswirtschaften, das theoretisch und empirisch belastbar sowie rechenbar ist. Setzen Sie die Grenzen zur sich selbst blockierenden Planwirtschaft, aber verbinden die wohlfahrtsökonomischen Steuerungswirkungen aus der Verknüpfung von Natur- mit Geisteswissenschaften, die Sir Frederick Soddy gewiesen hat! Es gibt keinen Peak Sunshine, warum, weil Fristenkongruenz zwischen der Erde und dem Sonnensystem besteht und wir gerade Halbzeit haben. Wer diese innehaltende Pause nutzt, wird begeisterungsfähig gestalten, zur Freude der Menschen.
    Buchen wir die Targetsalden langsam um bzw. aus; Verantwortung ehrlich praktiziert: Vermögen im Sinne der Wortbedeutung schöpfen mit der Vielfalt der Phantasie der Menschen.😉

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag für den Sie sich sicherlich viel Zeit genommen haben. Ich sehe darin die Überzeugung, daß diese Welt irgendwann mal zu einem vernünftigen Umgang mit Geld kommt, wo bisher lediglich mystische Vorstellungen die moralische und intellektuelle Lufthoheit zu erringen versuchen.

      Ich möchte hinsichtlich der von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen jedoch anmerken, daß ein Großteil der Probleme der Gegenwart daher rühren, daß die herrschenden theoretischen Lehren sich noch auf einem quasi vorsintflutlichen Stand befinden. So ist z.B. die Vorstellung, daß es zu einer Staatsinsolvenz kommen kann einer betriebswirtschaftlichen Denke geschuldet, denn Staaten können nicht so einfach „pleite“ gehen wie einer der unzähligen Handwerksbetriebe, die im Vertrauen auf einen „goldenen Boden“ sich in die Insolvenz flüchten mußten. Diese Blaupause auf Staaten anwenden zu wollen kann nicht der korrekte Umgang mit einem Staatswesen sein, das ja – Insolvenz oder nicht – nicht so einfach von der Bildfläche verschwindet. Diese durch jede beliebige dumpfbackige Gazette gejagten Vorstellungen sind nicht die angemessene Ebene, die ein derartiges Problem lösen können. Man sollte sich in diesem Zusammenhang an die Aussagen von Alfred Herrhausen erinnern, der seine – letzten Endes (auch für seine Gegner) unvermeidbaren – Vorschläge mit dem Leben bezahlen mußte.

      Sie sprechen von einem friedlichen Miteinander. Sie haben Recht, nur ist da noch die Vorstellung davon, wie zwischenmenschliche Verpflichtungen – genannt Geld – auf eine Weise geregelt werden können, daß sie auch tatsächlich zu dem führen, was von dem Stammvater der Volkswirtschaftslehre Adam Smith beschrieben wurde: eine Gesellschaft von „Kooperativen“, die auf einer gleichberechtigen Ebene miteinander handeln können.

      So schön diese Vorstellung auch ist: wir haben es derzeit mit einer Verfahrensweise zu tun, welche dem Geld eine Stellung zuerkennt, die von einer humanistischen Perspektive nicht zu akzeptieren ist. Das „Warum und Wieso“ ist ja der zentrale Inhalt dieses Blogs. Ich kann Ihnen nur sagen, daß es noch viel Überzeugungsarbeit brauchen wird, um ein sinnhaftes Verstehen dieses Wissenschaftskomplexes erzeugen zu können. Aber wie man ja weiß: das Unmögliche lauert hinter der nächsten Ecke!🙂

      • Ergänzung:Nachtrag:Finanz- und Währungskrise:

        Notwendige Bedingung sind klare verbindliche Austrittsregeln und -mechanismen, die praktiziert werden, weil langfristig der EU-Vertrag (Eurosystem) nicht rekapitalisierbar ist (nationenpolitisch).
        Sie haben das sehr lange, sehr gut erklärt.
        Die Konsequenzen dieser Mißachtung werden die Verantwortlichen auf sich nehmen müssen.
        Menschlich kann nur mit Vergebung reagiert werden.
        Ob das mehrheitsfähig, konsensfähig (beobachte Frankreich) sein wird, ist eine spekulative Prognose (positivistisch und unverbindlich)!

        Es gibt Gutes, tut es.

        Konkrete Lösungen sind formuliert „in der Schublade“… und spontan umsetzbar, sollte man um die Ecke zusammenstoßen.😉
        Passendes post scriptum:

        http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/rettung-der-espirito-santo-musste-das-sein/10288082.html

        Ist dieser heilige Geist ökonomisch sinnvoll?

  8. @rubycon
    Ergänzung Finanz- und Wirtschaftskrise

    Eine nicht unerhebliche Schwierigkeit liegt darin begründet, dass sich in „der Wirtschaft“ eine große Anzahl von Problemen überlagern. Nehmen wir das Beispiel Europäische Währungsunion (EWU). Völlig unabhängig von den Turbulenzen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich in der EWU von Beginn an ein Ungleichgewicht abgezeichnet und aufgebaut, das ab 2008 dann „zufällig“ entdeckt wurde und als „Staatskrise“ und „Staatsschuldenkrise“ vor allem der Südeuropäischen Länder bezeichnet wurde.

    Was war passiert? Zu Beginn der EWU wurden die Wechselkurse der beteiligten Landeswährungen unverrückbar fixiert. Das Ergebnis war der Euro als gemeinsame Währung. Die EZB hatte den Auftrag im EU-Raum eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent zu bewerkstelligen. Ob das mit geldpolitischen Maßnahmen überhaupt erreichbar ist, wurde nicht gefragt. Zumal dieses Ziel im Durchschnitt auch erreicht wurde. Dafür ließ sich die EZB auch richtig feiern. Fakt war aber, dass die Inflationsraten in der EWU langsam aber sicher auseinanderdrifteten – und eben nur im Durchschnitt knapp unter zwei Prozent lagen.

