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Überlegungen am Rande…

Nirgends bekommt man so blöde Antworten auf eine Erkenntnisfrage wie bei den Ökonomen, wenn es darum geht zu sagen, was denn eigentlich „Geld“ sei. Die am meisten bescheuerte Antwort darauf ist die Nicht-Antwort: „Geld ist das, was Geld tut.“ Das ist schon deswegen nichtssagend, weil das Erkenntnisinteresse nach der funktionalen Bestimmung von Geld durch einen Verweis auf die phänomenologischen Aspekte des Geldes (eben nicht) „beantwortet“ wird. Man hat irgendwie den Eindruck, daß es sich dabei so verhält wie mit der Kinderfrage „Was ist Sex?“, woraufhin dann vielfach noch die Geschichte mit den Bienchen (wahlweise den Klapperstörchen) erzählt wird – als wäre die Frage danach, was Geld denn nun eigentlich sei irgendwie anrüchig. Aber genauso sind die Pseudo-Antworten auch, wenn es darum geht, irgendwelche Wortkombinationen vorzustellen, die der Fragende dann bitteschön als Antwort hinnehmen soll. (Ich erspare es mir, für diesen Unsinn noch irgendwelche Links zu posten, die findet jeder selber.) Und nur durch die Aufbietung jeglicher Autorität der Wissenschaft ist es bisher weitgehend ausgeblieben, daß vom Fragesteller das Urteil gefällt wird: Thema verfehlt, Frage nicht beantwortet. Denn was soll man denn auch davon halten, daß der Frage nach einer der wichtigsten Dinge der menschlichen Gesellschaft mit den dürren Begriffen: Tauschmittel, Recheneinheit bzw. Wertaufbewahrungsmittel entgegnet wird?

Was ist da passiert? Im Grunde wurde statt einer funktionalen Erklärung des wesentlichen Sachverhalts ein Kaleidoskop beobachtbarer Umstände zur Antwort gegeben, die zwar phänomenologische Aspekte des Geldes beschreiben, aber letztlich nur dazu geeignet sind, die inhaltliche Leere dessen, was Geldtheorie ausmacht, zu kaschieren. Denn die Geldtheorie des ökonomischen ‚mainstream‘ (sowie witzigerweise auch etlicher „Geldsystemkritiker“) ist durch nichts anderes geprägt, als daß die Quantitätstheorie den blinden Fleck des Tauschparadigmas – nämlich die Bestimmung der absoluten „Geld“-Preise – übertünchen muß. Denn ohne diese würde die allgemeine Gleichgewichtstheorie schlichtweg eine inhaltlich korrekte, jedoch nichtsdestoweniger unangemessene Theorie bleiben, deren Aussagekraft sich darin erschöpft, für die Ökonomie einen „Laplace´schen Dämon“ zu postulieren, welcher zu der Gleichgewichtskonstellation führen soll, die als Qualitätsmerkmal stets herausgestellt wird. (Letzteres – das Gleichgewicht – ist als theoretisches Postulat durchaus sinnvoll!) Die unsägliche Folge dieser Rationalisierung von Geldtheorie ist, daß der funktionale Inhalt der gegenwärtigen Geldtheorie denn auch die Verknüpfung einer „Geldmenge“ mit einem „Güterberg“ zum Inhalt hat, wobei die Pseudo-Definition einer „Umlaufgeschwindigkeit“ diesen Zusammenhang illustrieren soll – erklären wäre etwas anderes. (Wer an die Quatsch-Theorie glauben will, soll es tun!)

Was ist die Alternative? Nun, nachdem der paradigmatische Kern der bisherigen Geldtheorie der Tausch war, kann im Gegensatz dazu der paradigmatische Kern der Kooperation als Grundlage einer Geldtheorie fungieren. Das funktioniert so:

Kooperation hat was damit zu tun, daß die Ergebnisse der kooperativen Unternehmung auf die teilnehmenden Wirtschaftssubjekte verteilt werden müssen. Wie kann man das machen? Für den Fall, daß es eine im vornherein „sichere“ Ertragsaussicht gibt, kann man jedem Teilnehmer das entsprechende Ergebnis zusichern. Falls es eine unsichere Ertragsprognose gibt – und irgendwie hat ja jeder irgendeine Zukunft – kann man dem einzelnen Teilnehmer nur einen Prozentsatz des gemeinsamen Ertrages zusichern. Und schon sind wir beim Geld. Denn das Versprechen einer Verhältnismäßigkeit ist etwas anderes, als das Versprechen einer Absolutität. Heißt was? Da niemand weiß, ob die Kooperationsveranstaltung (aka Unternehmung) erfolgreich ist, kann man nur jedem Teilnehmer eine QUOTE des Unternehmensergebnisses garantieren.

Und schon ist man beim Funktionsprinzip von Geld: Geld hat die Funktion, die Erträge eines gemeinschaftlichen Projektes auf die teilnehmenden Individuen zu verteilen. (Das kann mal gut oder auch mal schlecht gehen!) Und das hat was damit zu tun, daß Geld von seinem Grundprinzip eine relative Geschichte ist, denn die Frage was Geld wert ist, wird erst mit der Vermarktung der realen Ergebnisse sichtbar. Heißt: die Relativität von Geld kommt dadurch zum Vorschein, daß die gesellschaftliche Sanktionierung unternehmerischer Aktivität durch die durch das Unternehmen selbst erzeugte Liquidität honoriert wird. Das ist leicht zu begreifen und schwer zu verstehen – eine bekannte Art kognitiver Dissonanz!

Da aber Geld eine Form gesellschaftlich geschaffener Hoffnung ist, gilt auch Folgendes:

Geld repräsentiert ein Funktionsprinzip, nämlich die Verteilung eines gemeinsamen Erfolgs. Dabei ist das Unternehmerdasein eine soziale Funktion und keine persönliche Qualität (es schadet auch nichts, wenn sie ausgeprägt vorliegt). Nur: die ultimative Haftung für die Risiken der Unternehmer wird – jenseits sämtlicher Erwägungen hinsichtlich irgendwelcher Besicherungen von Krediten – von den Banken getragen. Der Grund ist, daß die (residualen) Verluste aus fehlgeschlagenen Unternehmungen von der Allgemeinheit getragen werden (müssen), indem Zinsen – welche von allen kreditnehmenden Unternehmen gezahlt werden müssen – die Verluste aus den fehlgeschlagenen Investitionen neutralisieren – denn irgendwie ist die Sache mit der Zukunft immer noch mit Unsicherheit behaftet. DAS ist die Funktion von Banken und nicht die Transformation irgendwelcher Sparbeträge, die ja letzten Endes immer aus der Kreditvergabe entstammen. Diese Neutralisierungsfunktion der Banken ist jedoch eine im Kreditgeldkapitalismus institutionalisierte Funktion, welche nicht(!) eine persönliche Qualität besitzt. Deswegen ist die übliche Fokussierung auf den Unternehmer zwar nicht falsch, jedoch hinsichtlich der Bedingungen der Funktionsprinzipien der Gegenwart nicht mehr richtig gepolt. Diese kann man schick finden sie ist jedoch einer falschen Geldtheorie geschuldet, auf gut Deutsch: nur einem Ausfluß einer billigen Phänomenologie des Geldsystems geschuldet.

Denn: die Banken sind letztlich die Unternehmer des Kreditgeldkapitalismus! Es scheint so, als würde man mal ein bißchen umdenken müssen!

Der wesentliche Unterschied zu der Tauschmitteltheorie der Geldes ist: Geld ist nur so viel wert, wie die unternehmerischen Erfolge, die damit erzeugt werden. Es ist nun mal das Wechselspiel von Investition (= Nettogeldausgabe) und Gewinn (= Nettogeldeinnahme) welches die Gegenwart erklären kann. Man kann sich ja darauf versteifen, daß Geld für den Tausch da ist (nicht mal das stimmt…), aber kann damit nicht erklären, warum es das Geld ist, was die Welt ‚go round‘ macht! Heißt: der Tausch ist das vergehende Erklärungsprinzip des Geldes…

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Vollgeldspielereien

Zunächst mal: das Vollgeldkriterium ist eine Mindestreserve von 100%. Das heißt auf gut Deutsch, daß jede Bank für die Genehmigung eines Kredits die Zustimmung der Zentralbank braucht, damit sie die für die Erteilung des Kredits notwendige Zentralbankgeldmenge zugeteilt bekommt.

Der unmittelbare Effekt ist eine unsinnige Zentralbankgeldhaltung der Banken, die entweder in bar gehalten werden müßte, oder als Gutschrift bei der Zentralbank vorhanden wäre, weil ja ja eine Gutschrift der Zentralbank über Zentralbankgeld für die Geschäftsbanken quasi dasselbe ist wie Bargeld. Aus der Konstruktion des Bankensystems weiß man aber, daß diese Zentralbankgeldbestände nie gebraucht würden, es sei denn im Fall eines ‚bank-run‘. Ansonsten wird Bargeld von Banken nur für den Bargeldverkehr gebraucht, während Forderungen über Zentralbankgeld bei der Zentralbank für ‚clearing‘-Operationen Verwendung findet.

Dabei ist die vermeintliche Regulierungsfalle Zentralbankgeld keine valide Restriktion, was die Zahlungsfähigkeit der Geschäftsbanken angeht. (Leider ist das Missverständnis Vollgeld auch einer falschen Darstellung der Bundesbank hinsichtlich der Frage der „Geldschöpfung“ geschuldet. Das ist ein anderes Thema!)

