Schweizer Spezialitäten

SchneeversuchImmerhin hat ja pünktlich zu Heiligabend die Schweizerische Bundeskanzlei verkünden dürfen, daß das Quorum für die Abhaltung eines Referendums über die Forderungen der Vollgeld-Initiative zustande gekommen ist.
https://www.bk.admin.ch/aktuell/media/03238/index.html?lang=de&msg-id=60143
Damit ist wohl für dieses Jahr noch mit der Abhaltung des Referendums zu rechnen.

Im Vorfeld hatte bei Einreichung der Unterschriften die schweizerische Bankiersvereinigung eine Stellungnahme abgegeben, in der sie erwartungsgemäß ablehnend auf die Vollgeld-Initiative reagiert. Dieses Dokument einer Nichtbeschäftigung mit dem Vollgeld-Konzept ist hier zu finden:

http://www.swissbanking.org/de/medien/statements-und-medienmitteilungen/statement-der-schweizerischen-bankiervereinigung-sbvg-zur-vollgeld-initiative-1

Daß man von Bankern, deren Sozialisation durch die Intermediärtheorie der Banken nachhaltig geprägt worden ist kaum profunde Erkenntnisse in Sachen Geldtheorie erwarten kann ist ja noch verständlich, so daß die in diesem Dokument aufgeführten Behauptungen sich im wesentlichen darauf beschränken den Teufel an die Wand zu malen, sollte dem nunmehr abzuhaltenden Referendum Erfolg beschieden sein. Der dicke Hund dieser Routinestellungnahme liegt denn auch etwas weiter unten begraben, denn dort wird geschrieben:

„Die Schweiz hat eines der strengsten Too-Big-To-Fail-Regimes der Welt. Es braucht kein Vollgeld, um das Schweizer Finanzsystem sicher zu machen.

Hierbei ist nicht entscheidend, ob die Behauptung stimmt, daß die Schweiz das TBTF-Thema im Griff hat oder nicht, sondern die Tatsache, daß behauptet wird, daß dazu die Einführung von Vollgeld nicht erforderlich sei. Denn hier wird indirekt zugestanden, daß das Konstrukt „Vollgeld“ tatsächlich etwas sei, was eingeführt werden könnte, „um das Schweizer Finanzsystem sicher zu machen.“ Wenn man so will hat hier die schweizerische Bankiersvereinigung dem „Vollgeld“ einen Ritterschlag erteilt, indem sie es als mögliche denkbare Alternative akzeptiert. Warum aber ausgerechnet dasjenige, was bekämpft werden soll im gleichen Atemzug als seriöse Alternative geadelt wird läßt sich nur damit erklären, daß auch den Schweizer Banken nicht so ganz klar ist, warum das Vollgeld-Konzept einen fatalen Denkfehler darstellt.

In meinem Blog schreibe ich ja schon etliche Zeit darüber, daß man im Zusammenhang mit Geld Schuldgeschäfte und Erfüllungsgeschäfte strikt auseinanderhalten muß. Diese Selbstverständlichkeit wird von der volkswirtschaftlichen Forschung insofern ignoriert, als diese auf der Suche nach einer „Geldnachfragefunktion“ nur die Perspektive der Haushalte einnimmt und dort unbekümmert Bargeld und Sichtforderungen (und weitere Forderungen) in ein Aggregat Mxyz subsumiert. Das ist für ökonometrische Forschungen noch einigermaßen legitim, da es dabei um die Frage geht, welche Wirkungen die Struktur des privaten Geldvermögens auf Ausgabeentscheidungen der Haushalte hat. Nicht vergessen sollte man dabei, daß der theoretische Hintergrund der allgemeinen Gleichgewichtstheorie quasi dazu zwingt Geld ausschließlich als ‚asset‘ der Haushalte zu betrachten, da die Steuerung dieser Ökonomie durch Präferenzen und Technologie erfolgt – und mit Geld – und übrigens auch mit dieser Welt – nichts zu tun hat.

Diese Verfahrensweise Forderungen und Zentralbankgeld unbekümmert zu einer Geldmenge zusammenzurühren wird jedoch dann grundfalsch, wenn es um die Frage geht, was die Funktion von Banken in einer Geldwirtschaft ist. Zu diese Frage wird ja üblicherweise die Version vorgetragen, daß Banken die „echten“ Ersparnisse von Haushalten an investitionswillige Unternehmer verleihen. In einem logischen Salto Mortale wird dann insinuiert, Banken würden durch die Vergabe von Krediten darüber hinaus Geld erzeugen, was sie eigentlich nach Maßgabe dieses „gesicherten Grundwissens“ eigentlich garnicht dürften und was durch die Vollgeld-Initiative nunmehr verhindert werden soll.

Die traurige Wahrheit ist dabei: es handelt sich hier um einen Schildbürgerstreich ersten Ranges, denn das was den Banken unterstellt wird – Geldschöpfung zu betreiben – tun sie überhaupt nicht. Denn wenn eine Bank einen Kredit vergibt passiert nichts weiter als daß beide Seiten darüber übereinkommen in einem bestimmten zeitlichen Rahmen Zahlungen zu leisten. Der Kredit selbst ist im Grunde nichts weiter als eine Absichtserklärung, die es erst noch zu erfüllen gilt. In diesem Stadium existieren noch keine Verfügungen über Zentralbankgeld, der einzige institutionell bedingte Effekt besteht darin, daß die Bank aufgrund des Anstiegs ihrer potentiellen Zahlungsverpflichtungen (das aus dem Kredit entstandene Kontoguthaben des Kreditnehmers) einen 1%-Anteil der zusätzlichen Verpflichtung als Mindestreserveverpflichtung hinzurechnen muß. Insofern vermindert sich zwar nicht der Liquiditätsstatus der Bank (das Geld ist ja immer noch da), sondern es ändert (verringert) sich der Auszahlungssperrbetrag der Bank ein wenig. Wichtiger an dieser Stelle ist jedoch an dieser Stelle daran zu erinnern, daß ein Kredit auf der Grundlage des Schuldrechts entsteht und daher durch eine zweiseitige übereinstimmende Willenserklärung erzeugt wird, nicht mehr und nicht weniger.

