Schlagwort-Archive: Zentralbankgeld

42 – die Linkliste

SpecklesHier die Linkliste der verwendeten Blogposts, die im Überblicksartikel „42 – das Große Ganze und so…“ verwendet wurden:

https://soffisticated.wordpress.com/2012/06/20/die-buddelkasten-wirtschaftspolitischer-kommentatoren/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/01/unser-okonomischer-mainstream-aufzucht-und-hege/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/03/04/homo-oeconomicus-misverstandnisse-der-erklarbaren/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/06/24/ist-okonomie-ein-system/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/09/28/grundsatze-okonomischer-paradigma/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/02/jesse-james-oder-die-abstraktheit-sozialer-verpflichtungsrelationen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/23/geldschleife-nicht-geldkreislauf/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/09/13/paradigmatische-aspekte-von-i-und-s/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/21/wozu-sind-banken-da/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/04/11/verirrungen-zwischen-giralgeld-und-zentralbankgeld/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/05/warum-zentralbanken-zentralbanken-sind/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/08/16/konnen-zentralbanken-das-preisniveau-beeinflussen/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/02/15/logische-typenlehre-iii-uberschus-und-gewinn/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/10/03/paradigmatische-nachdenkliste/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/05/07/zinsen-individual-oder-gemeinschaftskonzept/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/10/19/das-geldsystem-braucht-keinen-wert/

https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/07/die-wunder-geldpolitischer-hierarchien/

https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/26/stufen-von-geldsystemen-ein-kurzdurchlauf/

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FASB – auch nicht schlecht!

SuperPanneManchmal ist es ja doch ganz nützlich sich durch ziemlich durchgeknallte Websites zu klicken, denn gelegentlich stößt man auf Absonderlichkeiten, die es wert sind kommentiert zu werden. Dazu gehört ein Brief des Wirtschaftsprüfers Schemmann, der sich dagegen wendet, daß die FASB-Richtlinien und Definitionen zu eine fehlerhaften Testierung der Abschlüsse von Wirtschaftsprüfern Anlaß geben. Dies sei dadurch bedingt, daß Banken, wenn sie einen Kredit erteilen lediglich „Rechnungseinheiten“ schaffen würden, die aber nicht die Stellung von gesetzlichem Zahlungsmittel aufweisen würden. Als Folgerung kommt er dann zu dem Schluß, daß die FASB Buchhaltungs-Richtlinie (ASC 305-10-20) falsch sei:

„Bargeld“
„Übereinstimmend mit allgemeiner geschäftlicher Gepflogenheit besteht Bargeld nicht nur aus Geldscheinen und Münzen auf der Hand, sondern auch aus Sichteinlagen bei Banken oder anderen Finanzinstitutionen. Bargeld umfasst auch andere Kontenarten, die folgende Merkmale von Sichteinlagen aufweisen: Der Inhaber muss in der Lage sein, seine Finanzmittel jederzeit einzulegen oder abzuheben, ohne dass er das vorher anmelden muss und ohne, dass er dafür eine Strafgebühr zahlen muss.

Alle Zu- und Abflüsse von diesen Konten sind Bargeldein- oder –ausgänge, sowohl für den Kontoinhaber als auch für die kontoführende Bank. Zum Beispiel stellt die Vergabe eines Kredits und die Buchung des Betrags in ein Kunden-Sichteinlagenkonto zu diesem Zeitpunkt eine Bargeldzahlung der Bank und einen Bargeldeingang des Kunden dar. “

Quelle:

Klicke, um auf Uebersetzimg%20offener%20Brief%20Schemmann%20FASB%20IASB.pdf zuzugreifen

oder im Original von 2011:

https://law.resource.org/pub/us/code/bean/fasb.html/fasb.305.2011.html

Nach allem, was hier in diesem Blog über Geld und Kredit bereits alles gesagt wurde, gibt es nur einen Schluß: welche Arbeitsgruppe oder Ausschuß auch immer diesen Text verfaßt und beschlossen hat: man kann diesem Gremium nur attestieren, daß sie das, was sie gutachterlich ausarbeiten sollten, in keiner Weise angemessen adressiert haben! Damit man nun nicht meint, die FASB sei irgendeine untergeordnete Organisation ohne Reichweite, hier (ausnahmsweise) ein Wikipedia-Link, der hinreichend deutlich macht, was es mit dieser Organisation auf sich hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Financial_Accounting_Standards_Board

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: denn es scheint offensichtlich so zu sein, daß an der FASB die letzten Jahrzehnte spurlos vorbeigegangen sind und noch nicht einmal die Aufhebung des Goldstandard (der Nixon 1971 zugerechnet wird) dazu Anlaß gegeben hat, die Konzeption dessen, was Geld darstellt in irgendeiner Weise den vorfindbaren Gegebenheiten anzupassen. Denn eine derartige Formulierung kann nur dann halbwegs gerechtfertigt werden, wenn eine Forderung eine reale Leistung zum Inhalt hat, wie es zu Zeiten der Goldwährung noch Usus war. Das liegt nicht etwa daran, daß eine Bank nicht so oder so die zur Erfüllung ihrer Verpflichtung notwendige Menge an Banknoten oder Goldklunkerchen vorrätig haben muß, sondern an der Art des Anspruches: eine Goldforderung ist grundsätzlich ein Herausgabeanspruch aus einem im wesentlichen begrenzten Bestand, während die Forderung auf eine Banknote, das gesetzliche Zahlungsmittel, vom Bankensystem in Zusammenarbeit mit der Zentralbank grundsätzlich beliebig vermehrbar ist und somit eine Banknote keinen materiellen Anspruch mehr darstellen kann.

Während aber eine goldgedeckte Banknote als stellvertretend für eine genau definierte Goldmenge angesehen werden kann und es sich hierbei gewissermaßen um einen Lagerschein handelt, weil bei Präsentation dieses Scheines eine Herausgabepflicht des Emittenten der Banknote besteht und hierbei kein Zweifel darüber besteht, daß Anspruch und herauszugebender Gegenstand zwei unterschiedliche Dinge sind, werden demgegenüber – insbesondere von „modernen“ Ökonomen – der Anspruch auf Geld (als Banknote) und die Banknote selbst als vollständig substituierbare Dinge angesehen und somit unbesehen in einen Topf geworfen. Dabei wird übersehen, daß auch in einem Kreditgeldsystem die Differenz zwischen Herausgabeanspruch und dem Herauszugebenden genauso existiert, auch wenn das Herauszugebende (die Banknoten) ebenso Ergebnis einer Kreditoperation ist. Diese Ignoranz gegenüber der Unterschiedlichkeit der Kreditebenen – Zentralbankkredit einerseits, Geschäftsbankenkredit andererseits – setzt sich dann auch in dem zweiten zitierten Satz fort, wo davon gesprochen wird, daß Zu- und Abflüsse auf den Konten der Kunden genauso zu sehen sind, wie Zu- oder Abflüsse von gesetzlichem Zahlungsmittel. (Das gilt zwar für eine Zentralbank hinsichtlich des von ihr selbst emittierten Geldes, dagegen für eine Geschäftsbank aber eben nicht, wie leidgeprüfte Kunden der z.B. Kaupthing-Bank sicher bestätigen können.) Wenn aber schon bei der FASB Geld und Kredit nicht auseinanderhalten werden, vermutlich weil beides wie in english üblich mit ‚money‘ bezeichnet wird, muß man sich nicht wundern, daß auch bei anderen weniger elementaren Dingen wie Finanzkrisen, deren Diagnose sowieso unterbleibt, die Therapievorschläge nach bewährten betriebswirtschaftlichen Kriterien gestaltet werden, deren „Erfolge“ dann allenfalls noch herbeiphantasiert werden können.

Und was macht Schemmann daraus? Statt darauf hinzuweisen, daß es sich hier um ein eklatantes Versagen ökonomischen Denkens handelt, versucht er dasjenige, was sowieso unlogisch ist, dadurch zu heilen, indem er sich auf die Seite der Monetative schlägt und daher fordert, daß Sichtguthaben de jure dem Bargeld gleichgestellt werden sollen. Die Morgensternsche Pseudologik für ihn liegt wohl darin, daß in diesem Fall die Banken nicht mehr nur „Rechnungseinheiten“ verleihen würden, wenn sie einen Kredit vergeben, sondern, wenn schon nicht Bargeld, so doch wenigstens das gesetzliche Zahlungsmittel, welches die Banken dann in ihren Tresoren ja auch tatsächlich vorhalten müssen (auch wenn sie dieses Bargeld in 99,99% der Fälle nicht benötigen werden). Diese Lösung ist dann für ihn wohl die Garantie dafür, daß es zu Liquiditätskrisen wie im Zuge der jüngsten Finanzkrise nicht mehr kommen könne. Nun ja, das ist die Monetative-Spielwiese.

Man muß natürlich beachten, daß der FASB-Unfug für die Frage nach der Liquidität von Unternehmen nicht so sehr zum Desaster wird, weil einzelwirtschaftlich die Sichtweise, daß ja der positive Konstostand ja „genauso gut wie Geld“ sei, durchaus einen praktischen Hintergrund aufweist. Denn für die Testierung eines Unternehmensabschlusses kann man die „Rechnungseinheiten“ durchaus so behandeln, als wäre es Geld im Sinne des gesetzlichen Zahlungsmittels. Das ist auch insofern richtig, als beide Positionen bei den Unternehmen auch auf der Aktivseite stehen und der Liquiditätsbegriff auch Sichtforderungen umfassen kann, ohne daß damit eine fehlerhafte Beurteilung der Sachlage eintreten würde.

Hinsichtlich des Umstands, daß da mit voller Überzeugung eine völlig gegenstandslose Identifikation unterschiedlichster Sachverhalte formuliert wird, kann man sich nur verwundert die Augen reiben. Denn was einzelwirtschaftlich noch halbwegs zu rechtfertigen ist führt bei der Analyse der Gesamtwirtschaft dann geradewegs auf die schiefe Bahn. So können sich z.B. Bankensanierer, die den „Einlegern“ ihre Ersparnisse abknöpfen eben nicht darauf verlassen, daß durch die Streichung von Verbindlichkeiten eine Bank wieder solvent wird. Warum? Ganz einfach: weniger Schulden heißt noch nicht automatisch mehr Liquidität – ein Umstand, welcher oft genug eben mal vergessen wird… Tröstlich an diesem Desaster ist nur die Erkenntnis, daß nicht alles, was aus dem Hollywood-Land kommt, automatisch ein Siegel der Wahrheit tragen muß. Nicht mal dann, wenn es sich um Ökonomie handelt…

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Geld: der Saldenausgleichstandard von Geschäftsbanken

AlpenEs gibt ja immer wieder die Diskussion darüber, ob Banken „GELD AUS DEM NICHTS“ schaffen können oder nicht. Die Diskussion darüber ist meistens weniger durch Sachlichkeit, sondern durch apodiktische Rechthaberei geprägt. Und dennoch läßt sich sinnvoll der Versuch unternehmen, zu einer Klärung dieser geldtheoretisch interessanten Frage zu kommen.

