Und was ist nun Geld?

garachicoWenn man versucht anderen etwas zu erklären ist es manchmal so, daß man sich selbst mehr erklärt als vorgesehen. So geschehen während der Antwort auf einen Kommentar auf Timo Ollech, der sich in Bezug auf ‚bitcoin‘ danach erkundigte, ob dort der Themenbereich Verpflichtungs-/ Erfüllungsgeschäft abgebildet werden könne. Heraus kam, daß die ‚blockchain‘ der Pferdefuß der digitalen Übermittlung von Information ist, denn diese dient dazu, zu verifizieren, wer wem einen bestimmten ‚bitcoin‘-Betrag übertragen hat in dem Sinne, daß der Empfänger nunmehr als rechtmäßiger Eigentümer der entsprechenden Krypto-Informationssequenz in der ‚blockchain‘ gelistet ist. Verifizieren heißt hierbei das Anlegen einer Multiplizität von Datenspuren darüber, daß A an B eine bestimmte Informationssequenz eigentumsrechtlich übertragen hat. Da man ja Krypto-Informationen beliebig kopieren kann muß also die ‚blockchain‘ quasi wie das Banksystem darüber Buch führen, wer wieviel und welche(!) ‚bitcoins‘ in seinem ‚wallet‘ hat.

Der eigentliche Aha-Moment war aber die Erinnerung an eine frühere (vorläufige) Erkenntnis, daß bei einer Barzahlung letztlich nur die auf dem Geldschein aufgedruckte Registriernummer das entscheidende Feature ist, welches den Geldschein mit der Schuldentilgungsfähigkeit ausstattet, die üblicherweise fälschlich dem Papier zugerechnet wird. Die Bezeichnung als „Papiergeld“ legt nämlich nahe, daß es der Geldschein ist, welcher eine Zahlung zuwegebringt, so daß sich unwillkürlich die Vorstellung von einem stofflichen Etwas im Kopf etabliert, womit dann die Verwechslung mit einer realen Sache wie dem Gold sich quasi schon wie von alleine ergibt, denn wenn eine faßbare Sache als Geld fungiert liegt es nahe zu denken, daß auch andere reale Dinge als Geld fungieren könnten und gewissermaßen die Ausprägung von Münzen aus Edelmetallen als natürliche „Geldform“ erscheint. Man wird also schon durch die Bezeichnung „Papiergeld“ auf eine falsche Fährte geführt, weil es nicht das (registrierte) Papier ist, welches Schuldentilgungsfähigkeit begründet, sondern die auch auf dem Papier aufgedruckte Information, daß die Zentralbank die Information mit der Registriernummer XYZ mit einer Schuldentilgungsfähigkeit von z.B. 100 € ausgestattet hat. (Das Interessante bei dieser Geschichte ist, daß es mit dem Konstrukt „Papiergeld“ möglich ist die Information über Schuldentilgungsfähigkeit zu einem Gegenstand der (analogen) Verfügung zu machen, ohne daß dabei eine dritte Partei Überwachungs- und Kontrollaufgaben wahrnehmen muß.)

Daß es sich so verhält wie oben beschrieben erkennt man sehr schön an einem Gedankenexperiment: nehmen wir mal an aus dem „Ausgangslager“ für Bargeld der Zentralbank würde ein Bündel Banknoten entwendet, welches für die Tilgung von Zentralbankschulden vorgesehen war. Die entwendeten Geldscheine sind unter Beachtung aller Vorschriften erstellt und gekennzeichnet worden und wären somit im Publikumsverkehr als gültiges Schuldentilgungsmittel verwendbar. Da es sich hier um keine Fälschungen handelt müßte man davon ausgehen, daß es sich bei diesen unrechtmäßig in Verkehr gebrachten Geldscheinen um das gesetzliche Zahlungsmittel handelt. Und doch ist es nicht so, weil diesen Geldscheinen nämlich das entscheidende Merkmal fehlt von der Zentralbank als gültiges Schuldentilgungsmittel deklariert worden zu sein. Diese Deklaration der Schuldentilgungsfähigkeit findet sich als Eintrag in der Datenbank der Zentralbank, in der für jeden einzelnen emittierten Geldschein neben der Registriernummer auch die Denominierung (Zahlaufdruck) und das Datum der Emission (und wahrscheinlich noch 100 weitere Detailangaben) aufgeführt sind, so daß eine Zentralbank jederzeit angeben kann, welche der umlaufenden Registriernummern (auf den von ihr ausgegebenen Geldscheinen) gültig sind und welche nicht. Das bedeutet, daß diejenigen Scheine, deren Registriernummer nicht in der Bargeld-Datenbank aufgeführt sind auch keine Schuldentilgungsfähigkeit besitzen – und mithin Falschgeld sind. (Das ist im Hinblick auf den §935 (2) BGB eine interessante Fragestellung…)

Es mag vielleicht auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, daß ein unter Beachtung aller Vorschriften hergestellter Geldschein kein gültiges Schuldentilgungsmittel sein soll, aber diese Tatsache ergibt sich aus dem Umstand, daß erst der hoheitliche Akt der Emission einem Geldschein als Träger der Information über Schuldentilgungsfähigkeit die Eigenschaft gültiges Schuldentilgungsmittel zu sein verleiht. Das hat ganz direkte Konsequenzen für den Geldschein, denn es erweist sich, daß der Geldschein lediglich der Datenträger für die entscheidende Information „emittierter Geldbetrag“ ist auch wenn man dem Geldschein nicht ansehen kann, ob der zugehörige Dateneintrag in der Bargeld-Datenbank der Zentralbank auch tatsächlich existiert. Dadurch drängt sich der Vergleich mit einer Kryptosequenz auf, weil hier die aus dem ‚mining‘ entstandenen Kryptoinformationssequenzen im Grunde genommen dieselbe Funktion aufweisen wie die von einer Zentralbank vergebenen und emittierten Registriernummern. Während jedoch die im Grunde auch nur digital vorliegende Information über Schuldentilgungsfähigkeit auf einem analogen Medium wie dem Geldschein einigermaßen fälschungssicher ist, muß eine ausschließlich digitale Kryptoinformationssequenz überhaupt erst einmal dagegen geschützt werden millionenfach kopiert zu werden. Man braucht also gewissermaßen eine Buchhaltungsinstanz, welche die Eigentumsrechte an diesen Informationen an bestimmte ‚wallets‘ zurechenbar macht und somit das Eigentum an dieser Informationssequenz zweifelsfrei festgestellt werden kann. Die Monströsität, die dazu erforderlich ist, ist die sog. ‚blockchain‘, die im Grunde dazu da ist aufzuzeichnen, wer gerade an wen wieviel und welche (sic!) Kryptoinformationen gesendet hat. Im Gegensatz dazu ist die Übertragung der auf einem analogen Medium gespeicherten Information „Geld“ (da haben wir das G-Wort) vergleichsweise simpel zu bewerkstelligen, indem der Geldschein die Hände wechselt und damit das Eigentum an der Information über Schuldentilgungsfähigkeit auf den Empfänger übergeht. Während jedoch i.d.R. niemand anders als der Eigentümer über den Inhalt des eigenen Portemonnaies Bescheid weiß muß in der ‚blockchain‘ nicht nur der mengenmäßige Inhalt eines ‚wallets‘ dokumentiert sein, sondern es müssen auch die Daten über die jeweiligen individuellen Krypto-Informationssequenzen aufgeführt sein – das ist etwa vergleichbar damit, daß die Zentralbank wüßte, welche Geldscheine mit welchen Registriernummern sich gerade im Augenblick in Ihrem Portemonnaie befinden…

Dadurch, daß die Information der Zentralbank auf einem (Papier-) Datenträger aufgetragen wurde entsteht aber nun der angenehme Effekt, daß die Übergabe dieses Informationsträgers gleichzeitig die in ihm enthaltene Information mit überträgt und somit ein Eigentumsübergang der enthaltenen Information durch ein einfaches Verfügungsgeschäft problemlos abgewickelt werden kann. Vermutlich liegt im Gegensatz dazu auch der Krampf mit der ‚blockchain‘ begründet, weil im ‚bitcoin‘-Zahlungsverkehr die Information ohne einen verbundenen Datenträger übermittelt wird und somit die Frage der Zurechenbarkeit eines ‚bitcoin‘ zu einem bestimmten ‚wallet‘ zur Existenzfrage einer Kryptowährung wird – wenn es denn jemals eine Währung wird… (Man könnte natürlich auch eine ‚bitcoin‘-Kryptosequenz auf einen „Bitschein“ auftragen, welcher dann auch analog weitergegeben werden könnte. Es muß nur dafür gesorgt werden, daß die ‚blockchain‘ diese Kryptosequenz als nicht mehr digital verfügbar deklariert…)

