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Kreditleihe

Wahrscheinlich ist es angebracht noch einmal genau zu spezifizieren, was es mit der Kreditleihe auf sich hat. Ausgangspunkt ist der Wechsel, welcher ein abstraktes Wertpapier ist, welches normalerweise aufgrund einer erbrachten Leistung ausgestellt wird. Im Grundmodell des Wechsels erfolgt die Leistung und das Zahlungsversprechen, d.h. die Ausstellung des Wechsels, zum gleichen Zeitpunkt. Derjenige, der den Wechsel als Zahlungsversprechen des Schuldners erhält hat also bereits geleistet, nur die durch den Wechsel verbriefte Forderung ist noch auszugleichen und zwar durch das Zahlungsmittel, welches im Wechsel vermerkt ist. Es handelt sich hierbei um ein Kassageschäft (d.h. eine sofort erbrachte Leistung) und ein Termingeschäft, welches die Zahlung einer in dem Wechsel aufgeführten Geldsumme zum Gegenstand hat.

Eine Variante des „normalen“ Wechsels kann nun darin bestehen, daß der zu einer realen Leistung Verpflichtete seine Leistung erst zu einem späteren Zeitpunkt erbringt, so daß im Unterschied zum normalen Ablauf die Leistung, die dem Wechselschuldner zusteht, auf einen späteren Zeitpunkt gelegt wird. Das hat zur Folge, daß neben der Ausstellung des Wechsels noch ein weiterer Vertrag erforderlich wird, welcher den (ersten) Empfänger des Wechsels dazu verpflichtet, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Wenn man so will handelt es sich hierbei um zwei Termingeschäfte, beim Wechsel um eine verzögerte Zahlung, bei der gestundeten Lieferung/Leistung um ein Warentermingeschäft. Man denke beispielsweise an eine Vorschußzahlung, mit deren Hilfe der zur realen Leistung Verpflichtete Material einkaufen und Mitarbeiter anheuern kann, um so ausgestattet die vertragliche Leistung erfüllen zu können.

Bei der Kreditleihe ist es nun so, daß dieses Warentermingeschäft auch aus einer verzögerten Zahlung besteht, die aber im Unterschied zum Wechsel nicht als selbständiges Wertpapier verbrieft ist. Wichtig dabei ist zu sehen, daß nicht der Wechsel das Zahlungsmittel ist, sondern das in dem Wechsel aufgeführte Zahlungsobjekt.

Damit geht das Geschäft folgendermaßen vor sich:

die Bank akzeptiert einen Wechsel, in dem sie sich verpflichtet z.B. zwei Goldtaler bei Fälligkeit des Wechsels zu zahlen, gleichzeitig verpflichtet sich der Wechselaussteller einen Tag vor Fälligkeit des Wechsels zwei Goldtaler an die Bank zu zahlen. Die Bank verschafft dem Wechselaussteller durch ihr Akzept Zahlungsfähigkeit über 2 Goldtaler, die dadurch effektiv gemacht werden können, daß der Wechsel von einem Dritten anstatt einer unmittelbaren Zahlung angenommen wird. Dadurch, daß der Wechselaussteller den Wechsel an Zahlung statt weitergeben kann nutzt er die ihm von der Bank zur Verfügung gestellte Kreditwürdigkeit, um bei einem Dritten auf Kredit kaufen zu können. Die Bank verbürgt sich also Dritten gegenüber für die Zahlungsfähigkeit des Wechselausstellers.

Nun macht die Bank das nicht aus reinem Altruismus, sondern achtet peinlich genau darauf, ob die verbürgte Summe, die sie auf jeden Fall bei Vorlage des Wechsels zum Fälligkeitstermin zu zahlen hat, auch mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zurückerstattet wird. Zudem werden natürlich auch kalkulatorische Kosten fällig, die der Wechselaussteller an die Bank zu zahlen hat. Geht alles wie vorgesehen, erscheint der Wechselaussteller einen Tag vor Fälligkeit des Wechsels bei der Bank, um den Terminvertrag mit der Bank zu erfüllen, denn er schuldet der Bank ja bislang die 2 Goldtaler, für die sich die Bank in dem Wechsel verbürgt hat. Sind die 2 Goldtaler bei der Bank eingegangen kann nun, wenn am nächsten Tag der fällige Wechsel von dem aktuellen Wechselinhaber der Bank präsentiert wird, die Bank mit den 2 Goldtalern vom Vortag ihre heute fällige Schuld begleichen, womit das Leben des Wechsels ein Ende gefunden hat.

Die Kreditleihe besteht somit daraus, daß die Bank ihrem Kunden gewissermaßen ihre Bonität „leiht“, indem sie sich für die Zahlungsfähigkeit ihres Kunden gegenüber Dritten verbürgt. Geliehen wird also ein Kaufkraftvolumen von 2 Goldtalern, die der Kunde nutzen kann, ohne diese auch tatsächlich zu besitzen. Dieses auf i.d.R. 3 Monate begrenzte Arrangement wird am Ende durch die Zahlung der Bank von 2 Goldtalern an den Vorleger des Wechsels, sowie durch Zahlung von 2 Goldtalern des Kunden an die Bank abgeschlossen. Daher ist das ultimative Zahlungsmittel der Goldtaler und nicht das Wechselpapier, dieses fungiert lediglich als ein Forderungsrecht an 2 Goldtalern, wobei dieses Forderungsrecht die Eigenschaft hat, durch Einigung und Übergabe (mit oder ohne Indossament) weitergegeben werden zu können.

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, daß der Begriff „Banknote“ seinen Ursprung in dieser Konstruktion der Kreditleihe besitzt, denn eine Banknote war ursprünglich für die Bank eine Verbindlichkeit, der sie zu einer Zahlung in einem Standard, der NICHT die Banknote war, verpflichtete. Bis zu der Aufhebung des Goldstandards bedeutete die Aufschrift auf Banknoten: „Der Aussteller verpflichtet sich zur Zahlung von XXX an den Überbringer“, daß eine Banknote (im Prinzip) nur stellvertretend für eine forderbare Quantität an Gold etc. stand. Wichtig dabei ist es sich die Entstehung einer Banknote klarzumachen, denn die Ausstellung eines Wechsels geht einher mit der gleichzeitigen Verbuchung einer Verbindlichkeit, die nicht der Wechsel ist! Denn dem neu geschöpften Forderungspapier, welches auf die Zahlung von zwei Goldtalern lautet, steht eine Schuld von 2 Goldtalern gegenüber – und nicht die Banknote/Wechsel. Das heißt, daß die Emissionsbuchung:

Wechsel an (umlaufende) Wechselverbindlichkeiten

eine Denomination von 2 Goldtalern aufweist und somit die Bezeichnungen Mark, Franken, Pfund, Dollar – oder was auch immer den „Wert“ eines Wechsels bzw. einer Banknote deklarierte – auf eine reale Metallquanität verweisen. Man kann nun auch die Emissionsbuchung mit dem (damaligen) Synonym „Banknote“ aufschreiben, womit sich:

Banknoten an (umlaufende) Banknotenverbindlichkeiten

ergibt und so die Entwicklung zur heutigen Emissionsbuchung deutlicher wird. Im Unterschied zu heutigen Banknoten – die eigentlich besser nur noch als „Geldscheine“ zu bezeichnen sind – besitzt das heutige Bargeld keinen Forderungsinhalt mehr, weil durch die Aufhebung der Goldeinlösepflicht das ehemalige Forderungspapier zu einem „gesetzlichen Zahlungsmittel“ verändert wurde. Gesetzliches Zahlungsmittel bedeutet in diesem Zusammenhang, daß eine Geldschuld damit schuldbefreiend getilgt werden kann und gleichzeitig der Gläubiger gegen eine Forderungsbegleichung mit diesem keine (reale) Forderung mehr beinhaltenden Geld keine Einwendungen erheben kann.

Und nun erscheint auf einmal die Verbindung zu dem heutigen Kreditarrangement, wobei nicht mehr das in dem Wechsel verbriefte (reale) Zahlungsmittel zur Tilgung der Schuld zu refundieren ist, sondern das emittierte Papier selbst. Die Verbindung liegt darin, daß auch früher schon die Rückgabe des Wechsels, wenn dieser wieder zufällig in den Besitz des Wechselausstellers gekommen sein sollte, die Tilgung der Wechselschuld ermöglicht hat. Dazu mußte lediglich der Wechsel am Tag vor seiner Fälligkeit bei der Bank zum Diskont eingereicht werden, um – abzüglich der Diskontspesen – die Rückzahlung der vereinbarten 2 Goldtaler zu tätigen und am nächsten Tag nur noch die Ausbuchung des Wechsels erfolgte, weil seine Forderungswirkung durch die Rückkehr zum ursprünglichen Schuldner verschwunden ist. (Letzteres begründet auch den Umstand, daß für eine Zentralbank als Emittent der gesetzlichen Zahlungsmittel, d.h. der Banknoten (ohne Erfüllungsgegenstand), ein Banknotenbestand keine Vermögensposition darstellt, weil diese sofort gegen die Emissionsbuchungsposition neutralisiert werden müssen.)

Letzteres hat eine entscheidende Konsequenz für den Emissionsvorgang, denn was heutzutage mit der Emissionsbuchung:

Kasse (Banknoten) an Banknotenumlauf

oder besser:

Kasse (Geldscheine) an (umlaufendes) Geldscheinvolumen

dokumentiert wird ist nicht mehr wie früher die Einbuchung eines Forderungspapiers, sondern die Einbuchung von gesetzlichen Zahlungsmitteln, die keinen Forderungsinhalt aufweisen, womit die korrespondierende Passivbuchung auch keine Verbindlichkeit mehr darstellen kann. Das wird auch noch dadurch unterstrichen, daß „Banknoten“ (=Geldscheine) nach aktueller Rechtsprechung den Inhaberpapieren zwar gleichgestellt sind, ohne jedoch den Status als Inhaberpapier aufzuweisen (was die ursprünglichen Banknoten tatsächlich waren), denn ein Inhaberpapier verweist auf einen Forderungsinhalt, der nicht das Inhaberpapier ist. Daß sich diese simple Tatsache noch nicht herumgesprochen hat liegt wahrscheinlich daran, daß die psychische Disposition, Geld unbedingt als „Wert“ ansehen zu wollen den nüchternen Blick auf schnöde Buchhaltungstatsachen (fast) unmöglich macht.

Dazu kommt noch, daß offenbar verbreitet die Meinung vorherrscht, Geld müsse doch in der Bilanz einer Zentralbank auffindbar sein, so daß ausgerechnet diejenige Position, welche das Volumen der sich gerade NICHT in der Zentralbank befindenden Geldscheine dokumentiert, zu „Geld“ erklärt wird, womit gleichzeitig dem Fehlschluß, Geld als Verbindlichkeit der Zentralbank zu interpretieren, der rote Teppich ausgerollt wird. Dabei hat Geld in der Bilanz einer Zentralbank nichts verloren, denn wie bei einem (eigenen) Wechsel, dem eine Wechselverbindlichkeit gegenübersteht und der bei den Vorbereitungen zu Bilanzerstellung schlichtweg ausgebucht wird, werden jegliche eventuellen Bargeldbestände, die sich in der – in der Finanzbuchhaltung (sic!) geführten – Kasse befinden, zum Zweck der Bilanzerstellung durch die Neutralisierungsbuchung

„Banknoten“/Geldscheinumlauf an Kasse(nbestand) (ohne Münzbestand!)

ganz schnöde ausgebucht. Die Folge ist, daß der Kassenbestand zum Bilanzzeitpunkt Null ist (was den Banknotenbestand angeht, allerdings nicht die angekauften Münzen betrifft) und deswegen auf eine Einstellung einer Position „Geldschein Kassenbestand“ in die Bilanz verzichtet werden kann.

Wenn man sich den Effekt dieses „Kreditleihe“-Arrangements ansieht, sieht man (fast) sofort, daß es sich hierbei um eine Technologie handelt, die dazu geeignet ist, „sparsam“ mit dem ultimativen Zahlungsmittel (=Gold) umzugehen. Denn soweit alles nach Plan verläuft ist für eine verbriefte Forderung, deren Übergabe geeignet ist, Zahlungsverpflichtungen (vorläufig = bis zur endgültigen Einlösung des Wechsels aber danach final) zu erfüllen, lediglich für einen Tag das ultimative Zahlungsmittel Gold erforderlich. Zum einen muß der erste Wechselbegünstigte seine Zahlungsverpflichtung aus dem Kreditleihe-Vertrag erfüllen, indem er einen Tag vor Fälligkeit des Wechsels die im Vertrag festgelegte Zahlung zu erbringen hat, während auf der anderen Seite am Folgetag – dem Fälligkeitstermin des Wechsels – genau diese Zahlung dazu verwendet wird, die Forderung desjenigen zu erfüllen, der den Wechsel zur Zahlung vorlegt. Wenn man so will wurde durch den Kreditleihe-Vertrag für 3 Monate Zahlungsfähigkeit geschaffen, ohne daß dazu – abgesehen von dem letzten Tag vor Fälligkeit – die Verwendung des eigentlichen Zahlungsmittels erforderlich gewesen wäre. Gleichzeitig werden durch die vorgesehene bzw. erfolgte Erfüllung der Wechselforderung alle damit in Zusammenhang stehenden Schuldverhältnisse finalisiert in dem Sinne, daß für alle Indossanten die Gefahr eines möglichen Wechselprotestes sich erledigt.

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Wo ist die Kasse der Zentralbank?

Vielleicht sollte man mal ein paar grundsätzliche Dinge hinsichtlich der „Kasse“ bei Zentralbanken klarstellen. Die erste Unterscheidung, die man treffen muß ist die zwischen Finanzbuchhaltung und Bilanz. Eine Bilanz ist die Aufstellung von Aktiva und Passiva zu einem Zeitpunkt! Aus einer Bilanz werden dann per sog. Eröffnungsbuchungen die Anfangsbestände der Finanzbuchhaltung erzeugt. Weist also die Bilanz der SNB einen Vermögenswert „Internationale Zahlungsmittel“ 4.440,6 Mio. CHF (31.12.2018) auf, wird am 1.1.2019 in der Finanzbuchhaltung für diese Position genau dieser Zahlenwert als Startbestand eingetragen. Jede Änderung, die im Laufe des Jahres bezüglich dieser Position passiert, wird auf diesem Konto gebucht, bis am 31.12.2019 der Saldo dieses Kontos in die dann zu erstellende Bilanz eingetragen wird. So weit, so gut.

Dasselbe passiert auch mit der Position „Notenumlauf“ 82.238,8 Mio. CHF, so daß die Finanzbuchhaltung genau diesen Wert für den Notenumlauf als Anfangsbestand ausweist. Da der Notenumlauf ein sog. Passivkonto ist, wird die Eröffnungsbuchung im Haben vermerkt, denn Passivkonten erhöhen sich bei einer Buchung im Haben – rechts. (Aktivkonten erhöhen sich spiegelbildlich bei einer Buchung im Soll – links.)

Nun ist es so, daß die Finanzbuchhaltung auch durchaus Konten enthalten kann, die keinen Eingang in die Bilanz finden. Das ist dann der Fall, wenn der Abschlußsaldo eines Kontos den Betrag Null aufweist. Das heißt natürlich nicht, daß nicht auf diesem Konto erhebliche Umsätze stattgefunden haben können. Nun enthält jede Finanzbuchhaltung auch ein Konto „Kasse“, wobei – wie man leicht aus der Inspektion der SNB-Bilanz sehen kann – der Eröffnungsbestand dieses Kontos in der Finanzbuchhaltung „Null“ beträgt, denn in der Bilanz ist es ein Nullkonto und wird DESWEGEN nicht aufgeführt. (Das hat auch etwas mit der Funktion der Bilanz als Vermögensrechnung zu tun, wobei es sich erweist, daß für die Notenbank ein Bargeldbestand kein Vermögen darstellt und ein positiver Kassenbestand das Vermögen einer Zentralbank zu hoch ausweisen würde.)

Die Frage ist nun, wie jetzt Geld in die Kasse gelangt. Normale Unternehmen müssen etwas gegen Bargeld verkaufen, oder am Geldautomaten ihr Weisungsrecht gegenüber der Bank geltend machen und damit Bargeld anfordern. In beiden Fällen handelt es sich dabei um einen Aktivtausch – Ware gegen Bargeld oder eben Kontoguthaben gegen Bargeld.

Bei Zentralbanken kommt noch eine Möglichkeit dazu, wenn sie nämlich das ihnen exclusiv zugesprochene Recht nutzen, um Bargeld für den Umlauf vorzubereiten. (Art. 7 (1) WZG: „Die Nationalbank gibt nach den Bedürfnissen des Zahlungsverkehrs Banknoten aus.“) Dazu muß sie von den bei ihr im Keller liegenden frisch gedruckten Banknoten die gerade benötigte Menge herausholen, die dann durch eine Registrierungs- und Buchungsoperation zu gültigen (zum Zahlungsverkehr zugelassenen) Banknoten werden. Zum einen werden die Registriernummern der zu aktivierenden Banknoten in der Datenbank der in Umlauf befindlichen Banknoten gespeichert, zum anderen wird diese Aktivierung dieser Banknoten durch die Buchung


Kasse an Banknotenumlauf


in der Finanzbuchhaltung (und nicht in der Bilanz) dokumentiert. Wenn also die „Bedürfnisse des Zahlungsverkehrs“ in einer Anforderung von Banknoten durch eine Geschäftsbank bestehen, notiert die Zentralbank das ausgegebene Volumen als Notenumlauf, während die sich in der Kasse befindenden Banknoten kurz danach von einem Geldtransporter abgeholt und zu der anfordernden Bank verbracht werden. Die Abholung wird natürlich auch mit einer Buchung begleitet und zwar:


Giroverbindlichkeiten an Kasse


so daß bei der Zentralbank die Giroverbindlichkeiten abnehmen und der Kassenbestand wieder auf Null zurückspringt.

Hat eine Bank zuviel Bargeld angenommen kann sie dieses wieder zur Zentralbank zurückbringen und bekommt den eingelieferten Betrag gutgeschrieben:


Kasse an Giroverbindlichkeiten (aus Sicht der Zentralbank
– bei der Bank: Zentralbank-Guthaben an Kasse).


Da aber nun eine Zentralbank nicht weiß, was sie mit den in der Kasse herumliegenden Banknoten anfangen soll, kann sie diese wieder aus dem Umlauf entfernen, indem sie die Registriernummern aus der Datenbank löscht und mit der Neutralisierungsbuchung


Notenumlauf an Kasse


diesen Vorgang (erfolgsneutrale Bilanzverkürzung) in der Finanzbuchhaltung dokumentiert.

Genau diese Operation der Ausbuchung von etwa noch in der Kasse befindlichen Banknoten passiert auch dann, wenn die Finanzbuchhaltung zum Zweck der Bilanzerstellung abgeschlossen wird. Sollte also zum Kassenschluß noch Bargeld in der Kasse sein (was deswegen ausgerechnet kurz vor Jahresschluß der Fall ist, weil die Banken die aus den bar eingenommenen Weihnachtsumsätzen der Unternehmen angeschwollenen Kassenstände als Einzahlung bekommen und selber loswerden wollen), wird, bevor das Konto „Kasse“ abgeschlossen wird, wie oben noch eine Buchung eingefügt:


Notenumlauf an Kasse(nbestand)


womit der Kassenbestand zu Null wird, damit der Abschlußsaldo des Kassenkontos Null ist und auf eine Übernahme des Nullsaldos bzw. des Kontos „Kasse“ in die Bilanz verzichtet werden kann. Diese Ausbuchung nicht benötigter Kassenbestände ist übrigens nicht erfolgswirksam, weil hierbei lediglich zwei Bestandskonten verändert werden, was dann zu einer Bilanzverkürzung führt. Genausowenig wie eine Bilanzverlängerung aufgrund einer Aktivierungsbuchung von Bargeld zu einem Gewinn führt, führt eine Neutralisierungsbuchung, also die Verminderung des Notenumlaufs einhergehend mit einer Außerkraftsetzung der Gültigkeit der zu „vernichtenden“ Banknoten zu einem Verlust. Diese Operation steht im Einklang mit Art. 7 (2) WZG, wobei die Ausbuchung zur Bilanzerstellung vermutlich deswegen nicht so publik ist, weil nach Art. 29 NBG die SNB keine Geldflussrechnung (sic.) erstellen muß, in der solche Operationen dann aufgeführt werden müßten.

Das ist alles keine Hexerei, man muß nur links und rechts auseinanderhalten und vor allem nicht Bargeld auf der Passivseite einer Zentralbankbilanz suchen wollen. Wenn überhaupt befindet sich Bargeld als „Kasse“ in der Finanzbuchhaltung und dort auch auf der Seite, wo es hingehört – ins Soll nach… links! In der Bilanz einer Zentralbank dagegen hat das (eigene) Bargeld überhaupt nichts verloren – weder links noch rechts…

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Das Geldpuzzle

Daß ein excellenter Hinweis darauf, wie denn nun das moderne Geld entstanden ist, sang- und klanglos in den Tiefen der Bearbeitungshistorie eines Wikipedia-Eintrages verschwunden ist, ist nicht ganz ohne Kuriosität. Nun, nicht ganz verschwunden, denn immerhin kann man sich noch einige Zeit ansehen, welche Glanzleistung (keine Ironie) hinsichtlich der Entstehungsgeschichte des Geldes dort abgeliefert wurde. Dies findet sich zu allem Überfluß auch nicht unter dem Stichwort „Geld“, sondern unter dem Eintrag „Wechsel“. Dort kann man u.a. folgendes lesen:

„Durch Einführung des Blankoindossaments, das heißt Wegfall der Übertragung des Wechsels auf eine konkrete Person, also pauschale Übertragung der Rechte auf Bareinlösung am Fälligkeitstag auf die Person, die den Wechsel zu diesem Zeitpunkt vorlegt, wurde der Wechsel faktisch zu einem Inhaberpapier. Damit war ein anonymes Papiergeld entstanden, ein Schritt des Wechsels auf dem Weg zur Banknote. Ein weiterer Schritt war die Standardisierung der Wechsel. Banken stellten immer öfter pauschal Wechsel aus und verkauften diese an Kreditsuchende gegen Wechselgebühr. Parallel dazu übernahmen sie auch die Bareinlösung von Wechseln auch schon vor dem Fälligkeitstag, gegen Abzug einer Diskontgebühr. Diskont kommt von diskontieren (stückeln), da beim Diskontieren der unteilbare Wechselbetrag in kleine Zahlungseinheiten zerlegt wird. Mit Gründung der Bank von England im Jahr 1694 konnte diese Diskontierung nicht mehr nur in Münzen, sondern auch in Banknoten erfolgen, die ihrerseits in Münzen einlösbar waren und somit eine Zwischenform zwischen Wechsel (Kreditgeld) und Münze (Bargeld) darstellten. Banknoten sind faktisch standardisierte (auf einheitliche Beträge lautende) Sichtwechsel (d. h. fällig bei Vorlage in der Bank, also bei Sicht).“
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wechsel_(Urkunde)&direction=next&oldid=171241857#Die_Geschichte_des_Wechsels

Nicht verständlich bei dem Zitat ist die Behauptung, die Banken würden die Wechsel gegen Wechselgebühr verkaufen. Denn eine Gebühr ist (hier) ein Nutzungsentgelt und kein Verkaufspreis. Außerdem hatte auch in diesen Zeiten ein Wechsel einen Forderungsinhalt und begründete bei der Ausgabe eine Forderung gegen die Bank, so daß ein Verkauf gegen eine Gebühr für die Bank ein ganz schlechtes Geschäft wäre. Aber seis drum, das Wichtige an dieser Geschichte ist ja, daß ein Wechsel ein Wertpapier ist und als solches auf die Aktivseite gehört. Es liegt also durchaus nahe zu vermuten, daß der Wechsel ein Vorläufer der heutigen Banknote bzw. heutiger Zentralbanknoten ist, so daß die Emission von Geld moderner Prägung ebenso wie die Auflage eines Wertpapiers durch dessen Aktivierung als Vermögensgegenstand erfolgt.

