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Nachgedacht: monetäre Markttheorie

Berlin-MitteDie ökonomische Theorie einer Gesellschaft hat zu definieren, wie sie das Aktivitätsniveau einer Ökonomie bestimmt. Dieser Satz markiert den Anspruch, der von der Neoklassik als ‚mainstream‘ der ökonomischen Theorie vorgegeben wird. Die nutzengesteuerte Bestimmung der relativen Preise im Zusammenhang mit der Theorie von Angebot und Nachfrage erzeugt ein gesamtwirtschaftliches Aktivitätsniveau, welches stets als allgemeines Gleichgewicht etikettiert wird. Dabei ist zu motivieren, wie es zu einem Aktivitätniveau kommen kann, welches sich aus Handlungen von Individuen ergibt, die unabhängig voneinander Entscheidungen treffen.

Dabei sieht es für die Individuen einfach aus: sie brauchen lediglich Entscheidungen im Rahmen ihrer Budgetrestriktion zu treffen, müssen aber nicht die Restriktionen, die andere Wirtschaftssubjeke einzuhalten haben, ebenfalls berücksichtigen. Das heißt auf gut Deutsch, daß die Rückwirkungen, die individuelle Entscheidungen bewirken von den Individuen selbst überhaupt nicht berücksichtigt werden und somit Individuen keine gesamtwirtschaftlichen Effekte berücksichtigen können. Wie sollten sie es auch können?

Wenn aber Individuen nur mikroökonomische Entscheidungen treffen können ergibt sich die Frage, wie aus voneinander unabhängigen Entscheidungen ein gesamtwirtschaftliches Aktivitätsniveau abgeleitet werden kann. Das ist die zentrale Frage der VWL als Wissenschaft! Die einzige Antwort auf diese Frage wurde bisher von der allgemeinen Gleichgewichtstheorie gegeben. Dabei geht sie davon aus, daß jedes Individuum alle Entscheidungen aller anderen Individuen bei sich selbst berücksichtigt. Ein Nachweis dafür, daß diese Vorstellung keine funktionsfähige Wirtschaftsordnung erzeugen kann, dürfte sich erübrigen – selbst die ‚hidden hand‘ wäre dabei überfordert!

Dabei wird dort die nicht zulässige Unterstellung gemacht, daß die globale Budgetrestriktion aus der Gesamtheit der Einzelentscheidungen der Individuen entsteht. Diese Vorstellung entsteht durch den Kunstgriff, die Handlungsoptionen der Individuen daran zu ketten, indem die tauschbare Erstausstattung als vorgegeben gesetzt wird. Das hat zur Folge, daß damit die globale Budgetrestriktion a priori vorgegeben ist. Genau dieser Umstand ermöglicht es der allgemeinen Gleichgewichtstheorie als Paradetheorie der Marktwirtschaft ein globales Aktivitätniveau abzuleiten und zu argumentieren, daß die Funktionsweise des Preismechanismus dieses Gleichgewicht garantiert.

Einer der wenigen Versuche dem etwas entgegenzustellen ist der Ansatz des monetären Keynesianismus von Hajo Riese, wo versucht wird die Budgetrestriktion des Marktsystems auf einer monetären Grundlage zu definieren. Der Grundansatz ist dabei darin zu sehen, daß erst die Verfügung über Geld zu einer Bewirtschaftung der Ressourcen (einschließlich der Ressource Arbeitskraft) führt und somit das volkswirtschaftliche Aktivitäteniveau aus monetären Bedingungen abgeleitet werden soll. Damit wird das keynesianische Element aufgegriffen, welches die monetäre Investition zum zentralen Bestimmungsfaktor der Ökonomie macht. Denn in einer Ökonomie, die auf Kooperationsbeziehungen und nicht auf elementare Tauschhandlungen abstellt ist die Verwendung eines sozialen Abrechnungssystems eine ‚conditio sine qua non‘, also eine unabdingbare Notwendigkeit, was schon durch das Stecknadelbeispiel von A. Smith eindrücklich illustriert wird.

Aus dieser Perspektive gibt es in einer arbeitsteiligen Ökonomie im wesentlichen zwei Märkte, den Finanzmarkt einerseits, sowie den Finanzerwirtschaftungsmarkt alias Gütermarkt andererseits. Der von der Neoklassik so mystifizierte Arbeitsmarkt ist damit lediglich ein Appendix des Finanzmarktes, weil die Beschäftigung von Ressourcen wie Rohstoffe und Arbeitskraft ebenso einem finanzwirtschaftlichen Kalkül unterliegt wie eine Investition in Maschinen und Zwischenprodukte.

Eine Investition, also eine Zahlungsreihe, die mit der Ausgabe von Geld beginnt (Kruschwitz), ist dabei immer von Geldvermögensinteressen geprägt, weil die Erwartung über die Wahrscheinlichkeit monetärer Verluste/ Gewinne die Investitionsbereitschaft steuert. Dabei muß man sehen, daß nicht nur die Gruppe der Unternehmer, sondern auch die Banken mittelbar diesem Verlustrisiko unterliegen, so daß die Beziehung Unternehmer – Bank die zentrale prekäre Relation einer monetären Ökonomie darstellt.

Das ist deswegen der Fall, weil der Markt zur Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels – der Warenmarkt alias Gütermarkt – darüber entscheidet, wie hoch die Investitionsbereitschaft (und damit der Grad der Ökonomisierung der Ressourcen) der Gruppe der Unternehmer ist. Es ist damit das Zusammenspiel beider Märkte, welches darüber bestimmt wie hoch der Auslastungsgrad einer Ökonomie ist. Aus einer derartigen Perspektive wird das Nichtausgeben von Geld seitens der Bezieher von Einkommen zu einer zentralen Restriktion der Investitionsbereitschaft und damit des gesamtwirtschaftlichen Aktivitätsniveaus. Dabei ist es unerheblich, ob aus Unternehmer- oder Arbeitnehmereinkommen gespart wird, weil beides zu einer Reduktion desjenigen Potentials führt, aus dem eine Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels möglich wäre.

Wenn man so will ist das entscheidende Wechselspiel in der kapitalistischen Marktwirtschaft die Interaktion von Finanzmarkt und dem Markt für die Erwirtschaftung von Schuldendeckungsmitteln, wobei man dieses im Gegensatz zum statischen neoklassischen Marktmodell als dynamisches System interpretieren kann, insofern als zum einen Aktionen des einen Pols direkte Rückwirkungen auf den anderen Pol des Systems ausüben und andererseits die Kreditverhältnisse, die zu den Investitionsprozessen führen eine Zeitstruktur aufweisen, so daß Entscheidungen der Gegenwart Wirkungen über den gesamten Planungshorizont verteilt aufweisen.

Für die Frage, wie dann ein Markt in einer monetären Ökonomie aussieht kann man sich daran erinnern, daß in einem Einkommen-Ausgaben-Diagramm

http://makroo.de/Das%20keynesianische%20Modell/Der%20Guetermarkt/Das%20Einkommen-Ausgaben-Diagramm.htm

das Zurückbleiben der Nachfrage hinter dem Einkommen mit kontraktiven Entwicklungen verbunden ist, während eine Nachfrage oberhalb des Einkommens mit expansiven Prozessen einhergehen dürfte. Nun ist die verlinkte Darstellung suggestiv auf den Fall eingeengt, daß das Einkommen den Ausgaben entspricht, was aus vorstehenden Gründen für eine monetäre Ökonomie eine zu enge Sicht der Dinge darstellt. Denn durch diese Verengung wird unterschlagen, daß die Gleichgewichtsbedingung „Einkommen = Ausgaben“ unterstellt, daß es eine Abweichung der gleichgewichtigen Ausgaben von dem Einkommen nicht geben könne. Denn ein Kennzeichen einer monetären Investitionsökonomie ist, daß den anfänglichen hohen Investitionsausgaben erst im Zeitablauf sukzessive die Amortisationen wieder entgegenströmen und somit die Anfangsphase einer Investition typischerweise davon geprägt ist, daß die Einkommen systematisch höher sind, als der auf dem Markt befindliche Angebotswert. Soweit man sich den typischen Verlauf einer Investition ansieht

http://www.der-wirtschaftsingenieur.de/index.php/produktentstehung/

erkennt man unmittelbar, daß die Gleichheit von Einkommen und Ausgaben lediglich eine Episode in einem dynamischen Prozess ist. So läuft z.B. in einer Phase hoher Investitionen die Einkommensbildung dem Angebotswert voraus, so daß sich unmittelbar Preisauftriebstendenzen ergeben, welche die ursprüngliche Investitionskalkulation als zu pessimistisch darstellen. Die damit üblicherweise verbundenen Preisauftriebstendenzen sind über induzierte Lohnsteigerungen dann entweder der Beginn eines Inflationsprozesses oder wahlweise bei einer Lohnstabilität der Beginn einer Ungleichverteilung von Einkommen und dann auch Vermögen.

Begreift man also Marktwirtschaft als ein monetäres System, dann handelt es sich hierbei um eine Rückkoppelungsschleife, bei der es einen unabhängigen Pol und einen abhängigen Pol gibt. Der unabhängige Pol ist die Seite der Investition, die abhängige Seite ist die Seite der Einkommensverwendung, weil diese erst entsteht, wenn investiert worden ist. Das heißt aber wiederum, daß auf der einen Seite die Investition die zentrale Bestimmungsgröße für das Einkommen darstellt und der Konsum damit mittelbar von der Investition abhängig ist, während andererseits die Geldnachfrage auf dem Warenmarkt (= der Markt zur Erwirtschaftung des Schuldendeckungsmittels) ebenfalls von der (zeitlichen Struktur der) Investition bestimmt wird.

Investition-Diagramm

(Man beachte, daß entgegen der Gepflogenheit der Ökonomen hier die unabhängige Variable auf der Abszisse abgetragen ist!!)

Durch diese für eine monetäre Ökonomie charakteristische Hierarchisierung ökonomischer Entscheidungen – Investition einerseits und davon abgeleitet Konsum/ Sparen andererseits – wird für die Marktwirtschaft ein dynamisches Aktivitätsniveau definiert, welches sich aus der Bereitschaft zur Investition speist und damit von genuinen Vermögensinteressen gesteuert wird. Insofern ist eine Theorie einer monetären Marktwirtschaft durch zwei Entscheidungsebenen geprägt: durch eine Interaktion von Banken und Unternehmen, die zu Investitionsprozessen führen, die mit einer Geldausgabe beginnen und die einen kontinuierlichen Amortisationsprozeß nach sich ziehen und dem Komplement der Wiedererwirtschaftung des ausgegebenen Geldes auf dem Warenmarkt und nicht durch eine elementare Interaktionsfigur – dem Tausch – den man heutzutage höchstens noch auf nichtkommerziellen Basaren anzutreffen pflegt.

Die Konsequenzen für die Markttheorie herkömmlicher Prägung sind nicht wirklich erfreulich. Nicht nur, daß der Arbeitsmarkt seine Stellung als eigenstänger Markt verliert, sondern auch die Erkenntnis, daß es auf dem Gütermarkt nicht primär um die Befriedigung individueller Interessen geht. Natürlich wird auf den Arbeits- und Gütermärkten gefeilscht was das Zeug hält, für die Frage, auf welchem Niveau sich das gesamtwirtschaftliche Aktivitätsniveau einpendelt sind derartige Aspekte lediglich sekundär, weil sich dadurch der zentrale Mechanismus, der aus der Kruschwitz-Investition besteht, überhaupt nicht aushebeln läßt.

Man mag eine gewisse Trauer dabei empfinden, daß die Vorstellung vom Konsum als Endzweck ökonomischen Handelns einer nüchternen Kalkulation über den monetären Ertrag einer Investition weichen muß – aber Märchen sind ja auch nur dazu da, um Emotionen zu befriedigen.

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Wozu ist ein Markt?

Restaurant Kremmen„I am, as a theorist, more concerned with the intellectual move which axiomatically ensures that the invisible hand is never observed in reconciling inconsistent plans and so provides no account of how it might actually do this. It seems clear that this leaves the theory essentially incomplete. It also seems obvious that it cannot be usefully confronted with other theories, for it is no answer to the Keynesian proposition that there may be states in which willing workers cannot find a job at the going wage to announce it as an axiom that this can never happen.

Less extreme theories have recognised that some story must be told and to the non-economist the chosen one is known as the ‚law of supply and demand‘. Here the invisible hand is actually set in motion. When demand for anything exceeds its supply the price will go up, and vice versa when supply exceeds demand. In taking this account seriously, one finds oneself studying a rather complex dynamic system. It is a fact that this study has not led to the conclusion that this behaviour of prices must guide the economy to its tranquil equilibrium. Indeed, almost the converse is true: only very special assumptions seem to ensure this happy outcome.“ (Hahn, F.H., Equilibrium and Macroeconomics 1984, S. 125)

Dieses Zitat stammt nicht etwa von irgendeinem kenntnisbefreiten Kritiker der ökonomischen Theorie, sondern von einem der ausgewiesenen Kenner und Protagonisten der allgemeinen Gleichgewichtstheorie. Mal abgesehen davon, daß er das Grundmodell der Marktwirtschaft als ‚essential incomplete‘ bezeichnet ist bemerkenswert, daß er die ständig kolportierte Geschichte von den segensreichen Wirkungen von Angebot und Nachfrage als etwas charakterisiert, was Menschen mit geringen ökonomischen Kenntnissen vermittelt wird, damit diese überhaupt eine Vorstellung davon bekommen, was die zentrale Funktionslogik der allgemeinen Gleichgewichtstheorie überhaupt ist. Die Konsequenz aus dieser Behauptung ist durchaus eklig: sie besagt, daß das Marktmodell als Funktionsvorstellung für die Analyse gesamtwirtschaftlicher Bedingungen offenbar schlichtweg ungeeignet ist und eher als allegorisches Propädeutikum angesehen werden sollte, als als ernstzunehmende Funktionsbeschreibung.