Sobald der Kreditnehmer über den Kreditbetrag verfügt verläßt man den Boden des Schuldrechts und betritt den Boden des Sachenrechts, auf welchem durch Übergabe der geschuldeten Sache die korrespondierende Schuld erlischt. Überweist der Kreditnehmer den ihm zustehenden Betrag an einen Verkäufer ist die Bank qua Kreditvertrag dazu verpflichtet dem Verkäufer die Verfügungsmacht über diesen Betrag zukommen zu lassen, sie geht also vom Kreditnehmer auf den Verkäufer über. Soweit der Verkäufer sein Konto ebenfalls bei dieser Bank hat bleibt der Liquiditätsstatus der Bank konstant, besitzt der Verkäufer sein Konto bei einer anderen Bank, verliert die Bank in Höhe des Überweisungsbetrages Zentralbankgeld, womit sich ihr Liquiditätsstatus um die Höhe des Überweisungsbetrages verringert. Das Ergebnis letzterer Transaktion ist also, daß die Bank 100% des Kreditbetrages in Zentralbankgeld an eine andere Bank transferieren muß, wobei nach erfolgter Zahlung die 1% des Kreditbetrages aufgrund der Mindestreserve nicht mehr vorgehalten werden muß – mithin sind also statt 1% an Mindestreserve-Liquiditätszuwachs nunmehr 100% des Überweisungsbetrages als Abgang an Liquidität zu verbuchen.

Die Empfängerbank „profitiert“ lediglich insofern, als ihr als kontoführendes Institut des Verkäufers 100% des ursprünglichen Kreditbetrages als Zentralbankgeld zugeht, sich damit zwar der Liquiditätsbestand um 100% erhöht, aufgrund der Mindestreserve der Rahmen der Zahlungsfähigkeit jedoch nur um 99%. Man sollte sich allerdings darüber klar sein, daß diese 1% Regel nicht ganz stichhaltig ist, denn bei einer Weiterüberweisung kann die Bank auch diese „1%“ an Liquidität nutzen, weil ja durch die Überweisung auch die Mindestreserveverpflichtung sinkt. Insofern hat die Mindestreserve heutzutage keine praktische Bedeutung mehr und ist in geldtheoretischen Betrachtungen eigentlich nur unnötiger Ballast. Denn die Mindestreserve bedeutet ja nicht mehr als quasi einen Auszahlungssperrvermerk, wodurch die Gesamtliquidität in keiner Weise ihre Höhe ändert.

Immerhin liefert das deutsche Recht einen deutlichen Hinweis darauf, daß das was die Geldnachfrageforschung und Vollgeldler oder ‚positive money‘-Jünger unter den Begriff Geld subsumieren dann doch nicht das ist, was zur Abwicklung von Zahlungen bzw. für eine rechtsgültige Schuldbefreiung übertragen werden muß. Denn wenn man ein bißchen recherchiert stößt man auf den §675t BGB, dessen erster Satz genau das formuliert, was im Überweisungsverkehr normalerweise vor sich geht:

(1) Der Zahlungsdienstleister des Zahlungsempfängers ist verpflichtet, dem Zahlungsempfänger den Zahlungsbetrag unverzüglich verfügbar zu machen, nachdem er auf dem Konto des Zahlungsdienstleisters eingegangen ist.

Im Grunde steht da klipp und klar, daß nicht der Passivübertrag von Bank zu Bank den Zahlungsvorgang darstellt, sondern wie es auch richtig ist der Aktivübertrag von Zentralbankgeld via Zentralbank von der Bank des Zahlenden zu der Bank des Zahlungsempfängers. Die Zahler-Bank hat einen Abgang des Aktivum Zentralbankgeld, die Bank des Zahlungsempfängers einen Zugang beim Aktivum Zentralbankgeld – was letzten Endes die nicht erfolgte Übergabe von Zentralbankgeld vom Käufer zum Zeitpunkt des Kaufes an den Verkäufer ersetzt. Denn das, was auf dem Konto des Empfänger-Zahlungsdienstleisters eingehen muß ist Zentralbankgeld und zwar deswegen, weil keine Bank eine Zahlungsverpflichtung übernimmt, ohne im Gegenzug einen Anspruch auf das nunmehr zusätzlich geschuldete Zentralbankgeld zu erhalten. Im Unterschied zu dem Eingang auf einem Zentralbankkonto ist ein Eingang auf einem Geschäftsbankkonto demgegenüber kein Zentralbankgeld, weil die Erfüllung dieser Forderung durch die Zahlungsfähigkeit der Bank in – Zentralbankgeld – bedingt ist . Wie man spätestens seit der Kaupthing-Geschichte weiß ist die Zahlungsfähigkeit von Geschäftsbanken keine absolute, sondern eine relative Größe, weil Geschäftsbanken in einem Standard zahlen müssen, den sie selbst nicht schaffen können. Banken wissen sehr genau warum sie ein Liquiditätsmanagement betreiben müssen, welches dafür sorgt, daß sie ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen können. Vollgeldler bilden sich ein, daß dies durch die Gutschrift auf einem Verbindlichkeitskonto schon erledigt wäre.

Und damit platzt die ganze Vollgeld-Geschichte und die Einbildung von der Geldschöpfung der Banken in 1000m Höhe. Insbesondere wird damit auch mal klargestellt, daß Geld nur das ist, was von der Zentralbank emittiert wird, bzw. von ihr als Forderung der Banken ausgewiesen wird – was die Effizienz des Zahlungsverkehrs im Interbankenmarkt erheblich erleichtert. Und dann werden solche Artikel http://www.fuw.ch/article/vollgeld/ vielleicht auch seltener, deren ökonomische Qualität mehr als zum Schmunzeln Anlaß gibt.

Nun ist die Sache ja nicht so, daß schon allein deswegen, weil das Vollgeld-Konzept als haltlos nachweisbar ist, dieses Referendum nicht doch von Erfolg gekrönt sein könnte. In einem solchen Fall wäre natürlich zu fragen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Die Vorstellung der Vollgeldler, die Banken würden Zahlungskonten außerhalb ihrer Bilanz führen können, die von der Zentralbank mit einer unbedingten Liquiditätsgarantie ausgestattet wären, darf man kurzerhand als juristische Unmöglichkeit verstehen. Denn in diesem Fall hätten die Zahlungskonten eine hoheitliche Sicherheit, die sich nicht wirklich mit dem privatwirtschaftlichem Charakter von Geschäftsbanken verträgt. Soweit es sich erweisen sollte, daß diese Konstruktion nicht machbar ist kommt auf einmal eine andere Möglichkeit zum Vorschein, nämlich die allgemeine Option des Publikums bei einer Filiale der Zentralbank ein Zahlungskonto zu eröffnen, dessen Eigenschaft ein Passivum der Zentralbank zu sein eine unbeschränkte Einlösung in Banknoten garantiert. Während also das eigentliche Vollgeld-Konzept den Banken keine Kopfschmerzen zu machen braucht weil es ohnehin nicht praktikabel ist, bekommt die darin auch angelegte Ausgliederung der Zahlungskonten hin zur Zentralbank auf einmal einen monströsen Charakter, weil dieses Arrangement das Potential hat den Banken einen Großteil der Liquidität wegzunehmen, mit der sie heutzutage arbeiten. Wenn man so will läßt sich hier eine ‚hidden agenda‘ vermuten – ein Arrangement – ähnlich wie das Glass-Steagall Gesetz – durch die Hintertür durchzusetzen, mit der Konsequenz, daß dabei den Privatbanken ein guter Teil des Zahlungsverkehrsgeschäfts verloren gehen würde. Im Gegensatz zu den anderen Pseudo-Argumenten der Vollgeldler wäre die Umsetzung dieser Option für die Banken tatsächlich eine Bedrohung. Aus dieser Perspektive bekommt die „Führung der Zahlungskonten außerhalb der Bankbilanz“ eine völlig neue Bedeutung.