Das Ganze beginnt mit einem Schuldverhältnis, wobei man einfach mal unterstellen kann, daß die Aufbewahrung von Wertgegenständen als Geschäft betrieben wurde und diese Schuldverhältnisse zu Beweiszwecken durch einen Schuldschein schriftlich niedergelegt wurden. Nun ist ein Schuldschein schlecht übertragbar, so daß es in dieser Konstellation im wesentlichen bei dem zweiseitigen Schuldverhältnis blieb. Das änderte sich, als auf einmal die Klausel eingefügt wurde, daß zur Herausgabe der hinterlegten Sache die Präsentation des Papiers, auf dem die herauszugebende Sache aufgeführt war, genügte. Diese Verpflichtungen, bei denen es nicht darauf ankam, wer den „Einlegeschein“ vorlegte sind unter der Bezeichnung Lagerschein bekannt, wobei sich Lagerscheine dadurch auszeichnen, daß nur der Besitz des Lagerscheines das Anrecht auf Aushändigung der gelagerten Sache durchsetzbar macht. Fachlich wird das durch die Formel: „Das Recht aus dem Papier folgt dem Recht am Papier.“ ausgedrückt. Im Klartext: nur der Besitz des Papiers erlaubt den Zugriff auf das hinterlegte Gut! Bei dieser Geschichte handelt es sich damit um ein sog. Inhaberpapier, bei denen auch ein gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten möglich ist. Aber das nur nebenbei.

Die normale Version eines Lagerscheines läuft derart, daß zu Anfang bei der Ausstellung des Wertpapieres das bezeichnete Gut hinterlegt wird und somit von dem Besitzer des Wertpapiers jederzeit (zu Geschäftszeiten) herausgefordert werden konnte. Aufgrund der Abstraktion des Wertpapiers, den Gläubiger namentlich nicht bezeichnen zu müssen, konnten auch Lagerscheine schon zu Zahlungszwecken weitergereicht werden. Mit dem Wechsel entwickelte sich ein Zahlungsinstrument, welches die Koinzidenz von Ausstellung des Wertpapiers und Einlage des Wertgegenstandes auseinander dividierte. Um das zu verstehen, muß man sich mal mit dem Begriff der „Kreditleihe“ beschäftigen. Dabei ging es darum, daß eine Bank einen Wechsel auf sich selbst ausstellt (oder eine Tratte akzeptiert) und diesen an ihren Kunden überträgt, ganz so, als hätte sie den Wertgegenstand, zu dessen Herausgabe der Wechsel sie verpflichtet, bereits erhalten. Der Kunde kann diesen Wechsel dann erfüllungshalber an einen Gläubiger weiterreichen und sich so die Bonität der Bank für seine Käufe zunutze machen. Zu diesem Zeitpunkt mußte der Kunde lediglich die Kosten für die Ausstellung des Wechsels begleichen, die Hauptforderung wurde ihm bis zur Fälligkeit des Wechsels gestundet. (Der Lagerschein wird also insofern abgeändert, als der gegen den Lagerschein forderbare Wertgegenstand nicht wie üblich zu Beginn, sondern erst zum Ende der Laufzeit des Papiers vom Empfänger des Lagerscheines „eingelegt“ werden muß. Hier handelt es sich tatsächlich noch um „Einlagen“!) Es handelt sich also um einen Kredit der Bank an den Kunden, obwohl der Kunde kein gültiges Zahlungsmittel erhält, sondern die Forderung gegen die Bank aus dem Wechsel, die sich quasi für seine Zahlungsfähigkeit verbürgt. Damit die Bank den Wechsel ohne auf ihre eigenen Wertgegenstände bzw. Zahlungsmittel zurückgreifen zu müssen bezahlen konnte war der Kunde gemäß dem „Kreditleihevertrag“ dazu verpflichtet dafür zu sorgen, daß einen Tag vor Fälligkeit des Wechsels die Schuldsumme bei der Bank eingeht, so daß die Bank am nächsten Tag damit den präsentierten Wechsel an den Wechseleinreicher bezahlen konnte. Dies ist übrigens die Konstruktion, die begründet, warum auf den Banknoten teilweise bis heute die Formel „Der Aussteller zahlt dem Einlieferer den Betrag von xxx Werteinheiten.“ aufgedruckt ist, obwohl heutzutage diesem Versprechen nichts mehr entspricht.

Diese Konstruktion erwies sich offensichtlich als ziemlich erfolgreich, so daß die Banken dazu übergingen auch kleinere Denominationen in Form eines Solawechsels auszustellen, wobei ein Solawechsel ein auf sich selbst gezogener Wechsel ist, ohne daß dabei ein Gläubiger eingetragen wird. Hinzu kam, daß die Rechtsprechung das (Nicht-)Instrument des Blankoindossaments ermöglichte, so daß diese Papiere durch einfache Einigung und Übergabe übertragbar wurden. Ein Solawechsel muß, solange er nicht weitergegeben worden ist, als eine Forderung gegen sich selbst aufgefaßt werden. Das bedeutet nichts anderes, als daß Aktiv- und Passivseite in gleicher Weise verlängert werden, weil der Forderung an sich selbst die Verbindlichkeit an sich selbst gegenübersteht. Daß das nicht nur eine Übung in Buchhaltungsfinessen darstellt, sondern als Vorläufer der heutigen Bargeldemission angesehen werden muß, wird dann ersichtlich, wenn diese Wechsel zur Kreditleihe weitergegeben werden und nun außerhalb der Bank eine Vielzahl von Wertpapieren kursiert, aus denen sie bei Vorlage zur Zahlung verpflichtet ist. Diese Zahlung muß durch das in dem Wechsel festgelegte Zahlungsmittel geleistet werden, d.h. daß z.B. 2 Goldmünzen bei Einreichung des Wechsels zu zahlen waren. Der Zahlungsausgleichstandard war also nicht der Wechsel, sondern ein Warengeld, welches das ultimative Schuldentilgungsmittel darstellte.

Dennoch kann man dies als die Geburtstunde der heutigen Banknote ansehen, auch wenn immer noch die Einlösung in eine andere Sache Grundbedingung der Emission war. Es ist nicht wirklich überliefert, wie es passiert ist, aber irgendein Bankier muß die Idee gehabt haben, daß man das Schuldverhältnis auch auf eine höhere Stufe heben kann, indem man die Schuldurkunde (die ja auf Gold oder Silber lautete) selbst zum Schuldgegenstand definierte. Möglich wurde dies, weil ein Wechsel als abstraktes Schuldversprechen bzw. als verbriefte Forderung rein rechtlich gesehen eine Sache ist, die grundsätzlich übertragbar ist, womit der Standard-Sola-blankoindossamentierbare Wechsel als Zahlungsmittel verwendet werden konnte. Somit war das Prinzip des Banknotenkredits erfunden, bei dem sich der Schuldner verpflichtete, entweder die Banknote selbst oder den verbrieften Gegenwert bei Fälligkeit zurückzuerstatten. (Möglicherweise entstand diese Entwicklung auch nur zufällig deshalb, weil ein Schuldner zum Fälligkeitstermin nicht das vereinbarte Zahlungsmittel zur Verfügung hatte, aber dafür eine ausreichende Menge an Wechselforderungen gegen die Bank, die dann in einem Akt der Aufrechnung zur Begleichung der ausstehenden Wechselsumme führte.) Durch die Übergabe gleichhoher Wechselforderungen erspart man sich auch noch das Hantieren mit dem eigentlichen Schuldgegenstand, mal abgesehen davon, daß die Verbringung, Lagerung und Echtheitsprüfung von Gold einen erheblichen Aufwand darstellen, den man sich damit schlichtweg sparen konnte. Begünstigt wird diese Verfahrensweise durch die kleine Stückelung, sowie die einfache Art der Übertragung, so daß es auf einmal unwesentlich wurde, welches der emittierten Schulddokumente bei Fälligkeit eingereicht wurde – fortan wurde die Banknote – wie man so sagt – „vertretbar“, was soviel heißt, wie jede Schuldurkunde kann jede Schuldurkunde ersetzen.

Wenn man so will handelt es sich hierbei um eine Schuldhierarchie oder Schuldverschachtelung- einmal die (Basis-)Schuld, die Übergabe der Banknote gegen Gold, zum anderen die (Meta-)Schuld, bei Fälligkeit die Rückübertragung der Schuldurkunde „Wechsel-Banknote“ zu gewährleisten – wobei für die Funktionsfähigkeit der übergeordneten Schuld (die Wechsel-Banknotenschuld) die Existenz der „Basisschuld“ (Banknote gegen Gold) entbehrlich geworden ist. Für die Bank ist es letztlich sogar angenehmer, wenn der Schuldner zur Begleichung seiner Verbindlichkeit das Forderungspapier gegen die Bank präsentiert, so daß schon seinerzeit die Tendenz, die Verwendung des eigentlichen Zahlungsmittels zurückzudrängen, ausgesprochen deutlich zum Vorschein kam.

Die Kleinststückelung der Solawechsel machte es in praktischer Hinsicht auf einmal möglich diese Banknoten zur Lohnzahlung zu verwenden, was eine Verschuldung der Unternehmen in einem Standard impliziert, die sie nur dadurch auffangen können, indem sie reale Güter und Dienstleistungen gegen eben diese Wertpapiere auf dem „Markt“ anbieten, wo diese Wertpapiere als „Konsumausgaben“ erhältlich sind. Das was also in der Perspektive des Geldverwenders, des Konsumenten, als „Wert“ des Geldes erscheint ist in Wahrheit nichts anderes, als die Notwendigkeit der Schuldentilgung – eine nüchterne Kategorie, die aber den Vorteil hat, arbeitsteilige Prozesse in einem bislang ungekanntem Maßstab möglich zu machen.

Diese Geschichte spielte sich bislang noch auf der Ebene der Banken ab, womit sich die etymologische Herkunft des Begriffs „Banknote“ erklären läßt. Die sich dadurch ergebenden Entwicklungen hatten jedoch ihre eigenen Probleme geschaffen, die daraus bestanden, daß es eine Vielzahl von „Banknoten“ gab, die zwar alle auf demselben Standard – Gold – aufbauten, bei denen die Frage der Zahlungsfähigkeit der Bank in dem „Basisstandard“ jedoch jeweils individuell herausgefunden werden mußte. Das lag daran, daß die Emission von Wechsel-Banknoten auf einmal das sog. „Teilreservesystem“ erzeugte, weil gemessen an dem Volumen der emittierten Banknoten das zugrundeliegende „Basisgut“ nicht zur Bedienung aller emittierten Wechsel-Banknoten ausgereicht hätte. Das ist auch solange kein Problem, wie es keine Wirtschaftskrise gibt, in der typischerweise die von den Banken vergebenen Kredite notleidend werden und sie von den Schuldnern weder die emittierten Banknoten noch das zugrundeliegende „Basisgut“ in ausreichendem Maße zurückerhalten. Während also sonst die Banknoten der Banken untereinander mehr oder weniger 1:1 getauscht wurden, entsteht nun eine Art „Sortenmarkt“, in dem nur spekuliert werden kann, welche Bank noch zahlungsfähig ist und welche nicht. Um diese Verwundbarkeit durch einen in solchen Situationen stets drohenden „bank run“ in den Griff zu bekommen, wurde es attraktiv das Risiko der Zahlungsunfähigkeit zu poolen, was dann postwendend zur Einrichtung einer Zentralbank führte, welcher dann auch die Aufgabe übertragen wurde, einen Standard für die bisher individuell von den Banken emittierten Banknoten zu gestalten. (So gesehen ist eine Zentralbank eine Ausrede der Banken, die sich mit den Folgen ihrer eigenen Disziplinlosigkeit nicht konfrontieren wollen.)

Nun führt das Pooling von Risiken vielleicht dazu, daß man punktuelle Ereignisse, wie die (temporäre) Zahlungsunfähigkeit einer einzelnen Bank, mit einem vertretbaren Aufwand auffangen kann. Nur wird dadurch, daß man nun eine globale Instanz hat, welche die Einhaltung der Teilreserveregelungen überwachen soll, das damit verbundene Risiko nicht zum Verschwinden gebracht, sondern nur auf eine Superebene verlagert. Wie man aus der Geschichte weiß, sind auch hier die Risiken nicht vollständig zu bewältigen gewesen, was sich an den diversen Zusammenbrüchen von Zentralbanken, oder auch den diversen Suspendierungen der Goldeinlösepflicht, ablesen läßt. Denn es ist ziemlich egal, ob nun die einzelnen Banken oder die übergeordnete Zentralbank die Teilreserveregelungen einzuhalten hat, denn ein Teilreservesystem ist gegenüber Krisen immer anfällig. Eine einzelne Bank, die sich mit ihrer Banknotenausgabe überexponiert hat, kann durch die (Gold-)“Reserven“ der Zentralbank noch aufgefangen werden, wenn es sich dabei um eine Zentralbank handelt, welche die Goldanforderungen in einer Krise nicht bedienen kann, ist das ganze Risikopooling für die Katz. Bei dem Zusammenbruch einer einzelnen Bank geht es nur um handhabbare Größenordnungen, wird das gesamte Bankensystem in Mitleidenschaft gezogen, ist auch eine Zentralbank schnell überfordert. Das Verschieben von Risiko hat halt nur einen Verschiebe- aber keinen Risikoneutralisierungseffekt.

Offenbar ist der doppelte Teilreservestandard – von Banken einerseits und der Zentralbank andererseits – nicht geeignet, um die Stabilität des Finanzsystems ausreichend sichern zu können, denn auch eine Zentralbank kann das „Basisgut“, auf das die nunmehr „Zentralbanknoten“ lauten, nicht autonom erschaffen. Die Lösung für dieses Problem lag dann auch darin, die Goldeinlösepflicht für die Zentralbanknoten häppchenweise schlichtweg abzuschaffen, so daß nur noch die Banken die Probleme des Teilreservestandards bewältigen müssen. (Interessanterweise bezieht sich die Einhaltung des Teilreservestandards irgendwann nicht mehr auf das der Einlösung früher zugrundeliegende Zahlungsmittel Gold, sondern auf den gemeinsamen Zahlungsmittelstandard „Zentralbanknote“.) Daß die Abschaffung der Goldeinlösepflicht nicht aus einer rationalen Entscheidung entstand, sondern aus der schnöden Notlage, eine Bankrotterklärung der FED und damit des US-Staates abzuwenden, entbehrt nicht einer gewissen Komik, weil es sich hier zeigt, daß Entwicklungssprünge doch häufiger durch Zufälligkeiten entstehen, als durch menschliche Mehr-oder-weniger-Genialität. (Daß im Zuge dieser weggeschwafelten Bankrotterklärung die US-Politik daran ging, die Dollarnachfrage dadurch zu stabilisieren, indem sie die Dollarverwendung für die Abrechnung von Erdöllieferungen festklopften, steht auf einem anderen Blatt.)

Wenn man so will, besteht derzeit ein Finanzsystem, bei dem nur noch die Banken unter dem Regime eines Teilreservesystems operieren müssen, während die Zentralbank das Recht zur Emission der Reserven ausübt und darüberhinaus nicht mehr unter dem Druck steht, die emittierten Zentralbanknoten in einem externen Standard einlösen zu müssen. Im Gegenteil: die Zentralbank erschafft genau das Zahlungsmittel, welches den Standard für die Tilgung von Schuldverhältnissen darstellt. Diese „Schöpfung“ erfolgt auf dieselbe Art und Weise, wie früher die Kreditwechsel zur Kreditleihe erschaffen wurden: das nunmehr von der Goldeinlösepflicht befreite Geld wird statt durch die Buchung
Standardisierte Solawechsel an Solawechselumlauf
nunmehr in der Form
Kasse an (Zentral-)Banknotenumlauf
erzeugt, womit der Zahlungsmittelstandard (Bar-)Geld seine Spuren zur einstigen Kreditleihe zunehmend verwischt.

Die Entwicklung vom Warentauschmittel zum Geld beginnt mit einer juristischen Initialzündung, nämlich als die Verbriefung einer Goldeinlieferung den (eigentlich persönlichen) Lagerschein zu einer handelbaren Sache macht – weswegen Banknoten auch niemals Schuldscheine gewesen sind, u.a. weil das Verfahren zur Übertragung der von den Schuldscheinen dokumentierten Schuldverhältnisse – die Zession – viel zu umständlich ist. Die Weiterentwicklung des Lagerscheins zum (Kredit-)Wechsel, dessen standardisierte Kleinststückelung als Solawechsel, das Blankoindossament und schließlich die zentrale Emission durch eine Zentralbank macht auf einmal ein Finanzsystem unabhängig vom zugrundeliegenden Basisgut, wobei die Stabilität dieser Konstruktion erst dann vollständig gesichert ist, wenn die Zentralbanknote als „gesetzliches Zahlungsmittel“ kodifiziert ist und nicht mehr einer Umtauschverpflichtung in ein anderes Gut unterliegt. (Das ist dann auch der eigentliche Sinn der „Gesetzlichkeit“: dem Empfänger eine Einlösung dieses Zahlungsmittels in z.B. Gold verweigern zu können – das ist so wie Brücken hinter sich abbrechen.)

So entsteht Geld – erst als Kommunikationsinstrument über ein Warengeld, dann als Kommunikation über das Kommunikationsinstrument, wobei die Meta-Kommunikation der heutige (Geld-)Kredit ist!

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Bargeldloser Zahlungsverkehr? Echt?

Es beginnt wieder mal mit einem Blogposting auf Inside Paradeplatz an den dortigen Kommentator Roman Günter:

@Roman Günter

„Notenbankgeld ist Zahlungsmittel, für jeden, der über solches verfügt. Banknoten werden als Inhaberpapier direkt physisch übertragen. Girokontoguthaben werden per Auftrag an die Nationalbank übertragen…“

Zunächst einmal vielen Dank dafür, daß Sie darauf hinweisen, daß Notenbankgeld keine einheitliche Menge ist, sondern aus unterschiedlichen Dingen besteht.

Banknoten werden durch Einigung und Übergabe transferiert und sind damit den Inhaberpapieren gleichgestellt!, sind selbst aber keine Inhaberpapiere. Ein Inhaberpapier muß einen Forderungsinhalt haben und dieser existiert bei Bargeld nicht. Bargeld hat nur eine Funktion, nämlich daß dessen Übertragung fähig ist, eine Geldschuld zu tilgen. (Deswegen ist der „Wert“ von Geld auch nur eine emotional-intrinsische Attribuierung, die geldtheoretisch sofort auf eine falsche Fährte führt…)

Auf eine falsche Fährte wird man auch dann geführt, wenn es um das Verfahren der Überweisung geht, denn wie Sie schreiben, sollen ja „Girokontenguthaben … per Auftrag an die Nationalbank übertragen…“ werden können. Sie suggerieren dabei, daß es die Giroguthaben sind, die übertragen werden, so als wären diese eine übertragbare Sache. Aber das stimmt nicht, denn Giroguthaben sind Teil eines Schuldverhältnisses im Rahmen eines Zahlungsdienstleisterarrangements (auch bekannt unter Girovertrag) und als solche an die beteiligten Vertragsparteien gebunden. Man kann aber mit diesen Guthaben die Bank (SNB) veranlassen (anweisen im Sinne von befehlen) einen Geldtransfer durchzuführen.

Und das geschieht so:

Die Bank bucht wie bei einer normalen Auszahlung:
Giroguthaben UBS an Kasse
Giroguthaben im Soll, was bei Passivkonten eine Abnahme bedeutet und
Kasse im Haben, was bei Aktivkonten eine Abnahme bedeutet.
D.h. es handelt sich hierbei um eine simple Bilanzverkürzung, genau wie bei einer Auszahlung am Geldautomaten.

Dann folgt die „Überweisungsbuchung“:
Kasse an Giroguthaben CS
Kasse im Soll, was bei einem Aktivkonto einen Zugang bedeutet und
Giroguthaben im Haben, was bei Passivkonten einen Zugang bedeutet.
D.h. es handelt sich hierbei um eine simple Bilanzverlängerung, genau wie bei einer Einzahlung auf der Bank.

Heißt: der eigentliche Geldtransfer besteht aus einer buchungsmäßigen Auszahlung sowie einer gleichhohen Einzahlung, wobei das Guthaben des Zahlungspflichtigen in diesem Umfang gestrichen wird und damit untergeht, während es im gleichen Moment bei dem Zahlungseingangsberechtigten in demselben Umfang neu entsteht und sein Kontostand sich damit erhöht. Den Untergang von Guthaben einerseits und die Neuentstehung von Guthaben andererseits als eine „Übertragung … von Guthaben“ zu bezeichnen unterschlägt somit, daß die eigentliche Zahlungsabwicklung sich wie es sich gehört auf der Aktivseite abspielt, obwohl es nach Saldierung so aussieht, als hätte sich auf der Aktivseite nichts getan.

Und selbst Herr Meyer bestätigt ja, daß ein Zahlungsmittel nur ein Aktivum sein kann…

Ende des Postings von Inside Paradeplatz

Das ganze Durcheinander hinsichtlich der Frage, wie der elektronische Zahlungsverkehr genau erfolgt wird durch Formulierungen, wie durch den Art. 2 im Schweizer WZG erst richtig befördert:

Als gesetzliche Zahlungsmittel gelten:

a. die vom Bund ausgegebenen Münzen;

b. die von der Schweizerischen Nationalbank ausgegebenen Banknoten;

c. auf Franken lautende Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank.

https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19994336/index.html

Daß Banknoten Zahlungsmittel sind ist ja unstittig, denn die stehen ja auch auf der „richtigen“ Seite der Bilanz: auf der Aktivseite. Das gilt mit einer Einschränkung auch für die SNB, denn auch die SNB-Buchhaltung verfügt über ein Konto „Kasse“, welches zwischen den Bilanzzeitpunkten auch fleißig bebucht wird, zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung jedoch auf Null bereinigt wird (Notenumlauf an Kasse), weil ein positiver Kassenbestand bei der SNB die Vermögenslage zu groß ausweisen würde (netto spielt das natürlich keine Rolle). Um diesen Effekt bei der Erstellung der Bilanz herauszurechnen wird am Jahresende das Konto Kasse auf Null gesetzt, so daß es in der Jahresbilanz nicht auftaucht. Man sollte daraus nicht den Schluß ziehen, bei der SNB (wie bei jeder anderen Zentralbank auch) gäbe es keine Kasse – und ob es die gibt!

Nun rechnet das WZG die Giroguthaben der Banken (bei der SNB) zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln und meint damit die Aktiveinträge „Forderungen gegen die SNB“, die sich bei den Banken befinden. Das hat nur ein Problem, denn diese Aktiveinträge sind lediglich eine Referenz, denn sie beziehen sich auf die Passiveinträge bei der SNB und diese stehen hinsichtlich einer Zahlungsmitteleigenschaft schlichtweg auf der falschen Bilanzseite. Die Auflösung dieses Widerspruchs liegt darin, zu erkennen, daß die Forderungen gegen die SNB in Wahrheit Dispositions- oder Weisungsrechte sind, womit die Banken die SNB veranlassen können zu ihren Gunsten entweder Bargeld auszuzahlen, oder einen Transfer von Bargeld vorzunehmen, dessen Funktionsweise sich in dem oben zitierten Posting nachlesen läßt.