Ein derartiger Befund kann allerdings nur denjenigen aufschrecken, der seine Auffassungsgabe noch nicht dem vermeintlichen ‚common sense‘ unterworfen hat. Denn wie so viele Halbwahrheiten auch ist die Vorstellung davon, daß eine Marktwirtschaft valide Funktionsbedingungen aufweisen würde, einer schöngeistigen Phänomenologisierung zuzuordnen und nicht einer ausgereiften modelltheoretischen Konzeption, wie man es erwarten würde, wenn diese Botschaft aus unzähligen Lehrbuchdarstellungen hervortönt. Daher lohnt es sich zu ventilieren, welche Funktionsvorstellung das Marktmodell überhaupt ausweist und ob diese Funktionsvorstellung überhaupt geeignet ist, den Bedingungen einer komplexfähigen Ökonomie gerecht zu werden.

Eine kleine Bemerkung sollte noch vorab eingefügt werden, die das übliche Angebot-Nachfrage Diagramm betrifft, weil dies als zentrales Lehrbuchelement allen Ökonomen irgendwann mal beigebracht wurde. Es wird sich zeigen, daß der zentrale Vorbehalt dagegen ist, daß die Ableitung der Angebots-Nachfrage Kurven zunächst aus einer mikroökonomischen Perspektive erfolgt, deren zentrale Voraussetzung darin besteht, daß diese voneinander unabhängig sind. Die Nachfragekurve wird aus den Präferenzen der Haushalte abgeleitet, während die Angebotskurve aus dem aufsteigenden Ast der Grenzproduktivitätskurve entstammt, welche die abnehmende Produktivität von Produktionsprozessen reflektiert. (Letzteres wird durch empirische Untersuchungen als unhaltbar festgestellt, was jedoch nicht dazu geführt hat, daß dieses Konzept jemals von dem mainstream der ökonomischen Theorie jemals in Frage gestellt worden wäre.) Soweit wäre ja noch alles in Ordnung, wenn nicht dann der Übergang zu dem gesamtwirtschaftlichen Modell die Grundlage des einzelwirtschaftlichen Modells schlichtweg aushebelt: es gibt nämlich in der Makroökonomie kein ‚ceteris paribus‘!

Nun muß man ja nicht bestreiten, daß es in kapitalistischen Ökonomien durchaus so etwas gibt wie Märkte. Die wesentliche Frage wäre jedoch zu ergründen, was sich tatsächlich auf Märkten abspielt, deren Funktion ja irgendwie doch zu den effizienten Ergebnissen führt, die man auf Märkten beobachten kann, die durch geldwirtschaftliche Vorgaben geprägt sind. Wie man sich leicht vorstellen kann, wird es hier nicht darum gehen alle möglichen schöngeistigen Vorstellungen zu rekapitulieren, welche um den Begriff „Markt“ gesponnen worden sind. Denn jenseits dessen, was üblicherweise zu diesem Thema angeboten wird, ist der Marktbegriff dahingehend zu prüfen, wie er von der dahinterstehenden Theorie begriffen wird. Man mag sich seine Vorstellungen davon machen, was ein Markt sein soll, man mag an Flohmärkte oder Supermärkte oder auch Arbeitsmärkte denken. Entscheidend ist dabei jedoch, was in dem theoretischen Rahmen, der verwendet wird, um den Marktbegriff zu formulieren, als die funktionale Eigenschaft angesehen wird, was ein Markt zu leisten hat. Insofern sind üblicherweise die Interpretationen dessen, was ein Markt für Wirkungen entfaltet davon geprägt, die phänomenologischen Aspekte zu beschreiben, ohne daß damit mehr als diffuses Verständnis davon erzeugt würde, welche Bedeutung ein Markt in einem volkswirtschaftlichen Begründungszusammenhang tatsächlich besitzt.

Hilfreich bei dieser Geschichte ist folgende Graphik, welche die Markttheorie in einen Zusammenhang mit der Haushaltstheorie und der Unternehmenstheorie setzt, weil hierbei ersichtlich wird, welche funktionalen Kriterien bei der Formulierung eines adäquaten Marktbegriffes erforderlich sind.

Markttheorie

Man sieht daran sehr schön, daß es bei dem Grundlagenmodell der Marktwirtschaft um das zentrale Problem geht, daß ein Gleichgewicht erreicht werden soll, dessen Kriterium ist, daß es bei dem gleichgewichtigen (relativen) Preissystem zu einem Verschwinden der Überschußnachfrage kommt, d.h. daß diese zu Null werden, was bedeutet, daß ein Individuum bei dem geltenden Preissystem keine Möglichkeit mehr hat, seine Situation durch Umschichtungen zu verbessern. Denn ein Individuum wird nur dann sein Angebot bzw. Nachfrage ändern, wenn die Preissignale, die er empfängt ihn dazu veranlassen, seine angebotenen/ nachgefragten Mengen zu ändern. Für den Haushalt sind die (relativen) Preise insofern maßgeblich, als sie darüber bestimmen, wie hoch sein Handlungsspielraum ist, d.h. wie es mit seiner Budgetrestriktion beschaffen ist. Denn ohne Budgetrestriktion kann er keine sinnvolle Wahl zwischen den Alternativen treffen, ohne die Vorgabe der Preise hängt die Budgetrestriktion in der Luft. Man kann wenn man so will das „Herantasten“ an das gleichgewichtige Preissystem damit vergleichen, daß der Haushalt je nach gegebener Budgetrestriktion ein dazu passendes Angebots-/ Nachfrageprofil wählt. Man kann sich an dieser Stelle vielleicht vorstellen, was Hahn eingangs ausdrücken wollte, indem er von einem ‚rather complex dynamic system‘ gesprochen hatte.

Man hat es also beim Grundmodell der Marktwirtschaft mit einer Optimierung unter sich verändernden Nebenbedingungen zu tun, wobei die konstante Größe in diesem Prozeß die Präferenzen der Haushalte sind, so daß die Änderung der Angebots-/ Nachfragemengen lediglich davon abhängig sind, wie der aktuelle relevante Preisvektor beschaffen ist. Das wiederum bedeutet – im Gegensatz zu der üblicherweise kolportierten Version, daß das Individuum durch seine Entscheidungen die Ökonomie steuern würde -, daß die Bestimmung des allgemeinen Gleichgewichts der Marktwirtschaft aus der Festlegung des gleichgewichtigen Preissystems besteht, was postwendend bedeutet, daß dieses Marktmodell dazu da ist, um für die Haushalte die relevante Budgetrestriktion zu bestimmen. Denn ohne die relevante Budgetrestriktion kann auch der ‚homo oeconomicus‘ nicht optimieren, geschweige denn sein Angebot bzw. seine Nachfrage bestimmen, er ist dann plötzlich völlig machtlos, weil für eine Optimierung (Maximierung) keine Grundlage existiert. (Es gibt bestimmt noch Leute, die das sozialistische Prinzip kennen: möglichst viel erreichen bei möglichst geringem Aufwand. Ich hoffe, diesen Unfug muß man nicht auch noch erläutern!)

Aus all dem Gesagten ergibt sich, daß die Funktion eines Marktes die Bestimmung des gleichgewichtigen Systems der relativen Preise ist, was gleichbedeutend mit der Bestimmung der relevanten Budgetrestriktion für die Haushalte ist. (Dieser Prozeß findet spiegelbildlich auf der Seite der Unternehmen statt, wobei die Vorgabe der Unternehmen die Technologie darstellt, die für sie die Optimierungsgrundlage liefert. Ich verzichte hier darauf, diesen quasi analogen Vorgang noch extra zu diskutieren.) Dieser weithin unbekannte Umstand hat jedoch eine eklige Konsequenz: das Angebots-/ Nachfrage-Diagramm der Mikroökonomie, welches Heerscharen von Studenten beigebracht wurde ist erst dann als analytisches Instrument für gesamtwirtschaftliche  Probleme anwendbar, wenn das relevante Preissystem bestimmt wurde – sonst nicht. Diese Notwendigkeit der Existenz des gleichgewichtigen Preissystems kann nicht mit Rückgriff auf einen ‚deux ex machina‘ (oder Auktionator) postuliert werden, da – wie es Hahn sehr schön ausgedrückt hat – ‚the invisible hand is never observed in reconciling inconsistent plans‘! Der Auktionator als Vorstellung mag ja ganz spaßig sein, was Not tut ist jedoch die Deklarierung des Verfahrens, mit dessen Hilfe dieses Gleichgewicht zu erreichen wäre. Man braucht da nicht lange zu raten: da gibt es Nichts. Nichts! Null! Nada! (Nur die Leute, die noch wissen, was im real existierenden Sozialismus die „material-technische Versorgung“ war, werden sich noch gut daran erinnern können, WIE hoffnungslos dieses Unterfangen gewesen ist. Und das soll die zentrale Funktionalität der Theorie der Marktwirtschaft darstellen?) Und dennoch heißt die Antwort auf die Frage: Wozu ist ein Markt? : der Markt bzw. das Marktprinzip hat in der Neoklassik bzw. in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie die Funktion den Vektor der gleichgewichtigen relativen Preise zu bestimmen, welcher bewirkt, daß alle Individuen bei den gegebenen Preisen keine Änderung ihrer Nachfrage sowie ihres Angebotes mehr vornehmen.

Das Interessante an dieser Perspektive ist, daß sich 99% der Kritik der Neoklassik damit an einer völlig falschen Stelle befindet, obwohl man aus der Theoriegeschichte durchaus wissen müßte, wo der eigentliche Defekt steckt. Man kann den Neoklassikern zugutehalten, daß sie es lange Zeit vermocht haben, ihre eigentliche Schwachstelle zu vertuschen, indem sie einen Popanz wie den ‚homo oeconomicus‘ zum Zentrum der DAGEGEN von vornherein untauglichen Angriffe gemacht haben. (Don Quichote läßt grüßen!) Denn die eigentliche Frage für die präferenzgesteuerten Entscheidungen der Haushalte ist ja nicht die, ob sie lieber Artischocken oder Hummer haben möchten, sondern wie hoch der Handlungsrahmen ist, mit Hilfe dessen sie erst eine sinnvolle Entscheidung über ihre präferierte Wahl herbeiführen können. Das Wichtigste an der Frage wie denn nun die Budgestrestriktion genau aussieht ist der Umstand, daß diese Frage niemals individuell geklärt werden kann, sondern sich als Ergebnis des sozialen Prozesses „Findung der Gleichgewichtsposition“ (ein Kommunikationsprozeß!) herausstellt. Dieser Nexus, die Budgetrestriktion als soziales Phänomen sehen zu müssen begründet, daß selbst in der Neoklassik Ökonomie eine genuin soziale Komponente aufweist,  die nicht, wie Heerscharen von Schreiberlingen es darstellen, aus Horden autistischer Individuen geformt wird, die nichts weiter zu tun haben, als ihren egoistischen Motiven nachzugehen.

Im Grunde genommen wirft dieser Befund ein neues Licht auf eine alte Anekdote die besagt, daß der Sohn des Aga Khan nach einer Vorlesung Keynes gefragt haben soll: „Meister, wie funktioniert das ohne Budgetrestriktion?“ Es hat natürlich seinen Grund, daß nur jemand, der es nicht gewöhnt ist sich einer Budgetrestriktion unterwerfen zu müssen, die Fähigkeit aufweist zu erkennen, daß die Existenz der Budgetrestriktion ein virales Problem der ökonomischen Theorie darstellt. Man könnte ja mal spaßeshalber vermuten, daß Aga Khan Junior nicht gemeint hat, daß er selbst damit nichts anfangen kann, weil er diese Budgetrestriktion nicht kennt, sondern genau gesehen hat, daß die Ableitung der Budgetrestriktion aus dem Präferenzmechanismus der Neoklassik de facto nie funktionieren kann. (Das erinnert auch ein wenig an das Ergebnis der Cambridge-Kontroverse, weil sich ja auch die Frage nach einem eindeutigen Maß für Kapital als nicht lösbar erwiesen hat.) Wie die Kapitaltheorie besitzt auch die Markttheorie der Neoklassik keinen faßbaren Funktionalismus, womit sich dann auch die Bemerkung von Hahn bestätigt, ‚that this leaves the theory essentially incomplete‘. Wohlgemerkt: „essentiell“ und nicht etwa lediglich im Hinblick auf eine unbedeutende Nebensächlichkeit!

Was fängt man nun mit einer derartigen Erkenntnis an? Es stellt sich die Frage, ob man gewillt ist, die Funktionalität des Verfahrens, wie eine Budgetrestriktion entsteht ernstzunehmen oder nicht. An diesem Punkt erweist sich, ob man es mit einer validen ökonomischen Theorie zu tun hat, oder ob man weiterhin gewillt ist, die Ummöglichkeit der Formulierung einer Budgetrestriktion aus dem neoklassischen Begründungszusammenhang heraus ergeben zu akzeptieren und lieber weiter an die Funktionalität von „Angebot und Nachfrage“ glauben will. Letzteres kann man ja machen, dann kann man auch gleich die Geschichte vom Klapperstorch für Evolution halten.

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M und Ms

Hotel am DoellnseeIrgendwie meint man ja doch, wenn etwas von einer hochoffiziellen Stelle als richtig und gültig deklariert wird, daß es sich dann um etwas Gesichertes handeln müsse. Das nennt man dann beispielsweise „Gesichertes Wissen“! Ein solches vermutet man dann auch und insbesondere dann, wenn es um die Europäische Zentralbank geht, deren unmittelbares Tätigkeitsfeld ja die Verwaltung der €-Währung in der €-Zone ist, wo man vermuten könnte, daß dort eine zweifelsfreie Definition dessen existiert, womit sie von ihrer Aufgabe her betraut ist: Geld! Deswegen soll es also diesmal um eine Definition gehen: die „Geldmenge“!

