Griechische Austerität – das deutsche Muster

National Bank of GreeceEs gibt eine merkwürdige Asymmetrie in der Sicht auf das griechische Problem: auf der einen Seite die europäischen Beauftragten für schwäbische Hausfrauen, deren Bestreben darin besteht das Versprechen einzuhalten, daß das Griechenland Desaster „dem Steuerzahler“ (vulgo: den für die Bankenkredite eingesprungenen und nach Maastricht-Kriterien sowieso schon überschuldeten Staaten) nicht zur Last fällt. Auf der anderen Seite steht eine verzweifelte griechische Regierung, die versucht wenigstens einen kleinen Teil ihrer Wahlversprechen einzuhalten und dabei darauf hofft, daß noch irgendwoher das dazu notwendige Kleingeld herkommen möge. Während also die eine Seite alles daransetzt die aus Verzweiflung geborenen Forderungsbestände zu sichern geht es der anderen Seite darum die Einkommen-/ Nachfrageströme zu stabilisieren und das in der Hoffnung, daß sich daraus ein selbsttragender Aufschwung entwickeln würde, der das Austeritätsregime etwas weniger desaströs machen würde. Letzteres ist unschwer als das oft versuchte ‚deficit spending‘ zu identifizieren, welches unter bestimmten Voraussetzungen klappt, unter anderen jedoch nicht. Dies soll hier aber nicht Thema sein.

Man braucht nicht lange, um sich darüber klar zu werden, daß diese einseitige Fokussierung beider Kontrahenden einer defizitären Sicht des grundlegenden Problems geschuldet ist, was auf der Seite der EU noch insofern erklärlich wäre, als diese sich lediglich (wie in anderen Fällen auch) mit Verwaltungsfragen beschäftigen möchte – nicht gerade befriedigend aber was soll man von Verwaltern einer Misere auch schon anderes erwarten?

Schwerer wiegt der Fall auf griechischer Seite, denn dort geht es ums Eingemachte: es geht um nicht mehr oder weniger als das Überleben der griechischen Wirtschaft – und das unabhängig davon, welche lustige Regierungskonstellation dort gerade am werkeln ist. Denn hier wird ein Versagen in ökonomischer Hinsicht zum Desaster und zwar für alle Beteiligten und auch und insbesondere für alle diejenigen, die sich zwangsweise mit den Folgen einer dumpfbackigen Austeritätspolitik herumschlagen müssen.

Dabei ist das zentrale Problem der griechischen Wirtschaft nicht so schwer zu identifizieren: es besteht daraus das Portfolio der griechischen Banken auf ein akzeptables Bonitätsniveau zu bringen. Ein derartiger Ansatz hat zwei verschiedene Komponenten: zum einen müssen die Besicherungen der vergebenen Kredite verbessert werden, zum anderen muß das griechische Rentabilitätsproblem gelöst werden, damit sich daraus eine gesunde Verbreiterung des Bankenportfolios ergibt, welches es den griechischen Banken ermöglicht die noch zu erwartenden Verlustabschreibungen ohne ‚default‘ tragen zu können.

Der erste Aspekt wird üblicherweise damit versucht zu erreichen, daß Forderungen nach einer höheren Eigenkapitalquote gestellt werden. So sinnvoll diese Forderung auch sein mag entbehrt sie jedoch nicht einer rührenden Naivität, denn die Entscheidung über die unternehmerische Eigenkapitalquote pflegt üblicherweise nicht salbungvollen Ansprachen sondern nüchterner Kalkulation zu entsprechen.

Aus durchaus bekannten Gründen wird eine derartige Entscheidung nur dann revidiert, wenn handfeste Gründe für eine Veränderung vorliegen. Dazu gibt es nur einen Ansatzpunkt, nämlich die Veränderung des relativen Preises zwischen Eigen- und Fremdkapital und zwar dadurch, daß die Absetzung von Zinsen als Kosten ersatzlos gestrichen wird. Denn solange wie es möglich ist die Eigenkapitalrendite durch Verschuldung zu hebeln, wird sich eine Verbesserung der Besicherungslage der Banken nicht einstellen. Gerade im Hinblick auf die internationale Verankerung griechischer Unternehmer ist eine Finanzierung über Banken die angenehmste Art sich der eigenen Verantwortung „elegant“ zu entledigen. Eine Veränderung dieser Sachlage würde nicht einmal durch gesetzliche Handlungsvorschriften erreicht, sondern nur dann, wenn der Grund für diese Handlungsweise wegfällt.