In Kurzform die richtige Version: das Knapphaltung des nötigen Bargeldes seitens der Zentralbank ist an sich die bindende Restriktion für die Banken den Umlauf von Bargeld zu minimieren. Denn die Effizienz der Verwaltung von Zentralbankgeld ist die eigentliche Aufgabe der Geschäftsbanken und nicht die Vorhaltung eines „Schatzes“ an Bargeld in ihren Tresoren. Das klingt so wie die Trottelnummer von „Fabian der Goldschmied“! Diese Effizienz zeichnet sich dadurch aus, daß der Interbankengeldverkehr dazu führt, daß bei allen, die sich im Interbankengeldmarkt beteiligen eine Erwartung existieren muß, daß die Bonität des Geschäftspartners gewissermaßen genauso hoch ist, wie die eigene Bonität. Denn dann ist ein Ausgleich an Zentralbankgeld zwischen Banken mehr oder weniger ein durchlaufender Posten der betrieblichen Kalkulation.

Vollgeld überträgt aber nun die Verantwortung für die Kreditvergabe auf die Zentralbank. Die Frage wäre, ob diese Verantwortung überhaupt dorthin gehört. Denn salopp gesagt ist die Funktion einer Zentralbank die: die Erzeugung von einheitlichen Bonitätsstandards für alle an sie angeschlossenen Geschäftsbanken.

Diese Aufgabenstellung kollidiert natürlich mit der landläufigen Interpretation der Aufgaben einer Zentralbank. Doch das ist ein Mißverständnis. Eine Zentralbank ist nicht für die Steuerung der Inflation da (geschweige denn NGDP), weil sie innerhalb ihres eigenen Aufgabenspektrums die Entscheidungen, welche dann mittelbar zu einer Steigerung der unternehmerischen Kosten und mithin der Steigerung der Verkaufspreise führen würden, überhaupt nicht treffen kann und in einer liberalen Ökonomie auch nicht treffen soll. Insofern ist die Erwartung, daß eine Zentralbank eine Steuerung des Preisniveaus beeinflussen könne, auf eine von ihr unmöglich zu erfüllende Aufgabe gerichtet. (Sobald man das einmal kapiert hat, fragt man sich, warum man an solche schöngeistigen Konzepte wie „Umlaufgeschwindigkeiten“ jemals geglaubt hat. Umlaufgeschwindigkeiten gehören auf den Rummel, nicht in die Ökonomie!)

Woran liegt das? Nun, das Verhältnis einer Zentralbank zu einer Geschäftsbank ist durch ein Delegationsverhältnis geprägt. Ein ‚principal-agent‘-Verhältnis ist jedoch dadurch charakterisiert, daß es anreizkompatible Arrangements geben muß, die den ‚agent‘ dazu bringen, die Ziele des ‚principal‘ mitzutragen. Das geht nur dann, wenn die Operationsweise zwischen beiden Parteien dazu führt, daß es zu Differenzierungen kommt, wenn ein ‚agent‘ (= Bank aus der Menge aller Banken) von den gestellten Qualitätsforderungen des ‚principal‘ (= Zentralbank) abweicht. Das heißt, der ‚principal‘ muß selbst differenzieren oder die ‚agents‘ differenzieren lassen, um die gestellten Qualitätsvorgaben zu erfüllen. Ein weites Feld…

Aber kurz und gut: die unvollkommene Kontrollkapazität der Zentralbank erlaubt es nicht Kreditentscheidungen zentral zu treffen. Denn das würde zu einer Duplizierung der ‚monitoring‘-Aufgaben einer Geschäftsbank führen, deren originäre Aufgabe es ja ist, die Kreditwürdigkeitsprüfung des Kreditantragstellers durchzuführen und zu beurteilen. Eine Einführung von Vollgeld würde demgegenüber dazu führen, daß von der Zentralbank Entscheidungen erwartet würden, welche sie aufgrund ihrer sachlichen Vorgangsferne überhaupt nicht einschätzen könnte. Das heißt aber im Endeffekt, daß von ihr sachnahe Entscheidungen erwartet würden, die im real existierenden Sozialismus von der Zentralplan-Behörde gefällt werden sollten. Daß eine derartige Konstruktion – gelinde gesagt – suboptimal wäre, muß wohl nicht besonders betont werden.

Und nun die ’seignorage‘!

Das bezeichnet im Grunde genommen einen „Gewinn“ aus der erstmaligen Verwendung von Zentralbankgeld. Das ist letztlich die alberne „Fabian-Goldschmied“-Vorstellung. Dabei wird zweierlei übersehen:

a) Der Zusammenhang des finanziellen Rechnungswesens erlaubt es nicht, daß eine „Geldausgabe“ über den Staat ohne eine begleitende Schuldbuchung erfolgen kann. Die Gegenposition mag ja in der Vorstellung der „Vollgeld“-Jünger bei der Zentralbank zinslos erfolgen, dennoch geht kein Weg daran vorbei deutlich zu sagen, worum es sich dabei handelt: nämlich eine zinslose Staatsfinanzierung durch die Zentralbank. Das kann man gut finden oder auch nicht, entscheidend ist

b) daß es dabei eigentlich nur um eine Aneignung realwirtschaftlicher Güter und Leistungen geht, welche nicht durch ein zusätzliches Güterangebot seitens des Staates begleitet wird. Denn Ausgaben des Staates sind a priori Konsumausgaben, auch wenn dadurch im günstigsten Falle die Bedingungen der privaten Unternehmen verbessert werden. Entscheidend ist jedoch etwas anderes, nämlich der Umstand, daß nicht rückzahlbare Schulden postwendend zu einer Erhöhung des Nettogeldvermögensbestandes der privaten Sektoren führt, womit im Endeffekt eine Aufblähung der Vermögenspreise induziert wird. In gleicher Richtung wirkt die von den „Vollgeld“-Vertretern angeregte Liquidisierung der Staatsschulden durch die zwangsweise „Deckung“ der von den Banken vergebenen Kredite mit Zentralbankgeld, was in der Vorstellung der „Vollgeld“-Vertreter im Grund dadurch erfolgen soll, daß die Geschäftsbanken ihren Bestand an Staatsschuldtiteln durch eine Bargeldhaltung, mit Hilfe eben dieser Liquidisierung von Staatspapieren, substituieren sollen. Heißt auf gut Deutsch: die Banken sollen statt Staatspapiere Zentralbankgeld halten, um die von ihnen vergebenen Kredite zu „decken“!

Eine unmittelbare Folge davon wäre ein großflächiger Zusammenbruch des Geschäftsmodells der Kapitalsammelstellen, weil deren Funktionsweise daran hängt, über „sichere“ Wertpapiere jedwede notwendige (Re-)Finanzierung geräuschlos bewerkstelligen zu können. Denn Staatsschuldtitel sind die unabdingbare Geschäftsgrundlage von Finanzmärkten, weil deren Liquidität die Flexibilität der Operationen von Finanzmärkten gewährleistet. Man kann ja meinen, daß das alles nicht notwendig sei, eine stillschweigende Inkaufnahme potentieller Katastrophen ist jedoch nicht das, was man von einer gelungenen Finanzmarktreform erwartet.

Das hat auch was mit der Frage zu tun, was das „Wesen“ von Staatsschulden angeht: kurz gesagt sind Staatsschulden in letzter Konsequenz in Vorjahren konsumiertes Sozialprodukt, welchem in der Gegenwart kein entsprechendes Güter- und Leistungsangebot gegenübersteht. Staatsschulden sind demzufolge „vergangenes Nichts“. Aus diesem Grunde ist jedoch die Abhängigkeit von Staat und Kapitalsammelstellen nicht auflösbar, sondern gehört eher zu einer spezifischen Qualität des Staatsschuldenkonzepts von Ökonomie. Denn insoweit es die Bestrebung der privaten Akteure zur Bildung von Nettogeldvermögen gibt gilt für die Verklammerung von Staat und Kapitalsammelstellen: It´s not a bug (Teufelskreistheorie), but a feature! Und das gilt auch und insbesondere für die Zinsen von Staatsschulden, welche im Grunde genommen mit den Zinsen finanziert werden, die vom Staat „gezahlt“ werden. Oder anders: Staatsschulden werden stets revolviert und die Zinsen auf die Staatsschuld werden mit den kurz zuvor vom Staat gezahlten Zinsen finanziert, indem diese in gleicher Höhe der Staatsschuld zugeschlagen werden. Man glaubt es kaum, das funktioniert! (OK, manchmal muß auch die Zentralbank deutlich machen, daß es so zu funktionieren hat – was anderes hat Draghi mit seiner OMT-Ankündigung auch nicht gemacht.)

Was gibt es sonst noch zu der „Vollgeld“-Szene zu sagen? Ach ja, natürlich verwechseln diese „Protagonisten“ wie üblich Schulden mit Geld, denn daß Zentralbankgeld und Sichtforderungen zwei verschiedene Dinge sind, kann man als „Vollgeldler“ nicht akzeptieren, weil sonst das ganze Konzept in sich zusammenfällt. Mal abgesehen davon, daß Sichtforderungen („Einlagen“ oder „Giralgeld“ ist eigentlich eine Falschbezeichnung) eine Folge der Kreditvergabe der Geschäftsbanken sind und nicht umgekehrt. (Einlagen hat man in den Schuhen und nicht auf der Bank!) Leider trägt auch die Bundesbank zu diesem Mißverständnis bei, indem immer wieder die „Einlage“ bei einer Geschäftsbank zu einer Ursache der Kreditgewährung hochstilisiert wird. Aber das ist im Vergleich zu der „Vollgeldler“-Konzeption ja noch harmlos.