Dieser Begriff ist schon deswegen wichtig, weil ja selbsterklärtermaßen ein Großteil der Tätigkeit von Zentralbanken darin besteht die Pegelstände der verschiedenen „Geldmengen“ zu beobachten, um daraufhin sofort bei erkannten Abweichungen zu „makroprudentiellen Maßnahmen“ greifen zu können. Also wird es durchaus erlaubt sein mal einen Blick darauf zu werfen, was das denn ist, was die Aufmerksamkeit von Zentralbankern so fesselt.

Auch wenn Wikipedia in Bezug auf Ökonomie eine vorzügliche Quelle fürchterlicher Fehlleistungen ist, kann man wenigstens davon ausgehen, daß die dortigen Autoren einigermaßen abschreiben können. Daher ein kurzer Ausschnitt der:

Geldmengendefinitionen:

„Für M1 bis M3 definiert die Europäische Zentralbank:

M0/Geldbasis: Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (also ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute;

M1: Sichteinlagen der Nichtbanken sowie den gesamten Bargeldumlauf;

M2: M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;

M3: M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.“

Jetzt darf man sich natürlich wundern, warum diese Geldmengenklassifikationen von „M1 bis M3“ ausgerechnet bei M0 anfangen. Der Passus zu der Geldmenge M0 ist im Gegensatz zu Wikipedia auf der Seite der EZB (zumindest an der von Wikipedia verlinkten Stelle) nicht mehr zu finden (11.6.2014). Zu unterstellen, die Europäische Zentralbank wüßte nicht, was M0 sein könnte, entbehrt natürlich jeder Substanz. Dafür erfährt man, daß M0 eine Geldmenge mit „Sonderstellung“ ist, daß also M0 etwas anderes sein müßte, als die M1-M3 Geldmengen. Schaut man sich also an woraus die Geldmenge M0 besteht, stellt man fest, daß damit Banknoten und Münzen außerhalb des Bankensystems zuzüglich dem „Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute“ bei der Zentralbank gemeint sind. Das ist von der Abgrenzung nicht das, was man unter der Zentralbankgeldmenge verstehen müßte, denn die Bestände an Banknoten (=Zentralbankgeld) bei den Banken gehören laut Definition von M0 NICHT dazu. Das bedeutet salopp gesagt, daß eine Banknote, die im Geldautomat liegt KEIN Geld im Sinne der Definition von M0 ist, während dann, wenn sie aus dem Geldautomaten abgehoben wurde, auf einmal zur Geldmenge M0 (und sogar auch zur Geldmenge M1-M3) gehört. Bevor wir auf den Grund stoßen, warum die bei den Banken befindlichen Banknotenbestände (und Hartgeldbestände) nicht zu irgendeiner Geldmenge gehörten, erst mal ein kurzer Blick auf die M1-M3 Geldaggregate.

Die Differenzierung von M1 bis M3 ist im Grunde genommen davon geprägt, wie die Fristigkeit der Forderungen gegen das Bankensystem gestrickt ist. Im wesentlichen geht es da nur um die Frage der Fristigkeit von Geldforderungen, so daß es vertretbar erscheint, die Wichtigkeit dieser Differenzierung auf andere Gründe zurückzuführen, als darauf, theoretisch valide Begründungen für diese Geldmengendefinitionen zu finden. Dazu darf man sich den Begriff ‚moneyness‘ der EZB mal zu Gemüte führen, der ausdrückt, daß es vergleichsweise willkürlich ist, was denn so als „Geld“ angesehen wird und was „ein bißchen weiter entferntes“ Geld nun sein soll. Das weist darauf hin, daß es anscheinend an einem vernünftigen Kriterium mangelt, um entscheiden zu können, was denn nun „geldnah“ ist und was nicht. (Wie man weiß: bei diffusen Einschätzungsfragen kann man sich bis ins Unendliche um des Kaisers Bart streiten.) Ein Aspekt sollte jedoch nicht ganz unter den Tisch fallen, denn es handelt sich immerhin bei allen Geldmengendefinitionen um nominell fixierte Geldforderungen, bei denen die Frage des Rückzahlungsbetrages bereits bei Vertragsabschluß feststeht.

Sobald man sich nun aber fragt, warum nun ausgerechnet die Bargeldbestände bei Banken aus der „M0-Menge“ ausgeklammert werden, wird ein Blick in die Entwicklungslinie der Ökonomie unvermeidlich. Der Grund dafür ist, daß die herrschende Wirtschaftstheorie von ihrer Grundanlage eine Theorie des Tausches ist, die für die effiziente Abwicklung aller Tauschoperationen ein sog. „Schmiermittel“ braucht, mit dem die Tauschkontrahenden von dem Zwang entbunden werden GENAU DEN Tauschpartner zu finden, der dasjenige Gut anbietet, was der eine selbst braucht. Die Zwischenschaltung des „Geldes“ definiert also die Funktion dieses „Geldes“ als Zwischenstation, die es lediglich ermöglichen soll Ringtauschverhältnisse abzuwickeln, ohne daß es einer direkten Tauschoperation bedarf. Das bedeutet, daß für den ‚mainstream‘ Geld dazu da ist, um Tauschoperationen effizient abzuwickeln, woraus sich erklärt, daß Bargeldbestände und Sichtforderungen einerseits und Forderungen der Banken gegen die Zentralbank andererseits zu der „Tauschgeldmenge“ gehören, die Käufe auf den Gütermärkten bezahlen kann.

Dabei ist weniger interessant, daß die Banknotenbestände und Sichtforderungen der privaten Haushalte zu den „kaufkräftigen“ Geldbeständen gerechnet werden – das ist ohnehin evident, sondern auch die Forderungen der Geschäftsbanken an die Zentralbank. Der Grund wird wohl sein, daß die Zentralbanker genau wissen, daß die Forderungen der Geschäftsbanken gegen die Zentralbank eine wesentliche Rolle bei der Abwicklung von Überweisungen spielen, denn eine Überweisung ist ja nichts anderes als ein „beauftragter Transfer von Zentralbankgeld“ (wenn man so will eine „beauftragte Barzahlung“), die der Kontoinhaber von seiner kontoführenden Bank erwarten kann, soweit er sich in seinem Verfügungsrahmen befindet, der ihm erlaubt von der Bank zu fordern, zu seinen Lasten einen derartigen Transfer an einen von ihm bestimmten Empfänger vorzunehmen. Der Punkt dabei ist der, daß für eine Bank eine Überweisung aus ihrem Haus hinaus mit einem Abfluß von Zentralbankgeld verbunden ist, wobei der Liquiditätsausgleich mit der Empfängerbank üblicherweise durch eine Umbuchung auf dem Zentralbankkonto der beteiligten Banken stattfindet. INSOFERN dienen die Zentralbankgeldforderungen von Banken der Zahlungsabwicklung von privaten Käufen, indem sie ein Substitut für die (teure) direkte Übergabe von Banknoten darstellen.

(Es wird gelegentlich bestritten, daß Banken einen Zentralbankgeldausgleich vornehmen, da sie unterstellterweise sich auftretende Salden jederzeit kreditieren würden oder wahlweise behauptet, daß sich der Überweisungssaldo im Interbankenbereich auf einen vernachlässigbaren Betrag reduziert. Man muß schon alle Augen zudrücken um nicht zu sehen, daß das Liquiditätsmanagement bei Banken eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder darstellt, weil bereits ein Tag Illiquidität für Banken ein existenzbedrohendes Ereignis darstellt. Wer meint, Banken würden sich stets und ständig jeden beliebigen Forderungssaldo kreditieren, bastelt sich eher damit eine Scheinwelt zurecht. Aber unabhängig davon werden diese Behauptungen nur deswegen so vehement verfochten, weil sie die Voraussetzung dafür darstellen, behaupten zu können, „daß Banken Geld schöpfen“ würden. Diesen intellektuellen Kurzschluß kann man nur dann rechtfertigen, wenn entweder behauptet wird, daß wie oben immer „angeschrieben“ wird, oder die Behauptung aufgestellt wird, daß sich ja die Interbankensalden „sowieso immer“ ausgleichen. In beiden Fällen zielt das Argument darauf, die Probleme und Fragen, die sich aus der Finanzierung von Salden ergeben, ignorieren zu können. Denn in einer Welt, in der Interbankensalden auch tatsächlich (mit Zentralbankgeld) bezahlt werden müssen, platzt die ganze schöne Theorie von der „Geldschöpfung durch die Banken“ in 1000m Höhe – und zwar mit einem lauten Knall!)

Damit ist schon mal eine erste Teilantwort entstanden: die Bargeldbestände innerhalb der Banken sind deswegen kein Bestandteil der Geldmenge M0, weil sie nicht (mehr – „früher“ wurde der Interbanken-Liquiditätsausgleich auch schon mal per Geldtransporter abgewickelt) der Zahlungsabwicklung privater Käufe dienen und insofern keinen Hinweis darauf bieten, wie hoch das voraussichtliche Konsumvolumen der nächsten (kurzen) Frist sein wird. (Daß nach dem LTRO-Tender dieser Zusammenhang auch nicht mehr verläßlich ist, steht auf einem anderen Blatt.)

Dies enthält jedoch schon den Hinweis darauf, warum die Geldmenge M0 so definiert wird: der Grund ist, daß die dem ‚mainstream‘ zugrundeliegende Theorie des allgemeinen Gleichgewichts lediglich ein Tauschmittel braucht, um die von der Gleichgewichtslage bestimmten zu tauschenden Gütermengen ohne das Erfordernis der ‚double coincidence of wants‘ abzuwickeln. Deswegen ist der Bargeldbestand bei Banken gewissermaßen ‚idle money‘ oder eine „tote Geldquantität“ die nur darauf „wartet“, daß sie ihre segensreichen Wirkungen für die Tauschprozesse der neoklassischen Ökonomie entfalten darf. Damit erklärt sich schon zur Hälfte mit, warum die Geldmengendefinitionen so gestrickt sind, wie sie es sind.

Der Grund für die andere Hälfte ist die Quantitätstheorie, die ja angeblich einen unverrückbaren Zusammenhang zwischen einer „Geldmenge“ und einem „Güterquantum“ herstellen will, wobei dem gesamtwirtschaftlichen Transaktionsvolumen eine „Geldmenge“ gegenüber gestellt wird, die durch den entsprechenden „Faktor Umlaufgeschwindigkeit“ zu einer „Gleichung“ oder sogar „Identität“ werden soll. Mal unabhängig von der Unhaltbarkeit einer derartigen Beziehung gibt es ein häßliches Problem mit der Quantitätstheorie, daß diese nur dann irgendeine Aussagekraft aufweist, wenn der Zusammenhang zwischen dem Transaktionsvolumen und der „Geldnachfrage“ (das war die „Reformulierung“ der Quantitätstheorie durch u.a. M. Friedman) eine stabile Basis hat. Auch wenn der Begriff der „Geldnachfrage“ per se „hochgradig fragwürdig“ ist: für das aktuelle Thema wird dabei klar, daß die ökonometrisch/ statistische Schätzung der Geldnachfrage Parameter braucht, die von ihrer Anlage her erlauben abzuschätzen, wie die Haushalte das gesamtwirtschaftliche „Geldangebot“ zu halten wünschen! Es geht also um die Frage, ob die Haushalte lieber Banknoten, Sichtforderungen oder verschiedenfristige Geldforderungen in ihrem Portfolio halten wollen. Deswegen also sind die Bargeldbestände bei den Banken kein „Geld“, weil dafür keine „Geldnachfrage“ vorhanden ist! Wer meint, daß das ein idiotischer Gedankengang ist liegt richtig, aber Ökonomen denken mehrheitlich noch so. An dieser Stelle wird auch klar, warum ‚mainstream‘-Geldtheoretiker ständig davon reden, die „Geldmenge“ müsse „absorbiert“ oder „gehalten“ werden, denn würde das nicht der Fall sein, könnte sich die „überschüssige“ Geldmenge in Bewegung setzen und entweder die Güterpreise oder aber die Vermögenspreise solange nach oben drücken, bis die „reale Geldmenge“ (ich verzichte an dieser Stelle mal auf jegliche Qualifikation) in den Portfolios der Haushalte wieder der „gewünschten Geldmenge“ in dem Sinne „freiwilliger Geldhaltung“ entspricht.

Der letzte Baustein der Begründung, warum diese Geldmengendefinitionen sich weniger an den Funktionalitäten von Geld orientieren liegt in einem Umstand, der sich aus der Herkunft dieser „Geldnachfragetheorie“ ergibt. In den USA gibt es die methodologisch dumpfbackige Vorstellung, daß aus statistischen Daten mit Hilfe der Ökonometrie die Geheimnisse und sogar „Gesetze“ der Ökonomie „erklärbar“ werden würden. Genau diese Vorstellung liegt der Suche nach der „stabilen Geldnachfragefunktion“ des Monetarismus zu Grunde. Dieser „heilige Gral“ oder für romantischere Naturen diese „blaue Blume“ ist von den Ökonomen vergeblich gesucht worden, weil sich herausgestellt hat, daß die Geldnachfrage im Zeitablauf nicht stabil ist und diese Theorie daher von einer minderen prognostischen Qualität ist. Das Häßliche dabei ist, daß die Quantitätstheorie nach Friedman im Fall einer Instabilität der Geldnachfrage dann nur noch folgendes erklärt: Nichts. (Für Kenner: das Buch von R. Werner „Neue Wirtschaftspolitik“ diskutiert diesen Fragenkomplex in souveräner Weise.)