Man könnte sich nun darauf verlassen, daß die Schweizer in puncto Finanzsystem eine vergleichsweise konservative Haltung einnehmen und dieses Referendum mit Pauken und Trompeten durchfallen lassen. Wie es tatsächlich ausgeht, weiß man allerdings erst hinterher. Von daher wäre es weise sich schon vorher mit einer angemessenen Diskussion diesem Ansinnen entgegen zu stellen und sich nicht nur damit zu begnügen ein Sammelsurium von Behauptungen aufzustellen, ohne dabei in eine ernsthafte Diskussion einzutreten.

Daß man sich dabei mal über die Grundlagen des eigenen Bank-Geschäfts klar werden würde, wäre ein durchaus begrüßenswerter Nebeneffekt!

27 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Ordnungspolitik, Wirtschaftspolitik, Wirtschaftstheorie

27 Antworten zu “Schweizer Spezialitäten

  1. F. Hall

    Vollgeld als „Unsinn“ zu bezeichnen, ist Unsinn.
    Zum einen ist es sehr wohl möglich, dass die Banken die Vollgeldkonten führen.
    Zum anderen verhindert Vollgeld einen Bankrun.
    Vollgeld nimmt den Banken das Privileg, ihre eigene Bankenwährung zu benutzen, deshalb ist klar, woher die Kritik am Vollgeld kommt.

    Mehr ist zu Ihrem Artikel, der auf die Kernpunkte beim Vollgeld nicht eingeht, nicht zu sagen.

    Es bleibt dabei: Die Banken haben nicht genügend Aktiva, um einen Bankrun zu verhindern. Sie werden und wollen weiter zocken und Zinsen für nie beschafftes ZB-Geld kassieren. Die Kunden werden bei jedem Kredit von der Bank betrogen und damit das schön weitergehen kann, schreiben Propagandisten wie Sie solche Artikel.

    Am Ende zahlt der Bankkunde und der Steuerzahler die Zeche für den Betrug der Giralgeldschöpfung.

    • Ich lasse Ihren Kommentar mal als abschreckendes Beispiel stehen – aber nur einmal.
      Falls Sie wissen wollen, warum ein ‚bank-run‘ eine selbst eingebrockte Suppe ist:
      https://soffisticated.wordpress.com/2012/06/06/lieber-bank-run-statt-einlagensicherung/
      Ansonsten empfehle ich aus Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein das Kapitel über „Die verscheuchten Elefanten“:

      Ein Mensch klatscht alle 10 Sekunden in die Hände. Danach befragt, warum er das tue, antwortet er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ „Elefanten? Aber es sind doch garkeine hier!“ Antwort: „Sehen Sie!“

      • F. Hall

        Danke, dass Sie meinen Kommentar nicht gleich zensiert haben.
        Wenn ich sie richtig verstehe, dann gibt es die Gefahr eines Bankrun überhaupt nicht mehr ?

        Was werden die Kunden der Bank Hottinger, der Kauphting oder Northern Rock oder Irlands oder Islands dazu sagen ?
        https://www.liquidation-bankhottinger.ch/de/aktuelles/

        Bei denen gab es massive Verluste der Bankkunden, die es bei Vollgeld niemals gegeben hätte.

        Oder bezieht sich Ihr Argument darauf, dass Sie Vorschläge für den Fall eines Bankruns hätten, welche aber von den Politikern und Bankern leider nicht beachtet werden, was dann halt leider doch zu Verlusten der Einleger führt ?

        Ich erinnere mich an Zypern, wo den Firmen und ich glaube auch Privatpersonen einfach Geld von den Konten gestohlen wurde, um die Bank zu „retten“.

        Sind das Ihrer Meinung nach alles virtuelle Verluste oder Verschwörungstheorien, oder haben diese Menschen tatsächlich ihr Geld verloren ?

      • Die (Guthaben-)Kunden sind die Opfer von selbsternannten „Rettungsspezialisten“, die nicht kapiert haben, daß der Zugang von Geld(-forderungen) bei einer Bank nicht unbedingt konkludent mit einer Kreditgewährung an diese ist, sondern hauptsächlich aus Bequemlichkeiten des Zahlungsverkehrs herrührt.

        Nun gibt es allerdings europäische Klugscheißer, die meinen, daß jeder (mehr oder weniger zwangsweise) Kontoführende zu den Gläubigern einer Bank gehört, was formal auch korrekt ist. Deswegen und aus irgendeinem unerfindlichen (wahrscheinlich ideologischen) Grund mußten ein paar Russen einen Einschnitt in ihre Forderungen hinnehmen, die damit aufgrund der ‚debt-for equity‘-Regel inzwischen zu Eigentümern der zyprischen Banken geworden sind und damit mehr Macht in die Hände gespielt bekommen haben, als das von den „Wir sind gegen die Schwarzgeld-Wäsche in Zypern“-Naivlingen jemals beabsichtigt war.

        Falls das eine Verschwörung war ist diese jedenfalls mehr als ein Schuß ins eigene Knie geworden. Und dafür, daß es die Trottel gegeben hat, welche aus mutmaßlichen Geldwäschern nun Eigentümer zugelassener europäischer Banken gemacht haben, braucht man keine Verschwörungstheorie, sondern nur die Erkenntnis, daß bei europäischen Amateur-Strategen das Brett nicht vor dem Kopf sitzt, sondern innen…

      • F. Hall

        soffisticated,
        Ihren Hinweis mit dem Elefanten habe ich verstanden.
        Die Banken schöpfen kein Geld, kein Giralgeld, kein Buchgeld, Bankengeld, kein Falschgeld.

        Ich bemühe mich, die Vollgeld-Befürworter von deren Kampf gegen den Elefanten, den es gar nicht gibt, abzubringen, damit die Gegner der Vollgeld-Befürworter nicht so leichtes Spiel haben, indem sie sagen, dass die Vollgeld-Befürworter keine Ahnung haben, wie Banken arbeiten.

