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Die Fallen zwischen Strömen und Beständen

HeringsdorfEs ist immer wieder interessant, wie sich bestimmte Sprachspiele dazu verdichten können aus lauter Denkfaulheit zu einer meist unhinterfragten „Wahrheit“ zu werden. Eines der gängigsten Beispiele aus der öffentlichen Geldsystemdiskussion ist die vermeintliche Erkenntnis: „Der Zins wird bei der Schöpfung des Kredits nicht miterschaffen.“ Aus der sich dann meist nahtlos anschließenden „Beweisführung“, daß ein einzelner Schuldner einen Kredit vom Jahresanfang nicht inclusive Zinsen zurückzahlen kann wird dann geschlossen, daß das mit dem „Geldsystem“ so nicht funktionieren kann. Dabei funktioniert bei einer derartigen Argumentionsweise etwas anderes nicht.

Was dem Leser bei derartigen Ausführungen stillschweigend untergejubelt wird ist eine Gleichsetzung, die aus der Argumentationsführung zwar plausibel erscheint, bei näherer Sicht jedoch elementar unterschiedliche Sachverhalte der ökonomischen Analyse miteinander vermengt. In einer ersten Annäherung an dieses Mißverständnis kann man schon mal darauf hinweisen, daß Zinsen eine Stromgröße sind, während eine – wie auch immer definierte – Geldmenge eine Bestandsgröße darstellt. Wenn man also meint, daß durch Zinsen die Geldmenge vergrößert wird, verwechselt man Äpfel mit Birnen (was wenigstens noch Obstsalat ergibt) – ein typischer Anfängerfehler!

Am einfachsten ist es sich mit den Begriffen Stromgröße, Bestands- und Bestandsänderungsgröße mal genauer zu beschäftigen. Das ist so etwas wie das 1×1 in der Ökonomie. Da man ausgerechnet bei diesem Thema das Rad nicht neu erfinden muß an dieser Stelle gleich mal dazu ein Paper, welches diese Begrifflichkeiten sehr schön auf den Punkt bringt.

http://www.friedrich-wilke.de/pdf%20W/W%201TU%20Bestand.pdf

Das größte Verständnisproblem gibt es naturgemäß bei den Stromgrößen, weil die mit etwas verbunden sind, was man aus den entfernten Erinnerungen eigentlich aus der Schule noch kennen sollte. Bei den Bestandsgrößen ist es einfacher, denn den Bestand an Geld im Portemonnaie zu überprüfen fällt nun nicht gerade schwer. Auch die Bestandsänderungsgröße im Portemonnaie nachzuvollziehen ist einfach, denn die besteht entweder aus dem Zugang am Geldautomat, oder aus dem Abgang an Geld für den Kauf eines Lehrbuchs über volkswirtschaftliche Gesamtrechnung – ist natürlich nur ein Beispiel!

Was also sind Stromgrößen? Wie eben schon angesprochen ist der Zins eine Stromgröße, ebenso wie ein Gehalt oder auch alle anderen Einkunftsarten eine Stromgröße sind. Denn alle diese Stromgrößen haben etwas mit der Veränderung des Geldvermögens zu tun. Im Gegensatz dazu haben auch alle „Ausgabearten“ etwas mit der Änderung des Geldvermögens zu tun, nur „leider“ in entgegengesetzter Richtung indem sie das Geldvermögen schrumpfen lassen. So weit, so gut.

Dabei muß man sich in ökonomischer Hinsicht klar machen, daß Stromgrößen aus zwei (!) oder mehr einzelwirtschaftlichen Bestandsveränderungen erzeugt werden, die sich gesamtwirtschaftlich – hinsichtlich der globalen Bestandsgrößen – gegenseitig neutralisieren. Das liegt daran, daß die Ausgaben des Einen die Einnahmen des Anderen sind, so daß es isolierte Bestandsvermögensveränderungen im geldtheoretischen Bereich nicht geben kann. Anders gesagt: wenn der Käufer dem Verkäufer eine Summe Geld zahlt ändert sich nicht das – wie auch immer definierte – gesamtwirtschaftliche Geldvolumenaggregat. Denn was der eine vorher hatte, hat nun der andere, nicht mehr und nicht weniger.

Das betrifft auch die immer ins Feld geführten Zinszahlungen, die aus diesem Grund lediglich eine veränderte Verteilung der bestehenden „Geldmenge“ zwischen Zinszahler und Zinsempfänger bewirken und die gesamtwirtschaftliche Geldmenge weder vergrößern noch verkleinern. An dieser Stelle zeigt sich nicht nur, daß Stromgrößen stets zu zwei Bestandsänderungsgrößen führen, die sich gesamtwirtschaftlich gegenseitig aufheben, sondern auch, daß Zinsforderungen, sobald sie beglichen sind, nur noch dazu da sind in der Steuererklärung aufzutauchen. (Gilt nicht für Hoenesses – oder sagt man Hoenesse? 🙂 )

Das weist auf ein Mißverständnis hin, welches in Diskussionen über Ökonomie regelmäßig aufkommt und inbrünstig gepflegt wird, weil die Begriffsabgrenzungen zwischen dem „gesunden Menschenverstand“ und der ökonomischen Fachsprache doch nicht so selbstverständlich sind, wie oft gedacht. So wird landläufig davon gesprochen, daß Einkommen ausgegeben wird oder daß der „Zins gespart“ wird und damit die effektive Nachfrage sinkt. Wenn man sich die gerade genannten Aspekte ansieht wird man ziemlich schnell feststellen, daß an derartigen Aussagen etwas nicht stimmen kann. Würde es stimmen, dann würde daraus folgen, daß man z.B. eine Stromgröße konsumieren kann.

Das ist natürlich Quatsch, denn wie man auch aus dem verlinkten Paper erkennt beschreibt eine Stromgröße die Veränderung einer Bestandsgröße über einen bestimmten Zeitraum. Doch auch wenn es interessant sein mag den Zuwachs des Geldvermögens pro Zeiteinheit zusammenzurechnen bleibt es dennoch Tatsache, daß das, was für den Konsum ausgegeben wird (Geld wird nämlich nicht konsumiert – außer von Dagobert Duck) nicht Einkommen sondern Geld ist. Denn ein Verkäufer erwartet eine Zahlung in Geld und nicht in Einkommen! Genausowenig kann man sein „Einkommen akkumulieren“, sondern nur das GELD, welches aus einem Einkommensanspruch das eigene Geldvermögen erhöht. Das heißt, der Begriff Einkommen (welcher Art auch immer) bezeichnet essentiell ein Maß für die (z.B. jährliche) Summe von Leistungstransaktionen, die zu Geldvermögensänderungen führen. Deswegen besitzen die Stromgrößen auch die Maßeinheit: Geldeinheiten PRO Zeiteinheit!

Umgekehrt: zu behaupten, daß Einkommen akkumuliert werden können ist etwa so als würde man sagen, daß eine konstante Geschwindigkeit „akkumuliert“ werden könnte, die ähnlich dazu die Maßeinheit Distanzänderung PRO Zeiteinheit aufweist. Das heißt, eine monetäre Größe, welche die Dimension PRO Zeiteinheit aufweist kann nicht akkumuliert werden, sondern nur das, was als Konsequenz eines z.B. Leistungsanspruchs zu übertragen ist: GELD! Diese Übertragung wiederum betrifft jedoch ausschließlich die (jeweiligen) Bestandsänderungsgrößen.

Und damit kommt man urplötzlich an den Kern dessen, was eine Stromgröße tatsächlich ist: eine Änderungsrate! Falls jetzt den einen oder anderen ein schlechtes Gewissen beschleicht, man hätte in der Schule bei der Analysis nicht Liebesbriefchen schreiben sollen: ja, es ist berechtigt. Denn die Änderung einer Größe (z.B. des Geldvermögens) im Verhältnis zu der Änderung einer anderen Größe (üblicherweise die Zeit) ist das, was seinerzeit im Mathematikunterricht als die 1. Ableitung einer (üblicherweise stetigen) Funktion vorgestellt wurde. Die 1. Ableitung (f ‚ (x), bzw. f ‚ (t) bei Ableitung nach der Zeit) einer Funktion besagt üblicherweise, wie sich die Funktion (lokal) verändert; ist f ‚ (t) > 0 vergrößert sich das Geldvermögen während dieses Zeitraumes, ist f ‚ (t) < 0 verringert es sich.