    Und die Länder mit den höheren Inflationsraten gegenüber den Ländern mit den niedrigen Inflationsraten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil erlitten. So hat Frankreich, das als einziges Euroland das EZB-Inflationsziel nahezu perfekt erfüllte –und somit im Sinne des Erfinders eigentlich alles richtig machte – gegenüber der Bundesrepublik Deutschland erheblich an Boden verloren.

    Die Frage steht im Raum: Was erzeugt Inflation? Und empirisch ist zu zeigen, dass die Inflation sehr eng mit der Entwicklung der Lohnstückkosten korreliert. Und so lässt sich anhand der vorliegenden Daten auch sehr schön sehen, dass im EWU-Raum die Lohnstückkosten in Südeuropa am stärksten, in Frankreich weniger stark und in der Bundesrepublik Deutschland am geringsten gestiegen sind.

    Was heißt das nun praktisch: Die Ungleichgewichte in der EWU wären erst gar nicht entstanden, wenn in jedem Land jährlich die Lohnstückkosten in Höhe der Zielinflationsrate plus der Zuwachsrate der jeweiligen nationalen Produktivität gestiegen wären. Und für die Zukunft hieße das Rezept: In der Bundesrepublik müssen die Löhne jährlich stärker steigen, als die Zielinflationsrate und die Produktivität, damit sich mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit der EWU-Länder wieder angleicht. Der jetzige Weg über Lohnkürzungen dasselbe Ziel zu erreichen, führt in die Deflationsfalle.
    Für diese „tagespolitischen“ Entscheidungen für dieses ganz spezielle Problem ist es somit – eigentlich – nicht erforderlich die gesamte Wirtschaftstheorie von Grund auf zu reformieren. Ein gründlicher Blick in das vorliegende Datenmaterial würde auch ausreichen, oder nicht?

  9. Sehr geehrter Herr Zeller,

    Jede Währungsunion ist eine Fehlkonstruktion, es hat in der Geschichte noch kein Beispiel einer funktionierenden Währungsunion gegeben. Man kann daher darüber sinnieren, was die Europäer dazu bewogen hat, das Unmögliche zu wagen, aber nach „Lösungen“ zu suchen, das Unmögliche möglich zu machen, ist aussichtslos. Die Konstruktion einer Währungsunion kann erst dann funktionieren, wenn sie keine mehr ist: das heisst, wenn die EU zu einem Staat geworden ist. Da das nicht das Ziel der handelnden Akteure ist, werden wir Europäer der heutigen Generation uns darauf einstellen müssen dieses Experiment des „Unmöglichen“ über uns ergehen zu lassen. Ich sehe keinen Punkt und auch keine Chance diese Konstruktion zu brechen. Bestenfalls endet sie in einem Kerneuropa (Deutschland, Niederlande, Österreich, etc.), während die anderen Staat zur eigenen Währung zurückkehren. Aber selbst dieser „best case“ ist für alle Beteiligten mit unheimlichen Schmerzen verbunden…..

    • Frankie (f.k.a.B.)

      @Felsberger

      „Kerneuropa“ ist keine Option, da empfehle ich doch, sich mit der Psychologie kleiner Länder etwas vetraut zu machen. Fällt jemanden aus einem grossen Land schwer, ich weiss, ich war selbst jahrelang in solchen kleineren Ländern unterwegs.
      In einem solchen „Kerneuropa“ hätte D einen Anteil von 80% der Wirtschaftskraft. Das würde die Niederlande, Österreich oder Finnland nie aushalten, da könnten sie sich ja gleich dem Reich anschliessen. Erst recht angesichts der seit 5 jahren immer ungehemmter zur Schau getragenen Fiskalhegemonie , die D auf den Rest der Eurozone ausübt. Noch nicht mal Frankreich würde da mitmachen, ohne Italien und Spanien, die Gefahr untergebuttert zu werden würde als zu gross gesehen.
      Wenn dann wäre ein Austritt D aus der Eurozone die einzige sinnvolle Option: der „Rest“-Euro würde abgewertet ( was ja durchaus gewünscht würde ), gegen die neue D-Mark, bei uns würden endlich wieder die Zinsen steigen, und unser deutscher fiskalpolitischer Archetyp, die „schwäbische Hausfrau“ , wärs zufrieden und ihre Geldhaberapologeten von der AfD auch.
      Schlechter wärs für Typen wie mich, also Geldverdienenmüsser, angestellt bei einem Mittelständler, der 50% von seinem Umsatz in der Eurozone macht. Egal, das fiskalpolitische Leitbild hierzulande ist halt die „schwäbische Hausfrau“ , und nicht der „deutsche Arbeitnehmer“.
      Grundsätzlich meine ich, dass die Europa-Peripherie nie so produktiv wie Mitteleuropa sein wird, und wenn sie dort jeglichen Urlaub streichen und alle Feiertage dazu. Die Gründe hierfür sind wirtschaftgeographischer Natur und so banal, dass sie nicht mal mehr in der Diskussion auftauchen. Wens interessiert, den empfehle die Arbeiten, für die Paul Krugman seinen Nobelpreis bekommen hat.

    • Na ja, der US-Dollar ist doch eine Erfolgsgeschichte. Hat zwar über hundert Jahre gedauert. Insofern hat die EWU ja noch ein wenig Zeit.