        Wenn die Vollgeld-Befürworter diese unhaltbaren Thesen mit „Giralgeldschöpfung“ und „die Banken bezahlen mit ihrem selbstgeschöpftem Giralgeld“ entfernen und die Sache korrekt darstellen,
        bleiben meines Erachtens immer noch genügend Argumente für die Einführung des Vollgeldes.

        Können Sie mir freundlicherweise Ihre Argumente gegen Vollgeld nennen, damit ich auch diese widerlegen kann ?
        Oder einen Autor nennen, der Argumente gegen Vollgeld auflistet, die nicht nur aus Angstmacherei oder ähnlichen Tricks bestehen, wie es die Schweizer Bankiersvereinigung getan hat ?

        Meine Position ist im Moment klar:
        Sie, soffisticated, haben recht. Banken schöpfen kein Giralgeld und sie bezahlen auch nicht mit ihrem selbstgeschöpften „Geld“.

        Aber all die anderen Argumente der Vollgeld-Befürworter stimmen.
        Die Banken vergeben zu viele Kredite und jonglieren zusätzlich mit Kreditlinien untereinander, wodurch sie Zentralbankgeld sparen und damit ihre Profite optimieren, aber gleichzeitig die Stabilität des Systems untergraben.

        Nur die Banken haben Gründe, Vollgeld abzulehnen, nicht jedoch die Nichtbanken und der Staat.
        Wir sollten die Macht der Banken beschneiden und mit Vollgeld ist dies möglich.

      • Nochmal: Giralgeld, Buchgeld oder Bankengeld sind kein Geld im Sinne eines schuldbefreienden Zahlungsmittels, sondern eine Schuld der Bank die sich als Aktivum bei den Haushalten wiederfindet. Eine Bankforderung ist im wesentlichen ein Verfügungsrecht über Zentralbankgeld. Und nur weil sich Haushalte üblicherweise keine Platte darüber machen, was bei einer Überweisung tatsächlich passiert gibt es diesen Fehlglauben, daß Bankforderungen schon „Geld“ seien.

        Ob sich das Vollgeld-Konzept retten läßt, wenn man dies berücksichtigt, kann ich nicht beurteilen. Das ist auch nicht meine Aufgabe, mal abgesehen davon, daß sobald irgendwer daran eine Kritik schreibt postwendend der Vorwurf ertönt, der Kritiker hätte das Vollgeld-Konzept nicht verstanden oder verstehen wollen. Auf diese beleidigten Immunisierungsvorwürfe erfolgt im folgenden keine nachvollziehbare Klarstellung sondern nur die Rezitation der angeblichen Vorteile.

        Vielleicht können Sie es ja. Für den Anfang würde es schon mal reichen buchhaltungstechnisch (T-Konten sind immer eine Erfahrung wert!) nachzuzeichnen, wo denn das Vollgeld in der Bankbilanz zu finden sei – ausgelagertes Konto hin oder her. Das würde schon mal weiter helfen…

        Im übrigen: natürlich muß sich einiges bei den Banken ändern. Es gibt genügend liebgewordene Unsitten, die sich im Bankgeschäft eingenistet haben. Eine davon wird hier kritisiert:
        https://soffisticated.wordpress.com/2013/08/14/risikoruckstellungen-eine-ungeliebte-notwendigkeit/

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 8. Januar 2016 | Die Börsenblogger

  3. Es spricht nichts dagegen jedem ein Zentralbankkonto führen zu lassen gerade in Praxis technischer Möglichkeiten und der EZB Handhabung Vollhohlposten als werthaltige Sicherheit zu akzeptieren.

    • ??
      Das ist schon richtig, dazu bräuchte es noch nicht einmal ein größeres Filialnetz. Oder man überträgt der KfW die Organisation. Zumindest solange es sich um einen Zahlungsverkehr auf Guthabenbasis handelt. Bei diesen Konten fällt dann auch der Dispo flach…

      • Link aus dem Pingback von Die Bördenblogger :
        http://www.rottmeyer.de/warum-luegt-die-ezb/
        weil die Geschäftsmodelle und Verfahrensweisen privater Banken anhand der Ablaufketten gut nachlesbar sind.
        Zur Erklärung eines Modells für Zentralbankkonten für Jeden komme ich später zurück.
        Gut wie Sie die Rechtsgebiete differenzieren, was Ökonomen schwer fällt zu beachten aber auch zu Konflikten mit der Real- bzw. Tauschwirtschaft führen kann.
        Deshalb ist meine Geldtheorie auch zentralschöpferisch und geldmengenunabhängig rein bonitätsbasiert (unbegrenzt) – wer tilgt wird kreditiert.
        Negativzins existiert nicht, dafür wird Kredithöhe zum Mengenfaktor.
        Sicherheit ist das Vertrauen in den Menschen – auf seine Rückzahlung mit Basis einer menschenwürdigen Grundaussteuerung (Untergrenze) !
        Kann als Baukasten mit Bildung gebündelt werden : wer leistet … wird begütert.
        Soweit zum Einstieg und Danke für den Sinn des/von soffisticated 😉

  4. Pingback: Szwajcaria głosuje! – pecuniaolet

  5. Frankie (f.k.a.B.)

    @ F. Hall

    Sie schreiben, „Die Banken vergeben zu viele Kredite“.
    Welchen Massstab verwenden Sie, woran messen Sie , dass die Kreditvergabe zu hoch sei? Dass einzelne Banken zu viele Kredite vergeben, das kommt immer wieder vor, wie Bankpleiten zeigen. Aber ob das Aggregat des Finanzsektors das auch macht, da wär ein Beleg schon recht. Die Statistiken der BuBa geben das nicht her. Dort ist die Kreditvergabe an Nichtbanken seit 1950 immer niedriger als z.B. die Ersparnisse der Nichtbanken. Ich weiss auch nicht was die perfekte Kennzahl zur Messung der optimalen Kreditgewährung ist, aber die Ersparnisse der Nichtbanken beschreiben ja schon die Liquiditätsspielräume des Bankensektors und könnte einen Hinweis liefern.

    • F. Hall

      Die Banken vergeben zu viele Kredite.
      Woran ich das messe ?

      Ein Beispiel: In Spanien kann man kilometerlange Bauruinen bestaunen, auch Flughäfen, die nicht benutzt werden.

