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Nachgedacht: monetäre Markttheorie

Berlin-MitteDie ökonomische Theorie einer Gesellschaft hat zu definieren, wie sie das Aktivitätsniveau einer Ökonomie bestimmt. Dieser Satz markiert den Anspruch, der von der Neoklassik als ‚mainstream‘ der ökonomischen Theorie vorgegeben wird. Die nutzengesteuerte Bestimmung der relativen Preise im Zusammenhang mit der Theorie von Angebot und Nachfrage erzeugt ein gesamtwirtschaftliches Aktivitätsniveau, welches stets als allgemeines Gleichgewicht etikettiert wird. Dabei ist zu motivieren, wie es zu einem Aktivitätniveau kommen kann, welches sich aus Handlungen von Individuen ergibt, die unabhängig voneinander Entscheidungen treffen.

Dabei sieht es für die Individuen einfach aus: sie brauchen lediglich Entscheidungen im Rahmen ihrer Budgetrestriktion zu treffen, müssen aber nicht die Restriktionen, die andere Wirtschaftssubjeke einzuhalten haben, ebenfalls berücksichtigen. Das heißt auf gut Deutsch, daß die Rückwirkungen, die individuelle Entscheidungen bewirken von den Individuen selbst überhaupt nicht berücksichtigt werden und somit Individuen keine gesamtwirtschaftlichen Effekte berücksichtigen können. Wie sollten sie es auch können?

Wenn aber Individuen nur mikroökonomische Entscheidungen treffen können ergibt sich die Frage, wie aus voneinander unabhängigen Entscheidungen ein gesamtwirtschaftliches Aktivitätsniveau abgeleitet werden kann. Das ist die zentrale Frage der VWL als Wissenschaft! Die einzige Antwort auf diese Frage wurde bisher von der allgemeinen Gleichgewichtstheorie gegeben. Dabei geht sie davon aus, daß jedes Individuum alle Entscheidungen aller anderen Individuen bei sich selbst berücksichtigt. Ein Nachweis dafür, daß diese Vorstellung keine funktionsfähige Wirtschaftsordnung erzeugen kann, dürfte sich erübrigen – selbst die ‚hidden hand‘ wäre dabei überfordert!

Dabei wird dort die nicht zulässige Unterstellung gemacht, daß die globale Budgetrestriktion aus der Gesamtheit der Einzelentscheidungen der Individuen entsteht. Diese Vorstellung entsteht durch den Kunstgriff, die Handlungsoptionen der Individuen daran zu ketten, indem die tauschbare Erstausstattung als vorgegeben gesetzt wird. Das hat zur Folge, daß damit die globale Budgetrestriktion a priori vorgegeben ist. Genau dieser Umstand ermöglicht es der allgemeinen Gleichgewichtstheorie als Paradetheorie der Marktwirtschaft ein globales Aktivitätniveau abzuleiten und zu argumentieren, daß die Funktionsweise des Preismechanismus dieses Gleichgewicht garantiert.

Einer der wenigen Versuche dem etwas entgegenzustellen ist der Ansatz des monetären Keynesianismus von Hajo Riese, wo versucht wird die Budgetrestriktion des Marktsystems auf einer monetären Grundlage zu definieren. Der Grundansatz ist dabei darin zu sehen, daß erst die Verfügung über Geld zu einer Bewirtschaftung der Ressourcen (einschließlich der Ressource Arbeitskraft) führt und somit das volkswirtschaftliche Aktivitäteniveau aus monetären Bedingungen abgeleitet werden soll. Damit wird das keynesianische Element aufgegriffen, welches die monetäre Investition zum zentralen Bestimmungsfaktor der Ökonomie macht. Denn in einer Ökonomie, die auf Kooperationsbeziehungen und nicht auf elementare Tauschhandlungen abstellt ist die Verwendung eines sozialen Abrechnungssystems eine ‚conditio sine qua non‘, also eine unabdingbare Notwendigkeit, was schon durch das Stecknadelbeispiel von A. Smith eindrücklich illustriert wird.

Aus dieser Perspektive gibt es in einer arbeitsteiligen Ökonomie im wesentlichen zwei Märkte, den Finanzmarkt einerseits, sowie den Finanzerwirtschaftungsmarkt alias Gütermarkt andererseits. Der von der Neoklassik so mystifizierte Arbeitsmarkt ist damit lediglich ein Appendix des Finanzmarktes, weil die Beschäftigung von Ressourcen wie Rohstoffe und Arbeitskraft ebenso einem finanzwirtschaftlichen Kalkül unterliegt wie eine Investition in Maschinen und Zwischenprodukte.

Eine Investition, also eine Zahlungsreihe, die mit der Ausgabe von Geld beginnt (Kruschwitz), ist dabei immer von Geldvermögensinteressen geprägt, weil die Erwartung über die Wahrscheinlichkeit monetärer Verluste/ Gewinne die Investitionsbereitschaft steuert. Dabei muß man sehen, daß nicht nur die Gruppe der Unternehmer, sondern auch die Banken mittelbar diesem Verlustrisiko unterliegen, so daß die Beziehung Unternehmer – Bank die zentrale prekäre Relation einer monetären Ökonomie darstellt.

Das ist deswegen der Fall, weil der Markt zur Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels – der Warenmarkt alias Gütermarkt – darüber entscheidet, wie hoch die Investitionsbereitschaft (und damit der Grad der Ökonomisierung der Ressourcen) der Gruppe der Unternehmer ist. Es ist damit das Zusammenspiel beider Märkte, welches darüber bestimmt wie hoch der Auslastungsgrad einer Ökonomie ist. Aus einer derartigen Perspektive wird das Nichtausgeben von Geld seitens der Bezieher von Einkommen zu einer zentralen Restriktion der Investitionsbereitschaft und damit des gesamtwirtschaftlichen Aktivitätsniveaus. Dabei ist es unerheblich, ob aus Unternehmer- oder Arbeitnehmereinkommen gespart wird, weil beides zu einer Reduktion desjenigen Potentials führt, aus dem eine Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels möglich wäre.

Wenn man so will ist das entscheidende Wechselspiel in der kapitalistischen Marktwirtschaft die Interaktion von Finanzmarkt und dem Markt für die Erwirtschaftung von Schuldendeckungsmitteln, wobei man dieses im Gegensatz zum statischen neoklassischen Marktmodell als dynamisches System interpretieren kann, insofern als zum einen Aktionen des einen Pols direkte Rückwirkungen auf den anderen Pol des Systems ausüben und andererseits die Kreditverhältnisse, die zu den Investitionsprozessen führen eine Zeitstruktur aufweisen, so daß Entscheidungen der Gegenwart Wirkungen über den gesamten Planungshorizont verteilt aufweisen.