Das wäre ja noch nicht so schlimm, das eigentliche Desaster daraus besteht darin, daß die Geldmengendefinitionen von M1-M3 und sogar einschließlich M0 auf einmal weniger eine geldtheoretische Grundlage aufweisen. Die Antwort, was sie denn noch darstellen ist so einfach wie simpel: es sind lediglich ökonometrische Konzepte, die (trotz des Reformulierungsversuchs von Friedman, die Geldtheorie in die Theorie des Marktes mit Geld-Nachfrage und Geld-Angebot einzubetten) einer Idee der Tauschwirtschaft folgen – nicht mehr und nicht weniger. Nun mögen ja Zentralbanken durchaus auch ökonometrische Untersuchungen anstellen, was jedoch dabei zum Boomerang wird ist der Umstand, daß sie das auf einer Grundlage tun, deren Fundamente mit dem eigentlichen Gegenstand mit dem Zentralbanken arbeiten – nämlich Zentralbankgeld – nur in sehr entfernter Distanz irgendetwas zu tun haben.

Die Reduktion von Geld auf die Tauschfunktion (etc.) blendet dabei komplett aus, weshalb Geld eine so dominante Entität des Wirtschaftslebens ist, wie es ist. Denn jenseits der Frage der Tauschmittelfunktion spielt Geld eine wesentliche Rolle bei der Einkommensbildung (das war ein Teilbereich des Versuchs von Keynes), was sowohl Haushalte und Unternehmen gleichermaßen betrifft. (Die Vernachlässigung dieser Fragen nach der „Überwindung“ des Keynesianismus ist auch ein Grund für den desolaten Zustand der wissenschaftlichen Volkswirtschaftslehre.) Diese Fragen werden jedoch in der Tauschmitteltheorie ohne die Einbeziehung des Geldes – genauer: ohne die Einbeziehung der Verwendung von Geld vor dem Hintergrund der fundamentalen Unsicherheit hinsichtlich der Geldvermögensbestands- und -ertragssicherheit im Zuge eines Kreditvertrages – behandelt. Dieses Konstitutivum einer Geldwirtschaft (Forderungen/ Verbindlichkeiten) bleibt notwendigerweise ausgeblendet, wenn Zentralbanken ihre Geldmengendefinitionen an einer Theorie ausrichten, die den Problemkreis von Geld, Kredit und Zins auf ein Tauschmittel reduziert, welches auch gelegentlich schon mal „nachgefragt“ wird.

Dann ist man aber auch schon bei der Beantwortung der Frage der Queen, warum die Ökonomen die Finanzkrise nicht vorausgesehen haben. Ganz einfach: was soll man von wissenschaftlichen Institutionen halten, die tatsächlich versuchen aus einer leicht modifizierten Tauschmitteltheorie die Entwicklungen einer Geldwirtschaft prognostizieren zu wollen? Sich selber kann man ja etwas vormachen, aber anderen?

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inside und outside money – aus zwei mach eins!

Piedras y MarIn der Geld(system)debatte gibt es eine neue Publikation der BoE, welche einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Dies verdankt das 14-seitige Paper zwei Aspekten, welche bisher zu den Grundkenntnissen der (universitären) Lehre vom Geld gehören. Zum einen wird als neue Erkenntnis angepriesen, daß

„Whenever a bank makes a loan, it simultaneously creates a matching deposit in the borrower’s bank account, thereby creating new money.“

was gleichbedeutend ist mit der Negation:

„One common misconception is that banks act simply as intermediaries, lending out the deposits that savers place with them.“

und daß

„Another common misconception is that the central bank determines the quantity of loans and deposits in the economy by controlling the quantity of central bank money — the so-called ‘money multiplier’ approach.“

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, da diese Aspekte irgendwo nicht übermäßig bedeutungsschwer zu sein scheinen. Und doch wird damit seitens der BoE insofern Stellung genommen, als sie damit zu einer Sichtweise übergeht, die Kennern der Materie als die ‚banking‘-Position bekannt ist, die gegenüber der ‚currency‘-Position die These vertritt, daß das Geldvolumen in einer Wirtschaft von den privaten Akteuren (Banken und Publikum) bestimmt ist und nicht von der Zentralbank kontrolliert wird. Nun mögen harmonisch veranlagte Menschen denken, man müsse doch berücksichtigen, daß ein gemeinsames Zusammenspiel aller Akteure angebracht wäre, so daß diese strikte Abgrenzung eigentlich nicht vonnöten sei. Man kann dieses Paper der BoE jedoch insofern durchaus ernst nehmen, als damit elementare theoretische (Lehrbuch-) Konzeptionen ins Wanken geraten, obwohl damit (wieder einmal) auch nur die eine Seite der geldtheoretischen Debatte adressiert wird.

Der Ausgangspunkt dieser Kontroverse ist die Theorie der Marktwirtschaft, die allgemeine Gleichgewichtstheorie, in der die Haushalte die dominante Steuerungsinstanz sind, indem sie in ihrer Entscheidung zwischen Konsum und Nicht-Konsum, wozu auch die Entscheidung über den Konsum von Freizeit bzw. den Nichtkonsum von Freizeit (=Arbeitsangebot) gehört, das Aktivitätsniveau der Unternehmen bestimmen. Gleichzeitig sorgt ein perfekt funktionierender Preismechanismus dafür, daß alle Überschußnachfragen (für Anfänger: das ist der „Marktmechanismus“) der Haushalte und Unternehmen zu Null werden, was sich auch nur unter der Annahme einstellt, wenn alle Akteure dieser Ökonomie sogenannte Preisnehmer sind, d.h. niemand außer dem Auktionator existiert, welcher die Preise setzen kann. (Wem das zu abstrus vorkommt: genau das ist die spezifische Rechtfertigung für die segensreichen Wirkungen der Marktwirtschaft.)

Und damit die ganze Geschichte nicht ganz so blöd daherkommt wird dann noch eine Story von einem Bankensystem dazugezaubert, welches die Ersparnisse (=Nicht-Konsum) der Haushalte bündelt und in investierbares „Kapital“ überführt. Dabei werden dann allerlei illustre „Motivationen“ angeführt, die sich dann auch in der Lehre von den Bankenfunktionen wiederfinden und auf so schöne Namen hören wie Losgrößen-, Risiko- und Fristentransformation. Aber unabhängig von der schöngeistigen Begründungsorgie spielt dahinter vor allem das verzweifelte Bestreben eine Rolle, die Funktion des Bankensystem als kompatibel mit der Grundtheorie der Marktwirtschaft zu halten, bei der eben die Haushalte über ein individualistisches Entscheidungskalkül den Charakter und das Niveau der wirtschaftlichen Tätigkeit bestimmen. Man mag die ganze Geschichte nach der 1000ten Wiederholung für plausibel halten, die Kenner der Materie wissen jedoch, daß diese Konstruktion so nicht haltbar ist und die Geschichte von den „Spareinlagen“ lediglich als Glaubensereignis einzustufen ist, welches durch die allseitige Bestätigung einen „Wahrheitsstatus“ qua Überlieferung genießt.

Aber nun kommt der entscheidende Störfaktor ins Spiel. Denn die vorstehende Illustration ist eigentlich für den Fall gedacht, daß die Haushalte reale Dinge „nicht-konsumieren“, so daß diese Version eigentlich lediglich für den Fall einer (Ricardoschen) Kornökonomie Gültigkeit beanspruchen kann. Denn die „Ersparnis“ der Haushalte ist genau das, was die Unternehmen produktiv einsetzen können, woraus dann auch ein realer Ertrag (Korntheorie des Zinses) entsteht, der dann zu einem höheren Wohlfahrtsniveau führt. Dieser Störfaktor ist das Geld, von dem man auch schon früher (also vor Keynes) wußte, daß es nicht in einem Produktionsprozeß vermehrt werden kann (auch wenn es irgendwie produziert werden muß). Das hat zur Folge, daß auf Geld die Konzepte der Produktivitätsökonomie nicht angewandt werden kann, weil ein einem Kreditgeldsystem Geld nicht deswegen mehr wird, weil mehr produziert wird. Man könnte diese Tatsache ernst nehmen, daß das nicht getan wird liegt daran, daß sich die einzelwirtschaftliche Erfahrung, daß man aus Geld mehr Geld d.h. einen Gewinn machen könne, als ausreichende Plausibilitätsvorstellung durchgesetzt hat. Die Theorie wird zwar dadurch nicht wahr, aber sie kann geglaubt werden. Um dennoch Geld halbwegs als Gut auffassen zu können wurde eine mehr als zweifelhafte Abstraktion erfunden die besagt, daß Geld als Tauschmittel von Werten deswegen funktionieren könne, weil es selbst ein Anspruch auf Wert darstellt (Geld als Anspruch auf Goldaushändigung).

Indem Geld als physische Einheit und damit als Träger von Wert aufgefaßt wird, kann auf der einen Seite die Allgemeinheit des Gleichgewichts aufrechterhalten werden, weil sich Geld unter die Normen der Werttheorie subsumieren läßt, was dazu geführt hat, daß die Nachfrage (sic!) nach Geld einen prominenten Platz in der ökonomischen Forschung eingenommen hat. Auf der anderen Seite muß wegen der allumfassenden Dominanz des Marktkonzeptes ein „Angebot“ an Geld stehen, DAMIT die Funktionslogik des Marktes anwendbar wird. Dieses „Geldangebot“ wird durch eine Zentralbank zur Verfügung gestellt, so daß es auch bei Geld möglich wird, die Knappheitslogik anzuwenden und um sicherzustellen, daß Geld einen positiven Preis (sic!) aufweist. (Man muß das nicht verstehen, aber die Ökonomen ticken tatsächlich so.) Der Preis des Geldes (als wenn man Geld kaufen könnte!) ist der Zins, der sich wiederum nahtlos an die Überschußtheorie des Kornes anschließt. Und damit dieses Geld auch überhaupt bei den Haushalten ankommt, muß der Staat über seine Verschuldung das Geld in „Umlauf“ bringen, wo es dann, gesegnet mit einer „Umlaufgeschwindigkeit“ von Kauf zu Kauf hetzt und nebenbei auch noch die ehrenvolle Aufgabe übernimmt, das allgemeine Preisniveau mitzubestimmen. Auch wenn es lächerlich erscheinen mag: diese Theorie ist der gegenwärtige ‚mainstream‘ der ökonomischen „Erkenntnis“.

Dabei ist die Erklärung, warum derart schräge Vorstellungen die Geldtheorie dominieren, darin zu sehen, daß sie vom Design her die allgemeine Gleichgewichtstheorie als valide Formulierung der Neoklassik (der Markttheorie) stützen soll. Sie ist damit gewissermaßen eine Hilfstheorie und besitzt daher keine genuine Eigenständigkeit. Da sie sich aber anpassen muß, ist der Geldbegriff so beschaffen, wie es die Ressourcen in der Haupttheorie auch sind. Denn dort ist Geld als Tauschmittel durchaus eine Sache, eben (irgendein) Tauschgut mit ein paar Besonderheiten. Ebenso ist auch die Allokation des „Geldes“ von der Konsum / Nicht-Konsum Entscheidungen der Haushalte geprägt, so daß nahtlos die Theorie des Bankensektors als „Transformatoren“ des vorhandenen Geldbestandes formuliert ist. Deswegen gibt es in der Neoklassik auch nur ‚outside money‘ – Geld von der Zentralbank: eine Sache. Diese Theorie ist zusammen mit der Quantitätstheorie (die übrigends die Eigenschaft Theorie zu sein nicht wirklich besitzt) die Grundlage der Geldmengensteuerung, die nach der Peel´schen Bankakte vom ‚currency‘-department – also der Zentralbank – vollzogen wird.

Diese ehrwürdige Aufgabe wird nun in dem BoE-Paper dahingehend relativiert, daß die „Geldschöpfung“ (auch so ein herrlich kreationistischer Begriff, bei dem der Puritanismus nur so aus allen Poren trieft) in der ’new view‘ von den Kreditvergabeentscheidungen der Banken bzw. des Publikums gesteuert ist und somit die Bedeutung der Zentralbank als Emittent von Banknoten in den Hintergrund rückt. Nun ist diese Geschichte auch nicht mehr so neu, sondern reüssierte bereits vor etwa 40 Jahren und ist mit dem Namen James Tobin verbunden, dessen Untersuchungen bereits damals zu dem Schluß geführt hatten, daß die Banken „weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit den Krug der Witwe“ besitzen. Dieser „Krug der Witwe“ ist das, was die BoE in ihrem Paper als neueste Erkenntnis präsentiert, indem sie den Schwerpunkt des „Geldangebotes“ nunmehr bei den Banken sieht, die durch eine einfache Kreditvergabe ‚inside money‘ „schöpfen“, ohne daß bei diesem Vorgang auch das entsprechende Zentralbankgeld (‚outside money‘) schon vorhanden sein müßte.

Jenseits der Begeisterung, die dieses Paper bei gewissen Teilen der „Geldsystemkritiker“ hervorgerufen hat ist dagegen zu konstatieren, daß hier zwar eine Abkehr von herkömmlichen Lehrmeinungen erfolgt ist, die Alternative zu einer übermächtig scheinenden Quantitätstheorie jedoch nicht in einer Konzeption zu suchen ist, die meint, Kreditbeziehungen gegen die „Geldversorgung“ einer Zentralbank stellen zu können. Das zeigt sich schon an dem Eiertanz der immer aufgeführt wird, wenn es darum geht die Zahlungsmitteleigenschaft der ‚deposits‘ zu begründen, obwohl diese ‚deposits‘ mit etwas „Deponiertem“ nichts zu tun haben können, weil sie schlichtweg dafür auf der falschen Seite der Bilanz stehen. Etwas Deponiertes im Sinne eines Lagerscheines findet sich auf der Vermögensseite einer Bank überhaupt nicht an, weil bei einem Aufbewahrungsvertrag das Eigentum bei dem „Einleger“ verbleibt. Eine „Einlage“ von Geld auf der Bank ist jedoch damit verbunden, daß das ‚outside money‘-Geld, die Banknote, in das Eigentum der Bank wechselt bzw. der „Einleger“ das Eigentum an der „eingelegten“ (süß-sauer, oder lieber fruchtig?) Banknote verliert und lediglich eine Sichtforderung (‚inside‘-money) erhält, mit deren Hilfe er entweder Banknoten zurückverlangen kann oder die Bank beauftragen kann zu Lasten seines Guthabens einen Transfer von Zentralbankgeld vorzunehmen. Diese Verfügung kann eine Bank deswegen durchführen, weil das Zentralbankgeld in ihrem Eigentum steht und sie deswegen befähigt ist, zugunsten des Überweisenden einen Zentralbankgeldtransfer durchzuführen.