Mit diesen ganzen Vorüberlegungen kommt man dann zu dem Ergebnis, daß Geld eine von der Zentralbank emittierte Information ist, die mit einer bestimmten Menge Schuldentilgungsfähigkeit ausgestattet ist. Der hoheitliche Aspekt dieses Aktes wird dadurch sichtbar, daß lediglich die Deklaration, daß eine bestimmte Registriernummer eine Schuldentilgungsfähigkeit von z.B. 100 € haben soll, für die Emission erforderlich ist. Das hat interessante Konsequenzen für die geldtheoretische Diskussion, denn üblicherweise wird ja heutzutage Geld als Kreditgeld angesehen, was bedeutet, daß der Emissionsvorgang untrennbar mit einer Kreditvergabe verbunden sein muß – ob als direkter Kredit an eine Geschäftsbank oder als Ankauf einer z.B. Staatsobligation macht hier an dieser Stelle nicht den entscheidenden Unterschied aus. In Wahrheit ist lediglich die Deklaration der Zentralbank einen bestimmten Betrag/ Registriernummer als gültiges Schuldendeckungsmittel zu erklären erforderlich, damit neues Geld auf die Welt kommt. Letzteres ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Zentralbank eine Gehaltsüberweisung für ihre Mitarbeiter vornimmt, denn dann schreibt sie einfach der Bank bei der der Mitarbeiter ein Konto führt einen bestimmten Betrag gut mit der Maßgabe, daß sich die Bank ihrerseits gegenüber dem Mitarbeiter verschulden möge – und die Banken akzeptieren das widerspruchslos. Von daher muß man eigentlich zu der Einschätzung kommen, daß gewissermaßen eine Kreditvergabe lediglich akzessorisch zu einer Geldemission ist und von daher eine Kreditvergabe nicht das exclusive Integrationsverfahren für die Emission von Geld darstellt. Denn wie Banken können auch Zentralbanken im Zuge von Leistungstransaktionen Gutschriften erteilen ebenso wie sie auch durch einfache Deklaration Schuldentilgungsfähigkeit erzeugen können, indem sie sich z.B. gegenüber dem Staat verschulden – was auf eine einfache Gutschrift zugunsten des Staatskontos hinausläuft. (Man darf durchaus davon ausgehen, daß das Angebot der Zentralbank sich gegenüber dem Staat zu verschulden seitens des Staates von einer wohlwollenden Annahme begleitet sein wird…) Und schließlich könnte die Zentralbank auch ein sinnloses Gutachten zur Bargeldabschaffung kaufen und in bar bezahlen, was für die Zentralbank nichts weiter bedeutet als mit der Übergabe der Geldscheine den entsprechenden Eintrag in der Datenbank des umlaufenden Bargeldes zu ergänzen. Daß es nicht gemacht wird (das mit der Zahlungsweise, das mit dem Schrottgutachten schon eher) heißt ja nicht, daß es nicht möglich und legitim wäre so zu verfahren.

Die Frage der Institutionalisierung, d.h. auf welche Weise Geld in die Wirtschaft kommt ist demgegenüber eine interessante und wichtige, jedoch nichtsdestoweniger davon getrennte Frage, weil unabhängig von dem Verfahren wie Geld in die Wirtschaft kommt immer der (hoheitliche) Emissionsakt erforderlich ist. Daher verdeckt gewissermaßen die Charakterisierung des heutigen Geldes als Kreditgeld, daß die Genesis des Geldes die Deklaration der Zentralbank als Grundlage hat und nicht das operative Verfahren, mit dem Geld emittiert wird. Wenn man so will sind die Integration von Geld über Bankenkredite, über Staatsanleihen oder auch neuerdings mittels QE4P lediglich alternative Institutionalisierungen für ein und denselben Zweck: die Emission von Geld. Von daher ist die Vermutung, der Kredit wäre quasi die „natürliche“ Art und Weise wie Geld neu entsteht als nicht zutreffend einzustufen, wiewohl diese Art der Technik allem Anschein nach eine vergleichsweise gesunde Verfahrensweise darstellt. Doch auch wenn diese Art der Geldemission ein paar Jahrzehnte zu vergleichsweise stabilen Verhältnissen geführt hat sollte man dennoch den Merkposten bewahren, daß Geld als Kreditgeld nur eine spezifische Art der Institutionalisierung der Geldemission darstellt, weil man sonst zu leicht in die Gefahr gerät das Bestehende für das Natürliche zu halten…

Wenn man so will kann man hier in analoger Weise zur Differenz von Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft von einem monetären Abstraktionsprinzip sprechen, welches zwischen dem Prozeß der Geldemission einerseits und dem Prozess der Geldintegration andererseits differenziert. Damit kann man auf einmal erkennen, daß eine Zentralbank lediglich irgendeinen beliebigen Rechtsgrund braucht, um Schuldentilgungsfähigkeit zu erzeugen, wobei sie diesen hoheitlichen Akt lediglich als Banknotenumlauf dokumentiert, weil sie daraus nie in Anspruch genommen werden kann. Daß der größte Teil der monetären Schuldentilgungsfähigkeit lediglich als Forderung gegen die Zentralbank existiert steht dem deswegen nicht entgegen, weil ja gerade das Recht der Zentralbank ihre Verbindlichkeiten in jeder erforderlichen Höhe durch die Übergabe von Bargeld zu begleichen eine Einlösung dieser Forderungen in Bargeld unnötig macht und damit dem modernen ‚clearing‘ bzw. ’settlement‘ überhaupt erst den Weg bereitet.

34 Kommentare

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34 Antworten zu “Und was ist nun Geld?

  1. PK

    Vielleicht habe ich das ja verpasst, aber wer behauptet denn, dass Geld exklusiv nur im Kredit emittiert werden kann? Es ist lediglich der heute übliche Vorgang.
    Ob ich beim Anthropologen David Graeber oder bei den Volkswirten Ottmar Issing und Peter Spahn nachlese, alle schreiben, dass für die Entwicklung von Geld historisch mindestens 2 Entwicklungspfade angenommen werden können. Der des Staatsgeldes, wonach die Ausgabe von Geld eine staatliche Prärogative ist, und der des Kreditgeldes.

    Spahn: „Historisch ist diese Geldfunktion vor allem durch zwei Medien übernommen worden: Standardisierte Mengen edler Metalle (Münzen aus Gold und Silber) fungierten als Geld […] Im Gegensatz zu anonymen Wirtschaftssubjekten hatten bekannte und angesehene Vermögenseigentümer (die späteren Banken) das Privileg, sich mit ihrem bloßen Lieferversprechen am Markt Güter beschaffen zu können. Der „Schuldschein des reichen Mannes“ war als Geldmedium anerkannt, wenn und weil man darauf vertraute, dass er bei Fälligkeit in Teile dessen Vermögens eingelöst werden konnte.chen am Markt Güter beschaffen zu können. Der „Schuldschein des reichen Mannes“ war als Geldmedium anerkannt, wenn und weil man darauf vertraute, dass er bei Fälligkeit in Teile dessen Vermögens eingelöst werden konnte.“ (Peter Spahn Geldpolitik)

    Was die Betrachtung angeht, nur „Zentralbankgeld“ sei echtes Geld, so wundere ich mich, warum die massive Ausweitung von M0 dann nicht viel erheblicher in ihren Auswirkungen ist. Die volkswirtschaftlich entscheidende Geldmenge ist doch nicht M0……entscheidend sind doch die Guthaben bei den Geschäftsbanken.
    In diesem Kontext gab es ja reichlich Verwirrung, ob bzw. in welchem Maße QE inflationär wirken würde……weiter war immer wieder die seltsame Kritik zu hören, die Banken würden das von der Zentralbank zur Verfügung gestellte Geld nicht an die Realwirtschaft weiterverleihen.