Der zweite Aspekt geht demgegenüber an das Grundprinzip des EU-Projekts: es geht darum, den ‚cash drain‘ aus Griechenland hinaus einzudämmen. Das hat zum Teil dahingehend geklappt, als der griechischen Importsucht durch das Regime der Austerität ein heftiger Riegel vorgeschoben wurde. Dabei wurde nur eine Geschichte vergessen, nämlich die ganzen Importe, die in Griechenland unterhalb des offiziellen Radars erfolgen und zwar dergestalt, daß dort beispielsweise immer noch EU-subventionierter Schafskäse gekauft werden kann und die dabei erzielten Gewinne still und klammheimlich hinaustransferiert werden – was ganz nebenbei bewirkt, daß die heimische Produktion mehr oder weniger zurück- oder gleich eingeht. Das häßliche Prinzip dahinter ist, daß Griechenland aufgrund der Zugehörigkeit zum Euroraum zu einem Müllabladeplatz für Agrar-Industrieabfall der „Nordländer“ geworden ist – was allerdings kein griechisches Privileg ist. (Weitere Beispiele findet jeder selbst!)

Aber genau aus diesem ‚cash drain‘ entsteht ein virulentes Zahlungsbilanzproblem, welches gelöst werden muß. Die Blaupause für diese Geschichte liefert ausgerechnet die Strategie der deutschen Regierung im Zuge der Zahlungsbilanzkrise Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Das einschlägige Stichwort dazu lautet: Suspendierung der Importliberalisierung! (Das war überhaupt der Grund dafür, daß Siemens Waschmaschinen seinerzeit überhaupt erfolgreich verkäuflich waren – sonst wäre das Gleiche wie mit der Handysparte passiert!) Dieser eklatante Verstoß gegen sämtliche schöngeistigen Vorstellungen von Freihandel war der entscheidende schnöde Grund dafür, daß Deutschland zu den seitdem unsittlich wachsenden Exportüberschüssen kam und darüber hinaus zu (einer) der stärksten Währungen der Welt gelangte. Die erfolgreiche merkantilistische Politik der Bundesbank, die sich hinter „monetaristischen Lehren“ versuchte zu verstecken, sollte dabei nicht unterschätzt werden. Ihren Auftrag der Sicherung der Währung hat sie mit diesem Konzept in vorbildlicher Weise erfüllt – und das nicht wegen einer albernen pseudoökonomischen Freihandelstheorie – was das angeht ist eher F. List einschlägig! Wenn man das einmal verstanden hat kann man nur noch Mitleid mit der aktuellen Vorgehensweise der griechischen Regierung haben, die lediglich versucht ein Faß zu füllen und darüber vergißt das Loch zu stopfen, welches durch den „gemeinsamen Markt“ aufgerissen wird, wobei man nicht vergessen sollte, daß dieser wesentlich durch EU-subventionierte Produkte geprägt ist – eine Geschichte, die auch außerhalb von Europa, vornehmlich in Afrika – zu einem vielfachen ökonomischen Desaster führt.

So gesehen ist die Strategie des „Löcher stopfens“ ein verständlicher aber falscher Ansatz, der zu allem Überfluß auch noch mit dem Aufrühren von Kriegsschuldenfragen einhergeht. Dabei ist das „deutsche Erbe“ nicht in kaum eintreibbaren Altforderungen zu verorten, sondern in monetär fundierten Maßnahmen, die geeignet sind, zu einer Entwicklung eines Binnenmarktes zu führen, welcher sich aus der Wieder-Etablierung der einheimischen Produktionslinien speisen würde. Sicherlich muß man nicht versuchen eigene Smartphones zu entwickeln, aber die Reetablierung eigener Produktionszweige läßt sich ohne die List´sche Erziehungszoll-Strategie nicht bewerkstelligen. (So gesehen ist auch das chinesische Wirtschaftswunder ein Ergebnis einer angemessenen Protektionspolitik á la F. List – das sagen die aber nicht so laut!)