Was lernt man daraus?
Die Vollgeld-Phantasie ist nur dazu geeignet Verwirrung zu stiften, sonst nichts. Es ist ja verständlich, daß die Suche nach einer Alternative zu der herrschenden Geldtheorie kuriose theoretische Vorstellungen hervorbringt. Das heißt aber nicht, daß dadurch die Errungenschaften des Kreditgeldkapitalismus völlig vor die Hunde gehen müssen. Auch wenn´s schwerfällt – ja, die gibt es!

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Paradigmatische Nachdenkliste

Da an der Diskussion über die Features, welche ein ökonomisches Paradigma erfüllen muß, doch ein latentes Interesse erkennbar war, gibt es hier mal eine Übersicht, welche die unterschiedlichen Eigenschaften der jeweiligen Theoriekonzeption enthält. Dabei stellen die Aspekte A-C den Funktionskern des ‚mainstream‘-Paradigmas dar, während die Aspekte 1-13 gewissermaßen die Nebenbedingungen repräsentieren, die zum Funktionieren des jeweiligen Paradigma erforderlich sind. Dabei ergibt sich die jeweilige Spezifizierung der Nebenbedingungen aus den Anforderungen, die seitens des Funktionskerns gestellt werden. Diese können insofern als derivative Konditionen angesehen werden, da sie bereits durch den funktionalen Kern determiniert sind.

Diese Liste muß nicht abschließend sein, aber gibt schon mal einen ersten Eindruck darauf, welche Theorie-Aspekte, die in der wirtschaftspolitischen Diskussion immer wieder vorkommen,  welcher Denkrichtung zugeordnet werden können. Und: sie läßt sich sicherlich noch ergänzen/ verbessern/ komplettieren! Ich werde über einige Aspekte noch den einen oder anderen Beitrag verfassen, so daß es durchaus weitergehende Erläuterungen im einzelnen geben wird.

Vielleicht eine Geschichte schon mal vorab: neuerdings ist ja öfter mal was über den Begriff „Emergenz“ zu lesen. Das bedeutet, daß ab einer bestimmten Größenordnung die Funktionsweise einer Gesellschaft sich nach abstrakten und formalisierten Regeln ausgestaltet, um die Informationsflut in „großen“ Gesellschaften (die ab 150 Personen anfangen!) beherrschen zu können. Mit diesem Ansatz im Hinterkopf ist natürlich zu fragen, ob die Funktionsvorstellung der „unsichtbaren Hand“ insofern noch valide sein kann, als sie eine gültige Beschreibung der Prozesse ist, die sich in einer mehr oder weniger modernen Ökonomie abspielen. Aus systemtheoretischer Perspektive würde man sagen, daß der gepflegte Individualliberalismus des ‚mainstream‘ zwar eine verheißungsvolle Vision darstellt, jedoch die Zwänge der Informationsüberflutung – hinsichtlich der Erfüllung eines allgemeinen (Pareto-) Optimums – eine Kanalisation in überschaubare Bahnen erfordert.  Damit eröffnet sich ein Grundwiderspruch: die liberale Gesellschaftstheorie kann keine valide Funktionsvorstellung definieren, die es ermöglicht, daß die von ihr vertretenen Prinzipien zu einem wohlfahrtsökonomischen Optimum führen würden, weil sie – lächerlicherweise – an der kombinatorischen Hürde individueller Präferenzen scheitern muß. (Das Drama dabei ist wie in einem skurrilen Film, wo das große und wichtige Ziel wegen eines nebensächlichen, aber a priori ignorierten Umstandes nicht erreicht werden kann. Das hat die Qualität von: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“)

Natürlich ist die Reduktion von Vielfalt durch ein abstraktes Kommunikationsmedium wie Geld es ist eine ’second best‘-Lösung im Vergleich zu der individualistischen Lösung, sie auf der vollständigen Berücksichtigung aller individuellen Befindlichkeiten aufgebaut ist. Sie ist aber eine ‚first-best‘-Option vor dem Hintergrund, daß die Nirvana-‚first-best‘-Lösung schlichtweg zu aufwendig ist. Reduktion und Kanalisation von Informationen ist zwar mit Informationsverlust verbunden, eröffnet aber die Möglichkeit, das ein Funktionieren der nicht-informationsvollkommenen Ökonomie in den Bereich des Machbaren gerät! Die durch viele Wirrungen hervorgegangene Kreditgeldökonomie muß somit als ermergente Struktur des individualistischen Paradigmas angesehen werden, welche die Ansprüche der liberalistischen Theorie überhaupt erst in die Tat (Goethe) umsetzt.

Daß damit ein paar Veränderungen der Denkweise einhergehen, versteht sich von selbst. Daß die nicht immer übereinstimmen – selbstverständlich. Daß sie sich grundsätzlich widersprechen kann nur der behaupten, der sein eigenes Denken nicht mehr erweitern möchte!

Nutzen-Paradigma Kreditgeld-Paradigma
(Abstraktnutzen-Paradigma)

A

Funktions-
vorstellung
A. Smith: Tausch: Hirsch gegen Biber
Nutzensteigerung durch Gütertausch
A. Smith: Arbeitsteilung: Stecknadelbeispiel
Verteilung des Produktionsergebnisses
durch entäußerten Tausch d.h. Verkauf von Waren

B

Markttheorie „Steigendes“ Angebot
„Fallende“ Nachfrage

Mikroökonomie

„Steigendes“ Angebot
„Steigende“ Nachfrage
Keynes 45°-Diagramm
C,S ist Funktion von I
Makroökonomie

C

Theoriemodus Gleichgewichtstheorie Gleichgewichtstheorie

01

Dominanzfrage
Steuerinstanz
Haushalte
Gleichgewichtspreise
Unternehmen
Gleichgewichts-Investitionsvolumen

02

Marktsteuerung Auktionator
Unsichtbare Hand
Monetärer Markterfolg

03

Wohlfahrtsantrieb
Steuerung
Relative Preise
Nutzen
Kalkulation über Geld
Gewinn

04

Strukturbild
Menschenbild
Individualkonkurrenz
isolierter Akteure
Wettbewerb von Unternehmen

05

Systemteoretischer Charakter Prä-System
ohne Ausbildung einer Systemidentität
Geld als symbolisches Kommunikationssystem

06

Geldfunktion Tauschmittel Schuldentilgungsmittel
Relatives Maß der Produktion

07

Erhaltungssatz
Gleichgewichts-kriterium
Überschußnachfrage = 0
Flow-Identität
Quantitätstheorie
Stock-flow-Identität
Summe des Nettogeldvermögens = 0
Saldentechnik

08

Realitäts-
vorstellung/
-bezug
Tauschökonomie Kreditgeld-Kapitalismus
Kreditgeldorganisierte Ökonomie

09

Spartheorie S entspricht Nichtverbrauch von Ressourcen zur Produktion Sparen als Verzicht auf Geldausgabe ohne Kompensation

10

Zinsen Zinsanspruch
Ricardo:
Korntheorie des Zinses
Belohnung für Nichtkonsum
Risiko-/ Versicherungsprämie für Kreditausfälle ->
Neutralisierung von Fehlplanungen

11

Inflation Relative Güterpreise
weil Geld = Gut
(Realkasse)
Schuldentilgungsfähigkeit des Geldes ist stets 100%
Statistikproblem
Erfahrungs- vs. Erkenntnisproblem

12

I = S S -> I -> Y
Schluß von einer realen flow-Größe auf eine Bestandsänderungsgröße
I -> Y -> C bzw. S
Nicht-Konsum als Geldsparen ist ein Umsatzausfall

13

Statistischer Bezug Relative Gütertheorie
VGR – Latente Vermischung von Real- und Geldgrößen
Flow of Fund Analyse
Geldstromanalyse
(Morris Copeland)

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Grundsätze ökonomischer Paradigma

Was sollte eigentlich die Quintessenz der Debatte um die VWL sein?

Nachdem sich die Wirtschaftspresse mal wieder um die Defizite der VWL Gedanken gemacht hat ohne dabei in irgendeiner Weise auch nur zu zarten Schlussfolgerungen zu kommen, ist es an der Zeit sich über die eigentlichen Konsequenzen Gedanken zu machen. Dazu ist es ganz nützlich, sich die Grundzusammenhänge des ‚mainstream’-Paradigmas noch einmal kurz vor Augen zu führen.

Die Ingredienzien des ‚mainstream’ bestehen aus folgenden Zutaten:

  • die Nutzen-Rationalität von Handlungen der als souverän angesehenen Haushalte;
  • die Gewinn-Rationalität von Handlungen der als souverän angesehenen Unternehmen
  • die Effizienz-Rationalität der Interaktionsbeziehungen von Unternehmen und Haushalten in der Formulierung der Prinzipien der Marktwirtschaft

die sich alle als Varianten einer Tauschgesellschaft identifizieren lassen, in der die Individuen vorausgesetzterweise ein gemeinsames Interesse verfolgen, welches sich in der Abstraktion des Marktgleichgewichtes wiederfindet.

Das ‚mainstream’-Paradigma besteht somit aus der

  • der Nutzen-Maximierung
  • der Gewinn-Maximierung
  • dem Pareto-Kriterium des Marktgleichgewichts

was sich in einer Theorie des Güterpreisausgleichs wiederfindet, wofür immerhin ein Existenzbeweis existiert, welcher nach Arrow/Debreu etc. mit Hilfe singulärer Mathematiktheoreme beweisbar ist.