Es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt, daß es mindestens zwei Begriffsinhalte gibt, die den Terminus „Geld“ für sich beanspruchen, Banknoten einerseits und Guthaben/ Depositen andererseits. Da es die gibt ist es nicht zweckdienlich dem jeweils anderen den Gebrauch dieses Terminus irgendwie streitig zu machen, bloß weil das Gegenüber den eigenen Begriffsinhalt anders bezeichnen will. Es geht dabei auch nicht um richtig oder falsch, sondern um die Frage, was man gerade thematisch behandeln will. Denn rein sachlich gesehen dreht sich diese Geschichte darum, ob man eine Sichtforderung (Guthaben/ Depositum) gegen eine Bank bereits als Geld (im Sinne eines schuldbefreienden Zahlungsmittels) ansehen will oder nicht. Dabei wird von keiner Seite bestritten, daß Sichtforderungen und Banknoten völlig unterschiedliche Dinge sind. Es besteht auch Einigkeit darüber was M0 darstellt, was in Frage steht ist, ob der Begriff Geld in dieser Bedeutung (wie es auf M0 zutrifft) auch auf die Geldmenge M1 angewendet werden kann. Das Problem bei der Sache ist, daß M1 zwei Dinge enthält, die nicht so ohne weiteres identifiziert werden können, nämlich Banknoten/ ZB-Forderungen einerseits und Sichtforderungen gegen Geschäftsbanken andererseits. Das hat schon ein rein rechtliches Problem, denn Banknoten sind Sachen im Sinne des Sachenrechts, während Sichtforderungen eben halt Forderungen sind und als solche eine schuldrechtliche Bedeutung haben.

Diese Tatsachen kulminieren dann in der Frage, ob bei einer Überweisung lediglich die Sichtforderung des Überweisenden übertragen wird oder nicht. Man könnte spiegelbildlich auch sagen, daß es darum geht, daß die Bankverbindlichkeit übertragen wird oder nicht. Das kann man so sehen, soweit man den Forderungs-/ Schuldübertrag als schuldbefreiende Zahlung ansieht (was sie nicht ist). Man kann es auch so sehen, daß bei einer Überweisung die Verpflichtung der Bank / Forderung gegen die Bank erlischt und Geld (eine Sache) zu einer anderen Bank übertragen wird, wo dann – wegen dieser Geldübertragung – eine neue Forderung gegen die Bank / Verpflichtung der Bank etabliert wird. Wenn es also Geld im Sinne von M0 ist, welches zu übertragen ist, verliert natürlich eine Forderungs-/ Verbindlichkeitsposition ihren Geldcharakter und stellt sich als das heraus, was es ist: eine Forderung gegen bzw. eine Verpflichtung der Bank.

Der eigentliche Aufhänger ist jedoch immer wieder der, was damit gemeint ist, wenn es heißt: Banken schaffen „GELD AUS DEM NICHTS“. Da man davon ausgehen kann, daß die Existenz von M0 unstreitig ist, M0 aber nicht dasjenige ist, was die Banken als „Geld“ schaffen, muß dann wohl doch eine Erklärung dafür her, wozu dieses Zentralbankgeld denn eigentlich da ist. Denn das was die Banken an „Geld“ schaffen ist nicht das, was die Bankkunden aus dem Geldautomaten ziehen.

Die Frage, die dabei immer im Raum steht ist, wozu es eigentlich Zentralbankgeld gibt, denn ein Verrechnungssystem wie es aus dem „fei lun“ (Disclaimer: „Se non è vero, è ben trovato.“ ) bekannt ist, läßt sich ja auch allein durch die Banken bewerkstelligen. Aber aus irgendeinem verteufelten Grund gibt es auch noch die Frage, womit denn eigentlich Salden ausgeglichen werden, wenn es dazu kommt, daß sich Differenzen herausbilden, welche die Eigenschaft haben, sich nicht im Zeitablauf auszugleichen. Und das erfordert in Bezug auf moderne Bankensysteme die Antwort auf die Frage, warum Zentralbankgeld notwendig ist, weil auch ein Verrechnungssystem nicht darauf verzichten kann zu prüfen, ob die Verrechnungssalden „nachhaltig“ sind oder nicht. Ich gehe mal davon aus, daß dieser „Zahlungsausgleich“ im „fei lun“ System dadurch erfolgte, daß bei „zu großen“ Salden ein Übertrag in Rindern erfolgen mußte, genauso wie 1971 die Franzosen einen Saldenausgleich in dem definierten Saldenausgleichsmedium Gold verlangt haben, was ja dann zu der Aufhebung des offiziellen Goldstandards geführt hat – weil Bretton Woods, entgegen einer naiven Geldtheorie, einen Dollar-Standard und keinen Gold-Standard definiert hat.

Insofern ist es auch nicht erforderlich aus der Frage, wo Zentralbankgeld entsteht, ein Problem zu machen, sondern man muß sich fragen, warum es entstehen muß. Das WO ist einfach: es entsteht faktisch (hauptsächlich) bei der Kreditgewährung einer Zentralbank – Besicherungen hin oder her. Das WARUM? Banken brauchen Zentralbankgeld deswegen, weil sie Salden auszugleichen haben, von denen sie, bzw. die Gläubigerbank nicht erwarten, daß diese sich in absehbarer Zeit zurückbilden. Sobald das so ist – und jede Bank steht unter einem Druck ausreichende Zentralbankgeldbestände zu haben, um jederzeit einen Saldenausgleich vornehmen zu können, wird auch die Theorie, daß Banken „GELD AUS DEM NICHTS“ schaffen, hinfällig. Denn in letzter Konsequenz bleiben sie IMMER darauf angewiesen im Zweifelsfall über ein ausreichendes Volumen des Saldenausgleichsmediums Zentralbankgeld zu verfügen, um ihre Verbindlichkeiten ausgleichen zu können.

Und das ist die Antwort: die Funktion von Zentralbankgeld ist in einer Kontrollfunktion zu verorten, ob die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ein- und Auszahlungen einer Bank den üblichen Bonitätsnormen des Bankensystems entspricht. Denn sobald Abweichungen entstehen werden üblicherweise sofort sämtliche Swing-Kreditlinen per sofort fällig gestellt, wo sich für die betroffene Bank erweist, daß das, was sie als „GELD AUS DEM NICHTS“ erschafft eben doch nicht das ist, was sie zur Begleichung ihrer Verbindlichkeiten nutzen kann – denn dann heißt es zahlen, und zwar in dem Saldenausgleichsstandard Zentralbankgeld. Es erweist sich somit, daß Zentralbankgeld dazu da ist, um die Kreditvergabepolitik der Banken qualitativ zu nivellieren und über diese Notwendigkeit zum Liquiditätsausgleich in Zentralbankgeld sich ein einheitliches Bonitätsniveau herausbildet, welches als eigentliches Ziel von Zentralbankpolitik gesehen werden muß.

Daß Zentralbankgeld auch noch für Zahlungen im privaten Bereich genutzt wird, ist eigentlich ein Anachonismus der Geschichte. Im Unterschied zu anderen ist dieser nicht schädlich!

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Von substanzbehafteten Luftnummern

ShipBellGelegentlich kann man sich ja auch mal um etwas kurzweiliges kümmern. So gibt es ja im Rahmen der Pseudo-Debatte, ob Banken „Geld aus Luft“ schöpfen würden inzwischen auch lustige Webseiten, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, der Ungerechtigkeit deutscher Gerichte hinsichtlich der Verurteilung säumiger Schuldner den Kampf anzusagen. So heißt es in der einschlägigen Website kreditopfer.at:

„Da Banken also tatsächlich meist kein Geld (gesetzliche Zahlungsmittel) verleihen, sind die Schuld- und Zinsverhältnisse dieser Kreditverträge oft nicht rechtmäßig.“

Wer nun denken würde, daß man darüber aufgeklärt würde, wann denn nun die Banken „meist kein Geld“ und wann doch verleihen würden, sieht sich allerdings getäuscht. Ersatzweise wird auf ein „Gutachten“ eines in dieser Szene einschlägigen Hörmann hingewiesen, um der Verwirrung noch einen weiteren Schub zu verleihen. Denn darin heißt es:

„Die Kreditgeldschöpfung (= Giralgeldschöpfung) der Geschäftsbanken ist ein reiner Schreibvorgang auf den Konten der Bank. Banken benötigen dazu keinerlei Zahlungsmittel (Bargeld), weder von Sparern noch von anderen Banken noch von der Zentralbank. Die Rückzahlung (Tilgung) eines Kredits stellt demgemäß ebenfalls einen bloßen Schreibvorgang dar (falls es durch Überweisung geschieht und nicht durch Einlage von Bargeld), ebenso ein allfälliger Kreditausfall.“

Man sieht sofort, wie der unbedarfte Leser hier auf eine falsche Fährte geführt werden soll. Denn das, was hier als „Kreditgeldschöpfung“ etikettiert wird, ist in Wahrheit nichts anderes als eine zweiseitige Willenserklärung, daß nämlich zum einen die Bank bei dem Kreditnehmer verschuldet ist, sowie zum anderen, daß der Kreditnehmer bei der Bank verschuldet ist. Der Unterschied zwischen beiden Willenserklärungen ist nur einer: die Bank verpflichtet sich zur Lieferung des Schuldgegenstandes „Geld“ JETZT, der Kreditnehmer verpflichtet sich zur Lieferung des Schuldgegenstandes SPÄTER – oder eben häppchenweise, wie in den meisten „Abzahlungsdarlehen“ so üblich!