      Spaß beiseite, Warum soll eine Währungsunion von vornherein unmöglich sein? Das erschließt sich mir nicht. Die Mitgliedsländer in der EWU hatten ihre Wechselkurse – wie auch immer – zu einem bestimmten Zeitpunkt fixiert. Wenn von diesem Zeitpunkt an jedes einzelne Land sich an die „goldene Lohnregel hält“ (jährliche Lohnsteigerung ist gleich Zielinflationsrate plus Produktivitätszuwachs der je eigenen Volkswirtschaft), dann kann das doch funktionieren, oder nicht?

      Wenn allerdings ein (wichtiger) Mitspieler in der Währungsunion – in diesem Fall Deutschland – sich nicht an diese Regel hält und über eine Dekade Reallohnverluste produziert, tja, was soll denn dabei herauskommen als ein gigantisches Ungleichgewicht?

      Dieses Ungleichgewicht erzeugt spiegelbildlich Forderungen und Verbindlichkeiten. Und die können nur ausgeglichen werden, wenn die Gläubiger bei den Schuldnern kaufen. Aber das sieht – zumindest in der Bundesrepublik – kaum jemand ein.

      Und die internationale Diskussion, auch im IWF, greift genau dieses Thema auf. Und der Tabubruch von Bundesbank und EZB, deutlich höhere Löhne in der Bundesrepublik zu fordern, beruht ebenfalls auf dieser Überlegung – neben der Angst vor einer Deflation natürlich.

      • Fauler Willi

        @Hajo Zeller

        Wenn ich bessere Leistung zum besseren Preis anbiete als die Konkurrenz – was soll denn dabei herauskommen als ein (gigantisches) Ungleichgewicht? Soll die bessere Fußballmannschaft also mit Bleiwesten antreten? Soll das Bessere verboten werden?

        „Und die können nur ausgeglichen werden, wenn die Gläubiger bei den Schuldnern kaufen.“ – Und wenn der Schuldner nix zum Ausgleich Ausreichendes anzubieten hat? Besser, man läßt solche unerquicklichen Situationen gar nicht erst entstehen: Kein Kredit an Schuldner mit schwacher Bonität!

      • Vandermonde

        Das ist zu kurz gedacht. Es geht nicht darum Bleiwesten umzuschnallen und einen BMW doppelt so teuer zu verkaufen. Die Exportorientierung ist ja eine langfristige Entwicklung mit der Konsequenz der Stagnation/Reduktion der Binnennachfrage. Worum es geht, ist also eine Reduktion der Produktion von Exportgütern (die ja zum Teil de facto verschenkt werden) und eine stärkere Ausrichtung auf die Produktion für den Binnenmarkt (das bedeutet natürlich auch andere Produkte und Dienstleistungen). Auf dieser Grundlage ist auch das Potential da, die Löhne aus dem Binnenkreislauf heraus entsprechend zu steigern.

      • Der „Greenback“ ist eine Kriegswährung, 1861 von Lincoln ins Leben gerufen, um den Krieg der Unionsstaaten zu finanzieren. Ein ökonomischer Erfolg ist er genau in dem Sinne, als dadurch der bis dahin modernste und menschenverachtenste Krieg aller Zeiten finanziert wurden. Ganz im Gegenteil bekam er seinen Sinn dadurch, dass mit dem Ende des Krieges erst der gemeinsame Staat entstand, an dem man vorher nie zu wagen hoffte. Nicht umsonst befindet sich der amerikanische Sezessionskrieg und der deutsch-österreichische Krieg auf einer Zeitebene: In beiden Fällen wurden Staaten geschaffen. Wenn es daher so sein sollte, dass am Ende der EU ein gemeinsamer Staat als Folge einer gemeinsamen Währung steht, dann wird die Geburt dieses Staates keine schöne sein. Wahrscheinlicher hingegen ist, dass es – aufgrund nicht mehr vorhandener Kriegsmittel – gar nicht soweit kommt und der „Euro“ vorher zerfällt.

        Warum eine Währungsunion nicht funktioniert? Ganz einfach: Weil staatliche Funktionen wie Geld- und Finanzpolitik abgetreten werden, die aus ursprünglich souveränen Nationalstaaten kastrierte Restgebilde machen, die dem bürgerlichen Anspruch der Selbstbestimmung und Demokratie nicht mehr genügen können. All das darf man an Satellitenstaaten wie Grichenland heute schon studieren: Was sie noch entscheiden dürfen, wurde bereits entscheiden. Was soll das werden ausser ein gigantischer Entdemokratisierungsprozess an dessen Endpunkt Barberei und Selbstjustiz steht? Besonders makaber ist, dass dieser Entstaatlichungs- und Beschneidungsprozess vor dem Hintergrund eines historischen Bewusstseins abläuft, das Deutschland für alles Schlechte dieser Welt verantwortlich zeichnet. Damit ist garantiert, dass jede Perversion, die der Euro erzeugt, durch das historische Bewusstsein des Deutschen als „Bösen“ potenziert wird. Oder anders gesagt: Europa führt eine riesige Tragödie auf um alte, längst überwunden geglaubte Feinbilder wieder ins Leben zu rufen.