An dieser Stelle zeigt sich dann auch, warum die Opposition von ‚inside money‘ und ‚outside money‘ eine Scheinkontroverse ist, die sich nur deshalb entwickeln konnte, weil die dahinterstehende Theorie eine bestimmte Interpretation des Geldobjektes erforderlich macht. Die Neoklassik benötigt für ihre Grundtheorie ein (werthaltiges) Geldobjekt und ist somit natürlicher Verfechter einer Zentralbanktheorie des Geldes, wofür sinnbildlich der Geld abwerfende Hubschrauber eines M. Friedman steht. (Diese Parabel ist deswegen aufschlußreich, weil damit die ganzen Schuldprozesse bei der „Inumlaufbringung“ von Geld einfach ausgeblendet werden können – das Friedman-Geld ist in gewissem Sinne „schuldfrei geschöpftes Geld“!) Auf der anderen Seite steht die Theorie der „endogenen Geldschöpfung“, die gewissermaßen ein Steckenpferd des Postkeynesianismus ist, der damit z.B. begründen will, daß für eine Zentralbank die Zinspolitik gegenüber der Geldmengensteuerung Priorität genießen sollte. (Und für – selbstverständlich – D. Graeber ist damit bereits die Politik der „Austerität“ grundsätzlich diskreditiert.) Nun soll an dieser Stelle das Chaos des Postkeynesianismus nicht Thema sein, es genügt zu bemerken, daß offenbar die „Story“ dieser Theorierichtung nicht konsistent genug ist, um für den neoklassischen ‚mainstream‘ eine ernsthafte Bedrohung darzustellen. (Natürlich kann ich mir die Bemerkung doch nicht verkneifen, daß der Anspruch eine „realistische“ Theorie zu formulieren gegen elementare Erkenntnisse der Epistemologie verstößt! Aber wer kennt sich schon mit Erkenntnistheorie aus?)

Entscheidend für die Beurteilung dieser Kontroverse ist, daß wie oben dargestellt bereits eine so einfache Sache wie eine Überweisung das Zusammenwirken von ‚inside‘ und ‚outside‘ zwingend erforderlich ist, weil sonst keine Überweisung zustandekommen kann. Denn jede Schuldbeziehung (‚inside‘) benötigt eine Erfüllung (‚outside‘), so daß sich diese Kontroverse als Tauziehen an einem Ring herausstellt, wobei jede Seite für sich reklamiert, daß sie doch an der „richtigen“ Seite des Ringes zerren würde. Wenn man so will verwendet der Kunde, der eine Überweisung tätigen will sein ‚inside money‘ (die Schuldbeziehung), damit die Bank an seiner Stelle einen Transfer von ‚outside money‘ durchführt. Und genau darauf wird hier in diesem Blog auch öfter mal Bezug genommen, daß man sich darüber klar werden sollte, daß eine Schuldbeziehung die auf Geld lautet nur dadurch erfüllt werden kann, indem über das Erfüllungsobjekt auf die gewünschte Weise von der Bank auch tatsächlich verfügt (im juristischen Sinne) wird.

Was heißt das für das BoE-Paper? Gute Frage, denn was soll man von einem Paper halten, welches einen untauglichen Tunnelblick gegen einen anderen austauscht und dabei völlig ignoriert, daß das, was eigentlich erklärt werden sollte (die Geldeigenschaft der ‚deposits‘), überhaupt nicht adressiert worden ist und auch nicht adressiert werden kann. (Wie soll man auch etwas glaubhaft darstellen, wenn die Sache selbst nicht glaubhaft darstellbar ist?) Die Geschichte von dem „Krug der Witwe“ stimmt heute genausowenig wie vor 40 Jahren. James Tobin hat das noch gewußt.

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42 – die Linkliste

SpecklesHier die Linkliste der verwendeten Blogposts, die im Überblicksartikel „42 – das Große Ganze und so…“ verwendet wurden:

https://soffisticated.wordpress.com/2012/06/20/die-buddelkasten-wirtschaftspolitischer-kommentatoren/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/01/unser-okonomischer-mainstream-aufzucht-und-hege/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/03/04/homo-oeconomicus-misverstandnisse-der-erklarbaren/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/06/24/ist-okonomie-ein-system/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/09/28/grundsatze-okonomischer-paradigma/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/02/jesse-james-oder-die-abstraktheit-sozialer-verpflichtungsrelationen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/23/geldschleife-nicht-geldkreislauf/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/09/13/paradigmatische-aspekte-von-i-und-s/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/21/wozu-sind-banken-da/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/04/11/verirrungen-zwischen-giralgeld-und-zentralbankgeld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/05/warum-zentralbanken-zentralbanken-sind/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/16/konnen-zentralbanken-das-preisniveau-beeinflussen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/02/15/logische-typenlehre-iii-uberschus-und-gewinn/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/10/03/paradigmatische-nachdenkliste/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/07/zinsen-individual-oder-gemeinschaftskonzept/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/10/19/das-geldsystem-braucht-keinen-wert/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/07/die-wunder-geldpolitischer-hierarchien/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/26/stufen-von-geldsystemen-ein-kurzdurchlauf/

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Die Realillusion von Investition

calafigueraDie Geschichte rund um die Beziehung von Investition und Sparen hat eine lange Geschichte und war oft Gegenstand hitziger Debatten. Das Witzigste was zur Motivation von Investitionen aufgrund einer Entscheidung zum Sparen herangezogen wird (in dem Sinne, daß die Ersparnis der Investition vorausgeht), sind stets die Robinson Geschichten, welche motivieren sollen, daß sich die Produktivität einer Ökonomie nur durch die sogenannte Mehrergiebigkeit der Produktionsumwege erreichen ließe. Aus dieser Argumentationsfigur wird dann geschlossen, daß die Aktivitäten zur Produktion eines Kapitalgutes die volkswirtschaftliche Ersparnis sei. So weit so gut, das kann man ja machen, so wie die Austrians es tun die stets davon schwadronieren, daß dann, wenn „Kapitalgüter“ produziert werden, eine Zeit angebrochen ist, in der man nicht konsumieren kann – also hungern muß. Möglicherweise haben die da die Phase der industriellen Revolution im Sinn, wo die Industrialisierung mit dem Elend von Millionen von Arbeitern einherging. Sklaverei ist sicherlich eine Methode, um zu Wohlstand zu kommen – allein es löst nicht das funktionelle Problem, welches darin besteht, wie man selbst unter Ausbeutungsbedingungen zu einem Gewinn kommen kann, weil die Frage des Mehrwerts (= Mehrergiebigkeit der Produktionsumwege) sich nicht automatisch in persönlichen Wohlstand verwandeln läßt.

Die Entwicklung der Vorstellung, warum Investition eine Folge des Sparens sein soll und automatisch mit der Anschaffung von Kapitalgütern assoziiert wird, muß man unter Auslassung des Robinson-Märchens in Etappen darstellen, weil sich sonst die dahinterstehenden Theorien nicht identifizieren lassen.

A) Die klassische Version behandelt I und S als Einheit und ist eine Konsequenz dessen, was das Grundkonzept der allgemeinen Gleichgewichtstheorie beinhaltet. Dort verfügen die Haushalte über die in ihrem Eigentum stehenden Ressourcen, indem sie diese den Unternehmen für die Produktion überlassen. Das liegt im Wesentlichen an dem Umstand, daß in dieser Welt die Haushalte ihre Entscheidung zwischen Konsum und Nicht-Konsum fällen und damit von vornherein alles was die Unternehmen als Produktionsmittel verwenden definitionsgemäß der Nicht-Konsum der Haushalte ist, also ihre Ersparnis. Damit ist eine Differenz von dem, was die Haushalte den Unternehmen an Ressourcen übertragen zu dem, was die Unternehmen zur Investition einsetzen von vornherein nicht einmal denkbar. Der Charakter dieser „Ersparnis“ als Nichtkonsum beleuchtet sehr schön den Umstand, daß die angeblich erforderliche Enthaltsamkeit diese Ressourcen nicht zu konsumieren, letztlich nur das puritanische Weltbild illustriert, wo die Erlösung für die Schwernisse der Gegenwart in einem aufgeschobenen Konsum liegt.

(Interessanterweise gilt diese Entscheidungssituation auch für einen Haushalt, der nichts weiter anzubieten hat als seine Arbeitskraft. Denn dieser entscheidet sich halt zwischen dem Konsum von Freizeit und eben dem Nicht-Konsum von Freizeit. Da aber Freizeit als ein Gut definiert wird, welches mit einem positiven Grenznutzen in die Nutzenfunktion eingeht stellt sich der – mehr oder weniger – kuriose Effekt ein, daß ein Arbeitsloser per definitionem einen positiven Nutzenwert aus der Vermeidung des „Arbeitsleides“ zieht,  indem er „Freizeit“ konsumiert, auch wenn er dabei verhungert. Man mag eine derartige Argumentation für idiotisch halten, dennoch ist sie Teil der konventionellen Theorie des Arbeitsmarktes – aber das nur am Rande.)

Wichtig an dieser Stelle zu betonen ist der Umstand, daß es sich hierbei um reale! Ressourcen handelt und in keiner Weise um Geld. Dieses Defizit wird meistens dadurch beschönigt, daß behauptet wird, daß es sich schließlich um die „wahre“ Ökonomie handeln würde und somit auf diese Weise die ehernen Grundsätze der Wissenschaftlichkeit eingehalten würden.

A1) Damit diese Story nicht allzu albern klingt wird dann das Geld als Tauschmittel eingeführt, was dann mit Hilfe der Quantitätstheorie und der darauf aufbauenden primitiven Banktheorie zu der Version führt, daß die Geldersparnis den Konsumverzicht der Haushalte reflektiert, dem automatisch die nicht konsumierten Ressourcen entsprechen. Diese Banktheorie erzeugt dann die unsägliche Vorstellung, daß Banken die Ersparnisse (Nichtkonsum!) von Haushalten an die Unternehmen weiterleiten würden und sich so durch den Zinssatz (als negatives bzw. positives „Anreizmittel“) Investition und Ersparnis zum Ausgleich bringen ließen. Im Grunde ist Geld in dieser Theorie lediglich ein homomorphes Abbild dessen, was von der Grundtheorie als wahre Vision des ökonomischen Prozesses bereits „unverrückbar“ vorformuliert worden ist. Aus diesem simplen Analogschluß (von Gütern bzw. von Ressourcen auf Geld) zieht eine ganze Wissenschaft den Schluß, daß das Geldystem lediglich ein Schleier wäre, der bloß den Blick auf die „wahren“ ökonomischen Realitäten verstellen würde. (Man mag es kaum glauben, daß diese primitiven Vorstellungen es tatsächlich geschafft haben, das einzige „Wissenskorsett“ in ökonomischer Hinsicht zu werden, was sich auch daran zeigt, daß derartige Argumentationsmuster täglich über den Nachrichtenticker gehen und dann auch noch als „gesichertes Wissen“ präsentiert werden. Sancta simplicitas!)

B) Die zweite Beziehung zwischen I und S entspringt der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, wo auf einer monetären Grundlage die (Netto-) Investitionen durchaus richtig als Identität zu der volkswirtschaftlichen Ersparnis definiert werden (wobei an dieser Stelle eine Betrachtung über die Kausalität der beiden Variablen unterbleibt). Dabei ist zu beachten, daß die volkswirtschaftliche Finanzierungsrechung (als Teilbereich der VGR) durchaus sieht, daß die monetäre Ersparnis ein Reflex des (Netto-) Kreditvolumens ist. Immerhin ist dieser Begriff der Ersparnis von dem Begriff der Ersparnis aus A) fundamental verschieden, weil bereits an dieser Stelle Ersparnis als Differenz von monetären Bruttoinvestitionen einerseits und Abschreibungen (Kredittilgungen) andererseits definiert wird. Diese Version von Ersparnis stellt darauf ab, daß Ersparnis als Phänomen der Differenz von Bruttoinvestition und Abschreibung (+/- Finanzierungssaldo) daraus resultiert, daß monetäre Größen darüber entscheiden, was in einer Gesellschaft als (monetäres) Erfolgskriterium entscheidend ist. Aber auch wenn die VGR durchaus wichtige Erkenntnisse über diese Beziehungen liefert, bleibt dennoch der intertemporale Aspekt der Kreditverhältnisse in letzter Konsequenz unadressiert. Darüberhinaus ist in der VGR die Bruttoinvestition definiert als ein Zugang des Sachvermögens, so daß auch hier wieder der Vorstellung gehuldigt wird, daß Investitionen direkt mit der Bildung von Sachkapital verbunden seien.

C) Sobald man anfängt Ökonomie als ein Phänomen von Geldströmen zu sehen wie es in der Tradition eines M. Copeland noch bekannt war, muß man sich auch den Bedingungen stellen, die sich aus der Existenz von Geldvermögensbeständen ergeben. Das hat den kuriosen Effekt, daß monetäre Ersparnis, die nur sinnvoll definiert werden kann, wenn ein Wirtschaftssubjekt über Nettogeldvermögen verfügt, von vornherein ein Reflex der Ausgabeentscheidungen der Unternehmen ist, und damit nicht mehr als eine souveräne Entscheidung der Haushalte interpretiert werden kann, wie es das Grundmodell der liberalen Ökonomie postuliert.