Das heißt: es handelt sich bei einer Überweisung der UBS zur CS, welche durch die SNB abgewickelt wird, um eine Operation des papierlosen Bargeldverkehrs und nicht um den sagenumwobenen bargeldlosen Zahlungsverkehr. Das stimmt dann nämlich auch mit dem Grundsatz, daß nur ein Aktivum ein Zahlungsmittel sein kann überein, heißt aber auch, daß die SNB für die Durchführung einer Überweisung keine anderen Vermögenswerte braucht, als ihre eigenen (virtuellen) Banknoten. Letztere könnte eine Zentralbank in jedem beliebigen Umfang in ihrer Kasse aktivieren – deswegen ist es ja eine Zentralbank – ohne auf andere Vermögenswerte angewiesen zu sein. Ich vermute mal, daß die SNB es sogar vermeiden wird auch nur eine Millisekunde mit einem negativen Kassenbestand zu operieren, so daß für die Abwicklung derartiger Kassenzahlungen eine Ausgleichsbuchung eingefügt wird, die den Kassenbestand auf die erforderliche Auszahlungshöhe bringt, damit die virtuelle Auszahlung erfolgt und der entsprechende Betrag, nach der virtuellen Einzahlung wieder gegen den virtuellen Notenumlauf neutralisiert wird. (Oder man deklariert ein Kassenkonto als Transitkonto, wo sich niemand wundert, daß es für eine Millisekunde ins Minus rutscht…) Auf jeden Fall wird – auch bei Zentralbanken – die Zahlung auf der Aktivseite vollzogen, so daß eine Formulierung, welche die Passiveinträge „Guthaben“ zu Zahlungsmitteln erklären will, aus logischen Gründen zum Scheitern verurteilt ist.

Dieser Befund, daß es sich beim Überweisungsverkehr im Grundsatz um einen papierlosen Bargeldverkehr handelt ist natürlich nicht auf die SNB beschränkt, auch wenn hierbei das zentrale Mißverständnis, irgendeine lustige „Zirkulation von Einlagen“ als Zahlungsverkehr zu stilisieren, im Art. 2 des WZG besonders schön zum Ausdruck kommt. Auch wenn sich Zentralbanken viel darauf zugute halten den Zahlungsverkehr elektronisch abzuwickeln: es geht kein Weg daran vorbei zu registrieren, daß nach dem ganzen „clearing“, welches im Wesentlichen nur die Redundanzen des Zahlungsverkehrs beseitigt, das „settlement“ in letzter Konsequenz stets über das Kassenkonto der Zentralbank abgewickelt wird. Dafür, daß diese Operation papierlos erfolgen kann ist die zentrale Eigenschaft einer Zentralbank, nämlich jede Verbindlichkeit, die auf den Standard lautet, welchen sie selbst emittieren kann, in jeder beliebigen Höhe in Bargeld auszahlen zu können, verantwortlich. Genau aus diesem und nur aus diesem Grund ist es legitim, die Bargeldauszahlung und -einzahlung durch einen virtuellen Prozeß zu substituieren. (Im Umkehrschluß heißt das natürlich auch, daß bei einer Abschaffung des Bargeldes eine Zentralbank automatisch zahlungsunfähig wird! Eine simple Erkenntnis, die allerdings in manche Köpfe nicht reingeht…)

Bleibt eigentlich nur noch die Frage übrig, warum es angemessen ist, die Buchungen auf dem Kassenkonto einer Zentralbank als Bargeldverkehr zu bestimmen. Denn das, was Bargeld ist, wird ja in diesem Zusammenhang nicht wirklich bewegt oder transferiert. Im Grunde genommen hängt das damit zusammen, daß auf einem Kassenkonto definitionsgemäß Bargeldein- und -auszahlungen gebucht werden und der Saldo den Kassenbestand angibt. Nun ist es ja so, daß bei derartigen Buchungstransaktionen von vornherein feststeht, daß der Saldo der vorzunehmenden Transaktionen gleich Null ist und somit der Kassenbestand nach Abschluß aller Buchungen genauso hoch ist wie vorher, die Zentralbank als Zahlungsdienstleister also keine Kassendifferenz buchen muß und damit von vornherein eine physische Bewegung von Banknoten entbehrlich wird. Die Rechtskonstruktion, welche das ermöglicht, daß dadurch die korrespondierenden Forderungen/ Verbindlichkeiten als ausgegelichen angesehen werden können, setzt voraus, daß es sich hierbei um gleichartige, miteinander verbundene Operationen handelt, welche dann analog zu dem Prinzip der Aufrechnung behandelt werden können. Bei Aufrechnungen ist es so, daß die betreffenden Forderungen tatsächlich als bezahlt gelten, es sich also – im Unterschied zur Leistung an Erfüllung statt – hierbei um einen Zahlungsvorgang handelt, bei dem man sich lediglich erspart, dieselbe Geldsumme hin- und herzutransferieren. Genau das wird durch die papierlose Bargeldbuchung abgebildet, so daß es sich hierbei nicht um eine fiktive, sondern um eine tatsächliche wenngleich virtuelle Zahlungsoperation handelt.

Fazit: man mag es ein wenig als gekünstelt ansehen, daß die SNB als Zahlungsdienstleister der UBS und die SNB als Zahlungsdienstleister der CS quasi sich selbst gegenübersteht und die Verpflichtung zur Auszahlung und die Forderung der Einzahlung mit sich selbst verrechnet – und dadurch zahlt. Das mag auf den ersten Blick recht umständlich aussehen, gewährt aber dann, wenn man sich klar macht, daß genau hier die Wurzel des modernen Zahlungsverkehrs liegt, einen Einblick in die Operationsstruktur des gegenwärtigen Zahlungssystems. Das ist der Vorteil, wenn man sich analytisch und nicht mythisch den Basisprozessen des Zahlungsverkehrs nähert, wobei letzten Endes klar wird, daß auch im Zentralbankwesen hauptsächlich mit Wasser gekocht wird…

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftstheorie

Wer hat´s erfunden…?

Wie sich Gedanken und Ideen entwickeln ist vermutlich nicht wirklich prognostizierbar, was man jedoch auf jeden Fall vermeiden sollte ist, Gedanken, die man für verspinnert hält, von vornherein als Unfug abzutun. Manchmal ist ein unsichtbarer Aspekt dabei, der erst auf den zweiten oder dritten Blick seine Bedeutung erlangt.

Regelmäßige Leser von Inside Paradeplatz werden wissen, daß dort Marc Meyer von Zeit zu Zeit eine Kolumne veröffentlicht, in der er die Politik der SNB kritisiert. Dabei werden auch gelegentlich theoretische Vorbehalte geäußert, die sich mit der Frage der Zahlungsfähigkeit der SNB beschäftigen. Anläßlich einer derartigen Diskussion (die manchmal auch in ein zänkisches Hin und Her ausartet) habe ich folgenden Beitrag zur Sache beigesteuert:

https://insideparadeplatz.ch/2018/09/19/unsere-nationalbank-befeuert-dax-und-wallstreet-statt-smi/#comment-228590

„Also Herr Meyer,

wenn Sie schreiben:

„Wenn die SNB dem Konto der UBS „gutschreibt“ so bedeutet das nicht, dass die SNB ihre Schuld gegenüber der UBS begleicht, sondern, dass sie im Gegenteil eine Schuld eingeht.

Die Behauptung, eine Gutschrift bedeute eine Begleichung der Schuld, ist ein Fundamentalirrtum, den SNB-Chef Jordan begeht und den auch Sie, Herr Müller, begehen.“

dann gibt es ja immerhin einen Aspekt darin, der es wert ist, beleuchtet zu werden. Das betrifft nämlich die Geschichte, daß bei einem Kaufvertrag die Gegenleistung nicht erbracht ist, wenn es sich dabei lediglich um ein Versprechen handelt, diese Gegenleistung (irgendwann) mal zu erbringen. Nun wird ja allenthalben die Gutschrift auf einem Konto als „Zahlung“ angesehen, obwohl es sich dabei ja wie gesagt lediglich um ein Versprechen handelt. Dennoch existiert eine Wirkung dieser Gutschrift, nämlich daß sie es vermag die Forderung aus einem Kaufvertrag zu begleichen, wenn diese Forderung darin besteht, daß der Leistungsempfänger einen Zuwachs seiner Dispositionsrechte gegenüber seiner Bank, genannt Gutschrift, erhalten will. Denn die Sache ist ja die, daß die Klausel: „Zahlen Sie auf Konto…“ im Grunde genommen eine Unmöglichkeit darstellt, weil man AUF ein Konto nicht zahlen kann, denn Zahlung bedeutet exakt die Übertragung des Schuldgegenstandes, was wie Sie ja auch gelegentlich anmerken, immer nur ein Aktivum sein kann. Dennoch ist die Rechtswirkung einer Kontogutschrift die, daß dadurch der Kaufvertrag endgültig finalisiert wird und keine Einwendungen aufgrund von Zahlungsstörungen erhoben werden können – die Forderung gilt als bezahlt, auch wenn der Forderungsberechtigte kein Geld erhalten hat!

Dies gilt auch im Fall der SNB, weil diese eine Rechnung durch eine Gutschrift begleichen kann, ohne daß im Moment der Gutschrift eine Zahlung erfolgen würde. Insofern bleibt die SNB immer noch verpflichtet, jedoch nicht mehr aufgrund von Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung, sondern aufgrund einer Schuldzusage im Rahmen eines Zahlungsdienstleister-Arrangements. Heißt: die SNB hat mit der Gutschrift ihre Verpflichtung aus dem Kaufvertrag erfüllt, wobei die tatsächliche Zahlung letzten Endes noch aussteht.

Und an diesem Punkt wird es dann komisch, weil im WZGesetz steht, daß Sichtguthaben bei der SNB als gesetzliche Zahlungsmittel gelten. Sie weisen ja auch gelegentlich darauf hin, daß ein Zahlungsmittel nur ein Aktivum sein kann, so daß man eine Gutschrift nicht als Zahlung ansehen kann, weil halt eine Zahlung die Übertragung des vereinbarten Schuldgegenstandes ist. Man kommt nicht umhin die Passage:
„Auf Franken lautende Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank müssen von jeder Person, die dort über ein Konto verfügt, unbeschränkt an Zahlung genommen werden.“
dahingehend zu interpretieren, daß da eigentlich stehen müßte:
Auf Franken lautende Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank müssen von jeder Person, die dort über ein Konto verfügt, unbeschränkt anSTELLE EINER Zahlung genommen werden.
Durch eine derartige Formulierung würde klar, daß es sich bei einer Gutschrift nie und nimmer um eine Zahlung handeln kann, weil man damit die Absicht etwas zu tun (Zahlungsversprechen) mit deren tatsächlichen Durchführung (Zahlung) völlig unbedarft in einen Topf rührt.

Wenn man sich so umsieht stellt man fest, daß ausgerechnet diese Passage von den meisten Leuten völlig unvoreingenommen als wahr und richtig angesehen wird, obwohl dort eine kategorielle Verwechslung geschieht, es sei denn, die Klausel „…an Zahlung…“ soll bedeuten: „…anstelle einer Zahlung…“. Sollte von den Gesetzgebern letzteres gemeint sein, wäre das WZG wieder korrekt, jedoch in gröblichster Weise mißverständlich formuliert, wobei man sich fragen kann, warum eine derartige Verklausulierung gewählt wurde. Stellt man die Geschichte jetzt vom Kopf auf die Füße gelangt man zu der Schlußfolgerung, daß eine Gutschrift, selbst der SNB, KEINE Zahlung ist, so daß auch die Setzung aus Art. 2 Ziff. c, daß Sichtguthaben bei der SNB gesetzliche Zahlungsmittel seien, als unrichtig zu bezeichnen ist. Mit einem Passivum kann man halt nun mal nicht zahlen, ob das nun im Gesetz steht oder nicht ist völlig belanglos!

Für dieses Durcheinander kann aber die SNB (direkt) nichts, so daß es müßig ist die SNB für Dinge verantwortlich zu machen, die sie nicht ursächlich mitfabriziert hat. Vielleicht verlegen Sie sich besser darauf, das WZG ins Kreuzfeuer zu nehmen, damit treffen Sie dann tatsächlich einen wunden Punkt.“

Ende Blockbeitrag „Inside Paradeplatz“……

Nun soll es an dieser Stelle nicht um die Kuriositäten gehen, die sich in der Schweizer Geldverfassung finden, sondern um die Bedeutung des Umstandes, daß das, was gemeinhin oberflächlich als „Zahlung“ bezeichnet wird, mit dem, was eine Zahlung tatsächlich ist, nichts (ja: nichts!) mehr zu tun hat, weil sich der Wirtschaftsverkehr schon seit langem auf einen anderen modus operandi geeinigt hat, dessen Existenz von den Methusalem-Professoren immer noch strikt geleugnet wird. Um das zu verstehen, muß man noch ein wenig in den Feinheiten dessen herumwühlen, was immer so schön als „Zahlungsverkehr“ oder virtueller Zahlungsausgleich präsentiert wird.

Denn:
Bei der ganzen Geschichte muß man die in dem Kommentar angesprochene Kleinigkeit beachten, wo es um die Frage geht, wann ein Kontrakt erfüllt ist bzw. welche Konsequenzen sich aus dem Umstand ergeben, daß die „Gegenleistung“, die üblicherweise eine „Geldleistung“ sein soll, durch eine Gutschrift ersetzt wird. In der Literatur wird dieser Problemkreis unter der Überschrift „Leistung an Erfüllung statt“ diskutiert, obwohl wie hier bereits argumentiert wurde, durch die Klausel „Zahlen Sie auf Konto…“ eine Geldzahlung von dem Anspruchsteller überhaupt nicht erwartet wird und gewissermaßen durch die Verwendung dieser Formulierung ausdrücklich ausgeschlossen wird.

Das was erwartet wird ist ein Zuwachs an Dispositionsrechten gegenüber dem kontoführenden Zahlungsdienstleister, wodurch die Forderung aus einem z.B. Kaufvertrag endgültig erlischt – denn das ist ja genau die Absicht der (fehlerbehafteten) Formel „Zahlen Sie auf Konto…“. Das hat ganz interessante Folgen in dem Fall, wenn Zahlungsverpflichteter und Gutschrifterteilender die gleiche juristische Person (wie z.B. die SNB) sind. Nehmen wir mal den einfachsten Fall und unterstellen, die Zentralbank würde ein Kilogramm Gold von einer Bank, die bei ihr ein Konto besitzt, kaufen. Zunächst ist die Sachlage ja so, daß die Geschäftsbank zur Lieferung von 1 Kilogramm Gold verpflichtet ist, während die Zentralbank zur Lieferung des Kaufpreises in Geld verpflichtet ist. Es handelt sich hierbei um zwei Übertragungsverpflichtungen, wobei es sich hierbei um Lieferverpflichtungen oder besser gesagt um Bringschulden handelt. Bringschulden zeichnen sich im wesentlichen dadurch aus, daß der Verpflichtete dafür Sorge trägt, daß die versprochene Leistung auch zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt zum Empfänger gelangt. Die Leistung – die Goldlieferung – muß von der Geschäftsbank veranlaßt werden und eigentlich müßte die Zentralbank auch dahingehend aktiv werden, daß der Geldbetrag in bar zu dem Verkäufer gelangt. Das wäre tatsächlich eine Zahlung!

Nun besitzt ja die Geschäftsbank ein Konto bei der Zentralbank und beide Vertragsparteien kommen darüber überein, daß nicht die Begleichung des Kaufpreises an den Anspruchsberechtigten, sondern eine Gutschrift der Zentralbank auf dem Konto der Geschäftsbank erfolgen soll. Genau diese Vereinbarung hat die rechtstechnische Folge, daß der Kaufvertrag über das eine Kilogramm Gold als von beiden Seiten erfüllt angesehen wird und damit eine rechtliche Finalisierungswirkung eintritt, die es verhindert, daß der Verkäufer irgendwelche Einwendungen wegen Zahlungsstörungen geltend machen kann. Der Kaufvertrag ist erfüllt, die Geschäftsbank hat das Gold geliefert und die Zentralbank hat die – vereinbarte – Gutschrift erteilt.

Die Erteilung einer Gutschrift hat aber nun eine interessante Rechtswirkung, weil die eigentliche Gegenleistung, welche aus einer Übertragung des gesetzlichen Zahlungsmittels besteht (direkt gesagt: die Übergabe der entsprechenden Summen Bargeldes) und die ja von dem Verkäufer zugunsten einer Gutschrift auf seinem Konto umgewandelt wurde, ja letzten Endes noch nicht erbracht worden ist, denn eine Gutschrift ist ja nichts anderes als eine Absichtserklärung (irgendwann) mal zu zahlen. Eine Gutschrift ist aber erst dann möglich, wenn zwischen den beiden Parteien ein Kontokorrent-Arrangement existiert, dessen Inhalt es ist, daß darauf Gutschriften und Belastungen dokumentiert und als Saldo ausgewiesen werden. Dazu muß man wissen, daß dies im Rahmen eines Zahlungsdienstleistungsrahmenvertrages passiert, was zur Folge hat, daß eine Gutschrift für den Begünstigten einen Zuwachs seiner Dispositionsrechte über Geld bedeutet. Er hat zwar keine Zahlung im Sinne der Übergabe des vereinbarten Geldbetrages erhalten, sondern – Dispositionsrechte. Genau dies hat aber einen entscheidenden Einfluß auf die Art des Schuldverhältnisses zwischen Käufer und Verkäufer, weil die eigentliche Forderung aus dem Kaufvertrag nunmehr zu einem Schuldverhältnis im Rahmen eines Zahlungsdienstleister-Arrangements geworden ist, bei dem die Art der Forderung sich fundamental gewandelt hat: aus der Bringschuld der Zentralbank ist auf einmal eine Holschuld des Verkäufers geworden, die, um eine Zahlung auszulösen, den Verkäufer verpflichtet eine Handlung vorzunehmen, die zu einem Zahlungsvorgang zu seinen Gunsten führt! Der Grund dafür ist, daß durch die Übertragung der Kaufvertragsschuld in eine Zahlungsdienstleisterschuld die Grundlage der Zahlungsbedingungen geändert sind, weil sich der Verkäufer für ein Optionsrecht entschieden hat und nicht für die finale Zahlung, die letzten Endes nur durch eine Übergabe von Bargeld erfolgen kann. Da aber der Zahlungsdienstleister keine Handhabe besitzt, den Anspruchsberechtigten zu einer Geltendmachung seiner Ansprüche zu zwingen, verkehrt sich die Verpflichtungsrichtung, was die Initiative zur Erfüllung des (ursprünglichen) Zahlungsanspruches angeht. Diese Verkehrung der Initiativrichtung ist auch der Grund dafür, daß eine Bank ihre Leistungsschuld aus einem Kreditvertrag schon dann erfüllt hat, wenn sie dem Kreditnehmer die Möglichkeit eingeräumt hat, über den vereinbarten Betrag verfügen zu können – genauer: wenn sie die Gutschrift auf dem Konto erteilt hat, welches von dem Zahlungsdienstleister aufgrund eines Zahlungsdienstleistungsrahmenvertrages geführt wird. Auf gut Deutsch: der Kreditvertrag ist seitens der Bank durch die Erteilung einer Gutschrift erfüllt, obwohl allein dadurch noch keine Zahlung seitens der Bank erfolgt ist.

Im Grunde genommen muß man diese Verkehrung der Initiativverpflichtung dahingehend interpretieren, daß es sich hierbei um eine institutionalisierte Vorkehrung handelt, die Leistungsverträge zu finalisieren und die Frage des letztlichen Liquiditätsausgleichs auf eine andere Ebene zu verlagern, die nicht durch die Unmittelbarkeit der Kaufvertragsebene beschränkt wird. Denn hier wird letztlich der Geldannahmezwang (Für Kenner: auch der Annahmeverzug des Gläubigers ist eine Leistungsstörung!) für den Verkäufer in eine Gelddispositions-Option umgewandelt, wodurch der (reale) Leistungsverkehr von dem Vorbehalt, daß irgendwas im Zahlungsverkehr schief laufen könnte, befreit wird, womit für den Leistungsverkehr ein Grad von Rechtssicherheit erzeugt wird, indem eigentlich noch nicht erhaltene Geldzahlungen nicht den finalen Abschluß des Kaufvertragsvorganges verhindern und gleichzeitig eine Flexibilität bei der Inanspruchnahme der erhaltenen Dispositionsrechte erzeugt wird. (Deswegen ist der „Eigentumsvorbehalt bis zur endgültigen Bezahlung des Kaufpreises“ stets ein „Extra“ in den Zahlungsbedingungen.) Wenn man so will ist das eine Rechtskonstruktion, die derjenigem beim Wechsel ähnelt, wo ja auch der Zahlungsanspruch von dem zugrundeliegenden Grundgeschäft abgetrennt wird, und die Wechselforderung als abstraktes Wertpapier fortan ihr Eigenleben führt, bis sie dann am Verfallstag zu einer Zahlung oder einer Gutschrift führt.

Die Abtrennung der Zahlungsverpflichtung von dem zugrunde liegenden Grundgeschäft hat noch einen anderen Aspekt, welcher im wesentlichen den vorsintflutlichen ökonomietheoretischen Grundsatz betrifft, als ökonomisch nur die Dispositionen über reale Güter und Ressourcen anzusehen. Denn anders, als es die etablierte („verstaubte“ wäre als Qualifizierung angemessener) Ökonomie will, hat sich der Geschäftsverkehr schon längst davon entfernt, die Disposition über reale Güter als zentrales Erfolgskriterium zu interpretieren. Der letzte Versuch in dieser Hinsicht war das System der „material-technischen Versorgung“ der DDR, welches trotz aller Widrigkeiten der DDR immerhin seinerzeit den 10. Platz in der Weltrangliste der erfolgreichsten Staaten der Welt beschert hat. (Das hat allerdings nicht verhindert, daß Honecker bei Strauß um DM betteln mußte.) Wenn man nicht gänzlich vernagelt ist, wäre das schon mal ein Grund die Grundlagen der ökonomietheoretischen Methodik grundsätzlich mal zu überdenken. Denn wenn man sich so umschaut ist die Abtrennung des Finanzprozesses von der realwirtschaftlichen Motivation ein durchdringendes, ja fast universelles Merkmal der Operationsweise heutiger Wirtschaftspraxis.

Letzteres betrifft insbesondere die Geschichte mit dem Geld, welches zwar in früheren Jahrhunderten mit einem i.d.R. Goldgewicht identifiziert wurde, heutzutage allerdings nicht mehr und nicht weniger vermag als eine Funktion auszufüllen, die darin besteht, eine in eben diesem Standard bemessene Schuld tilgen zu können. Das heißt, daß Geld von seiner ursprünglichen Konstruktion, nämlich als ein Anrecht auf ein bestimmtes Realobjekt zu fungieren, entkleidet wurde, weil man nämlich im Laufe der Zeit gemerkt hat, daß die Bindung an ein konkretes Objekt mit den Notwendigkeiten des Wirtschaftslebens immer mehr in Konflikt geraten ist. (Deswegen kam Gold zu der unschönen Bezeichnung ‚barbaric relict‘!) Die Erkenntnis, daß eine Bindung an ein konkretes Objekt für Geld völlig überflüssig ist, kam aber erst dann auf, als es sich zeigte, daß der Verschuldungsgrad der Wirtschaft Grund genug dafür war, daß dem Geld insofern ein Wert zugemessen wurde, weil es die (in Geld verschuldeten) Akteure dazu zwang zur Abwehr von Vermögenseinbußen reale Leistungen für ein an und für sich „wertloses“ Stück Papier anzubieten. Damit verkehrte sich jedoch die ökonomische Motivationslage, denn fortan ging es nicht mehr primär um Bedürfnisbefriedigung, sondern um das Verdienen von Geld. Romantiker behaupten zwar immer noch, daß ja die Jagd nach Geld nur Mittel zum Zweck sei. Das mag zwar im Einzelfall noch zutreffen, spielt aber dann keine Rolle mehr, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Modellprämisse zur Abbildung der Vorstellung von Ökonomie (das nennt man dann ökonomische Theorie) besser geeignet ist: das Wertverhältnis von Hirsch und Biber (Adam Smith) oder die vergleichsweise schnöde Kalkulation über eine künstliche Entität, die den unschlagbaren Vorteil hat den niemals erfaßbaren Komplexitätsgrad des ökonomischen Universums auf ein handhabbares Maß zu reduzieren.