Für die Frage, wie dann ein Markt in einer monetären Ökonomie aussieht kann man sich daran erinnern, daß in einem Einkommen-Ausgaben-Diagramm

http://makroo.de/Das%20keynesianische%20Modell/Der%20Guetermarkt/Das%20Einkommen-Ausgaben-Diagramm.htm

das Zurückbleiben der Nachfrage hinter dem Einkommen mit kontraktiven Entwicklungen verbunden ist, während eine Nachfrage oberhalb des Einkommens mit expansiven Prozessen einhergehen dürfte. Nun ist die verlinkte Darstellung suggestiv auf den Fall eingeengt, daß das Einkommen den Ausgaben entspricht, was aus vorstehenden Gründen für eine monetäre Ökonomie eine zu enge Sicht der Dinge darstellt. Denn durch diese Verengung wird unterschlagen, daß die Gleichgewichtsbedingung „Einkommen = Ausgaben“ unterstellt, daß es eine Abweichung der gleichgewichtigen Ausgaben von dem Einkommen nicht geben könne. Denn ein Kennzeichen einer monetären Investitionsökonomie ist, daß den anfänglichen hohen Investitionsausgaben erst im Zeitablauf sukzessive die Amortisationen wieder entgegenströmen und somit die Anfangsphase einer Investition typischerweise davon geprägt ist, daß die Einkommen systematisch höher sind, als der auf dem Markt befindliche Angebotswert. Soweit man sich den typischen Verlauf einer Investition ansieht

http://www.der-wirtschaftsingenieur.de/index.php/produktentstehung/

erkennt man unmittelbar, daß die Gleichheit von Einkommen und Ausgaben lediglich eine Episode in einem dynamischen Prozess ist. So läuft z.B. in einer Phase hoher Investitionen die Einkommensbildung dem Angebotswert voraus, so daß sich unmittelbar Preisauftriebstendenzen ergeben, welche die ursprüngliche Investitionskalkulation als zu pessimistisch darstellen. Die damit üblicherweise verbundenen Preisauftriebstendenzen sind über induzierte Lohnsteigerungen dann entweder der Beginn eines Inflationsprozesses oder wahlweise bei einer Lohnstabilität der Beginn einer Ungleichverteilung von Einkommen und dann auch Vermögen.

Begreift man also Marktwirtschaft als ein monetäres System, dann handelt es sich hierbei um eine Rückkoppelungsschleife, bei der es einen unabhängigen Pol und einen abhängigen Pol gibt. Der unabhängige Pol ist die Seite der Investition, die abhängige Seite ist die Seite der Einkommensverwendung, weil diese erst entsteht, wenn investiert worden ist. Das heißt aber wiederum, daß auf der einen Seite die Investition die zentrale Bestimmungsgröße für das Einkommen darstellt und der Konsum damit mittelbar von der Investition abhängig ist, während andererseits die Geldnachfrage auf dem Warenmarkt (= der Markt zur Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels) ebenfalls von der (zeitlichen Struktur der) Investition bestimmt wird.

Investition-Diagramm

(Man beachte, daß entgegen der Gepflogenheit der Ökonomen hier die unabhängige Variable auf der Abszisse abgetragen ist!!)

Durch diese für eine monetäre Ökonomie charakteristische Hierarchisierung ökonomischer Entscheidungen – Investition einerseits und davon abgeleitet Konsum/ Sparen andererseits – wird für die Marktwirtschaft ein dynamisches Aktivitätsniveau definiert, welches sich aus der Bereitschaft zur Investition speist und damit von genuinen Vermögensinteressen gesteuert wird. Insofern ist eine Theorie einer monetären Marktwirtschaft durch zwei Entscheidungsebenen geprägt: durch eine Interaktion von Banken und Unternehmen, die zu Investitionsprozessen führen, die mit einer Geldausgabe beginnen und die einen kontinuierlichen Amortisationsprozeß nach sich ziehen und dem Komplement der Wiedererwirtschaftung des ausgegebenen Geldes auf dem Warenmarkt und nicht durch eine elementare Interaktionsfigur – dem Tausch – den man heutzutage höchstens noch auf nichtkommerziellen Basaren anzutreffen pflegt.

Die Konsequenzen für die Markttheorie herkömmlicher Prägung sind nicht wirklich erfreulich. Nicht nur, daß der Arbeitsmarkt seine Stellung als eigenstänger Markt verliert, sondern auch die Erkenntnis, daß es auf dem Gütermarkt nicht primär um die Befriedigung individueller Interessen geht. Natürlich wird auf den Arbeits- und Gütermärkten gefeilscht was das Zeug hält, für die Frage, auf welchem Niveau sich das gesamtwirtschaftliche Aktivitätsniveau einpendelt sind derartige Aspekte lediglich sekundär, weil sich dadurch der zentrale Mechanismus, der aus der Kruschwitz-Investition besteht, überhaupt nicht aushebeln läßt.

Man mag eine gewisse Trauer dabei empfinden, daß die Vorstellung vom Konsum als Endzweck ökonomischen Handelns einer nüchternen Kalkulation über den monetären Ertrag einer Investition weichen muß – aber Märchen sind ja auch nur dazu da, um Emotionen zu befriedigen.

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42 – die Linkliste

SpecklesHier die Linkliste der verwendeten Blogposts, die im Überblicksartikel „42 – das Große Ganze und so…“ verwendet wurden:

https://soffisticated.wordpress.com/2012/06/20/die-buddelkasten-wirtschaftspolitischer-kommentatoren/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/01/unser-okonomischer-mainstream-aufzucht-und-hege/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/03/04/homo-oeconomicus-misverstandnisse-der-erklarbaren/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/06/24/ist-okonomie-ein-system/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/09/28/grundsatze-okonomischer-paradigma/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/02/jesse-james-oder-die-abstraktheit-sozialer-verpflichtungsrelationen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/23/geldschleife-nicht-geldkreislauf/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/09/13/paradigmatische-aspekte-von-i-und-s/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/21/wozu-sind-banken-da/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/04/11/verirrungen-zwischen-giralgeld-und-zentralbankgeld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/05/warum-zentralbanken-zentralbanken-sind/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/16/konnen-zentralbanken-das-preisniveau-beeinflussen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/02/15/logische-typenlehre-iii-uberschus-und-gewinn/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/10/03/paradigmatische-nachdenkliste/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/07/zinsen-individual-oder-gemeinschaftskonzept/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/10/19/das-geldsystem-braucht-keinen-wert/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/07/die-wunder-geldpolitischer-hierarchien/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/26/stufen-von-geldsystemen-ein-kurzdurchlauf/

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Geldschleife – nicht Geldkreislauf!