Diese Geschichte wird dann besonders plausibel, wenn man sie auf den Zins anwendet, denn dieser ist quasi die Wachstumsrate eines verliehenen Geldbetrages: dG/dt. (Die meisten machen aus Pikiertheit vor dem Wort „Geld“ den Mißgriff, hier das Wort „Kapital“ einzusetzen; dabei ist die Verwirrung hinsichtlich der Interpretation dieses Begriffes noch viel größer!) Und insbesondere beim Zins hat sich die Unsitte eingeschlichen stillschweigend davon auszugehen, daß die Wachstumsrate des Geldbetrages auch gleichbedeutend mit einer Erhöhung des verzinslich angelegten Geldbetrages sei – gewissermaßen das Modell „Sparbuch“. Dabei ist es keineswegs selbstverständlich, daß ein gezahlter Zinsbetrag von dem Schuldner automatisch zu der zu verzinsenden Geldsumme hinzugeschlagen wird – eigentlich ist das nur bei dem Sparbuch und den Staatsschulden der Fall (für Kenner: Domar-Theorem). (Und wo die Zinsen für Sparbücher und – u.a. deutsche – Staatsschulden gerade stehen, sollte hinlänglich bekannt sein!)

Wofür muß man das alles wissen? Für den aktuellen Fall deswegen, um solche Aussagen wie die oben zitierte richtig interpretieren zu können. Denn wenn man sich in Anbetracht der vorstehenden Erläuterungen die Aussage:

„Der Zins wird bei der Schöpfung des Kredits nicht miterschaffen.“

korrekt „übersetzt“ kommt auf einmal folgendes heraus:

„Die Wachstumsrate des Geldbetrages (= der Zins) wird bei der Erteilung des Kredits nicht miterschaffen.“

Das kann man nun auf zwei Arten interpretieren:

a) Die Aussage ist Unsinn, weil ja eine Wachstumsrate eben kein Geld ist und dieses Wachstumsrate als Geld aufgrund der Inkommensurabilität von Geld und Wachstumsraten durch den Kreditgeber eben nicht „miterschaffen“ werden kann.

oder

b) Die Aussage ist insofern richtig, weil mit der Krediterteilung die Wachstumsrate des Geldbetrages durch die Zinsvereinbarung mit festgelegt wird. Aber auch dann ist eine Wachstumsrate kein Geld.

Und wie kommt nun der arme Geldverleiher an das ihm zustehende Geld, welches er aufgrund des Zinsanspruchs bzw. Zinseinkommens zu erwarten hat? Richtig, er bucht eine Bestandsänderungsgröße, nämlich den ihm zufließenden Geldbetrag als Zugang zu seinem Geldvermögen.

Fazit: der grundlegende Anfängerfehler bei der Behandlung von Wachstumsraten und Bestandsveränderungen liegt darin, daß üblicherweise nicht sauber auseinandergehalten wird, worüber denn gerade eigentlich gesprochen wird. Im harmlosen Fall sind es solche Kuriositäten wie die eben diskutierte These einiger „Geldsystemreformer“, die ihren Irrtum tatsächlich als Schlüssel für den Entwurf eines „besseren“ Geldsystems aktiv verfechten (und damit nicht nur Menschen desinformieren, sondern auch ganz gut ihr Schäfchen ins Trockene bringen. Diese Blaupause haben die sich bei den „Zeugen“ abgeschaut.) Weniger harmlos wird die Geschichte dann, wenn die Verwechslung von Anspruch (Stromgröße) und Geldtransfer (Bestandsveränderung) dazu führt, daß manche Organisationen tatsächlich mit Hilfe „basisdemokratischer“ Mittel wie Volksabstimmungen versuchen den Banken etwas zu verbieten, was sie überhaupt nicht tun: nämlich „Geldschöpfung“ zu betreiben. Immerhin wird im Sommer dieses Jahres die Schweizer Bevölkerung dazu aufgerufen darüber abzustimmen, ob sie den Banken die „Schöpfung von Giralgeld“ verbieten wollen. Sancta Simplicitas!

Das liegt ähnlich wie bei der mangelhaften Differenzierung von Stromgrößen (Wachstumsraten) und Bestandsänderungsgrößen (Eingang des Einkommensanspruchs) an der in diesem Fall mangelnden Differenzierung zwischen Geldansprüchen bzw. Sichtforderungen (Falschbezeichnung: Giralgeld) und der tatsächlichen Verfügung über Geldansprüche (Überweisung = Ausübung eines Verfügungsrechts über Zentralbankgeld), die dann auch zu einem Transfer von Zentralbankgeld (und nicht nur von „Ansprüchen“) führt.

Man mag das alles als Glasperlenspiel empfinden, nur leider entscheidet sich an solchen „Kleinigkeiten“, ob es überhaupt noch zu einem sinnvollen ökonomischen Diskurs kommen könnte, der wenigstens ein bißchen den Anspruch erheben kann, eine (halbwegs) saubere terminologische (bzw. semantische) Grundlage zu haben. Für diejenigen, die das einmal geblickt haben wird die ökonomische Kommentatoren- und Wirtschaftsredakteurswelt auf einmal zu einer Fundgrube von Fehlleistungen: da braucht man auch keine Mickey Mouse mehr. Und man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß die sich zu ökonomischen Sachfragen äußernden 99% bei der Buchhaltung bzw. der VGR nur geschnarcht haben.

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Das Geldsystem braucht keinen Wert sondern Bonität

RheindämmerungManchmal muß man auf Kommentare eine Antwort geben, die den Rahmen eines Kommentars sprengen. Daher also hier mein Kommentar auf CarlBrandner:

„Richtig ist: eine Geldeinheit hat immer die Eigenschaft eine Verbindlichkeit von einer Geldeinheit zu tilgen (da erübrigt sich die Definition eines realen Wertbegriffs).“

Das ist ja noch nicht die ganze Geschichte, denn die Funktion von Geld ist es ja gerade das Kostenvolumen mit dem (unsicheren) realen Output in Beziehung zu setzen. (Das ist die Jesse James Geschichte.) Das Kostenvolumen ist eine monetäre Größe mit der Einheit EURO (oder whatever), während der Output eine Stückgröße ist, woraus die Preiskalkulation eine Relation erzeugt, deren Dimension „Geldeinheiten pro Stück“ sind, also das, was man überall als Geldpreis wiederfinden kann. Wegen DIESER Verklammerung von Input (in Geld gemessen) und Output (in Geld kalkuliert) sowie der Maßgabe, daß das erwartete Erlösvolumen (€ pro Stück multipliziert mit Stück gleich Angebotsvolumen vermehrt um die Gewinnspanne) die laufenden Kosten sowie die Finanzierungskosten abdecken soll ergibt sich, daß Geld als ein relatives Maß der geldfinanzierten Produktion anzusehen ist. Das ist nämlich der Clou, weil relative Maße die Dimension dessen, was sie abbilden sollen, nicht selber haben müssen.

Das ist aber der Unterschied zu einem absoluten Maß: ein absolutes Maß muß diejenige Eigenschaft, die sie messen soll, selbst aufweisen. So ist die Eigenschaft des Urmeters gerade die eine Länge zu definieren, die seit der Definition den Namen „Meter“ trägt – eben die Länge, die der Urmeter aufweist. Das was gemessen werden soll und das was das Maß darstellt sind beides identische Dinge mit der Einheit „Meter“.