Eine politische Berechtigung dazu ließe sich einmal aus den desaströsen Folgen der IWF/EU/EZB-Politik ableiten, weil der angerichtete Schlamassel (nun ja, für deutsche Politiker ist diese Katastrophe ein „guter Weg“) dringend geheilt werden muß, zum anderen liefern die Erfahrungen Deutschlands mit der Bewältigung von Zahlungsbilanzkrisen die ideale Blaupause dafür, wie man mit Tendenzen zur externen Verschuldung erfolgreich umgehen kann.

Wenn man so will verkehrt sich der Aufgabenschwerpunkt zwischen Griechenland und der EU: die Aufgabe der EU wäre es sich darum zu kümmern, daß die ‚bail-out‘-Kredite zugunsten der „Nord-Banken“ – die inzwischen zum größten Teil zu latent ausfallgefährdeten Staatsschulden geworden sind – auf jeden Fall bedienbar bleiben, um Forderungsabschreibungen, welche die Staatsschulden in dem Fall auch offiziell weiter steigen lassen würden, zu vermeiden. Das entspricht der alten Regel, daß der Gläubiger den Schuldner solvent zu halten hat, wenn ein Forderungsausfall als nicht tragbar erscheint. (Was sind nämlich Forderungen an einen insolventen Schuldner? Richtig: ein Vermögensverlust bzw. ein Verschuldungszuwachs beim sowieso schon verschuldeten Staats-Gläubiger!) Spiegelbildlich müßte sich Griechenland vorrangig um die Sicherung der internen Bankenforderungen kümmern, um der eigenen Wirtschaft wieder die Chance zu eröffnen profitabel wirtschaften zu können – wobei ein Verstoß gegen die Freihandelsprinzipien des „gemeinsamen Marktes“ eine vergleichsweise vernachlässigbare Sünde darstellen würde. Im Gegensatz zu den vernagelten Markttheoretikern, deren einzige pseudointellektuelle Zuckung aus „Löhne senken“ besteht, gibt es in Deutschland sogar ernstzunehmende Wirtschaftshistoriker, von denen man lernen könnte, daß der Erfolg Deutschlands in keiner Weise ein Ergebnis irgendwelcher segensreichen Folgen von „Freihandel“ war. (Daß man sich unter diesen Auspizien hinstellen kann um lustige Investitionsschutzabkommen á la TTIP etc. als segensreiche Abkommen zur Wirtschaftsförderung zu deklarieren, überschreitet jedes tolerierbare Maß an öffentlicher Selbstverblödung!)

Die Grundprinzipien, wie man eine Ökonomie auf einen erfolgreichen Pfad führt sind im Grunde genommen nicht so schwer zu verstehen, sobald man die Grundregel von Samuelson von den „zwei Augen“ beherzigt. Dabei geht es natürlich nicht um die Anfängernummer von Angebot und Nachfrage, sondern um den geldtheoretisch validen Unterschied von Strömen und Beständen. Solange allerdings geldtheoretische Geisterfahrer, die einen ausschließlich auf ‚flows‘ basierenden Vulgärkeynesianismus für eine erfolgversprechende Politik halten nichts anderes tun, als sich selbst in Szene zu setzen, wird es mit dem griechischen Wirtschaftswunder nichts. Was soll man dazu sagen, außer: wieder eine verpaßte Chance?

21 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftspolitik

21 Antworten zu “Griechische Austerität – das deutsche Muster

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 15. April 2015 | Die Börsenblogger

  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 19. April | Pipsologie

  3. Europa wird nicht gegen „die“ Nichtfinanzierung/Austrocknung Griechenlands retten insbesondere solange Oligarchen nicht ordentlich EU-konform besteuert werden. Somit wird der Forderungsausfall zur Revolvierung akut werden.
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/iwf-und-griechenland-niemand-will-athen-noch-etwas-geben/11657116.html
    Dinner-Group paßt zu Austerität der Paqssivseite
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/frankfurt-dinner-group-die-verborgenen-verhandlungen-mit-griechenland-13546265.html😉