PIC000005Das größte Problem von Theorien ist es nicht, eine im Gegensatz zur herrschenden Orthodoxie alternative Theorie zu formulieren, denn die Verknüpfungs-möglichkeiten der Dinge dieser Welt ist so mannigfach, daß im Prinzip sich jeder seine eigene Spielecke basteln kann. Tritt man aus seiner Spielecke hinaus und in die Konfrontation mit der herrschenden Theorie ein, erweist es sich, daß der Orthodoxie mehr an Argumenten zur Verfügung stehen, als es die Schulweisheiten zugeben. Was es für Probleme gibt, ein herrschendes Weltbild zu erschüttern, kann anhand der Prozesse beobachtet werden, deren zentrales Anliegen systematisch darin bestand, die Vorstellung der Produktion als Kreislauf zu hinterfragen, der sich lediglich zwischen Unternehmen und Haushalten abspielt. Dieser Strang der Diskussion, der prototypisch auf den Club of Rome zurückgeführt werden kann, wo auf die Endlichkeit der Ressourcen Bezug genommen wurde, erzeugte die Gegenreaktion, die darauf hinwies, daß durch Recyclingprozesse dieser linearen Entwicklung durchaus etwas entgegengesetzt werden könne. Schließlich wurden dagegen auch thermodynamische Argumente ins Feld geführt, auch und insbesondere aufgrund der Tatsache, daß ‚peak oil‘ eigentlich vor 30 Jahren hätte gewesen sein sollen. Nun ja, das ‚panta rhei‘ steht zwar nicht in Frage, nur – ob kreisförmig oder nicht bleibt die spannende Auseinandersetzung.

Die Schwierigkeiten die entstehen, wenn man Güterproduktion nicht mehr als Kreislauf zwischen zwei Polen verstehen will, potenzieren sich dann, wenn es um die Frage geht, ob und inwieweit es den berühmten „Geldkreislauf“ gibt, welcher gewissermaßen als „Gegenstrom“ diesem „Input/ Output-Strom“ entgegenfließt. Die Plausibilität dieser Vorstellung wird auch noch dadurch unterstrichen, daß solche allgemeinen Vorstellungen wie „Tauschmittel“ und „Wertspeicher“ existieren, die eher auf der Ebene eines Dagobert Duck anzusiedeln sind, als in der schnöden ökonomischen Realität. (Natürlich muß man sich fragen, warum in Entenhausen keine Rezession herrscht, obwohl Dagoberts Geldspeicher gewissermaßen das „schwarze Loch“ des Geldumlaufs ist und von daher die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen gekommen sein müßte.) Und die rührenden Geschichten, die angeboten werden, wenn es um die historische Herleitung des Geldes geht, unterstellen schlichtweg, daß es eine Herleitung aus der Geschichte geben müsse, daß quasi die „Entwicklungslinien der Geldgenese“ eine logische Folge zwingender historischer Prozesse wären. Das ist jedoch keineswegs der Fall sobald man anzuerkennen gewillt ist, daß sich Geschichte auch in Sprüngen entwickelt, was darauf hinweist, daß die Entstehung sozialer Koalitionen mit einer Umweltabgrenzung und Etablierung eigener Kommunikationsweisen einhergeht – was auch die Möglichkeit eröffnet, Geld als kommunikative Institution zu interpretieren, die anderen Kriterien folgt, als es die Schulweisheit der maximierenden Individuen erkennen kann. (Das systemtheoretische Faß mache ich aber erst an einer anderen Stelle auf!)

Sobald man die Existenz von Geld nicht für einen Zufall (oder Nicht-Zufall) der Geschichte hält, lassen sich die Grundprinzipien des Geldsystems quasi zwangsläufig entwickeln, ohne daß damit eine Aussage über die tatsächlichen historischen Entwicklungslinien präjudiziert wäre. Das Grundproblem geldwirtschaftlicher Organisation liegt nach den hier entwickelten Kriterien über das Erkenntnisobjekt Ökonomie weniger in der Abwicklung von Tauschvorgängen, sondern in der Unsicherheit über die zukünftigen Ergebnisse sozialer Unternehmen. (Jesse James Post) Denn die Teilnahme an einer sozialen Unternehmung erzeugt das Problem, welchen Anteil! das einzelne Individuum an dem Ergebnis der gemeinschaftlichen Anstrengung erhält. In Anbetracht der Unsicherheit über das gemeinschaftliche Produktionsergebnis (für das sich niemand individuell! verbürgen kann – das ist die Aufgabe von Banken als soziale Institution zur Abfederung der Unsicherheit der Zukunft!) wird es praktikabel, über die Zuteilung eines Anteils den individuellen Beitrag am Produktionsergebnis zu messen.

In Analogie zu der direkten Verhandlung über prozentuale Anteile findet in der produktiven Unternehmung das Instrument der Geldlohnzahlung Anwendung. Dabei wird die Angleichung der monetären Einkommen in Relation zum Produktionsergebnis mit Hilfe der Buchhaltung Abteilung Preiskalkulation erzeugt, indem die Summe der (periodenzugerechneten) Kosten in Relation zur Menge des Produktionsergebnisses gesetzt wird. Der Verkauf der Produktion auf dem Markt erzeugt reale Verteilungsquoten nach Maßgabe der individuellen Lohnzahlung bzw. Nachfrage, während der Verkaufserlös die (hoffentlich) erfolgreiche reale Kompensation der Teilnehmer der Unternehmung anzeigt.

Ohne an dieser Stelle die Erzeugung von Profit und Zins darstellen zu können, läßt sich das Grundschema des monetär organisierten Produktionsvorganges folgendermaßen illustrieren:

GeldschleifeDie blauen und grünen Pfeile lassen sich unschwer als der o.a. „Güterkreislauf“ identifizieren, der allerdings aufgrund der in der Darstellung verwendeten zeitlichen Ablaufstruktur als fortschreitender Prozeß erscheint. Der Geldkreislauf, dessen Existenz üblicherweise noch weniger in Frage gestellt wird, läßt sich dann inhaltlich motivieren, wenn von den Prozessen, die einer Investition vorgelagert bzw. ihr nachgelagert sind, abtrahiert wird – man könnte auch ignoriert sagen. (Geldemission bzw. Geldreversion) Letztere Ignoranz wird durch den gestrichelten roten Pfeil markiert, der es verhindert, die geldwirtschaftliche Grundstruktur sozialer Produktionsprozesse als Diskussionsgegenstand überhaupt in Erwägung zu ziehen. Wenn man so will markiert der blaue Kreis den Teilausschnitt dessen, was vom ‚mainstream‘ für ökonomisch relevant gehalten wird – das Wort „Froschperspektive“ drängelt sich hier geradezu auf!