    Bill Mitchell dazu in seinem blog:
    -Building bank reserves is not inflationary http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=6624
    -Building bank reserves will not expand credit
    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=6617

    • ZB-Geld ist nicht exklusiv das „echte“ Geld, es ist aber das Geld, auf das es ankommt. Jeder kann Geld herstellen. Ich kann mit meinen Zettel, auf dem mein Bekannter seine Schuld für meine Mithilfe beim Wohnung-Streichen notiert hat, den Kasten Bier im Abholmarkt bezahlen – wenn der Besitzer das akzeptiert. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Solcherlei Schuldtilgung war doch tausende Jahre lang üblich, die Arbeitsteilung und hohe Diversifizierung mit seiner zunehmenden Undurchschaubarkeit sozialer und ökonomischer Beziehungen seit Mesopotamien hat das aber immer problematischer gemacht. Deshalb wurden immer wieder Vertrauensinstanzen unterschiedlicher Provinienz und Schlagkraft gebildet, denen man zutraute, die Validierung derlei Schuldbeziehungen gewährleisten zu können ( Tempelpriester, Wechselstuben, Banken etc.) Hat immer geklappt eine Zeitlang, wurde aber laufend weiter entwickelt, und momentan ist halt die Zentralbank „state of the art“ für die Beglaubigung monetärer Schuldbeziehungen.

      • enrico

        Hat immer geklappt eine Zeitlang, wurde aber laufend weiter entwickelt, und momentan ist halt die Zentralbank „state of the art“ für die Beglaubigung monetärer Schuldbeziehungen.

        Sehe ich auch so. Wobei man noch hinzufügen kann, dass das bereits auch für das Geschäftsbankengeld gilt. Geschäftsbanken sind bereits eine ausreichende Vertrauensinstanz. Dass ihnen noch eine ZB übergeordnet ist, halte ich für nicht so entscheidend. Gäbe keine Zentralbank und (z.B.) nur ein Netz von Volksbanken, das sich über das ganze Land erstreckt, gäbe es eigentlich keinen Grund, warum dies nicht ausreichend funktionieren sollte.

        Noch eine Bemerkung: Geld agiert hier als übertragbares Aktiva und da kann man auch einmal hinterfragen, wie sinnvoll eigentlich diese Aktiva-Übertragbarkeit ist. Halte es für besser, wenn das monetäre Aktiva nicht übertragbar ist und nur das entsprechende Passiva übertragen werden kann.

        LG, enrico

      • @ enrico

        Halte es für besser, wenn das monetäre Aktiva nicht übertragbar ist und nur das entsprechende Passiva übertragen werden kann.

        Ein Passivum ist nicht übertragbar. Ein Passivum gibt lediglich Auskunft darüber, ob es sich bei dem korrespondierenden Aktivum um Eigenkapital und/oder um Fremdkapital handelt. Erst die Loslösung von einem konkreten Schuldverhältnis macht das Geld zu einem abstrakten Zahlungsmittel und vereinfacht gerade durch diese Eigenschaft die hochkomplexen sozialen Beziehungen.

        LG Michael Stöcker

  2. enrico

    Geld als Ganzes ist ein Kreditbuchungssystem. Geld als Zahlungsmittel ist ein Beweismittel. Kommt es wieder in die Hände eines Kreditschuldners, dann kann dieser den Beweis vorlegen, dass er den Kredit im entsprechenden Betrag getilgt hat, worauf dies dann in der “offiziellen” Buchhaltung eingetragen werden kann. Und damit er das nicht zweimal machen kann, zieht die Bank das Beweisstück wieder ein. Geld als Zahlungsmittel ist nur ein Teil des Kreditbuchungssystems “Geld”.

  3. Geld ist also eine mit Nummernsystem beschriebene Note der ausgabeberechtigten Bank.
    https://www.banknoteworld.com/
    Albert Pick hat als Numismatiker ein Nummernsystem entwickelt.
    In unserer technischen Welt kann die Seriennummer mit Gültigkeit und persönlicher Verfügbarkeit leicht von der Zentral(Clearing)Bank weltweit zugeschrieben werden. – Monotheistische Geldverfassung –
    Die Verbindung von Geldtheorie zu Geldpolitik ist erkenntnistheoretisch somit beschrieben.
    Erarbeiten wir nun die praktischen Ergebnisse.

    • Man sollte das schon genau ausdrücken: ein Geldschein ist die mit einer Sache (Datenträger) verknüpfte Information über eben diesen Eintrag im Bargeldregister der Zentralbank und somit auch für den Privatverkehr eine Sache über die verfügt werden kann, welche Schuldentilgungsfähigkeit dokumentiert. Sobald man versucht das in eine griffige Formel zu pressen gerät man unweigerlich in die Gefahr wesentliche Teile wegzulassen – womit auf einmal nicht mehr die korrekte Aussage im Raume steht und den überall lauernden Mißverständnissen Tür und Tor geöffnet werden.

  4. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 8. Jan. 17 | Pipsologie

  5. Dieses ewige Herumgeeier mit Zentralbanknoten bringt doch nichts. „Geld“ – und Banknoten – gab es lange, bevor es Zentralbanken mit Notenemissionsmonopol gab. Es gab Warengeld (Goldmünzen, forderungsloser Vermögenswert für den Eigentümer, keine Gegenbuchung in der Bilanz eines anderen) oder „Kreditgeld“ (übertragbare Nominalforderung, Vermögenswert für den Berechtigten, Verbindlichkeit/Schuld für den Schuldner).

    Ohne Privatrecht (Eigentum und Vertrag) gibt es nichts davon, sondern bestenfalls allgemeine Tauschmittelgüter (z.B. „Zigarettenwährung“ bei zusammengebrochenem Rechtssystem) oder barter (nach Kollaps der Sowjetunion z.B., die nie ein Privatrecht hatte und sich bis heute mit Medwedews Erstling schwertut).

    Eine allgemeine Geldtheorie kann schon allein deshalb nicht auf ZB-Noten aufbauen – die sind lediglich ein Sonderfall. In Fremdwährung und internationalen Zahlungsmitteln (Gold im Goldstandard, heute v.a. Dollar) können im übrigen auch ZBen zahlungsunfähig werden.

    Der Schüssel ist einfach Privatrecht (ius privatum), das es ohne Öffentliches Recht (ius publicum) nicht geben kann. Gibt’s noch Lateiner hier? Wir begeben uns ja gerade mal wieder in die Endphase der Republik, die lahmen Tiberius Gracchus-Nachfolger (wenn man die überhaupt so nennen kann) grüßen schon herüber. Ne neue Runde Verfassungskreislauf – mal bei Polybios nachgeschaut? Wohl ned, vor lauter Zentralbanknoten.

  6. Geld ist ein Dreifachbegriff, er enthält drei Unterbegriffe:

    1. Das Ding: Es ist ein materielles Objekt notwendig, entweder Muscheln, Perlen, Gold, Scheine oder Bits. Jedenfalls etwas materielles, wobei materiell extrem weitgefasst ist, man muss halt irgendwie darauf zeigen können, einen Ort festlegen können.

    2. Der doppelseitige Willensakt: Es bedarf der Willensübereinkunft von zwei Menschen, z.B. zwei Indianern, die sich auf das oben genannte Ding bezieht (einen Vertrag machen). Die Willensakte überziehen das Ding mit einer Art unsichtbarem juristischen Glanz, der durch den Willensakt aufgetragen wird und nach Beendigung des Willensaktes verschwindet (bei Vertragsauflösung). Das Objekt merkt davon nichts.

    3. Der Rechtsstaat: Eine dritte, unabhängige, neutrale Instanz, welche die Einhaltung der Willensbedingungen überwacht. Zum Beispiel der Häuptling, der Dorfälteste oder heute der Rechtsstaat.

    Dann ist es Geld. Fehlt eines von den oben genannten Unterbegriffen, besonders die ersten beiden, dann ist es kein Geld. Verwendet einer also das Wort „Geld“ und meint z.B. nur das Ding, dann hat er schlichtweg etwas vergessen. Das ist meine auf den Kern reduzierte Beschreibung von Geld.

  7. Ich muss zugeben, erst las ich die Überschrift, dann schrieb ich den Kommentar und danach las ich den Artikel. War wohl die falsche Reihenfolge, denn jetzt sehe ich, dass nicht der Papierschein (das Ding) das entscheidende sein soll, sondern die aufgedruckte Nummer. Fast wäre durch den Begriff Information meine Definition in den Schleudergang geraten.

    Ich habe einige Einwände: Wenn die Information (die Nummer? oder was genau ist „die Information“) das Entscheidende ist, warum kann ich dann nicht die Nummer eines fremden Geldscheins abschreiben und damit zur Bank gehen und werde von der Zentralbank anerkannt. Das kann nicht sein, denn der legale Besitzer des originalen Geldscheins rennt ja immer noch mit der Nummer umher und wenn der mal zur Zentralbank geht, würde man ihn ablehnen, denn es war ja schon ein Herr mit der gleichen Nummer da. Die aufgedruckte Nummer und der Geldschein als materielle Basis auf der die Nummer aufgetragen ist, müssen doch in Verbindung bleiben? Oder habe ich hier was übersehen? Information ohne darunterliegende materielle (Daten-)Basis gibt es nicht.