Kredit1

Man muß es vermutlich noch deutlicher sagen: das was von derartigen Vertretern immer als Giralgeldschöpfung dargestellt wird ist nichts anderes als das Ergebnis eines Willensaktes, dessen Inhalt das Versprechen ist, zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Summe Geld zu zahlen. Es geht hierbei lediglich um eine Absicht – und wie man weiß, ist eine Absicht noch nicht die Tat!

Nun möchte der Gläubiger der Bank (Haushalt K) eine Immobilie erwerben und verwendet das ihm zur Verfügung gestellte Darlehen vertragsgemäß zum Kauf seines Traumhauses. Damit ist die Bank nunmehr nicht mehr gegenüber Haushalt K(äufer) verschuldet, sondern gegenüber dem Haushalt V(erkäufer) – und das ohne daß ein einziger EURO bisher überhaupt auch nur bewegt worden wäre, falls der Verkäufer sein Konte bei derselben Bank(filiale) hat.

Kredit2

Heißt: SELBST WENN eine Bank den Kaufpreis für ein Wohnhaus für den sie einem Kreditnehmer (Käufer) einen Kredit eingeräumt hat diese Überweisung NUR einem anderen ihrer eigenen Kunden gutgeschrieben hat – also ohne daß es unmittelbar zu einer Auszahlung von Zentralbankgeld kommt – ist es dennoch so, daß der Herausgabeanspruch des Verkäufers hinsichtlich der Kaufpreissumme nicht untergeht, auch wenn der Käufer seine Kreditraten nicht bedienen kann. Der Käufer hat durch seine Überweisung bewirkt, daß die Verschuldung der Bank gegen ihn (seine Kreditlinie) auf den Verkäufer (dessen Verkaufspreis) übergeht. Damit ist nun die Bank jetzt gegenüber dem Verkäufer verschuldet, welcher jederzeit seine Verfügungsberechtigung über diesen Geldbetrag – egal ob in bar oder per Überweisung – ausüben kann.

Wie kommt man angesichts dieser Sachlage zu der Einschätzung, daß die Banken „Geld aus Luft“ schöpfen würden? Ganz einfach indem man zwar auf der einen Seite zugesteht, daß Sichtforderungen (Einlagen, Depositen, Guthaben) kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellen, dann aber sofort weiterargumentiert, daß ja schließlich der Übertrag des „Giralgeldes“ eine Zahlung bewirken würde. Denn schließlich ist ja „Giralgeld“ ja auch Geld? Man muß sich wirklich fragen, wie man auf einen derartig primitiven semantischen Trick hereinfallen kann, bloß weil es sich landläufig eingebürgert hat die „Guthaben“ bei einer Bank als Geld anzusehen. Das liegt wohl daran, daß in einem funktionsfähigen Banksystem für den privaten Verwender dieser Unterschied üblicherweise nicht existiert. Nun sieht es ja so aus, als würde diese Theorie ja stimmen, denn in dem skizzierten Beispiel ist ja eine Verfügung über Zentralbankgeld nicht erfolgt. Nun, das mag ja für den Moment so sein, heißt aber nicht, daß der Verkäufer nicht die Freiheit besitzt über seine Forderungen dahingehend zu verfügen, daß es dann doch für die Bank bedeutet den geschuldeten Betrag zu 100% an eine andere Bank zu übertragen. Dann heißt es für die Bank eben auch: zahlen – und zwar in Zentralbankgeld!

Woran das liegt? Ganz einfach: wenn die Bank ihre Schulden (welche die Forderungen des Verkäufers sind) loswerden will kann sie das nur dann, wenn sie – wie alle anderen Wirtschaftssubjekte auch – ihre Schulden auslöst, d.h. Zentralbankgeld zahlt, wenn sie eine andere Bank dazu „überreden“ will, die entsprechende Schuld zu übernehmen. Ohne die Übertragung dessen, was herausgegeben werden soll, passiert auch bei den Banken – nichts.

Daß Überweisungen nur mit der gleichzeitigen Übertragung von Geld überhaupt durchgeführt werden wird immer dann klar, wenn eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Die „Kaupthing-Anleger“ wissen inzwischen, daß es durchaus möglich ist vor den geschlossenen Türen einer Bank zu stehen, ohne zu wissen, ob von den dort existierenden Forderungen überhaupt noch etwas wiederzuerwarten ist. Diese Leute haben ein im Gegensatz zu vielen „Ökonomen“ besseres Verständnis für die Tatsache, daß ein Verbindlichkeitsübertrag einer Bank noch keine schuldbefreiende Zahlung bedeutet. Das kann man als eine heilsame und lehrreiche Erfahrung ansehen. Obwohl: nun deswegen reihum alle Banken mal pleite gehen zu lassen, damit die übrigen Bankkunden das auch live mitbekommen – das geht ja nun auch nicht. Wobei: nach Zypern ist vieles möglich…

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Die Geldkreisläufe von Privaten und Banken

Desenzano 2013Manchmal gibt es solche Perlen des Internet-Kommentariats, bei denen man sich fragt, wo die anderen sind, die ebensolche Kenntnisse aufweisen, die damit die Diskussionen fruchtbarer machen können, als viele gelehrte Abhandlungen über Dinge, die nicht mal die ‚bits‘ wert sind, die sie als Speicherplatz beanspruchen. Es geht hier um einen Kommentar aus dem Herdentrieb, wo es um die Frage ging, ob und inwieweit „Zombie“-Banken durch geldpolitische Maßnahmen gerettet werden dürfen oder nicht.

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/05/17/europaische-zombiebanken-verhindern-aufschwung_6074/comment-page-3#comments  (Kommentar Nr. 20)

„Ich habe während meines Studiums gelernt, dass es einen Geldkreislauf mit Zentralbankgeld hauptsächlich zum Saldenausgleich des Interbankenverkehrs gibt und einen zweiten, vollkommen davon getrennten Geldkreislauf zwischen den Geschäftsbanken und dem Publikum (Privatpersonen, Firmen, Institutionen, Staat) mit Giral- und Bargeld gibt. Interbanken-Geldkreislauf und Publikums-Geldkreislauf können sich nicht vermengen.“

Die Bedeutung dieser Passage liegt darin, daß dort eine Zweiteilung der Funktionen des Geldes nahegelegt wird, die bis dato sich in kaum einer Veröffentlichung findet, auch wenn sich gelegentlich jemand dazu verirrt, mal das aufzuschreiben, was tatsächlich richtig ist:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/geldpolitik-wofuer-die-banken-liquiditaet-brauchen-1118220.html

Darin steht kurz gesagt, daß Banken Zentralbankgeld für 3 verschiedene Bereiche benötigen:

1. Um den Bargeldbedarf des Nichtbanken-Publikums zu befriedigen,
2. um ihre Mindestreserveverpflichtungen zu erfüllen und
3. um die Überweisungen, welche sie als Zahlungsdienstleister ausführen, auch tatsächlich abwickeln zu können, da sie gewissermaßen stellvertretend für den Auftraggeber (Zahler) den Zentralbankgeldverkehr übernehmen.

Auch wenn Punkt 2. üblicherweise eine gewisse Prominenz genießt, die sich aus der fehlkonstruierten „Theorie der multiplen Geldschöpfung“ speist, kann man diesen Beweggrund ruhig als vernachlässigbar behandeln, so daß für die aktuelle Betrachtung Punkt 1. und 3. vornehmlich von Interesse sind. Dabei ist der erste Punkt, der sich üblicherweise mit dem Begriff „Transaktionskasse“ beschreiben läßt im wesentlichen der Bargeldbedarf der Nichtbanken, welcher sozusagen den Geldkreislauf 2 darstellt. (Abbildung unten!) Dieser Geldkreislauf ist dadurch gekennzeichnet, daß dort Zahlungen mit Hilfe desjenigen Teils des Zentralbankgeldes getätigt werden, welches als Bargeld bekannt ist. Hierbei wird bei einem Kauf der Kaufpreis direkt durch Übergabe von Bargeld (einem Teil des gesetzlichen Zahlungsmittels Zentralbankgeld) abgewickelt und die eingegangene Geldschuld sofort – Zug um Zug – beglichen. (Immer dran denken: Geld kann man nur verwenden, wenn eine Geldschuld vorliegt!)

Anders ist es im Geldkreislauf 1, dessen Hauptfunktion darin besteht, anstelle des eigentlich Zahlungsverpflichteten (der Käufer) den Zentralbankgeldtransfer durchzuführen – was auch die Bezeichnung Zahlungsverkehrsdienstleister unmittelbar nahelegt. Denn statt der direkten Übergabe des Bargeldes wird im Geldkreislauf 1 der unbare Teil des Zentralbankgeldes verwendet, indem der Zentralbankgeldtransfer von Bank K(äufer) zu Bank V(erkäufer) mit Hilfe von Umbuchungen auf den jeweiligen Zentralbankkonten der beteiligten Banken erfolgt.

Damit ergibt sich schlußendlich, daß sowohl der Geldkreislauf 2, welcher auf Barzahlungsgeschäften beruht, sowie der Geldkreislauf 1, welcher auf Geschäften beruht, welche mit Hilfe einer Überweisung (an Zahlung Statt) abgewickelt werden, eine einheitliche Grundlage besitzen, obwohl das Zentralbankgeld „Bargeld“ und das Zentralbankgeld „Forderungen gegen die Zentralbank“ scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Und doch haben sie die entscheidende Gemeinsamkeit, daß beide „Geldmengen“, die unter der einheitlichen Bezeichnung „Basisgeld“, „Reserven“ oder eben Zentralbankgeld firmieren, exklusiv dasjenige ausmachen, was den gesetzlichen Vorschriften über eine schuldbefreiende Zahlung genügt.

Nun scheint es so zu sein, daß ja die Buchungseinträge der Nichtbanken, die ja unter der schönen Bezeichnung „Giralgeld“ firmieren dasselbe seien wie die Buchungseinträge, welche die Zentralbank für die ihr angeschlossenen Geschäftsbanken führt. Dem ist natürlich nicht so. „Quod licet Iovi, non licet Bovi!“ Denn daß eine Forderung gegen eine Geschäftsbank zwar in der Regel so gut ist wie Zentralbankgeld sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß es genügend Beispiele dafür gibt, daß eine Forderung gegen eine Geschäftsbank eben doch nur eine Forderung ist und kein Zentralbankgeld, was eine Forderung gegen eine Zentralbank demgegenüber ohne wenn und aber ist!