Es erweist sich an dieser Stelle, daß man Geld nicht im Sinne des Dagobert´schen Sammelobjektes interpretieren muß, sondern zu einer Sichtweise gelangen kann, welche Geld als eine verbindende soziale Klammer interpretiert, deren Aufgabe es ist, die Ergebnisse eines gemeinsamen Projektes auf die daran Beteiligten aufzuteilen. Dies war ja auch die Lehre aus dem „Jesse James“ Post, wo sich zeigte, daß Gold die Ware ist, Geld aber durch die persönliche Verpflichtungsrelation etabliert wird, wo die „Rückgabe“ des (nicht verschriftlichen) Forderungsanteils die Rolle der Geldzahlung repräsentiert – und eben nicht das Gold. Geld korrespondiert somit stets mit sozialen Verpflichtungsrelationen und verschwindet dann, wenn diese durch die Beendigung des realen Projekts wieder aufgelöst werden. (Wer wissen will, warum Geld als Fetisch begreifbar ist: hier ist der Grund dafür!)

Diese Grundkonstruktion belegt bereits, daß Geld jenseits der phänomenologischen Betrachtungsweise als Tauschmittel eine originäre Funktion besitzt, die vom Grundansatz darin besteht, daß es vor allem ein Hilfsmittel zur Verteilung eines sozialen Produktionsergebnisses darstellt. Denn die Verfügung über Einkommen enthebt den allgemeinen (Vermarktungs-) Verteilungsprozeß von der Unmittelbarkeit, Verteilungsansprüche in natura (Tauschhandel) umsetzen zu müssen. Der individuelle Verteilungsanteil wird durch die Einkommenshöhe bemessen und überläßt die Wahlfreiheit der Inanspruchnahme dem einzelnen Individuum. Einkommenszahlungen haben für die Verteilung des Sozialprodukts diejenige genuine Informationsfunktion, die es den Individuen ermöglicht, nach Maßgabe seiner eigenen Verteilungsposition das Güterangebot durch seine Nachfrage zu honorieren. Die Ratio des Gebrauchs eines abstrakten Geldes ist daher in seiner Funktion als Distributionsmechanismus zu orten und nicht in einer seit 200 Jahren insinuierten Funktion als „Schmiermittel“ des Tausches vorgegebener Bestände!

Nun ist es nicht so, daß derartige Erkenntnisse brandneu wären, denn die Grundmuster dessen, was die gegenwärtige Wirtschaft prägt, sind bereits vor über 100 Jahren erkenntnisreif gewesen:

“Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderen Faktors ein konstantes Verhältnis besteht, bestimmen die Größen des einen die relativen Größen des anderen, ohne daß irgendeine qualitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu existieren braucht. Damit ist das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähigkeit des Geldes, Werte zu messen, von der Tatsache seines eigenen Wertes abhängig zu machen schien.“
Simmel (1907)

Angesichts derartiger Einsichten ist es vergleichsweise erschütternd, daß sich die Vorstellung von „Geld als Wert“ bis heute in der wirtschaftspolitischen Diskussion hält. Immerhin: „Geld als Gold“-Theoretiker werden in der ökonomischen Wissenschaft inzwischen nur noch milde belächelt, auch wenn der korrekte Grund dafür alles andere als ‚mainstream‘ ist. Etwas zeitnäher gibt es die Anregung Geld als „relatives Maß der Produktion“ zu interpretieren, wo bereits angelegt ist, daß diese Relativität sich auf den Dualismus von Kosten und Erlösen bezieht und nicht auf das eventuelle Vorhandensein von Schatztruhen, deren Inhalt dann nichts besseres zu tun hat, als „auf Märkten zu zirkulieren“.

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Jesse James oder die Abstraktheit sozialer Verpflichtungsrelationen

tank surrealDie Story, welche die Funktionsbedingungen des Geldes im Kreditgeldkapitalismus beschreiben kann, läßt sich anhand einer merkwürdigen Geschichte aufzeichnen, die die Differenz von Geld und Gold in besonderer Weise akzentuiert.

Was ist das Problem, wenn Jesse James einen Bankraub plant und nicht konkret bestimmen kann, wieviel Beute zu erwarten ist. Jeder Kenner der Western Materie wird wissen, daß das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen nur auf eine Weise zwischen den Beteiligten verteilt werden kann: es wird eine Quote festgelegt, die jedem einen bestimmten Anteil an der Beute in Aussicht stellt. Denn je nachdem wie hoch die Ausbeute an – üblicherweise – Gold ausfällt ist der Anteil des Einzelnen höher oder niedriger ~ sofern der einzelne Teilnehmer dieser Aktion diese auch überlebt.

Was passiert nun, wenn der Bankraub  halbwegs seinen erwarteten Erfolg hatte und es nun um die Verteilung des gemeinsamen Ertrages geht? Die Anzahl der erbeuteten Goldstücke stellt den verteilungsfähigen Bestand dar, der nunmehr gemäß des vorab ausgehandelten Verteilungsschlüssels den anspruchsberechtigten Überlebenden zugerechnet wird. Nehmen wir mal an, daß es keinen Streit gibt (ja ist unrealistisch, aber trotzdem): die Verteilung der Goldstücke sieht aus wie eine Zahlung für die Leistung „Teilnahme an Bankraub“, ist aber in diesem Sinne keine. Denn in dieser Transaktion ist die Übergabe des Beuteanteils gleichbedeutend mit der Übergabe einer Ware, während die Erlöschung des ausgehandelten Anspruchs des Einzelnen dasjenige darstellt, was die Zahlung zum Erwerb einer Ware darstellt. Denn eine Zahlung im geldtheoretischen Sinne ist dadurch charakterisiert, daß damit eine Schuld gelöscht wird, die in diesem Fall aus der Verpflichtung von Jesse James besteht die gegen ihn gerichteten Forderungen durch die Übergabe des vereinbarten relativen Warenanteils zu erfüllen.

Das Wesentliche was zu der Verbindung zu Geld führt ist, daß der Anspruch z.B. 10% der Beute, erst durch das konkrete Ergebnis des Raubzuges materialisiert wird. Denn erst durch diese Materialisierung (die im Vorfeld lediglich erwartet! werden kann) wird der entsprechende Anspruch zu einem realen Wert. Das kann man auch ganz profan dadurch ausdrücken, indem man Geld (interpretiert als Anspruch auf ein gemeinsames Projektergebnis) als relatives Maß des Bankraubes erkennt, welches den Output der gemeinsamen Aktivität in Beziehung zu dem individuellen Input (Pferd, Sattel, Colt oder wahlweise Winchester, Kugeln und persönliche Existenz) setzt. Genau das ist es nämlich, was eine Preiskalkulation macht, indem die Kosten auf das Produktionsergebnis aufgeteilt werden – nachdem das Produktionsergebnis feststeht. Was man nur sehen muß ist, daß die 100% der Kosten (=Ansprüche) auf das Ergebnis der „Produktion“ aufgeteilt werden und somit die ‚a priori‘ nicht definierbaren bzw. mengenmäßig konkretisierbaren realen Ansprüche in abzählbare Ansprüche auf Waren (nein, nicht Güter) übersetzt werden.