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Hommage für Kruschwitz

Nun, so eine Hommage, wie man sie kennt und üblicherweise fürchtet, wird das hier nicht. Das sollen ruhig diejenigen machen, die sich dafür für besonders prädestiniert halten. Die Ehrerweisung, die sich hier wiederfindet beruht auf einer Aussage, die man getrost als die zentrale Definition eines geldwirtschaftlichen Systems ansehen kann. Es handelt sich hierbei um den Satz über die Investition:

„Eine Investition ist eine Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung anfängt!“

Der Charme dieser eigentlich so nüchternen Aussage liegt darin, daß sie das Grundmuster des geldwirtschaftlichen Prozesses adressiert und sich nicht mit irgendwelchen schöngeistigen Erwägungen aufhält, wie denn die Wertverhältnisse das Auf und Ab des „Weltprozesses Ökonomie“ beeinflussen würden oder vielleicht auch nicht. Die Qualität dieser Aussage begründet sich daraus, daß sie es ermöglicht die Opposition gegenüber dem werttheoretischen Paradigma in besonderer Weise zu akzentuieren, wodurch es möglich wird darüber den gnädigen Mantel des Vergessens auszubreiten und den gewissermaßen „harten Kern“ der Geldwirtschaft herauszuschälen. Mit diesem Grundansatz tritt das geldwirtschaftliche Prinzip, daß es zu einem Überschuß der (Perioden-)Erlöse über die der betrachteten Periode zugerechneten Kosten kommen muß, in seiner ganzen Nüchternheit zu Tage. Wie man weiß ist das Erfordernis des (vermeintlichen) Mehr-Geld von Marx zwar aufgegriffen, aber der Nachwelt dann als ungelöstes Problem hinterlassen worden. Die Antwort darauf ist hier in dem Beitrag:

https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/

erläutert worden, so daß ein Verweis darauf an dieser Stelle genügt.

Und auch wenn in dem angegebenen Beitrag der Hinweis auf Kruschwitz bereits vorhanden ist, ist der eigentliche modelltheoretische Akzent, der seiner Vision von einer geldwirtschaftlichen Ökonomie in besonderer Weise entspricht, erst durch eine Veränderung des Erklärungsinhalts des oben angegebenen Modells entstanden. Der originäre Erklärungsanspruch bestand ja daraus, der vielkolportierten These entgegenzutreten, daß ja „der Zins nicht mit dem Kredit erschaffen werde“ und deswegen es zu exponentiell anwachsenden Kreditvolumina kommen müsse. Dann änderte sich das Erklärungsziel: zunächst ging es nur um die Frage, wie man in ein solches Modell eine Rückkoppelung der „Nachfragedifferenz“ mit der daraufhin erfolgenden Investition integrieren kann. Das führte dazu, daß die Notwendigkeit entstand eine Konstruktion zu finden, die nicht nur die Investition in ihrem Entstehungszeitpunkt abbildet, sondern auch den damit verbundenen zeitlich versetzten Folgeprozeß – die Zahlungsreihe. Dieser Folgeprozeß besteht namentlich aus den für die Laufzeit der Investition zu erbringenden Lohnzahlungen, sowie die Berücksichtigung der Kredittilgungsbeträge, denn nach der „Auszahlung“ sind ja die ausgezahlten Geldbeträge durch den Umsatzprozeß wieder „hereinzubekommen“. Die technische Lösung dieses Problems zeitversetzte Zahlungen in die Modellstruktur zu integrieren liegt darin „Zahlungsketten“ zu erzeugen, die nichts weiter tun, als die vorgesehenen Zahlungen zu dem vorgesehenen Zeitpunkt in das System zu übergeben. Abschreibung ist ja bei einem 10-periodigen Investitionsprozeß nichts anderes, als eine 10-malige Tilgung von 10% des Kreditbetrages (die fälligen Zinsen werden dabei aus dem Gewinn gezahlt und schmälern ihn dementsprechend).

Das Ergebnis dieser Modelländerungen wird durch die Modellgraphik skizziert: im Zentrum stehen die Bestandskonten, deren Ein- und Ausgänge die zeitliche Struktur definieren. Der zentrale Input dieser Bestandskonten ist die Investition, welche sich aus saldenmechanischen Gründen einmal als Zugang zu Verbindlichkeiten auf dem Unternehmenskreditkonto sowie als Zugang zum Haushaltskonto einerseits und dem „Ressourcen“-Konto andererseits wiederfindet. (Letzteres wird in erweiterten Modellkonstruktionen dann zur Produktion von Produktionsmitteln.) Jede Investition erzeugt für die Dauer ihres Bestehens zwei zeitlich gestaffelte Zahlungsreihen, welche sukzessiv die Bestandskonten verändern: zum einen die Lohnzahlung, die nach der Anfangszahlung aus dem Unternehmenskonto (aus dem Umsatzprozeß) erfolgt, zum anderen die Kredittilgung, die sowohl einen Abgang vom Kreditkonto als auch vom Unternehmenskonto bewirkt. Damit wird der Umstand in das Modell integriert, daß jede Investition einen zeitlichen Nachlauf hat, der ausgehend von der ursprünglichen Geldausgabe das weitere Procedere während der Laufzeit des Investitionsprojekts mitgestaltet und damit auch einen Folgeeinfluß auf nachgelagerte Perioden ausübt. (Das heißt natürlich nicht, daß es nicht auch noch weitere Zahlungsreihen geben könnte, welche mit einer Investition verbunden sind, aber um das geldwirtschaftliche Funktionsprinzip zu illustrieren genügt es sich auf zwei Zahlungsreihen zu beschränken.)

Der Rückfluß des ausgezahlten Geldes wird von der Summe der Konsumentscheidungen bestimmt, die dann als ‚effective demand‘ in einem Zuge die Unternehmenskasse wieder auffüllen. Der ‚effective demand‘ wird dann verglichen mit dem ‚money demand‘, der nichts anderes darstellt, als der periodisierte Aufwand, erhöht um einen ‚mark-up‘, der im Grunde eine Gewinnrate darstellt und (im Durchschnitt) dafür sorgt, daß die Periodenerträge höher sind als die periodisierten Aufwendungen, die hier aus Kapitalkosten, repräsentiert durch die fällige Kredittilgung, und Lohnkosten bestehen. Die Differenz zwischen dem unternehmerischen Erlösziel und dem realisierten Umsatz liefert dann als ‚demand gap‘ diejenige Einflußgröße, welche je nach Vorzeichen und Volumen eine Verringerung der Investition oder deren Erhöhung zur Folge hat.

Startet man nun das Simulationsmodell ergeben sich je nach gewählter Konstellation der Konsumparameter und der Sensitivität der Investition auf die Nachfragedifferenz natürlich unterschiedliche Verläufe, unter anderem auch der hier abgebildete Verlauf, welcher eine harmonische Einschwingung auf ein langfristiges Gleichgewicht suggeriert, obwohl diese „Kurven“ nur aus diskreten Einzelwerten sich ergeben. Aber – Ökonomie ist ja ohnehin keine stetige Veranstaltung, sondern durch Zahlungsoperationen geprägt, die halt nur von Zeit zu Zeit stattfinden. Man kann diesen Verlauf auch im Grunde in den Graphiken zum Einkommensmultiplikator erblicken, wo ja bei gegebener Steigung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage einen iterativer Prozeß zum Gleichgewicht beschreiben wird – und zwar von oben und unten. Die Geschichte sieht dabei bekanntermaßen etwa so aus:

Zu beachten ist an dieser Stelle jedoch, daß das Einschwingen auf einen Gleichgewichtspfad mit einem Über- bzw. Unterschießen einhergeht, was durch den Nachlauf, den jede einzelne Investition erzeugt begründet ist, so daß der entsprechende Verlauf schematisch in etwa so dargestellt werden müßte:

Das Interessante dabei ist, daß diese konvergenten Schwingungen bei simplen Konsumfunktionen – hier mal mit einem Parameter von 0,8 vorgegeben – entstehen, während die Reaktionsfunktion der Investition zwar wie eine ertragsgesetzliche Kurve aussieht, die relevanten Werte jedoch weitgehend im „linearen“ Teil dieser S-Kurve angesiedelt sind. (y = f(x) bedeutet: investment = f(demand gap) )

Wie auch immer man nun im einzelnen die Spezifikationen setzt, entscheidend an dieser Modellkonstruktion ist, daß der zentrale Impulsgeber die Investition ist, ohne die das ganze System nicht ins Laufen kommt, die zwar den Variationen einer Einflußgröße folgt (letztlich sind es die erwarteten zukünftigen Erträge, die „nur“ bedingt, aber eben auch, etwas mit aktuellen Umsatzerfolgen zu tun haben), jedoch durch den Anfangsimpuls und den subsequenten Zahlungsreihen das Geschehen einer Geldwirtschaft maßgeblich bestimmt. Natürlich öffnet sich auch an dieser Stelle die Möglichkeit staatlicher Beeinflussung, so daß dem Drang nach Erweiterung des Modells keine Schranken gesetzt sind.

Von daher kann man die quasi-historische Formulierung von Kruschwitz nicht hoch genug einschätzen, ist sie doch das zentrale Leitbild eines (und auch dieses) Modells einer Geldwirtschaft, die sich durch die Fokussierung auf die monetäre Seite von Ökonomie von der Vorstellung befreit, daß es die individuellen Entscheidungen der Haushalte – namentlich die Entscheidung zu arbeiten oder eben nicht – wären, die für das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität und deren konjunkturelle Schwankungen verantwortlich zeichnen würden. Eingebettet in ein dynamisches Modell einer monetären Ökonomie läßt sich dieses Bonmot als ein paradigmatischer Fingerzeig verstehen, wohin die intellektuelle Reise gehen muß, wenn man irgendwann zu einer befriedigenden alternativen Konzeptionalisierung von Ökonomie gelangen will, die nicht die gesamte Palette „heroischer“ Annahmen teilen möchte, wie sie für die Theorie des allgemeinen Gleichgewichts und deren Wurmfortsatz erforderlich sind.

Eine Skizze dieser paradigmatischen Überlegungen wurde hier vor einiger Zeit bereits präsentiert:

https://soffisticated.wordpress.com/2014/09/24/nachgedacht-monetare-markttheorie/

Darin heißt es:

Begreift man also Marktwirtschaft als ein monetäres System, dann handelt es sich hierbei um eine Rückkoppelungsschleife, bei der es einen unabhängigen Pol und einen abhängigen Pol gibt. Der unabhängige Pol ist die Seite der Investition, die abhängige Seite ist die Seite der Einkommensverwendung, weil diese erst entsteht, wenn investiert worden ist. Das heißt aber wiederum, daß auf der einen Seite die Investition die zentrale Bestimmungsgröße für das Einkommen darstellt und der Konsum damit mittelbar von der Investition abhängig ist, während andererseits die Geldnachfrage auf dem Warenmarkt (= der Markt zur Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels) ebenfalls von der (zeitlichen Struktur der) Investition bestimmt wird.

Der entscheidende Unterschied zum Romantizismus des ökonomischen ‚mainstream‘ besteht darin, daß hier die Dispositionen über eine abstrakte Entität darüber entscheiden, wie hoch der Aktivitätsgrad in einer Ökonomie ist und nicht das Wertverhältnis von Hirsch und Biber (Adam Smith). Und ebenso muß das Konzept „Markt“ vom Kopf auf die Füße gestellt werden, indem herausgearbeitet wird, daß Geld als Maß des Erfolgs beide Pole eines geldwirtschaftlichen Systems bestimmt. Wenn man so will hat der Keynesianismus, der sich hauptsächlich auf den Pol der Geldnachfrage – also die Seite, auf der Waren eingesetzt werden, um Geld zu attrahieren – konzentriert hat, die Interaktion mit der Geldentstehungsseite vernachlässigt, dennoch aber es hinbekommen zumindest die eine Seite in eine breit kommunizierbare Form zu packen, die in direkte Konkurrenz mit dem „Fadenkreuz“ von Angebot und Nachfrage tritt. Im Unterschied zu der auf mikroökonomische Bedingungen beschränkten Konzeption von Angebot und Nachfrage wird hier von vornherein darauf Bezug genommen, daß es eine makroökonomische Budgetrestriktion gibt, die von Entscheidungen über das Eingehen von Geldkontrakten (mit den dadurch implizierten Zahlungsreihen) abhängig ist und damit von vornherein das Problem der Aggregation von Einzelentscheidungen nicht auftaucht. Demgegenüber ist natürlich festzustellen, daß auch Einzelentscheidungen in die Bestimmung des Volumens der effektiven Nachfrage eingehen, diese aber nur mittelbar auf die Entscheidungen des „Geldentstehungsmarktes“ zurückwirken. Im übrigen wird dann auch durch die Fokussierung der ökonomischen Entscheidungen auf Geld die Komplexität des „Weltprozesses Ökonomie“ in einer Weise dekomplexiert, daß sie für das Erfassungsvermögen von Entscheidern je nach ihrer Stellung im Gesamtgefüge handhabbar wird. Eine Konsequenz daraus ist, daß Einzelentscheidungen quasi-unabhängig getroffen werden und nicht mehr die heroische Vision aufrechterhalten werden muß, daß jedes Individuum über vollständige Kenntnis des (jeweils relevanten) ökonomischen Modells verfügen muß, um überhaupt handlungsfähig zu sein.

Insbesondere letzterer Aspekt ist deswegen bedeutsam, weil die Speerspitze gegen z.B. die global definierte Konsumfunktion darin bestand zu behaupten, daß Gesellschaften des liberalen Typus sich durch die Unabhängigkeit von Einzelentscheidungen definieren würden. Dabei ist die legendäre „Mikrofundierung der Makroökonomie“ letztlich nur dem Fehlglauben zu verdanken, die Summe individueller Aktionen könnte zu einer globalen Budgetrestriktion führen, die dann auf wundersame Weise den Wohlfahrtspostulaten (Pareto) genügen würde. Daß dabei jedes Individuum zu einem Laplaceschen Dämon konvertieren müßte, wurde zwar nicht dazugesagt, aber billigend in Kauf genommen. Im Gegensatz dazu operiert die hier präsentierte Version von Ökonomie mit einer beschränkten Rationalität hinsichtlich der Geldentstehungsseite (die direkte Rückkoppelung von einem Marktergebnis auf die Investition ist wie schon gesagt eine zu enge Fassung der Investitionsentscheidung) und mit der Vorgabe einer gesamtwirtschaftlichen Budgetrestriktion alias Konsumfunktion, welche den Individuen die Notwendigkeit erspart das gesamte ökonomische Geschehen für ihre Handlungen berücksichtigen zu müssen.

Verbleibt „nur“ noch die Frage, ob ein derartig strukturiertes System „von selbst“ zu einem Gleichgewicht findet – daß es gleichgewichtsfähig ist, wird durch den dargestellten Verlauf illustriert – oder ob es äußerer Einwirkungen, insbesondere von staatlicher Seite bedarf, um das Gesamtsystem zu einem nachhaltigen Entwicklungspfad zu dirigieren.

Nun denn, die Reise zum geldtheoretischen Paradigma kann fortgesetzt werden…

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Geld war noch nie ein Passivum!

Es gibt Irrtümer, die lassen sich anscheinend nicht ausrotten, weil sie entweder dem Anschein nach plausibel sind, oder für irgendwelchen windigen Polit-Aktivismus benötigt werden. Konkret geht es hier um die Frage, ob von der Zentralbank emittierte Banknoten nun für diese ein Aktivum sind oder nicht. Diese Frage ist deswegen so komplett mit Fallstricken gepflastert, weil das ‚corpus delicti‘, also die Banknoten oder Bargeld in der Jahresbilanz einer Zentralbank nicht auftaucht und damit das Feld der Spekulationen und Mutmaßungen aufs beste vorbereitet ist. Nun habe ich ja in dem Post

felix qui potuit rerum cognoscere causas

ausgeführt, daß Bargeld auch für die Zentralbank ein Aktivum ist, weil sie nur durch die Übergabe eines Aktivums die üblicherweise von den Geschäftsbanken gestellten Bargeldanforderungen begleichen kann. Daß Bargeld überhaupt in der Bilanzbuchhaltung auftauchen kann wird dadurch erreicht, indem von dem exklusiven Vorrecht einer Zentralbank Gebrauch gemacht wird, Banknoten emittieren bzw. in Umlauf bringen zu können. Daß dieser (zur Auslieferung bestimmte) Bargeldbestand es nicht bis in die Jahresabschlußbilanz schafft liegt schlichtweg daran, daß sobald die „Ausgangskasse“ gefüllt wird, postwendend irgendein Bargeldtransporter vorfährt und den Kassenbestand wieder auftragsgemäß leerräumt. Das ist (fast) so wie beim Geldautomaten: dem Abgang bei der Kasse steht ein Abgang bei den Verbindlichkeiten gegenüber, womit im Grunde genommen sämtliche Fragen hinsichtlich der Eigenschaft von Bargeld ein Aktivum zu sein als geklärt angesehen werden können.

Nun ist es ja nicht so, daß auch angesichts dieser Kenntnisse nicht der eine oder andere trotzdem wieder aus dem Mustopf kommen würde und die naiv-infantile Behauptung in die Welt setzte, daß das Bargeld ja doch ein Passivum der Zentralbank darstellen würde, weil – man sieht ja – der Bargeldumlauf in der Jahresbilanz auf der Passivseite aufgeführt sei. Zur Bekräftigung des „Arguments“ wird dann sogleich – natürlich nur zur „Vereinfachung“ – der wesentliche Bezeichnungsteil (also: -umlauf) elegant weggelassen, womit dann „bewiesen“ wäre, daß Bargeld ja doch eigentlich eine Schuld der Zentralbank darstellen würde. Es soll Leute geben, die sich durch derart windige „Beweisführungen“ hinter die Fichte führen lassen und fortan glauben, sie besäßen mit einer Banknote im Portemonnaie eine „Forderung“ an die Zentralbank. Nun ist auch dem letzten Verunsicherten klar, daß man damit bei der Zentralbank nichts fordern kann (obwohl es verbohrte Zeitgenossen gibt, die genau das glauben), so daß ersatzweise die „Forderung“, die bei der Zentralbank nicht einlösbar wird dann wenigstens doch eine Forderung auf das BIP (oder sonstige gesamtwirtschaftliche Güterhaufen) sei und somit letztlich doch eine „Schuld“ damit eintreibbar geworden sei. Die Charakterisierung als „naiv-infantil“ ist übrigens deswegen so, weil man als Kind auch erst mal lernen muß, daß man mit dem Lutschen an dem auf dem Display von Papis Smartphone dargestellten Eisbecher nicht wirklich die erwartete Befriedigung hinsichtlich eines sensationellen Geschmackserlebnisses erreichen kann. So auch hier: es wird Bargeld (ohne -umlauf) gelesen und sofort entsteht die Vorstellung eines monströsen Dagobert Duck Geldspeichers, was nichts anderes heißt, als daß die eigentliche Sache mit dem Verweis auf die Sache identifiziert wird. Bei Erwachsenen ist das allerdings dann eine Form der (kognitiven) Schizophrenie…

Nun gibt es ja noch die historisch argumentierenden Zeitgenossen, welche keine Gelegenheit auslassen zu erklären, daß „füher“ eine Banknote ja schließlich eine Forderung an/ Verbindlichkeit der Zentralbank gewesen sei, weil ja auf jeder Banknote vermerkt war, zu welchem Umtauschsatz sie bei der Zentralbank in eine (mikroskopische) Quantität an Gold oder ähnlichen Klumperklitzchen eingelöst werden konnte. Nun weiß man ja, daß derartige Zusagen nur solange Bestand haben, wie nicht „zu viele“ derjenigen, die solche Forderungspapiere in Händen halten, auf die kolossal geniale Idee kommen, ihr Einlösungsrecht gleichzeitig wahrnehmen zu wollen. Tritt dieser Fall ein, heißt es logischerweise „April, April“ und fortan wird das von der Einlösbarkeit befreite Papiergeld zu genau dem ultimativen Geldschuld-Erfüllungsstandard, welches es bis heute ist.

Was man bei dieser Metamorphose allerdings nicht mit in Verbindung bringen sollte ist die Vorstellung, daß „früher“ die Banknoten, die ja tatsächlich eine Schuld der Zentralbank darstellten, schon deswegen, weil sie für dessen Besitzer eine Forderung auf Gold o.ä. darstellten, auf der Passivseite der Zentralbankbilanz zu finden wären. Das liegt nämlich daran, daß „früher“ die Banknoten den Charakter eines (Inhaber-)Schuldscheins hatten. Dazu sollte man sich vergegenwärtigen, daß ein Inhaberschuldschein was damit zu tun hat, daß in ihm eine Forderung enthalten ist, wobei die Urkunde selbst die Legitimation darstellt, diese Forderung auch fällig stellen zu können. Letzteres führt dazu, daß „frühere“ Banknoten sog. Inhaberpapiere darstellten, wobei ein Inhaberpapier dadurch gekennzeichnet ist, daß schon der Besitz dieses Wertpapieres den jeweiligen Inhaber dazu berechtigt, die in dem Papier enthaltene Forderung geltend machen zu können. (Heutzutage äußert sich diese Eigenschaft von Inhaberpapieren u.a. darin, daß auch der nichtberechtigte Besitzer über dieses Papier rechtmäßig verfügen kann, sprich: auch mit geklautem Geld kann rechtswirksam bezahlt werden. Allerdings sind heutige Banknoten den Inhaberpapieren „nur“ gleichgestellt, heißt: sie sind keine Inhaberpapiere mehr!)

Schaut man sich diese Geschichte jetzt genauer an wird klar, daß eine (Zentral-)Bank, die eine Forderung auf sich verbrieft, mit der Erstellung dieses Papiers ein Aktivum erzeugt, welches zunächst erst mal eine Forderung auf sie selbst darstellt. Eine Forderung (auch diejenige, die auf einen selbst ausgestellt ist) ist aber auf jeden Fall ein Aktivum, welche aufgrund der doppelten Buchhaltungsregeln auf der Passivseite ebenfalls verbucht werden muß, so daß buchhalterisch gesehen eine (interne) Buchung vorgenommen wird, bei der quasi eine Forderung auf sich selbst einer Verbindlichkeit auf sich selbst gegenübersteht. Der Unterschied zwischen den Buchungen ist, daß sich die Passivbuchung auf das Existieren eines Wertpapiers (jetzt – noch – auf der Aktivseite) bezieht, während die Aktivbuchung das tatsächliche(!) Vorhandensein dieses Wertpapieres in der (Dokumenten-)Kasse anzeigt. Wird nun von der (Zentral-)Bank diese „Eigenforderung“ dazu verwendet ein Aktivum (z.B. Gold) zu erwerben, dann vollzieht die Bank damit einen „Aktivtausch“, indem es zu einer gegenseitigen Übergabe von Inhaberschuldschein(en) gegen z.B. die vereinbarte Goldmenge kommt. Diese verbrieften „Forderungen“ des bzw. nun gegen den Emittenten sind in der Hand des Erwerbers aber auf einmal zu „Geld“ geworden, welches von nun an fröhlich durch die Welt zirkulieren kann und seine segenspendende Wirkung zur „Erleichterung des Tauschverkehrs“ spielen kann. (Wo ist der Ironie-Tag…?)