Das hat für eine einzelne Überweisung weitreichende Folgen: denn anstelle der direkten Übertragung des baren Zentralbankgeldes erfolgt die Übertragung des Zentralbankgeldes nun mittels einer zweistufigen Konstruktion, die einmal daraus besteht, daß zwischen den Banken des Käufers und des Verkäufers ein Forderungsübergang erfolgt, der die Konten der beiden Beteiligten verringert (Käufer) bzw. vergrößert (Verkäufer). Damit ist die Sache aber noch nicht zu Ende, denn die Bank des Verkäufers wird den zusätzlichen Herausgabeanspruch ihres Kunden nur dann genehmigen, wenn sie auch das entsprechende Zentralbankgeld dafür erhält. Dieses wird üblicherweise dadurch erledigt, daß bei der Zentralbank der entsprechende unbare Zentralbankgeldübertrag durchgeführt wird, indem die Zentralbank die entsprechenden Zentralbankkonten belastet (Bank des Käufers) bzw. eine dementsprechende Gutschrift erteilt (Bank des Verkäufers).

Zahlungskreislauf

Warum ist die Sache so wesentlich? Es geht darum, daß die landläufige Bezeichnung von der „bargeldlosen Zahlung“ zwar insofern richtig ist, als der Zentralbankgeldübertrag von Bank K(äufer) an Bank V(erkäufer) auf elektronischem Wege und nicht mit Hilfe von Bargeld erfolgt, was wiederum jedoch nicht bedeutet, daß eine bargeldlose Zahlung auch schon eine zentralbankgeldlose Zahlung bedeuten würde. Dennn die Tatsache, daß der größte Teil des Zentralbankgeldausgleichs auf elektronischem Wege erfolgt darf nicht zu dem Fehlschluß verleiten, daß in diesem Fall kein Zentralbankgeld involviert wäre – das ist es wohl, nur nicht nach den Üblichkeiten, welche im Geldkreislauf 2 vorherrschen. Denn der Zentralbankgeldausgleich erfolgt auf den Konten der Zentralbank – und da und nur da ist eine Forderung auf Geld dasselbe wie Zentralbankgeld.

Zum anderen geht es um ein großflächig kolportiertes Mißverständnis, daß es die Banken seien, die zu einer unverhältnismäßigen „Geldschöpfung“ beitragen würden. (Dazu gehört auch der Blödsinn: „Banken schaffen Geld aus Luft!“) Man kann es nicht eindringlich genug betonen: Banken schaffen Schuldverhältnisse, die Privaten die Möglichkeit geben über Zentralbankgeld verfügen zu können, wobei gleichzeitig das Schuldversprechen der Banken dahingehend lautet, daß sie dafür Sorge tragen, daß diese „Guthaben“ – die für sie Verbindlichkeiten sind – auch auf Anforderung des Zahlenden durch sie selbst mit Hilfe von unbarem Zentralbankgeld auch transferiert werden können. Banken müssen – wie alle anderen auch – ihre Schulden, die sie durch Kreditvergabe eingegangen sind auch durch die Sicherung ihrer Zahlungsfähigkeit bedienen können. Nur: womit können Banken schuldbefreiend zahlen? Eben: nur mit der Übertragung von Zentralbankgeld, wobei man sich durchaus klarmachen könnte, daß es in früheren Zeiten auch gelegentlich mal einen Bargeldausgleich per Geldtransporter gegeben haben wird und zwar dann, wenn die Bonität der schuldenden Bank bei der fordernden Bank zu gering für eine Kreditierung des geschuldeten Betrages auf dem Interbankenmarkt ist.

Was lernt man daraus? Kreditschulden sind ein zweiseitiges Schuldverhältnis, was sowohl für den Kreditnehmer eine Verpflichtung zur Bedienung seiner Schulden vorsieht, als auch für den Kreditgeber (Bank) eine Schuld darstellt, die Verfügung über das (von der Bank) geschuldete Geld jederzeit gewährleisten zu können. Das „Liquiditätsmanagement“ der Banken ist also mitnichten ein Luxusproblem, welches sie pflegen können oder auch nicht, sondern eine Überlebensbedingung, wobei die Pannen, die sich in der Einschätzung der voraussichtlichen Liquiditätslage ergeben können, im Verlaufe der letzten Jahre mehr als deutlich sichtbar geworden sind.

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Der „Geld ist Kredit“-Spezialfall

Lago di GardaManchmal stößt man auf Beiträge, die vielversprechend anfangen und sich dann doch wieder in den alten Mißverständnissen verheddern. So gibt es eine Videofolge von dem von mir geschätzten Dirk Bezemer, die sich damit beschäftigt, wie das mit dem Geld nun eigentlich ist. Zunächst scheint er auf einem guten Weg zu sein, indem er erklärt, daß bei dem Komplex Geld und Schulden erst die Schulden existierten und später erst das Geld zum Vorschein kam. Das kann man tatsächlich so sehen, wenn man davon ausgeht, daß Schulden zunächst auf reale Gegenleistungen ausgestellt waren und die Einführung von abstrakten Wertzeichen erst eine spätere Entwicklung darstellt. Was dabei jedoch nicht zulässig ist: die stillschweigende Auslassung, daß auch Schulden, die vor der Existenz eines allgemein verwendeten Geldzeichens entstanden sind, eine Erfüllungsgrundlage benötigen, so daß sowohl Gläubiger als auch Schuldner wissen, auf welche Art diese Schuld wieder getilgt werden kann. Denn es geht kein Weg daran vorbei zu erkennen, daß Schulden stets dadurch definiert sind, daß sie einen Erfüllungsgegenstand haben müssen, damit sie überhaupt als Schuld anerkannt werden können. Kurz gesagt: eine Schuld ohne Erfüllungsgegenstand ist keine Schuld, auch in grauer Vorzeit nicht!

Was dann kommt ist leider das übliche Mißverständnis, daß nach der Einführung von Banken die Erzeugung von Geld bereits damit geschehe, daß eine Bank einen Kredit einräumt und dieses „Giralgeld“ dann zur Bezahlung eines Maserati verwendet werden könne. Das gipfelt bei 10:40 in der Aussage: „Lending does create new money.“ Des weiteren wird noch suggeriert, daß Zahlungen tatsächlich lediglich durch Übertragungen von „Giralgeld“ erfolgen könnten und der Grundsatz, daß eine Schuldvereinbarung ein Erfüllungsmedium braucht, damit sie auch erfüllt werden kann, völlig aus dem Blickfeld gerät. Und wenn dann in der ‚conclusion‘ erklärt wird: „We use bank debt as money.“ ist der Punkt erreicht, wo man sich fragen kann, warum es nicht möglich ist, die simpelsten Grundsätze des Wirtschaftslebens auch in die Ökonomie einfließen zu lassen. Daß dieser Irrtum weit verbreitet wird, läßt sich anhand der Kampagne von ‚positive money‘ recht schön ersehen, wo die gleichen Widersprüche permanent wiederholt werden, so als würde der dadurch involvierte Widerspruch irgendwie wahrer.

Das Ärgerliche an der ganzen Sache ist, daß damit die elementaren Grundsätze nicht nur des bürgerlichen Rechts ignoriert werden, sondern auch wirtschaftliche Selbstverständlichkeiten zugunsten einer vermeintlichen Erkenntnis neutralisiert werden. Denn wenn man sich zu der Aussage versteigt, daß eine Schuld keinen Erfüllungsgegenstand braucht, wird der Begriff der Schuld zu einer Leerformel, deren Inhalt dann ganz nach Belieben gefüllt werden kann. Zu allem Überfluß werden damit die hierarchisch strukturierten Ebenen des Geschäftsbankenkredits und des Zentralbankkredits munter durcheinander gewürfelt.

Nun geht es hier nicht darum einen durchaus geschätzten Wissenschaftler zu diskreditieren, zumal er sich mit dieser Version von „Giralgeld“ in durchaus prominenter Gesellschaft befindet. Es soll anhand dieser Geschichte eher herausgestellt werden, daß es durchaus einen Spezialfall gibt, in dem diese Version von Geldtheorie tatsächlich gültig ist. Dieser Spezialfall ist vor 90 Jahren als didaktische Übung verwendet worden und trägt die schöne Bezeichnung „Monobank“! Derzeit wird dieser Begriff eher mit sozialistischen Bankverhältnissen in Verbindung gebracht, wo es gewissermaßen nur eine einzelne Staatsbank gibt, die sämtlichen Zahlungs- und Kreditverkehr abwickelt. Um dieses Konzept der Monobank für diese Analyse nutzbar zu machen muß jedoch noch zusätzlich die Bedingung gelten, daß es kein Bargeld geben darf und damit Zahlungsvorgänge ausschließlich aufgrund buchhalterischer Transaktionen möglich sind. Nur in einem solchen Szenario ist es legitim davon zu sprechen, daß eine Übertragung von Forderungen von der (einzigen) Staatsbank an die (einzige) Staatsbank zu einer Tilgung der zugrundeliegenden Schuld führt.

L.A. Hahn hat jedoch das didaktische Beispiel „Monobank“ dafür verwendet zu zeigen, daß die Erschaffung von Zahlungsfähigkeit nicht an eine vorangegangene „Ersparnis“ gekoppelt ist, die von der üblichen Wirtschaftstheorie stets als Grundvoraussetzung der Kreditvergabe gesehen wird. Wenn man so will gibt es in diesem Szenario nur eine Zentralbank, wobei dann natürlich gilt, daß die Verbindlichkeiten, welche diese Zentralbank eingeht, tatsächlich das ultimative Zahlungsmittel darstellen, da es hierbei auch keine Möglichkeit gibt die Auszahlung einer Forderung in Bargeld zu verlangen. Das wird dadurch entbehrlich, daß die Verbindlichkeit einer Zentralbank genau deswegen das ultimative Zahlungsmittel darstellt, weil es gerade durch diese passivische Natur zu einer Nicht-Verbindlichkeit wird. Nur weil man mit dieser Nicht-Verbindlichkeit der Zentralbank schuldbefreiend zahlen kann, läßt sich für diesen extremen Grenzfall formulieren, daß die Erteilung eines Kredites bereits die Schaffung von „Geld“ darstellen würde.