Das hat was damit zu tun, daß die Bildung von Nettogeldvermögen essentiell daraus resultiert, daß ein Wirtschaftssubjekt eine Geldzahlung aufgrund einer realen Leistung erhält – prototypisch dafür steht die Einkommenserzielung aufgrund des Verkaufs von Arbeitsleistung. (Die zweite Art der Erzielung von Nettogeldvermögen steht nur Unternehmern zur Verfügung – der Überschuß der Erträge über die Aufwendungen. Dabei darf man nur nicht Umsatz mit Gewinn verwechseln – auch volkswirtschaftlich gesehen nicht! Das passiert immer dann, wenn unbesehen der Spruch präsentiert wird, daß die Ausgaben des Einen doch das Einkommen des Anderen sei – darüber muß man sich aber an dieser Stelle nicht aufregen.)

Diesen Aspekt des Wirtschaftslebens hat die konventionelle Wirtschaftstheorie noch nicht realisiert, weil immer noch die Vorstellung vorherrscht, daß Ersparnis stets einen realen d.h. materiellen Hintergrund haben müßte. Dabei entsteht das Mißverständnis aus dem Umstand, daß die konventionelle Wirtschaftstheorie Investition stets in „realem Kapital“ sieht und nicht in dem, was tatsächlich Investition bedeutet. Dazu kann man sich ein meist mißverstandenes Diktum in Erinnerung rufen, daß auch und insbesondere reale Investitionen letztlich vorgetane Arbeit sind. Nimmt man das ernst bedeutet das schlichtweg, daß man nur in Arbeit investieren kann, weil auch die Preise (Kosten) von Maschinen sich aus einer Kombinationskette von Arbeitsleistungen zusammensetzen.

An dieser Stelle wird das Versagen der ‚mainstream‘-Ökonomie deutlich: sie kann aufgrund ihrer epistemologischen Selbstbeschränkung nicht erkennen, daß Investition stets und immer Investition in (vorgetane) Arbeitsleistungen bedeutet. Das mag sich zwar ein bißchen marxistisch anhören, ist es aber nicht! Denn der intellektuelle Widerspruch ist nicht akzeptieren zu wollen, daß reale Investitionsgüter immer durch den Einsatz von Geld bzw. durch die durch Geld zur Erzeugung von Investitionen gesteuerte Arbeit erst geschaffen wird. Etwas Anderes zu behaupten bedeutet einen 200jährigen Irrtum zu pflegen, der die Ökonomie in das Desaster geführt hat, in dem sie sich gegenwärtig befindet!

Der zentrale Widerspruch liegt in der Verwechslung von natürlichen Ressourcen mit Realkapital: das Erstere betrifft die Wirtschaftsweise, die Arbeit zur Erzeugung von Wohlstand instrumentalisiert, während das andere einen (Real-) Fetisch darstellt, welcher bis heute dafür verantwortlich ist, daß die Ökonomie nicht über das Stadium einer Prätheorie hinausgekommen ist, weil sie nicht akzeptieren will, daß auch Realkapital aus einer Kette von Arbeitsleistungen entstanden ist. Wenn man irgendwo ein gutes Beispiel für den Begriff „Hypostasierung“ braucht – hier findet man ihn, weil hier zum wiederholten Male ein Phänomen für den Inhalt angesehen wird. Nicht zuletzt deswegen wird heutzutage die Investiton in Realkapital als produktivitätsfördernd gefeiert, während Arbeit stets als zu minimierender Kostenfaktor interpretiert wird. Blöder gehts nicht!

Man kann es auch anders ausdrücken: Investition ist Geldverwendung für Arbeit, nicht für Maschinen, die letzten Endes durch Arbeitsleistungen und dementsprechende Kosten geschaffen wurden! Ein Kalecki hat das noch gewußt! Dabei ist die Gedankenkette ganz einfach: der Kauf einer Produktionsanlage bei dem Produktionsmittelhersteller führt dazu, daß er dadurch den Erlös seiner Produktionsmittelkosten (Abschreibungen bzw. Kredittilgung), sowie seine Lohnkosten bezahlen muß und hoffentlich noch einen Gewinn realisiert. Dieser Prozeß – die Produktionskette noch ein paar Stufen weitergedacht – führt dazu, daß man im Endeffekt bei reinen Lohnkosten ohne nennenswerten Kapitalkostenanteil landet und sei es bei den unter menschenunwürdigen Bedingungen schuftenden Lohnarbeitern, die z.B. Coltan für die Smartphone-Produktion aus dem Boden kratzen müssen.

Vorleistungskette

Das noch schlimmere Desaster der ‚mainstream‘-Ökonomie besteht daraus, daß diese Vorstellung von Sparen als Konsumverzicht auch noch unbesehen per Analogschluß nicht nur auf die Tauschmittel-Geldwirtschaft, sondern auch auf die Kreditgeldwirtschaft übertragen wird und zwar mit fatalen Konsequenzen. Denn diese Vorstellung bedeutet in der Konsequenz, daß der Sinn und Zweck von geldorganisierter Produktion, deren zentrale Aufgabe darin besteht, aus natürlichen Ressourcen (‚from scratch‘) etwas Reales zu schaffen, nicht mehr gesehen wird. Dabei ist geldorganisierte Produktion davon geprägt zusätzliche (Arbeits-) Prozesse in den gesellschaftlichen Zusammenhang der Arbeitsteilung mit einzubeziehen, ein Prozeß, der sich stets und ständig in sich entwickelnden Ökonomien abspielt. Daß das von der konventionellen Ökonomie nicht gesehen werden kann! liegt daran, daß in dieser Welt die zur Verfügung stehenden Ressourcen stets voll ausgelastet sind –  und das auch dann, wenn die Wohlfahrt dieser Gesellschaft zum großen Teil darin besteht, daß die Haushalte eben Freizeit konsumieren. Denn auch das ist letztlich ein sogenanntes wohlfahrtsökonomisches Optimum!

Aber genug der intellektuellen Kuriositäten! Wenn man die Robinson-Welt verläßt und sich ansieht, wie die heutige Welt aussieht, stellt man fest, daß das, was die volkswirtschaftliche Statistik als Ersparnis definiert, ein Derivat der Investitionsentscheidungen der Unternehmen ist, denn alles was – wohlgemerkt – monetäre Ersparnis sein kann ist ein Ergebnis der Verschuldung von Unternehmen, deren Motivation daraus gespeist wird einen monetären Gewinn zu erzielen. Soweit man das Problem der Staatsverschuldung einmal beiseite läßt, besteht die gesamte monetäre! Ersparnis einer Gesellschaft aus offenen Kreditlinien, die aus (unternehmerischen) Schulden resultieren und sonst nichts. Das liegt halt daran, daß es zu einem Nettogeldvermögen nur dann kommen kann, wenn ein Kreditnehmer Nettokäufe vornimmt, welche mit einer buchhalterischen Konsequenz als Nettogeldvermögen eines davon begünstigten Wirtschaftssubjektes führen – und zwar ohne wenn und aber! Aber das ist ja schon wieder keine Ökonomie… weil damit die Idiotie des methodologischen Individualismus nicht adressiert wird…

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Ist Ökonomie ein System?

GeckosSystemtheoretische Aspekte von Ökonomie

Der Begriff des sozialen Systems läßt sich damit in Verbindung bringen, daß salopp gesagt eine Gruppe von Akteuren eine Interaktionsweise pflegt, die sich als gruppenspezifischer Sinn interpretieren läßt. Damit setzt eine Diskussion ökonomischer Zusammenhänge als System eine Betrachtung darüber voraus, welche Charakteristika ein ökonomisches Modell aufzuweisen hat, um vor den Normen der modernen Systemtheorie als System akzeptierbar zu sein. Dabei läßt sich zunächst feststellen,  daß der Anspruch der allgemeinen Gleichgewichtstheorie, Ökonomie auf eine systemtheoretische Basis zu stellen und Ökonomie damit als Wissenschaft zu etablieren durch den Umstand eingegrenzt werden muß, wenn man feststellt, daß es sich bei derartigen Modellen um Quasi-Systeme handelt:

„Quasi-Systeme entstehen aus der elementaren Interaktion von Anwesenden.“ (Willke 1987, S. 51)

Die elementare Interaktionsfigur der Neoklassik ist der Tausch, wobei die Tauschrelationen durch eine zentrale Koordinationsinstanz, die Fiktion des Auktionators, etabliert werden müssen. Die angebliche Geschlossenheit des neoklassischen Modells erweist sich also bei näherem Hinsehen in systemtheoretischer Perspektive als Glaubenssatz, bzw. als unhinterfragte Affirmation der methodischen Grundlage, nur individuelle Entscheidungen als ökonomisch bedeutsam zu interpretieren, deren Koordination einer Instanz übertragen werden muß, weil bei Berücksichtigung der Optimalitätsanforderungen von Gleichgewichtsmodellen die individuelle Orientierung an gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichtsnotwendigkeiten ausgeschlossen ist. Diese Kluft zwischen Anspruch und Bedürfnis nach Geschlossenheit läßt sich durch derartige ad—hoc Annahmen wie das „Gesetz von Angebot und Nachfrage“ oder die ‚hidden hand‘, die eine Gesellschaft zu einem wohlfahrsökonomikschen Optimum führt, nicht letztgültig überbrücken und verweist eher darauf, daß zur Koordinierung ökonomischer Handlungen mehr vonnöten ist, als purer Glaube an die Stabilitätseigenschaften von Märkten.

„Eine über die Mitglieder hinausgehende zusätzliche Systemidentität und eine bewußte, innere wie äußere Identifikation der Mitglieder mit dem System bildet sich erst aus mit der Verdichtung des Quasi-Systems zum System.“ (Willke 1987, S. 53)
„Daß Sozialsysteme auf der Basis von Sinn organisiert sind, klingt zunächst überraschend. Denn wir sind gewohnt, in Anlehnung an biologische Modelle auch vom Gleichgewicht oder vom Überleben eines sozialen Systems als letztem Bezugspunkt der Analyse auszugehen.“ (Willke 1987, S. 29)

Dabei ist die Frage was Sinn bzw. Nicht—Sinn konstituiert daran gebunden, daß ein Kriterium existiert, welches das sinnhafte vom nicht-sinnhaften Umweltereignis unterscheidet.

„Die Systemgrenze sozialer Systeme kann verstanden werden als der Zusammenhang selektiver Mechanismen, die auf einer ersten Stufe der Differenzierung von System und Umwelt die Kriterien setzen, nach denen zwischen dazugehörigen und nicht-dazugehörigen Interaktionen unterschieden wird. … Da soziale Systeme nicht aus konkreten Menschen, sondern aus Kommunikationen bestehen, kann im Anschluß an Max Weber die gemeinsame sinnhafte Orientierung wechselseitig verstehbaren Handelns als Grundbedingung eines systemischen Zusammenhangs von Interaktionen betrachtet werden. Nimmt man im Anschluß an Luhmann hinzu, daß Sinn eine selektive Beziehung zwischen System und Umwelt beinhaltet, dann bezeichnet Sinn in allgemeiner Weise die Ordnungsform sozialen Handelns: intersubjektiv geteilter Sinn grenzt systemspezifisch ab, was als sinnvoll und was als sinnlos zu gelten hat.“ (Willke 1987, S. 30)

Die Abgrenzung dessen, was als Äußeres bzw. als Inneres eines Systems gelten soll, bestimmt dann die Normen nach denen Systeme funktionieren.

„Die Präferenzordnung eines sozialen Systems bezeichnet den Zusammenhang sinnhaft-symbolisch konstituierter regulativer Mechanismen, welche die Transaktionen zwischen System und Umwelt steuern. … Denn erst die Leistung spezifischer Selektionen aus den überkomplexen Möglichkeiten der Umwelt erzeugt die Differenz zwischen System und Umwelt, die das System zum System macht. Diese Selektionsleistung ist funktional bezogen auf das Problem der Ausbildung und Erhaltung einer bestimmten Systemidentität angesichts bestehender Zwänge und Zufälle der relevanten Umwelt. Die Steuerung der Selektion von Umweltdaten durch eine nach Sinnkriterien gebildete Präferenzordnuug ist Bedingung der Möglichkeit der Systembildung.“ (Willke 1987, S. 31)

Die Konstituierung von Systemzusammenhängen bedarf aber noch eines Mediums, eines äußeren Ausdrucksmittels, um die Zugehörigkeit eines Ereignisses zum System entscheiden zu können.