Was man sich bei der ganzen Geschichte auf jeden Fall klar machen sollte ist die Tatsache, daß selbst in den Zeiten, als „Geld“ aus der Perspektive des Publikums noch eine Forderung gegen die (bzw. eine Schuld der) Zentralbank war, aufgrund der Tatsache, daß diese Forderung in verbriefter Form vorlag, es sich dabei um ein Aktivum gehandelt hat, wobei es nicht darauf ankommt, ob sich dieses Aktivum noch in der Hand des Emittenten befindet oder in der Hand eines Erwerbers. Vielleicht kennt der eine oder andere noch das Konstrukt des sog. Solawechsels, welches dem Inhalt nach letztlich ein verbrieftes Zahlungsversprechen des Ausstellers darstellt. Sobald ein solches Wertpapier erstellt ist, muß dessen (aktive) Existenz bereits als Passivum verbucht werden, selbst wenn noch keine Verfügung darüber getätigt wurde. Wenn man so will dokumentiert die Passivposition die Existenz des sich auf der Aktivseite befindlichen Wertpapiers, die auch solange als Passivposition erhalten bleibt, wie dieses Wertpapier existiert bzw. sich „in Umlauf“ befindet. Die Ausbuchung dieser Position erfolgt mithin auch nicht schon dann, wenn dieses Wertpapier zur Zahlung vorgelegt und der Betrag beglichen wurde, denn das verbriefte abstrakte Zahlungsversprechen existiert ja nach wie vor. Eine Löschung erfolgt erst dann, wenn das bezeichnete (da ist sie, die Referenz) Wertpapier vernichtet wird, womit die Berechtigung der Existenz der betreffenden Passivposition unmittelbar hinfällig wird.

Der wesenserhebliche Unterschied zur heutigen Banknote liegt lediglich darin, daß der Forderungsinhalt weggefallen ist, so daß seitens des Gesetzgebers es wohl für nötig gehalten wurde die damals neuen Banknoten mit einem Annahmezwang auszustatten. Man kann durchaus vermuten, daß diese Vorschrift für eine Übergangszeit sinnvoll war, wo Banknoten mit „Forderungsinhalt“ und „amputierte“ Banknoten gleichzeitig kursierten. Witzigerweise ist diese Vorschrift noch heute in Kraft und wird als wesentliche Eigenschaft des Geldes gehandelt, obwohl es eigentlich durch Zeitablauf und Währungsreform überflüssig geworden ist, dem Geld diese besondere Eigenschaft anzudichten. Denn sobald ein Gläubiger die vertraglich vereinbarte Leistung nicht annimmt, kommt er in Annahmeverzug, gleichgültig ob es sich dabei um das „gesetzliche Zahlungsmittel“ handelt oder nicht. Und ist die Gegenleistung nicht das gesetzliche Zahlungsmittel, so kann der Schuldner höchstens mit Hilfe juristischer Winkelzüge seine Leistung in Geld „ummünzen“. (Die Geschichte vom „Kaufmann von Venedig“ ist ein illustres Beispiel dafür.) Wie hier von mir schon mehrfach angemerkt wurde ist das Interesse der Unternehmen, reale Leistungen für ein stoffwertloses Geld verkaufen zu wollen darin begründet, daß – normalerweise – die Unternehmen Nettoschuldner sind und deswegen zur Leistung des Kapitaldienstes dazu gezwungen sind, die als Kosten ausgegebenen Geldscheinchen durch den Verkauf der Waren wieder zurückzuerhalten. Das legt den Finger auf die Frage, auf welche Weise Geld in das Wirtschaftsgeschehen integriert werden sollte, wobei sich m.E. gezeigt hat, daß eine auf Kreditbasis erfolgende Integration von Geld zu genau den Effekten führt, die in den entwickelten Ländern beobachtet werden können: Käufermärkte und eine an Paranoia grenzende Institutionalisierung hinsichtlich der Durchsetzung von Geldforderungen. Aber das nur nebenbei…

Die eigentliche Kuriosität an dieser Betrachtung liegt aber an einer ganz anderen Stelle. Wenn man sich den Werdegang einer Banknote zu den Zeiten der Goldwährung ansieht, erkennt man auf einmal, daß das, was heutzutage vielfach die Gemüter erhitzt, bereits „zu Kaisers Zeiten“ längst gang und gäbe war: denn auch damals schon wurde das Medium, welches als Zahlungsmittel in der Wirtschaft zirkulierte AUS DEM NICHTS erzeugt. Denn ein Eigen- oder Solawechsel (als konkrete Ausformung eines auf einen selbst ausgestellten Schuldscheins) ist genau dann, wenn er sich noch im Besitz des Ausstellers befindet nichts weiter als eine verbriefte „Schuld“ an sich selbst, die deswegen, weil sie als (Forderungs-)Dokument vorliegt eine rechtlich eigenständige aktive Rolle einnimmt. Denn als rechtlich abstraktes Inhaberpapier erlangt dieses Dokument eine gekürte Selbständigkeit (ähnlich wie eine Kapitalgesellschaft zu einer rechtlich selbständigen – juristischen – Person wird), die es erforderlich macht sie als Aktivum zu bilanzieren, wobei das notwendigerweise existierende zugehörige Passivum lediglich die Existenz dieses (aktiven) Forderungspapiers dokumentiert. Sobald das Forderungspapier das Haus des Ausstellers verläßt, mutiert es für ihn zu einer Verbindlichkeit, ohne daß jedoch die Eigenschaft eine Forderung und damit ein Aktivum zu sein dem Papier verloren gehen würde. Mit einer solchen Konstruktion ist dann die Verfügung über diese Urkunde eine einfache Angelegenheit des Vertragsrechts, denn eine solcher – nunmehr – sog. fungibler Schuldschein kann gegen eine andere Sache getauscht/ verkauft werden und man kann sogar die zeitweilige Nutzung dieser Urkunden gewähren, was dann zur Erzielung eines Zinsgewinns führt. Und auf einmal ist man ohne große Winkelzüge machen zu müssen bei der Kreditvergabe eines aus dem Nichts entstandenen Inhaberschuldscheins angelangt – die Verbriefung macht es möglich.

Fazit: zirkulierendes Bargeld war noch NIE ein Passivum in der (Zentral-)Bankbilanz und wurde als eine vom Aussteller gegen sich selbst ausgestellte Forderung auch schon immer aus dem Nichts geschöpft. Wer sich heutzutage darüber echauffiert, daß die Geldschöpfung aus dem Nichts zu einer Pervertierung der „guten alten Zeit“ geführt habe, wo noch alles nicht nur Hand und Fuß sondern sogar noch eine „Deckung“ hatte, kann sich nun einfach sagen lassen, daß der einzige Unterschied zwischen dem „früheren“ und dem „heutigen“ Geld darin besteht, daß der Forderungsinhalt des ehemaligen Forderungspapiers verloren gegangen ist – und damit auch der Forderungscharakter des Bargeldes. Daß der Erfolg der Emission eines stoffwert- und forderungswertlosen Geldes durch eine Institutionalisierung möglich wurde, welche die Integration von Geld in die „Wirtschaft“ vorwiegend über eine Kreditvergabe organisiert, mußte auch erst in langen Phasen von Versuch und Irrtum herausgefunden werden. Das Ergebnis ist: es geht auch ganz gut ohne Gold, was allerdings vor anderen Übertreibungen seit der „Liberalisierung der Finanzmärkte“ nicht – mehr – schützt. Da müßte man sich mal was Intelligentes einfallen lassen…

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Und was ist nun auf dem Konto?

Jeder kennt doch den Spruch, wenn jemand sagt: „Ich habe noch Geld auf dem Konto!“ Mit einer derartigen Äußerung soll dargestellt werden, daß für einen bestimmten Betrag Zahlungsfähigkeit vorliegt. Normalerweise ist eine solche Aussage einigermaßen korrekt, wenn es sich bei dem kontoführenden Institut um ein zahlungsfähiges Unternehmen handelt. Aber vergleichen Sie mal dieselbe Aussage im Fall der Kaupthing-Bank, wo es auch eine Vielzahl von Kunden gab, die bei dieser Bank irgendwo „Geld auf dem Konto“ hatten. Da gab es nun diese blöde Situation, wo diesen Kunden aufgefallen ist, daß das Geld, was sie angeblich auf dem „Konto hatten“ weder für Auszahlungen noch für Überweisungszwecke verwendet werden konnte. Was könnte nun der Grund sein, daß das „Geld was auf dem Konto ist“ von der betreffenden Bank nicht einfach „überwiesen“ werden konnte?

Die Antwort ist so einfach wie simpel: auf einem Konto ist NIE Geld!

Der Grund dafür ist nicht wirklich schwer einzusehen: das liegt daran, daß eine Bank zwar Ihr Konto führt und im besten Fall bei Ihnen verschuldet ist (=Ihr Konto ist im ‚Haben‘, was bedeutet, daß die Bank in dieser Höhe bei Ihnen Verbindlichkeiten hat – und Sie das Geld gerade NICHT haben), aber das ‚Haben‘ auf dem Konto (was die Sicht der Bank markiert, denn die hat(te) das von Ihnen beanspruchte Geld) bedeutet ja gerade, daß auf Ihrer eigenen „Bilanz“ das Konto-Soll bedeutet: sollten (oder könnten) Sie haben im Sinne von besitzen, womit es sich in Ihrem Eigentum befinden würde. Auch wenn die vorstehende Version eine üble Verkalauerung der buchhalterischen Gegebenheiten darstellt, sollte jedem Kontoinhaber bei eingehender Betrachtung der Sachlage dann doch irgendwann dämmern, daß die Geschichte mit dem „Geld auf dem Konto“ nicht mehr ist, als ein Beruhigungs-Placebo, was die Banken in die angenehme Lage versetzt nicht erklären zu müssen, warum sie, wie eine landläufige Formulierung – Die Banken arbeiten mit dem Geld! – punktgenau ausdrückt, das durch Einzahlung oder Überweisung eingegangene Geld für irgendwelche anderen Zahlungsverpflichtungen verwenden. (Was sie jedenfalls nicht tun ist für den Zahlungseingang des Kunden eine kleine Schatulle anzulegen, in der sie das eingegangene Geld „einlegen“ um es dann beschriftet mit dem Namen des Kunden in den großen Geldspeicher zu tun.)

Diese Tatsache wird üblicherweise in der verklausulierten Weise zugegeben, daß das Zahlungskonto als sog. Verrechnungskonto geführt wird, auf dem die laufenden Zahlungsein- und -ausgänge miteinander verrechnet und als SALDO AUSGEWIESEN werden! Das heißt, daß die Mitteilung eines Kontostandes nicht etwa etwas mit einer Art Pegelstand zu tun hat, bei dem dasjenige, was gemessen wird, im Überfluß oder als Mangelvolumen tatsächlich (oder auch nicht) VORHANDEN ist – ein Pegelstand über einem historischen Höchststand hat was damit zu tun, daß das, was gemessen wird, in einem (üblicherweise unerwünschtem) Ausmaß tatsächlich vorhanden ist. Diese Vorstellung von „prall gefüllt“ ist jedoch im Falle eines Bankkontos zwar ganz angenehm, trifft aber in keiner Weise die tatsächlichen Verhältnisse, denn wie vielfach kolportiert wird, steht dem (monströsen) Volumen von Geldforderungen ein üblicherweise vergleichsweise geringer Zahlungsmittelbestand (Basisgeld) gegenüber. Alleine dieser Umstand, welcher unmittelbar an den sagenumwobenen Geldmultiplikator erinnert, sollte einem Bankkunden schon mal zu denken geben, denn der „Multiplikator“ heißt nicht deswegen so, weil er aus den eigenen paar Kröten ein (mikroskopisches) bißchen mehr macht, sondern weil – statistisch gesehen – gemessen an dem gesamten Verbindlichkeitsvolumen lediglich ein Bruchteil an Liquidität  für Auszahlungs- oder Überweisungszwecke der Kunden zur Verfügung steht. Statt also brav auf dem Konto zu hocken und darauf zu warten, daß der erlösende Gang zum Geldautomat der Langeweile ein Ende bereitet, jetten die Geldscheinchen (bzw. ihr virtuelles Pendant aka „Reserven“ – auch wenn das „nur“ eine Referenz auf Geldscheinchen ist) in 1000 anderen Missionen um die Welt – während der Kunde (fast) alleine zu Hause sitzt mit seinen – ja was eigentlich?

Dazu muß man sich nur mal ansehen, was man so mit einem im Haben befindlichen Kontostand inhaltlich verbinden kann, sprich: was kann man denn mit einem Guthaben auf dem Konto eigentlich anfangen? Die einfachste Sache ist zum Geldautomaten zu gehen, dort der Bank eine Forderung auf Bargeld mitzuteilen, um nach wenigen Sekunden die Forderung erfüllt zu bekommen. Nun kann man aber mit einem Kontoguthaben noch eine andere Sache anstellen, nämlich eine Weisung an die Bank erteilen, daß diese dafür sorgen möge, daß eine bestimmte Person eine Kontogutschrift erhält. Dieser Vorgang – Gutschriftsweisung wäre eigentlich angemessener als Überweisung – ist aber sachlich etwas anderes, als die Mitteilung über die Auszahlung von Bargeld, weil hier die Eigenschaft des Zahlungsdienstleisters erscheint, welcher das Ergebnis eines Zahlungsvorgangs bewirken soll, welchen der Weisungsgeber nicht selbst ausführen möchte oder kann. (Das vom Zahlungsdienstleister geschuldete Ergebnis ist, den Kunden von seiner Verbindlichkeit zu befreien!) Dann kann man auch noch seine Verfügungsrechte selber beschränken, indem man sich verpflichtet von seinen Verfügungsrechten für eine Weile keinen Gebrauch zu machen, was immerhin zu einem mikroskopischen Zinsgewinn von wenigen EURO führen kann – die Jahrespizza ist damit schon mal gesichert…

Wenn also der Bankkunde zu Hause auf seinen Haben-Kontostand schaut, dann schaut ein Kaleidoskop von Verfügungsrechten zurück, die ihm zurufen: „Nutze mich, Nutze mich!“. Der Verfügungsrechteinhaber muß sich nun entscheiden, ob er diesem Gequengel folgt oder nicht und wenn ja, welche der verschiedenen Optionen nun ausgeübt werden soll. Wie das bei der Ausübung von Optionen nun mal so ist, wird erst dann, sobald eine Entscheidung getroffen ist, das entsprechende Procedere in Gang gesetzt, was die Bank dazu veranlaßt ggf. Geld in Bewegung zu setzen, womit zumindest bei Aktivierung einer dieser Optionen dasjenige eintritt, was von einer Bank zu erwarten ist: daß sie (zu Lasten der Referenz auf Geld, sprich Kontoguthaben) eine Transaktion vornimmt, die tatsächlich etwas mit Geld zu tun hat. Das ist insbesondere hinsichtlich der Nutzung des Verfügungsrechts „Weisung an die Bank zur Erzeugung einer Kontogutschrift zugunsten eines Verfügungsrechteempfängers“ interessant, weil immer noch die Vorstellung herumgeistert, daß es möglich wäre „von dem Konto eine Überweisung“ vorzunehmen, womit suggeriert wird, daß irgendeine virtuelle Geldfee das eigene Konto von einer virtuellen „Geldsache“ leerräumt und ein anderes Konto damit füllt. Die schnöde Wahrheit ist, daß die Bank in ihrer Eigenschaft als Zahlungsdienstleister die ihr zur Verfügung stehenden Verfügungsrechte (i.d.R. gegenüber der Zentralbank) nutzt, um das gewünschte Ergebnis zugunsten des Verfügungsrechteempfängers zu erzielen. Und soweit die Bank des Empfängers die ihr zufließenden Verfügungsrechte (aka „Reserven“) auch tatsächlich in Empfang nimmt (und nicht längst schon wieder anderweitig verdisponiert hat), geht mit dem „Reserve“-Eingang die Erteilung der Gutschrift einher.

Schon diese kursorische Ventilierung der genannten möglichen Optionen ein Kontoguthaben zu verwenden macht klar, daß die übliche Charakterisierung eines Kontoguthabens als „Forderung auf Geld“ bei weitem zu kurz greift. Denn erst die Möglichkeit der Bank die Weisung (= einseitige empfangsbedürftige Erklärung) erteilen zu können einer bezeichneten Person ein bestimmtes Volumen an Verfügungsrechten zukommen zu lassen, macht ein Konto zum bequemen Instrument der „Zahlungsabwicklung“. Das Interessante dabei ist, daß diese Abwicklung ohne Geld funktioniert, welches sich im Eigentum des Auftraggebers befinden muß, denn die Bank verwendet das ihr zur Verfügung stehende (= sich in ihrem Eigentum befindliche) Dispositions-Volumen an Zentralbankgeld, um den Auftrag des Kunden zu erfüllen – und nicht das Geld des Kunden. Die Nutzung eines Zahlungsdienstleisters funktioniert also erst dann, wenn gerade KEIN Geld auf dem Konto ist, sondern ein Konto „nur“ eine Referenz auf (gelddenominierte) Verfügungsrechte darstellt. Klingt abstrakt, ist es auch, aber so funktioniert die Operationsweise von Banken: den Kunden stehen „lediglich“ die Verfügungsrechte als Referenz (bzw. Dispositionsrecht) über ein bestimmtes Geldvolumen zur Verfügung, die Banken nutzen die Referenz auf Bargeld (= „Reserven“), um die eigentlich zu übertragende Sache (Bargeld) nicht anfassen zu müssen, was nur deswegen geht, weil bei „Reserven“ kein „counterpart“-Risiko existiert, denn „Reserven“ können jederzeit vollumfänglich in Bargeld umgewandelt werden – weswegen diese sinnlose Übung auch (meist) unterbleibt.

Wem es bei den vielen „Referenzen auf“ etwas schwindlig geworden ist, hier noch mal schnell die Kurzversion: ein Kontoguthaben ist ein Verfügungsrechtebündel, welches bei Ausübung einer der verfügbaren Optionen zu Aktionen des Zahlungsdienstleisters führt. Eine Forderungsstellung führt zur Auszahlung des Geschuldeten, welches damit (wieder) in das Eigentum des Forderungsberechtigten gelangt. Bei einer Gutschriftweisung wird vom Zahlungsdienstleister das Ergebnis geschuldet, daß dem Empfänger ein bezeichnetes Verfügungsrechtevolumen gutgeschrieben wird. Möglich wird das Ganze dadurch, daß auf dem Konto sich gerade KEIN Geld befindet, sondern nur eine Referenz auf ein Volumen von Weisungsrechten…

Für die eingangs gestellte Frage gibt es damit auch eine – vielleicht nicht ganz so angenehme – Antwort. Denn im Grunde ist die Frage „Was ist AUF dem Konto?“ schlichtweg falsch gestellt, weil – das macht das Wesen der Passivseite aus – dort lediglich Verweise darauf existieren, woher etwas gekommen/ wohin etwas gegangen ist. Daß die Umgangssprache das so bezeichnet darf analytisch nicht dazu führen zu glauben, daß auf der Passivseite vorhandene Mengen zu verorten wären. Nochmal: dort stehen Referenzen/ Verweise – sonst nichts und erst recht kein Geld! Korrekt wird es dann, wenn gefragt wird: welche Rechtsfolgen kann ich mit den dort ausgewiesenen Verfügungsrechten bewirken? Das klingt zwar nicht so sexy wie die Vorstellung von einem bis zum platzen gefüllten Geldspeicher, aber vielleicht ist es ja auch mal an der Zeit, die Sozialisationsdefekte, die ganze Generationen mit Dagobert Duck eingesogen haben, durch ein wenig Sachlichkeit ein bißchen zu korrigieren. Über die „Sparschwein“-Theorie des Bankkontos könnte dann vielleicht doch irgendwann der gnädige Mantel des Vergessens ausgebreitet werden…

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Von großen Krediten und kleinen Einlagen…

Von Wolfgang Stützel kann man lernen, daß immer dann, wenn einzelwirtschaftliche Konzepte auf eine gesamtwirtschaftliche Ebene übertragen werden, höchste Vorsicht geboten ist. Denn gerade in der Wirtschaftswissenschaft kann genau dann der unbesehene Analogschluß auf eine falsche Fährte führen, weil im wirtschaftlichen Gesamtgefüge sachlogische Zusammenhänge gelten, die in der einzelwirtschaftlichen Betrachtung nicht beachtet werden müssen. Das populärste Beispiel für diese sogenannte ‚fallacy of composition‘ ist das Kinobeispiel, wo eine einzelne Person durch Aufstehen vom Sitz eine bessere Sicht auf die Leinwand hat. Sobald das aber alle tun um den gleichen Effekt zu realisieren ist das Ergebnis durchaus desaströs: im Duchschnitt hat sich die Sicht nicht verbessert und der ärgerliche Effekt ist der, daß nun alle stehen anstatt auf hoffentlich gut gepolsterten Sesseln zu sitzen.

Ähnlich liegt der Fall dann, wenn man aus der Betrachtung der Operationsweise einer einzelnen Bank darauf schließen möchte, wie das Bankensystem insgesamt operiert. So steht in den meisten Lehrbüchern über Bankbetriebslehre etwas von Transformationen namentlich Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation. Der zunächst durchaus valide Gedanke dahinter ist, daß Banken in ihrer Eigenschaft als Krediterzeuger erst viel „kleines“ Geld zusammensammeln müssen, um dann dieses Geld für die Vergabe eines neuen „großen“ Kredites einzusetzen. Diese Sichtweise wird dadurch bestärkt, daß die aktienrechtliche Grundlage des Bankgeschäfts zunächst eine Kapitalisierung durch die Aktionäre voraussetzt, mit der dann das kreditäre Bankgeschäft aufgenommen werden kann. Wenn man so will wird durch die Konstruktion von Banken als grundkapitalfinanzierte Einrichtung die Vorstellung genährt, es müsse erst das Geld durch „Einlagen“ – in diesem Fall die Einzahlungen der Aktionäre – eingesammelt werden, damit dann die Kreditvergabe erfolgen kann.

Diese Konzeptionalisierung des Bankgeschäfts wird auch noch theoriegeschichtlich bestärkt, weil in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts – dem Basismodell der Neoklassik – die Haushalte eine genuin originäre Entscheidung zu treffen haben, nämlich diejenige über Konsum oder Nicht-Konsum. Dem liegt die nicht so ganz abwegige Vorstellung zugrunde, daß die Haushalte über alle Ressourcen der Volkswirtschaft verfügen und diese entweder konsumieren oder eben als Nicht-Konsum den Unternehmen für produktive Zwecke überlassen. Dieser Nicht-Konsum von Ressourcen ist dann das, was in der Neoklassik immer als „Sparen“ bezeichnet wird. So ist es auch nicht verwunderlich, daß durch einen kühnen Analogschluß diese Vorstellung auf Banken angewendet wird, welche ihre „Ressource“ Geld erst von den Haushalten zur Verfügung gestellt bekommen müssen, damit sie dann dieses für die Kreditvergabe einsetzen. Dazu gehört auch die Vorstellung Geld als nutzenstiftendes Gut zu begreifen, so daß das Grundkonzept auf dem der neoklassische Begründungszusammenhang beruht nicht ins Wanken gerät. Damit wird auch erklärlich, warum vom ‚mainstream‘ die Frage wie Geld entsteht gemieden wird wie das Weihwasser vom Teufel. Für die Neoklassik ist Geld einfach da und wenn es zuwenig davon gibt regnet es halt vom Himmel – die Metapher von Friedman ist deswegen so aufschlußreich, weil sie die Behandlung von Geld durch die Neoklassik verdeutlicht. Daß diese rein methodische Finte inzwischen als Rettung eines angeblich maroden Geldsystems propagiert wird steht auf einem anderen Blatt.

Diese hier kursorisch angeführten Theorien sind Grund für die vorherrschende Sichtweise, daß Banken von ihrem Wesen her zunächst an Geld kommen müssen, damit sie ihr Geschäft betreiben können. So läßt sich die Vorstellung von der Fristentransformation recht zwanglos darauf zurückführen, daß Banken ohne Geld nicht arbeiten können, welches sie jenseits des Grundkapitals über eine Attrahierung von Geld, welches ihnen gegen die Gewährung von Sichtverbindlichkeiten oder längerfristig festgelegten Verbindlichkeiten zugeht, für ihre Zwecke nutzen können. Das Konzept „Fristentransformation“ postuliert gewissermaßen, daß die Liquiditätsbedürfnisse der „kleinen“ Verbindlichkeiten einer gewissen Wahrscheinlichkeitsverteilung unterliegen, die so geartet ist, daß daraus „große“ Kredite liquiditätstechnisch bewältigt werden können. Aus der Perspektive einer einzelnen Bank muß selbstverständlich der Liquiditätsstatus mit allen Mitteln gesichert werden, wobei die Frage virulent wird, wie sich die Eingänge und die Ausgänge von Liquidität im Zeitablauf darstellen. In ähnlicher Weise kann auch der Losgrößenaspekt gesehen werden, denn wie angesprochen steht einer Vielzahl von „kleinen“ Passivpositionen eine geringe Zahl von Aktivpositionen gegenüber, wobei aus der sogenannten „Bodensatzbildung“ – der Umstand, daß bei einer Vielzahl „kleinerer“ Verbindlichkeiten stets ein gewisser Bestand an eben diesen Verbindlichkeiten dauerhaft bestehen bleibt – eine Rechtfertigung für die Vergabe langfristiger Kreditengagements abgeleitet werden kann.