So weit, so gut!

Kurzexkurs:

Nach Lakatos sind die Optimalitätskriterien von Nutzen- und Gewinnmaximum, sowie das Effizienzkriterium des Marktgleichgewichts der „Schutzgürtel“, welche den sogenannten „harten Kern“ des Paradigmas gegen Kritik absichern. Dieser „harte Kern“ besteht aber aus der Funktionsvorstellung des Paradigmas, welcher in der Hoffnung besteht, daß sich die gesellschaftliche Wohlfahrt dadurch am besten steigern läßt, indem der marktausgleichende Preismechanismus auch tatsächlich zu einem gesamtgesellschaftlichen Optimum führt.

Kurzexkurs Ende

Für diese Konvergenzvermutung gibt es in nicht mal in der ‚mainstream’-Ökonomie einen Beweis, im Gegenteil: einer der wichtigsten Vertreter dieses Paradigmas – Frank Hahn – hat immer wieder darauf hingewiesen, daß aus der Existenz eines Gleichgewichts nicht folgt, daß dieses auch erreicht wird. Eine lange Geschichte…

Nun ist es aber nicht so, daß dieses Paradigma nicht einige wünschenswerte Eigenschaften hätte, die z.B. darin bestehen, daß es auf freiwilligen Interaktionen aufbaut, den liberalistischen Anspruch, welcher sich in der ‚pursuit of happiness’-Passage der US-Verfassung wiederfindet, abbildet, sowie die Vorstellung der Effizienz privatwirtschaftlicher Produktion unterstützt. Das kann man nicht ignorieren.

Im Grundsatz: was kann man einer einer Orthodoxie entgegensetzen? Die Kritik ihrer Annahmen, wie es weitläufig passiert? Weit gefehlt! Hinsichtlich einer Orthodoxie gibt es nur eine Möglichkeit: eine andere Orthodoxie, welche sich nicht mit den „Schutztheoremen“ der Orthodoxie auseinandersetzt, sondern einen anderen paradigmatisch validen Entwurf dagegensetzt. Dazu braucht man nur ein paar Zutaten, die sich interessanterweise sogar in der nationalökonomischen Blaupause von Adam Smith wiederfinden.

Die orthodoxen Zutaten

  • individuelles bzw. unternehmerisches Effizienzgleichgewicht
  • freiwilliges Interaktionsgleichgewicht
  • individuelle Entscheidungsfreiheit des Liberalismus

sind im Grunde genommen in der Parabel von Adam Smith enthalten, die durch das Tauschgleichgewicht von Hirsch und Biber illustiert wird. Über mehr ist die VWL bisher nicht hinausgekommen!

Was ist nun die Konsequenz daraus? Hoffnungslos ist das Ansinnen, aus einer Kritik der Annahmen eine Alternative zu stricken. Denn immer dann, wenn eine Annahmekritik erfolgt, wird der „harte Kern“ des kritisierten Paradigmas implizit bestätigt. Was macht man also? Man entwickelt eine andere Funktionsvorstellung! Eigentlich ganz einfach!

Und welche ist das? Auch diese findet sich bei Adam Smith – in seinem Stecknadelbeispiel. Denn entgegen seinem Tauschprinzip entwickelt er auch ein Kooperationsprinzip, welches zwar auf der einen Seite ein technologisches Argument darstellt, auf der anderen Seite jedoch eine andere Funktionsvorstellung von Ökonomie enthält, die nicht mehr auf einem direkten Tausch aufbaut, sondern das Prinzip einer abstrakte Entlohnung impliziert, die auch gleichzeitig beinhaltet, daß es zu einer Entäußerung vom Gemeinschaftsprodukt seitens des Individuums kommt. (Über diesen Detailaspekt sind ja die Marxisten hergefallen – ohne großen Erfolg!)

Die damit formulierte Heuristik ist jedoch als Interaktion über den Tauschwert von Waren insofern eigenständig, als nicht Güter, die einen individuellen Nutzenwert besitzen das Objekt ökonomischer Handlungen sind, sondern Waren, die aus der Perspektive der (nicht unmittelbaren) Produzenten keinen nutzentheoretischen Wert aufweisen, sondern nur noch einen abstrakten (monetären) Tauschwert besitzen – also in Geld gemessen werden! Bereits dieser Problemaufriß des ökonomischen „Para“-Themas bedeutet, daß das „normale“ Wertparadoxon in einer arbeitsteiligen Wirtschaft nicht als latentes Gültigkeitsprinzip vorgebracht werden kann. Denn die unmittelbare Verfügbarkeit über das Gemeinschaftserzeugnis ist nicht das, was das Individuum als Kompensation für seine kooperativen Bemühungen erwartet. Erwartet wird ein (marxistisch ausgedrückt) Wertäquivalent, welches einen Zugriff auf die gewünschten oder notwendigen Güter erlaubt.

Man muß es einfach noch mal betonen: eine Ware hat keinen individuellen Wert, sondern nur einen abstrakten Preis! Damit ist aber die Handlungsmaxime warenproduzierender Unternehmer nicht die Bedürfnisbefriedigung von Individuen, sondern der Ausgleich einer Einnahme-/ Ausgaberechnung, die sich nicht werttheoretisch definiert! Dem steht natürlich nicht entgegen, daß das Ziel der finanziellen Überlebensfähigkeit daran hängt, daß ein Unternehmer seine zahlungsfähige Zielgruppe zutreffend einschätzt – und einen Geldgewinn erzielt.

Da aber Einkommensbezieher normalerweise keine Nutzenerwägungen hinsichtlich der von ihnen selbst produzierten Güter anstellen, ist die korrekte Theorie des Kapitalismus eine Geldtheorie, die als Theorie sozialen Handelns die sozialen Kooperationsvorteile gemeinschaftlichen Handelns in den Vordergrund des Paradigmas stellt und nicht mehr eine Gleichgewichtsvorstellung pflegt, die auf einem Kalkül individuell restringierter Handlungen aka liberaler Individualentscheidungen beruht.

Damit stellt sich aber das Entlohnungsproblem, denn die Markttheorie postuliert, daß relative Mengen das Tauschverhältnis bestimmen. Deswegen sind Vertreter der Markttheorie auch immer davon überzeugt, daß sich Geld als (Real)-Wert darstellen lassen müßte. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn wie man seit über 100 Jahren wissen könnte, sind abstrakte Geldzahlungen davon geprägt, daß sie immer in Relation zu einem Produktionsergebnis interpretiert werden müssen. Das heißt in der einfachsten Formel, daß Kosten immer in Relation zu dem Stückergebnis der Produktion zu Geldpreisen führen. Jeder Buchhalter, der mal in mehreren Währungsbereichen gearbeitet hat weiß: Geld ist ein relatives Maß der Produktion! Das heißt aber auch, daß Geld einen Verteilungsmaßstab darstellt, welcher unabhängig von seinem absoluten „Wert“ eine handlungsleitende Rolle spielt. (Die in Bezug auf Geld landläufige Zumessung eines realen Werts ist darin begründet, daß auch die sagenumwobenen 99,99% Geld als Wertmaßstab für Güter interpretieren, eine klassische Verwechslung von Erfahrungs- und Erkenntnisobjekt!)

Im Grunde genommen macht die Organisation von Produktion durch Geld letzlich den Kapitalismus aus. Der läßt sich somit nicht mit Hilfe alberner Wertparadoxien erklären – sorry Leute, das ist so! Das Kuriose dabei ist, daß nicht werthaltiges Geld – eben als relatives Maß der Produktion – durchaus einen Wert erhält, nämlich dadurch, daß Unternehmer dem Schuldendruck, den sie durch die Aufnahme von Kredit zur Produktion insoweit Folge leisten müssen, daß sie zu Erzielung eines monetären Ertrages Waren (= kalkulierte Geldwerte) gegen eine Geldzahlung verkaufen – müssen! (Kennt jeder Unternehmer, warum ist das für Volkswirte so schwierig?) Damit ist auch schon ein wesentliches Phänomen der aktuellen Wirtschaftskonstellation geklärt: der Wertinhalt des Geldes besteht aus dem Schuldendruck, dem sich die Unternehmer ausgesetzt sehen. Das mag man als zynische Sichtweise bedauern – mehr als Bedauern wird daraus jedoch nicht!

Eine nüchterne Essenz dieser Sichtweise besteht darin, daß sich auf dem, was landläufig als Gütermarkt bezeichnet wird ein Vorgang abspielt, der sich mit dem Erfahrungsvorgang „Einkaufen“ nicht so einfach vereinbaren läßt. Denn der vermeintliche Tausch an der Kasse des Supermarktes, wo phänomenologisch Geld gegen Gut „getauscht“ wird, stellt sich aus einer monetären paradigmatischen Perspektive als Tausch von Geld gegen kalkulierten Geldwert dar – was auch begründet, daß für Produzenten Waren durchaus dann wertlos werden, wenn keine ausreichende Zahlungsbereitschaft dafür existiert und die betreffenden Güter nicht etwa nach nutzentheoretischen Überlegungen an die potentiell dadurch nutzenerzielenden Haushalte verteilt, sondern schlichtweg vernichtet werden.

Es gäbe noch viel zu diesem Thema zu sagen, doch dies ist hier ein Blog und kein Doktorandenseminar.