  10. Frankie (f.k.a.B.)

    Wozu ist ein Markt? Die Frage ist so umfassend , dass ich mir erlaube, noch einen Layer tiefer die Bedeutung des Markts anzusprechen, unterhalb des Sachverhalts, dass sich auf dem Markt Angebot und Nachfrage balgen und so Preise erzeugen.
    Der Markt ist der Ort, an dem Güter zu Eigentum transformiert werden. Auf dem Markt begibt sich Eigentum in Gefahr, und es schützt sich durch Preisbildung. Eine kleine Anekdote: in den frühen 90ern arbeitete ich in einer Unternehmensberatung, zu deren Kundenkreis auch die Pilsner Brauerei gehörte, eine vergleichsweise grosse Brauerei, gerade erst der RGW-ökonomie entronnen und versuchend sich im kapitalistischen System zurechtzufinden. Die Verwaltung pflegte ein völlig schräges System der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung. Die profit center waren entlang des Produktionsprozesses organisiert: der Sudkeller „verkaufte“ sein Zwischenerzeugnis an den Gärkeller, dieser an die Abfüllung, diese wiederum ans Lager etc. Die Profitcenter – Verantwortlichen waren angehalten, jeweils einen Überschuss zu erzielen. Jeder der profit center in Pilsen erzielte auch einen Überschuss, nur die Brauerei als Ganzes erzielte Verluste. Man glaubte , durch scheinbare „markt“konforme Funktionsrituale wie Kauf und Verkauf an einem Ort , der dafür garnicht geeignet war, nämlich innerhalb eines Unternehmens, am schnellsten den Anschluss zur kapitalistischen Ökonomie herstellen zu können. Hier kommt auch die „Budgetrestriktion“ ins Spiel, denn die war in dieser innerbetrieblichen „Markt-Fata-Morgana“ natürlich inexistent. Der mächtigste Mann in der Brauerei war natürlich derjenige im Controlling , der die Verrechnungspreise festsetzte; er wurde auch laufend geschmiert und kannte seinen Marktwert sehr genau.

  11. Frankie (f.k.a.B.)

    @Faulen Willi

    “ Soll die bessere Fußballmannschaft also mit Bleiwesten antreten? Kein Kredit an Schuldner mit schwacher Bonität!“

    Für jeden Überschuss gibts irgendwo einen Unterschuss. Auf der Mikroebene ist das ok, Akteure, deren Unterschuss nicht mehr finanziert wird, verschwinden dann halt vom Markt. Dieses Verfahren kann man nicht auf die internationale Ökonomie anwenden; Staaten verschwinden nicht, wenn sie fallieren. Sie sind immer noch da, und fallierte Gemeinwesen sind für alle Beteiligten teurer als die Kreditierung, sie sind sogar das Teuerste überhaupt. Deshalb lassen sich betriebswirtschaftliche Erfolgs-/Misserfolgskonzepte nicht auf die Interaktion zwischen Staaten übertragen. Das mag einen vielleicht ärgern, weil unter Unterständen ein gewisses Fairnessgefühl nicht befriedigt wird, aber es geht nicht anders. Schön ist das höhnisch gemeinte Bild von den Bleiwesten für die bessere Fussballmannschaft, denn in der Tat geschieht sowas auch: die amerikanischen Profiligen für Football und Baseball legen ihren besten Mannschaften tatsächlich „Bleiwesten“ an: die schlechteste Mannschaft einer Saison hat fürs nächste Jahr das Vorkaufsrecht für die besten Spieler, das sie wahrnehmen kann oder wiederverkaufen. Dahinter steckt die Idee, dass es nicht darum geht, dass eine Mannschaft immer besser wird und alle anderen dominiert und der Rest vernichtet wird, sondern dass der Sport spannend bleibt somit attraktiv fürs Publikum, und nur das sichert das Überleben der Liga als solches.

    • Fauler Willi

      @Frankie (f.k.a.B.)

      „…aber es geht nicht anders“

      Aha, alternativlos. Na, dann empfehle ich: Zurücklehnen und das Leben genießen – der Deutsche kreditiert und zahlt alles, auch wenn „unter Umständen ein gewisses Fairnessgefühl nicht befriedigt wird“. Mal sehen, wie lange der Deutsche noch zahlt. Wie lange er noch zahlen will und kann. Ich bin gespannt.

      „Vorkaufsrecht für die besten Spieler“ – was schlagen Sie vor? Ein Vorkaufsrecht für BMW & Co für die mediterranen Mannschaften?

      • Vandermonde

        „Der Deutsche“ kreditiert aus freiem Willen. Niemand zwingt Deutschland dazu seine Exportgüter auf Kredit zu verkaufen. Das ein dauernder Leistungsbilanzüberschuss auf lange Sicht natürlich nicht nachhaltig sein kann ist klar, denn wie sollen die Schuldner jemals die Überschüsse erwirtschaften um die Kredite zu bedienen? Aber Hauptsache „Exportweltmeister“ (passt auch gut zum Fußballweltmeister ;-))

  12. >Besser, man läßt solche unerquicklichen Situationen gar nicht erst entstehen: Kein Kredit an Schuldner mit schwacher Bonität!> Ach Gott, Herr Willi: Sie meinen also, dass wir der Währung „Euro“ zuliebe gleich den Aussenhandel einstellen sollen? So in etwa lauft die Perversion ab, die die Währungsunion Tag für Tag in den Hirnen der Menschen erzeugt. Wem man vorher auf Lira-Basis noch Waren lieferte, dem will man heute auf Euro-Basis nichts mehr liefern. Bravo! Hören wir gleich mit Kapitalismus auf und graben uns ein! Hoffen wir auf bessere Zeiten, wo der Aussenhandel wieder im Gleichgewicht ist! Geht`s noch dümmer? Was dieser „Euro“ bedingunsglos schafft: die Menschen dieses Kontinents zu vertrotteln!