Was an dieser Konstellation so interessant ist, ist der Umstand, daß sich hier vermeintlich zwei Geldkonzepte kreuzen, die nicht miteinander vereinbar scheinen, denn die Vorstellung von Gold als Geld beißt sich mit der institutionalisierten Konzeption, Geld als Anspruchsgefüge innerhalb sozialer Beziehungen zu interpretieren. Das ist dann kein Widerspruch, wenn Gold als die zu liefernde Ware angesehen wird – die es auch ist -, während Geld die Anspruchsbeziehung darstellt, welche die Verpflichtungen zwischen Personen begründet oder eben auflöst. Im Gegensatz zu Marx, der darüber nachgedacht hatte, daß das gesellschaftliche Verteilungsproblem durch Stundenzettel nicht zu lösen sei, da es sich hierbei um ein absolutes Maß der Produktion handelt, weil von der Grundidee her sich auf dem Markt Äquivalente austauschen (weil die Waren in Stundenzetteleinheiten bewertet werden sollten), kann man demgegenüber dennoch zu einer Lösung kommen, indem man dazu übergeht die Ansprüche relativ! zu formulieren.  So könnte Jesse James die Anspruchsberechtigungen derart ausgestalten, daß er den einzelnen Beteiligten den Anspruch auf z.B. 10% der Beute schriftlich ausstellt, der bei Einlösung (wie bei einem Lagerschein) wieder ausgehändigt werden muß, um die Anspruchsberechtigung zu beweisen. (Daß ein solcher Beweis erst dann notwendig wird, wenn die soziale Gruppengröße anfängt unübersichtlich zu werden muß an dieser Stelle nicht stören.)

Was man an dieser Stelle verstehen kann ist der Umstand, daß dieser 10%-Schein die Vorstufe zu sozialen Beziehungen darstellt, die über abstrakte und relative Ansprüche geregelt werden, denen aus der Konstruktion der Beziehung heraus ein absoluter Wert oder eine konkrete Menge an Sachgütern nicht zugerechnet werden kann. Letzteres liegt daran, daß die Zukunftsunsicherheit (Keynes) darüber, was das Ergebnis der sozialen Anstrengung konkret sein wird, eine direkte Assoziierung von gegenwärtigem Anspruch und zukünftigem Gegenwert schlichtweg verbietet!

Daß diese Verabstraktierung (Hypostasierung) von Verpflichtungen dann auch in einer zweiten höheren Abstufung zu dem gegenwärtigen zweistufigen Geldsystem führt, sei an dieser Stelle nur am Rande angemerkt. Aus dieser Sichtweise folgt allerdings bereits unmittelbar, daß jegliche Vorstellung einer „Gesellschaft ohne Geld“ oder ein „Geld ohne Schuld“ davon ausgeht, daß eine Gesellschaft ohne Verpflichtungsbeziehungen existieren könnte – na dann viel Spaß! Mal abgesehen davon, daß Adam Smith sein  Konzept der Arbeitsteilung einstampfen könnte, welches in der Form von Unternehmen, in denen einander unbekannte Personen miteinander arbeiten im Laufe der Geschichte zu dem Wohlstand geführt hat, der zumindest in den Industrienationen (partiell) neidlos konstatiert werden kann.

Die Lehre aus dieser Geschichte ist, daß Geld alias soziale Verpflichtungsrelation nicht durch eine reale Entität substituiert werden kann und deswegen alle Versuche, dem Geld eine reale „Deckung“ anzuhängen scheitern müssen – alle, bis hin zur Quantitätstheorie, deren reziprokes Preisniveau sich auch nur als Wareneinheit entpuppt, was sich nach kurzem Nachdenken wie von selbst ergibt!

Fazit: die Substanz von Geld sind soziale Verpflichtungsrelationen und keine konkreten Gegenstände! Deswegen heben sich auch Forderungen und Verbindlichkeiten gesellschaftlich gesehen auch auf, und zwar nicht nur manchmal, sondern immer! Auch auf den lustigen „Finanzmärkten“.

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Pitticoin die Lieben – und Platsch

rouletteNun muß man sich ja nicht als kompletter Laie outen, indem man in Bezug auf das Phänomen Bitcoin von einer Währung spricht. Es ist eher angemessen von einem künstlichen Tauschmittel oder künstlichem „Wertgegenstand“ oder meinetwegen von einer „virtuellen Sache“ zu reden, welche es zu einer gewissen Prominenz gebracht hat. Genau dasselbe ist auch schon bei Kunstwerken, Tulpenzwiebeln und einer Unzahl anderer Modeobjekte passiert, ohne daß die Kommentatorenwelt sich entblödet hätte, dabei von einer Währung zu faseln.

Das liegt daran, daß sich kaum jemand darum Gedanken macht, was eine Währung tatsächlich auszeichnet. Eine Währung des modernen Typs ist dadurch gekennzeichnet, daß sie nicht das Tauschverhältnis von Hirsch und Biber, sondern das Stecknadelbeispiel von Adam Smith adressiert. (Dazu gibt es demnächst einen weiteren Post!) Es ist nicht der Tausch, der die Grundlage für das Denken über Ökonomie legen sollte, sondern die Arbeitsteilung, welche auch das Rezept für das Reüssieren moderner Gesellschaften liefert. Der Grund dafür ist darin zu sehen, daß die operative ökonomische Elite instinktiv den Fokus der Bedeutung nicht auf die sogenannten flows, sondern auf die Qualität der stocks legt! Das heißt zwar auch, daß es gelegentlich auch zu Pannen kommt wo Bestände entwertet werden müssen, was dann unproblematisch ist, wenn diese auch einer entsprechenden Abschreibung unterzogen werden (können). Das jüngste Beispiel ist nicht von ungefähr die ‚dotcom‘-Blase, die deswegen so glimpflich verlaufen ist, weil die durchgeknallten „Investitionen“ vorwiegend mit Eigenkapital (IPOs) finanziert wurden und sich niemand darum schert, ob eine Abschreibung von Aktieninvestments erforderlich ist oder nicht.