Sobald man sich dagegen mit den Frage auseinandersetzt woher nun die Vielzahl der „kleinen“ Bankverbindlichkeiten herkommt wird die vorstehende „einzelbankliche“ Sichtweise auf einmal falsch, weil die „kleinen Passivpositionen“ ja nicht irgendwo vom Himmel gefallen sein können ( – außer für Neoklassiker natürlich…). Denn typischerweise sind Giro- oder Terminverbindlichkeiten der Banken gegenüber den (kleinen) Nichtbanken aus nicht für Konsumzwecke ausgegebenen Einkommensteilen gespeist, deren Herkunft ja nicht einfach vorausgesetzt werden kann. Denn in einem Kreditgeldsystem wird idealtypisch die Generierung von Einkommen dadurch erzeugt, daß ein Unternehmen eine Ausgabe bzw. Auszahlung vornimmt, die ihrerseits wiederum erst durch eine Kreditlinie eines Bankinstituts möglich geworden ist. Mit einer Kreditvergabe schafft die Bank also gewissermaßen eine „große Aktivposition“ (die Forderung der Bank) und eine „große Passivposition“ (das verfügbare Investitionspotential des Unternehmens), wobei aus letzterer durch Ausgaben des Unternehmens für eine Vielzahl von Zwecken lauter „kleine Passivpositionen“ entstehen, die dann ihren Niederschlag in lauter „kleinen Einlagen“ finden und von dort aus auch zu „kleinen Spareinlagen“ mutieren können.

Diese Kausalitätsrichtung resultiert letzten Endes aus dem Umstand, daß in einem Kreditgeldsystem Verbindlichkeiten (aka „Einlagen“ oder etwas korrekter: Sichtforderungen) hauptsächlich als Ergebnis eines Kreditkontraktes entstehen und somit sich der methodologische Ansatz der Neoklassik, die (bei den Haushalten befindlichen) Bestände, die dann der Allokation unterliegen, einfach vorauszusetzen als unangemessen erweist. Denn gerade in puncto Kreditgeldsystem wird ja die Frage virulent, aus welchem Grunde die Schaffung von Kredit vorgenommen wird. Die Antwort darauf ist so einfach wie simpel: das durch einen Kredit zur Verfügung gestellte Geld wird für unternehmerische Zwecke dann ausgegeben, wenn die mehr oder weniger begründete Erwartung besteht, daß der Rückfluß von Geld aus der damit finanzierten Produktion höher ist, als der dafür aufgewendete Abfluß von Geld. Dieser Abfluß von Geld erzeugt jedoch gerade diejenigen Einkommen, deren nichtverwendete Teile dann zu der Erteilung eines Kredites erst führen sollen. Und genau an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz.

Denn was für die Bankbetriebslehre noch legitim ist, nämlich die Existenz von Geld vorauszusetzen soweit es die Ingangsetzung bzw. die Operationsweise einer Bank betrifft, wird dann falsch, wenn es zu einer Betrachtung darüber kommt, wie ein Bankensystem an das Geld kommt, welches es für seine Geschäftszwecke benötigt. Nun könnte man die methodologische Prämisse, daß die Haushalte alle verfügbaren Bestände besitzen dadurch retten, daß man von einem System der Goldwährung ausgeht, wo natürlicherweise alles existierende Gold irgendjemand besitzen muß. Wenn man auch als Neoklassiker akzeptiert, daß über die Geschichte mit der Goldwährung inzwischen der gnädige Mantel des Vergessens ausgebreitet wurde kann man dennoch das Haushaltskonzept versuchen dadurch zu retten, daß man behauptet, Geld würde den Haushalten „leistungslos“ zufallen – womit man wieder beim Geld abwerfenden Hubschrauber von Friedman wäre. (Eine Spielart davon ist das „zinsfrei“ geschöpfte Geld, welches den Haushalten immerhin gegen irgendeine Leistung zufließen soll. So kann man auch die Neoklassik konservieren! Aber das nur nebenbei.) Die pseudomoderne Fassung der Integration von Geld in die Ökonomie liest sich als ’seigniorage‘, wo die Erträge der Erzeugung von Geld dem Erzeuger – dem Staat – zufließen sollen und somit wiederum der Vorstellung Vorschub geleistet wird, es seien die Haushalte, deren „Ersparnis“ den Banken die Kreditvergabe ermöglichen würden. Man ist versucht zu sagen: Kritik am ‚mainstream‘ sieht anders aus…

Demgegenüber läßt sich mit der Terminologie von Stützel der Sachverhalt, daß zwar einzelwirtschaftlich die Vorstellung, daß erst die „Einlagen“ da sein müssen, um „große“ Kredite vergeben zu können legitim ist, jedoch demgegenüber gesamtwirtschaftlich die „kleinen“ Einlagen erst durch den Abschluß von „großen“ Krediten überhaupt entstehen, in etwa so fassen:
1. Jede Einzelbank kann durch die Einwerbung von „Spareinlagen“ den ihr zur Verfügung stehenden Bestand an Zentralbankgeld erhöhen und damit durch Pooling der „Einlagen“ die Vergabe von „größeren“ Krediten möglich machen.
2. Jede Teilmenge von Banken kann ihren Bestand an Zentralbankgeld durch Einwerbung von „Spareinlagen“ nur dann und in dem Maße erhöhen, als die Komplementärmenge der Banken eine Verringerung ihres Zentralbankgeldbestandes hinnimmt oder erleidet.
3. Die Gesamtmenge aller Banken kann durch die Einwerbung von „Spareinlagen“ den ihr zur Verfügung stehenden Bestand an Zentralbankgeld weder erhöhen noch senken. Falls irgendwelche Theorien über die „Transformation von Zentralbankgeldbeständen“ oder über die  „Geldschöpfung der Banken“ zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen, sind sie falsch.

Akzeptiert man den jahrzehntelangen Umstand, daß diese Welt in einem Kreditgeldsystem lebt bleibt nicht anderes übrig, als die traditionelle Funktionsvorstellung des Bankensystems umzukehren. Es heißt dann nicht:

erst viele kleine (Spar-)Einlagen -> dann eine große Kreditvergabe

sondern:

erst eine große Kreditvergabe -> daraus werden viele kleine (Spar-)Einlagen

Daß eine einzelne Bank letztere Wirkungsrichtung nicht sehen kann und auch nicht sehen muß liegt daran, daß üblicherweise eine „große Kreditvergabe“ mit einem erheblichen Abfluß von Liquidität einhergeht und das bankenindividuelle Problem darin besteht zur Wahrung des Liquiditätstatus zuzusehen, wie man den Liquiditätsabfluß wieder kompensieren kann. Genau dieses Problem wird ja bei „richtig großen“ Kreditlinien wie z.B. große Infrastrukturprojekte wie ein Flughafen o.Ä. erst recht virulent, weil sich aus Risikogründen keine einzelne Bank den durch die Länge der Amortisationszeit einstellenden Liquiditätsverlust leisten kann. (Als Konsequenz daraus hat man die Konsortien erfunden, deren Aufgabe darin besteht abzuschätzen wohin die Liquiditätsströme wandern werden. Sobald man darüber eine Abschätzung gefunden hat ist klar, welche Bank welchen Anteil an der „großen“ Projektsumme übernehmen kann weil sie dann damit rechnen kann, daß dieser Liquiditätsabfluß durch die eingehenden Liquiditätsströme weitgehend wieder kompensiert wird.)

Sobald man also gewillt ist zu akzeptieren, daß ein wirtschaftliches Gesamtgefüge Restriktionen unterliegt, die zwar für einzelnes Element nicht bindend sein müssen, jedoch in der Betrachtung der Gesamtheit nicht ignoriert werden dürften (daß man das ungestraft machen kann ist leider nur zu evident) wird klar, daß die einzelwirtschaftliche Theorie von der Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation zumindest hinsichtlich der ersten beiden Aspekte für einen systemischen Zusammenhang nicht anwendbar sind. Denn in einem Kreditgeldsystem werden aus wenigen „großen“ langfristigen Verbindlichkeiten viele „kleine“ kurzfristige Verbindlichkeiten, woraus wie von selbst das für die Bankbetriebslehre konstitutive Liquiditätsmanagementproblem entsteht, weil das Entstehen der „langfristigen“ Verbindlichkeiten durch das Eingehen von langfristigen Forderungen „erkauft“ wurde.

Und das ist der Clou: das Liquiditäts- und Fristenproblem der Bankbetriebslehre ist eine Folge der Kreditvergabe – und nicht dessen konstitutive Ursache! Denn: engagiert man sich langfristig mit der Maßgabe, daß man auch kurzfristig liquide bleiben muß hat man als Bank ein Problem, welches sich nur als Bankensystem lösen läßt. Von daher kann man den Liquiditätsausgleich zwischen Banken – auch bekannt als Interbankenmarkt – dahingehend interpretieren, daß dort die unvorhersehbaren Liquiditätsdifferenzen aus den Verfügungen infolge eingegangener Kreditlinien auf geräuschlose Art und Weise ausgeglichen werden – solange jeder der beteiligten Banken über eine ausreichende Bonität verfügt. Denn woher sollen Banken wissen, wohin das von ihnen im Kreditvertrag versprochene Geld wandert?

Wenn man so will läßt sich das Konstrukt „Interbankenmarkt“ als eine soziale Veranstaltung der Banken untereinander interpretieren, auf der gewissermaßen Banken sich gegenseitig über die Engpässe in der Liquidität hinweghelfen, da jede Bank im Zeitablauf mal einen Liquiditätsüberschuß und mal ein Liquiditätsdefizit realisiert. Das Kuriose dabei ist, daß das Bankensystem insgesamt nicht über zuwenig Liquidität verfügt, sondern sich lediglich die Verteilung der Liquidität von Zeit zu Zeit ändert. Zwar kann man versuchen durch ein ausgebautes Filialnetz die Wahrscheinlichkeit des Liquiditätsabflusses zu vermindern, in letzter Konsequenz bleibt es dabei, daß der gegenseitige Liquiditätsbeistand gewährleistet sein muß, wobei die Etablierung eines akzeptierten Mindeststandard hinsichtlich der Bonitätsanforderungen als essentielle Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Liquiditätsausgleichsmechanismus angesehen werden muß. Dieser Umstand macht auch völlig zwanglos deutlich, daß dann, wenn das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Geschäftspartnerbanken schwindet, die Bereitschaft gegenseitig Liquiditätshilfe zu gewähren schlagartig verschwindet und somit die Zentralbank gefordert ist die notwendige Liquidität bereitzustellen (man erinnere sich an die LTRO-Fazilitäten) um die Banken zahlungsfähig zu erhalten – obwohl sie in ihrer Gesamtheit nicht über „zuwenig“ Liquidität verfügen würden.

Und genau an dieser Stelle wird dann die Differenz zwischen einer einzelwirtschaftlichen und einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung klar: mal abgesehen von den Bargeldverlusten, die ja einen Abgang von kurzfristigen Verbindlichkeiten bedeuten, kann ein Bankensystem überhaupt nicht zuwenig „Verbindlichkeiten“ haben, die man versuchen müßte „einzuwerben“. Bisher war ja die Theorie davon geprägt, daß eine Bank erst viele „kleine“ Verbindlichkeiten anhäufen muß, damit sie zu einer „großen“ Forderung kommt. Der Gesamtzusammenhang aller Banken kann aber überhaupt nicht über „zuwenig“ Verbindlichkeiten verfügen, weil diese ja – da sie selbst erzeugt wurden – irgendwo sein müssen, genauso wie die dazugehörigen Forderungen. Und da hilft auch keine „Transformationstheorie“ weiter, denn diese Transformation gilt lediglich für eine einzelne Bank, niemals jedoch für die Banken als Gesamtheit. Doch auch wenn es dieses „Transformationsproblem“ nur als einzelwirtschaftliches Problem gibt, gibt es demgegenüber das Liquiditätsausgleichsproblem auf Gesamt-Bankenebene. Denn dadurch wird das einzelbankliche Problem zu einer interbanklichen Veranstaltung, wobei auf diesem Interbankenmarkt einer Nachfrage für „Verbindlichkeiten“ ein Angebot an „Forderungen“ gegenübersteht, dessen Funktion darin besteht, die Folgen des Liquiditätsabflusses aufgrund gewährter Kredite zu neutralisieren. Das einzelwirtschaftliche Transformationsproblem transformiert sich so gesehen auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene zu einem Liquiditätsausgleichsproblem, wo nicht die Frage im Raum steht, wo die „kleinen“ Verbindlichkeiten herkommen sollen (die sind ja sowieso irgendwo da) sondern an welcher Stelle sie und damit wo die Liquidität sich befindet.

Und auf einmal versteht man auch, warum Finanzkrisen dadurch geprägt sind, daß auf einmal „kein Geld mehr da ist“, obwohl kurz zuvor damit noch herumgeworfen wurde. Denn solange es kein Problem damit gibt anderen Kredit zu geben, existiert in puncto Liquidität das Regime der „heißen Kartoffel“, die so schnell wie möglich weitergegeben werden muß. Sobald man sich aber darauf besinnt, daß das eigene Überleben an der Fähigkeit hängt, über diese „Kartoffelscheibchen“ jederzeit in ausreichendem Maße verfügen zu können, macht die Freigiebigkeit einer ängstlichen Speicherpolitik á la Onkel Dagobert Platz, wo das an sich normale Ansinnen Kredit bekommen zu wollen bereits als Beweis dafür gilt, daß der Kreditnachfrager an der Grenze zur Insolvenz angesiedelt ist…

Theoriegeschichtlicher Disclaimer:

Der eigentliche Grund dafür, daß die Losgrößen- und Fristentransformatonstheorie von den meisten Ökonomen so propagiert wird liegt halt daran, daß das Zentralmodell der Neoklassik eine sog. Erstausstattungsökonomie formuliert, wo erst die Entscheidung der Haushalte einen Teil ihres Eigentums den Unternehmen zur Produktion (Investition) zu überlassen den Produktionsvorgang überhaupt erst in Gang setzt. Dieser Nichtverbrauch von Ressourcen wird dort als Ersparnis angesehen, womit überhaupt erst die Idee in die Welt gekommen ist, die Ersparnis sei Voraussetzung von Investition. In einem simplen Analogschluß wurde dann in Bezug auf die Bankbetriebslehre die Version von den vielen kleinen Spareinlagen geboren, die erst mal da sein müßten, damit eine große Investition damit getätigt werden könne.

Dieser Analogschluß geht natürlich voll in die Hose, weil Geld sowie in Geld denominierte Schuldverhältnisse keine bestehenden oder produzierten Ressourcen darstellen, sondern aus einer Übereinkunft bestehen sich gegenseitig (zeitlich strukturiert) Zahlungsversprechen zu geben, wobei der Zahlungsmittelstandard von der Zentralbank definiert wird. Dieser Umstand sorgt bis heute deswegen für viel Verwirrung, weil bislang für 99% aller Ökonomen an eine Aufgabe des neoklassischen Paradigmas nicht zu denken ist. Doch gerade die Plausibilität, Geld genauso zu behandeln wie eine Ressource verstellt dafür den Blick, daß gerade die Geldtheorie das Potential hat der Neoklassik ein Paradigma entgegenzusetzen, welches sich nicht mit irgendeiner albernen Annahmenkritik aufhält, sondern der Tauschheuristik der Neoklassik die Kooperationsheuristik entgegensetzt. Mit einer Kooperationsheuristik entsteht jedoch praktisch wie von selbst eine Verpflichtungsökonomie, die durch das Eingehen und die Auflösung von Schuldverhältnissen geprägt ist. Diese Schuldverhältnisse entstehen bei der Aufnahme von kooperativen (und hoffentlich produktiven) Unternehmungen/ Projekten und erzeugen in ihrer Vielzahl dann auf einmal einen sich verselbständigenden Finanzsektor. Diese Verselbständigung geht jedoch mit einer „Entfremdung“ von dem eigentlichen Objekt der Wirtschaftstheorie – den Ressourcen und Gütern – einher und ist gewissermaßen der Verstoß aus dem Garten Eden, in dem Güter und Ressource noch einen „Wert“ besitzen, während die schnöde Welt des Geldes nur noch einen Preis kennt. Sobald aber einmal die Erkenntnis über die Strukturierung ökonomischer Beziehungen nach monetären Kriterien einmal in der Welt ist, ist der Weg zurück zum Garten Eden, wo der „Wert“ noch einen Wert hatte ein für allemal vorbei. Das mag man bedauern, aber echter Fortschritt kümmert sich nicht um die Zurückbleibenden.

Diese theoriegeschichtliche Begründung vom Primat der Einlage über den Kredit trifft sich mit der einzelwirtschaftlich orientierten Bankbetriebslehre in ihrer liquiditätsbedingten Fokussierung auf die Einlagen, obwohl diese ja erst durch eine vorangegangene Kreditgewährung entstanden sein können. Dieser Aspekt bleibt jedoch deswegen im Nebulösen, weil die Neoklassik weder zugeben kann, daß Geld keine Ressource ist noch darüber nachdenken will, daß es Bereiche gibt, in denen das Knappheitsprinzip nicht durch eine vorgegebene Menge beschränkt wird und damit nicht mehr anwendbar ist. Die Kritiker der Neoklassik riechen gewissermaßen diese Schwachstelle (und versammeln sich hinter dem Schlachtruf „Die Banken schaffen das Geld durch Kredite!), obwohl sie damit ausgerechnet der Scheinkontroverse zwischen „endogenem“ und „exogenem“ Geld (die sagenumwobene ‚currency-banking‘ Kontroverse) unbehelligt von jeglicher Sachkenntnis auf den Leim gehen.

Worin besteht also die Restriktion des Bankensystems als Gesamtheit? Sie besteht daraus, daß – wie der legendäre Artikel von Tobin über den „Krug der Witwe“ darlegt – die Banken weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit dasjenige erzeugen können, womit sie ihre Schulden bezahlen: Geld!

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Kommt die „Draghi-Volte“ über Oberammergau…

Neuerdings findet auch die Debatte um die TARGET2-Salden wieder Eingang in die Diskussionsforen. Aus der letzten Auseinandersetzung wurde eine „Friedensformel“ gefunden, die in etwa lautet, daß die TARGET2-Salden zwar ein gefährliches Ungleichgewicht darstellen, aber solange wie die EURO-Zone intakt bliebe, seien ja die drohenden Verluste nicht zu befürchten. Erst dann, wenn es zu einem Ausscheiden eines EURO-Mitgliedes käme, müßten die dann entstehenden Verluste auf die übrig bleibenden Zentralbanken und von dort auf die jeweiligen öffentlichen Hände verteilt werden, womit dann der oft kolportierte Tatbestand erfüllt wäre, daß der Steuerzahler dafür zur Kasse gebeten werden müßte.

Eine diesbezügliche Diskussion fand unlängst auch bei BTO statt, wo in den Kommentaren ein guter Vortrag über das Aktivvermögen der Banca d´Italia gehalten wurde der mich dazu motivierte zur Klärung der Angelegenheit einige einfache Fragen aufzuwerfen:

„1. Die Banca Italia weist in ihrer Bilanz eine Passivposition gegenüber der EZB aus. Was ist der Inhalt dieser Passivposition bzw. auf was lautet die korrespondierende Aktivposition? Salopp ausgedrückt: was ist der „Schuldgegenstand“?

2. Hat die Banca Italia im Zuge der Entstehung dieser Passivposition Zentralbankgeld erhalten welches sie verpflichtet wäre zurückzuzahlen? Man erinnere sich daran, daß T2-Salden aus Verfügungen von Nicht-Zentralbanken entstehen, die dazu ein entsprechendes Guthaben bei der Banca Italia besitzen müssen.

3. Ist es sinnvoll die Verbindlichkeiten einer Zentralbank (in ihrer eigenen Währung) zu besichern? Oder anders gefragt: erwartet eine italienische Bank, die bei der Banca Italia einen Kredit aufnimmt, daß die Banca Italia ihre daraus entstehende Verbindlichkeit mit Sicherheiten „unterlegt“?

4. Muß die Bundesbank der Banca Italia einen Kredit geben, damit die Banca Italia gegenüber der Bundesbank in EURO zahlungsfähig ist? Müßte dieser besichert sein?“

Man könnte den Eindruck bekommen, daß – wenn es um ökonomische Überzeugungen geht – es nicht statthaft ist jemanden dazu aufzufordern sachlich ein paar einfache Fragen zu beantworten. Das zeigte sich daran, daß statt auch nur eines entsprechenden Antwortversuchs ein Referat über die Buchungszusammenhänge einer T2-Transaktion präsentiert wurde. Wiewohl dieses auch sachlich richtig war wurde ohne auf die gestellten Fragen einzugehen schon daraus rubriziert, daß die T2-Salden eben doch ein Schuldenproblem darstellen würden.

Beginnen wir mal mit Frage 1:
Ein passiver T2-Eintrag der BI korrespondiert nach der gegenwärtigen Verfahrensweise mit einem aktiven T2-Eintrag bei der EZB, welcher dann ergänzt wird durch sein Gegenstück, nämlich dem passiven T2-Eintrag der EZB mit dem korrespondierenden aktiven T2-Eintrag der BB. Diese Buchungskette ist ja auch nicht kontrovers und die Frage nach dem durch diese verknüpften Aktiv-Passiv-Paare geforderten Schuldgegenstand läßt sich auch recht leicht beantworten: der zu leistende Gegenstand (wenn es dann doch mal zu einem ‚margin call‘ der BB bzw. der EZB – die „Draghi-Volte“ – kommen sollte) ist Zentralbankgeld – allerdings nicht im Sinne einer Forderung gegen eine Zentralbank, sondern das Schuldentilgungsmittel sui generis: Zentralbankgeld in Form von Banknoten. Wie schon vor einiger Zeit angesprochen ist die Übergabe von Bargeld die wichtigste Option einer Zentralbank, wenn sie sich von ihren Verbindlichkeiten befreien will oder muß. Im Grunde genommen würde eine Begleichung eines passiven T2-Eintrages durch die BI an die BB bedeuten, daß das Zentralbankgeld „Forderung gegen die BI“ gegen das Zentralbankgeld „EURO-Banknote“ getauscht würde. Im Ergebnis hätte die BI statt eines passiven T2-Eintrags einen entsprechend höheren Banknotenumlauf in der Bilanz. Spiegelbildlich dazu hätte die BB einen höheren Kassenbestand, den sie aufgrund der Gepflogenheiten jedoch mit ihrem Banknotenumlauf verrechnen würde, so daß der aktive T2-Eintrag sowie der Banknotenumlauf der BB abnehmen würde. (Manche Leute würde bei einer derartigen Umstrukturierung auf die Idee kommen, die BB hätte nun weniger „Schulden“… bzw. weniger „faule“ Forderungen… Und wieder andere würden nach wie vor steif und fest behaupten, daß die BI ja immer noch „Schulden“ hätte…)

Frage 2 läßt sich anhand des Referats recht schön beantworten und die entscheidende Erkenntnis, welche dem Kommentator „Bagehot“ anscheinend entgangen ist, ist hier versteckt:

„Der Kredit entsteht vollautomatisch: Bei Target2 wird mit der technischen Übermittlung der Überweisungsdaten die Transaktion im gleichen Moment auch „rechtlich finalisiert“ (wie mir dies neulich ein Bundesbank-Vorstand erläutert hat). Es muss also kein Sachbearbeiter oder Vorstand eine Genehmigung für den Kredit erteilen.“

Im Grunde genommen steht hier klipp und klar, daß man besser von der Ansicht Abstand nehmen sollte, daß es sich bei den T2-„Überweisungen“ um „normale“ Banküberweisungen handelt, bei denen von der sendenden Bank Zentralbankguthaben abgezogen werden, während diese der empfangenden Bank entsprechend gutgeschrieben werden. Daß es zu diesem Irrtum kommen kann liegt wahrscheinlich daran, daß die an sich überflüssige Einbeziehung der EZB in die Transaktion zwischen der BI und der BB diese Operation so erscheinen läßt, als würde es sich hierbei in gleicher Weise um einen Transfer von Zentralbankgeld handeln wie in dem Überweisungsverkehr zwischen Geschäftsbanken auf nationaler Ebene. Wäre das der Fall müßten die NZBen bei der EZB Zahlungsverkehrskonten führen, deren Verwendbarkeit von der EZB kontrolliert würde mit der Maßgabe, daß die EZB gegebenenfalls eine Transaktion untersagen könnte wenn z.B. die Überschuldung einer NZB drohen würde. (Der zweite Insolvenzgrund – die Illiquidität – kann bei einer Zentralbank in der von ihr emittierten Währung niemals eintreten, es sei denn man ignoriert aktiv, daß eine Zentralbank eine Zentralbank eine Zentralbank ist. Es soll solche Leute geben…)

Offensichtlich genügt aber eine einseitige Erklärung einer NZB wie der BI um eine T2-Transaktion in Gang zu setzen, so daß der deutsche Empfänger des Geldes eine Gutschrift seiner Geschäftsbank erhält, wobei die Geschäftsbank diese Gutschrift erst dann erteilt, wenn sie ihrerseits von der BB eine Gutschrift über den in Frage stehenden Geldbetrag erhalten hat. Die Bundesbank fragt offenbar weder bei der EZB noch bei der Banca d´Italia nach, ob letztere in Höhe des fraglichen Betrages bei der EZB über ein entsprechendes Guthaben verfügt. Möglicherweise wird das daran liegen, daß es in der Bundesbank tatsächlich Leute gibt die wissen, daß eine Forderung gegen eine Zentralbank, die auf das Bargeld lautet, welches diese Zentralbank berechtigt ist zu emittieren, eben – Zentralbankgeld ist.