    Ich beziehe mich auf diese beiden Sätze: „Man wird also schon durch die Bezeichnung „Papiergeld“ auf eine falsche Fährte geführt, weil es nicht das (registrierte) Papier ist, welches Schuldentilgungsfähigkeit begründet, sondern die auch auf dem Papier aufgedruckte Information“ und „Dadurch, daß die Information der Zentralbank auf einem (Papier-) Datenträger aufgetragen wurde“

    M. E. kann man Informationen nicht aufdrucken, sondern nur Daten. Daher bleibe ich auch bei meiner obigen Definition. Man muss der Zentralbank eine materielle Basis vorlegen, den materiellen Schein mit den materiellen Zeichen (die Nummer), denn woraus soll eine Nummer denn bestehen, wenn nicht aus Druckertinte oder Bits in bestimmter Anordnung. Oder, falls die („geheime“) Nummer nur im Kopf existiert und ich sie bei der Zentralbank leise aufsagen soll, dann müssen materielle Schallwellen der richtigen Frequenz aus meinem Mund kommen.

    • Informationen müssen dokumentiert werden; und zwar möglichst fälschungssicher. Machte man früher mit Kerbhölzern.

      Heute sind diese Informationen in den Büchern der Geschäftsbanken dokumentiert oder aber auf der Banknote. Im Falle der Banknote befindet sich das zweite/passende Informationskerbholz in der Datenbank der Zentralbank.

      warum kann ich dann nicht die Nummer eines fremden Geldscheins abschreiben

      Weil Sie damit ein Informationsduplikat/Falschgeld erstellen würden und sodann so einiges auf dem Kerbholz hätten.

      LG Michael Stöcker

    • Wenn man auf das Modell abstellt, daß eine Information dann vorliegt, wenn eine „Nachricht, die einen Unterschied macht“ von Sender zu Empfänger „fließt“ könnte man auf die Idee kommen, daß der Datenträger „Geldschein“ mit den auf ihm enthaltenen Daten „Registriernummer der Zentralbank“ nur dann Information ist, wenn gezahlt wird, d.h. das Potential Zahlungsfähigkeit auf den Empfänger übergeht. Liegt ein Geldschein lediglich in der Geldbörse ist er eher so wie enrico es ausdrückt ein Beweismittel über das mit ihm dokumentierte Potential von Zahlungsfähigkeit. Dadurch, daß ein Geldschein eine übertragbare Sache ist wird mit der Übergabe das aufgedruckte Potential „Zahlungsfähigkeit mit übertragen, ohne daß dabei in irgendeiner Weise darauf Bezug genommen werden müßte, auf welche Weise dieser Geldschein in das Eigentum des Zahlers gelangt ist. Wenn man so will beweist ein Geldschein nur seine Eigenschaft ein bestimmtes Potential Zahlungsfähigkeit zu repräsentieren und nicht seine Herkunft…

      Von daher ist die Charakterisierung bzw. Bezeichnung von Geldscheinen als Datenträger wohl vorzuziehen, wobei für die Gültigkeit als Zahlungsmittel es erforderlich ist, daß dieser Datenträger auch von der Zentralbank autorisiert wurde die entsprechenden Daten auch dokumentieren zu dürfen. Es hat ja seinen Sinn, daß die Zentralbanken an der Front der Technik operieren was die Frage der Fälschungssicherheit angeht. Daher stellt das Auftragen einer gültigen Registriernummer auf einen selbst hergestellten Schein eine Fälschung dar, weil es halt nicht der autorisierte Datenträger ist, der die (gültigen) Registrierdaten enthält. Ich würde mal vermuten, daß es neben den publizierten Sicherheitsmerkmalen auch noch ein paar nicht öffentlich publizierte Identifikationsmerkmale auf Geldscheinen gibt, die es einer Zentralbank erlauben zweifelsfrei feststellen zu können, ob es sich um einen von ihr autorisierten Geldschein handelt oder nicht.

      • enrico

        Ein Definitions-Versuch:
        Geld ist ein Nachweis, der nachweist, dass man berechtigt ist, Schuldverhältnisse, die gegenüber dem Geldemittenten bestehen, im entsprechenden Betrag aufzulösen. Kann man das so sagen?
        – – – – – – –

        Gute Idee hier das “Kerbholz” ins Spiel zu bringen:
        Ein Kerbholz ist für beide Seiten ein Nachweis, ein doppeltes Beweismittel. Einmal für den Schuldner und einmal für den Gläubiger. Dem Gläubiger beweist es, dass der Betrag nicht niedriger ist und dem Schuldner, dass er nicht höher ist.

        Angenommen eine Bank würde mit Kerbhölzern arbeiten, dann bräuchte es zwei Kerbholz-Paare. Nenne wir es Paar X und Paar Y. Zusammen sind das also vier Teile.

        Zuerst wird das Kerbholz X geteilt, wobei die Bank das X-Aktiva übernimmt und der Kreditschuldner das X-Passiva. Dann wird Kerbholz Y geteilt, wobei die Bank hier das Y-Passiva übernimmt und der Lieferant des Kreditschuldners das Y-Aktiva.

        Das X-Aktiva ist eindeutig eine Forderung und das X-Passiva eine entsprechende Verbindlichkeit.
        Kann man aber das Y-Aktiva ebenfalls als eine Forderung bezeichnen? Und das Y-Passiva als Verbindlichkeit? Offensichtlich gibt es da einen großen qualitativen Unterschied.

        Das X-Paar lautet auf Tokens (Markierungen) des Y-Paares. Aber das Y-Paar ebenfalls auf Y-Tokens.
        D.h. das X-Paar lautet nicht mehr auf Rinder, Schafe o.ä. sondern nur noch auf den zu erbringenden Nachweis einer erfolgten, „satisfizierenden“ Lieferung an irgendeinen Y-Aktivahalter. Das zu übergebende Nachweismittel ist das Y-Aktiva.

        Somit ist das X-Verhältnis ein diszipliniertes Kreditverhältnis zwischen Bank und Kreditschuldner. Das Y-Verhältnis zwischen Bank und Y-Aktivahalter ist aber nur noch ein Konfirmationsverhältnis. Das Y-Aktiva ist ein konfirmierender Nachweis, dass sich das Y-Passiva bei der Bank befindet. Kommt nun der Kreditschuldner zu dem Y-Aktiva, dann kann er die Bank zwingen, das Schuldverhältnis wieder aufzulösen.

        Ähnlich bei einem Geldschein:
        Die Geldschein-Nummern kommen einmal als Aktiva-Ikone auf dem Schein selbst vor und einmal auf der Passiva-Seite der Bank. Die Nummer auf dem (nicht-gefälschten) Schein ist somit ein Nachweis in den Händen des Geldhalters, dass die gleiche Nummer auf der Passiva-Seite Passiva bei der Bank eingetragen sein muss. Kommt der Schein in die Hände des Kreditnehmers kann er damit die Bank zwingen, das Schuldverhältnis wieder aufzulösen.

        Der im Umlauf befindliche Geldschein ist Geld als Aktiva-Ikone und die Gegenbuchung bei der Bank das Geld als Passiva-Ikone. Es ist also immer ein Paar. So gesehen wäre es nicht falsch zu sagen, dass das umlaufende Geld bei der Bank (auf der Passiva-Seite) nicht als Geld, sondern als Antigeld gebucht ist.

        LG, enrico

      • Nein.

        Es ist zwar ein netter Gag die Verpflichtung zur Übertragung einer Sache als Recht zur Tilgung einer Schuld zu interpretieren, aber damit werden Sie dem Inhalt des zugrundeliegenden Kreditvertrages nicht gerecht. Denn die Willenserklärungen der beteiligten Parteien beinhalten die Verpflichtung zur Übertragung bzw. Rückübertragung von Geld und nicht auf das Recht Gläubiger zu werden (Bank bei Kreditauszahlung) oder auf das Recht schuldenfrei zu werden (Kreditnehmer bei Tilgung). Mal abgesehen davon: man kann 100 Mal beweisen, daß man berechtigt oder befähigt ist eine Schuld tilgen zu können, aber das interessiert denjenigen, welcher eine Forderung hat nicht die Bohne, denn der besteht auf der Übertragung des Geschuldeten.