Letzteres hat natürlich mit Bitcoins nichts zu tun. Denn Bitcoins sind ja nichts anderes als eine Phantasie, deren Bedeutung sich aus einer Vorstellung speist, die sich daraus ergibt, daß ein Glaube existiert, daß sie deswegen, weil sie aus einem „realen“ Prozeß entstanden sind auch einen „Wert“ haben müßten. Das kann man ja glauben, nur: das hat nichts mit irgendeiner Realität zu tun! (Ich habe ja eher den Verdacht, daß dieser Hype eine Marketingmaßnahme von Hardwareherstellern war.)

Das Lustige dabei ist, daß sich die Vertreter des Bitcoin dazu versteigen dessen Existenz als Alternative zu einer Währung zu stilisieren, obwohl dahinter nichts weiter ist, als daß ein Schaumprodukt zu einem Popanz hochdefiniert wird, was letztlich nichts anderes bedeutet, als daß eine lustige Truppe von Nerds sich einen Spaß daraus macht die versammelte Elite der Geldtheorie vorzuführen! Denn wenn irgendwer „Tauschmittel“ ruft, stürzen sich orthodox indoktrinierte Ökonomen sofort auf diese vermeintliche Bestätigung ihrer Vorstellungswelt. Wer dabei an Schande denkt, liegt richtig!

Der entscheidende Unterschied besteht daraus, daß ein Tauschmittel kein Zahlungsmittel ist!  Das eine ist ein fiktiver Wert, während das andere ein Medium ist, welches „nur“ dazu da ist, Schulden zu tilgen. An dieser Stelle wird nämlich klar, daß das hochgelobte „Vertrauen“ in eine Währung nämlich nur dann vonnöten ist, wenn es niemanden gibt, der darauf angewiesen ist, diese Währungseinheiten deswegen zu erwirtschaften, weil er in dieser Währung Schulden zu tilgen hat. Das viel gescholtene Schuldgeldsystem bezieht nämlich seine Funktionsfähigkeit daraus, daß Unternehmer einem Schuldendruck unterliegen und das der einzige Grund für ihre Bereitschaft ist, gegen (substanziell wertloses) Geld reale Leistungen (i.e. für den Konsumenten werthaltige Waren) zu verkaufen.

Im Gegensatz dazu ist ein Bitcoin als „schuldfrei“ (immer wieder lustig) geschöpfte „Währung“ auf Vertrauen angewiesen, weil es für niemanden eine wesentliche Motivation gibt, diese virtuellen Zahlenkolonnen durch ein Leistungsangebot erwirtschaften zu müssen. Die Pannen, die demgegenüber mit Währungen passieren können sind immer dann möglich, wenn es nicht gelingt für die fraglichen Währungseinheiten ein ausreichendes Interesse zu generieren. Im Kreditgeldsystem wird dieses „Interesse“ dadurch erzeugt, daß die Durchsetzung des Schuldendienstes(!) das „Verdienen“ dieser Scheinchen zur „conditio sine qua non“ des Wirtschaftslebens macht. Das ominöse „Vertrauensproblem“ existiert für ein Kreditgeld, wo Kredite effizient eingetrieben werden, schlichtweg nicht! (Das ist übigends der eigentliche Grund dafür, daß Deutschland vergleichsweise geringe Probleme mit der Finanzkrise hat, auch wenn die Bewältigung der ’subprime‘-„Investitionen“ eine deutliche Scharte in die Qualität deutscher Banken geschlagen hat. Von den USA lernen heißt heutzutage eben abschreiben zu können und nicht siegen zu lernen! So ändern sich die Zeiten! Das werden die Chinesen auch noch lernen – sorry folks!)

Der wesentliche Unterschied zwischen Bitcoins und einer Währung ist jedoch der, daß in der modernen Welt hauptsächlich die Referenz(!) auf das Zahlungsmittel zur Abwicklung von Zahlungen Verwendung findet und nicht das Zahlungsmittel selbst. Der ganze Überweisungsverkehr ist davon geprägt durch Anweisungen auf Zahlungsmitteltransfers die Verwendung des Zahlungsmittels in der Interaktion von Zahlendem und Zahlungsempfänger entbehrlich zu machen. Der Transfer des Zahlungsmittels nämlich wird durch die beteiligten Banken abgewickelt, woraus sich auch deren Bezeichnung als Zahlungsverkehrdienstleister herleitet. Im Gegensatz dazu werden Bitcoins selbst hoch wohl persönlich übertragen, so wie es sich für ein Tauschmittel gehört. Was die Eigenschaften eines Tauschmittels angeht: man kann sich sogar bei den Austrians davon überzeugen, daß die Bitcoins als „Konkurrenzwährung“ zu interpretieren sind – ein wirtschaftstheoretischer Kopfschuß sondergleichen!

Wenn Bitcoins zur Währung werden wollen müßten Kredite in Bitcoins ermöglicht werden, womit auch bei Bitcoins die üblichen Probleme entstehen wie sie bei konventionellen Banken existieren. Dann ist es auch mit der Dezentralisierung vorbei, denn dann besteht auch postwendend der Bedarf nach einer Bitcoin-Zentralbank. Dann ist es insbesondere mit der hochwohlgelobten währungspolitischen Anarchie endgültig vorbei, die sowieso nie existiert hat! Als süchtigmachendes „Investment“ und zur Entsorgung jeglicher ökonomischer Vernunft sind sie jedoch ein hervorragendes Spielzeug. Kommt gleich nach Gold!

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Homo Oeconomicus – Mißverständnisse der Erklärbären

2013-03-02 12.55.13Es gibt Dinge, die sind fast so alt wie das Menschengedenken und werden doch kaum hinterfragt, was wohl daran liegen muß, daß sie immer wieder abgeschrieben werden. Und das vor dem Hintergrund, daß diese mit diesen Fragen verbundenen Sachverhalte stets für die Erklärung substantieller Dinge herhalten müssen, wie z.B. für die Interpretation aktueller gesellschaftlicher Problemlagen. So ist denn auch die Diskussion um den ‚homo oeconomicus‘ davon geprägt, daß der damit assoziierten Handlungsweise eine Wirkung zugeschrieben wird, die sich aus der einschlägigen Theorie in keiner Weise herleiten läßt.