Nun ist ja vergleichsweise bekannt, daß Geschäftsbanken lieber mit unbarem Zentralbankgeld arbeiten und einiges unternehmen, um von dem lästigen und kostenträchtigen Bargeldverkehr wegzukommen. Der Grund dafür, daß keine Geschäftsbank auf die Idee kommt ihre Forderungen gegen die Zentralbank in Bargeld halten zu wollen ist, daß sie wissen, daß eine Zentralbank alle gegen sie existierenden Forderungen, die auf das Bargeld lauten, welches sie selbst emittieren darf, in unbeschränkter Höhe in Bargeld auszahlen kann. Der Clou an der ganzen Sache hängt an dem kleinen und unschuldigen Wörtchen „unbeschränkt“! Denn unbeschränkt heißt, daß für eine Zentralbank für die bei ihr bestehenden Verbindlichkeiten keine Grenze existiert, die sie nicht mit von ihr selbst emittierter BAR-Liquidität begleichen könnte – in der Wirtschaftsgeschichte gibt es einige Beispiele davon. Das bedeutet jedoch umgekehrt, daß es für Geschäftsbanken keine Veranlassung gibt ihr Guthaben bei der Zentralbank aus Sicherheitsgründen in Bargeld umzuwandeln (womit schon an dieser Stelle Frage 3 beantwortet wäre) und daher die einzige Einlösung, die überhaupt möglich wäre (siehe Frage 1) aus Kostengründen schlicht und einfach unterbleibt.

Für die Beantwortung von Frage 2 heißt das jedenfalls, daß das Entstehen des passiven T2-Eintrages gegenüber der EZB nicht an irgendwelche Kreditwürdigkeitsprüfungen geknüpft ist, weil die BI ja nicht in irgendeiner Weise selbst Kredit aufnimmt, sondern ein von ihr emittiertes Zentralbankgeldvolumen (dessen Entstehung auf Operationen zurückgeht, die bereits vor der fraglichen T2-Transaktion abgeschlossen worden waren) auf die BB überschreibt. Denn die Verbindlichkeit, welche sie vorher gegenüber der „Cinque Stelle“ hatte, welche ihr Guthaben genutzt hat um für ihren Kunden eine Überweisung an einen Empfänger in GER durchzuführen, hat die BI nunmehr gegenüber der EZB, wodurch die EZB von der BI – Zentralbankgeld erhält. Durch Gutschrift zu Gunsten der BB erhält die BB von der EZB ebenfalls – Zentralbankgeld. Und durch Gutschrift zu Gunsten der Bank A&T erhält der Empfänger in GER ebenfalls seine Gutschrift von der Bank A&T – die jedoch im Unterschied zu den anderen Gutschriften kein Zentralbankgeld mehr ist.

Das Entfallen der Kreditwürdigkeitsprüfung hat natürlich seinen Grund darin, daß eine Zentralbank als Quelle allen Zentralbankgeldes nicht wirklich auf Kreditwürdigkeit geprüft werden muß, zumal das von ihr übertragene Zentralbankgeldvolumen aus einer i.d.R. den Bonitätskriterien des ESZB genügenden Kreditgewährung an den Bankensektor entstanden ist. Sobald jedoch die Kreditgewährung der BI an die Banca „Cinque Stelle“ erfolgt ist hat diese die uneingeschränkte Möglichkeit das ihr zur Verfügung stehende Zentralbankgeldvolumen für Überweisungszwecke ins Ausland zu nutzen, ohne daß dabei seitens der BI geprüft wird welche Beweggründe dieser Überweisung zu Grunde liegen. Das einzige was sie tut ist dem Begehren nach Überweisung stattzugeben wobei für die BI der Fall mit der „technischen Übermittlung der Überweisungsdaten“ endgültig abgeschlossen ist. Für die BI besteht die Änderung der Bilanz daraus, daß nicht mehr die Banca „Cinque Stelle“ die Forderung auf Bargeldlieferung innehat, sondern die EZB bzw. eine Stufe weiter die BB. Das ist jedoch eine grundlegende Änderung des Charakters dieser „Verbindlichkeit“, denn solange diese Verbindlichkeit der BI gegenüber der Banca „Cinque Stelle“ bestand existierte immer noch die Wahrscheinlichkeit, daß diese Verbindlichkeit mit einer Lieferung von Bargeld erfüllt werden müßte. Diese Wahrscheinlichkeit schrumpft mit der Entstehung des T2-Eintrages auf quasi Null, weil es so gut wie keinen Fall gibt, daß die EZB die „Draghi-Volte“ ernstnimmt und an die BI herantritt und von ihr die Begleichung der bestehenden T2-„Verbindlichkeiten“ fordert. Der Grund ist natürlich der, daß die EZB sowie die BB dasjenige, was sie aus der T2-Foderung gegenüber der BI erhalten könnten genau dasjenige ist, was sie selbst zur Tilgung ihrer eigenen Verbindlichkeiten in unbeschränkter Höhe selbst emittieren können. Und wenn die BI auf die Idee kommen sollte ihre T2-„Schulden“ mit der Übergabe von Bargeld begleichen zu wollen wäre auf einmal der T2-Eintrag bei der EZB gelöscht, während die Bundesbank einen Zugang an Banknoten realisieren würde, welche sie praktisch nicht gebrauchen kann und aufgrund der Tatsache, daß eine Zentralbank keinen Kassenbestand bilanziert, gegen den eigenen Banknotenumlauf saldieren müßte. Dies hätte zur Folge, daß der von der BB ausgewiesene Banknotenumlauf erheblich zurückgehen würde (das Pendant zur Erhöhung des Banknotenumlaufs in der Bilanz der BI) wodurch praktisch ausgedrückt wird, daß der Beitrag der BB zur Emission von Zentralbankgeld geringer ist als derzeit noch ausgewiesen.

Wenn man so will ist der T2-Eintrag auf der Aktivseite der BB quasi eine Art „Kassenbestand“ in der BB Bilanz, welcher nur dann so erhalten bleibt, wenn er nicht in Bargeld umgewandelt wird. Der Vergleich mit einem Kassenbestand ist u.a. deswegen so originell, weil genau dieser Verwendung findet, wenn ein deutscher Käufer in Italien Waren oder Dienstleistungen bezahlen will. In diesem Fall reduzieren sich die aktiven T2-Einträge bei der BB als würden diese Beträge für die „Bezahlung“ dieser Käufe genutzt. (Natürlich kann der T2-Eintrag auch genutzt werden, wenn italienische Pizzabäcker von Deutschland aus in Palermo ihre Luxusvilla bezahlen…)

Frage 4 ist inzwischen soweit geklärt, daß es keine Restriktionen resp. Kreditwürdigkeitsvorbehalte gibt, die einer T2-Transaktion entgegenstehen, die wie zitiert quasi durch eine einseitige Willenserklärung der BI gegenüber der EZB bzw. der BB ausgelöst wird. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei einer Kreditvereinbarung stets um einen Vertrag, bei dem zwei sich deckende Willenserklärungen vorliegen müssen, wobei der Vertragsgegenstand Zentralbankgeld zunächst vom Kreditgeber an den Kreditnehmer übertragen werden muß, da sonst der Kreditgeber nicht zum Gläubiger wird. Bei einer T2-Transaktion verhält es sich jedoch so, daß bereits existierendes Zentralbankgeld von der BI an die EZB bzw. BB übertragen wird, wodurch ja gerade der T2-Eintrag der BB steigt. (Es handelt sich hierbei im Ergebnis bei der BI um einen sog. „Passivtausch“ auch wenn aus formalen Gründen keine Passiva „getauscht“ werden.) Eine normale Geschäftsbank wäre mit einer Gutschrift auf ihrem Zentralbankkonto völlig zufrieden und würde nicht noch darüber nachdenken, ob das „Guthaben“ bei der Zentralbank auch ausreichend „sicher“ ist. In gleicher Weise hat ja die BB den Ausgleich für die von ihr eingegangene Verpflichtung gegenüber der Bank A&T erhalten, weil sie ja durch den aktiven T2-Eintrag quasi einen Zugang an Zentralbankgeld erhalten hat. Man könnte es so pointieren: was für die Banca „Cinque Stelle“ Zentralbankgeld ist, ist auch für die BB Zentralbankgeld – auch wenn letztere nicht wirklich weiß, was sie damit anfangen soll, da es sich hierbei um das berühmte „Eulen nach Athen tragen“ handelt.

Bleibt als Fazit nur noch festzuhalten, daß man dann, wenn man mit aller Gewalt ein Problem aus den T2-Salden machen möchte notwendigerweise sein Gesichtsfeld auf die aktienrechtlichen Bilanzierungsvorschriften einengen muß. In gleicher Weise muß man komplett ignorieren, daß Operationen zwischen Zentralbanken aus logischen Gründen anders beurteilt werden müssen, als Operationen von Zentralbanken mit den ihr angeschlossenen Geschäftsbanken. Vermutlich ist es die Vorstellung, die EZB sei eine Art übergeordnete Bank in Bezug auf die NZBen die zu dem Fehlschluß verleitet, es würde sich bei den T2-Operationen um analoge Vorgänge handeln wie im nationalen Zahlungsverkehr. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn die EZB ist für die NZBen nicht die Clearing- bzw. Settlement-Instanz wie es eine Zentralbank gegenüber den angeschlossenen Geschäftsbanken ist. Im Grunde genommen könnte der RTGS-Zahlungsverkehr auch komplett ohne die EZB abgewickelt werden, was lediglich den vertretbaren Mehraufwand bedeuten würde für jede andere dem EURO angehörende NZB ein eigenes Konto zu führen – soviel Speicherplatz sollte dann doch schon vorhanden sein…

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Und was ist nun Geld?

garachicoWenn man versucht anderen etwas zu erklären ist es manchmal so, daß man sich selbst mehr erklärt als vorgesehen. So geschehen während der Antwort auf einen Kommentar auf Timo Ollech, der sich in Bezug auf ‚bitcoin‘ danach erkundigte, ob dort der Themenbereich Verpflichtungs-/ Erfüllungsgeschäft abgebildet werden könne. Heraus kam, daß die ‚blockchain‘ der Pferdefuß der digitalen Übermittlung von Information ist, denn diese dient dazu, zu verifizieren, wer wem einen bestimmten ‚bitcoin‘-Betrag übertragen hat in dem Sinne, daß der Empfänger nunmehr als rechtmäßiger Eigentümer der entsprechenden Krypto-Informationssequenz in der ‚blockchain‘ gelistet ist. Verifizieren heißt hierbei das Anlegen einer Multiplizität von Datenspuren darüber, daß A an B eine bestimmte Informationssequenz eigentumsrechtlich übertragen hat. Da man ja Krypto-Informationen beliebig kopieren kann muß also die ‚blockchain‘ quasi wie das Banksystem darüber Buch führen, wer wieviel und welche(!) ‚bitcoins‘ in seinem ‚wallet‘ hat.

Der eigentliche Aha-Moment war aber die Erinnerung an eine frühere (vorläufige) Erkenntnis, daß bei einer Barzahlung letztlich nur die auf dem Geldschein aufgedruckte Registriernummer das entscheidende Feature ist, welches den Geldschein mit der Schuldentilgungsfähigkeit ausstattet, die üblicherweise fälschlich dem Papier zugerechnet wird. Die Bezeichnung als „Papiergeld“ legt nämlich nahe, daß es der Geldschein ist, welcher eine Zahlung zuwegebringt, so daß sich unwillkürlich die Vorstellung von einem stofflichen Etwas im Kopf etabliert, womit dann die Verwechslung mit einer realen Sache wie dem Gold sich quasi schon wie von alleine ergibt, denn wenn eine faßbare Sache als Geld fungiert liegt es nahe zu denken, daß auch andere reale Dinge als Geld fungieren könnten und gewissermaßen die Ausprägung von Münzen aus Edelmetallen als natürliche „Geldform“ erscheint. Man wird also schon durch die Bezeichnung „Papiergeld“ auf eine falsche Fährte geführt, weil es nicht das (registrierte) Papier ist, welches Schuldentilgungsfähigkeit begründet, sondern die auch auf dem Papier aufgedruckte Information, daß die Zentralbank die Information mit der Registriernummer XYZ mit einer Schuldentilgungsfähigkeit von z.B. 100 € ausgestattet hat. (Das Interessante bei dieser Geschichte ist, daß es mit dem Konstrukt „Papiergeld“ möglich ist die Information über Schuldentilgungsfähigkeit zu einem Gegenstand der (analogen) Verfügung zu machen, ohne daß dabei eine dritte Partei Überwachungs- und Kontrollaufgaben wahrnehmen muß.)

Daß es sich so verhält wie oben beschrieben erkennt man sehr schön an einem Gedankenexperiment: nehmen wir mal an aus dem „Ausgangslager“ für Bargeld der Zentralbank würde ein Bündel Banknoten entwendet, welches für die Tilgung von Zentralbankschulden vorgesehen war. Die entwendeten Geldscheine sind unter Beachtung aller Vorschriften erstellt und gekennzeichnet worden und wären somit im Publikumsverkehr als gültiges Schuldentilgungsmittel verwendbar. Da es sich hier um keine Fälschungen handelt müßte man davon ausgehen, daß es sich bei diesen unrechtmäßig in Verkehr gebrachten Geldscheinen um das gesetzliche Zahlungsmittel handelt. Und doch ist es nicht so, weil diesen Geldscheinen nämlich das entscheidende Merkmal fehlt von der Zentralbank als gültiges Schuldentilgungsmittel deklariert worden zu sein. Diese Deklaration der Schuldentilgungsfähigkeit findet sich als Eintrag in der Datenbank der Zentralbank, in der für jeden einzelnen emittierten Geldschein neben der Registriernummer auch die Denominierung (Zahlaufdruck) und das Datum der Emission (und wahrscheinlich noch 100 weitere Detailangaben) aufgeführt sind, so daß eine Zentralbank jederzeit angeben kann, welche der umlaufenden Registriernummern (auf den von ihr ausgegebenen Geldscheinen) gültig sind und welche nicht. Das bedeutet, daß diejenigen Scheine, deren Registriernummer nicht in der Bargeld-Datenbank aufgeführt sind auch keine Schuldentilgungsfähigkeit besitzen – und mithin Falschgeld sind. (Das ist im Hinblick auf den §935 (2) BGB eine interessante Fragestellung…)

Es mag vielleicht auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, daß ein unter Beachtung aller Vorschriften hergestellter Geldschein kein gültiges Schuldentilgungsmittel sein soll, aber diese Tatsache ergibt sich aus dem Umstand, daß erst der hoheitliche Akt der Emission einem Geldschein als Träger der Information über Schuldentilgungsfähigkeit die Eigenschaft gültiges Schuldentilgungsmittel zu sein verleiht. Das hat ganz direkte Konsequenzen für den Geldschein, denn es erweist sich, daß der Geldschein lediglich der Datenträger für die entscheidende Information „emittierter Geldbetrag“ ist auch wenn man dem Geldschein nicht ansehen kann, ob der zugehörige Dateneintrag in der Bargeld-Datenbank der Zentralbank auch tatsächlich existiert. Dadurch drängt sich der Vergleich mit einer Kryptosequenz auf, weil hier die aus dem ‚mining‘ entstandenen Kryptoinformationssequenzen im Grunde genommen dieselbe Funktion aufweisen wie die von einer Zentralbank vergebenen und emittierten Registriernummern. Während jedoch die im Grunde auch nur digital vorliegende Information über Schuldentilgungsfähigkeit auf einem analogen Medium wie dem Geldschein einigermaßen fälschungssicher ist, muß eine ausschließlich digitale Kryptoinformationssequenz überhaupt erst einmal dagegen geschützt werden millionenfach kopiert zu werden. Man braucht also gewissermaßen eine Buchhaltungsinstanz, welche die Eigentumsrechte an diesen Informationen an bestimmte ‚wallets‘ zurechenbar macht und somit das Eigentum an dieser Informationssequenz zweifelsfrei festgestellt werden kann. Die Monströsität, die dazu erforderlich ist, ist die sog. ‚blockchain‘, die im Grunde dazu da ist aufzuzeichnen, wer gerade an wen wieviel und welche (sic!) Kryptoinformationen gesendet hat. Im Gegensatz dazu ist die Übertragung der auf einem analogen Medium gespeicherten Information „Geld“ (da haben wir das G-Wort) vergleichsweise simpel zu bewerkstelligen, indem der Geldschein die Hände wechselt und damit das Eigentum an der Information über Schuldentilgungsfähigkeit auf den Empfänger übergeht. Während jedoch i.d.R. niemand anders als der Eigentümer über den Inhalt des eigenen Portemonnaies Bescheid weiß muß in der ‚blockchain‘ nicht nur der mengenmäßige Inhalt eines ‚wallets‘ dokumentiert sein, sondern es müssen auch die Daten über die jeweiligen individuellen Krypto-Informationssequenzen aufgeführt sein – das ist etwa vergleichbar damit, daß die Zentralbank wüßte, welche Geldscheine mit welchen Registriernummern sich gerade im Augenblick in Ihrem Portemonnaie befinden…

Dadurch, daß die Information der Zentralbank auf einem (Papier-) Datenträger aufgetragen wurde entsteht aber nun der angenehme Effekt, daß die Übergabe dieses Informationsträgers gleichzeitig die in ihm enthaltene Information mit überträgt und somit ein Eigentumsübergang der enthaltenen Information durch ein einfaches Verfügungsgeschäft problemlos abgewickelt werden kann. Vermutlich liegt im Gegensatz dazu auch der Krampf mit der ‚blockchain‘ begründet, weil im ‚bitcoin‘-Zahlungsverkehr die Information ohne einen verbundenen Datenträger übermittelt wird und somit die Frage der Zurechenbarkeit eines ‚bitcoin‘ zu einem bestimmten ‚wallet‘ zur Existenzfrage einer Kryptowährung wird – wenn es denn jemals eine Währung wird… (Man könnte natürlich auch eine ‚bitcoin‘-Kryptosequenz auf einen „Bitschein“ auftragen, welcher dann auch analog weitergegeben werden könnte. Es muß nur dafür gesorgt werden, daß die ‚blockchain‘ diese Kryptosequenz als nicht mehr digital verfügbar deklariert…)

Mit diesen ganzen Vorüberlegungen kommt man dann zu dem Ergebnis, daß Geld eine von der Zentralbank emittierte Information ist, die mit einer bestimmten Menge Schuldentilgungsfähigkeit ausgestattet ist. Der hoheitliche Aspekt dieses Aktes wird dadurch sichtbar, daß lediglich die Deklaration, daß eine bestimmte Registriernummer eine Schuldentilgungsfähigkeit von z.B. 100 € haben soll, für die Emission erforderlich ist. Das hat interessante Konsequenzen für die geldtheoretische Diskussion, denn üblicherweise wird ja heutzutage Geld als Kreditgeld angesehen, was bedeutet, daß der Emissionsvorgang untrennbar mit einer Kreditvergabe verbunden sein muß – ob als direkter Kredit an eine Geschäftsbank oder als Ankauf einer z.B. Staatsobligation macht hier an dieser Stelle nicht den entscheidenden Unterschied aus. In Wahrheit ist lediglich die Deklaration der Zentralbank einen bestimmten Betrag/ Registriernummer als gültiges Schuldendeckungsmittel zu erklären erforderlich, damit neues Geld auf die Welt kommt. Letzteres ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Zentralbank eine Gehaltsüberweisung für ihre Mitarbeiter vornimmt, denn dann schreibt sie einfach der Bank bei der der Mitarbeiter ein Konto führt einen bestimmten Betrag gut mit der Maßgabe, daß sich die Bank ihrerseits gegenüber dem Mitarbeiter verschulden möge – und die Banken akzeptieren das widerspruchslos. Von daher muß man eigentlich zu der Einschätzung kommen, daß gewissermaßen eine Kreditvergabe lediglich akzessorisch zu einer Geldemission ist und von daher eine Kreditvergabe nicht das exclusive Integrationsverfahren für die Emission von Geld darstellt. Denn wie Banken können auch Zentralbanken im Zuge von Leistungstransaktionen Gutschriften erteilen ebenso wie sie auch durch einfache Deklaration Schuldentilgungsfähigkeit erzeugen können, indem sie sich z.B. gegenüber dem Staat verschulden – was auf eine einfache Gutschrift zugunsten des Staatskontos hinausläuft. (Man darf durchaus davon ausgehen, daß das Angebot der Zentralbank sich gegenüber dem Staat zu verschulden seitens des Staates von einer wohlwollenden Annahme begleitet sein wird…) Und schließlich könnte die Zentralbank auch ein sinnloses Gutachten zur Bargeldabschaffung kaufen und in bar bezahlen, was für die Zentralbank nichts weiter bedeutet als mit der Übergabe der Geldscheine den entsprechenden Eintrag in der Datenbank des umlaufenden Bargeldes zu ergänzen. Daß es nicht gemacht wird (das mit der Zahlungsweise, das mit dem Schrottgutachten schon eher) heißt ja nicht, daß es nicht möglich und legitim wäre so zu verfahren.