Damit das Ganze hier nicht im Regen stehenbleibt, füge ich mal die Graphik eines Simulationsmodells an, welches die genannten Kriterien für ein ökonomisches Paradigma erfüllt. Wer das für kompliziert hält: das ist das einfachste kreislauftheoretische Modell einer kapitalistischen Ökonomie – inclusive stock/flow Differenzierung und Erfüllung dynamischer Konsistenzkriterien!

 

Eine weitergehende Darstellung dieses ökonomischen Paradigmas findet sich bei dr-menendez.de – leider nur auf ‚english‘, aber inclusive des systemtheoretischen Hintergrundes – als Denkmuster, nicht als Theorieersatz! Na gut, auf Mailanfrage habe ich die erweiterte Version auch auf Deutsch!

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Können Zentralbanken das Preisniveau beeinflussen?

Die Interventionen der EZB auf den Bondmärkten scheuchen offenbar eine ganze Reihe von Kritikern auf, die mit Sündenfallargumenten für eine “Neuausrichtung der EZB-Politik” plädieren. Hauptzielrichtung dabei ist die Stützung der Bondkurse “angeschlagener” Staaten, was mit dem originären Auftrag der EZB nicht zu vereinbaren sei. Dieser bestehe vorrangig darin die “Bewahrung der Preisstabilität” als oberstes Ziel zu verfolgen, während sowohl eine Intervention auf den Geldmärkten (Banken, LTRO) sowie Interventionen auf den Bondmärkten nicht zu den Kernaufgaben der EZB zählten. Insoweit diese Aufgaben nicht in den einschlägigen Statuten stehen, haben diese Kritiker natürlich recht. Und auch damit, daß dort die Preisstabilität als oberstes Ziel definiert ist, auch wenn der Begriff Stabilität inzwischen mit einer Wachstumsrate des Preisniveaus von 2% verknüpft wird. Aber Kuriositäten beiseite!

Eine der am wenigsten hinterfragten Annahmen der Ökonomie betrifft die Frage, was die Zentralbanken eigentlich beeinflussen können. Daß diese Frage so gut wie nie gestellt wird, läßt sich darauf zurückführen, daß seit dem Aufkommen der Quantitätstheorie und deren Propagierung als “Gleichung, Identität, Tautologie” eine Diskussion darüber entbehrlich scheint. Danach kann eine Zentralbank jederzeit einen unerwünschten Anstieg des Preisniveaus dadurch verhindern, daß sie über Diskonterhöhungen sowie kontraktive Offenmarktpolitik eine Kreditkontraktion bei den Geschäftsbanken herbeiführt, was sich für deren Kunden als Kündigung von Kreditlinien und Erhöhung von Sicherheiten bemerkbar macht. Als Konsequenz führt das zu einer Kontraktion des Wirtschaftslebens mit damit einhergehender Arbeitslosigkeit, die wiederum einen Lohnauftrieb ins Gegenteil zu verkehren in der Lage ist, womit Preisauftriebstendenzen durchaus gestoppt werden können. Die mit einer derartigen Politik zu erzielenden Ergebnisse lassen sich auf eine einfache Formel bringen: Operation geglückt, Patient tot!

Eine Zentralbank mit einem ausschließlichen Mandat zur Wahrung der Preisstabilität kann natürlich so vorgehen, ob das wünschbar ist, sollte man natürlich diskutieren. Was aber dabei nicht aus dem Auge verloren gehen darf ist der Umstand, daß letztlich jegliche noch so abstrakte Finanzmarktoperation darauf zielt eine Lohnentwicklung einzudämmen, die im Grunde genommen die wesentlichste Ursache für eine Binneninflation ist – Außeninflationen können sowieso nicht mit binnenwirtschaftlichen Mechanismen abgefangen werden. Dieser Aspekt wird derzeit unter der Überschrift “Divergenz der Lohnstückkosten” diskutiert. Das wirft die Frage auf, ob die Zentralbanken – außer durch indirekte Maßnahmen – überhaupt auf die allgemeine Lohnentwicklung Einfluß nehmen können/ wollen, oder ob ihr Auftrag nicht doch im Grunde genommen völlig anders gestrickt ist.

Kann denn nun im Gegensatz zum kontraktiven Desaster die EZB überhaupt etwas tun, um expansiv zu wirken? Zwei Dinge kommen in Frage:
a) den angeschlossenen Geschäftsbanken
und/ oder
b) dem Staat Kredite erteilen.
(Ja, es gibt noch die Zinspolitik, aber die ist so offensichtlich unwirksam, daß sich eine Behandlung erübrigt.)

Fall a) Die EZB erteilt Kredite an die Geschäftsbanken und das in einem außergewöhnlichen Ausmaß. Irgendwie scheint in der EZB das Vertrauen in die Geschäftspolitik der Banken derart hoch zu sein, daß sie es für verantwortbar hielt, eine Vollzuteilung auf 3 Jahre vorzunehmen. Eine derartige Politik sieht aber gerade nicht danach aus, als würde sie auf eine Begrenzung des von den Banken ausgereichten Kreditvolumens zielen. Infolgedessen wird von einer derartigen Politik auch keine dämpfende Wirkung auf eventuell sich abzeichnende Lohnentwicklungen zu erwarten sein. Es liegt also keine restiktive Politik vor, im Gegenteil kann man den Eindruck bekommen, daß diese Politik auf eine Kreditexpansion der Banken zielt. Die Idee ist schon richtig, allein, in Zeiten einer Bilanzrezession ist davon nicht viel zu erwarten.

Fall b) Die EZB erteilt Kredite an diejenigen Staaten, bei denen gewissermaßen ein Käuferstreik zu verzeichnen ist. Nun ist ja aus saldentechnischen Gründen ein sektorales Geldvermögen der privaten Haushalte nur dann zu erreichen, wenn entweder der Unternehmenssektor oder der Staat eine Nettoverschuldung zuläßt bzw. hinnimmt. Da nicht nur in Deutschland die Lust der privaten Haushalte auf Unternehmensinvestitionen mit variablem Ertrag äußerst mäßig ist, spielen die Festverzinslichen und insbesondere die Staatsverschuldung bei der Bildung von privatem Nettogeldvermögen traditionell eine besondere Rolle. Nun ist aber derzeit der Unternehmenssektor recht zögerlich, was die Bildung von negativem Nettogeldvermögen (alias Investitionen) angeht, so daß lediglich der Staat als Anbieter festverzinslicher Wertpapiere in Frage kommt.

Da in EURO-Land die Investoren aber einen Schreck vor der 60%-Schuldenstandsgrenze bekommen haben ist es schnell einsichtig, daß es beim leisesten Kriseln zu einem Käuferstreik kommen muß, weil sofort die Sicherheit des staatlichen Schuldendienstes in Frage steht. Da aber staatliche Bonds genau dann anfangen unbedienbar zu werden, wenn die prospektiven Käufer sich vor ihrer eigenen Courage fürchten, bleibt letztlich nur noch die Alternative, fällige Staatsschulden durch die EZB aufkaufen zu lassen. Einen Grund dafür, daß eine derartige Politik zu einer Begrenzung eines potentiellen Lohnwachstums führen könnte, kann man sich noch nicht mal als Staatsschulden-Softliner einfallen lassen. Da aber in diesem Fall die Staatsverschuldung lediglich das Anlagevolumen der Privaten substitutiert kann auch davon kein wirklicher Effekt hinsichtlich der gewünschten expansiven Wirkungen erwartet werden.

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Es sieht irgendwie so aus, als würde die viel beschworene „Glaubwürdigkeit der Zentralbanken“ deswegen erforderlich sein, weil Zentralbanken eben das, wofür sie angeblich stehen sollen, überhaupt nicht leisten können. Denn wenn die Preisniveauentwicklung sich nach den Lohnstückkosten richtet (diese Tatsache wird von Markttheoretikern höchstens mit spitzen Fingern angefaßt) entfällt praktisch für die Zentralbank die Macht zur Inflationssteuerung. Damit fällt aber auch das geldtheoretische Glaubensbekenntnis, welches die Quantitätstheoretiker seit über 200 Jahren in die Welt posaunen, daß nämlich die Steuerung einer mysteriösen Geldquantität eine Veränderung der absoluten Preise einer Ökonomie nach sich ziehen würde, komplett in sich zusammen.

Denn letztlich ist es doch so: die Frage der Verteilung bzw. Verwendung der zur Verfügung gestellten Zentralbankgeldmenge kann eine Zentralbank garnicht kontrollieren. Sie müßte sich zu diesem Zweck eigentlich die Finanzbeziehungen der Banken untereinander auf dem Interbankenmarkt zunutzemachen. Denn dort unterliegt die Qualität der Geschäftsbeziehungen untereinander einer laufenden Bonitätskontrolle dergestalt, daß bei Abweichungen sofort die Interbankenzinssätze sich ändern: overnight-Zinsen sinken bei steigender Bonität und steigen bei sinkender Bonität. Das wäre DER Anhaltspunkt, um zu einer Nivellierung des Bonitätsniveaus in EURO-Land zu kommen. Wer dem nicht entspricht muß halt höhere Zinsen zahlen und wird irgendwann von einer Marktrefinanzierung abgeschnitten. Das sind gesunde Mechanismen!

Und genau diesen Mechanismus hebelt die EZB mit ihren 3-Jahres LTRO´s in aller Ruhe und dann noch mit der Überzeugung, daß das die richtige Strategie sei, einfach aus. Anders: sie amputiert sich selbst und vergißt, daß sie eigentlich dazu da ist den Flohzirkus der nationalen Zentralbanken mit ihren unterschiedlichen Philosophien über die Nachhaltigkeit von Zentralbankpolitik unter ein Dach zu bekommen! SO wird das mit dem EURO nichts!