        Was Sie vielleicht meinen ist der Annahmeverzug, bei dem der Schuldner sein Recht einfordert seine Verpflichtung erfüllen zu können. Dies setzt aber voraus, daß der Gläubiger die vom Schuldner angebotene Leistung nicht annimmt. Da aber ein Annahmeverzug zum Thema Leistungsstörungen im Vertragsrecht gehört wäre es nicht wirklich angemessen daraus eine Grundbedingung des Wirtschaftsverkehrs zu machen…

      • Mit den meisten Definitionen (die man i.A. so findet) zu Daten und Information bin ich nicht zufrieden. Für mich ist es so: Daten ist Hardware ist Materie. Für mich sind die Begriffe austauschbar. Wie schon oben angedeutet: Eine Nummer auf einem Geldschein besteht aus Druckertinte, eine Nummer im Computer aus 101010111, die materiell als Bits gesendet werden. Ein Goldstück, ein Geldschein, eine Liste in der Zentralbank, eine Perle, ein Zettel, sind alles Materie bzw. Hardware bzw. Daten. Als Eigenschaft würde mir hier einfallen, nimm Materie irgendwo weg und du musst es woanders hin packen, hast ein Loch oder musst es stapeln. Wenn man die materiellen Dinge genau genug physikalisch messen würde, könnte man auch ihre zeitliche Entstehungsreihenfolge erkennen, bei „Kopien“. Irgendetwas „dingliches“ muss am Übergabeort übergeben werden, es können auch Schallwellen (also Worte) sein.

        Jetzt zum Begriff Information. Wenn sie darauf abzielen, Information als den Unterschied zu definieren, dann scheint Information die menschliche Fähigkeit zu sein, zwei Sachverhalte zu vergleichen, auf Gleichheit und/oder Unterschied. Es liegen also zwei Daten vor und unserer Gehirn erkennt den Unterschied. Information heißt also unser Gehirn vergleicht Daten. Die zwei Daten-Objekte wissen ja nichts vom Vergleich. Ich könnte eine Goldvorstellung in meinem Kopf mit dem Goldstück vor mir vergleichen, um damit Gleichheit festzustellen, und um damit den Kreditvorgang zu beenden und aufzulösen. Ich könnte auch eine materielle Nummer auf meiner Liste mit der materiellen Nummer auf dem Geldschein vergleichen. Das Vergleichen selbst scheint mir Information zu sein. Denn wer, wenn nicht ein menschliches Gehirn, kann „Gleichheit“ entscheiden? Die Objekte wissen ja nichts von ihrer Gleichheit, und wir picken aus den Millionen an möglichen/denkbaren Eigenschaften die heraus, die uns bei Gleichheit interessieren.

      • Bein Lesen Ihres Kommentars ist mir eine knackige Definition eingefallen:
        (Bar-) Geld ist die Verbriefung von Schuldentilgungsfähigkeit!
        (…natürlich von der Zentralbank ausgestellt.)

        Demnach ist eine Forderung gegen die Zentralbank eine Referenz auf Geld, die wegen der unbeschränkten Liquidität (in Bargeld) der Zentralbank nicht in Bargeld umgewandelt werden muß um damit zahlen zu können. Demgegenüber ist eine Forderung gegen eine Geschäftsbank nicht eine Referenz auf Geld, sondern ein (Verfügungs-) Recht die Geschäftsbank dazu veranlassen zu können eine Handlung vorzunehmen, die entweder den Transfer dieser Verfügungsrechte an einen (Rechts-) Empfänger zum Inhalt hat oder eben die Herausgabe von Bargeld. Von daher ist die Rechtsbeziehung eines Kontoinhabers zu seiner Bank mit der Bezeichnung „Forderung auf Geld“ völlig unzureichend, denn es handelt sich eher um ein Weisungsrecht. (So gesehen müßte es auf den ‚online‘-Portalen nicht heißen „Wir danken für Ihren Auftrag!“, sondern „Wir haben Ihre Weisung erhalten!“… womit der Hund wieder mit dem Schwanz wackeln würde… Eine Qualifizerung der häufig geäußerten Auffassung, auf dem „Konto wäre doch Geld“ erspare ich mir an dieser Stelle.)

        Sie können ja jetzt die verdienstvolle Aufgabe übernehmen zu sortieren, wie ein Geldschein im Hinblick auf die oben gegebene Definition informationstechnisch gesehen korrekt beschrieben werden muß. 🙂

  8. Zur Hardware
    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/bitcoins-island-computer-100.html
    Gültiges Geld ist die Bestätigung der Instanz, dass die anforderne Person diese Nummer mit Wert zur Zeit im Eigentum führt.

  9. Lieber enrico,
    den Kommunen wurde in der DGO (Deutsche Gemeindeordnung) und den Gemeindeordnungen das Recht Bankgeschäfte zuführen nicht gewährt.
    § 67
    http://www.verfassungen.de/de/de33-45/gemeindeordnung35.htm
    Wir hatten mal eine DGO samt Kommentierung im Schrank, Sie wurde dem Schredder zum Frass gegeben.
    http://www.verfassungen.de/de/de33-45/gemeindeordnung35.htm
    Achtung Rücklagen basieren auf der Kameralistik und den Aktivgegenposten daher in Cash!

    • enrico

      Privijet Ruby,

      den Kommunen wurde in der DGO (Deutsche Gemeindeordnung) und den Gemeindeordnungen das Recht Bankgeschäfte zuführen nicht gewährt.
      § 67

      Habe gerade ein TELEX an den örtlichen Revolutionsrat abgeschickt. Das wird geändert. Unverzüglich.

      Wir hatten mal eine DGO samt Kommentierung im Schrank, Sie wurde dem Schredder zum Frass gegeben.

      Na, geht doch. Ist ja schon mal ein guter Anfang.

      Achtung Rücklagen basieren auf der Kameralistik und den Aktivgegenposten daher in Cash!

      Wir werden eine vollkommen neue Buchungstechnik einführen, mit mehrdimensionalen Bilanzen, die auf den neuesten Erkenntnissen der Quantenphysik aufgebaut sind. Damit schafft man es, dass sich die Rücklagen entgegen dem Zeitpfeil, problemlos von der Zukunft in die Vergangenheit beamen lassen.

      Sorry, die Albernheit…

      …aber
      1. Ich dachte Deutsche-Rechtsordnung®, gälte nur noch für Gartenzwerge mit Mickrigkeitshintergrund. Hat sich da was geändert? Völkerrechtswidrige Kriege veranstalten oder sich daran beteiligen, ging und geht doch auch. Also warum das Knie schlottern?

      2. wie wäre es, das Thema statt mit Buchhaltérer-Folklore mal mit common sense anzugehen?

      😉

  10. @enrico 😉
    gibt noch die gültigen Gemeindeordnungen der Bundesländer; aber die Bundesbank hat bestimmt die Server und Banknoten des neuen Geldes nach der Revolution samt Begrüßungsmoney vorbereitet. Denn alles andere dokumentiert Vollversagertum und reicht nichtmal mehr zum Karneval. Die restlichen Euros darf der Draghi gern an die Welt verschenken.
    Als pensionierter Wehrpflichtiger bin ich zum Semi-Pazifisten mutiert!
    Common sense, mir reicht ein von der ZB gegebenes Kartenlesegerät zur Umbuchung meiner Seriennummer mit Wertkennzeichnung (Geld) vom ZB-Konto in der ZB-Datenbank.

  11. enrico

    @Michael Stöcker

    Erst die Loslösung von einem konkreten Schuldverhältnis macht das Geld zu einem abstrakten Zahlungsmittel und vereinfacht gerade durch diese Eigenschaft die hochkomplexen sozialen Beziehungen.

    Wenn Sie die Begriffe “Aktiva” und “Passiva” irritieren, dann können wir auch etwas anderes anwenden: Potes und Debet (lat.: er kann / er soll).

    So wie Geld (Potes) durch Ablösung von konkreten Schuldverhältnissen zu einem abstrakten Zahlungsmittel wurde, so wäre es auch möglich das Gegenteil-des-Geldes (Debet) von seinen konkretem Schuldverhältnissen abzulösen. Man würde dann nicht mehr mit Geld bezahlen, sondern mit Soll (Debet). Natürlich in die Gegenrichtung.

    Das geschieht ja heute eigentlich bereits schon. Wenn ich z.B. mein Girokonto überziehe um eine Lieferung eines Lieferanten zu bezahlen, dessen Girokonto bereits überzogen ist, dann ist es de facto so, dass Giro-Soll von meinem Lieferanten an mich überwiesen wurde.

    Die Frage ist natürlich, wie schafft man es, Soll von konkreten Schuldverhältnissen zu lösen.
    Im Glanzberg-Modell wurde dafür eine Lösung gefunden.