Man könnte nun meinen, daß die gelegentlichen Tendenzen zur Abschaffung des Bargeldes zu einem derartigen Zustand hinführen würden und sich nach weiterer evolutionärer Entwicklung des Banksystems dieses geldpolitische Nirvana schließlich einstellen würde. Leider scheitert dieser Schluß daran, daß private Geschäftsbanken ihr Hauptbetätigungsfeld darin finden zuzusehen, wie sie die eigene Liquiditätslage anhand der selbst eingegangenen Forderungen und Verbindlichkeiten so gestalten, daß sie den Anforderungen des Bankrechts nachkommen können, jederzeit ein ausreichendes Liquiditätspolster aufzuweisen bzw. sich jederzeit ausreichend und zu einem „erträglichen“ Zinssatz refinanzieren zu können, um niemals illiquide zu werden. Denn wie man weiß sind die Fälle, in denen Banken keine ausreichenden Liquiditätspolster besitzen, mit denen sie ihre aktuellen Zahlungsverpflichtungen erfüllen können, nicht so selten.

Leider beißt sich dieser ärgerliche Umstand mit der Theorie, daß das, was die Geschäftsbanken im Kreditvertrag vereinbaren, bereits „Geld“ sein soll – zumindest wenn es um nicht sozialistische Verhältnisse im Banksystem geht und man anzuerkennen gewillt ist, daß die Zweistufigkeit des Banksystems nicht eine launige Marotte von Geldsystemkonstrukteuren gewesen ist, sondern ihre Sinnhaftigkeit daraus zieht zu gewährleisten, daß die angeschlossenen privaten Banken einer einheitlichen Bonitätspolitik folgen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: was in grauer Vorzeit schon galt, daß nämlich ein Schuldversprechen durch einen genau definierten Erfüllungsgegenstand getilgt werden können muß, gilt auch bei der „Schöpfung“ von „Giralgeld“ im Zuge der Kreditgewährung bei Banken! Geldschuld ohne den Schuldgegenstand Geld (Basisgeld) geht nun mal nicht. Eigentlich ganz einfach!

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Das vergangene Märchen der ’seigniorage‘

KrötchenEs gibt wohl kaum ein besseres Beispiel für die Ignoranz der Wirtschaftstheorie dem monetären Komplex gegenüber als die Tatsache, daß ein Überwintern historischer Konzepte bis in die Gegenwart möglich ist, obwohl sich die Rahmenbedingungen in der Zwischenzeit fundamental geändert haben. So ist das Konzept der ‚seigniorage’ in einer Zeit entstanden, als es tatsächlich noch Zahlungsmittel gab, die aus Gold gefertigt wurden. Aus diesem Grund ist der historische Teil des oben verlinken Artikels insoweit korrekt.

Was danach folgt kann man nur noch mit Grausen betrachten. Die folgende Begriffserklärung bezieht sich einmal auf einen „Zuwachs des nominalen Bestandes an Zentralbankgeld“, womit bereits völlig naiv eine Gleichsetzung von Goldgeld mit dem heutzutage verwendeten Kreditgeld insinuiert wird. Ganz so als hätte es die Aufhebung des Goldstandards durch Nixon 1971 nie gegeben – mal abgesehen davon, daß der Goldstandard im Wesentlichen bereits seit Bretton Woods Toast war, denn seitdem regierte de facto der Dollar-Standard, auch wenn es danach noch ein paar Verwicklungen wegen einiger Goldbarren gab.

Die nachfolgende Definition von Issing ist es jedoch wert genauer unter die Lupe genommen zu werden. Das Erste was dabei auffällt ist, daß dort über „reale Erträge“ gesprochen wird, ganz so, als sei es nicht angebracht diese Erträge vielleicht mal monetär zu definieren. (Herzlichen Glückwunsch an die Geldtheorie, die sich über „reale Erträge“ definieren soll!) Und woraus bestehen diese nun? Daraus, daß „Private zinslos Zentralbankgeld halten“. Dazu muß man eines wissen: für Ökonomen ist der „Wert“ einer Sache stets durch die Opportunitätskosten definiert, welche deswegen entstehen, daß mit der Wahl einer Alternative stets der Verzicht auf eine andere Verwendung einhergeht. Das ist im Wesentlichen eine werttheoretische „was wäre wenn“ Argumentation, die sich in vielen Argumentationen wie auch z. B. in der Konzeption der Liquiditätsprämie wiederfindet. (Übrigends auch in der „wertstiftenden“ Arbeitskraft von Marx, die angeblich durch „Ausbeutung“ zu einer monetären Akkumulation Anlaß geben soll – selten so gelacht, was allerdings die Versuche, die Neoklassik geldtheoretisch nutzbar zu machen genauso betrifft. Klassik ist halt Klassik! Zur Ehrenrettung: das hat Marx selber gesehen, seine ‚follower‘ dann schon nicht mehr! Ja, ja, R. Luxemburg ist ein anderes Kapitel!) Nun ist an dieser Stelle die relevante Alternative eine zinstragende Anlage des Geldes, so daß eigentlich eine monetäre Begründung gegeben scheint. Bei dieser Geschichte bleibt allerdings die Frage offen, ob und inwieweit der entgangene Zinsertrag auf der einen Seite auch auf der anderen Seite zu einem Zinsgewinn führt – wofür nicht mal im Ansatz eine Begründung geliefert wird. Das ist jedoch, wie der weitere Inhalt des Artikels zeigt, nicht die ‚seigniorage’ die gemeint ist, denn in einer folgenden Formel wird sie doch tatsächlich als der um das Preisniveau bereinigte Zuwachs der „realen“ Geldmenge formuliert. Was damit suggeriert wird ist, daß der Zuwachs an Zentralbankgeld tatsächlich zu einem Vermögenszuwachs bei den monetären Autoritäten und letztlich beim Staat führt.

Dieser Sachverhalt ist jedoch durch nichts gedeckt, denn die Emission von Zentralbankgeld erfolgt im Kreditgeldsystem im Wesentlichen im Zuge einer Kreditgewährung der Zentralbank gegenüber einer Geschäftsbank, was zwar die Bilanz der Zentralbank verlängert, aber keineswegs zu einem „Wohlfahrtszuwachs“ der Zentralbank führt. Denn das Einzige was eine Zentralbank davon hat ist eine Forderung, von der sie hofft, daß diese auch bedient wird. Wie man aus einer derartigen Transaktion schließen kann, daß damit ein Realtransfer stattfinden würde muß eigentlich auf ewig unerfindlich bleiben. (Man kann es auch anders ausdrücken: diese Sichtweise postuliert kraft eigener Wassersuppe, daß die Vergabe eines Kredites bereits einen monetären Nettovermögenszuwachs bedeuten würde – was jedem halbwegs erfahrenen Buchhalter Magenkrämpfe bescheren würde.)

Der Grund dieser Verwirrung liegt wohl eher darin, daß auch hier wieder der klassische Irrtum über das Verhältnis von Geld und Forderungen bei der Formulierung dieser Definition Pate gestanden hat. Denn obwohl jeder, der schon mal einen Kredit bedienen mußte weiß, daß Geld das Geschuldete ist, krallt sich der Irrtum über die Eigenschaft des Geldes entweder Forderung oder Verbindlichkeit zu sein wie eine fixe Idee in den Köpfen von Ökonomen – und vielen die sich dafür halten – fest.

Und es geht weiter: unter fiskalischer ‚seigniorage’ wird diese definiert aus der monetären ‚seigniorage’ was nichts anderes heißt, daß das defekte Konzept der monetären ‚seigniorage’ nun auch für die Formulierung eines weiteren Kunstbegriffs verwendet wird, was die Sache natürlich nicht besser macht. Da die Voraussetzung schon nicht stimmt, muß man sich darüber erst garkeine Gedanken machen. Obwohl: richtig witzig wird die ganze Sache dadurch, daß man sich daraufhin darüber Gedanken machen kann, warum nicht erzielte Zinseinnahmen zu einem zinsbedingten fiskalischen Ertrag führen sollen. Man kann es nur so sehen: auf eine fehlerhafte Fragestellung gibt es keine sinnvolle Erklärung! Und: die Erklärung, daß die ‚seigniorage’ durch den Gewinn der Notenbank gemessen werden kann, steht mal einfach so im Widerspruch zu der formelpräsentierten Darstellung, die sich ein paar Zeilen weiter oben findet, daß nämlich die ‚seigniorage’ aus einer Bestandsveränderung der monetären Entität „Zentralbankgeldzuwachs“ entstammen soll. (Wie soll man sich eigentlich über einen Artikel lustig machen, wenn er sich sogar schon selbst zerlegt?)

Die Katastrophe dabei ist, daß diese Definition von ‚seigniorage’ von einem Ökonomen stammt, der bis vor ein paar Jahren noch Chefökonom der EZB war. Das ist schon schlimm genug, aber es ist ja nicht so, daß sich nicht irgendwelche ‚follower’ der Sache verschrieben hätten und solche Dinge raushauen, wie z.B.: die „Opportunitätskosten-Seigniorage“ ist „der Zinsertrag, der erzielbar ist, wenn der Gegenwert der Zentralbankgeldmenge zum Marktzins angelegt wird.“ Fragt sich eigentlich von diesen „Ökonomen“ überhaupt einer, wo der „Gegenwert“ der Zentralbankgeldmenge steht? Richtig, auf der Passivseite der Zentralbank, wobei der Posten des Zentralbankgeldumlaufs in der Zentralbankbilanz letztlich nur einen Merkposten darüber darstellt, wieviel Zentralbankgeld von der Zentralbank im Zuge irgendwelcher Kreditvergaben ausgegeben (geliefert) worden ist. Aus einem Merkposten über geliefertes Zentralbankgeld abzuleiten, daß daraus ein „realer Wert“ entstünde, überstrapaziert selbst den geduldigsten Menschenverstand. (Wer meint eine buchhalterische Begründung dafür zu haben, daß diese Argumentation richtig sei, mag sich in einem Kommentar melden. Falls es tatsächlich jemand tut: das wird nicht jemand sein, der in buchhalterischen Dingen auch nur halbwegs bewandert sein kann!) Aber gemach: auch die Theoretiker der „Liquiditätspräferenz“ sind nicht davor gefeit, die intrinsischen Gefühle der Geldbesitzer als Argument für knallharte Sachfragen zu verwenden. So hat jeder sein Kuckucksnest! Man kann es auch anders ausdrücken: wenn ein Wirtschaftssubjekt sich für eine Sache entscheidet heißt das nicht, daß die Nichtentscheidung für die Alternative für jemand anderes einen (monetären) Gewinn bedeutet. Noch einfacher: wenn ich auf etwas verzichte, hat ein anderer erst recht nichts davon! (Kennt man aus dem Sparparadoxon! Und: ’school-shootings‘ mal ausgenommen!)