  4. felsberger2012

    Der Freihandel war schon immer ein Prokrustes-Bett: Man passt eine Idee gewaltsam an die eigenen Erfordernisse an und schneidet sie, wenn es sein muss, solange zurecht bis sie in das vorbereitete Bett passt. Man denke nur an das Britische Empire, das vor 1807 unter „Freihandel“ den freien Handel mit Sklaven verstand, und danach, als es die Welt mit dem mechanischen Webstuhl beherrschte, den Export eben jener Technologie unter Androhung der Todesstrafe verbot. Man wusste zu jeder Zeit, was man vom „freien“ Handelspartner fordern durfte, sowohl was die Beschaffenheit der Waren als auch den Modus des Handels betrifft. Solange das zu leistende Äquivalent Sklaven, Silber oder Gold war, konnte und wollte man das Wesen des „Freihandels“ als blanke Gewalt nicht vertuschen. Erst seitdem die Welt in den Modus der Forderungen und Verbindlichkeiten eingekehrt ist und das Gold als „sinnbildliche Gewalt“ hinter sich gelassen hat, haben die Fronten sich aufgeweicht und ensteht die Illusion einer beidseitigen Begünstigung der Handelspartner. Es verwundert daher kaum, dass die „Freihändler“ jetzt, wo sie die Humanität auf ihrer Seite sehen, umso lauter nach ihrem Prinzip schreien.

    In Wahrheit freilich ist jeder akkumulierte Leistungsbilanzüberschuss eine offene Forderung auf noch zu leistende Waren oder Dienste des Gegenübers. Man hat als Land geliefert, aber das Gegenüber noch nicht zurück, weshalb dies durch Schuldpapiere aller Art dokumentiert wird. Solange keine einheitliche Währung der Handelspartner existiert, kann man sich der Illusion hingeben, dass die gelieferten Dokumente „Wert an sich“ darstellen, so wie man sich ja auch einbilden mag, dass man einen Dollar essen kann. „Mahlzeit“ ruft`s dem entgegen, der eine gemeinsame Währung aller Handelspartner fordert. Dann nämlich wird sehr schnell klar, dass die Aussenverschuldung eines Landes nur durch einen Leistungsbilanzüberschuss zu verringern ist. Dass, um beim aktuellen Beispiel zu bleiben, Griechenland endlich mehr Waren und Dienstleistungen exportieren muss als es umgekehrt importiert, um sine Netto-Verbindlichkeiten zu schmälern. Und auf einmal fällt auch das schöne Gesicht des „Freihandels“, denn nun steht der Exekutor vor der Tür, und verlangt von Griechenland Eigentum, wenn es schon keine Waren gibt.

    Nichts anderes betreiben die Europäer, wenn sie von Griechenland die Privatisierung ihres Staatseigentums fordern. Und nichts anderes meint das Dogma des „Gesund-Sparens“, dass nämlich dieser Schuldner „Griechenland“ nun jegliches Recht zum weiteren Import verwirkt hat. Man hungert den Schuldner aus bis er „gesund“ ist, so wie man ihm früher die Hände abhackte damit er endlich wieder die angemessene Grösse hatte. Und schön langsam zeigt das Gesicht des „Freihandels“ seine wirklichen Züge, die aus „Blut, Eisen und Tränen“ bestehen, und nicht wie „Bürger“ Churchill einst sagte: aus „Blut, Schweiß und Tränen“. Weil Mühsal zählt hier nicht oder nur mehr im Hirn des Bürgers, es zählt einzig das Abhacken der Hand als Strafe. Mit Mühsal wird Griechenland nirgendwo hinkommen, nur mit Verzicht, denn das fordert der Gläubiger. So steht Europa nun da, hier der Gläubiger, der sich um die Gegenleistung betrogen fühlt, und dort der Schuldner, der gar nicht weiss, wie ihm geschieht. Ja, meine Herren, viel Freihandel wünsche ich Euch! Damit ihr endlich begreift, was ihr hier eigentlich treibt. Ihr bereitet nichts weniger als die nächste Katastrophe vor!