    • Fauler Willi

      @felsberger2012

      Man muß den Außenhandel ja nicht gleich komplett einstellen. Aber man liefert eben tagsüber nur so viel, daß man nachts gut schlafen kann. Als ordentlicher Kaufmann.

      • Der „ordentliche Kaufmann“ erhält ja Geld, er wird ja bezahlt. Was passt Ihnen denn nicht? Aller Ausserhandel, ob nun in Lire oder Euro, IST bezahlt. Ist das so schwer zu verstehen? Oder gehören Sie auch zu denen, die glauben, dass Target-2-Salden „unbezahlte Rechnungen“ sind? Ich sag`ja: Der Euro blast den Menschen den letzten Funken „Hirn“ heraus. Also besser: Beenden wir das Projekt!

  13. Frankie (f.k.a.B.)

    @Fauler Willi

    „“Vorkaufsrecht für die besten Spieler” – was schlagen Sie vor? Ein Vorkaufsrecht für BMW & Co für die mediterranen Mannschaften?“

    Die Frage erscheint mir jetzt unsinnig?! Ich möchte erinnern, Sie haben die Analogie mit dem Fussball ins Spiel gebracht. Nun ja, manchmal entgleiten einem die Vergleiche, obwohl sie zunächst so kernig erschienen…

  14. Frankie (f.k.a.B.)

    @Fauler Willi

    „Alternativlos“

    Eine Alternative habe ich im vorigen Post angedeutet: Austritt Deutschlands aus der Eurozone, wobei ich überzeugt bin , an der Kreditierung würde sich nichts ändern. Es war ja auch früher so: wie oft hat sich die Deutsche Bundesbank die Schwachwährungen Lira, Pfund, Franc, Peseta ins Depot gelegt, immer mit dem Ziel, die Exportkunden solvent zu halten. Ich weiss nicht was da weniger Kreditierung war wie heute ( worauf ja auch @felsberger schon hinwies ).

    Ich für meinen Teil bin überzeugt , im Euro zu bleiben ist sinnvoller ( schon aus Eigeninteresse, Exportsoldat, der ich bin – da bestimmt halt Sein das Bewusstsein, das mag man mir nachsehen ).

    • Fauler Willi

      @Frankie (f.k.a.B.)

      Was früher weniger Kreditierung war wie heute? Naja, z. B. ist die Gesamtverschuldung in jeder Relation heute schon größer als vor 10 oder 20 oder 30 Jahren, das macht schon mal einen Unterschied, meinen Sie nicht auch? Verschärfend hinzu kommt die problematische Eurokonstruktion (EZB-System, Targetsalden usw.).

      Wenn Kredite nicht mehr bedienbar sind, wandeln sie sich in unfreiwillige Geschenke.

      Jetzt stellt sich halt die Frage, wie generös man beim „freiwilligen“ Schenken sein will. D. h. wenn man Kredite gibt, von denen schon im voraus klar ist, daß sie ein nicht bedienbares ewiges Darlehen sein werden. Letztlich muß es ja wo herkommen, d. h. irgendwer zahlt dafür mehr Steuern, erhält weniger Rente oder verliert – wie z. B. in Zypern – seine Bankeinlage. Von daher stellt sich schon die Frage, wieviel Transfer dauerhaft geleistet werden kann. Das betrifft den innerstaatlichen Bereich als auch den zwischenstaatlichen gleichermaßen.

      Ein Austritt Deutschlands aus der Eurozone wäre quasi die letzte Notbremse, wenn sich der Mißbrauch des fehlerhaften EZB-Konstrukts (Stimmrechte, Targetsalden usw. usf.) zu Lasten Deutschlands anders nicht abstellen ließe und diese Lasten nicht mehr akzeptiert werden.

      Ein Verbleiben im Euro halte ich prinzipiell für alle Teilnehmer für sinnvoll, weil Austritte nur zusätzliche Kosten verursachen und keine wirtschaftlichen Probleme lösen. Aber da gibt es natürlich auch ganz andere Meinungen.

      • >Ein Verbleiben im Euro halte ich prinzipiell für alle Teilnehmer für sinnvoll>. Das ist ja das Interessante: Dass jene, die am lautesten über die Kreditexzesse des Euro jammern, für den Verbleib im Euro votieren. Man kann nur sagen: Eine geisteskranke Welt!.-)

      • Vandermonde

        „Wenn man Kredit gibt“

        Was ist ein (dauernder) Leistungsbilanzüberschuß anderes?

      • Fauler Willi

        @Vandermonde

        „Was ist ein (dauernder) Leistungsbilanzüberschuß anderes?“

        Ja eben. Und jetzt überlegen wir mal, wo denn da die Verbindung ist zwischen dem fleißigen Arbeiter am BMW-Fließband in Dingolfing und dem Kredit an Staaten wie z. B. Griechenland etc. Also die Verbindung zwischen der Mikroebene des deutschen Lohnempfängers und der Makroebene des Leistungsbilanzüberschusses, die Verbindung zwischen Arbeitsleistung und Kreditgeschenken.

      • Vandermonde

        „fleißiger“ deutscher(?) Arbeiter impliziert faule(?) nicht-deutsche(?) Arbeiter – das ist jedoch ein ziemlich primitives Vorurteil.

        Die Verbindung ist eigentlich eine andere: der „fleißige Arbeiter arbeitet zu einem erheblichen Teil für Exportprodukte. Tut das die Wirtschaft insgesamt muss(!) es eine Pendant mit einem Leistungsbilanzdefizit (=Kredite) geben.