Dagegen ist Geld gerade kein Maß für „Wert“ und muß es auch nicht sein, weil es lediglich auf die Relation dessen ankommt, was auf der Inputseite als „Kosten“ verzeichnet wird, während sich dieses Kostenvolumen vermittels der Preiskakulation auf der Outputseite wiederfinden. Daß man die Input- und die Outputseite mit Hilfe eines absoluten „Wertmaßstabes“ nicht kommensurabel machen kann ist ein Ergebnis des 200jährigen Ringens um eben diese Lösung. (Man könnte auch sagen, die dahingehend gemachten Versuche waren schlichtweg erfolglos!) Denn die „Integration von Wert- und Geldtheorie“ zieht sich als Erklärungsproblem durch die ökonomische Theoriegeschichte, ob als Gold (wie z.B. bei Marx und den Austrians) oder als „Geldgut“ oder auch ’numeraire‘ (Debreu, Arrow, Hahn) bis hin zur Quantitätstheorie, die das reziproke Preisniveau zum „Wert“ des Geldes stilisiert. Dabei ist diese Geschichte eigentlich schon vor über 100 Jahren geklärt worden:

“Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderen Faktors ein konstantes Verhältnis besteht, bestimmen die Größen des einen die relativen Größen des anderen, ohne daß irgendeine qualitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu existieren braucht. Damit ist das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähigkeit des Geldes, Werte zu messen, von der Tatsache seines eigenen Wertes abhängig zu machen schien.“ Simmel (1907)

Läßt man einfach den Unsinn beiseite dem Geld (makroökonomisch gesehen) durch alle möglichen Konstruktionen irgendeinen „Wert“ andichten zu wollen, lösen sich auch alle damit verbundenen Widersprüche in einem logischen Rauchwölkchen auf. Damit ist beispielsweise die Frage nach der Motivation von Kredit auch anders zu beantworten, weil Geld als Nicht-Wert, welches nicht unter einer Mengenrestriktion steht, in keiner Weise zu einer persönlichen Vermögensvermehrung beitragen muß (mal abgesehen davon, daß man sich immer klarmachen muß, daß es kein gesellschaftliches Nettogeldvermögen gibt). Kredit bedeutet demnach die Ingangsetzung sozialer Schaffensprozesse, deren Ergebnis – in Geld bepreist – zu einer Verbesserung der allgemeinen Konsummöglichkeiten führt – falls nicht, werden die „zu Unrecht“ vergebenen Kredite einfach gegen die Zinseinnahmen der „erfolgreichen“ Produktionsprozesse gegengerechnet, wodurch sich ein monetäres Gleichgewicht in einem dynamischen Kontext herstellen kann.

Damit wird aber die Frage von Bonität bzw. die Frage nach der Schuldenbedienungsfähigkeit zu der zentralen Kategorie einer Geldwirtschaft. Damit kann man auch die Frage, warum sich heutzutage alles ums Geld dreht dahingehend beantworten, daß das Finanzsystem die zentrale Steuerungsinstanz eines Produktionssystems darstellt, wo nach monetären Kriterien bemessen wird, welche Produktionsprozesse erfolgen dürfen und welche nicht. Die Frage nach einem „Nutzen“ für die „Gesellschaft“ stellt sich in diesem Sinne somit nicht mehr – nur noch die Frage nach der Bonität. Das mag man bedauern, jedoch: ein (auch nur halbwegs) funktionierendes Steuerungssystem wird man nicht so einfach zugunsten irgendwelcher „Werte“ abschaffen können. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß unsere „Standard“-Ökonomen, die als „Wertspezialisten oder -experten“ ausgebildet wurden nicht irgendeinen Unfug anrichten und mal wieder eine Krise verursachen. Zu einem Untergang des (notwendigerweise) abstrakten Geldsystems wird es jedoch dennoch nicht kommen. Hardware funktioniert halt ohne Software nicht – crash hin oder her!

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Disclaimer: Gedanken ins Unreine

stairway to heavenOder: Logische Typenlehre IV: Investition und Einkommen

Ich habe während meines gesamten VWL-Studiums nie verstanden, warum in der Einkommenentstehungsgleichung Y = C + I zwei Dinge miteinander addiert werden, obwohl sie eigentlich völlig unterschiedliche Sachverhalte adressieren. Denn C als der Konsum ist eine Nachfragegröße der Haushalte, welche auf dem Warenmarkt einen Rückfluß der Investitionen – wenn man mal auch die Lohnzahlungen als eine kurzfristige Investition ansieht, da auch Lohnzahlungen eben Zahlungen sind – bewirken, während auf der anderen Seite die Investitionen erst genau die Einkommen schaffen, die dann von den Haushalten auch ausgegeben werden können. Demgegenüber ist die Einkommenverwendungsgleichung Y = C + S unstrittig, weil sie lediglich die einfache Aufteilung des Einkommens auf die beiden möglichen Verwendungszwecke beschreibt: man gibt ein Einkommen entweder aus oder nicht, ‚tertium non datur‘!

Nun mag man überrascht sein, daß auch Lohnzahlungen als Investitionen gesehen werden können. Dazu kann man sich mal das Diktum vom alten Kruschwitz wieder ins Gedächtnis rufen: „Eine Investition ist eine Zahlungsreihe, die mit einer Auszahlung beginnt.“ Man darf das aber ruhig dahingehend interpretieren, daß auch die Auszahlungen, welche im Verlauf einer Investition getätigt werden, ebenfalls dieser Investition zuzurechnen sind, denn Investitionsprozesse sind nicht so idealtypisch gestrickt, daß einer Auszahlung am Anfang dann nur noch die Einzahlungen folgen. Interessanterweise wird das ja auch gelegentlich thematisiert:

„Investment is defined in macroeconomics to be that spending which is devoted to increasing or maintaining the stock of productive capital.“
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=20400
Aber darum gehts nicht.

Der Punkt ist, daß man sich fragen muß, warum diese Einkommenentstehungsgleichung so unhinterfragt von allen Volkswirten so übernommen wird, ohne daß irgendwer auf die Idee kommt, daß da Äpfeln mit Birnen zusammengerechnet werden. Meine Vermutung ist dahingehend, daß die VGR eine Periodenrechnung ist, welche aus ihrer Anlage heraus sich nicht um die Frage kümmert, welche Vorbedingungen oder Konsequenzen aus dieser Periodenbetrachtung entstehen. Denn wenn man VGR als Rechenwerk einer abgeschlossenen Periode interpretiert, muß man sich auch nicht dafür interessieren, daß in Vorperioden Dinge existieren, welche in die laufende Periode hineinspielen. Da reicht es sich die Zahlen anzusehen, um daraus eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zu erstellen.

Möglicherweise ist diese Grundanlage der VGR damit zu begründen, daß auch die Rechenwerke der öffentlichen Hand im wesentlichen davon bestimmt sind, daß sie eine Einnahmen/ Ausgabenrechnung darstellen, welche sich ebenfalls nicht um die Belange kümmert, die aus einer dynamischen Betrachtung entstehen. So ist beispielsweise die Diskussion um die Staatsverschuldung daran geknüpft, daß sie im wesentlichen die Frage der aktuellen Finanzierungsbedingungen adressiert, und sich weniger um die Fragen Gedanken macht, die noch zu Zeiten eines Domar virulent waren.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Die Frage die sich stellt ist, ob die aus ihrer Anlage heraus nicht-dynamische Konzeption der VGR nicht seit Jahrzehnten einem Mißverständnis Vorschub leistet, welches daraus resultiert, daß die verengte Betrachtungsweise den Schluß auf volkswirtschaftliche Grundgleichungen suggeriert, die aus ihrer Konstruktion heraus nicht dafür geeignet sind, die dynamische Natur des Wirtschaftsprozesses angemessen abzubilden. Denn wenn man sich bewußt die Identitäten der VGR ansieht wird ziemlich schnell klar, daß sie die Rückwirkungen der Bestandsrestriktionen nicht oder nur ungenügend adressiert, weil eine Periodenrechnung sich selbsterklärtermaßen nicht für Bestandsrestriktionen interessiert. Deswegen kann man durchaus davon ausgehen, daß für die VGR die Formel Y = C + I durchaus korrekt ist und sich damit keine weiteren Schlüsse auf die zugrundeliegenden Ursachen der Vorperioden ziehen lassen.

Möglicherweise ist das auch ein Grund dafür, daß die IS/LM-Modelle sich nicht dafür eignen, irgendwelche intertemporalen Entwicklungen abzubilden, weil sie aus einer statischen Gleichung heraus geboren sind. Denn wie bei dem Kinobeispiel ist es nicht automatisch garantiert, daß lokale Betrachtungen auch dann richtig sind, wenn sie mit ihrem Reaktionsumfeld konfrontiert werden. So werden in der VGR die aktuellen Einkommen dargestellt, ohne daß dabei eine Berücksichtigung stattfindet, ob sie in der laufenden oder der vorangegangenen Periode entstanden sind. Das muß die VGR auch nicht interessieren, denn als reine ‚flow‘-Rechnung kann sie sich diese Komplikation ersparen.

Dennoch ist eine unbesehene Übernahme der Einkommenentstehungsgleichung der Form Y = C + I deswegen nicht statthaft, weil damit automatisch Bestandsveränderungen integriert werden, die nicht in der aktuellen Periode zuzurechnen sind. Die Rede ist von den (monetär gesehen) Kreditrückzahlungen, welche sich in der unschuldigen Variable I verbergen. Denn I ist definitionsgemäß! die Nettoinvestition, welche ihren Counterpart – die Kredittilgung – nicht aus der Berechnung der aktuellen VGR-Zahlen deduzieren kann. Denn Kredittilgungen sind definitionsgemäß eine Angelegenheit der Kreditvereinbarungen von (mehreren) Vorperioden. Indem also eine IS/LM-Analyse auf diesen Grundgleichungen aufbaut, macht sie sich automatisch des Vergehens schuldig, die intertemporalen Aspekte der Investitionsrechnung zu ignorieren. Das macht denn auch ihr Desaster aus, weil eine Analyse der Entwicklung von Ökonomien sich nicht aus einer statischen Analyse, bzw. aus statisch deduzierten Grundgleichungen – ableiten läßt.