 

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Unser ökonomischer Mainstream: Aufzucht und Hege

Was die Grundfragen der Volkswirtschaftslehre angeht, kann man sich zunächst klarmachen, daß historisch gesehen ein ethisches Problem der Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit Fragen der sozialen Organisation bildete. Dabei handelt es sich im wesentlichen um die Frage, ob gemessen an den Organisationsmechanismen geschlossener Wirtschaftsformen, etwa der Stammes-, Dorf- oder feudalistischen Gesellschaften, eine Theorie der Ökonomie formuliert werden kann, die den seinerzeit aufgekommenen liberalistischen Gesellschaftstheorien und -philosophien ein angemessenes Fundament liefern könnte. Pointiert ausgedrückt lautete das zu lösende Problem, ob eine liberale Gesellschaft, in der jedes Individuum nach seinem Gutdünken handeln würde, das Postulat der christlichen Sozialethik Verantwortung auch für den Nächsten zu tragen, erfüllen könnte.

Eine erste Antwort auf dieses Problem wurde von Adam Smith, der daher als der Vater der Nationalökonomie angesehen wird, gegeben, indem er versuchte nachzuweisen, daß durch eine marktvermittelte Interaktion selbständiger Individuen eine Verbesserung der Lage der Gesellschaft insgesamt eintreten würde. Sein Argument beruhte im wesentlichen darauf, daß durch die Institution des Tauschs eine Wohlfahrtsverbesserung deswegen zustandekomme, weil Tauschpartner nur dann in einen Handel einwilligen, wenn sie beide einen Vorteil daraus ziehen würden. So gesehen verfolgt zwar jedes Individuum seinen eigenen Vorteil, ohne jedoch dabei den Vorteil des Handelspartners selbstherrlich ignorieren zu können; insofern würde die Verfolgung des Eigeninteresses sogar zu einer Wohlfahrtsteigerung der Gesellschaft führen.

Die (heute nicht mehr so) moderne Volkswirtschaftstheorie (neoklassischer Provenienz) setzt sich selbst zum Ziel, die genannten Aspekte in einem einzigen Modellentwurf zu integrieren, so daß sich für sie die Aufgabenstellung wie folgt darstellt:

  • – Sie muß eine Handlungs- bzw. Entscheidungstheorie liefern, in der separierte Akteure ihr individuelles Optimierungskalkül verfolgen.
  • – Sie muß eine Koordinationstheorie liefern, die das Ergebnis induziert, daß die Pläne und Aktionen der einzelnen Entscheidungseinheiten miteinander kompatibel sind.
  • – Sie muß den Nachweis liefern, daß die so entstandene ökonomische Situation gewissen Optimalitätsanforderungen genügt.

Die allgemeine Gleichgewichtstheorie bzw. die neoklassische mikroökonomische Totalanalyse, die sich der Behandlung dieser Problemkreise widmet, läßt sich gemäß ihrer Erklärungsziele in drei Bereiche aufgliedern:

  • -Haushaltstheorie
  • -Unternehmenstheorie
  • -Markttheorie

Eine zentrale Voraussetzung dieser Theorie ist die Annahme der vollkommenen Konkurrenz, was in diesem Zusammenhang bedeutet, daß alle existierenden Entscheidungseinheiten die Preise aller Güter als ein vorgegebenes Datum hinzunehmen gezwungen sind.

Daraus folgt: Da die Haushalte in ihrer Gesamtheit über alle Ressourcen der Gesellschaft verfügen, läßt sich bei gegebenen Preisen und gegebenen Präferenzstrukturen ein eindeutiges Faktorangebot sowie eine korrespondierende Güternachfrage ableiten. Diese Ableitung der Güternachfrage und des Faktorangebots der Haushalte ist die Aufgabe der HAUSHALTSTHEORIE. Das methodische Kriterium für das Kalkül der Haushalte ist das Prinzip der Nutzenmaximierung.

Daraus folgt: Bei gegebenen Preisen und gegebener Technologiemenge können in jedem Unternehmen optimale Produktionspläne erstellt werden, woraus sich ein bestimmtes Güterangebot und eine korrespondierende Faktornachfrage ergibt. Die Ableitung der Faktornachfrage und des Güterangebots ist die Aufgabe der UNTERNEHMUNGSTHEORIE. Das methodische Kriterium für das Kalkül der Unternehmen ist das Prinzip der Gewinnmaximierung.

Die zentrale Koordinationsinstanz im Kontext der MARKTTHEORIE ist der Preismechanismus, der die Aufgabe hat Güter- bzw. Faktorangebot bzw. -nachfrage in Übereinstimmung zu bringen. Paßt sich der Preis auf dem Markt gemäß der Überschußnachfrageregel an, so läßt sich unter geeigneten Bedingungen zeigen, daß ein Preissystem existiert, welches gewährleistet, daß die Überschußnachfragen für alle Gütermärkte gleich Null sind. Dieses Gleichgewicht ist gleichzeitig Paretooptimal, d. h. es sind unter den spezifizierten Bedingungen keine weiteren Tauschgewinne mehr möglich. Mit diesem Nachweis, daß eine individualistische Gesellschaft über marktorganisierte Koordinationsmechanismen zu einem effizienten Zustand gelangen kann, in dem die Ressourcen der Gesellschaft optimal genutzt werden, konnte der liberalen Gesellschaftsphilosophie die moralische Legitimationsgrundlage geliefert werden.

Pikanterweise ist die schwächste Stelle der hier skizzierten Orthodoxie das Preissetzungsproblem: wenn alle Akteure die Preise als Datum hinnehmen müssen, bleibt niemand mehr übrig, der die Preise setzen kann. Aus diesem Dilemma ist es zu erklären, daß in der Preisbildungstheorie die Fiktion des Auktionators ins Leben gerufen werden muß, der in seiner Funktion als allwissender Koordinator als Rationalisierung der „Marktkräfte“ agiert, um den Ausgleich von Angebot und Nachfrage zustande zu bringen. Außerhalb der statischen, d. h. im Kontext der dynamischen Preistheorie lassen sich dagegen bestimmte Bedingungskonstellationen in Bezug auf die Preisanpassung finden, die die Stabilität des gesamten Systems auch in einem dynamischen Kontext sicherstellen – sicher bzw. stabil ist ein Gleichgewicht jedoch nicht unbedingt.

Diese Existenz- und Optimalitätstheoreme der allgemeinen Gleichgewichtstheorie begründen für die Mehrheit der Ökonomen das unerschütterliche Vertrauen in den Marktmechanismus, und bilden so die intellektuelle Basis für das Postulat, den Marktkräften soweit wie irgend möglich Raum zu verschaffen, eine in wirtschaftspolitischen Diskussionen immer wiederkehrende Forderung. Insbesondere in Bezug auf eine Preisflexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt birgt diese Position erheblichen sozialen Zündstoff. Die Frage der systematischen Wirkungen von Lohnreduktionen auf die konjunkturelle Lage und den Wirkungen auf das Beschäftigungsniveau ist auch heute noch umstritten.

Der Umstand, daß es in diesem Modell keine Geldpreise gibt, sondern nur relative Preise (1 Biber = 2 Hirsche), die im Grunde nur die reale Tauschrelation zueinander bestimmen bringt natürlich die Geldtheorie sofort auf die schiefe Bahn, da eine Tauschwirtschaft kein Kreditgeld, sondern ein Tauschmittel braucht. Daraus erklärt sich auch, daß die Geldtheorie aka Quantitätstheorie im Grunde nur die – nicht modellimmanente – Tauschmittelfunktion versucht zu rationalisieren. Von dieser Krankheit, eine Begründung für Geld innerhalb eines Modells zu finden, welches überhaupt kein Geld benötigt, hat sich die ökonomische Theorie bis heute nicht erholt!

Selbstverständlich bleiben in einem derart offen formulierten Modell noch viele diskussionswürdige Fragen unerörtert. Gleichwohl bietet es für die angerissenen Probleme eine im Mainstream als befriedigend empfundene Lösung, die sich als ausreichend überzeugend erwiesen hat, um das Denken der meisten Ökonomen entscheidend zu prägen. Das hat als Konsequenz, daß selbst wenn sich das Modell der allgemeinen Gleichgewichtstheorie als defizitär in vieler Hinsicht herausstellen sollte, es dennoch wichtig ist sich diesem Modell zu widmen, da es in jedem Fall den Schlüssel zu der Erkenntnis enthält, warum Ökonomen so denken wie sie denken. So interpretiert ist nicht der Realitätsgehalt dieses Modells das Entscheidende, sondern die sozialen, ökonomischen und wissenschaftlichen Konsequenzen die auf ihm beruhen. D.h. nicht „Realitätsnähe“, sondern die Wirkungen auf gesellschaftliche Verhältnisse sind das Kriterium dafür, die Bedeutung dieses Ansatzes zu bewerten.

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Graeber: schon wieder eine Sackgasse

Es ist doch wirklich zum wimmern, da schafft es jemand schon mal in die Schlagzeilen zu kommen und dabei noch den Kapitalismus zu kritisieren, schreibt ein Buch über hunderte Seiten, welches ebenso zu einem Erfolg wird, und dann? Versagt er bei der ersten Gelegenheit erklären zu können, was die akuten Probleme des Kapitalismus seien und wie man sie beheben könne. Das Problem des Kapitalismus sei was? Ein Moralisches!
Aha, so hatten wir uns immer eine sachkundige Kritik vorgestellt!