        Das Problem liegt also darin, dass die deutsche Wirtschaft ihren Fokus zu stark auf den Export legt anstatt auf den Binnenmarkt. Eine stärkere Binnenachfrage würde auch eine verstärkte Nachfrage nach Importgütern nach sich ziehen. (und ev. auch eine verstärkte Nachfrage nach touristischen Leistungen im Ausland)

  15. @Fauler Willi
    »Wenn ich bessere Leistung zum besseren Preis anbiete als die Konkurrenz – was soll denn dabei herauskommen als ein (gigantisches) Ungleichgewicht?«
    Ja, ja, die bessere Leistung. Es mag ja sein, dass bundesdeutsche Waren und Dienstleistungen so unvergleichlich gut sind, aber warum werden sie dann verschenkt und nicht verkauft?

    »Kein Kredit an Schuldner mit schwacher Bonität!«
    Ja und? Du lässt völlig außer Acht, dass Verbindlichkeiten (Schulden) kein Phänomen der Finanzsphäre sind, sondern durch den realwirtschaftlichen Akt „Kauf“ zustande kommen. Wenn ich kaufe verringere ich mein Geldvermögen, wenn ich verkaufe, erhöhe ich mein Geldvermögen. Wenn ich bezahle, ändert sich mein Geldvermögen nicht. In jedem VHS-Kurs „Buchhaltung für Einsteiger“ erlernbar.

    Im übrigen stimme ich den Ausführungen Frankie (f.k.a.B.) zu den Unterschieden zwischen Mikro- und Makroebene zu.

    Verehrter Fauler Willi, zum Abschluss dieses Kommentars der monetäre Idiotentest: Wie hoch ist das weltweite Geldvermögen?

    Danach diskutieren wir weiter.

    • Fauler Willi

      @Hajo Zeller

      „… aber warum werden sie dann verschenkt und nicht verkauft?“

      Das ist des Pudels Kern, um den sich alles dreht!

      Zuerst wird etwas (ganz realwirtschaftlich) verkauft – und geht irgendwann später über in ein Geschenk. Das ist dann der Moment, wo „unter Umständen ein gewisses Fairnessgefühl nicht befriedigt wird“. (Ich bitte um Nachsicht für die wiederholte Verwendung dieses Zitats, aber es drängt sich so unwiderstehlich auf.)

      Warum also geschieht so etwas, warum tun die Leute das? Ich lasse diese philosophische Frage im Raum stehen und klingen. Eventuell sollten nur jene antworten, die ein Diplom im monetären Idiotentest vorweisen können.

  16. @ Willi

    Kapiitalismus ist kein Zuckerschlecken und sicher nicht hier um irgendwelche „Fairnessgefühle“ zu befriedigen. Da haben schon andere geklagt, nur um an die Arbeiterbewegung, an die Entkolonisierungs- oder die Umweltbewegung zu erinnern. In allen Fällen ging es darum, dass sich Menschen verdammt schlecht behandelt fühlten und dies wohl nicht ganz zu Unrecht. Der Witz an dieser „Schuldenjammerei“ ist ja, dass hier an ein „Fairnessgefühl“ appeliiert wird, das – gemessen an der Schlechtigkeit der Welt – völlig lachhaft ist. Was ist wohl schlimmer? Dass jemand Ihnen den Kopf einschlägt, sie ausraubt und versklavt, oder seine Schulden nicht bezahlt? Absolut lachhaft, wie diese „Schuldenhysteriker“ versuchen ihren Begriff von Gerechtigkeit ins Zentrum des Kapitalismus zu rücken. Dort gehört er einfach nicht hin! Mehr noch: Die Frage der Schuld ist eine Systemfrage und keine moralische. Das System funktioniert nun mal so und nicht anders. Was sollen wir machen? Den Kapitalismus beenden? Es ist einfach eine intellektuelle Zumutung, was hier abläuft und sie wird präsentiert von Leuten, die sich „Liberale“ nennen. Was in ihren Köpfen vorgeht, kann ich nicht entschlüsseln: Es handelt sich um ein Gemisch von Staatsabneigung, Aussenhandelsabneigung und Bewunderung für den freien Markt. Mit einem Wort: Um eine Idiotie!

  17. Der Kapitalismus wird niemals an Schulden-Ungleichgewichte zerbrechen, ganz einfach, weil es genügend Kräfte gibt, die dagegen wirken. Hier ist 1) der Konkurs, der die Forderungen und Verbindlichkeiten simultan aus dem System entfernt, 2) die Arbeitslosigkeit, die Gläubiger (wie Arbeiter-Haushalte) zwingt Forderungen abzubauen, und 3) als wohl stärkste stabiliserende Kraft: die Inflation, die die Schuldenmenge in Relation zur Warenmenge schrumpfen läßt. Kapitalismus ist niemals eine Einbahnstraße, die auf immer höhere Schuldenberge hindrängt, sondern hat zu jeder Zeit genügend Kräfte, die Schulden nominal (und real) zu reduzieren. Dass die Geldbesitzer dies nicht als „fair“ empfinden, weil ihre Geldberge, in Kaufkraft betrachtet, schrumpfen, oder durch den Konkurs des Schuldners verschwinden, bitte sehr, da kann man nur sagen: „Beschwerden beim lieben Gott abzugeben!“ Was für Kinderei! Wenn das der Massstab für Gerechtigkeit wäre, kann sich die ganze Welt von der Früh`bis am Abend über ihre Existenz beschwerden.-)

  18. »Der Kapitalismus wird niemals an Schulden-Ungleichgewichte zerbrechen«

    Für mich tauchen in diesem Zusammenhang zwei Fragen auf:

    1.) Gibt es eine Binnenentwicklung im Kapitalismus?