Die Frage der man sich stellen muß ist, ob man eine statische Wirtschaftstheorie pflegen will, oder ob man sich (selbst) zutraut, die dynamischen Aspekte von Ökonomie zu akzeptieren. Wenn man also die intertemporale Struktur von Ökonomie annehmen will wird es zwingend notwendig, die Einkommenentstehungsgleichung als

Y = Bruttokredite – Kredittilgungen + Löhne (als Kreislaufphänomen, welches aufgrund vorangegangener Kreditaufnahmen einen laufenden Posten reflektiert)

zu definieren. (Auch dabei ist nicht ganz klar, ob die laufenden Zahlungen mit den Zahlungen aufgrund der Bestandsveränderung der Investitonen einfach zusammengerechnet werden können!) Der Punkt dabei ist, daß von der VGR das laufende Einkommen völlig unbekümmert mit dem zusätzlichen Einkommen aus der positiven Nettoinvestition in einen Topf geworfen wird. Damit werden Bestandsaspekte und Wachstumsaspekte völlig unvoreingenommen in die gleiche Wirtschaftsrechnung integriert, ohne daß auch nur ein Gedanke daran verschwendet wird, woher die bilanzierten Einkommen überhaupt stammen.

Der Hänger daran ist, daß sich die üblicherweise als selbstverständlich akzeptierte Identität I = S in dieser Formulierung nicht mehr aufrechterhalten läßt, weil sich die Entscheidung über Investition oder nicht, nicht mit der Frage koppeln läßt, ob man ein gegebenes Einkommen konsumiert oder nicht. Denn I ist eine Entscheidung über zukünftige Entwicklungen, während S eine Angelegenheit vergangener Investitionsentscheidungen ist. Man kann es auch anders ausdrücken: ohne I kann S nicht existieren. Denn ohne daß sich Unternehmer dazu entscheiden, über Käufe von Faktorleistungen (incl. Arbeit) Investitionen zu tätigen (Kruschwitz plus), bleibt eine Betrachtung der Einkommensverwendung ohne jeden Belang.

Man kann es auch noch anders ausdrücken: wenn die Unternehmer nicht entscheiden, daß sie mehr Ausgaben tätigen wollen, als sie Kredittilgungen vornehmen, können die Haushalte machen was sie wollen: sie müssen entsparen, in dem Sinne, daß das Volumen der monetären Ersparnis sich zwangsweise der Investitionsentscheidung der Unternehmer anpassen muß.

Vielleicht muß man es noch anders ausdrücken: die monetäre Ersparnis ist abhängig davon, daß die Unternehmer Nettogeldausgaben tätigen! Denn ohne daß sich Unternehmer verschulden – und das tun sie bei jeder Lohnzahlung und  bei Sachausgaben sowieso – kann kein Einkommen entstehen. Wenn man das als Realität akzeptiert wird klar, daß die Frage der Ersparnis nicht so sehr davon abhängt, wie die Haushalte ihre Einkommenverwendungsentscheidung treffen. Denn in letzter Konsequenz können sie das nämlich nicht. Sicher: im Sinne des methodologischen Individualismus schon, nur hat man da die Rechnung ohne denjenigen gemacht, der für die Einkommenschaffung die entsprechende Schuldposition eingeht. Akzeptiert man das, geht die Logik der Einkommenschaffung von der Investition zur Ersparnis, als Restposten dessen, was zu den Unternehmen nicht zurückgeflossen ist. Und das auch als Kausalität: was die Unternehmer nicht als Einkommen schaffen, kann auch nicht gespart werden! (Könnte sein, daß Keynes sowas Ähnliches auch gesagt hat!)

Wird diese intertemporale Kausalität akzeptiert, ist es auch mit der hochwohlgelobten „Identität“ oder dem ‚ex ante‘ oder dem ‚ex post‘ der ganzen I = S Debatte ein für allemal vorbei! Denn statische Wirtschaftstheorie ist so wie „Die Sonne dreht sich um die Erde.“ Das muß endlich mal aufhören!

Also: ist es so, daß die VGR aufgrund ihrer periodenbezogenen Arbeitsweise die gesamte VWL auf eine falsche Fährte führt, weil sie die intertemporalen Aspekte der Investitionsprozesses nicht adressiert?

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Der „Geld ist Kredit“-Spezialfall

Lago di GardaManchmal stößt man auf Beiträge, die vielversprechend anfangen und sich dann doch wieder in den alten Mißverständnissen verheddern. So gibt es eine Videofolge von dem von mir geschätzten Dirk Bezemer, die sich damit beschäftigt, wie das mit dem Geld nun eigentlich ist. Zunächst scheint er auf einem guten Weg zu sein, indem er erklärt, daß bei dem Komplex Geld und Schulden erst die Schulden existierten und später erst das Geld zum Vorschein kam. Das kann man tatsächlich so sehen, wenn man davon ausgeht, daß Schulden zunächst auf reale Gegenleistungen ausgestellt waren und die Einführung von abstrakten Wertzeichen erst eine spätere Entwicklung darstellt. Was dabei jedoch nicht zulässig ist: die stillschweigende Auslassung, daß auch Schulden, die vor der Existenz eines allgemein verwendeten Geldzeichens entstanden sind, eine Erfüllungsgrundlage benötigen, so daß sowohl Gläubiger als auch Schuldner wissen, auf welche Art diese Schuld wieder getilgt werden kann. Denn es geht kein Weg daran vorbei zu erkennen, daß Schulden stets dadurch definiert sind, daß sie einen Erfüllungsgegenstand haben müssen, damit sie überhaupt als Schuld anerkannt werden können. Kurz gesagt: eine Schuld ohne Erfüllungsgegenstand ist keine Schuld, auch in grauer Vorzeit nicht!

Was dann kommt ist leider das übliche Mißverständnis, daß nach der Einführung von Banken die Erzeugung von Geld bereits damit geschehe, daß eine Bank einen Kredit einräumt und dieses „Giralgeld“ dann zur Bezahlung eines Maserati verwendet werden könne. Das gipfelt bei 10:40 in der Aussage: „Lending does create new money.“ Des weiteren wird noch suggeriert, daß Zahlungen tatsächlich lediglich durch Übertragungen von „Giralgeld“ erfolgen könnten und der Grundsatz, daß eine Schuldvereinbarung ein Erfüllungsmedium braucht, damit sie auch erfüllt werden kann, völlig aus dem Blickfeld gerät. Und wenn dann in der ‚conclusion‘ erklärt wird: „We use bank debt as money.“ ist der Punkt erreicht, wo man sich fragen kann, warum es nicht möglich ist, die simpelsten Grundsätze des Wirtschaftslebens auch in die Ökonomie einfließen zu lassen. Daß dieser Irrtum weit verbreitet wird, läßt sich anhand der Kampagne von ‚positive money‘ recht schön ersehen, wo die gleichen Widersprüche permanent wiederholt werden, so als würde der dadurch involvierte Widerspruch irgendwie wahrer.

Das Ärgerliche an der ganzen Sache ist, daß damit die elementaren Grundsätze nicht nur des bürgerlichen Rechts ignoriert werden, sondern auch wirtschaftliche Selbstverständlichkeiten zugunsten einer vermeintlichen Erkenntnis neutralisiert werden. Denn wenn man sich zu der Aussage versteigt, daß eine Schuld keinen Erfüllungsgegenstand braucht, wird der Begriff der Schuld zu einer Leerformel, deren Inhalt dann ganz nach Belieben gefüllt werden kann. Zu allem Überfluß werden damit die hierarchisch strukturierten Ebenen des Geschäftsbankenkredits und des Zentralbankkredits munter durcheinander gewürfelt.