    Und warum das ganze? Um aus der Wachstumsfalle heraus zu kommen und um den Matthäuseffekt abzuschwächen!

    LG, enrico

  12. Das hat interessante Konsequenzen für die geldtheoretische Diskussion, denn üblicherweise wird ja heutzutage Geld als Kreditgeld angesehen, was bedeutet, daß der Emissionsvorgang untrennbar mit einer Kreditvergabe verbunden sein muß – ob als direkter Kredit an eine Geschäftsbank oder als Ankauf einer z.B. Staatsobligation macht hier an dieser Stelle nicht den entscheidenden Unterschied aus.

    Heutzutage wird immer wieder gerne davon abgelenkt, dass Geld zwei Seiten hat (Perry Mehrling: essential hybridity). Dieser monetäre Dualismus erregt immer wieder die Gemüter; denn es geht hierbei letztlich um die zentrale Machtfrage in einer Gesellschaft schlechthin. Wir befinden uns hier immer noch im Zustand des Feudalismus und die Chancen auf eine demokratische Fundierung sind eher marginal.

    In Ihren Vollgeldspielereien hatten Sie mal so schön und treffend geschrieben:

    Staatsschulden sind demzufolge „vergangenes Nichts“.

    Dieses „vergangene Nichts“ ist letztlich das, was Friedman wohl als monetäres Kontinuum im Kopf hatte und mich zum Konzept der Citoyage inspiriert hatte. Schon 1948 schrieb Friedman:

    Another reason sometimes given for issuing interest-bearing securities is that in a period of unemployment it is less deflationary to issue securities than to levy taxes. That is true. But it is still less deflationary to issue money.

    Nur: Wer spielt nach Jahrzehenten monetärer Irrungen den Harlekin?

    LG Michael Stöcker

    • Hallo Herr Stöcker,

      was Mehrling angeht hatte ich mich ja schon im vorangegangenen Post geäußert: das mit der Hybridität ist Ergebnis davon verschiedene Dinge unbesehen in einen Topf zu werfen und zu glauben, daß dabei etwas Genießbares herauskommt. Um die Geschichte noch etwas zu verschärfen an dieser Stelle noch ein Hinweis zum Meister der Saldenmechanik. Stützels Definition von Nettogeldvermögen lautet ja bekanntlich:
      NGV := Kasse + Forderungen – Verbindlichkeiten !
      Man mag denken, daß es sich hierbei um eine valide und allgemeingültige Definition handelt, weil ja alle Elemente dieser Definition die gleiche Dimension „Geldeinheit“ tragen. Wiewohl diese Definition für bestimmte Argumentationen zweckmäßig sein kann täuscht es doch nicht darüber hinweg, daß hier inkommensurable Entitäten miteinander addiert werden, denn in der Kasse befinden sich direkt transferierbare Schuldentilgungsmittel, während Forderungen (z.B. „Depositen“) ja eigentlich ein Forderungs-/ Verbindlichkeitsverhältnis sind, die für den Haushalt lediglich Verfügungsrechte über Schuldentilgungsmittel darstellen deren Transfer erst durch die Handlung der beauftragten Bank erfolgt. Aus der Schule weiß man vielleicht noch, daß dann, wenn man Äpfel und Birnen versucht zu addieren allenfalls Obstsalat herauskommt selbst wenn die beiden Dinge der Menge der Kernfrüchte angehören und insofern einen gemeinsamen Aspekt aufweisen.

      Daß das mir der Hybridität jetzt unbedingt mit einer Machtfrage zu tun hätte leuchtet mir jetzt so auf den ersten Blick nicht ein…

      • Das lustige, es gibt auch kreditorische Debitoren und debitorische Kreditoren für die keine Bank beauftragt werden kann;-) 😉

      • Hallo Herr Menéndez,

        ich sehe das mit der Hybridität (mal ganz unabhängig von PM) etwas anders. Eine Zentralbank kann im Zusammenspiel mit dem Finanzministerium (unmittelbar oder aber mittelbar über die angeschlossenen Geschäftsbanken) so viele neue Schulden monetisieren, wie sie möchte. Damit werden bei konsumtiver und/oder produktiver Verwendung zusätzliche Ansprüche auf heutiges BIP generiert und via Inflation Einfluss auf den Wert sowie die Bedienbarkeit der alten Schuldkontrakte genommen. Übertreiben es die zwei, dann werden insbesondere die Altgläubiger via Inflationssteuer enteignet. Und bei schuldfreier Inverkehrbringung entgehen den Banken Zinsen und Gebühren. Wobei die Fed selbst hier vorgebeugt hat, dass die angeschlossenen Banken im Fall der Fälle nicht zu kurz kämen (Stichwort IOER). Letztlich geht es wie immer um die zentrale Machtfrage: Welchen Einfluss hat der Staat, welchen Einfluss hat der Privatsektor. Dienen staatliche Interventionen den 1 % (IOER), dann darf es durchaus etwas mehr Staat sein; dient es den 99 %, dann natürlich etwas weniger, damit wir schön im Gleichgewicht bleiben. 🙂

        Was Stützel anbelangt verstehe ich Ihre Kritik nicht so recht. Das NGV=0. Bilaterale Forderungen und Verbindlichkeiten bei Lieferantenbeziehungen sind im Saldo ebenfalls null. Habe ich bei einer Bank einen Kredit aufgenommen, ändert dies ebenfalls das NGV nicht, da meine Forderung gegen die Bank anfänglich exakt so hoch ist wie die Verbindlichkeit. Verlange ich eine Teilauszahlung in bar, so reduziert sich meine Forderung gegenüber der Bank und mein Bargeldvermögen steigt exakt in der gleichen Höhe. Die Verbindlichkeit gegenüber der Bank (meine Kredit) bleibt hingegen konstant, das NGV ist weiterhin null. Wo ist also hier ein Problem?

        LG Michael Stöcker

      • Hallo Herr Stöcker,

        na wenn Sie das sowieso anders sehen als PM zu welchem Zweck verlinken Sie den überhaupt? Aber egal. Ich glaube eher, daß die Bezeichnung als „hybrid“ nicht so ganz zutrifft, denn bei der Integration von Geld in den Wirtschaftsverkehr gibt es sicherlich unterschiedliche Verfahrensweisen, die aber das eigentlich Wesentliche überhaupt nicht verändert. Die Diskussion über die Frage wie Geld in die Wirtschaft kommt hat ja einen ganz handfesten theoretischen Hintergrund, wo die Methodologie der Theorie darüber entscheidet, wie die jeweilige „optimale“ Art und Weise der Inumlaufbringung von Geld gestaltet ist. Die neoklassische Ökonomie tendiert als sog. Erstausstattungsökonomie dazu die Frage wie die Haushalte zu dem Geld kommen, über welches sie dann aber rational verfügen, so gut wie überhaupt nicht zu ventilieren – aus dieser Notlage heraus hat doch Friedman sein Hubschrauberbeispiel aus dem Hut gezaubert. Ich hatte ja mal im Zusammenhang mit der MMT die Unterschiede der Integrationsverfahren von Geld angesprochen: https://soffisticated.wordpress.com/2013/08/28/mmt-2/

        Was die Definition des NGV angeht, geht es zunächst mal um die Sauberkeit von Definitionen und die Frage, inwieweit sie Allgemeingültigkeit beanspruchen können. Man könnte mal salopp formulieren, daß diese Definition für Schönwetterzeiten gemacht ist, wo die Wahl zwischen Geld und Verfügungsrechten über Geld nicht so virulent ist, weil das eine jederzeit in das andere überführt werden kann. Aber was war denn in der Finanzkrise passiert? Die Banken haben festgestellt, daß ihr NGV auf einmal viel kleiner war als gedacht, weil das mit der Liquidisierung von Forderungen auf einmal nicht mehr so funktionierte wie vorher. Was mußte die Zentralbank daraufhin machen? Mit LTRO den Banken wieder diejenige Schuldentilgungsfähigkeit zurückgeben, die durch das allgemeine Mißtrauen wie von Geisterhand auf einmal verschwunden war. Heißt: das NGV war auf dem Papier genauso hoch wie vorher – nur daß ein großer Teil der Forderungen nicht mehr abtretbar war und nur noch das Motto galt: „Nur Bares ist Wahres!“, wobei zur Barkasse auch die Forderungen gegen die Zentralbank zählen.