Daß irgendwelche Leute, die derart lustige Theorien vertreten, ob sie nun beanspruchen das (angeblich) maßgebliche Internetlexikon zu repräsentieren, oder ob sie nun derart krude Theorien über eingebildete „Erträge“ vertreten, auch noch Einfluß auf die europäische Geldpolitik hatten (haben), kann man nur noch mit Humor ertragen.

Ich möchte an dieser Stelle noch Michael Gunczy dafür danken mir die Inspiration für diesen Post vermittelt zu haben! (Ach so, die Vollgeldler sind diesmal noch glimpflich davongekommen!)

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Logische Typenlehre II – das Basisgeld

MagnolieGeld ist eine Entität der Schuldkommunikation aber selbst keine Schuld.

Die Theorie, daß Geld eine Forderung an die Zentralbank sei ist einer zu oberflächlichen Betrachtungsweise geschuldet. Denn die Ebenen des Geldsystems sind hierarchisch gesehen derart gestrickt, daß die Forderungen der übergeordneten Ebene gerade keine Forderungen für die nachgeordnete Ebene darstellen. Deswegen ist auch eine Vorstellung, daß Geld eine Forderung gegen die Zentralbank sei nichts weiter als gegenstandslos.

Das gleiche Ergebnis gilt aber auch auf der Ebene der Vermittlung aka „Emission“ von Zentralbankgeld. Denn die Forderung einer Bank gegen die Zentralbank ist gerade eine Forderung auf – Zentralbankgeld. Damit ergibt sich eine logische Differenz, die sich darin manifestiert, daß Geld ein Objekt der Schuldkommunikation ist – und nicht das Subjekt!

Der Unterschied zwischen Bezeichnung und Bezeichnendem ist gerade dabei von außerordentlicher Bedeutung, weil inzwischen die Zuschreibung an Geld, ein ‚asset‘ zu sein, die Diskussion beherrscht. Genau das ist jedoch nicht der Fall. Denn ein Schuldvertrag beinhaltet eine Leistung, die auf eine Sachübertragung gerichtet ist. Aus diesem Grunde kann Geld nicht eine Forderung oder eine Verbindlichkeit sein, weil die logische Differenz von Schuld und geschuldetem Sachgegenstand nicht übersprungen werden kann. Mit der Vorstellung von Geld als Schuld wird eine logische Grenze überschritten, die einen groben Verstoß gegen die Grundsätze der logischen Differenz von Element und Klasse darstellen. Das klassische Problem der Mengenlehre besteht ja gerade daraus, daß die Klasse aller(!) Klassen sich selbst nicht als Element enthalten kann. Umformuliert: die Klasse aller Kredite kann sich selbst nicht als Element enthalten, d.h. übersetzt, daß die verbindende Klammer, welche Kredite operationsfähig machen kann, nicht selbst ein Element der Klasse der Kredite sein kann. Damit wird aber das Objekt der Schuldbeziehungen zwischen Banken und Zentralbank auf einmal zu einem Subjekt der Schuldbeziehungen von Banken zu Nicht-Banken. Heißt auf gut Deutsch: Zentralbankgeld ist im Zentralbankverkehr die Handelsware, die durch Schuldbeziehungen erschaffen oder vernichtet wird, Zentralbankgeld ist im Geschäftsverkehr demgegenüber das ultimative Schuldentilgungsmittel, welches die derivativen Schuldbeziehungen von Banken und Nicht-Banken entweder etabliert oder eben neutralisiert.

Damit verliert aber Zentralbankgeld seine üblicherweise kolportierte Eigenschaft ein Mittel zur Erleichterung von Tauschbeziehungen zu sein. Und dennoch: mit einer für eine Wissenschaft beispiellosen methodologischen Inkonsequenz versucht die Ökonomie dieser Kalamität seit 200 Jahren dadurch zu entkommen, daß sie vermeintlicherweise über den realen und „richtigen“ ökonomischen Kern der Tauschwirtschaaft einen Schleier der monetären Undurchsichtigkeit stülpt, obwohl es gerade dieser „Schleier“ wäre, der es möglich machte, dem Geheimnis des Geldes auf die Schliche zu kommen.

Mit dieser Präformierung klebt sich die Ökonomie auf eine systemtheoretische (Prä-) Ebene fest, die sie außerhalb der sich als systemtheoretisch verstehenden Wissenschaften stellt, so daß ihre Stellung innerhalb des Wissenschaftsbetriebes als äußerst prekär einzuschätzen ist. Diese Ignoranz gegenüber den eigenen methodologischen Grundlagen kann dann auch durch eine noch so intensive statistische Ausrichtung nicht aufgefangen werden. Denn wie man weiß, wird durch statistische Methoden nur das erkennbar, was bereits als Konzeption gedanklich vorliegt – durch statistische oder ökonometrische Untersuchungen können, im Gegensatz zu einem weitverbreiteten Missverständnis (Friedman), keine originären Erkenntnise gewonnen werden.

Dagegen führt die methodologische Differenz von Element und Klasse zu der Erkenntnis, daß Geld als Erfüllungsmedium von Schuldverhältnissen selbst kein Schuldverhältnis sein kann. Die klassische Allegorie für diese Verwechslung von Bezeichnung und Bezeichnetem ist der Schizophrene, der nach dem Studium der Speisekarte völlig überzeugt von der Richtigkeit seines Tuns herzhaft in die Speisekarte beißt. Mit dieser fehlerhaften Identifikation von Geld und Kredit wird zu allem Überfluß von der Ökonomie völlig unbekümmert die Definition der Geldmenge zu einer Vermengung inkommensurabler Entitäten hochstilisiert. Damit wird der Blick dafür verstellt, daß Geld seine Funktion darin findet Schuldverhältnisse zu etablieren oder auszugleichen, die damit wieder aus dem gesellschaftlichen Beziehungsgeflecht entfernt werden können. So ist letztlich auch der Irrglaube zu erklären, daß die Ausweitung der Geldmenge M0 zu einer Lösung des Problems einer mangelhaften Rentabilität beitragen könnte. Das ist denn aber auch nicht der Fall. So sind z.B. die LTRO Aktionen der EZB überhaupt nicht geeignet das Problem der mangelnden Rentabilität der Realwirtschaft zu lösen, da sie lediglich dazu beitragen können das Liquiditätsproblem (aber eben nicht das Rentabilitätsproblem) von Unternehmen und damit auch der Banken zu konsolidieren. Gewinne entstehen dadurch nicht!

Das methodische Desaster der Vermengung von Element und Klasse wird nur noch dadurch übertroffen, daß das Postulat einer (quasi) theorielosen und von statistischen Spitzfindigkeiten überfrachteten Ökonometrie zu Erkenntnis führen soll. Natürlich sind statistische Untersuchungen per se nicht falsch nur kann nur dann eine Erkenntnis daraus gezogen werden, wenn damit auch eine Vorstellung verbunden ist, welche das Ergebnis der Analyse der Daten auch in einen sinnvollen Zusammenhang stellen kann. So wie es derzeit aussieht wird es allerdings nicht mehr dazu kommen, daß die Ökonomie sich auf eine andere Formulierung ihrer angestammten Vorurteile einlassen wird.

Damit vergibt sie sich der Möglichkeit zu einer Wissenschaft zu werden welche die methodischen Grundlagen der logischen Typenlehre ernst nehmen kann und will.
Diese Art von Konzeption ist der Grund dafür, warum es für die Ökonomie so schwer ist zu einer akzeptierten Wissenschaft zu werden. Die permanente Ignoranz gegenüber den methodischen Prinzipien der ’scientific community‘ macht es fast unmöglich zu einer allgemein akzeptierten Definition des eigenen Erkenntnisobjektes zu kommen, die den Normen der allgemein akzeptierten Wissenschaft entspricht.

Man kann diese Prinzipienlosigkeit der Ökonomie als ein ‚feature‘ interpretieren aber eigentlich ist es ein Versagen davor, die Objekte, welche die eigene Erkenntnis darstellen sollten auf eine Weise zu ordnen, welche eine Anspruch erheben kann, eine saubere methodologische Grundlage zu haben. Es ist zwar nicht wirklich so, daß allein die Grundlagen der logischen Typenlehre zu einer akzeptablen ökonomischen Theorie führen können, welche das ökonomische Problem lösen könnte, wie die Frage von Knappheit gelöst werden kann. Dennoch ist das Zentralproblem der Ökonomie ohne die substanzielle Unterscheidung von Bezeichnung und Bezeichnetem nicht auf eine saubere wissenschaftstheoretische Art zu bewältigen, indem man sich den eignen Grundlagen gegenüber ignorant zeigt.

Damit wird wieder die Ausgangsfrage angesprochen, warum das Insistieren auf der vermeintlichen Eigenschaft von Geld als Kredit immer noch dergestalt die Sinne vernebelt, daß diese Gleichsetzung weitere Fehlschlüsse generiert, die sich darin zeigen, daß monetäre Problemlagen immer noch mit einem Konzept analysiert werden, welches selbsterklärterweise auf einer Tauschphilosophie (Hirsch und Biber – A. Smith) aufbaut, und gleichzeitig die strukturellen Differenzen – allein innerhalb des Geldwesens – mit einer präpotenten Ignoranzattitüde aus dem ökonomischen Sachzusammenhang wegdefiniert werden.

Man kann das ja alles machen und auch vertreten, man darf sich dann nur nicht wundern, warum ökonomische Prognosen aus grundsätzlichen Gründen (derzeit) lediglich beliebig sind. Die grausame Konsequenz daraus ist, daß dann, wenn irgendein „Ökonom“ mal einen Zufallstreffer gelandet hat, der (wiederum) logische Grundsatz gilt: ‚ex falso quodlibet‘!

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Geld oder Kredit – who cares? Banken!