Nun geht es hier nicht darum einen durchaus geschätzten Wissenschaftler zu diskreditieren, zumal er sich mit dieser Version von „Giralgeld“ in durchaus prominenter Gesellschaft befindet. Es soll anhand dieser Geschichte eher herausgestellt werden, daß es durchaus einen Spezialfall gibt, in dem diese Version von Geldtheorie tatsächlich gültig ist. Dieser Spezialfall ist vor 90 Jahren als didaktische Übung verwendet worden und trägt die schöne Bezeichnung „Monobank“! Derzeit wird dieser Begriff eher mit sozialistischen Bankverhältnissen in Verbindung gebracht, wo es gewissermaßen nur eine einzelne Staatsbank gibt, die sämtlichen Zahlungs- und Kreditverkehr abwickelt. Um dieses Konzept der Monobank für diese Analyse nutzbar zu machen muß jedoch noch zusätzlich die Bedingung gelten, daß es kein Bargeld geben darf und damit Zahlungsvorgänge ausschließlich aufgrund buchhalterischer Transaktionen möglich sind. Nur in einem solchen Szenario ist es legitim davon zu sprechen, daß eine Übertragung von Forderungen von der (einzigen) Staatsbank an die (einzige) Staatsbank zu einer Tilgung der zugrundeliegenden Schuld führt.

L.A. Hahn hat jedoch das didaktische Beispiel „Monobank“ dafür verwendet zu zeigen, daß die Erschaffung von Zahlungsfähigkeit nicht an eine vorangegangene „Ersparnis“ gekoppelt ist, die von der üblichen Wirtschaftstheorie stets als Grundvoraussetzung der Kreditvergabe gesehen wird. Wenn man so will gibt es in diesem Szenario nur eine Zentralbank, wobei dann natürlich gilt, daß die Verbindlichkeiten, welche diese Zentralbank eingeht, tatsächlich das ultimative Zahlungsmittel darstellen, da es hierbei auch keine Möglichkeit gibt die Auszahlung einer Forderung in Bargeld zu verlangen. Das wird dadurch entbehrlich, daß die Verbindlichkeit einer Zentralbank genau deswegen das ultimative Zahlungsmittel darstellt, weil es gerade durch diese passivische Natur zu einer Nicht-Verbindlichkeit wird. Nur weil man mit dieser Nicht-Verbindlichkeit der Zentralbank schuldbefreiend zahlen kann, läßt sich für diesen extremen Grenzfall formulieren, daß die Erteilung eines Kredites bereits die Schaffung von „Geld“ darstellen würde.

Man könnte nun meinen, daß die gelegentlichen Tendenzen zur Abschaffung des Bargeldes zu einem derartigen Zustand hinführen würden und sich nach weiterer evolutionärer Entwicklung des Banksystems dieses geldpolitische Nirvana schließlich einstellen würde. Leider scheitert dieser Schluß daran, daß private Geschäftsbanken ihr Hauptbetätigungsfeld darin finden zuzusehen, wie sie die eigene Liquiditätslage anhand der selbst eingegangenen Forderungen und Verbindlichkeiten so gestalten, daß sie den Anforderungen des Bankrechts nachkommen können, jederzeit ein ausreichendes Liquiditätspolster aufzuweisen bzw. sich jederzeit ausreichend und zu einem „erträglichen“ Zinssatz refinanzieren zu können, um niemals illiquide zu werden. Denn wie man weiß sind die Fälle, in denen Banken keine ausreichenden Liquiditätspolster besitzen, mit denen sie ihre aktuellen Zahlungsverpflichtungen erfüllen können, nicht so selten.

Leider beißt sich dieser ärgerliche Umstand mit der Theorie, daß das, was die Geschäftsbanken im Kreditvertrag vereinbaren, bereits „Geld“ sein soll – zumindest wenn es um nicht sozialistische Verhältnisse im Banksystem geht und man anzuerkennen gewillt ist, daß die Zweistufigkeit des Banksystems nicht eine launige Marotte von Geldsystemkonstrukteuren gewesen ist, sondern ihre Sinnhaftigkeit daraus zieht zu gewährleisten, daß die angeschlossenen privaten Banken einer einheitlichen Bonitätspolitik folgen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: was in grauer Vorzeit schon galt, daß nämlich ein Schuldversprechen durch einen genau definierten Erfüllungsgegenstand getilgt werden können muß, gilt auch bei der „Schöpfung“ von „Giralgeld“ im Zuge der Kreditgewährung bei Banken! Geldschuld ohne den Schuldgegenstand Geld (Basisgeld) geht nun mal nicht. Eigentlich ganz einfach!

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Logische Typenlehre III – Überschuß und Gewinn

Puppi02Die  Sozialisation von Ökonomen fängt wie bei den meisten Menschen mit einem Sparschwein an. Mit der Unterstützung diverser Spartage sowie einer Orientierung an eine zu planende Zukunft gerät der werdende Mensch in eine Interpretationsfalle, die ihn üblicherweise sein Leben lang verfolgt. Mit der Akzeptanz einer moralisch sanktionierten Erwartung, daß sich Geld auf der Bank durch Zinsen wie von selbst vermehrt wird die felsenfeste Vorstellung erzeugt, daß das erlernte Wissen – das vermeintlich Bestehende – auch das Natürliche sei, was sich dann auch postwendend im Bewußtsein als gesichertes Wissen festsetzt.

Die Frage ist jedoch: auf welchen Steintafeln steht eingemeißelt, daß nicht ausgegebenes Geld sich auch zu vermehren hätte? Nun immerhin wird diese Vorstellung auch durch eine Wirtschaftstheorie rationalisiert, die das Sparen zu einer ‚conditio sine qua non’ der Investition definiert so daß damit eventuelle kognitive Dissonanzen hinsichtlich des „Wertes“ des Sparens von vornherein neutralisiert werden.

Dazu kommt noch, daß die Ableitung des Zinses aus einer Produktivität, wie es bei Ricardo angelegt ist wieder mal die Ebenen vermischt, die zwischen der monetären und der realen Ebene zu verorten sind. Die Identifikation von realen Überschüssen und monetären Gewinnen macht eines der größten Probleme der Wirtschaftstheorie aus. Denn das was zu zeigen wäre ist, daß das Prinzip der Erzielung eines Überschusses das gültige Prinzip der monetären Ebene abbildet. Das genau ist jedoch bisher nicht passiert. Auch deswegen nicht, weil die Existenz eines monetären Profites an einer spezifischen Institutionalisierung hängt, die sich mit der volkswirtschaftlichen Finanzierungsrechnung hinreichend bezeichnen läßt. Letztere besitzt als Grundprinzip die gesamtwirtschaftliche Identität von Forderungen und Verbindlichkeiten, welche nicht mit der Bildung realer Überschüsse kommensurabel ist. Zumindest ist dieser Nachweis bisher nicht erfolgt.

Aus einer systemtheoretischen Perspektive liegt ein derartiger Schluß auch nicht nahe, weil die Geldsphäre das kommunikationstheoretische Pendant (das Dual) der Erwirtschaftung realer Überschüsse darstellt, welches aber nur eine indirekte Abbildung darstellen kann, weil das zugrundeliegende Prinzip völlig andere Grundlagen besitzt. [Warum das Geldsystem mit der Postulierung eines Gewinnes quasi einer Phantasie hinterherjagt, ist ein weitaus schwierigeres Problem als die Einsicht in die theoretische Unvereinbarkeit von Überschuß und Gewinn.] Die Frage wie gesamtwirtschaftlich ein Gewinn – und damit ein Zins – entstehen kann, läßt sich nicht mit einem Verweis auf einen realen Kornüberschuß erklären. Da hilft auch kein Hinweis auf die Mehrergiebigkeit der Produktionsumwege, wie es von einschlägigen Schulen postuliert wird. Das monetäre Simulationsmodell, welches diesen Nachweis führen kann ist davon geprägt, Gewinn als temporäre Differenz monetärer Geldvermögensumschichtungen zu definieren. Dieses kann man jedem Buchhalter erklären – ob das auch bei Ökonomen funktioniert ist zumindest zweifelhaft.

Das liegt daran, daß die gesamtwirtschaftliche Identität von Forderungen und Verbindlichkeiten sich als beschränkende Klammer temporärer Geldvermögensüberschüsse erweist. Daß ein bilanzieller Gewinnausweis darüberhinaus durch die Bewertung von Realvermögen scheinbar eine Abweichung von diesem Prinzip ermöglicht ist jedoch ein Irrtum, weil – ausschüttungsfähige – Gewinne an Liquidität und nicht an Bewertungsdifferenzen gekoppelt sind. Die müssen gezahlt (!) werden und nicht nur in einer bilanziellen Position sich „ausweisen“!