    Meint: Ändern sich die Qualitäten im Laufe der Geschichte oder ist es eine Wiederkehr des „immer Gleichen“? Folgt auf jeden Boom ein Bust, bei dem qualitativ jeder Zyklus gleich ist und sich lediglich in der Quantität unterscheidet.

    2.) Was wird eigentlich in Euro gemessen?

    Unstrittig ist wohl, dass unsere Wirtschaftsordnung eine „monetäre“ Wirtschaftsordnung ist. Ohne Moos nix los, um es mal mit dem Volksmund zu sagen. Die ökonomischen Prozesse werden über das Medium Geld vermittelt. Ein Instrument der Vermittlung sind die Preise von Waren und Dienstleistungen. Diese Ware kostet 2 Euro jene Ware 4 Euro. Somit scheint Euro eine Art Maßstab zu sein.

    Aber was wird mit diesem Maßstab gemessen? Was „repräsentiert“ der Begriff „Euro“? Nehmen wir das Maß für die Länge eines Körpers: „Meter“. Da gibt es ein physisches „Urmeter“ (inzwischen durch physikalische Eigenschaften des Lichtes ersetzt) mit denen eine Länge gemessen werden kann. Eine Strecke ist dann 10 Meter lang, wenn ich gedanklich das Urmeter 10 mal hintereinander in dieser Strecke unterbringe.

    Aber was bringe ich im Preis von „10 Euro“ unter? Bestritten wird, dass dies ein Maß für den „Wert“ eine Ware sein kann, da die „Werttheorien“ verworfen werden. Der Arbeitswert wurde durch die subjektive „Nutzenkalkulation“ ersetzt. Heißt dann 10 Euro bringen mir den 10-fachen Nutzen von 1 Euro? Aber worin besteht dann der Nutzen von 1 Euro? In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung werden die bereitgestellten Waren und Dienstleistungen vorfinanziert. Das heißt Produktion und Finanzen sind von vornherein miteinander verwoben. Und da stellt sich die Frage: Was läuft da genau ab? Kann ich das begreifen indem ich von einer einzelnen Ware ausgehe und dann nach und nach den Gesamtprozess in die Betrachtung mit einbeziehe? Oder muss ich erst den Gesamtprozess betrachten, um dann auf das einzelne zu schließen? Oder geht beides nicht und ich muss mich einfach gedanklich durchwursteln?

    • >Oder muss ich erst den Gesamtprozess betrachten, um dann auf das einzelne zu schließen?> Es geht nur von oben nach unten, von unten nach oben geht gar nichts. Oder sagen wir so: Man muss schon sehr begabt sein, um das zu schaffen. Am besten man fängt bei den Aggregaten an (Haushalte, Unternehmen und Staat) und bestimmt die Richtung der Forderungen: Die Haushalte halten Netto-Forderungen, Unternemen und Staat: Netto-Verbindlichkeiten. Es gilt also: (Unternehmen + Staat) <= Haushalte, wobei der Pfeil die Richtung der Netto-Forderungen angibt. In einem zweiten Schritt wird man sich bewusst, dass der Geschäftsbankensektor ein dazwischen geschalteter Intermediär ist. Er hält die Forderungen gegen (Staat + Unternehmen) und die Verbindlichkeiten gegen die Haushalte. Dabei nehmen Letztere die Form des GB-Geldes an. Damit ist die GB-Geldmenge direkt proportional zur Forderungsmenge. Dann wird man sich bewusst, dass man neben dem GB-Sektor auch einen ZB-Sektor als Intermediär einbauen kann, der auf eine Verdopplung der Geldmenge bei gegebener Forderungsmenge drängt. Es gilt also immer: Schuldner <= I1 <= I2 <= …. <= In <= Gläubiger, wobei I den Intermediär bezeichnet. Sind zwei Intermediäre im Spiel, dann verdoppelt sich die Geldmenge bei gegebener Forderungsmenge. Dies nicht zu begreifen, ist das Manko aller geldpolitischen Diskussionen. Die Leute tun unentwegt so als würde mit einer Erhöhung der Geldmenge auch die Forderungsmenge erhöht werden. Dies ist nicht der Fall.

      PS: Es ist eine Wiederkehr des "Immergleichen": Forderungen werden aufgeblasen und wieder zerstört, das System atmet entlang einer Zahl.

      • Geld ist Mittel zum Zweck, als Selbstzweck (Geldhortung) bleibt es virtuell?

      • @ Liebhaber

        “ Das Geld in seinen vollkommenen Formen ist das absolute Mittel, indem es einerseits völlige teleologische Bestimmtheit besitzt und jede aus anders gearteten Reihen stammende abweist, andrerseits sich aber auch dem Zweck gegenüber auf das reine Mittel- und Werkzeugsein beschränkt, durch keinen Einzelzweck in seinem Wesen präjudiziert wird und sich der Zweckreihe als völlig indifferenter Durchgangspunkt darbietet.

        Es ist vielleicht der entschiedenste Beweis und Ausdruck dafür, dass der Mensch das »werkzeugmachende« Tier ist, was freilich damit zusammenhängt, dass er das »zwecksetzende« Tier ist.

        Die Idee des Mittels bezeichnet überhaupt die Weltstellung des Menschen: er ist nicht wie das Tier an den Mechanismus des Trieblebens und die Unmittelbarkeit von Wollen und Genießen gebunden, er hat aber auch nicht die unmittelbare Macht – wie wir sie an einem Gotte denken -, dass sein Wille schon an und für sich Verwirklichung des Gewollten sei.