Nein Geselle Graeber, die Konstruktion des Kapitalismus hat nichts mit Moral zu tun, sondern damit, daß es für Menschen eben vorteilhafter ist zu kooperieren, denn als Einzelkämpfer durch die Welt zu streifen. Und die Erkenntnis ist viel jünger und bereits bei Adam Smith zu finden, der mit seinem Stecknadelbeispiel viel mehr an Inhalt zu bieten hat, als Sie mit Streifzügen über 5000 Jahre. Es ist zwar richtig, daß der Mainstream der ökonomischen Theorie von Adam Smith nur die Geschichte mit dem Tauschverhältnis von Hirsch und Biber aufgegriffen hat, was uns über 200 Jahre danach immer noch mit einer Tauschtheorie des Wirtschaftens dastehen läßt. Hätten Sie aber das Arbeitsteilungskonzept der Stecknadeln mit dem Schuldenkonzept in Verbindung gebracht, wäre uns eine weitere peinliche Kritik des Mainstream erspart geblieben. Aber nein, Sie mußten ja Schulden mit Moral verknüpfen, dabei ist es erforderlich und notwendig, Schulden als soziale Interaktion zu sehen, d.h. als ein Teil der Wirtschaft, welcher Kooperationsbeziehungen möglich macht, die über die gemeinsame Erbeutung eines Mammut hinausgehen.

Was heißt das?

Von Adam Smith kann man entweder die Tauschidee aufgreifen und kommt so zu einer Tauschtheorie des Wirtschaftens, bei der das Geldwesen ein Appendix der Lösung der Tauschtheorie bleibt. Das heißt, erst wird die Lösung der allgemeinen Gleichgewichtstheorie – die Menge der relativen Preise – bestimmt und dann die Geldmenge ins Spiel gebracht, die je nach Benutzungshäufigkeit dann die absoluten Preise (Tauschgeldpreise) erzeugt. Es klingt lächerlich, aber genau das ist die Grundlage der heutigen Volkswirtschaftstheorie, die sich immer stärker der Herausforderung gegenübersieht auf Probleme des Geldsystems Antworten geben zu müssen, für die sie aufgrund der Konstruktion ihrer Theorie überhaupt keine haben kann! Was bleibt ist Versuch und Irrtum – so hatten wir uns das schon immer vorgestellt mit der Wissenschaft.

Oder man greift die Kooperationsidee von Adam Smith auf, die sich in dem Stecknadelbeispiel wiederfindet und analysiert daraufhin die Funktionsbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit sich dieses Ordnungsprinzip zu einem allgemeinen ökonomischen Verfahrensstandard entwickelt, der dann in den Kreditgeldkapitalismus heutiger Prägung mündet. Auf diese Weise landet man bei einer Theorie sozialer Ordnung, in der die Fundamentalbedingung der Geldwirtschaft – der Kredit – nicht als Ausbeutungsinstrument, sondern als Entwicklungpotentialität, die über die Fähigkeiten des Einzelnen hinausgeht, begriffen werden kann.

Letzteres heißt aber auch, daß ein Kreditgeldsystem den Einzelnen auch in eine Gemeinschaft bindet, die sich aufgrund der höheren Strukturierungskraft zu Entwicklungsstufen fähig ist, die durch den Einzelnen nicht mehr steuerbar ist. Man kommt damit in Theoriebereiche, die das Kreditgeldsystem nicht als ein Tauschsystem begreift, sondern als ein soziales Kooperationssystem. Wie ich es mal geschrieben hatte: „(Kreditgeld)-Kapitalismus ist eine geldwirtschaftlich organisierte Form von sozialer Arbeitsteilung.“

DAS ist moderne Sozialtheorie!

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Privater Ertragsverlust ja – Staatshaftung nein

Nach der wahrheitswidrigen Legende von der fehlenden politischen Union ist der Fokus der Betrachtung der angeblichen Fehler der Konstruktion der EURO-Zone inzwischen auf eine Teufelskreislegende übergegangen. Diese besagt, daß Staatshaushalte stets für die Refinanzierung ihrer systemrelevanten Banken einstehen und andererseits diese Banken einen großen Bestand an Staatsanleihen „ihres“ Staates halten (müssen). Mal abgesehen davon, daß „systemrelevante“ Banken inzwischen kaum noch irgendeinem Staat direkt zuzurechnen sind ist die darin eingebettete Behauptung fragwürdig, welche besagt, daß Staatshaushalte tatsächlich zu einer Haftungsübernahme „ihrer“ Banken verpflichtet sind. Es sieht eher so aus, als wenn es letztlich nur darum geht, daß Staaten „ihren“ Banken mehr Haftungskapital zur Verfügung stellen sollen, als sie selbst am Markt zu vertretbaren Preisen erhalten würden. Essentiell geht es also darum eine Politik zu propagieren, die im Gegensatz zu den vielbeschworenen Segnungen der Marktwirtschaft, gerade darauf abzielt, die relevanten Marktpreise zu verzerren, was unter seriösen Ökonomen schlicht und ergreifend als Fehlallokation von Kapital diagnostiziert würde, die zu subsequenten gesellschaftlichen Wohlfahrtsverlusten führt. Man sieht bereits auf den ersten Blick, daß es nicht darum geht die Effizienz der Marktwirtschaft zu verteidigen, sondern darum, die Banken vor den Bedingungen, welche die Finanzmärkte (Märkte!) setzen, zu schützen! Man kommt nicht umhin an den Zauberlehrling von Goethe zu denken, dessen präpotentes Verhalten eine Katastrophe verursachen würde, wenn nicht der Meister rechtzeitig den Lehrling vor den Konsequenzen seines eigenmächtigen und selbstüberschätzenden Verhaltens bewahren würde.

Ordnungspolitisch gesehen gibt es keine Rechtfertigung dafür, daß die Bundesregierung (mit anderen Regierungen) dafür geradesteht, daß private Vermögen vor einem Verlust zu schützen sind. Einzig kann vorgebracht werden, daß in der Vergangenheit die Richtlinien für die Verwaltung von „schützenswerten“ Anlagen (Pension, Mündel etc.) Staatspapiere zur bevorzugten Anlageform gemacht haben. Insofern wäre der Vorwurf seitens der Banken, daß daraus durchaus eine Mitverantwortung der Regierungen resultiert, durchaus nachvollziehbar und damit die gegenwärtige aktuelle Schieflage bei den Banken auch als Fehleinschätzung über die absolute Sicherheit von Staatsanleihen zu begreifen.

Die Strategie mancher Ökonomen, die herrschenden Verhältnisse dadurch zu „retten“, daß die von den Finanzinstituten nicht adressierten Risiken nunmehr für diese konsequenzlos auf den Staat übertragen werden bedeutet, daß ordnungspolitisch ein Verstoß gegen die Prinzipien marktwirtschaftlicher Üblichkeiten vorliegt, welcher auch nicht dadurch gerechtfertigt werden kann, indem das Argument der Systemrelevanz über Gebühr strapaziert wird. Denn systemrelevant sind im Kapitalismus nicht die Akteure, sondern der Ausgleich von Interessen, welche sich über Märkte artikulieren. Wie man weiß, sind Preisverzerrungen aufgrund staatlicher Intervention stets eine Quelle möglicher Fehlallokationen.

Die in diesem Zusammenhang relevante Preisverzerrung ist die steuerliche Benachteiligung des Eigenkapitals gegenüber dem Fremdkapital, welche zu den eingetretenen Überschuldungsentwicklungen maßgeblich beigetragen hat, obwohl die damit einhergehende Fehlallokation von Geldvermögen, bisher in keiner Weise als Ursache für die gegenwärtigen Probleme identifiziert worden wäre. Aber ungeachtet des Fehlens einer angemessenen Ursachenanalyse wird das Verschuldungspotential des Staates durch eine universelle Rettungsphilosophie über Gebühr beansprucht, mit der Folge, daß das eigentlich dem privaten Sektor anheimfallende Problem der Absicherung von Forderungen nun auf die staatliche Ebene verschoben wird.

Die Übernahme von Verbindlichkeiten, die aus Fehlspekulationen von Finanzinstituten resultieren, kann aber nicht Sinn und Zweck der Staatsverschuldung sein. Daher erscheint es legitim, die dem Staat von dem Bankensektor aufgebürdeten Lasten dadurch zu neutralisieren, daß die übernommenen Verbindlichkeiten und Garantien des Staates durch eine Liquidisierung von Forderungen der Privaten kompensiert werden. Dabei ist nicht entscheidend, daß der Wegfall der Verzinsung der liquidisierten Staatspapiere die Geschäftsstrategie der betroffenen Finanzinstitute tangiert. Es ginge also im wesentlichen darum, den Staat im Ausmaß der für den privaten Finanzsektor übernommenen Verpflichtungen zu entlasten, indem entgegen der ordnungspolitisch eigentlich korrekten Verfahrensweise der Nichtfinanzierung des Staatshaushaltes durch die Notenbank eine Finanzierung insofern in Frage kommt, als es in diesem Fall nicht das Verschulden des Staates war, das zu den Überschuldungserscheinungen in vielen Staaten der EURO-Zone geführt hat.