Vgl.: http://dr-menendez.de

Die logische Differenz zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem gilt auch hier. Denn eine Erklärung für Kornüberschüsse ist das eine – die Erklärung eines monetären Gewinnes bzw. Zinses ist das andere. Im Gegensatz zu dem Konzept eines Überschusses auf der realen Ebene ist der Gewinn auf der monetären Ebene angesiedelt, deren Grundformel aus der permanent gültigen Identität von Forderungen und Verbindlichkeiten besteht, was die Konzeption eines Überschusses der Einnahmen über die Ausgaben eigentlich nicht nahelegt. Anders gesagt ist ein Gewinn im Sinne eines positiven Nettogeldvermögens nur dann möglich, wenn an einer anderen Stelle des Kreditgeldsytems ein negativer Nettogeldvermögenssaldo existiert. Insofern wie Schuldsalden im Zeitablauf einer Tilgung unterliegen sind Gewinne prinzipiell gesehen von diesen negativen Vermögensbeständen abhängig. Dieser Dualismus wird stets dann ignoriert wenn Schulden als das zentrale Problem einer Krise interpretiert werden. Denn die Umwandlung einer Nettoakkumulation von Schulden in Einkommen ist genau das was von der empirischen Wirtschaftsforschung als Wachstum gemessen wird. Aus diesem Grund ist es auch fehlerhaft zu argumentieren, daß die Steigerung von Produktivität zu einer Gewinnsteigerung im volkswirtschaftlichen Sinne führen muß. Dieses ist deswegen nicht der Fall, weil die Entstehung von Gewinn an monetären Geldvermögensbeständen hängt und nicht an reale Mengen gekoppelt ist. Das Ignorieren dieser Differenz führt dann auch postwendend zu den falschen Therapien einer Krise, die immer wieder die Steigerung von Produktivität als Lösung der Krise anzubieten versuchen.

Man kann sich natürlich Gedanken darüber machen an welcher Stelle diejenigen Schulden gemacht werden, die ein nachhaltiges Wachstum begründen. Im Allgemeinen läßt sich Schuldenwachstum dann als volkswirtschaftlich gesund bezeichnen, wenn dadurch vermehrt Güter und Dienstleistungen auf dem Markt angeboten werden, weil damit eine gesellschaftliche Wohlfahrtsteigerung einhergeht. Dies steht bei Staatsschulden sowie Krediten für die Spekulation auf den Finanzmärkten zumindest in Frage.

Im Hinblick auf die Eingangsfrage läßt sich jedoch zweifelsfrei feststellen, daß die unbesehene Übernahme der Vorstellung der natürlichen Vermehrung biologischer Sachverhalte auf die Ebene monetärer Gewinne zu eben den Fehlschlüssen führt, wie sie in wirtschaftstheoretischen Abhandlungen immer wieder vorkommen. Die Akzeptanz der Tatsache, daß Gewinne eine monetäre Grundlage besitzen führt dazu für die Zukunft der Wirtschaftstheorie zu postulieren, zu einer konsistenten „monetären Theorie des Gewinnes“ resp. des Zinses zu kommen. Leider ist das in einem ökonomischen Umfeld alles andere als selbstverständlich.

Der Fehlschluß der Ökonomie, biologische Reproduktionsbedingungen unbesehen auf die ökonomische Ebene zu transponieren läßt sich auch hinsichtlich des physikalischen Energieerhaltungssatzes als nicht sachgerecht qualifizieren. Denn letztlich ist auch ein Kornüberschuß in einem weiteren Kontext nur unter Ignoranz gegenüber ökologischen Grundkonstanten als „Überschuß“ darstellbar. (Die positive Sonnenenergiebilanz ist ja wenigstens ein Hinweis darauf, daß es auch in biologischen Reproduktionszusammenhängen eines „Netto-Inputs“ bedarf, damit die Vorstellung eines Netto-Überschusses wenigstens phänomenologisch darstellbar wird.) Unter diesem Aspekt gesehen sollte es nicht verwundern, daß die Übertragung einer isolierten phänomenologischen Betrachtung auf die Ökonomie zu den gleichen intellektuellen Kurzschlüssen führen muß, die bereits in der Ausgangskonstellation enthalten sind. Die einschlägige logische Grundformel dafür lautet: ‚ex falso quodlibet’!

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Logische Typenlehre II – das Basisgeld

MagnolieGeld ist eine Entität der Schuldkommunikation aber selbst keine Schuld.

Die Theorie, daß Geld eine Forderung an die Zentralbank sei ist einer zu oberflächlichen Betrachtungsweise geschuldet. Denn die Ebenen des Geldsystems sind hierarchisch gesehen derart gestrickt, daß die Forderungen der übergeordneten Ebene gerade keine Forderungen für die nachgeordnete Ebene darstellen. Deswegen ist auch eine Vorstellung, daß Geld eine Forderung gegen die Zentralbank sei nichts weiter als gegenstandslos.

Das gleiche Ergebnis gilt aber auch auf der Ebene der Vermittlung aka „Emission“ von Zentralbankgeld. Denn die Forderung einer Bank gegen die Zentralbank ist gerade eine Forderung auf – Zentralbankgeld. Damit ergibt sich eine logische Differenz, die sich darin manifestiert, daß Geld ein Objekt der Schuldkommunikation ist – und nicht das Subjekt!

Der Unterschied zwischen Bezeichnung und Bezeichnendem ist gerade dabei von außerordentlicher Bedeutung, weil inzwischen die Zuschreibung an Geld, ein ‚asset‘ zu sein, die Diskussion beherrscht. Genau das ist jedoch nicht der Fall. Denn ein Schuldvertrag beinhaltet eine Leistung, die auf eine Sachübertragung gerichtet ist. Aus diesem Grunde kann Geld nicht eine Forderung oder eine Verbindlichkeit sein, weil die logische Differenz von Schuld und geschuldetem Sachgegenstand nicht übersprungen werden kann. Mit der Vorstellung von Geld als Schuld wird eine logische Grenze überschritten, die einen groben Verstoß gegen die Grundsätze der logischen Differenz von Element und Klasse darstellen. Das klassische Problem der Mengenlehre besteht ja gerade daraus, daß die Klasse aller(!) Klassen sich selbst nicht als Element enthalten kann. Umformuliert: die Klasse aller Kredite kann sich selbst nicht als Element enthalten, d.h. übersetzt, daß die verbindende Klammer, welche Kredite operationsfähig machen kann, nicht selbst ein Element der Klasse der Kredite sein kann. Damit wird aber das Objekt der Schuldbeziehungen zwischen Banken und Zentralbank auf einmal zu einem Subjekt der Schuldbeziehungen von Banken zu Nicht-Banken. Heißt auf gut Deutsch: Zentralbankgeld ist im Zentralbankverkehr die Handelsware, die durch Schuldbeziehungen erschaffen oder vernichtet wird, Zentralbankgeld ist im Geschäftsverkehr demgegenüber das ultimative Schuldentilgungsmittel, welches die derivativen Schuldbeziehungen von Banken und Nicht-Banken entweder etabliert oder eben neutralisiert.

Damit verliert aber Zentralbankgeld seine üblicherweise kolportierte Eigenschaft ein Mittel zur Erleichterung von Tauschbeziehungen zu sein. Und dennoch: mit einer für eine Wissenschaft beispiellosen methodologischen Inkonsequenz versucht die Ökonomie dieser Kalamität seit 200 Jahren dadurch zu entkommen, daß sie vermeintlicherweise über den realen und „richtigen“ ökonomischen Kern der Tauschwirtschaaft einen Schleier der monetären Undurchsichtigkeit stülpt, obwohl es gerade dieser „Schleier“ wäre, der es möglich machte, dem Geheimnis des Geldes auf die Schliche zu kommen.

Mit dieser Präformierung klebt sich die Ökonomie auf eine systemtheoretische (Prä-) Ebene fest, die sie außerhalb der sich als systemtheoretisch verstehenden Wissenschaften stellt, so daß ihre Stellung innerhalb des Wissenschaftsbetriebes als äußerst prekär einzuschätzen ist. Diese Ignoranz gegenüber den eigenen methodologischen Grundlagen kann dann auch durch eine noch so intensive statistische Ausrichtung nicht aufgefangen werden. Denn wie man weiß, wird durch statistische Methoden nur das erkennbar, was bereits als Konzeption gedanklich vorliegt – durch statistische oder ökonometrische Untersuchungen können, im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Missverständnis (Friedman), keine originären Erkenntnise gewonnen werden.