      Verschiedene Banker und Politiker und Ökonomen, welche durch Reporter befragt wurden, wie solch eine Fehl-Allokation denn passieren konnte, wo doch die Theorie sagt, dass dies eigentlich nicht passieren dürfte, weil die Banken das alles wunderbar und in ihrem ureigensten Interesse zwecks Stabilität und Rendite-Optimierung handhaben würden, antworteten, dass deutsche Banken die Spanier dazu gedrängt hatten, Kredite zu nehmen.
      Da hätte man bei den super Konditionen nicht Nein sagen können.

      Dass der Bankensektor global etwas falsch macht und nicht fähig ist, für Stabilität zu sorgen, zeigen die Finanzkrisen und die Bankenrettungen durch die Steuerzahler. Vielleicht ist das nicht aus den Bundesbank-Statistiken zu entnehmen, aber es gibt ja auch eine Realität außerhalb dieser Statistiken.

      Vollgeld macht solche Exzesse praktisch unmöglich und Bankruns gibt es bei Vollgeld nicht.
      Wenn eine Bank sich verzockt, verlieren die Bankkunden keinen Cent ihrer Einlagen.

      Dafür alleine schon müsste Vollgeld eingeführt werden, oder was spricht Ihrer Meinung nach dagegen ?

      Bisher habe ich keine Argumente gegen Vollgeld entdecken können.
      Das einzige Argument gegen die Vollgeld-Initiative ist die Tatsache, dass dort die Giralgeldschöpfung der Banken abgeschafft werden soll, die es nicht gibt.

      Die Schweizer Bankiersvereinigung hatte überhaupt keine Argumente gegen das Vollgeld, außer Angstmacherei. Das ist mir zu dünn.

      Es müsste doch möglich sein, nachdem diese Lufnummer mit dem angeblichen „Schöpfen von Geld“ von Banken geklärt ist, nüchtern und sachlich über Vorteile und Nachteile von Vollgeld zu diskutieren, so hoffe ich jedenfalls.

      • @F. Hall

        „Dafür alleine schon müsste Vollgeld eingeführt werden, oder was spricht Ihrer Meinung nach dagegen ?“

        Kilometerlange Bauruinen, Flughäfen, Handy-Produktion, Atomkraftwerke, die Wäscherei an der Ecke, das todsichere Geschäft. Das Wesen unternehmerischer Entscheidungen ist, dass sie misslingen können und der Kredit resp. die Kapitalforderung nicht mehr bedient wird (das gilt natürlich auch für Banken!). Das Morgen ist stets unsicher, aber unsere arbeitsteilige, hochproduktive und hochkomplexe Ökonomie ist auf die Verheissung zukünftiger Erlöse angewiesen, mit denen die heute zu leistenden Aufwendungen einmal getilgt werden können. Deshalb werden Kredite zur Überbrückung gebraucht. Nur deshalb gibt es Geld, Kredit und Guthaben – um die Erlös- und Entschuldungspotentiale zukünftiger Perioden für das Heute verfügbar zu machen. Ein Vollgeldsystem scheint mir ein Schritt dahingehend zu sein, nur noch sichere Geldüberlassungen zuzulassen, mithin nur noch sichere Unternehmensentscheidungen zu finanzieren – also überhaupt keine mehr.

      • F. Hall

        Frankie,
        ich sehe das anders.
        Die Banken würden auch bei Vollgeld Kredite vergeben, um Zinsen zu verdienen.
        Es würde auch Forderungsausfälle geben, das liegt in der Unsicherheit des Lebens.

        Der Unterschied ist klar: Wenn die Bank dadurch pleite geht, verlieren die Kunden keinen Cent. Die Bank muss auch nicht durch Steuerzahler gerettet werden, weil die einzelne Bank bei Vollgeld nicht mehr „systemrelevant“ ist.

        Mir geht es um die Sicherheit der Einlagen, welche beim Vollgeld echte Einlagen wären und nicht Verbindlichkeiten der Geschäftsbank.

        Kein Bailout, kein Bail-In , nur noch sichere Einlagen.
        Weshalb sollte jemand etwas dagegen haben ?

  6. Frankie (f.k.a.B.)

    Jedermann ein Zentralbankkonto, mit TARGET IV als IT-Plattform. Targetsalden auf der Ebene von Müller, Meyer, Wäscherei Chang und KfZ-Huber – das wird ein Spass. Gut , dass H.W.Sinn in Rente ist, da hat er Zeit und kann sich dann austoben…

    • In diesem Aufsatz von Krämer:

      http://vollgeld-initiative.ch/fa/img/Texte_Dokumente_deutsch/Kremer_Juergen_-_Vollgeld_Buchungs-Kapitel_aus_Buch_Mai_14.pdf

      findet man unter 3.3.3

      „Eine Möglichkeit der Umsetzung der Vollgeldreform besteht darin, die ausgegliederten Girokonten der Geschäftsbanken in die Bilanz der Zentralbank einzugliedern. Auch wenn dies nicht das Verfahren sein dürfte, das hinsichtlich einer praktischen Umsetzung den geringsten Aufwand bereitet, lässt sich das Vollgeld-Konzept bei einer Zuordnung der Vollgeld-Konten zur Zentralbank-Bilanz übersichtlich darstellen und wird aus diesem Grund hier zur Erläuterung gewählt.“

      Auch wenn Krämer dieses Verfahren für unwahrscheinlich hält läuft es dennoch auf eine Garantie der Zentralbank für sämtliche Sichtguthaben hinaus – oder gleich eine KfW-Bankenkette. Obwohl – ein bißchen Wettbewerb kann ja nicht schaden…