        Er steht in der Mitte zwischen beiden, indem er zwar weit über den Augenblick hinaus wollen, aber dieses Wollen nur auf dem Umweg über eine gegliederte teleologische Reihe verwirklichen kann.

        Wenn für Plato die Liebe ein mittlerer Zustand zwischen Haben und Nicht-Haben ist, so ist sie in der subjektiven Innerlichkeit dasselbe, was das Mittel im Objektiven und Äußerlichen ist.

        Und wie für den Menschen, den immer strebenden, niemals dauernd befriedigten, immer erst werdenden, die Liebe in jenem Sinne der eigentlich menschliche Zustand ist, so ist nach der anderen Seite hin das Mittel und seine gesteigerte Form, das Werkzeug, das Symbol des Typus Mensch: es zeigt oder enthält die ganze Größe des menschlichen Willens, zugleich aber die Form, die ihn begrenzt.“

        aus:
        3. Kapitel (Analytischer Teil): Das Geld in den Zweckreihen.

        Georg Simmel; Philosophie des Geldes
        😉

    • Hallo Herr Zeller,

      weder die objektive (Klassik) noch die subjektive Werttheorie (Neoklassik) können sich angemessen mit Geld auseinander setzen, weil das relevante Subjekt der Analyse in beiden Fällen die „reale Welt“ ist. Das verhindert, daß interpersonelle Beziehungen wie abstrakte Verpflichtungen und damit Geld zum Objekt der Analyse werden. Der entscheidende „Trick“ besteht daraus zu erkennen, daß Geld kein absolutes Maß, sondern ein relatives Maß darstellt. Allein das verbietet es Geld mit Hilfe einer Werttheorie analysieren zu wollen. Dies zu erkennen ist eine Abstraktionsleistung, die nicht wirklich einfach ist.

      In dem obigen Artikel „42“ steht das Ganze mit Verweisen auf die relevanten Posts. Hat man das erst mal begriffen, ist alles weitere nicht mehr so schwer.

  19. >Geld ist Mittel zum Zweck, als Selbstzweck (Geldhortung) bleibt es virtuell?> Es gibt keinen Zweck, jede Bewegung ist zwecklos, also kann es auch keinen Selbstzweck geben. Die ewige Suche nach dem Zweck verdeutlich nur: die Verlorenheit des Menschen. Geld ist genauso zwecklos wie alles andere, das Ihnen in ihrem Leben begegnet, Herr Rubycon.

    • @ felsberger2012

      Sie sind Zweck.
      Sinn suchen in Begegnungen ist Bewegung für sich selbst nicht die Gefundenheit der Tiere.
      Wir können das wunderbar.
      Sie haben eine schöne kritische Sicht und Ihre Worte und Sprache verstehe ich sehr gerne.
      „…das System atmet entlang einer Zahl.“
      Natur- und Sozialwissenschaften, gemeinsam.
      Die musikalische Schwingung einer Seite ist Kunst (Können) – sie ist zauberhaft. Oder?
      Malerei, Kochen …
      Die fünf Sinne – sie bereiten Freude.
      Denken und Verstehen als sechter Sinn geben Vergnügen.
      Weiterentwickeln … Stillhalten😉

  20. So ist es: Es ist durchaus legitim an den Zweck zu glauben, auch wenn er nicht existiert und auch nicht existieren kann. Es tröstet. Auch wenn die so Getrösteten zur Belastung werden, wenn sie immer hysterischer ihren ganz persönlichen Zweck einfordern. Die Deutungshoheit ist der Beginn jedes Krieges. Also, was sollen wir tun? Ich schlag`vor: Sich über den vorgestellten Zweck lustig machen, er ist so vergänglich wie das Leben.

    • Der Punkt dabei ist, daß man natürlich Unternehmer und „Anleger“ mit Geld fütern kann, das heißt aber nicht, daß sie daraufhin auch anfangen zu investieren.

      Der Schluß von Gewinnen auf Investitionen klappt nun mal nur dann, wenn es den Investierenden auch gefällt. Alles andere ist eine schöngeistige Selbstbefriedigung!

      • Gewinn ist Flußgröße im EK, das durch Aktivposten gedeckt ist. Was passiert mit diesem Vermögen bzw. wann ist die Höhe optimal?
        Der Cash-Flow = Kassenbestand = Liquide Mittel ist es aus Unternehmenssicht bei +- 0!
        Die Transaktionskosten zur Finanzierung von Investitionen liegen dann beim Minimum. Die goldenen, klassischen Bilanzzierungsregeln werden vorausgesetzt : Produzentensicht halt.
        Diese wird zur profitablen Eigentümersicht, weil das FK bevorzugt, subventioniert wird wie Du an anderer Stelle abschliessend konstatierst.
        Eine bewußte wirtschaftspolitische und steuerpolitische Entscheidung!
        Dies ist Anreiz zu Gewinnerzielung aber genauso Pflicht zur Verlusttragung. Letztere ist durch Moral Hazard und Rettungsrekapitalisierungen sozialisiert.
        Es fehlt die Argumentation aus Nachfrage-, Konsumenten-, Kaufkraftsicht mit den Umverteilungswirkungen.

  21. 17 Milliarden Kaufkraft in privaten Händen, die nach Investitionen fragen würden in vier Jahren 2015 bis 2018.
    http://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/bund-der-steuerzahler-steuertarif-auf-raedern/10618624-2.html
    Durch einfach gesetzliche Steuerpolitik ohne Bundesrat : praktische Wirtschaftpolitik mittels Regierungshandeln umsetzen!

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