  5. felsberger2012

    Die Freihändler sind die vulgärsten Gestalten dieser Erde. Sie sehen das Gold vor Augen und begreifen nicht, dass es längst nur mehr Forderungen sind, die sie in Händen halten. Sie erinnern an Kolumbus, der auch die „Neue Welt“ gar nicht entdecken wollte, sondern nur ihr Gold. Anders als die Ökonomen, die den Feihändlern mit „guten Ratschlägen“ zur Seite stehen, wie sie die von ihnen selbst angetretene Irrfahrt wieder auflösen können, lehne ich diese Art von Steuerung rundum ab. Man kann Entdeckern, Sklaventreiber und Kriegsherren keine Ratschläge geben, sonst macht man sich nur mitschuldig. Niemals gebe ich der Scharlatanerie eine Bühne, sollen sie ihr Gold weiter suchen, bis sie an ihren Forderungen und Verbindlichkeiten ersticken. Diese Welt ist zur Vulgärität verkommen, und das Einzige, was bleibt, ist: Stramm seinen Mann stehen, keinen Millimeter zurückweichen, immer das höchste Gut vor Augen haben – die Redlichkeit.

  6. felsberger2012

    Es kann sich ja jeder selbst ein Bild über dieses Europa machen: Die deutschen Konservativen schreien nach Bezahlung der Schuld und begreifen nicht einmal, dass dies den Griechen nur über Liferung von Waren, Diensten oder Eigentum möglich ist. Sie scheinen „Gold“ im Hirn zu haben, wenn sie von Griechenland „Verzicht“ fordern. Denn, wenn man auf einem Goldberg sitzt und brav verzichtet, kann man ja eines Tages die Schuld ganz einfach bezahlen. Die deutschen Sozialisten und sonstige Linke, oder was sich halt so nennt, schreien nach mehr Schuld für die Griechen. Ja, wie witzig ist das denn? Sie sollen nicht exportieren, die lieben Griechen, sondern noch mehr importieren? Absurder geht`s wohl kaum. Die griechischen Sozialisten und Faschisten, oder was auch immer die sind, schreien nach der Kriegsschuld, wohl ahnend, dass sie die Waren und Dienste niemals liefern können, die Deutschland sowieso nicht benötigt. Also macht man ein Gegengeschäft und rechnet eine neue Schuld gegen eine alte auf. Sozialisten oder Faschisten sollen das sein? Eher Krämerseelen. Und die griechischen Konservativen ticken genauso wie ihre Brüder in Deutschland: Ja, wir sparen jetzt an unserem Gold, dann können wir die Schuld eines Tages schon bezahlen. Und über allem schwebt die EU, die nichts anderes als der Interessensausgleich all diesr Narren ist. Bravo! kann man da nur sagen, auf geht`s, meine Herren! Nur wohin, weiß keiner…..

  7. felsberger2012

    Und die Krönung setzt dem Ganzen auf, dass sich all diese Narren als „Gutmenschen“ gebärden. Sie wollen ja nur das Beste für die Griechen, für die Deutschen, für ganz Europa. Meine Herren! Ihr spielt die Entdeckungsfahrt des Kolumbus, da kann man nicht „gut“ sein, selbst wenn man es will. Da geht es ums Abschlachten, ums Rauben und ums Betrügen. Hört endlich auf „gut“ sein wollen! Das ist das Mindeste, was man erwarten als Indianer erwarten darf!

  8. felsberger2012

    Der Witz an der ganzen Sache ist ja: dass sich die Akteuere in diesem Narren-Spiel unentwegt „im Recht“ fühlen. Nach fünf Jahre Importstopp hat nämlich Griechenland erstmals und tatsächlich einen ausgeglichenen Leistungsbilanzsaldo erreicht. Die deutschen Konservativen fühlen sich also „im Recht“, weil das Aushungern der Griechen zum erwünschten Ziel führte, so wie man ganz glücklich ist, wenn man die Hütte des Nachbarns anflackert. Die deutschen Linken fühlen sich bestätigt, weil ja das Aushungern des Nachbarns nicht das Ziel eines „Gutmenschen“ sein kann, so wie man unmöglich einfach da sitzen kann und das Abrennen des Nachbarhauses beklatscht. Und die Griechen fühlen sich „im Recht“, weil sie ausgehungert und ausgebrannt wurden. Sie erinnern sich an Zeiten, wo dieser Vorgang handgreiflicher vonstatten ging. Wo aber alle „im Recht“ sind, hat Marx mal gesagt, entscheidet die Gewalt. Leider oder Gottseidank, je nach Geschmack, ist uns dieser Weg versperrt, weil die Zivilisation dem Krieg abgeschworen hat. Was bleibt als Ausweg? Der ewige Vorkriegszustand, der nie mehr kommende und doch in der Luft liegende Krieg. Der Krieg der Worte, der Journaille, der Widerlinge, wie der geschätzte Karl Kraus es auszudrücken pflegte.