Das Alternativkonzept – Schuldenprobleme mit neuen Schulden zu „bekämpfen“ – bedeutet essenziell, daß es hauptsächlich darum geht, sowohl die Vermögensbestandssicherheit der Staatsanleihen sowie den Zinsertrag für die Gläubiger zu erhalten, nicht aber darum ein Schuldenproblem zu lösen. Es wird zwar insofern gelöst, als ein weiterer Bürge in eine bestehende Kreditkette eintritt, so daß der Hauptzweck darin besteht, die Verzinsung der fraglichen Wertpapiere zu erhalten sowie die Forderung in ihrem Bestand abzusichern. So gesehen ist die Opposition gegen eine Finanzierung der Staatsschuld durch die Notenbank nicht eine Opposition, die von der Sorge über eine mögliche Geldentwertung getragen ist, sondern davon, daß die Staatsschuld nicht mehr eine garantierte und risikolose Verzinsung bietet. Denn dann müssen Ersparnisse eher in risikobehafteten Aktiva angelegt werden.

Aus diesen Gründen ist es daher geboten, den immer weniger tragbaren Lasten, welche aus der Bankenrettung den Staaten aufgebürdet werden dadurch zu begegnen, daß die Staaten in dem Ausmaß ihres „Rettungs“engagements in irgendeiner Weise durch die EZB bzw. durch die jeweiligen nationalen Zentralbanken entlastet werden. Das kann z.B. dadurch erfolgen, daß der EFSF bzw. ESM eine zweckgebundene Ermächtigung erhält im Ausmaß der staatlichen Schuldübernahme eine direkte Finanzierung der Staatsschuld vorzunehmen; wahlweise könnte man auch einen Sondervermögen “Bankenrettung” per EZB-Kredit (als symbolisch verzinste consols) auflegen; in jedem Fall hätten die Staaten den Vorteil, über einige Jahre auf eine Beanspruchung des Kapitalmarktes verzichten zu können, so daß zumindest für einige Zeit das staatliche Schuldenproblem nachhaltig entspannt würde.

Die Mehrzahl aller Ökonomen werden sich dennoch gegen die Alternative stellen, diesen ordnungspolitisch widrigen Teil der Staatsschulden zu liquidisieren. Das begründet sich aus dem alten Fehlglauben, daß die Quantitätstheorie eine Verbindung zwischen Geld und Realgüter herstellt und damit unmittelbare Inflationsgefahren erzeugt werden. Daß das nur eine Scheinwahrheit ist, müßte sich angesichts der Aufblähung der internationalen Finanzmärkte, ohne daß dadurch inflationäre Tendenzen identifizierbar wären, inzwischen herumgesprochen haben. Und überhaupt: in dem vorliegenden Fall werden in letzter Konsequenz lediglich hochliquide Aktiva, die sowieso jederzeit zur Refinanzierung bei der jeweiligen nationalen Zentralbank eingereicht werden könnten, zu Liquidität gemacht, ohne daß es zu einem automatischen Rücktausch in ein zinstragendes Wertpapier, wie es im Rahmen der Revolvierung von Staatsschulden üblich ist, kommt. Die verlorengegangene Rendite muß halt von den Geldanlegern verschmerzt werden. Einen Ertrag nicht mehr zu bekommen ist etwas anderes, als das eingesetzte Geld zu verlieren!

Die Alternative zu einer Schuldenreduzierung ist die weitere Aufschuldung über das als nachhaltig tragfähig angesehene Maß hinaus, welches mittelfristig (auch für Deutschland!) zu der Gefahr führt, daß Staatsschuldverschreibungen zu einem unsicheren Engagement werden, welches hoch verzinst werden muß, was wiederum die Möglichkeit nach sich zieht, die entsprechenden Forderungen abschreiben zu müssen. Statt also langfristig das Risiko eines Staatsbankrotts mit nachfolgendem Schuldenschnitt einzugehen erscheint es erfolgversprechender, den bestehenden Verschuldungsüberhang der Staaten über die/den EZB/ EFSF/ ESM zu liquidisieren.

Das Liquidisieren von Staatsschulden erfordert keine Bewertungsanpassungen seitens der Gläubiger sondern betrifft nur die Zusammensetzung von deren Vermögen, sowie dessen Rendite. Dabei wird der Druck der Vermögensverwalter eben dieses Vermögen zinsbringend anzulegen dazu führen, daß – wie bei jedem ordentlichen QE – die Kurse der zinstragenden Wertpapiere allgemein steigen. Ob das Investitionsvolumen dann auf den Finanzmärkten verbleibt, oder tatsächlich für Investitionen in z.B. die Energieinfrastruktur geht, ist davon abhängig, welche Richtungsentscheidungen die Politik für die Zukunft fällt. Die Chancen sind da, sie müssen nur ergriffen werden!

Fazit: eine einmalige Befreiung der Staaten von den Lasten der Bankenrettung beinhaltet die Möglichkeit mehrere ordnungspolitische Grundsätze wieder einzuhalten, indem

a) die Einhaltung der Maastricht-Kriterien wieder in ein erreichbare Nähe rückt,
b) die Liquiditätslage der Banken sich weiter entspannt und eine Reduzierung der LTRO-Kredite realistisch wird,
c) die Staatsintervention in den Bankensektor zurückgefahren wird,
d) die Staaten dadurch die nötige Zeit bekommen, das Verhältnis von Staat und Finanzbranche auf eine tragfähige Grundlage zu stellen, ohne dem Druck eines permanenten Krisenmodus ausgesetzt zu sein
und
e) die Staatsverschuldung nicht zur Daseinsvorsorge von Finanzinstituten mißbraucht wird.

Daß man daneben noch eine EURO-Bankenaufsicht mit weitgreifenden Eingriffsrechten errichten kann, versteht sich von selbst. Diese kann dann ihre Arbeit in einem Umfeld aufnehmen, wo tatsächlich Aufsicht als Prävention möglich ist – und nicht als Reparaturbetrieb für unlösbare Aufgaben!

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Bonität: die leitende gesellschaftliche Differenzierungsnorm

Gold war eigentlich immer nur der Standard für Verpflichtungsrelationen. Der Irrtum der Zahlungsmitteltheoretiker besteht darin nicht zu sehen, daß es dabei eine spezifische Funktionalität gibt. Gold war stets nur der Begrenzungsrahmen für Kredit, aber nicht das eigentliche Zahlungsobjekt. Anders gesagt: der ‘standard of account’ war immer nur dann Zahlungsobjekt, wenn in die Kreditbeziehungen das Mißtrauen eingekehrt war.

Auch die Zigarettenwährung war nur im Sinne des ‘standard of account’ gültig. Das schließt nicht aus, daß manchmal auch damit gezahlt wurde. Der kolportierte Glaube daran, daß Zigaretten tatsächlich stets “die Hände gewechselt” haben, ist dem 200jährigen Irrtum der Quantitätstheorie anzulasten. Denn die nimmt ja nur die Phänomenologie für den eigentlichen Mechanismus, der in der Etablierung von Verpflichtungsrelationen besteht.

So gesehen müßte der Liquiditätsausgleich in der EURO-Zone im Inter-NZBen-Markt in einem Standard erfolgen, der von den NZBen nicht geschaffen werden kann. Das scheint mir das Prinzip bei dem Liquiditätsausgleich der US-Zentralbanken zu sein. Nur: so gesehen ist eine Zahlung im ‘standard of account’ eigentlich eine ‘contradictio in adjecto’. Deswegen ist auch Bargeld als Zahlungsmittel ein Anachronismus. In einer Goldwährung muß i.d.R. genausowenig mit Gold gezahlt werden, wie in einem Zentralbankgeld. Deswegen heißt es ja auch Zentralbankgeld und ist im Grunde genommen nur für den Liquiditätsausgleich zwischen Geschäftsbanken vorgesehen, womit das Liquiditätsproblem als Bonitätsproblem konstituiert wird. Denn Zahlungen erfolgen im Kreditgeldkapitalismus stets mit Hilfe von Forderungen auf den ‘standard of account’. Das liegt daran, daß Kreditwürdigkeit, also Bonität, die leitende gesellschaftliche Differenzierungsnorm ist.

Das kann man allerdings nicht verstehen, wenn man die Quantitätstheorie als Erklärungsmuster im Hinterkopf hat. Denn die versucht ja das, was aus Verpflichtungsrelationen entsteht daran zu binden, was REAL passiert. Das kann natürlich Rückwirkungen haben, ist jedoch deswegen nicht entscheidend, weil der Kreditgeldkapitalismus als funktionelle Leitlinie die Bedienung (und nicht wie fälschlicherweise immer wieder kolportiert wird die Rückzahlung) von Forderungen aufweist.

Der landläufige Irrtum dabei besteht darin zu glauben, daß es realwirtschaftliche Prozesse sind, welche die Bonität garantieren. Das Beispiel der USA sollte jedem zeigen, daß es überhaupt nicht darum geht, wie eine Geldforderung bedient wird, sondern nur, daß sie bedient wird. Auf gut Deutsch: keine Sau der Welt interessiert sich dafür, ob die USA das Geld, was sie für die Bedienung ihrer Schulden zahlen auch realwirtschaftlich verdienen! Es reicht, wenn sie zahlen. Und wenn gezahlt wird, geben die Gläubiger das Geld auch brav wieder als nächsten ‚roll-over‘-Kredit zurück.

Die Nummer ließe sich in EURO-Land genauso durchziehen. Wenn Finanzinstitute bezahlt werden wollen, dann sollte man einfachheitshalber zahlen. Wo ist das Problem? Bei einem Schuldner der zahlen kann, will kein Gläubiger sein Geld zurück! Sonst müßte er sich ja einen neuen Schuldner suchen, der die erforderliche Bonität aufweist. Nur darum gehts. Wen interessieren da schon Produktivitäten oder Leistungsbilanzsalden?

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