Dagegen führt die methodologische Differenz von Element und Klasse zu der Erkenntnis, daß Geld als Erfüllungsmedium von Schuldverhältnissen selbst kein Schuldverhältnis sein kann. Die klassische Allegorie für diese Verwechslung von Bezeichnung und Bezeichnetem ist der Schizophrene, der nach dem Studium der Speisekarte völlig überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns herzhaft in die Speisekarte beißt. Mit dieser fehlerhaften Identifikation von Geld und Kredit wird zu allem Überfluß von der Ökonomie völlig unbekümmert die Definition der Geldmenge zu einer Vermengung inkommensurabler Entitäten hochstilisiert. Damit wird der Blick dafür verstellt, daß Geld seine Funktion darin findet Schuldverhältnisse zu etablieren oder auszugleichen, die damit wieder aus dem gesellschaftlichen Beziehungsgeflecht entfernt werden können. So ist letztlich auch der Irrglaube zu erklären, daß die Ausweitung der Geldmenge M0 zu einer Lösung des Problems einer mangelhaften Rentabilität beitragen könnte. Das ist denn aber auch nicht der Fall. So sind z.B. die LTRO Aktionen der EZB überhaupt nicht geeignet das Problem der mangelnden Rentabilität der Realwirtschaft zu lösen, da sie lediglich dazu beitragen können das Liquiditätsproblem (aber eben nicht das Rentabilitätsproblem) von Unternehmen und damit auch der Banken zu konsolidieren. Gewinne entstehen dadurch nicht!

Das methodische Desaster der Vermengung von Element und Klasse wird nur noch dadurch übertroffen, daß das Postulat einer (quasi) theorielosen und von statistischen Spitzfindigkeiten überfrachteten Ökonometrie zu Erkenntnis führen soll. Natürlich sind statistische Untersuchungen per se nicht falsch nur kann nur dann eine Erkenntnis daraus gezogen werden, wenn damit auch eine Vorstellung verbunden ist, welche das Ergebnis der Analyse der Daten auch in einen sinnvollen Zusammenhang stellen kann. So wie es derzeit aussieht wird es allerdings nicht mehr dazu kommen, daß die Ökonomie sich auf eine andere Formulierung ihrer angestammten Vorurteile einlassen wird.

Damit vergibt sie sich der Möglichkeit zu einer Wissenschaft zu werden welche die methodischen Grundlagen der logischen Typenlehre ernst nehmen kann und will.
Diese Art von Konzeption ist der Grund dafür, warum es für die Ökonomie so schwer ist zu einer akzeptierten Wissenschaft zu werden. Die permanente Ignoranz gegenüber den methodischen Prinzipien der ’scientific community‘ macht es fast unmöglich zu einer allgemein akzeptierten Definition des eigenen Erkenntnisobjektes zu kommen, die den Normen der allgemein akzeptierten Wissenschaft entspricht.

Man kann diese Prinzipienlosigkeit der Ökonomie als ein ‚feature‘ interpretieren aber eigentlich ist es ein Versagen davor, die Objekte, welche die eigene Erkenntnis darstellen sollten auf eine Weise zu ordnen, welche eine Anspruch erheben kann, eine saubere methodologische Grundlage zu haben. Es ist zwar nicht wirklich so, daß allein die Grundlagen der logischen Typenlehre zu einer akzeptablen ökonomischen Theorie führen können, welche das ökonomische Problem lösen könnte, wie die Frage von Knappheit gelöst werden kann. Dennoch ist das Zentralproblem der Ökonomie ohne die substanzielle Unterscheidung von Bezeichnung und Bezeichnetem nicht auf eine saubere wissenschaftstheoretische Art zu bewältigen, indem man sich den eignen Grundlagen gegenüber ignorant zeigt.

Damit wird wieder die Ausgangsfrage angesprochen, warum das Insistieren auf der vermeintlichen Eigenschaft von Geld als Kredit immer noch dergestalt die Sinne vernebelt, daß diese Gleichsetzung weitere Fehlschlüsse generiert, die sich darin zeigen, daß monetäre Problemlagen immer noch mit einem Konzept analysiert werden, welches selbsterklärterweise auf einer Tauschphilosophie (Hirsch und Biber – A. Smith) aufbaut, und gleichzeitig die strukturellen Differenzen – allein innerhalb des Geldwesens – mit einer präpotenten Ignoranzattitüde aus dem ökonomischen Sachzusammenhang wegdefiniert werden.

Man kann das ja alles machen und auch vertreten, man darf sich dann nur nicht wundern, warum ökonomische Prognosen aus grundsätzlichen Gründen (derzeit) lediglich beliebig sind. Die grausame Konsequenz daraus ist, daß dann, wenn irgendein „Ökonom“ mal einen Zufallstreffer gelandet hat, der (wiederum) logische Grundsatz gilt: ‚ex falso quodlibet‘!

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Logische Typenlehre und die Ökonomie

dont believeDas Schönste an der Quantitätstheorie M V = P Y ist die Naivität, mit der allen Ernstes versucht wird einen Zusammenhang zwischen der Ebene der Güter und der Ebene des Geldes herzustellen. Da allerdings den Urhebern dieser Theorie bei dem Gedanken an deren Stichhaltigkeit nicht so ganz geheuer war, wurde denn auch in der Folge die Gleichung wahlweise als Tautologie, Identität oder gar als Kontinuitätsformel ökonomischer Weisheit präsentiert. (Es ist aber auch möglich, daß man ausgehend von der Quantitätstheorie zu korrekten Aussagen kommt, wenn man sich nur an die monetären Grundsätzlichkeiten hält, die von den statistischen Ämtern veröffentlicht werden; die Feldtheorie der Ökonomie  ist, jenseits der Tatsache, daß sie sich nicht um die hier angesprochene Problemlage schert ein Beispiel dafür, daß man auch ‚right for the wrong reasons‘ sein kann.)

Der quantitätstheoretische Ansatz sucht die Antwort auf die „Geldfrage“ in einer Realmystik, weil er sich nicht damit abfinden will, daß die Funktionsweise (!!!) von Geld mit Wert nichts zu tun hat. Denn die Frage nach dem Wert hat was mit intrinsischen Befindlichkeiten zu tun, welche durch die Präferenzen der allgemeinen Gleichgewichtstheorie in aller Form dargelegt werden. Nun ist zwar die Frage, was Geld für ein Individuum wert ist auch eine Frage von persönlichen Einschätzungen, nur ist dieser Entscheidungsaspekt auf einer anderen Ebene angesiedelt, als es die Entscheidung über die Nützlichkeit eines Objektes ist.

Der theoriegeschichtliche Hintergrund ist dabei, daß das Zentralmodell der herrschenden Wirtschaftstheorie – die allgemeine Gleichgewichtstheorie – aufgrund ihrer Konstruktion nur relative Tauschverhältnisse abbilden kann. Aus diesem kühlen Grunde ist es erforderlich eine formelhafte Abbildung zu finden, um die relativen Preise in absolute Preise (Geldpreise) zu transformieren. Dazu wurde der gesamtwirtschaftliche Umsatz (P * Y) mit „der“ Geldmenge (M) in Beziehung gesetzt und heraus kommt eine ominöse Variable (V), die dann so etwas Ähnliches abbilden soll wie die „Händewechselhäufigkeit“ jeder einzelnen Geldeinheit.

Die wichtigste und leider für die Ökonomie fatale Zuschreibung an den auf diese Weise unterschwellig definierten „Geldwert“ ist die Assoziierung von Geld als einem „Realwert“, obwohl die Quantitätstheorie gerade diesen Schluß nicht nahelegt. Denn wie man durch einfache überlegung nachvollziehen kann, ist die Höhe der Geldpreise (P) von der Geldmenge (M) abhängig, so daß in der Definitionsformel für V (die sagenumwobene Umlaufgeschwindigkeit)
V = P*Y/M
auf der rechten Seite Variable stehen, die auch ohne ein ominöses V voneinander abhängig sind. Die logische Folge davon ist, daß damit die Frage des „Geldwertes“ völlig in der Luft hängt – weil die entscheidende Frage der Abhängigkeit von P und M bereits auf der „rechten“ Seite stattfindet – und zu allem Überfluß auch noch Y (das reale Sozialprodukt) in diese vermeintlich selbst-evidente Beziehung hineinspielt, was, sobald man V als konstant voraussetzt, zu einer Beziehung von monetären und realen Einheiten führt und damit automatisch die Vorstellung des „Realwertes“ einer Geldeinheit erzeugt wird. Der intellektuelle Kurzschluß zu einer Vorstellung eines „werthaltigen Geldes“ (Goldwährung) ist an dieser Stelle nicht mehr weit. Dieser Kurzschluß trifft sich mit der phänomenologischen Erfahrungstatsache, daß Geld ja gegen Sachgüter „getauscht“ werden kann, so daß einer Identifizierung von Geld und Wert nichts mehr im Wege steht. Daß damit einer Verwechslung kategorialer Ebenen Vorschub geleistet wird ist dann kein Wunder mehr.