„Soziale Interaktionen sind sinnhaft orientiert, wenn ihr Bedeutungsgehalt durch ein Repertoire verbindlicher Symbole (Symbole hier verstanden als generalisierte Interaktions- und Zurechnungsregeln) gesteuert und sie mithin aufeinander bezogen und dadurch in zeitlich offene, verstehbare Handlungsketten verwoben werden können. Die Frage nach dem Sinngehalt von Interaktionen erlaubt dann die Unterscheidung von solchen, die in bezug auf ein bestimmtes Symbolrepertoire dazugehören und solchen, die nicht dazugehören. Sinnhaft konstituierte Symbole sind die — inhaltsanalytisch und hermeneutisch zu erfassenden – Merkmale, die für einen bestimmten Handlungszusammenhang stehen und auf ihn verweisen.“ (Willke 1987, S. 35)

Diese Heraushebung von systeminternen und systemexternen Vorgängen hängt mit der Schwerpunktverlagerung der modernen Systemtheorie zusammen, die damit ihr Erkenntnisobjekt redefiniert:

„Die neuere Systemtheorie ist eine Theorie der Beziehungen zwischen Systemen und Umwelt in dem Sinne, als sie die herkömmliche analytische Isolierung von Einzelsystemen überwinden will und Systeme immer nur im Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Umwelt zu erfassen sucht. Dies bedeutet zunächst, daß der Systembegriff der neueren Systemtheorie nicht mehr nur ein Netz von Beziehungen bezeichnet, welches Teile zu einem Ganzen zusammenordnet; vielmehr wird unter System ein Netz zusammengehöriger Operationen verstanden, die sich von nicht-dazugehörigen Operationen abgrenzen lassen. In der Bestimmung des Systems wird also das Nicht-dazugehörige als Umwelt immer schon mitgedacht und mithin in der Auseinandersetzung des Systems mit seiner Umwelt das grundlegende Problem gesehen. Denn die spezifische Problematik seiner Umwelt macht für ein bestimmtes System überhaupt erst erkennbar, welche interne Systemstruktur zu welchen Zwecken und mit welchen Stabilisierungs- und Veränderungschancen funktional sein kann. Die Ordnung eines Sozialsystems wird damit zum relationalen Begriff und auf ihre Zwecke abfragbar. … Mit dieser Neuorientierung wird auch deutlicher, daß die Systemtheorie nicht auf die Analyse von Gleichgewichtsprozessen beschränkt ist …“ (Willke 1987, S. 37f)

Der entscheidende Grund der zu dieser Trennung von Innen— und Außenwelt als Grundgedanke der modernen Systemtheorie geführt hat, ist in den Mechanismen zu suchen, die es überhaupt erst erlauben von einem zwar interaktionsfähigen aber im Prinzip abgeschlossenen System zu sprechen. Die grundlegende Idee dabei ist, daß ein System essentiell zwei Aufgaben bewältigen muß, wobei die Interaktionsfähigkeit mit der Umwelt bzw. die Verarbeitung und Selektion relevanter Umweltdaten bereits angesprochen wurde.

„Das von den Biologen Maturana und Varela entwickelte Autopoiese—Konzept bezieht sich auf die Beobachtung, daß es offensichtlich Systeme gibt, die sich selbst reproduzieren; und zwar sich selbst reproduzieren nicht nur im herkömmlichen Sinne der genetischen Replikation in der Generationenfolge, sondern in dem sehr viel spezifischeren Sinne einer kontinuierlichen gegenwärtigen Selbsterzeugung des eigenen Systems. Autopoietische Systeme sind operativ geschlossene Systeme, die sich in einer ‚basalen Zirkularität‘ selbst reproduzieren, indem sie in einer bestimmten räumlichen Einheit die Elemente, aus denen sie bestehen, in einem Produktionsnetzwerk wiederum mit Hilfe der Elemente herstellen, aus denen sie bestehen (Maturana, 1982). Etwas vereinfacht ausgedrückt: ein autopoietisches System reproduziert die. Elemente, aus denen es besteht, mit Hilfe der Elemente, aus denen es besteht. … Und genau daraus folgt das eigentlich Aufregende: lebende oder autopoietische Systeme erscheinen nun entgegen dem systemtheoretischen Grundpostulat der notwendigen Offenheit lebender Systeme in ihrem Kernbereich, in ihrer inneren Steuerungsstruktur als geschlossene Systeme. In der Tiefenstruktur ihrer Selbststeuerung sind sie geschlossene Systeme, also gänzlich unabhängig und unbeeinflußbar von ihrer Umwelt. Wird diese operative Geschlossenheit zerstört, so bricht ihre Autopoiese zusammen, sie hören auf als lebende Systeme zu existieren. … Das Autopoiese—Konzept ist wichtig, weil es gegenüber der einseitigen Betonung der Umwelt-Abhängigkeit von Systemen deren interne Strukturdeterminiertheit primär setzt. Damit kommt ins Blickfeld, daß Systeme zunächst und vor allem ihre eigene Kontinuierung organisieren müssen, um als Systeme in Beziehungen zu ihrer Umwelt treten zu können. … Größere Schwierigkeiten bereitet es, auch soziale Systeme als autopoietische zu begreifen. Grundlage einer solchen Konstruktion ist die Annahme, daß soziale Systeme nicht aus einer Ansammlung von Menschen bestehen, sondern aus dem Prozessieren von Kommunikationen. … Soziale Systeme bilden sich auf der Grundlage von Kommunikationen. Für ihre Kontinuität ist fortlaufende Kommunikation unerläßlich. … Streng analog (zu biologischen Systemen, R.M.) können soziale Systeme dann als operativ geschlossen angesehen werden, wenn sie semantische Strukturen ausbilden, die die in ihnen ablaufenden kommunikativen Operationen auf selbstreferentielle, rekursive Umlaufbahnen zwingen. Diese Bedingung ist für die Gesellschaft als dem Gesamtzusammenhang aneinander anschließbarer Kommunikationen qua Definition gegeben. Für gesellschaftliche Teilsysteme und andere soziale Systeme aber nur dann, wenn sie Spezialsemantiken ausbilden …“ (Willke 1987, S. 43-47)

Damit sind Begrenzung und Dynamik die beiden Facetten eines einheitlichen Prozesses, wobei deren interne gegenseitige Bedingtheit ein System von seiner Umwelt absondert, wodurch es sich gewissermaßen selbsttätig etabliert und abgrenzt:

„Die eigentümlichste Charakteristik eines autopoietischen Systems ist, daß es sich sozusagen an seinen eigenen Schnürsenkeln emporzieht und sich mittels seiner eigenen Dynamik als unterschiedlich vom umliegenden Milieu konstituiert.“ (Maturana/Varela 1987, S. 54)

Steuerungs— und Kommunikationsfunktionen des Finanzsystems

Mit der Auflistung der Anforderungen, die die Systemtheorie an soziale Systeme stellt, ist im wesentlichen bereits vorgezeichnet, durch welche Elemente das ökonomische System repräsentiert wird. Werden soziale Systeme nach der Prozessierungsform von Sinn unterschieden, so läßt sich damit die These aufstellen, daß auf makroökonomischer Ebene die Sinngebung durch die Operationsweise des Finanzsystems etabliert wird und damit auch die entsprechende Kommunikationsform über (absolute) Preise und die für dieses System relevanten Interaktionen, die (Geld-) Zahlungen, festgelegt sind. Mit dieser These wird in gewisser Weise dem Ausgangspunkt der Marx’schen Vorstellungen über das Wesen des kapitalistischen Produktionsprozesses nachträglich Referenz erwiesen, indem die Postulate der orthodoxen Ökonomie, repräsentiert durch die W-G-W Formel, zugunsten des kapitalistischen G-W-G‘  Schemas der Marx’schen Theorie ins Abseits gestellt werden. Dabei braucht der Fundamentalsatz der Nationalökonomie vom Konsum als Endzweck allen ökonomischen Handelns nicht preisgegeben zu werden, wenn nachgewiesen werden kann, daß derartige Vorstellungen nicht mit der hier vertretenen Konzeption, das ökonomische System als durch Finanzbeziehungen charakterisiert zu sehen, kollidieren müssen. (Daß kreditgeldtheoretisch gesehen der Schluß von G auf G´ unzulässig ist und eher auf einer Verwechslung der Phänomenologie von Zinsen mit den grundlegenden Funktionsbedingungen des Kreditgeldkapitalismus beruht, macht dieses Modell letztlich als Analyseinstrument für den Kreditgeldkapitalismus unbrauchbar.) Selbst wenn die Marx’sche Formel noch nicht ausreichend ist, um das ökonomische System in der Gesamtheit zu erfassen, weist sie doch auf einen entscheidenden Sachverhalt hin, auf den das oben skizzierte Autopoiese—Konzept sinnvoll angewandt werden kann.

„Die Ausdifferenzierung von sozialen Systemen erfordert die Schließung eines selbstreferentiellen Verweisungszusammenhangs für alle Operationen des entsprechenden Systems. Bei allem, was wirtschaftlich geschieht, also der Wirtschaft als System zurechenbar ist, muß demnach Selbstreferenz mitlaufen. Die Kommunikationen der Wirtschaft müssen sich als wirtschaftlich ausweisen, damit man sie nicht falsch interpretiert, etwa als auf Intimität zielenden Annäherungsversuch auffaßt; sie müssen, was immer sie sonst leisten, immer auch das Wirtschaftssystem selbst reproduzieren. Andererseits ist diese Geschlossenheit des selbstreferentiellen Zirkels nie als ein Sachverhalt für sich möglich; sie kann nur als mitlaufende Selbstreferenz eingerichtet werden.“ (Luhmann 1983, S. 154)

Übertragen auf die finanzielle Sphäre bedeutet dies, daß eine ökonomische Handlung im hier verstandenen Sinne von Ökonomie sich durch die Verkettung mit einer Zahlung ausweist und somit unentgeltliche Leistungen, obwohl sie aus wohlfahrtstheoretischen Gesichtspunkten für eine Gesellschaft eine immense Bedeutung genießen, sich nicht als ökonomisch relevant ausweisen. Die Transaktion Ware gegen Geld reflektiert aber nur auf der phänomenologischen Ebene das, was die Interaktion der Geldsphäre mit der Gütersphäre ausmacht, und ist damit der allfällige Ausdruck der Interaktion des Finanzsystems mit seiner Umwelt. Insofern bleibt die Fixierung auf die Tauschmittelaufgabe des Geldes lediglich eine oberflächliche Betrachtungsweise, die sich mit dieser Annäherung an das Geldproblem letztlich immer an die Tauschökonomie, und als Folge davon stets an die Quantitätstheorie festklebt. Die Betrachtung der selbstreferentiellen Tiefenebene ergibt dagegen, daß letztlich nicht Geld gegen Ware, sondern Geld gegen (kalkulierten) Geldwert getauscht wird, es also bildlich gesprochen bei der Erreichung eines Umsatzziels in letzter Konsequenz nicht darauf ankommt was verkauft wird, sondern wieviel und zu welchem Preis. Eine Zahlung ist also nicht schon deswegen als ökonomisch zu interpretieren, wenn dabei ein Gut den Besitzer wechselt, sondern es ist noch zusätzlich erforderlich, daß dabei das Geldsystem auf sich selbst verweist, d.h. wenn eine Zahlung ein Defizit, repräsentiert durch die Verbindlichkeiten des betreffenden Wirtschaftssubjektes, abbaut oder begründet. Die Öffnung des internen Verweisungszusammenhangs besteht somit in der Etablierung einer Schuldposition eines Unternehmers, die Schließung dementsprechend in dem Rückfluß der Auszahlungen über den Umsatz, wobei je nach Höhe der Rückflüsse die Reproduktion des Schuldverhältnisses vorgenommen wird oder nicht.

„Produktion ist nur Wirtschaft, Tausch ist nur Wirtschaft, wenn Kosten beziehungsweise Gegenzahlungen anfallen. Dann realisiert der Vorgang einen Verweisungskontext, der auf Güter und Leistungen, auf Wünsche und Bedürfnisse, auf Folgen außerhalb des Systems Bezug nimmt; und zugleich einen anderen, in dem es nur um Neubestimmungen der Eigentumsverhältnisse an Geld, also an Möglichkeiten der Kommunikation innerhalb des Systems geht. Diese mitlaufende Selbstreferenz ermöglicht durch ihre Geschlossenheit die Offenheit des Systems. ‚L’ouvert s’appuie sur le ferme.‘ Die Sicherheit der Selbstverweisung ist Bedingung des Ausgreifens in die Umwelt.“ (Luhmann 1987, S. 155)

Genauer formuliert: die Sicherheit der Selbstverweisung ist nicht selbstverständlich, da eine Zahlung nur dann für Ökonomie relevant ist, wenn sie auf diesen Verweisungszusammenhang trifft, sprich: wenn sie zu ihrem Entstehungsort, der Bilanz einew verschuldeten Wirtschaftssubjektes zurückkehrt. Aus diesem Grund sind Zahlungsmittelumschichtungen zwischen Haushalten, deren Charakteristikum die Geldvermögensbestände der Aktivseite sind, für diesen speziellen relevanten Verweisungszusammenhang irrelevant. Etwas weniger abstrakt bedeutet das: das Ausgreifen des Finanzsystems in die Umwelt ist nur dann zu erwarten, wenn sich Investitionen lohnen und damit die Erweiterung des internen Verweisungszusammenhangs über eine höhere Krediteinräumung das Ausgreifen in die Umwelt noch weiter steigert. (Das verweist auch auf den Umstand, daß sich auf Wertpapiermärkten genau die Tauschoperationen abspielen, welche die allgemeine Gleichgewichtstheorie für das allgemeine Prinzip des Wirtschaftens hält – ein sonderbarer Fehlschluß!)

„Ein System, das auf der Basis von Zahlungen als letzten, nicht weiter auflösbaren Elementen errichtet ist, muß daher vor allem für immer neue Zahlungen sorgen. Es würde sonst von einem Moment zum anderen schlicht aufhören zu existieren. Und dabei geht es nicht um die abstrakte ‚Zahlungsfähigkeit‘, die sich aus dem Besitz liquider Mittel ergibt; es geht also nicht um eine relativ konstante Größe, sondern um die konkrete Motivation zur Zahlung und ihren aktuellen Vollzug. Die Wirtschaft ist demnach ein ‚autopoietisches System‘, das die Elemente, aus denen es besteht, selbst produzieren und reproduzieren muß. Der adäquate Bezugspunkt für die Beobachtung und Analyse des Systems ist daher nicht die Rückkehr in eine Ruhelage, wie Theorien des ‚Gleichgewichts‘ suggerieren, sondern die ständige Reproduktion der momenthaften Aktivitäten, eben der Zahlungen, aus denen das System besteht.“ (Luhmann 1987, S. 155)

Obwohl diese Sätze einen richtigen Kern beinhalten, bleiben sie jedoch auf der phänomenologischen Ebene stehen, denn wären Zahlungen allein schon konstitutiv für die Selbstreferenz des Finanzsystems, so wären diese Gedanken auch auf das Konzept der allgemeinen Gleichgewichtstheorie übertragbar, da die Bereitstellung von Außengeld über Staatsverschuldung den Haushalten dasjenige Kommunikationsinstrument zur Verfügung stellt, welches den autopoietischen Charakter des Finanzsystems bereits sicherstellen soll.