So kann man zwar den ‚homo oeconomicus‘ als ein theoretisches Konstrukt bezeichnen, welches zur Analyse eines spezifischen ökonomischen Problems herangezogen wird. So weit, so gut. Die Zuschreibung aller möglichen Motive ist soweit noch richtig, weil eine Präferenzordnung – wie es in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts konzipiert wird – grundsätzlich lediglich Konsistenzerfordernisse beinhaltet. Diese Konsistenzerfordernisse sind das, was in dieser Theorie als „rational“ bezeichnet wird und nicht irgendwelche mystischen Eigenschaften, die bis hin zur „Gier“ diese Rationalität in irgendeiner Weise moralisch zu interpretieren versuchen. Dasselbe gilt auch für irgendeinen Egoismus, dessen moralische Inferiorität stets als Grundproblem einer offenen Gesellschaft, bzw. einer Marktökonomie interpretiert wird. Bei den „ethischen Gefühlen“ ist es jedoch auch nicht besser!

Sobald dann aber argumentiert wird, Menschen seien keine rationalen Wesen und deswegen seien auf Märkten auch (gelegentlich) irrationaleErgebnisse zu verzeichnen, gerät die Diskussion geradewegs auf Abwege. Denn auch wenn es modern geworden ist, eine im negativen Sinne moralisch verbrämte Handlungsweise als Problem von Marktgesellschaften hinzustellen steht eine solche Diagnose im diametralen Gegensatz zu ausgerechnet der Theorie, die dafür die Grundlage liefern soll.

Das liegt schlichtweg daran, daß die Zentralaussage des marktwirtschaftlichen Modells in gröblicher Weise mißinterpretiert wird. Denn der Erklärungsinhalt der Theorie der Marktwirtschaft ist nicht, wie sich Individuen gegenüber anderen Individuen besserstellen können, sondern ob es eine Gleichgewichtskonstellation gibt, welche die gegebenen Präferenzrelationen der Individuen zu einem konsistenten Ganzen verknüpft, in dem Sinne, daß sich niemand mehr bei dem gleichgewichtigen (relativen) Preissystem in seiner persönlichen Lage verbessern kann. Das Erklärungsproblem ist also nicht die Frage nach individuellen Handlungsoptionen, sondern nach der Lösung eines Koordinationsproblems, welches aus gegebenen Anfangsbedingungen abgeleitet wird. Wenn man so will ist das Individuum in dieser Theoriekonzeption lediglich eine passive Entität, die auf die Veränderungen des Preissystems mit einer Anpassung reagiert – das Stichwort „Mengenanpasser“ sollte zumindest jedem vertraut sein, der irgendwann mal in einer anständigen Vorlesung über Makroökonomie gesessen hat – falls nicht, dann eben jetzt.

Um es mal polemisch zuzuspitzen: die Vorstellung, daß Menschen handeln würden hat nichts mit dem Modell zu tun, welches als zentral für die Marktwirtschaft interpretiert wird. Denn dort handeln sie nicht, sondern fügen sich ergeben in die Vorgaben, die als Preissignale von einem anonymen „Markt“ auf sie einprasseln. Was man dabei jedoch berücksichtigen sollte ist der Umstand, daß es niemanden gibt, der diesen „Markt“ verkörpert, weil es niemanden gibt, der in dieser Welt die Preise gestalten kann. (Mengenanpasser eben!) Heißt: das markwirtschaftliche Modell garantiert nichts anderes, als daß es bei „rationalen“ (widerspruchsfreien) Präferenzen die Möglichkeit(!) gibt, daß es zu einem allgemeinen Gleichgewicht kommt – mehr nicht!

Alle anderen Zuschreibungen hinsichtlich der Effizienz der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsweise oder deren Eigenschaften entspringen im besten Fall der persönlichen Kenntnis über marktwirtschaftliche Funktionsbedingungen oder schlechtestenfalls aus phantasievollen Zuschreibungen und Allegorien – jedoch nicht aus einer theoretischen Grundlage, die sich in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie manifestiert. Kenner der Materie werden wissen, daß F.Hahn als ein zentraler Protagonist dieser Theorie sich stets dagegen gewehrt hat als Prophet aller möglicher Zuschreibungen der „Marktwirtschaft“ in Anspruch genommen zu werden.

Anders formuliert: der ‚homo oeconomicus‘ kann nicht handeln, weil seine Funktion als Mengenanpasser ihn zu einer passiven Figur der sozialen Koordinationsveranstaltung „Marktwirtschaft“ degradiert. Deswegen sind auch alle Vorstellungen über ein „rationales Handeln“ reine Phantasieprodukte soweit sie sich auf die Theorie der Marktwirtschaft beziehen – es mag ja so etwas durchaus geben, was aber daraus folgt läßt sich in keiner Weise aus der zugrundeliegenden Theorie ableiten.

Es gab mal eine Zeit in der bekannt war, daß das Zentralmodell der Marktwirtschaft eigentlich eher die Probleme abbildet, die im Modell der Planwirtschaft mit den Optimierungsproblemen der „material-technischen Versorgung“ verknüpft sind. Denn dort wurde explizit versucht die Preisrelationen zu bestimmen, die zu einer konsistenten Zuliefererkette führen sollte – natürlich nach Maßgabe planwirtschaftlicher Outputvorgaben. Wie man weiß ist die Sache schiefgegangen und muß auch nicht noch einmal wiederholt werden. Warum sich jedoch die führenden Protagonisten der Marktwirtschaft auf ein Modell beziehen, welches lediglich eine konsistente Begründung für die Wettbewerbspolitik liefert (Mengenanpasser!), weiß der Fuchs – und vielleicht auch der noch nicht mal. Der ‚homo oeconomicus‘ kann es auch nicht wissen!

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Überlegungen am Rande…

Nirgends bekommt man so blöde Antworten auf eine Erkenntnisfrage wie bei den Ökonomen, wenn es darum geht zu sagen, was denn eigentlich „Geld“ sei. Die am meisten bescheuerte Antwort darauf ist die Nicht-Antwort: „Geld ist das, was Geld tut.“ Das ist schon deswegen nichtssagend, weil das Erkenntnisinteresse nach der funktionalen Bestimmung von Geld durch einen Verweis auf die phänomenologischen Aspekte des Geldes (eben nicht) „beantwortet“ wird. Man hat irgendwie den Eindruck, daß es sich dabei so verhält wie mit der Kinderfrage „Was ist Sex?“, woraufhin dann vielfach noch die Geschichte mit den Bienchen (wahlweise den Klapperstörchen) erzählt wird – als wäre die Frage danach, was Geld denn nun eigentlich sei irgendwie anrüchig. Aber genauso sind die Pseudo-Antworten auch, wenn es darum geht, irgendwelche Wortkombinationen vorzustellen, die der Fragende dann bitteschön als Antwort hinnehmen soll. (Ich erspare es mir, für diesen Unsinn noch irgendwelche Links zu posten, die findet jeder selber.) Und nur durch die Aufbietung jeglicher Autorität der Wissenschaft ist es bisher weitgehend ausgeblieben, daß vom Fragesteller das Urteil gefällt wird: Thema verfehlt, Frage nicht beantwortet. Denn was soll man denn auch davon halten, daß der Frage nach einer der wichtigsten Dinge der menschlichen Gesellschaft mit den dürren Begriffen: Tauschmittel, Recheneinheit bzw. Wertaufbewahrungsmittel entgegnet wird?