        Natürlich kann man mit NGV = 0 alle möglichen Spielereien anstellen, aber daraus wird ja noch keine Theorie. Und außerdem muß für NGV = 0 ja auch noch berücksichtigt werden, daß unter den Verbindlichkeiten der Passivposten „Banknotenumlauf“ der Zentralbank enthalten sein muß, sonst kommt die Null nicht zustande. Daß der Banknotenumlauf der Zentralbank keine Verbindlichkeit darstellt, sollte sich jedoch – zumindest hier – inzwischen herumgesprochen haben…

  13. enrico

    @soffisticated & Alle
    Nächster Versuch:
    Wie wäre es so?:
    Geld ist ein abstraktes Forderungsobjekt auf welches sich Schuldverhältnisse beziehen können und mit welchem -durch Übergabe bzw. Rückgabe- Schuldverhältnisse, die auf dieses Ersatzobjekt lauten, aufgelöst werden können.

    Das kann dann z.B. ein Schuldverhältnis mit einer Bank (Kreditschuldverhältnis), mit einem Verkäufer (Kaufschuldverhältnis) oder mit dem Staat sein (Steuerschuldverhältnis).
    Geld wäre nach dieser Definition keine Forderung, sondern das abstrakte Bezugsobjekt einer Forderung selbst.

    Im Falle des Bankenkredites kommt dann noch dazu, dass dieses Forderungsobjekt von der (Mono-)Bank selbst emittiert wird. Sobald die Bank das Geld in Umlauf gebracht hat, erscheint eine Buchung auf deren Passiva-Seite. Diese Buchung ist das negative Gegenstück zum im Umlauf befindlichen, positiven Geld.

    Jetzt ist mir aber immer noch nicht ganz klar, was genau dieses Passiva für die (private Mono-)Bank bedeutet. Wäre die Bank explizit eine Vertreterin der Volkswirtschaft, dann könnte man ja sagen, dass da eine Verbindlichkeit gegenüber den Geldhaltern besteht: Das Versprechen, dafür zu sorgen, dass letztere sich für ihr Geld etwas kaufen können. Nur sind die (Geschäfts-)Banken aber keine explizite Vertreter der Volkswirtschaft. Und da kommen wir wieder zu der qualitativen Asymmetrie der Bankenbilanzen von Privatbanken. Da steckt offensichtlich eine große Ungleichheit drin.

    Wie Michael Stöcker richtig bemerkte, geht es um einen Machtkampf zwischen Staat und den „mit Gottesprivilegien ausgestatteten“ Privatsektor.

    Bei einer wirklich „volkseigenen“ Bank (Nationalbank) könnte man das anders sehen.

    Oder als reines Saatsgeld:
    Wir haben mal in den 90er Jahren folgendes Modell erstellt:
    http://www.taxos.info/index.html
    (Nur um das Prinzip zu erklären).

    Angenommen, der Staat würde zur Erfüllung seiner Aufgaben “Taxos” schöpfen und diese damit erfüllen (alle Staatsangestellten und Lieferanten des Staates werden mit Taxos bezahlt). Anschließend werden die Taxos im Rahmen von Steuern wieder eingenommen und vernichtet. Auch hier würden die umlaufenden Taxos auf der Passiva-Seite des Staates erscheinen – gegenüber den Steuerforderungen auf der Aktiva-Seite. Hier wäre dieses Passiva die Verpflichtung des Staates die Taxos wieder einzunehmen, was ja nichts anderes bedeutet, dass der Staat seine Schulden wieder tilgen muss. Der Staat erscheint hier also wie ein “volkseigenes” Unternehmen, das Geld selbst schöpfen kann (IOU), sich dabei Verschuldet und durch Steuereinzug sich wieder entschuldet.

    Hier eine Ergänzungsvorschlag zum Taxosmodell:
    Die privaten Banken, können nun weiterhin ihr Geschäftsbankengeld schöpfen, dieses ist aber eine Forderung auf Taxos. Alle Bankenkredite müssen in Taxos nominiert sein. Wenn nun genügend Taxos im Umlauf sind, können die Banken Taxos-Sparer anwerben und Darlehen vergeben. Also so, wie viele Menschen denken, es wäre heute genau so.

    Damit könnte man sich sogar die Zentralbank komplett sparen. Der Staat darf natürlich nicht zu einer Ersatz-ZB werden und darf deshalb auch keine geldschöpfende Kredite an Geschäftsbanken vergeben.

    Voraussetzung ist nur, dass sich laufend genügend Taxos im Umlauf befinden, was aber kein Problem ist. Das könnte sicher funktionieren, nur werden wohl bestimmte Kreise alles tun, dies zu verhindern.

    Das wäre also wie das Green Back System in den USA des neunzehnten Jahrhunderts. Und siehe da, Abraham Lincoln wurde ermordet und die Sache verschwand bald vom Tisch. Honni soit qui mal y pense…

    LG, enrico

  14. @Äpfel, Birnen und Kirschen

    Es gibt…

    1. Schulden, die Zentralbank-Geld gegenüber stehen.
    2. Schulden, die Geschäftsbanken-Geld gegenüber stehen.
    3. Schulden, die Geldguthaben gegenüber stehen.

    Während:

    1.lautend auf ZB-Geld
    2.lautend auf GB-Geld oder ZB-Geld
    3.lautend auf GB-Geld oder ZB-Geld

    Das sind drei Qualitäten, drei Ebenen, die nicht durcheinander gebracht werden dürfen.

    Wenn man das Bankensystem als Gesamtheit ansieht, dann kann man die erste und die zweite Ebene zusammen nehmen.

    Der „Trick“ des Bankings ist ja, dass sie wie ein Getriebe mit unterschiedlich großen Zahnräder funktioniert. Um das größere Zahnrad um eine Umdrehung zu drehen, muss man das kleinere um viele, viele Umdrehungen drehen. Um große Schulden auf der oberen Ebene tilgen zu können, müssen auf der unteren Ebene immer wieder und wieder Schulden aufgenommen und weitergegeben werden, bis die Schulden auf der oberen Ebene wieder verschwunden sind.

    NGV=0 ist nicht falsch aber sagt hier nichts aus.

    LG, enrico

  15. Was ist nun Geld?
    Wer (ZB-)Geld hat, hat eine staatlich erteilte “licence to kill debt“.
    – – – – – –

    Hier noch ein Geld-Intergationsmodell, das Sinn machen könnte:

    Stellen wir uns ein öffentliches Girosystem vor, bei welchem alle (beteiligten) natürlichen Personen, alle Unternehmen, der Staat, und die Banken jeweils ein Konto unterhalten. Die in diesem Girosystem vorkommenden positiven Salden sind „gesetzliches Zahlungsmittel“ und haben damit den Rang von heutigem ZB-Geld. Das öffentliche Girosystem (ÖGS) ersetzt die Zentralbank. Dieses gesetzliche Zahlungsmittel darf aber nur bei der Finanzierung der Gehälter (im weitesten Sinne) entstehen. Damit hat das gesetzliche Zahlungsmittel einen realen Bezug zu der Entstehung und dem Vergehen von Produkten und Dienstleistungen. Bei allen anderen Finanzierungen des Bankenwesens entsteht nur Geldguthaben und kein ÖGS-Geld!

    Nochmal das Beispiel, „Unternehmen bezahlt Gehälter per (ÖGS-) Giro-Überziehung an Beschäftigte“:
    (Nennen wir das Unternehmen „Debitor“ und den Geldempfänger „Kreditor“.)

    Das Unternehmen überzieht sein Konto, worauf bei dem Beschäftigten ein positiver Saldo entsteht. Der Debitor hat damit ÖGS-Geld (=gesetzliches Zahlungsmittel) geschöpft ,indem er sein Konto überzogen hat. Dies ist aber nur möglich, weil eine Bank für diesen Vorgang eine Bürgschafts-verpflichtung gegenüber dem öffentlichen Girosystem eingegangen ist. Sollte der Debitor fallieren, dann gehen die ÖGS-Schulden an die Bank.

    Die Bank ist hier also kein Kreditgeber mehr, sondern nur noch ein Kredit-Garant. Für diese Dienstleistung berechnen die Banken Bürgschaftsgebühren.

    Damit hat die Bank hier keine Forderungen an den Kreditnehmer, sondern nur das Vollstreckungsrecht im Falle eines Bankrotts des Kreditschuldners (um die übernommenen ÖGS-Schulden tilgen zu können).

    Auf der einen (linken) Seite hat die Bank also das Vollstreckungsrecht im Falle des Fallierens und auf der anderen (rechten) Seite die Verpflichtungen aus der Bürgschaft gegenüber dem öffentlichen Girosystem (eine staatliche Instanz des Rechtswesens).