Die allgemeine Gleichgewichtstheorie hat aber mit Autopoiese nichts zu tun, da sie auf der Güterebene einen Reproduktionsgedanken zugunsten des Erstausstattungs- und Allokationskonzepts lediglich indirekt thematisiert und bei der Kommunikations- und Koordinationsfrage sich auf Unwissen, dokumentiert durch Auktionator und ‚invisible hand‘ berufen muß, bzw. alternativ konsequent durchgeführt, den Koordinationsteil dieser Theorie mit Hilfe der rationalen Erwartungen in die Köpfe der Wirtschaftssubjekte verpflanzt. Dagegen hat Sraffa in seinen Produktionsgleichungen immerhin für die physische Ebene eine Reproduktionstheorie entworfen und in gewisser Weise eine Unternehmergesellschaft postuliert, die ihre Kalküle nach einem Geldzinssatz ausrichten (vgl. Sraffa 1976, S. 56), beschränkt sich aber dann auf formale Analyse von linearen Gleichgewichtssystemen und hält sich bei der Koordinationsfrage gleichermaßen bedeckt.

In beiden Fällen läßt sich jedoch gleichermaßen die Vorstellung eines Tauschmittels formulieren und integrieren, ohne daß damit belegt wäre, daß die Zahlungen den selbstreferentiellen Kern der Ökonomie ausmachen würden. Im Gegenteil sind derartige Zahlungen an die Gleichgewichtslösungen gebunden, und sind damit nur der institutionelle Reflex vorgegebener Tauschverhältnisse, ganz im Sinne der W-G-W Formel, die ja dann auch auf einen nichtkapitalistischen gesellschaftlichen Kontext hinweist. Demgegenüber ist der kapitalistische Vergesellschaftungszusammenhang über die finanzielle Sphäre vermittelt, so daß sich damit die Sprache des Geldes als die relevante Kommunikationsebene erweist, die es letztlich ermöglicht, daß ein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens über die Kriterien der Verteilung von Gütern hergestellt werden kann. Dieser Konsens ist insbesondere dann herstellbar, wenn die Schaffung von Kredit mit der Verpflichtung verbunden ist ein Güter- oder Leistungsangebot zu machen, was gerade dann der Fall ist, wenn der gebilligte Kredit zu Investitionszwecken Verwendung findet, und damit die Ausweitung des Investitions- bzw. Kredit- und gegebenenfalls Geldvolumens keine Inflation, sondern ein expandierendes Güterangebot bei steigendem Nachfragepotential schafft. Die Existenz dieses Kausalzusammenhangs rechtfertigt die Akzeptanz des G-W-G Schemas als allgemeines Koordinationsinstrument der verschiedensten Tätigkeiten des wirtschaftlichen Lebens. Die autopoietische Qualität des Finanzsystems ist dabei eher sekundär an eine erfolgreiche Produktion im Sinne des Grenzproduktivitätskonzepts, sondern primär an eine erfolgreiche Vermarktung der Waren bzw. Produktionswerte gebunden, so daß Produktivität und Marketing und Vertrieb die realökonomischen Spiegelbilder des Systemaspekts „Rückfluß der Investitionsausgaben“ sind, welche die Erhaltung der Investition und damit des Zahlungsstroms sicherstellen (sollen).

Damit bleibt noch zu diskutieren, welches die treibende Kraft, bzw. sozusagen der genetische Code ist, der die Systemstruktur lebendig bzw. dynamisch erhält. Die Antwort darauf ist in dem Umstand zu finden, daß es unmöglich und unnötig ist eine Kreditgeldökonomie gesamtwirtschaftlich wieder zu liquidieren, da in letzter Konsequenz Zinszahlungen stets in dem Geld geleistet werden müssen, in dem auch der Kredit zu tilgen ist. Diese vertraglich festgelegte praktische Unerfüllbarkeit eines einzelnen(!) Kreditvertrages läßt sich als treibender Impuls bzw. als primärer Reproduktionsanreiz identifizieren, da die Erfüllung des gesellschaftlichen Mißerfolgskriteriums, die Insolvenz, mit individuellen Nachteilen verschiedenster Art gekoppelt ist. Dieser Sachverhalt verweist auch unmittelbar auf den sekundären Reproduktionsimpuls, den Gewinn, dessen abgeleiteter Charakter sich dadurch ergibt, daß er mindestens die Höhe der Zinszahlungen erreichen mußte, um das finanzielle Lebensfähigkeitskriterium zu erfüllen. (Das einzelwirtschaftliche Problem des „fehlenden Zinses“ löst sich in einem dynamischen Kontext ohnehin in einem logischen Rauchwölkchen auf!)

Die zugrundeliegende Interpretation von Geld als Vermögen aus individueller Perspektive erweist sich denn auch als der eigentliche Grund für eine Dominanz des Gewinnmaximierungskalküls der Unternehmen über das Nutzenmaximierungskalkül der Haushalte. Der perspektivische Wechsel dieser Theorie zu einem abstrakten Erfolgskriterium gegenüber dem Realkriterium Nutzen der ‚mainstream‘-Ökonomie bedeutet trotz des primären Reproduktionsinteresses an monetären Größen nicht, daß damit ein Konsumziel als treibendes Motiv ökonomischen Handelns ausgeschlossen wäre. Im Gegenteil bedeutet ja die erfolgreiche Reproduktion von ausgegebenem Finanzvermögen nicht nur eine mögliche Fortsetzung des Investitionsprozesses, sondern auch je nach Gewinnhöhe eine unmittelbare Zugriffsmöglichkeit auf Güter. Die Dominanz der Unternehmen über die Haushalte aufgrund der Verfügung über das gesellschaftlich akzeptierte ökonomische Kommunikationsmittel schließt dabei eine Realisierung von Tauschgewinnen der Haushalte untereinander nicht aus, verweist aber gleichzeitig auf den abgeleiteten Charakter haushaltsinterner Transaktionen und klassifiziert derartige Vorgänge zwar nicht als ökonomisch unsinnig, jedoch als in Bezug auf die Erhaltungsbedingungen einer Kreditgeldökonomie als irrelevant: Der Tausch ist hinsichtlich des Finanzsystems neutral!

Die Fassung des Zinses als zentralem Reproduktionsimpuls der finanziellen Sphäre bedeutet auch, daß Luhmann sich ein grobes Mißverständnis leistet, wenn er schreibt:

„Für die Systemtheorie ist es eine geläufige These, daß komplexe Systeme Instabilitäten schaffen müssen, um den Problemen Rechnung tragen zu können, die sich aus der Erhaltung von geordneter Komplexität in einer noch komplexeren und weniger geordneten Umwelt ergeben. Diese Aussage läßt sich auch umkehren: Instabilitäten lassen sich in Systemen nur halten und gegen Verhärtung schützen, wenn eine hinreichend komplexe Umwelt besteht, die überraschende Informationen auslöst, welche durch Inanspruchnahme systeminterner Instabilität, hier also durch Änderung der Preise, verbraucht werden können. … Die Funktionssysteme gewinnen an Autonomie, werden in sich komplexer, benötigen infolgedessen höhere Instabilitäten und müssen selbst für deren Kontrolle sorgen. In der neueren Zeit werden hierfür zwei verschiedene Lösungswege bereitgehalten. Beide haben ein Prinzip gemeinsam: sie überlassen die Kontrolle der Instabilität Instabilitäten anderer Art. Die eine Möglichkeit ist: die Kontrolle des Fluktuierens der Preise über Geldkosten laufen zu lassen. Die Verteuerung des Kredits limitiert das Steigen der Preise. Die Schranken von Instabilität werden im Wirtschaftssystem selbst geregelt, und zwar durch Instabilitäten einer höheren Ebene der Reflexivität: durch den Preis nicht für Waren, sondern durch den Preis für Geld. Die andere Lösung liegt im Rückgriff auf die Instabilitäten eines anderen Funktionssystems; sie nimmt kollektiv bindende Entscheidungen des politischen Systems in Anspruch.“ (Luhmann 1987, S. 159f)

Wie man aus leidvoller Erfahrung weiß, sind die Instabilitäten des politischen Systems, sprich: eine öffentliche Preiskontrolle, stets eine Einladung an alle Wirtschaftssubjekte gewesen in solchen Fällen reichhaltig Umgehungsmöglichkeiten zu erfinden oder auf Schwarzmärkte auszuweichen. Die Kontrolle der Fluktuation der Preise ist dagegen viel effizienter: es ist schlichtweg der Grad der Nachfrageelastizität, der ein Steigen der Preise ins Uferlose verhindert, und somit die „Institution der Konkurrenz“ durch die Souveränität der Nachfrage Preisfluktuationen direkt und spielend begrenzt, und damit eine Konkurrenzwirtschaft sich als notwendiges Gegengewicht zur potentiellen Despotie einer Industriemonopolisierung etabliert.

Aus systemtheoretischer Perspektive bietet sich viel eher eine Interpretation des Zinses in Zusammenhang mit den ihn konstituierenden Schuldverhältnissen an: die nominal fixierten Passivpositionen in den Bilanzen bilden quasi das Gedächtnis des Finanzsystems, welches in Verbindung mit dem Zins die Aktionen der betroffenen Individuen für die Zukunft steuern, ihnen, genauer gesagt, einen bestimmten Aktionsraum aufzwingt, insofern, als geleistete Zinszahlungen die Bonität der Schuldverhältnisse anzeigen und eine Fortführung des Schuldverhältnisses angezeigt erscheinen lassen, falls nicht müssen die systemkonformen Konsolidierungsprozesse einsetzen, um das Kreditportfolio in seiner Bonität nicht absinken zu lassen.

„Die Zunahme zeitlicher Komplexität ist demnach eine zweite Bedingung der Notwendigkeit einer Fortentwicklung des Quasi-Systems zum System. Es bedarf schärfer strukturierter Verfahren und genauer abgestimmter Prozesse, um die kontingent werdenden zeitlichen Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen den funktional differenzierten Rollen und Teilen gemäß den Präferenzen und Relevanzen des Gesamtsystems einzuschränken und auf eine verbindliche Systemzeit zu synchronisieren. Wieder fällt auf, daß die Möglichkeit einer Steigerung der zeitlichen Komplexität auf einer strategisch ansetzenden Reduzierung beruht: der Reduzierung frei fließender Weltzeit auf prozessual synchronisierte Systemzeit.“ (Willke 1987, S. 66)

So gesehen fängt das ‚mainstream‘-Konzept kontingenter Zukunftsmärkte zwar den Aspekt der zeitlichen Differenzierung ein, ohne daß jedoch damit die Konstituierung einer eigenen Systemzeit außerhalb der elementaren Präferenzen der Haushalte vollzogen wäre. Gegenüber dieser anarchischen zeitlichen Strukturierung der Gleichgewichtstheorie, steuert der Zins in der Kreditgeldökonomie die zeitliche Dimensionierung des wirtschaftlichen Abrechnungsprozesses und koordiniert damit die realen Handlungsmuster der angekoppelten realwirtschaftlichen Aktivitäten.

„Mit der Einrichtung geregelter Prozesse als temporaler Ordnungsform kontrolliert das Quasi-System die Folgewirkungen der internen funktionalen Differenzierung und erreicht damit eine neue evolutionäre Stufe der Komplexitätsverarbeitungskapazität.“ (Willke 1987, S. 67)

Perspektivische Nachbemerkungen

Die Wohlfahrt einer Gesellschaft in ökonomischer Hinsicht wird bestimmt von der Gesundheit des zugrundeliegenden Finanzsystems. Dieser Satz faßt in aller Kürze die Quintessenz des vorstehenden Posts zusammen und beinhaltet schon deswegen nicht nur eine uninteressante Trivialität, weil eine ökonomische Orthodoxie, die von der Neoklassik bis zum neueren Marxismus reicht, seit über 200 Jahren die Dominanz der Gütersphäre über den Geldschleier zu predigen nicht müde wird. Und insbesondere eine Entwicklungstheorie, die auf einer realwirtschaftlichen Basis gebaut ist, zeigt in unerfreulich deutlicher Weise, wie durch falsche Konzepte und Theorien mit bestem Gewissen und lauteren Absichten eine Katastrophe nach der anderen angestellt werden kann. Demgegenüber erweist sich ein funktionierendes Kreditgeldsystem als das effizienteste Steuerungsmittel, wenn es darum geht für einen gesellschaftlichen Rahmen eine Kohärenz der Individualaktionen zu erzeugen. Das Kreditsystem fungiert somit als das informale Band, welches geeignet ist, einer Gesellschaft den ökonomischen Zusammenhalt zu liefern, welcher als eine Grundbedingung der Stabilität des übergeordneten Gesellschaftssystems anzusehen ist.

Diese Einsicht in die Zusammenhänge moderner Ökonomien bedeutet auch die endgültige Abkehr von einem Gleichgewichtsbegriff, für den die Balance widerstreitender Kräfte die Grundlage des Raisonnements abgibt. Die wesentliche Änderung in der Analyse der innergesellschaftlichen Beziehungen besteht darin, nicht mehr die Konfrontation als das Gegeneinander im Tauschprozeß, sondern die Kooperation in der Produktion in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken, um damit die Defizite der statischen Gleichgewichtsvorstellung zu kompensieren.

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