Was ist da passiert? Im Grunde wurde statt einer funktionalen Erklärung des wesentlichen Sachverhalts ein Kaleidoskop beobachtbarer Umstände zur Antwort gegeben, die zwar phänomenologische Aspekte des Geldes beschreiben, aber letztlich nur dazu geeignet sind, die inhaltliche Leere dessen, was Geldtheorie ausmacht, zu kaschieren. Denn die Geldtheorie des ökonomischen ‚mainstream‘ (sowie witzigerweise auch etlicher „Geldsystemkritiker“) ist durch nichts anderes geprägt, als daß die Quantitätstheorie den blinden Fleck des Tauschparadigmas – nämlich die Bestimmung der absoluten „Geld“-Preise – übertünchen muß. Denn ohne diese würde die allgemeine Gleichgewichtstheorie schlichtweg eine inhaltlich korrekte, jedoch nichtsdestoweniger unangemessene Theorie bleiben, deren Aussagekraft sich darin erschöpft, für die Ökonomie einen „Laplace´schen Dämon“ zu postulieren, welcher zu der Gleichgewichtskonstellation führen soll, die als Qualitätsmerkmal stets herausgestellt wird. (Letzteres – das Gleichgewicht – ist als theoretisches Postulat durchaus sinnvoll!) Die unsägliche Folge dieser Rationalisierung von Geldtheorie ist, daß der funktionale Inhalt der gegenwärtigen Geldtheorie denn auch die Verknüpfung einer „Geldmenge“ mit einem „Güterberg“ zum Inhalt hat, wobei die Pseudo-Definition einer „Umlaufgeschwindigkeit“ diesen Zusammenhang illustrieren soll – erklären wäre etwas anderes. (Wer an die Quatsch-Theorie glauben will, soll es tun!)

Was ist die Alternative? Nun, nachdem der paradigmatische Kern der bisherigen Geldtheorie der Tausch war, kann im Gegensatz dazu der paradigmatische Kern der Kooperation als Grundlage einer Geldtheorie fungieren. Das funktioniert so:

Kooperation hat was damit zu tun, daß die Ergebnisse der kooperativen Unternehmung auf die teilnehmenden Wirtschaftssubjekte verteilt werden müssen. Wie kann man das machen? Für den Fall, daß es eine im vornherein „sichere“ Ertragsaussicht gibt, kann man jedem Teilnehmer das entsprechende Ergebnis zusichern. Falls es eine unsichere Ertragsprognose gibt – und irgendwie hat ja jeder irgendeine Zukunft – kann man dem einzelnen Teilnehmer nur einen Prozentsatz des gemeinsamen Ertrages zusichern. Und schon sind wir beim Geld. Denn das Versprechen einer Verhältnismäßigkeit ist etwas anderes, als das Versprechen einer Absolutität. Heißt was? Da niemand weiß, ob die Kooperationsveranstaltung (aka Unternehmung) erfolgreich ist, kann man nur jedem Teilnehmer eine QUOTE des Unternehmensergebnisses garantieren.

Und schon ist man beim Funktionsprinzip von Geld: Geld hat die Funktion, die Erträge eines gemeinschaftlichen Projektes auf die teilnehmenden Individuen zu verteilen. (Das kann mal gut oder auch mal schlecht gehen!) Und das hat was damit zu tun, daß Geld von seinem Grundprinzip eine relative Geschichte ist, denn die Frage was Geld wert ist, wird erst mit der Vermarktung der realen Ergebnisse sichtbar. Heißt: die Relativität von Geld kommt dadurch zum Vorschein, daß die gesellschaftliche Sanktionierung unternehmerischer Aktivität durch die durch das Unternehmen selbst erzeugte Liquidität honoriert wird. Das ist leicht zu begreifen und schwer zu verstehen – eine bekannte Art kognitiver Dissonanz!

Da aber Geld eine Form gesellschaftlich geschaffener Hoffnung ist, gilt auch Folgendes:

Geld repräsentiert ein Funktionsprinzip, nämlich die Verteilung eines gemeinsamen Erfolgs. Dabei ist das Unternehmerdasein eine soziale Funktion und keine persönliche Qualität (es schadet auch nichts, wenn sie ausgeprägt vorliegt). Nur: die ultimative Haftung für die Risiken der Unternehmer wird – jenseits sämtlicher Erwägungen hinsichtlich irgendwelcher Besicherungen von Krediten – von den Banken getragen. Der Grund ist, daß die (residualen) Verluste aus fehlgeschlagenen Unternehmungen von der Allgemeinheit getragen werden (müssen), indem Zinsen – welche von allen kreditnehmenden Unternehmen gezahlt werden müssen – die Verluste aus den fehlgeschlagenen Investitionen neutralisieren – denn irgendwie ist die Sache mit der Zukunft immer noch mit Unsicherheit behaftet. DAS ist die Funktion von Banken und nicht die Transformation irgendwelcher Sparbeträge, die ja letzten Endes immer aus der Kreditvergabe entstammen. Diese Neutralisierungsfunktion der Banken ist jedoch eine im Kreditgeldkapitalismus institutionalisierte Funktion, welche nicht(!) eine persönliche Qualität besitzt. Deswegen ist die übliche Fokussierung auf den Unternehmer zwar nicht falsch, jedoch hinsichtlich der Bedingungen der Funktionsprinzipien der Gegenwart nicht mehr richtig gepolt. Diese kann man schick finden sie ist jedoch einer falschen Geldtheorie geschuldet, auf gut Deutsch: nur einem Ausfluß einer billigen Phänomenologie des Geldsystems geschuldet.

Denn: die Banken sind letztlich die Unternehmer des Kreditgeldkapitalismus! Es scheint so, als würde man mal ein bißchen umdenken müssen!

Der wesentliche Unterschied zu der Tauschmitteltheorie der Geldes ist: Geld ist nur so viel wert, wie die unternehmerischen Erfolge, die damit erzeugt werden. Es ist nun mal das Wechselspiel von Investition (= Nettogeldausgabe) und Gewinn (= Nettogeldeinnahme) welches die Gegenwart erklären kann. Man kann sich ja darauf versteifen, daß Geld für den Tausch da ist (nicht mal das stimmt…), aber kann damit nicht erklären, warum es das Geld ist, was die Welt ‚go round‘ macht! Heißt: der Tausch ist das vergehende Erklärungsprinzip des Geldes…

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