      • 3.11
        „Eine Modifikation des Vollgeld-Systems könnte darin bestehen, dass jede Geschäftsbank, bei der ein Kunde um einen Kredit nachfragt, sich diese Summe stets von der Zentralbank leihen muss – und dass diese Leihe bis auf Verwaltungsgebühren kostenfrei ist. Die Geschäftsbank gibt dieses Geld nun an den Kreditnehmer weiter, der verpflichtet ist, vertragsgemäß zu tilgen. Die den Geschäftsbanken zufließenden Tilgungsbeträge werden wiederum an die Zentralbank weitergeleitet, so dass auf diese Weise nach der Tilgung die Ausgangssituation wieder hergestellt wird.Durch das hier skizzierte Verfahren ist die Ökonomie nicht darauf angewiesen, dass Wirtschaftsteilnehmer ihr Geld anderen für Investitionen zur Verfügung stellen. Dennoch sind die kreditgebenden Banken in der Haftung und werden daran interessiert sein, nur dann Kredite zu vergeben, wenn die Kreditnehmer ausreichend kreditwürdig
        sind. Denn sollte ein Kredit ausfallen, so muss er von der kreditgewährenden Bank abgeschrieben werden, und die Bank muss die Abschreibung aus ihrem Eigenkapital finanzieren.
        Bei dieser Variante des Vollgeld-Systems sind Sparer für die Vergabe von Krediten nicht notwendig, also besteht für die Existenz von Sparguthaben keine Notwendigkeit, und es gibt insbesondere keinen ökonomisch zwingenden Grund, Sparguthaben zu verzinsen. Dies bedeutet aber auch,
        dass die Kosten für Kredite Bearbeitungs- und Verwaltungsgebühren sowie dann, wenn die Sicherheiten nicht ausreichen, Risikoprämien beinhalten sollten, nicht aber Anteile, die als Sparzinsen an die Sparer weitergereicht werden. Um diese Zinsanteile sollten Kredite also billiger
        werden. Weiter hat die Zentralbank eine direkte und vollständige Kontrolle über die Kreditvergabe der Geschäftsbanken.
        Jeder Kredit muss zu 100% von der Zentralbank finanziert werden. Bestehen seitens der Zentralbank Bedenken gegenüber der Kreditpolitik einer Geschäftsbank, dann kann deren Kreditvergabepraxis durch Leihebeschränkungen von Vollgeld unmittelbar und wirksam beeinflusst werden.
        Im gegenwärtigen Geldsystem besteht die Strategie zur Steuerung der Geldmenge darin, Kredite durch eine Erhöhung der Leitzinsen teurer und durch eine Senkung billiger zu machen. Kredite könnten jedoch vollständig ohne Kreditzinsen dadurch teurer oder billiger gemacht wer
        den, dass Vorgaben für die Höhe der Tilgungsraten bzw. für die Gesamtdauer der Tilgung gemacht werden. So könnten die Tilgungsraten erhöht und die Gesamtdauer von Kreditverträgen verkürzt werden, wenn ein Überschießen der Geldmenge befürchtet wird, so dass die durch Kredite ausgeweitete Geldmenge in einem kürzeren Zeitraum durch Tilgung wieder reduziert wird. Zudem würde die Nachfrage nach Krediten unter diesen Voraussetzungen sinken. Eine Verringerung der Geldmenge würde gegebenenfalls auch durch eine entsprechende Abschöpfung aus den Steuereinnahmen des Staates seitens der Monetative erzielt
        werden können. Entsprechend könnte eine Erhöhung der Geldmenge nicht nur durch die Ausdehnung des Geldbestands durch die
        Monetative, sondern auch durch eine Senkung der Tilgungsraten und durch eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten erzielt werden.
        Konzeptionell besteht die hier dargestellte Modifikation e
        ines Vollgeld-Systems aus der Kombination eines Bestands-Geldsystems mit einem Kredit-Geldsystem, bei dem die Guthaben zu 100% durch Zentralbank-Reserven gedeckt sind. Es handelt sich also um ein Geldsystem, bei dem auf einer Vollgeld-Basis ein 100%-Reserve Kredit-
        Geldsystem aufsetzt ist.“

        Es ist darauf hinzuweisen, dass bei 100% Zentralbankgeld auch Gebühren und Verwaltungskosten nur freiwillig geschöpft und verteilt werden können, weil auch sie nur „voll“ emitiert sind!
        Wesentliches Instrument der Geldmengenpolitik ist die Ausreichung aufgrund erfolgter Einhaltung der Absprachen zur Tilgung (Vertrauen, Verläßlichkeit). Insofern ist Kremers Ratenveränderung und Zeitraumveränderung zwar steuernd aber eigentlich sinnlos, denn solange erfüllt wird besteht unbegrenzter Geldanspruch (in meinem System). Erst bei Andersleistung greifen Beschränkungen.
        Die Geldmenge ist also eine Funktion der gewollten Investitionen, von Wünschen zu Produktionsvorfinanzierungen. Die tatsächliche Inanspruchnahme zeigt nur ein Aktivitätsniveau. Ob das gut oder schlecht ist bringt die Verwendung bzw. der Nutzen für die Menschen. Rahmenbedingungen der Zulässigkeit.

        Denke daß Ihr gedanklich die Kurve, -n kriegt …

        Frankie : sind Deine Rechnerkapazitäten (Hardware) so eingeschränkt?

  7. Frankie (f.k.a.B.)

    @F. Hall

    „Kein Bailout, kein Bail-In , nur noch sichere Einlagen.“

    D’accord, bail-outs auf Kosten von uns Steuerzahlern sind verdriesslich, da wurden wir einige Male ordentlich vorgeführt ( in unserer Rolle als Steuerzahler – in unserer Rolle als Sparer war es uns dann wieder eher recht). Aber: wenn die Sicherung der Einlagen im Vordergrund steht und das wichtigste ist, dann empfehle ich Bankschliessfächer – das ist die logische End-Ausprägung von Bankkonten in einem Vollgeldsystem.

    • Es reicht die eindeutige Zuordnung der Zentralbankgeldausgabenummer; auf was die gedruckt oder registriert ist, ist eine technische Lösung.

      • Franz H.

        Frankie,
        weshalb Bankschliessfächer die logische End-Ausprägung von Bankkonten im Vollgeldsystem sein sollen, verstehe ich nicht.

        Was auf dem Vollgeldkonto als Sichtguthaben steht, ist doch so gut wie Bargeld. Ein Bankschliessfach ist deswegen unnötig.

        Wenn Sie das für die heutigen Girokonten empfehlen würden, würde ich es verstehen, weil der Kontoinhaber nur noch dem Risiko eines Bankraubs ausgesetzt ist.

        Wäre aber äußerst unpraktisch, weil er für jede Verfügung zur Bank laufen müsste. Da ist eine Online-Überweisung vom Girokonto besser.

  8. Swissie

    Eine sehr interessante Auseinandersetzung mit dem Thema! Dazu zwei Hinweise, separat in je einem Kommentar.

    § 675t BGB ist leider (wie so oft bei Gesetzen jüngeren Datums) nur scheinbar klar. Erst aus dem Begleittext der Bundesregierung http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/116/1611643.pdf (S. 112) wird deutlich, dass die Bank des Zahlungsempfängers den Betrag dem Empfänger verfügbar machen muss, sobald sie „ihn seinerseits im Clearing oder [sic] vom Zahlungsdienstleister des Zahlers erhalten hat“.

    Die erste Variante ist die von Ihnen dargestellte: der Saldenausgleich unter den Banken mittels Zentralbankgeld.

    In der zweiten Variante hingegen reicht es, wenn die Zahler-Bank bei der Empfänger-Bank „anschreibt“: Es kommt einstweilen zu keiner Verschiebung von Zentralbankgeld, sondern die Empfänger-Bank gewährt der Zahler-Bank in Höhe des Überweisungsbetrags (in der Praxis in der Höhe eines Tagessaldos aus mehreren gegenseitigen Überweisungen) einen Interbankkredit.