Die Frage der Institutionalisierung, d.h. auf welche Weise Geld in die Wirtschaft kommt ist demgegenüber eine interessante und wichtige, jedoch nichtsdestoweniger davon getrennte Frage, weil unabhängig von dem Verfahren wie Geld in die Wirtschaft kommt immer der (hoheitliche) Emissionsakt erforderlich ist. Daher verdeckt gewissermaßen die Charakterisierung des heutigen Geldes als Kreditgeld, daß die Genesis des Geldes die Deklaration der Zentralbank als Grundlage hat und nicht das operative Verfahren, mit dem Geld emittiert wird. Wenn man so will sind die Integration von Geld über Bankenkredite, über Staatsanleihen oder auch neuerdings mittels QE4P lediglich alternative Institutionalisierungen für ein und denselben Zweck: die Emission von Geld. Von daher ist die Vermutung, der Kredit wäre quasi die „natürliche“ Art und Weise wie Geld neu entsteht als nicht zutreffend einzustufen, wiewohl diese Art der Technik allem Anschein nach eine vergleichsweise gesunde Verfahrensweise darstellt. Doch auch wenn diese Art der Geldemission ein paar Jahrzehnte zu vergleichsweise stabilen Verhältnissen geführt hat sollte man dennoch den Merkposten bewahren, daß Geld als Kreditgeld nur eine spezifische Art der Institutionalisierung der Geldemission darstellt, weil man sonst zu leicht in die Gefahr gerät das Bestehende für das Natürliche zu halten…

Wenn man so will kann man hier in analoger Weise zur Differenz von Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft von einem monetären Abstraktionsprinzip sprechen, welches zwischen dem Prozeß der Geldemission einerseits und dem Prozess der Geldintegration andererseits differenziert. Damit kann man auf einmal erkennen, daß eine Zentralbank lediglich irgendeinen beliebigen Rechtsgrund braucht, um Schuldentilgungsfähigkeit zu erzeugen, wobei sie diesen hoheitlichen Akt lediglich als Banknotenumlauf dokumentiert, weil sie daraus nie in Anspruch genommen werden kann. Daß der größte Teil der monetären Schuldentilgungsfähigkeit lediglich als Forderung gegen die Zentralbank existiert steht dem deswegen nicht entgegen, weil ja gerade das Recht der Zentralbank ihre Verbindlichkeiten in jeder erforderlichen Höhe durch die Übergabe von Bargeld zu begleichen eine Einlösung dieser Forderungen in Bargeld unnötig macht und damit dem modernen ‚clearing‘ bzw. ’settlement‘ überhaupt erst den Weg bereitet.

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loans make assets

missing-keysMan wundert sich gelegentlich über den Enthusiasmus, mit dem von Vertretern einer ’new view‘ oder „modernen“ Version von Geld ein Fundamentaltheorem verfochten wird, welches angeblich die gesamte Sicht über das Geldwesen verändern soll. Es geht hier um die Geschichte, daß verkürzt gesagt durch die Vergabe von Krediten dazu korrespondierend Einlagen geschaffen werden und diese dann als Geld interpretiert werden. Dazu kommen dann so herzige „Geldmengendefinitionen“ in denen ein Teil der Bankschulden zur Geldmenge gerechnet werden, weil sie ja in den Bilanzen der Haushalte als Aktiva auftauchen. Nun kann man ja seine Sicht der Welt auch mit nicht gerechtfertigtem Enthusiasmus verfechten, jedoch wird die Sache dann ärgerlich, wenn dann die Vertreter dieser Lehre meinen mit einem derart zweifelhaften Konstrukt eine etablierte Theorie schachmatt setzen zu können wobei dann auch noch elementare Sachverhalte durcheinanderwürfelt werden.

Ein schönes Beispiel ist dafür P. Mehrling in seinem Post:

http://www.perrymehrling.com/2015/06/why-is-money-difficult/

Sucht man die Antwort auf die dort aufgeworfene Frage müßte man antworten, daß nicht das Geld schwierig zu erklären ist, sondern seine Behandlung dieser Materie nicht verständlich ist und es deswegen nicht schwierig sondern unmöglich ist ein vergleichsweise einfaches Konstrukt zu verstehen. Denn wenn man sich den Artikel ansieht stellt man fest, daß M. einfachste Sachverhalte in unzulässiger Weise vermischt. So schreibt er ziemlich zu Anfang:

„Banks make loans by creating deposits, expanding their balance sheets on both sides simultaneously. This process apparently offends common sense understanding of what it means to make a loan—I can only lend you a bicycle if I already possess a bicycle.“

Der erste Satz ist ja noch in Ordnung und die simultane Entstehung von Forderungen und Verbindlichkeiten entspricht ja auch dem Grundmuster eines jeden Vertrages, welcher rechtsgültig zustandekommt, sobald zwei übereinstimmende Willenserklärungen vorliegen und diese von beiden Seiten angenommen worden sind (Angebot und Annahme). Aber schon im zweiten Satz beginnt die Konfusion, weil Mehrling offenbar davon ausgeht, daß ein Vertrag unwirksam oder unmöglich sei, wenn die Partei, die ein Fahrrad zu verleihen verspricht (noch) kein Fahrrad besitzt, welches sie verleihen könnte. Hier werden von M. unzulässigerweise zwei Dinge vermischt, die strikt auseinandergehalten werden müssen: das eine ist die Verpflichtung etwas zu tun oder zu liefern, das andere ist die Erfüllung dessen, wozu sich die Vertragsparteien verpflichtet haben. Denn ein Vertrag ist (im Prinzip) auch dann gültig, wenn eine oder beide Parteien die Verpflichtungen, die sie eingegangen sind, nicht erfüllen wollen oder können.

Wenn man also fest davon überzeugt ist, daß eine Verpflichtung bereits seine Erfüllung beinhaltet kann man auf einmal nicht mehr auf die simple und angemessene Aussage kommen, daß Geld die Sache zur Erfüllung einer Geldschuld ist – nicht mehr und nicht weniger. Denn eigentlich ist das ‚deposit‘ nichts anderes als die Erklärung der Bank auf Anforderung des Kreditkunden einen Transfer von Zentralbankgeld durchzuführen was schlichtweg bedeutet, daß die Bank erst dann das Zentralbankgeld zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeit haben muß, wenn der Kreditkunde darüber verfügen will. Sobald man das einmal geblickt hat versteht man überhaupt nicht mehr, was M. mit der ‚alchemy of banking‘ meinen könnte, denn die Tatsache, daß ein Vertrag aus gegenseitig eingegangenen Verpflichtungen besteht ist weder besonders unverständlich noch für esoterische Mystifikationen geeignet. Und ein ‚common sense‘ wird nur dort gestört, wo ein fehlerhaftes Verständnis der Struktur von Verträgen vorliegt – soll es ja geben. An sich ist die Sache ja noch schlimmer: der Vorwurf von M., daß ein falsches Verständnis von Geld besteht (die ‚barrier‘ des korrekten Verständnisses) wird mit einem fadenscheinigen Argument begründet, indem dem arglosen Leser suggeriert wird, daß die Essenz des Bankwesens ‚a swap of IOUs‘ wäre. Was für ein dünnes Brett: das gegenseitige Eingehen einer Schuld ist eine Grundfigur des Rechtswesens und nennt sich: Vertrag. Daß im Bankwesen Verträge geschlossen werden deren einziger Unterschied zum Kauf eines Gegenstandes darin besteht, daß nicht erst die Gegenleistung (Kaufpreis) eine Geldzahlung sein soll sondern bereits die Leistung, soll jetzt ernsthaft DAS Spezifikum von ‚banking‘ sein? Wer soll damit veralbert werden?

Wenn man nun glaubt, das wäre nicht schon genug Konfusion wird kurz danach eines besseren belehrt wo es sich zeigt, daß der eingangs gemachte Fehler, das Versprechen schon für die Erfüllung zu halten, sich fröhlich fortpflanzt. Weiter heißt es bei M.:

„Money is part private (bank deposits) and part public (central bank currency), though in normal times we hardly notice because the two kinds of money trade at par.“

Sobald zwei Dinge (‚two kinds of money‘) sich im Verhältnis 1:1 austauschen könnte man denken, es würde sich hier um zwei sachlich gleiche Dinge handeln, die weil sie ‚getraded‘ werden jeweils als Erfüllung einer Schuld zu übergeben sind. Vermutlich meint M. aber, daß eine Barein-/ auszahlung auf einem Konto zu einer ebensolchen Veränderung des Kontostandes führt, was ja auch dem üblichen Procedere entspricht. Was nicht stimmt ist, daß sich hierbei gleiche Dinge austauschen, denn die einzige Sache, die im Rahmen dieser Transaktion übergeben wird ist das Bargeld, während die Erhöhung/ Verminderung des Kontostandes diese Übergabe als Veränderung der Schuld-/ Forderungsposition registriert. Daß dies überhaupt möglich ist liegt an einem dem Konto zugrundeliegenden Geschäftsbesorgungsvertrag, der es den Bankkunden ohne Einzelvereinbarung ermöglicht die Bank zu verschulden, indem er ihr das Schuldentilgungsmittel Geld übergibt (et vice versa). Die Übergabe von Bargeld zur Einzahlung auf ein Konto hat seitens der Bank damit nicht etwa zur Folge, daß sie etwas gleichwertiges übergibt wie es offenbar M. vorschwebt, sondern erzeugt lediglich einen Buchungseintrag dahingehend, daß der dem Kunden zur Verfügung stehende Betrag sich um ein gewisses Quantum erhöht hat.

Es gehört schon einiges dazu die Erhöhung einer Schuldposition als die Übergabe einer dem Bargeld äquivalenten Sache zu interpretieren. Nun weiß man ja inzwischen, daß es genügend Verfechter einer „modernen Geldtheorie“ gibt, die allen Ernstes behaupten, daß diese Schulden (auch genannt Depositen oder „Einlagen“) „zirkulieren“ würden, womit sich auch die Vorstellung rechtfertigen ließe, daß es einen Tausch Bargeld gegen Depositen geben würde. Diesem Glauben liegt die Vorstellung zugrunde, daß ein Depositum eine Sache sei, bei der man von den Parteien, die das Depositum ausmachen abstrahieren könne. Dem ist aber nicht so, denn das Schuldverhältnis einer Bank A zu ihrem Kunden A ist grundsätzlich etwas anderes als das Schuldverhältnis einer Bank B zu ihrem Kunden B – selbst dann, wenn es sich um den gleichen Betrag handelt und auch dann, wenn bei einer Überweisung von A zugunsten von B die Auflösung des Schuldverhältnisses A zu der Begründung des Schuldverhältnisses B führt und somit das Entstehen von B kausal mit der Auflösung von A zusammenhängt. Richtig ist dagegen: Schuldverhältnis A wird gelöscht, Schuldverhältnis B wird neu begründet – wie man darauf kommt, daß hier ein „Depositum zirkulieren“ würde ist nicht mit normalen sondern nur mit schlampigen Denkweisen zu erklären.

Genau das wird aber einem untergejubelt wenn es heißt:

„You and I use bank money to settle our promises to pay, but banks use central bank money…“

obwohl M. ja eigentlich selbst sagt, daß Banken überhaupt nie und noch nicht einmal im Traum daran denken irgendwelche „Depositen“ als Zahlung zu akzeptieren, sondern Bank B solange mit der Gutschrift für Kunden B wartet, bis sie die Verfügungsmöglichkeit über den fraglichen Betrag auch erhalten hat – entweder direkt als Zentralbankgeld in bar (unüblich aber möglich) oder als Forderung gegen die Zentralbank oder auch als Forderung auf Zentralbankgeld gegen die überweisende Bank A. Auf jeden Fall wird die Empfängerbank B auf den Zugang eines Aktivums bestehen wenn sie sich gegenüber ihrem Kunden B verschulden soll – sonst wird es mit der Deposite nichts.

Sobald man also die ganze Geschichte mal nüchtern betrachtet gibt es überhaupt keine Veranlassung aus der Formel ‚loans make deposits‘ irgendwas anderes herauszulesen als den schnöden Umstand, daß ein Kredit aus sich gegenseitig entsprechenden zeitlich versetzten Zahlungsversprechen besteht. Von diesen Zahlungsversprechen ist der eine Teil das ‚deposit‘, während der andere Teil das ‚asset‘ ist, die beide zusammen den ‚loan‘ ausmachen. Daraus folgt aber in keiner Weise, daß damit ein übergabefähiges Aktivum entstanden ist welches zur Tilgung von Geldschulden verwendbar wäre auch wenn die Bank nun verpflichtet ist auf Anforderung ihres Kunden dasjenige Schuldendeckungsmittel zu transferieren, zu dem sie sich verpflichtet hat: Zentralbankgeld – ein Aktivum. Denn ein Vertrag ist eine Absichtserklärung ist eine Absichtserklärung ist eine Absichtserklärung und eine Vertragserfüllung erfolgt mit einem Aktivum einem Aktivum einem Aktivum.

Von daher ist zu fragen, was diese Formel ‚loans make deposits‘ inhaltlich aussagen soll. Rein phänomenologisch gesehen wirkt dieser Satz gewissermaßen als Aussage dahingehend, daß ein ‚loan‘ ein ‚deposit‘ impliziert, d.h. aus dem Vorliegen eines Kredites kann auf die Existenz einer Einlage geschlossen werden in dem Sinne: WENN ein Kredit erteilt wird DANN wird auch eine Einlage erzeugt. In der Aussagenlogik wird die Relation K(redit) → E(inlage) sprachlich ausgedrückt als K ist hinreichend für E. was eben heißt, daß wenn K gegeben ist auch E gegeben ist, was im Zusammenhang mit einem Kredit bedeuten könnte, daß dem Kredit der Bank auch eine Summe „Geld auf dem Konto“ gegenübersteht (auch wenn auf einem Konto NIE Geld sein kann). Das ist auch nicht komplett falsch weil üblicherweise eine Kreditvergabe auch zu einer Erhöhung des Kontostandes führt. Von daher müßte man aus der Gewährung eines Kredites auf die Existenz eines korrespondierenden Depositums schließen können.

Es ist allerding fraglich, ob ein derartiger Schluß überhaupt einen Sinn macht, denn schon die Definition eines Kredites als übereinstimmende Willenserklärungen zu vereinbarten Terminen Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen bzw. zu zahlen bedeutet, daß für das Zustandekommen eines Kredites gegenläufige Zahlungsverpflichtungen konstituierend sind. Es ist ja so, daß ein Kredit aus 4 Bilanzänderungen besteht, nämlich zwei bei der Bank und zwei bei dem Kreditkunden. Insofern müßte man die Formel ‚loans make deposits‘ dahingehend präzisieren, daß dem ‚deposit‘ – also dem Paar Verbindlichkeit Bank und Forderung Kreditkunde – das Paar ‚loan‘ – also das Paar Bankforderung und Kreditverbindlichkeit – gegenübersteht. Das Herausgreifen eines Aspektes macht aber isoliert keinen Sinn, weil ein Kreditkontrakt alle 4 Positionen umfaßt und insofern die Aussage ‚loans make deposits‘ nicht viel mehr aussagt, als daß in dem Gesamtpaket ‚loan‘ auch ein ‚deposit‘ mit enthalten ist – genauso wie ein ‚asset‘ der Bank, nämlich die Forderung an den Kreditkunden bzw. dessen Verbindlichkeit. Man könnte also mit derselben Berechtigung formulieren: ‚loans make assets‘ – und würde auch damit nur einen Teil des Kreditverhältnisses adressieren!

Wenn man so will wird durch die Formulierung ‚loans make deposits‘ eigentlich nur ausgesagt, daß in der Gesamtheit ‚loan‘ auch die „Teilmenge“ ‚deposit‘ enthalten ist, was angesichts der Definition einer Kreditvereinbarung nicht wirklich als eine große Erkenntnis einzustufen ist. Die Frage ist eher inwieweit die „Teilmengen“ ‚deposit‘ und ‚asset‘ als eigenständige Entitäten aufgefaßt werden können. Und tatsächlich lassen sich für beide Aspekte ohne weiteres Transaktionen finden ohne daß dabei ein Kredit mit hineinspielen würde. So kann eine Bank ein ‚deposit‘ erstellen, wenn z.B. das Gehalt eines Bankangestellten fällig wird oder sie eine Goldmünze ankauft – ein ‚deposit‘ ohne ‚loan‘ ist also ohne weiteres möglich. (Letzteres bedeutet dann auch, daß ein ‚deposit‘ nicht hinreichend für einen ‚loan‘ ist, sondern lediglich notwendig – im aussagenlogischen Sinne! Heißt: aus einem ‚deposit‘ kann nicht zwingend auf einen ‚loan‘ geschlossen werden.) Allgemein gesagt können durch Leistungstransaktionen jederzeit ‚deposits‘ geschaffen werden wobei für die Bank kein ‚asset‘ mit anfällt. Etwas anders liegt der Fall der ‚assets‘ ohne ‚loan‘, denn das bedeutet den Zugang einer Forderung ohne Zugang einer (monetären) Verbindlichkeit, also wenn die Bank z.B. die Goldmünze wieder verkauft. Allgemein gesagt können ‚assets‘ und ‚deposits‘ aus Leistungstransaktionen entstehen, ohne daß dazu ein ‚loan‘ nötig wäre.

Aber auch wenn weder ‚deposit‘ noch ‚asset‘ alleine hinreichend für einen ‚loan‘ sind könnt man darüber nachdenken, ob aus der Kombination ‚deposit‘ UND ‚asset‘ geschlossen werden kann, daß nunmehr ein ‚loan‘ vorliegt…

deposit UND asset  →  loan  ?

Denn der Unterschied zwischen Leistungs- und Finanztransaktionen liegt ja wie gesehen darin, daß bei ersteren wenigstens ein Schuldteil eine nicht monetäre Leistung ist, während bei letzteren beide Schuldteile aus monetären Transfers bestehen…

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Felix qui potuit rerum cognoscere causas

lauterbachAnscheinend muß man doch gelegentlich Dinge graphisch illustrieren, obwohl der betreffende Sachverhalt klar genug ausgedrückt worden ist. Es geht hierbei um die bereits mehrfach angesprochene Tatsache, daß der bei der Zentralbank ausgewiesene Banknotenumlauf nichts anderes ist, als ein Erinnerungsposten daran, daß die Zentralbank in dieser Höhe ihre Schulden getilgt hat. Das Vorrecht der Zentralbank Bargeld emittieren zu können, welches das einzige gesetzliche Zahlungsmittel (besser wäre die Bezeichnung Schuldentilgungsmittel) darstellt, macht die Zentralbank zur Quelle unbeschränkter Liquidität. Dies gilt auch und gerade dann, wenn es in der Bilanz der Zentralbank keine „Kasse“ gibt, die Bargeld enthalten würde, denn Bargeld welches bei der Zentralbank zur Gutschrift eingereicht wird ist dem Umlauf entzogen und wird folgerichtig gegen den Banknotenumlauf saldiert und ist wirtschaftlich gesehen nicht mehr existent, auch wenn es in den Tresoren der Zentralbank noch physisch da ist.

Der Ablauf wie Bargeld tatsächlich in den Umlauf kommt läßt sich mit Hilfe von ein paar T-Konten darstellen. Es beginnt damit, daß die Zentralbank sich verschuldet, weil sie in dieser Höhe einer Bank eine Forderung gegen sie genehmigt hat. Gleichzeitig erhält sie eine Forderung gegen eben diese Bank was deswegen nicht nur ein müßiges Spiel ist, weil der Inhalt der jeweiligen Forderungen/ Verbindlichkeiten eine zeitliche Differenz aufweist – Geld heute gegen Geld später. Für die Frage des Geldumlaufs ist die Frage nach den Zinsen nicht so wichtig, ebenso wie die Frage nach der Besicherung des Kredits hierbei vernachlässigt werden kann. An dieser Stelle mag der Hinweis darauf, daß eine Besicherung einen akzessorischen Charakter hat genügen.

bargeldemission-1

Die Phase der Kreditvergabe ist eine reine schuldrechtliche Angelegenheit, weswegen an dieser Stelle das Schuldentilgungsmittel, welches ja Inhalt des Kreditvertrages ist noch nicht in Erscheinung tritt. Dies wird auch erst dann virulent, wenn nämlich die Forderung seitens der Bank geltend gemacht wird und die Zentralbank gehalten ist ihre Verbindlichkeit zu erfüllen. Normalerweise würde eine Bank auf einen Aktiva-Bestand an Bargeld zurückgreifen mit dem sie sich ihrer Schuld entledigt. Dies ist der Vorgang, der zigtausendfach am Geldautomat erfolgt, wo für die Bank eine Bilanzverkürzung eintritt, denn sie hat nach der Auszahlung weniger Bargeld und weniger Verbindlichkeiten. Im Fall der Zentralbank gibt es die Besonderheit, daß dort keine Kasse vorhanden ist, obwohl in den Tresoren der Zentralbank ausreichend Banknoten eingelagert sind, welche dort ihrer Verwendung harren. Um also die Emission von Banknoten darstellen zu können muß man an dieser Stelle eine fiktive Buchung einfügen, bei der so getan wird, daß für eine logische Sekunde in der Zentralbank eine Kasse existiert. Denn auch die Zentralbank bezahlt ihre Verbindlichkeiten mit der Übergabe der geforderten Sache, die wiederum ein Aktivum sein muß, so daß die vorzunehmende Bargeldlieferung auf einmal als temporärer Kassenbestand aufscheint, mit der Auslieferung jedoch unmittelbar wieder verschwindet. Dieser „Ausgangskorb“ auf der Aktivseite findet seine passive Entsprechung in einem „schwebenden Banknotenumlauf“, wo dann in dem Moment, wenn die Zentralbank das Bargeld übergibt und somit die korrespondierenden Verbindlichkeiten tilgt, dieser zu einem „erfolgten Banknotenumlauf“ wird, welcher dann auch in der Bilanz der Zentralbank seinen Niederschlag findet. Durch diese Übergabe des Schuldentilgungsmittels „Bargeld“ erfolgt wie bei einer Bank eine Bilanzverkürzung, welche die fiktive Bilanzverlängerung durch die fiktive Kasseposition wieder rückgängig macht. Die Bilanzverkürzung erfolgt dabei ganz traditionell, indem dem Kasseabgang ein Abgang an Verbindlichkeiten entspricht. Übrig bleibt der Posten „erfolgte Inumlaufbringung“, welcher sich dann in der Bilanz der Zentralbank als „Banknotenumlauf“ liest.

bargeldemission-2

Nun ist man versucht zu sagen, die Zentralbank würde ja lediglich ihre Verbindlichkeiten mittels eines Passivtausches umwandeln, so daß sie ja nach wie vor Verbindlichkeiten hätte, die nur eben jetzt als Banknoten umlaufen würden. Eine derartige Sichtweise verkennt jedoch den Charakter einer Schuldtilgung, denn dabei geht es im Gegensatz zur Krediteinräumung darum, daß durch die sachenrechtliche Übertragung des geschuldeten Gegenstandes der Verpflichtete sich seiner Schuld entledigt, sowie der Gläubiger durch die Annahme der Sache seinen Anspruch verliert, mithin die Forderung durch die Übergabe von Bargeld und dessen Annahme untergeht. Wie der rote Doppelpfeil illustriert passiert bei der Zentralbank im Prinzip genau dasselbe wie bei einer Auszahlung am Geldautomaten.

Auf den Punkt gebracht: die Lieferung von Banknoten befreit eine Zentralbank in der Höhe des Nennwerts dieser Banknoten von einer Geldschuld! Das einzige Spezifikum, welches dazu Anlaß gibt darüber zu sinnieren, ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht besteht darin, daß die Banknoten, die durch die Begleichung einer Schuld der Zentralbank in Umlauf kommen vorher nirgendwo als Aktivum in Erscheinung getreten sind. In gewisser Weise rechtfertigt sich damit auch die Vermutung, Geld würde aus dem Nichts entstammen, denn in dem Tresor der Zentralbank ist dasselbe Bargeld eben – Nichts. Man sollte diesen Effekt allerdings eher als Spezifikum der Geldwirtschaft ansehen, denn in ähnlicher Weise ist ein Stück Sachertorte in der Vitrine einer Wiener Bäckerei keine Sachertorte, sondern für den Verkäufer ein Hilfsmittel zur Attrahierung von Geld. Erst in den Händen des Käufers beim Verzehr wird ein Stück Sachertorte zu dem nutzenstiftenden Gegenstand, welcher geeignet ist sensationelle Geschmackseindrücke in dem Gaumen des Essers zu erzeugen…

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