Damit kommen wir aber zum Punkt: der logische Typensprung besteht daraus, daß Kommunikation über Sachen anderen Kriterien unterliegt, als die Sachen selbst. Kommunikation über die Verfügung von Sachen hat was damit zu tun, daß diese Funktionalität keine direkte Verbindung mit einer (möglicherweise) zugehörigen Interaktionsform besitzt, die auf einen Ausgleich von Werten aufgebaut ist. So ist zum Beispiel die Funktionalität von Sachen in der Korntheorie des Zinses von Ricardo zu finden, die mit der Funktionalität der Kommunikation über monetäre Profitraten nicht das mindeste zu tun hat. Oder anders: die klassische Austauschrate von Hirsch und Biber bei Adam Smith hat zwar etwas mit den relativen Wertverhältnissen zu tun – der Zielpunkt dieser Art von Interaktion ist jedoch darauf geeicht, aus der geschäftlichen Interaktion gerade keine Schuldbeziehung erwachsen zu lassen, welche nach Abschluß dieses Tausches eine Fernwirkung auf zukünftige (geschäftliche) Beziehungen haben könnte. Ein Tausch hat gerade mit dem, was monetäre Verpflichtungsrelationen angeht allenfalls indirekt etwas zu tun!

Der Hintergrund für diese Konzeptionierung ökonomischer Ebenen findet sich vordergründig in der Kommunikationstheorie von G. Bateson, im Endeffekt jedoch in der logischen Typenlehre von Whitehead und Russell:

„Unser Forschungsansatz beruht auf dem Teil der Kommunikationstheorie, den Russell die ‚Theorie der logischen Typen‘ genannt hat. Die zentrale These dieser Theorie besagt, dass zwischen einer Klasse und ihren Elementen eine Diskontinuität besteht. Die Klasse kann weder ein Element ihrer selbst sein, noch kann eines ihrer Elemente die Klasse sein, da der für die Klasse gebrauchte Terminus einer anderen Abstraktionsebene – einem anderen logischen Typ – angehört, als die auf die Elemente anwendbaren Termini.“

Der hier verwendete Ansatzpunkt besteht daraus:

Obwohl in dieser Passage sowohl von (Abstraktions) ‚Ebenen‘ als auch von ‚Typen‘ gesprochen wird, suchen wir in Batesons Arbeiten vergeblich nach einer Bestimmung der Unterschiede zwischen diesen beiden Parametern. So deutlich einerseits der Unterschied zwischen den Begriffen Element und Klasse im Rahmen logischer Argumentation ist, so ungeklärt bleibt andererseits das Verhältnis zwischen Ebenen und Typen in der psychologischen Kommunikationstheorie von Bateson.

Nun geht es hier nicht darum die logische Typenlehre zu diskutieren, sondern darum den Aspekt hervorzuheben, der sich daraus ergibt, daß Bateson und später Luhmann angeregt haben, daß Wirtschaft als ein Kommunikationssystem begreifbar ist, welches von der Konzeption, Wirtschaft als reales Tauschsystem zu betrachten, fundamental unterschiedlich ist. Damit hat es sich allerdings mit Bateson und Luhmann auch schon. Das was man als Wesentliches daraus lernen könnte ist, Wirtschaft nicht als Substanzfrage zu betrachten, sondern als kommunikative Veranstaltung, die davon geprägt ist, daß Einvernehmen über Verfügungen hinsichtlich realer Objekte erzielt wird. Die Ignoranz der Ökonomie besteht dagegen daraus, daß die Formulierung einer Grenzproduktivität als a priori postulierter handlungsleitender Zentralaspekt dazu führt, daß monetäre Kommunikation zu einem abhängigen Abbild der realen Sphäre wird. Das ist der (tragische) Stand der Dinge!

Die logische Typenlehre der Ökonomie postuliert demgegenüber, daß die Objekte der Realökonomie einen „Transmissionsmechanismus“ brauchen, in dem Sinne, daß es einen Kommunikationsstandard braucht, der die Kriterien definiert, wann reale Objekte entweder einen Eigentumswechsel erfahren oder zu einer Produktionsveranstaltung eingesetzt werden (können). Damit betrachtet sie die Unterschiede, welche zwischen der Realebene und der monetären Ebene existieren. Die Differenz der Unterschiede ökonomischer Kategorien hebt gerade den Unterschied hervor, der sich zwischen Produktivität, die sich auf eine reale Menge von Gütern bezieht, befindet, während demgegenüber Gewinn sich auf Geld bezieht, welcher sich nicht aus einer Produktivitätsphilosophie erklären läßt. Es klingt lächerlich, aber den (meisten) Ökonomen muß man sagen: Geld wächst nicht auf Bäumen!

Der in dieser Problemverstrickung enthaltene Hänger ist dabei immer der gleiche: Kommunikation wird immer dann zum Problem wenn Objekt und Bezeichnung verwechselt werden. So ist eine Zinstheorie der Produktivität eine Angelegenheit von Mengen. Dagegen ist die Kommunikation über Mengen eine Metaebene (die Zins als eine Zuschreibung zu dem abstrakten „Wert“ – besser: Forderungsvolumen – einer Schuldforderung manifestiert), deren Existenz von der bisherigen ‚mainstream‘-Ökonomie weitgehend geleugnet wird. Der augenfälligste Ausdruck dieser Scheuklappenstrategie ist die Quantitätstheorie, die völlig unbekümmert von einer strukturellen Differenz von Objekt- und Kommunikationsebene einen kausalen (meistens noch schlimmer als selbst-evidenter Identitätskomplex verstandener) Konnex zwischen beiden Ebenen postuliert und damit das zentrale Hindernis für eine ökonomische Theorie darstellt, die wenigstens mal den Anspruch struktureller Konsistenz erheben könnte.

Ein Ansatz, der sich zugutehalten kann, dieser Verwechlung nicht zu unterliegen resultiert aus den Untersuchungen von L.A. Hahn und M. Copeland, deren Untersuchungsobjekt die monetären Relationen einer Volkswirtschaft sind, der sich über A. Forstmann, W. Lautenbach und schließlich W. Stützel in dem Konzept der „volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ niedergeschlagen hat. Das eigentliche ‚feature‘ dieses Ansatzes, gerade ohne einen Bezug zu realen Objekten auszukommen macht sie in den Augen des ‚mainstream‘ zu einer nicht-ökonomischen Theorie, weil damit der Bezug zu den realen „Wahrheiten“ verloren geht, woraus sich ganz zwanglos auch die permanente Abneigung gegen diese Art der Konzeptualisierung ökonomischen Denkens erklären läßt. Dabei ist diese Kritik in etwa so, als würde sich die Hardwareabteilung über die Softwareabteilung eines Computerherstellers dahingehend beschweren, daß die Software-Programmierer keine Hardware-Entwicklung betreiben wollen. Natürlich ist da auch ein Zusammenhang, aber die Regeln und Kriterien der Software-Entwicklung sind eben nur indirekt davon bestimmt, welche Konstruktionsprinzipien in der Hardwareabteilung als neuester Schrei zur Anwendung kommen.

Die logische Typenabbildung zwischen der Realsphäre und dem monetären Kommunikationssystem besteht eben daraus, daß Geld als relatives Maß der Produktion einen indirekten Zusammenhang herstellt, da ja Bezeichnung und Objekt eine zwar begriffliche, aber letztlich nur eine phänomenologische Einheit zu etablieren in der Lage sind. Das ist vor dem Hintergrund einer effizienten Institutionalisierung auch nicht schlimm, bedeutet aber hinsichtlich einer angemessenen Wirtschaftstheorie, daß man sich davon fern halten muß, die strukturellen Ebenen der ökonomischen Analyse auf eine unangemessene Weise zu vermengen. Die Einsicht, die logischen Typen der ökonomischen Erkenntniswelt strukturell auseinanderzuhalten eröffnet die Möglichkeit, Geld und Wert, wenn schon nicht zu „integrieren“, so doch miteinander dergestalt zu verbinden, daß es möglich wird, ohne logische Kategorialverwechslungen über Ökonomie in einer zukunftsfähigen Weise diskutieren zu können.

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