  9. felsberger2012

    Karl Kraus, nur wer es nicht weiss, war der Meister des Wiener Wortspiels. Zu Hansi Schopf, Burgschauspielerin und Feundin von Adolf Ritter von Sonnenthal, fiel ihm nach dessen Ableben ein: „Man sollte die Schopf bei der Gelegenheit packen!“ Anstatt: „Man sollte die Gelegenheit beim Schopfe packen“. Die Spiegelfechterei der bürgerlichen Gesellschaft findet in ihm auf ewig seinen Ausdruck. Alle, was wir heute erleben, ist im Grunde ein „schlechter Karl Kraus“. Ohne Humor wird der Wahnsinn vom Stapel gelassen und jeder hat nur seine Sicht im Auge und fühlt sich ausserstande in die Sicht des anderen hineinzuversetzen. Nur indem man lernt, sich selbst den Spiegel vorzusetzen, hat der Bürger jemals eine Chance die verworrenen Verhältnisse, in der er lebt, zu entflechten. Das ist das Erbe von Karl Kraus.

  10. Sehr zeitlos der Artikel 😉

  11. christophgstein

    >>…gibt es in Deutschland sogar ernstzunehmende Wirtschaftshistoriker, von denen man lernen könnte, daß der Erfolg Deutschlands in keiner Weise ein Ergebnis irgendwelcher segensreichen Folgen von “Freihandel” war.<<<

    Namen?

  12. Jetzt hat Europa der Euromitglieder bei den Altschulden die jahrealte Lösung von enigma / soffi realisiert.
    Glückwunsch aus dem Olymp der Geldgötter😉

    • Danke für die Blumen!

      Leider ist die Verlängerung der Zahlungsfristen nicht aus einer Einsicht in die Sinnhaftigkeit eines derartigen Arrangements entstanden, sondern aus der jämmerlichen politischen Zwangslage, eine Fälligstellung der Garantien der EURO-Länder mit allen Mitteln verhindern zu müssen. Aber so ist das in Deutschland: statt sich den unvermeidlichen Gegebenheiten zu stellen und als richtungweisender Gestalter aufzutreten müssen deutsche Politiker mit Stiefeln getreten werden, damit wenigstens ein Fünkchen wirtschaftliche Vernunft zur Anwendung gelangt.

  13. Vandermonde

    @soffisticated: Haben Sie vielleicht nähere Erläuterungen bzw. Erklärungen zum Realzinsargument, dass z.B. hier
    http://www.bpb.de/apuz/32438/die-krise-im-euro-raum-ausloeser-antworten-ausblick?p=all
    vertreten wird?

    „In den ersten zehn Jahren haben sich so zwei Blöcke herausgebildet: ein Niedriginflationsblock mit hohen Realzinsen, eher niedrigen Wachstumsraten und geringer Beschäftigung – vor allem Deutschland. Und ein anderer Block mit hoher Inflationsentwicklung, sehr niedrigen oder negativen Realzinsen, hohen Wachstumsraten und fast Vollbeschäftigung – Spanien, Irland und Portugal, teilweise auch Griechenland. “

    „Die Konsequenz für beide Länder wäre eine unangemessene Geldpolitik: zu lax für Land A und zu restriktiv für Land B, insbesondere wenn das Realzinsniveau betrachtet wird (also die Differenz zwischen dem Nominalzinssatz und der erwarteten Inflation). „

  14. Euro-Europa ist ohne Mitgliedsperspektive für 59 Millionen Einwohner in Polen, Tschechien und Ungarn als Gemeinschaftswährungsraum zukunftslos sowohl als Binnenmarkt und Weltwährungsalternative. Griechenland spielt eine irrelevante Randfunktion bezüglich wirtschaftlicher Unterschiedlichkeiten..
    Die EZB hat mit der nicht erfolgten Bankensicherstellungsfunktion zur Geldversorgung in ihrer Aufgabenwahrnehmung einer Geldpolitik im Rahmen der Wirtschaftspolitik als Institution und personell versagt.