TrogDie Diskussion um die Frage, ob Sichtforderungen sinnvoll als „Geld“ interpretiert werden können ist auf der einen Seite eine formelle Diskussion um die Frage, ob das, was auf der Passivseite der Zentralbankbilanz steht – nämlich der Zentralbankgeldumlauf – nun eine Verbindlichkeit darstellt oder nicht. Denn soweit man die Eigenschaft des ZBG-Umlaufs eine Verbindlichkeit zu sein bejaht, läßt sich der Analogschluß zu den Sichtforderungen der Geschäftsbanken ziehen, womit ein eindeutiges Trennungskriterium nicht mehr existiert. Der einzige Unterschied wäre dann nur noch, daß eine Zentralbank niemals illiquide in ihrem selbst emittierten Geld werden kann, während das bei Geschäftsbanken schon mal schiefgeht – was dann die Zentralbank auf den Plan ruft, die dann als ‚lender of last resort‘ fungieren soll, womit sich das Liquiditätsproblem für die (größeren) Geschäftsbanken weitgehend erledigt.

Auf der anderen Seite ist es hier in keiner Weise ein Selbstzweck eine Diskussion wieder anzuzetteln, die bereits vielfältig ausdiskutiert zu sein scheint. Es geht also dabei nicht um einen Streit um „des Kaisers Bart“, sondern um die Frage, welche Funktionsbestimmungen in Bezug auf Geld man vertritt. Dabei ist die Funktionsbestimmung „Tauschmittel“ allgemein die geläufigste Zuschreibung bei der Frage: „Was ist Geld?“. Zweifel an dieser Zuschreibung sind deswegen angebracht, weil diese Antwort nicht Ergebnis einer geldtheoretischen Analyse ist, sondern sich aus der Notwendigkeit ergibt, die relativen Preise des ökonomischen ‚mainstream‘-Modells in absolute Preise zu transformieren, ohne die Kohärenz des zugrundeliegenden Modells zu beeinträchtigen. Daß damit ein Bauchgefühl á la „Man sieht ja, daß man Geld und Güter tauschen kann!“ und damit lediglich eine Erfahrungstatsache als Theorieersatz herangezogen wird, wird bei der Plausibilisierung einer derartigen Zuschreibung meistens stillschweigend unterschlagen. Nun soll hier nicht die alte epistemologische Frage aufgeworfen werden, ob Empirie ohne Theorie überhaupt sinnvoll machbar ist oder nicht. Aber wie man seit Galileo und Kepler weiß (und wahrscheinlich auch schon seit Aristoteles, denn bei Aristoteles steht ohnehin schon alles) lassen sich Erkenntnisse auch ohne direkte Anschauung gewinnen, resp. auch dann gewinnen, wenn die phänomenologische Betrachtung das Gegenteil dessen auszusagen scheint als das, was die Theorie aus anderen Erwägungsgründen ableitet. (Wer es etwas moderner haben will: das Higgs-Boson gab es vor der theoretischen Berechnung nicht und danach ein paar Jahrzehnte auch nicht. Jetzt schon – und manche sagen: immer noch nicht!)

Was könnte es also sinnvoll machen, den Unterschied von Zentralbankgeld und Sichtforderungen herauszuheben?
Der Versuch einer Skizze:

Das Eine (ZBG) ist ein Zahlungsmittel bzw. dasjenige Medium, in dem eine schuldbefreiende Zahlung möglich ist. Kennt man vom Bäcker: man schließt mit dem Verkäufer einen Vertrag, indem qua Angebot und Annahme eine zweiseitige übereinstimmende Willenserklärung zu einem gegenseitigen Schuldverhältnis führt. Was führt nun zum Ziel der ganzen Operation, welches darin besteht, daß der Kunde ein Gut übertragen bekommen möchte, während der Verkäufer eine Ware übertragen möchte und das mit einer möglichst schuldbefreienden Zahlung? Richtig, die Übertragung des Geschuldeten.

Das Andere ist die Referenz auf Geld. Referenz auf Geld bedeutet, daß es einen Verfügungsanspruch gibt, über einen bestimmten Geldbetrag disponieren zu können, indem einem Dritten (der Geschäftsbank) der Auftrag erteilt wird, die Übertragung des Herausgabeanspruchs an den Empfänger zu übernehmen. Was dabei offenbar eintritt ist die vieldiskutierte Tatsache, daß in einem Bankensystem – im Gegensatz zu der Barzahlung – die Notwendigkeit 100% Zentralbankgeld für die Abwicklung der Transaktionen vorhalten zu müssen offenbar in dieser Ausprägung nicht gegeben ist. Aus diesem Umstand folgert eine ganze Diskussionsrichtung, daß dort ein „fraktionelles Reservesystem“ vorliege, welches gewissermaßen auf Kosten der Bankkunden nur einen Teil der umgesetzten „Geldmenge“ zur Abwicklung aller Transaktionen verwende. Damit einher ergeht der Vorwurf an die Banken „das Geld der Einleger“ für ihre Zwecke zu verwenden, indem es (rechtswidrig) weiterverliehen werde. Soweit die eine Seite.

Welche Vorstellung ist zu entwickeln, wenn man einen anderen Zusammenhang sehen möchte? Dieser geht davon aus, daß Geld nicht irgendwie vom Himmel fällt oder auf den Feldern wächst oder aus nicht erklärbaren „Einlagen“ entstammt, deren Herkunft nicht nachvollziehbar sind, sondern sich aus der Zahlungsverpflichtung einer Zentralbank ergibt, was sich dann in der Forderung einer Geschäftsbank gegenüber der Zentralbank oder in einem Kassenbestand der Geschäftsbank widerspiegelt. Soweit eine Geschäftsbank mit Zahlungsmitteln ausgestattet ist, ist sie auch befähigt Kredite zu vergeben, deren Eigenschaft es ist, teilweise oder vollständig mit einem Zahlungsmittelabfluß verbunden zu sein. Die Einräumung eines Kredits begründet die Schaffung von Sichtforderungen, über die der Inhaber der Sichtforderungen nach Belieben verfügen kann. (BTW: Wenn diese Sichtforderungen des Kreditnehmers an z.B. seinen Angestellten übertragen werden, der sein Konto bei einer anderen Bank hat, sieht es tatsächlich so aus, als würde bei der Empfängerbank eine „Einlage“ entstehen. Nur: die ist ja nicht aus dem Nichts entsprungen, sondern bei der Krediteinräumung der überweisenden Bank entstanden! Es handelt sich also lediglich um eine Verlagerung der bei der Krediteinräumung geschaffenen Sichtforderungen!) Dabei kommt es mit der Ausdifferenzierung des Interbankenmarktes zu dem bekannten Effekt, daß die Einräumung eines Kredits nicht stets damit verbunden ist, daß die Bank zu 100% sich zusätzliches Zahlungsmittel beschaffen muß, sondern nur für den Teil, der von ihrem eigenen Hause  (temporär) wegüberwiesen wird, da sie – aus ihrer Perspektive – ihre Herausgabeverpflichtung hinsichtlich der Zahlungsmittel an eine andere Bank „weitergibt“. Dabei wird die Bank, die in den Auszahlungsanspruch nunmehr gegen sich eintritt auch darauf bestehen müssen, daß das Herauszugebende – das Zahlungsmittel – ihr auch tatsächlich übergeben wird – in bar oder moderner als Übertrag einer Forderung auf Zentralbankgeld bei der Zentralbank.

Wozu das alles? Nun, um zu motivieren, daß bei einer säkular sinkenden Bargeldquote das Liquiditätsmanagement einer Bank stetig größeres Gewicht erhält und eben dieser Umstand bewirkt, daß die Funktion von Zentralbankgeld als direktes Tauschmittel zunehmend in den Hintergrund, dagegen die Funktion von Zentralbankgeld als Mittel zur Steuerung des Bonitätsniveaus im Interbankenmarkt immer mehr in den Vordergrund tritt. Der entscheidende Hebel dafür sind die Kosten der Beschaffung von Zentralbankgeld, weil der Gewinn der Geschäftsbank um so höher ausfällt, je geringer die Liquiditätskosten sind, die bei einem sich einstellenden Liquiditätsbedarf entweder aus den Zinskosten am Interbankenmarkt, freien Geldmarkt oder den Zinskosten gegenüber der Zentralbank anfallen. Damit wird aber der Bonitätsstandard des Aktivportfolios zum entscheidenden Parameter (’shiftability‘) hinsichtlich der Beschaffungskosten, wobei ein hoher Bonitätsstandard durch relativ geringe Geldbeschaffungskosten geprägt ist, während Banken mit geringerem Bonitätsstandard höhere Geldbeschaffungskosten aufwenden müssen, um ihren Liquiditätsstatus hinsichtlich der Zentralbankgeldabflüsse ausreichend hoch zu halten.

Man muß wohl noch viel darüber schreiben, aber die säkulare Veränderung, die daraus besteht, daß Zentralbankgeld zunehmend als Steuerungsinstrument des Ausgleichs von Liquiditätsproblemen der Banken begriffen werden muß, kann man nicht mehr ignorieren. Insofern ist die Funktion des Geldes als Tauschmittel als Aspekt einer spezifischen (Tausch-)Theorie nicht ganz unberechtigt, aber hinsichtlich der Ausdifferenzierung des Finanzsystems hoffnungslos defizitär. Die Funktionsbestimmung von Geld innerhalb einer Kreditgeldtheorie fokussiert primär das Liquiditätsproblem und analysiert (statt der Erleichterung von Tauschprozessen) die Zahlungsmitteleigenschaft des Geldes hinsichtlich des Liquiditätsausgleichs bei Banken und schließlich dessen Funktion bei der Herausbildung eines allgemein akzeptierten Interbanken-Bonitätsstandards.

Pointiert ausgedrückt: Zentralbankgeld steuert die Geschäftspolitik von Banken. Kredit steuert die wirtschaftliche Aktivität der Privaten. Das Mißverständnis liegt darin, daß allgemein angenommen wird, daß eine Zentralbank das Volumen der Kredite direkt steuern würde, wofür die Theorie des Geld-Kredit-Multiplikators bzw. das ‚fractional banking‘ stehen. Dabei kann eine Zentralbank nur die Bonität der von den Banken vergebenen Kredite steuern, indem sie durch eine relative(!) Verknappung von Zentralbankgeld jede Einzelbank dazu zwingt zur Refinanzierung von Zentralbankgeldabflüssen auf dem Interbankenmarkt um Kredit nachsuchen zu müssen.