    Wie gesagt, im ÖGS entsteht „öffentliches Geld“ nur durch die Gehaltszahlungen der privaten und öffentlichen Unternehmen. Die Schulden, welche dem öffentlichen Geld gegenüber stehen, bleiben wie das öffentliche Geld im geschlossenen System „ÖGS“. Die ÖGS-Schulden können innerhalb des ÖGS weiter gegeben werden, sofern dies die Garantiebereitschaft der Bank des Empfängers erlaubt. Die Giro-Überziehungen sind ÖGS-Kredite und keine Bankenkredite! Die ÖGS-Schulden sind Schulden gegenüber dem ÖGS und nicht gegenüber der Bank!

    Die Geldschöpfung bei den ÖGS-Debitoren hat eine eindeutige Gegenbuchung: Die ÖGS-Schulden. Es ist also eine eindeutige Gegenbuchung, und nicht wie heute das ZB-Geld, das bei der Zentralbank als Wischi-Waschi-Passiva erscheint.

    Und wie sieht es mit Bargeld aus? Das öffentliche Girosystem unterhält für sich selbst auch ein Girokonto. Sie gibt Bargeld aus und nimmt es wieder zurück als „Ding“. Um zu Bargeld zu kommen, muss man ÖGS-Geld auf das Konto des ÖGS überweisen und bekommt Bargeld dafür. Bei der Wieder-Einzahlung läuft der Vorgang umgekehrt ab. Bargeld ist hier eine Forderung auf ÖGS-Buchgeld. Und nicht umgekehrt!

    Soweit die Basis- oder Primär-Ebene.
    – – – – – – – –

    Für alle anderen Kreditarten (Sekundär-Ebenen) können Banken Finanzierungen zustande bringen, bei welchen Schulden und Geldguthaben außerhalb des ÖGS entstehen. Die Geldguthaben sind dann Forderungen auf öffentliches Geld, so, wie die entsprechenden Schulden ebenso auf öffentliches Geld lauten.

    Die zum Kauf angebotenen Endprodukte sind idealtypisch mit ÖGS-Schulden begleitet. Wenn nun Banken Darlehen „vergeben“ um den Darlehensnehmern zu ermöglichen, ein teures Produkt zu erwerben, dann müssen die Banken entsprechend ÖGS-Schulden von den Lieferanten der Darlehensnehmer übernehmen. Diese Schulden können die Banken wieder los werden, sobald die Darlehensnehmer tilgen. Daneben können die Banken die ÖGS-Schulden auch durch Spareinlagen (vorübergehende Vernichtung der ÖGS-Schulden) zeitweilig verschwinden lassen. Bei letzterem Vorgang entstehen dann Verbindlichkeiten gegenüber den Sparern.Werden diese Sparguthaben wieder aufgelöst, dann müssen sich die Banken im ÖGS wiederum neu verschulden.

    Handelt es sich aber um eine Bankenfinanzierung wo das Kreditobjekt nicht mit ÖGS-Schulden begleitet ist (z.B. eine unbelastete Immobilie) dann muss die Bank zunächst keine ÖGS-Schulden übernehmen. Sollte aber der Geldguthaben-Halter fordern, öffentliches Geld ausbezahlt zu bekommen, dann muss sich die Bank Sparer suchen oder sich im ÖGS entsprechend verschulden. Was natürlich Grenzen hat. Auch hier können die Einlagen der Sparer nur vorübergehend Luft verschaffen.

    Im bisherigen Bankensystem können die Banken die Gehälter ihrer Belegschaft oder sonstige Ausgaben durch Kredite an sich selbst, d.h. mittels selbstgeschöpftem Geld bezahlen. Das ist im neuen System nicht mehr möglich. Es bleibt ihnen jedoch frei, Gehälter via ÖGS-Kredit vor zu finanzieren. So, wie das andere Unternehmen auch tun. Ob es ihnen erlaubt werden sollte, dabei für sich selbst zu bürgen, ist natürlich fraglich.
    – – – – – – – –
    Diese Anordnung erscheint mir wesentlich „anständiger“ als das bisherige, an Betrug grenzende Verfahren.

    LG, enrico

    • @ enrico
      Als gelernter Nachfahre der Götter der Betriebswirtschaftslehre schätze ich die Differenziering und Akkumulation der Kostenarten für Produkte und Dienstleistungen via ÖGS als unrealitisch ein. Es wird immer gemischte Kostengruppen geben und ein Konsens über Deine gutgemeinten eindeutige Zuordnungen ist unmöglich.@ moneymind kann ja über die GoB und ihre rechtlichen Verbindlichkeiten „kurz“ referieren 😉 😉 😉
      Auch ist es für eine freie Preiskalkulation letztlich egal welche Kosten kalkuliert werden, solange Gewinn über die Kalkulationsperioden entsteht.
      Das kann zwar durch Preisgesetze – siehe Nachkriegsdeutschland mit Ludwig Erhardt – reguliert werden, scheitert aber in the long run …
      Ganz besonders deutlich wird dies bei dem Öffentlichen Gut der Kernkraft.
      Die techisch beste Lösung über die Zeit wäre die kontinuierliche kontrollierte oberirdische Lagerung. Damit können die Gesamtkosten der Pozesse am wahrscheinlichkeitsnächsten erfasst, verteilt und überwacht werden.
      Aber der Mensch wird in seinem kurzfristigen Triumpfierungszwang weiterhin Mooncalcs präferieren.

      • ….schätze ich die Differenziering und Akkumulation der Kostenarten für Produkte und Dienstleistungen via ÖGS als unrealitisch ein. Es wird immer gemischte Kostengruppen geben…

        @Ruby,
        Verstehe nicht so recht, was Du damit sagen willst. Aber ich gehe einmal davon aus, dass es Dir nicht klar war, warum das Basis-Geld nur durch die Einkommen der privaten Haushalte entstehen soll. Dies ist ein Trick um die „Geldmenge“ automatisch entsprechend der Wirtschaftsaktivität zu regeln.

        Im ÖGS entsteht Geld immer NUR dann, wenn die Unternehmen ihre Konten überziehen um Beträge an die privaten Haushalte zu überweisen. Idealtypisch sind das die Gehälter von Beschäftigten. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass alle Schulden des ÖGS ihren Ursprung bei den privaten Haushalten haben. Und diese Schulden werden von Unternehmen zu Unternehmen weiter gegeben und akkumuliert und am Ende kommen sie wieder zurück zu den Haushalten. Dazu muss man noch wissen, dass die Unternehmen keine positiven Salden auf ihren ÖGS-Konten haben dürfen. Dann erübrigt sich auch hier von Unternehmens-Gewinnen zu reden.

        Und über Preisregulierung sowie Kernkraft habe ich auch nichts geschrieben. Weiß nicht wie Du jetzt darauf kommst.

  16. Was ich noch vergessen habe:

    Die Steuerpflichtigen bürgen für die Verschuldung des Staates im ÖGS durch ihre Steuerpflicht. Dafür muss aber die Regierung des Staates -vorher- für jede größere Ausgabe, das explizite Einverständnis der Vertretung der steuerpflichtigen Bürger und Unternehmen haben. Die Steuerpflichtigen müssen sich also organisieren und ihre Vertreter unabhängig von politischen Parteien wählen. Das wäre dann die „Taxative“…

    Eine Finanzierung der Staatsaufgaben durch globale „Nutzstaatenhalter“ ist dann nicht mehr zulässig und vor allem nicht mehr notwendig.

    LG, enrico

    • @enrico
      ich habe rein betriebswirtschaftlich, Investition, Produktion, Marketing, Geschäftsbuchführung, gedacht und versucht nach Kostenarten des Menschen im Unternehmen zusammeln. Diese Wirtschaftsaktivitäten als Geldmengenziel zu suchen und rechnerisch und buchhalterisch abzubilden ist hyperkomplex und trotzdem nicht ausreichend. Weil es erstens nur sehr stark variierende dokumentierte Personkostenanteile je Branchen gibt und zweitens ein definiertes Optimum nicht existiert. Einen anderen rationalen Kompromiss zu finden ist zentral! nicht möglich. Dritter Kritikpunkt ist die zeitliche Realisierungsphase. Eine Plankostenrechnung hat nie die tatsächlichen Istkosten und wird sie niemals finden. Eine Kalkulation in Echtzeit geht nicht. Darauf wollte ich hinweisen. Mit Freude denke ich an Holgers Unternehmenssicht und Argumentation bei wiesaussieht zurück.
      Gerade vor dem Hintergrund, das bereits alles verpfändbare Vermögen „ausverkauft“ ist.

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