  15. Hallo Herr Menéndez, hinsichtlich EU-subventionierten Hühnchenfleischimporten nach Afrika, insbesondere Ghana, ist mir klar (bei Herrn Trappe finden sich dazu drei maßgebliche Links – siehe http://georgtsapereaude.blogspot.co.at/2015/04/griechenland-co-und-andere-probleme.html). Die von der EU subventionierten Schafskäse-Importe und andere Agrarindustrieabfälle nach Griechenland kannte ich noch nicht. Dass hier IWF und Welthandelsorganisation eine wichtige Rolle spielen, ist klar und passt wie die Faust auf´s Auge. Leider konnte ich bislang keine reputablen Belege hinsichtlich Griechenland finden – vielleicht können sie mir ein paar Links nennen – das wäre wichtig für mich. Vielen Dank für ihre Mühe und freundliche Grüße!

    • Sehen Sie, es geht bei der ‚cash drain‘ Geschichte nicht um Schafskäse oder nicht, sondern um die Frage, was Regionen wie Griechenland für international operierende Konzerne sind. Und da zeigt es sich, daß Regionen, die eine „dynamische“ Entwicklung aufweisen automatisch als Melkkühe angesehen werden, weil das aktuelle Einkommensniveau es erlaubt ‚windfall profits‘ zu machen. Dazu paßt, daß dann, wenn diese Extraprofite nicht mehr zu erzielen sind, das Engagement auch wieder aufgegeben wird. Metro hat in 2014 sein Griechenland „Engagement“ wieder eingestellt, weil die Wiese abgegrast ist. Ein weiteres Verbleiben ist dann nur noch bei einer relativen Monopolstellung wie bei Lidl zu rechtfertigen, was dann auch zu „interessanten“ Preisgestaltungen führt:

      http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/preissteigerungen-wie-lidl-in-griechenland-abkassiert/6458316.html

      Dieses Geschäft der Abschöpfung von temporären Gewinnen war 1990 auch ein Grund, warum der Umstellungskurs der Ostmark seitens des BRD-Establishments allgemein akzeptiert war: zum einen wußten die Unternehmenslenker genau, daß sie auf Jahre hinaus dieses zusätzliche Geldvolumen würden abschöpfen können, ohne massive Kapazitätserweiterungen installieren zu müssen, auf der anderen Seite konnte man sich damit eines preislich kompetitiven Wettbewerbers entledigen, ohne in großangelegten Rabattschlachten sich aufreiben zu müssen. Über den Unmut der DDR-Bürger über die BRD-Bürger, welche die ostdeutschen Konsum-Läden leerkauften, weil manche Grundnahrungsmittel und Basisprodukte konkurrenzlos billig waren, wurde ja nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert. Denn was Unternehmen überhaupt nicht schätzen ist das Aufkommen von Konkurrenten, welche in die „eigenen“ Absatzregionen eindringen und Marktanteile für sich gewinnen. Da ist dann Schluß mit „freier Marktwirtschaft“.

      • Ein neuer Aldimarkt hat voraussichtliche Baukosten von 773.000 €.
        Die Wettbewerber, Markant, Famila investieren ebenfalls in neue, bessere Facilities – Standortstärkung 😉

  16. Nach der Symbiose Discounter Supermarkt über 15 Jahre schluckt der Supermarkt den Discounter und investiert 2.037.000€ Rohbaukosten für einen Verbrauchermarkt am selben Standort.
    Marktbereinigung und Strategiewechsel in der ländlichen Region
    http://www.stalys.de/data/ehbf01.htm

  17. „Denn die Entscheidung, sich von der seit vielen Jahren für wertvolle Cash flows sorgenden Kunststoffsparte zu trennen, war nicht unbedingt ein grundsätzliches Votum gegen das auf Risikostreuung setzende Konglomerat. Die Begründung der Konzernspitze im vergangenen Herbst lautete: Wegen des erheblichen Investitionsbedarfs der Life-Science-Geschäfte sowohl für internes als auch für externes Wachstum könne Bayer dem Chemiegeschäft nicht mehr das für dessen Wachstum erforderliche Kapital in ausreichendem Maße zu Verfügung stellen.“
    aus:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/bayer-startet-neuen-kunststoffkonzern-covestro-boersengang-geplant-13780088.html
    Was wollen die denn unternehmen?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s