    Genau dieses Phänomen der Interbankkredite erlaubt es den Banken, einstweilen Kredite an Nichtbanken zu vergeben in einer Höhe, die ihre Aktiva in Zentralbankgeld und monetisierbaren (in Zentralbankgeld umwandelbaren) weiteren Aktiva übersteigt. In diesem Umfang ist die Schöpfung von nicht-gesetzlichen Zahlungsmitteln bzw. Leergeld (wenn man denn die – doch eher unglückliche – Terminologie zum Thema adaptieren will) durchaus möglich und eine Tatsache.

    Für die Schweiz sind die von der SNB veröffentlichten statistischen Zahlen dazu eindrücklich: zwischen 1998 und 2008 machten die Interbankenkredite aller Banken im Schnitt stets zwischen 25 und 30% der Refinanzierungsquellen aus. Bei einzelnen Institutsgruppen dürfte der Anteil noch höher gelegen haben. Seit „Lehman“ ist er aus bekannten Gründen auf 15% abgesunken (Tendenz seit 2013 wieder steigend).

    • Fitzcarraldo

      Guter allgemein verständlicher Artikel der eine erfrischende Sichtweise der Dinge widergibt, wenn auch ich anderer Meinung bin. Ich möchte deshalb hinzufügen, dass nicht nur die Kreditvergabe der Banken mit selbst geschaffenem Geld ist zu kritisieren. Die Banken erzeugen auch Geld für eigene Zwecke, um sich z. B. ein Bürogebäude zu kaufen. Sie sind neben der SNB in der Lage mit ihrem selbst erzeugtem Geld sich selbst einen „Kredit“ zu geben, um Werte aus der Gesellschaft zu beziehen. Sie sind dabei in der komfortablen Situation Schuldner und Gläubiger zu gleich zu sein. So können sie dem Schuldner, sich selbst, immer wieder einen Zahlungsaufschub gewähren oder sogar die Rückzahlung teilweise oder ganz erlassen. Die Modalitäten für die Rückzahlung gehen aus den Buchführungs- und Regulierungsvorschriften für Banken hervor, bei dessen Erarbeitung sie selbst maßgeblich beteiligt sind.

      Kaufen die Banken prozyklisch im Gleichschritt Wertpapiere von Nichtbanken, so bezahlen sie mit selbst geschöpftem Geld, ohne Kreditkonstruktion, also ohne Rückzahlungsverpflichtung. Im Unterschied zu Sachvermögenswerten werden Wertpapiere nicht nach einem vorgegebenen Verfahren abgeschrieben, sondern jedes Quartal neu bewertet. Kann in der Bilanz der Bank ein gleichbleibender Wert des Wertpapieres dargestellt werden, so hat die Bank das Wertpapier umsonst erhalten. Das trifft übrigens auch für Grundstücke zu.

      Soffisticated, Sie haben aber recht, nicht wenige Punkte in einem Vollgeldregime lassen die Vermutung aufkommen, dass es einige Konstruktionsfehler gibt.

      Die Idee ist nun, dass die bisherigen Giralgeld-Verbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden zu Verbindlichkeiten der Banken gegenüber der SNB als Herstellerin und Eigentümerin des Vollgeldes werden. Die bestehenden Kredite sollen in dem Mass, wie sie getilgt werden, zeitlich gestaffelt an die SNB weitergeleitet und dadurch gelöscht werden. Zur Länge der Umstellungsperiode gibt es unterschiedliche Vorstellungen, aber auf jeden Fall dauert es eine Weile.

      Informationen zu den technischen Feinheiten finden Sie hier: http://vollgeld.de/
      Und natürlich auch hier: http://www.vollgeld-initiative.ch

  9. Swissie

    Sie schreiben: „Die Vorstellung der Vollgeldler, die Banken würden Zahlungskonten außerhalb ihrer Bilanz führen können, die von der Zentralbank mit einer unbedingten Liquiditätsgarantie ausgestattet wären, darf man kurzerhand als juristische Unmöglichkeit verstehen.“

    Was die Schweizer Initiative betrifft, ist deren Text (mutmasslich nicht ungewollt) tatsächlich diffus formuliert. Laut Übergangsbestimmung soll „am Stichtag [des] Inkrafttretens alles Buchgeld auf Zahlungsverkehrskonten [gemeint ist das nicht-gesetzliche Zahlungsmittel „Sichtguthaben gegenüber Geschäftsbank“] zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel [werden]“.

    Die Verbuchung dürfte fortan vergleichbar sein mit jener z.B. einer Nestle-Aktie eines Bankkunden: Auch sie erscheint nicht in der Bilanz der Bank und sie ist im Konkurs der Bank absonderbar (für die Schweiz: Art. 16 und 37d Bankgesetz). Wo die Aktie technisch in letzter Instanz gebucht wird (inhouse oder – wie heute üblich – bei einem Zentralverwahrer) ist – mit Nuancen – sekundär.

    Analog wäre es denkbar, die Zahlungskontoguthaben (aka „Vollgeld“) künftig z.B. über bei einem neuen Abwicklungszweig der Schweizer Börse SIX (etwa „SIX Nonbank Clearing AG“) zu buchen. (So führt heute die SIX Interbank Clearing AG im Auftrag der SNB bereits die auf Zentralbankbuchguthaben lautenden Verrechnungskonti der Banken)

    Die drohende Verkürzung der Bankbilanz-Passivseite soll – ebenfalls gemäss Übergangsbestimmung – durch eine neu einzubuchende Schuld in gleicher Höhe gegenüber der SNB ausgeglichen werden. (Der Abbau dieser Schuld ist eine von der Initiative nicht ausreichend geklärte andere Baustelle.) In der SNB Bilanz würde die Gegenbuchung auf der Aktivseite die neu hinzugebuchten „Vollgeld“-Passiva aufwiegen.

    Juristisch wäre das Ganze daher wohl durchexerzierbar. Ob -in der von den Initianten vorgeschlagenen Weise – nur schon geldpolitisch auch wünschbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    • Fitzcarraldo

      @Swissie,
      Besten Dank für Ihre Stellungnahme. Sie kennen sich offensichtlich im Bankenrecht -und nicht nur da, hervorragend in der Materie aus.

      „Analog wäre es denkbar, die Zahlungskontoguthaben (aka “Vollgeld”) künftig z.B. über bei einem neuen Abwicklungszweig der Schweizer Börse SIX (etwa “SIX Nonbank Clearing AG”) zu buchen. (So führt heute die SIX Interbank Clearing AG im Auftrag der SNB bereits die auf Zentralbankbuchguthaben lautenden Verrechnungskonti der Banken)“

      Das ist sehr Interessant. Clearing ist auch der Punkt, wo Soffisticated, zu Recht oder zu Unrecht, je nach Sichtweise, der Initiative eine Abfuhr erteilt.

      Banken zahlen untereinander mit Zentralbank? Das ist die Stichfrage. Giralgeld ist kein Geld.

      Woher kommt das Geld, welches auf den Konten (Giralgeldkonten, Sparkonten) der Bankkunden angeschrieben ist?

      -Es ist entstanden aus Kreditvergabe der Banken an Kreditnehmer. Die Kreditnehmer verwenden das Geld zum größten Teil per Überweisung, sodass es auf Konten (Giralgeldkonten, Sparkonten) anderer Banken gelangt. Der Kredit ist der Ursprung und nicht das Spargeld.

      Wieso würden sich die Banken dann überhaupt noch um Einleger/Sparer bemühen? Wieso ihnen Zinsen bieten?.

      -Banken stehen im Wettbewerb um Zahlungseingänge (Überweisungen von Kunden anderer Banken zu ihrer Bank). Warum? Um ihre Zahlungsausgänge (z.B. Überweisungen der Kreditnehmer an Kunden anderer Banken) zu kompensieren. Als Anreiz an die Bankkunden (zukünftige oder Bestandskunden) locken die Banken mit Zinsen und niedrigen Kontoführungsgebühren. So erhalten sie vermehrt Zahlungseingänge. Banken müssen bestrebt sein, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Zahlungsausgängen und Zahlungseingängen zu erhalten, da sie sonst Schulden zu anderen Banken oder der Zentralbank anhäufen würden.

    • Nun, eine Nestle-Aktie ist auch ein Aktivum, genauso wie eine Zentralbankgeldnote der SNB. Da gibt es für den Fall, den Sie im Sinn haben jedoch einen Unterschied. Sobald jemand eine Nestle-Aktie einer Bank übergibt – praktisch indem er sich Nestle-Aktien kauft – tut er das ohne der Bank das Recht zu übertragen, diese Aktie weiter zu veräußern bzw. sie in irgendeiner Weise zu nutzen. Das ist gewissermaßen ein Lagergeschäft – eine Sache übergeben, dieselbe Sache bzw. dasselbe Recht (was die Vertretbarkeit der Aktie gewährleistet) zurück bekommen. Genauso ist es mit Zentralbankgeldnoten, welche als vertretbare Sache ebenso einer Bank übergeben werden. Bei Kontoführung liegt die Sache jedoch so, daß der Einzahler freiwillig auf sein Eigentumsrecht an der Banknote verzichtet, was auch darin begründet ist, daß man nicht sowohl ein Eigentumsrecht als auch ein unbedingtes Verfügungsrecht auf das übergebene Eigentum bei einer Einzahlung gleichzeitig beanspruchen kann – das wäre schlicht doppelt gemoppelt – mal abgesehen davon, daß sich niemand bei Verstand darauf einlassen würde. Da muß man sich schon entscheiden: entweder Lagergeschäft mit den daraus entstehenden Lagerkosten, oder ein unbedingtes Verfügungsrecht über die übergebene (vertretbare) Sache was aber zur Folge haben muß, daß damit das Eigentumsrecht an der Zentralbankgeldnote auf die Bank übergeht.

      Letztere Version ist auch deswegen die richtige, weil Banken selbstverständlich nichts für ihren Geschäftsverkehr nutzen können, was nicht in ihrem Eigentum steht. Von daher ist auch die vielkolportierte Sprachschleife, die „Banken würden das Geld der Sparer“ als Kredit weiterverleihen auch gegenstandslos, weil es halt nicht (mehr) das Geld der Sparer und auch nicht das Geld der Kontoinhaber ist. Es wäre sicherlich spannend diesen Gesichtspunkt mal in den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Banken aufzustöbern um endlich mal dem landläufigen Irrglauben, „Das Geld liegt auf dem Konto!“ den Garaus zu machen – was den Banken sicherlich nicht gefallen würde.

      Sicherlich könnte man die SIX Interbank Clearing AG mit der Kontoführung beauftragen – dann führt aber praktisch die SNB die Privatkonten, womit die quasi hoheitliche Garantie verbunden ist!

      • Swissie

        Der von Ihnen skizzierte Unterschied bestünde glaublich in einem Vollgeld-System gerade nicht (mehr): Dort ist das Vollgeld der Nestle-Aktie auch rechtlich quasi gleichgestellt: Die Bank erlangt daran nicht mehr Vollrechtsinhaberschaft (bei physischem Geld: Eigentum), die ihr eine Nutzung in eigenem Namen gestatten würde (insb. z.B. Kreditgewährung an Dritte).

        Und was die von Ihnen angesprochenen «Lagerkosten» betrifft: Sollte es je tatsächlich Vollgeldkonti geben, dürfte deren Führung in der Tat gebührenpflichtig sein, vergleichbar mit den Depotgebühren eines Wertschriftenkontos. Etwas anderes wäre nur anzunehmen, wenn aus Wettbewerbsgründen gewisse Banken diese Dienstleistung quersubventionieren würden.

        Was in der Initiative so nonchalant daher kommt («dass am Stichtag ihres Inkrafttretens alles Buchgeld auf Zahlungsverkehrskonten zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel wird»), hätte freilich massive Wirkungen auf das Geschäftsmodell der Banken: Laut den von der SNB veröffentlichten Zahlen (Stand 2013), refinanzieren sich die in der Schweiz tätigen Banken zu knapp 60% mit Kundenguthaben. Davon waren über 50% auf Sicht gestellt. Mit anderen Worten brechen bei Annahme der Initiative fast ein Drittel der potentiellen Refinanzierungsmittel weg. (Das tangiert wegen der Übergangsbestimmungen zwar nicht die bereits gesprochenen Bankkredite – sehr wohl aber die künftigen.)

        Eventuell würde ein Teil der (wohl gebührenbelasteten) Vollgeldguthaben zwar in (theoretisch weiterhin zinstragende) Spar- und Terminguthaben umgewandelt. Für das verbleibende Vollgeld gälte das Gesagte aber weiterhin: Das bankseitig gewährbare Kreditvolumen ginge entsprechend zurück. (Die ebenfalls in den Übergangsbestimmungen vorgesehene alternative Refinanzierung über einen «erleichterten Zugang zu Darlehen» bei der SNB müsste ja irgendwann ein Ende finden – und danach? Da soll es dann offenbar die schuldenfreie Verteilung an Bund, Kantone und Bürger richten. Aber das ist Stoff für einen anderen Beitrag.)

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