Die Entwicklung der Zahlungs- bzw. Liquiditätsausgleichstechnologie erzeugt Motivationsstrukturen bei den Geschäftsbanken, die sich durch die alleinige Zuschreibung an Geld, lediglich als Tauschmittel zu dienen, nicht erklären lassen. Denn das Liquiditätsmanagement der Geschäftsbanken ist nicht nur ein Motivationsfaktor um Refinanzierungskosten zu sparen, sondern erzeugt den Zwang für jede Geschäftsbank auf die Bonität der anderen Geschäftsbanken achten zu müssen. Das heißt aber, daß die Einschätzung über die Bonität der Korrespondenzbanken zu einer unabdingbaren Leitlinie der Geschäftsbankenpolitik wird. Die Geschäftsbesorgung Zahlungsmittelverkehr bzw. die daraus folgende zentrale Bankenfunktion „Sicherung des Liquiditätstatus“ wird damit zu einer sozialen, reziproken Interbanken-Überwachungsfunktion, was die Bonität des Aktivportfolios jeder Bank angeht. So wird auf einmal der Effizienzaspekt der Geschäftsbankenpolitik Refinanzierungskosten zu sparen auf einmal zu einem Steuerungsfaktor, den eine Zentralbank dazu verwenden kann, um einem Bankensystem einheitliche Bonitätsstandards anzuerziehen! Damit wird die Trennung von Geld und Anspruch auf Geld (Sichtforderungen) zu einem währungspolitischen Parameter, welcher sich nicht erschließt, wenn Schuldverhältnisse von Geschäftsbanken unbesehen auch zu „Geld“ gerechnet werden.

Der Umstand, daß Geld Schulden ausgleicht und somit Banken – als Schuldner der von ihnen selbst erzeugen Verbindlichkeiten – stets zu einer Liquiditätssicherung zwingt, zieht die Grenzlinie zwischen einer Tauschmitteltheorie des Publikums im Gegensatz zu einer Liquiditätssicherungstheorie der Banken durch die Funktion von Zentralbankgeld als Ausweis von Zahlungsfähigkeit. Dabei ist das Phänomen, daß Geld auch zu Zahlungen verwendet wird, so gesehen ein Anachronismus – Bestrebungen zur Abschaffung des Bargeldes sind mittlerweile vielfältig vorhanden. Jedoch ist nach vorstehenden Ausführungen selbst bei einer kompletten Abschaffung des Bargeldes die Existenz von Zentralbankgeld dennoch erforderlich, weil auch dann die Frage des Ausgleichs von Interbankenforderungen an den geltenden Zahlungsmittelstandard gebunden bleibt, mithin Zentralbankgeld als Ausweis von Zahlungsfähigkeit unmittelbar unabdingbar ist.

Die Tauschmittelaufgabe des Geldes mag zwar historisch primär zu der Metafunktion des Geldes, der Etablierung von Tendenzen zu einem einheitlichen Bonitätsstandard, sein. Dessen Akzeptanz bedeutet jedoch anzuerkennen, daß die Entwicklung der Zahlungstechnologie in Verbindung mit der Ökonomisierung des bestehenden Zahlungsmittelvolumens einen neuen Sachverhalt schafft, der im Gegensatz zu der Theorie des Tauschmittels als emergente Erscheinung der modernen Finanzwirtschaft gesehen werden muß. Und nun wird es schwierig…

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Vollgeldspielereien

Zunächst mal: das Vollgeldkriterium ist eine Mindestreserve von 100%. Das heißt auf gut Deutsch, daß jede Bank für die Genehmigung eines Kredits die Zustimmung der Zentralbank braucht, damit sie die für die Erteilung des Kredits notwendige Zentralbankgeldmenge zugeteilt bekommt.

Der unmittelbare Effekt ist eine unsinnige Zentralbankgeldhaltung der Banken, die entweder in bar gehalten werden müßte, oder als Gutschrift bei der Zentralbank vorhanden wäre, weil ja ja eine Gutschrift der Zentralbank über Zentralbankgeld für die Geschäftsbanken quasi dasselbe ist wie Bargeld. Aus der Konstruktion des Bankensystems weiß man aber, daß diese Zentralbankgeldbestände nie gebraucht würden, es sei denn im Fall eines ‚bank-run‘. Ansonsten wird Bargeld von Banken nur für den Bargeldverkehr gebraucht, während Forderungen über Zentralbankgeld bei der Zentralbank für ‚clearing‘-Operationen Verwendung findet.

Dabei ist die vermeintliche Regulierungsfalle Zentralbankgeld keine valide Restriktion, was die Zahlungsfähigkeit der Geschäftsbanken angeht. (Leider ist das Missverständnis Vollgeld auch einer falschen Darstellung der Bundesbank hinsichtlich der Frage der „Geldschöpfung“ geschuldet. Das ist ein anderes Thema!)

In Kurzform die richtige Version: das Knapphaltung des nötigen Bargeldes seitens der Zentralbank ist an sich die bindende Restriktion für die Banken den Umlauf von Bargeld zu minimieren. Denn die Effizienz der Verwaltung von Zentralbankgeld ist die eigentliche Aufgabe der Geschäftsbanken und nicht die Vorhaltung eines „Schatzes“ an Bargeld in ihren Tresoren. Das klingt so wie die Trottelnummer von „Fabian der Goldschmied“! Diese Effizienz zeichnet sich dadurch aus, daß der Interbankengeldverkehr dazu führt, daß bei allen, die sich im Interbankengeldmarkt beteiligen eine Erwartung existieren muß, daß die Bonität des Geschäftspartners gewissermaßen genauso hoch ist, wie die eigene Bonität. Denn dann ist ein Ausgleich an Zentralbankgeld zwischen Banken mehr oder weniger ein durchlaufender Posten der betrieblichen Kalkulation.

Vollgeld überträgt aber nun die Verantwortung für die Kreditvergabe auf die Zentralbank. Die Frage wäre, ob diese Verantwortung überhaupt dorthin gehört. Denn salopp gesagt ist die Funktion einer Zentralbank die: die Erzeugung von einheitlichen Bonitätsstandards für alle an sie angeschlossenen Geschäftsbanken.

Diese Aufgabenstellung kollidiert natürlich mit der landläufigen Interpretation der Aufgaben einer Zentralbank. Doch das ist ein Mißverständnis. Eine Zentralbank ist nicht für die Steuerung der Inflation da (geschweige denn NGDP), weil sie innerhalb ihres eigenen Aufgabenspektrums die Entscheidungen, welche dann mittelbar zu einer Steigerung der unternehmerischen Kosten und mithin der Steigerung der Verkaufspreise führen würden, überhaupt nicht treffen kann und in einer liberalen Ökonomie auch nicht treffen soll. Insofern ist die Erwartung, daß eine Zentralbank eine Steuerung des Preisniveaus beeinflussen könne, auf eine von ihr unmöglich zu erfüllende Aufgabe gerichtet. (Sobald man das einmal kapiert hat, fragt man sich, warum man an solche schöngeistigen Konzepte wie „Umlaufgeschwindigkeiten“ jemals geglaubt hat. Umlaufgeschwindigkeiten gehören auf den Rummel, nicht in die Ökonomie!)

Woran liegt das? Nun, das Verhältnis einer Zentralbank zu einer Geschäftsbank ist durch ein Delegationsverhältnis geprägt. Ein ‚principal-agent‘-Verhältnis ist jedoch dadurch charakterisiert, daß es anreizkompatible Arrangements geben muß, die den ‚agent‘ dazu bringen, die Ziele des ‚principal‘ mitzutragen. Das geht nur dann, wenn die Operationsweise zwischen beiden Parteien dazu führt, daß es zu Differenzierungen kommt, wenn ein ‚agent‘ (= Bank aus der Menge aller Banken) von den gestellten Qualitätsforderungen des ‚principal‘ (= Zentralbank) abweicht. Das heißt, der ‚principal‘ muß selbst differenzieren oder die ‚agents‘ differenzieren lassen, um die gestellten Qualitätsvorgaben zu erfüllen. Ein weites Feld…

Aber kurz und gut: die unvollkommene Kontrollkapazität der Zentralbank erlaubt es nicht Kreditentscheidungen zentral zu treffen. Denn das würde zu einer Duplizierung der ‚monitoring‘-Aufgaben einer Geschäftsbank führen, deren originäre Aufgabe es ja ist, die Kreditwürdigkeitsprüfung des Kreditantragstellers durchzuführen und zu beurteilen. Eine Einführung von Vollgeld würde demgegenüber dazu führen, daß von der Zentralbank Entscheidungen erwartet würden, welche sie aufgrund ihrer sachlichen Vorgangsferne überhaupt nicht einschätzen könnte. Das heißt aber im Endeffekt, daß von ihr sachnahe Entscheidungen erwartet würden, die im real existierenden Sozialismus von der Zentralplan-Behörde gefällt werden sollten. Daß eine derartige Konstruktion – gelinde gesagt – suboptimal wäre, muß wohl nicht besonders betont werden.

Und nun die ’seignorage‘!

Das bezeichnet im Grunde genommen einen „Gewinn“ aus der erstmaligen Verwendung von Zentralbankgeld. Das ist letztlich die alberne „Fabian-Goldschmied“-Vorstellung. Dabei wird zweierlei übersehen:

a) Der Zusammenhang des finanziellen Rechnungswesens erlaubt es nicht, daß eine „Geldausgabe“ über den Staat ohne eine begleitende Schuldbuchung erfolgen kann. Die Gegenposition mag ja in der Vorstellung der „Vollgeld“-Jünger bei der Zentralbank zinslos erfolgen, dennoch geht kein Weg daran vorbei deutlich zu sagen, worum es sich dabei handelt: nämlich eine zinslose Staatsfinanzierung durch die Zentralbank. Das kann man gut finden oder auch nicht, entscheidend ist

b) daß es dabei eigentlich nur um eine Aneignung realwirtschaftlicher Güter und Leistungen geht, welche nicht durch ein zusätzliches Güterangebot seitens des Staates begleitet wird. Denn Ausgaben des Staates sind a priori Konsumausgaben, auch wenn dadurch im günstigsten Falle die Bedingungen der privaten Unternehmen verbessert werden. Entscheidend ist jedoch etwas anderes, nämlich der Umstand, daß nicht rückzahlbare Schulden postwendend zu einer Erhöhung des Nettogeldvermögensbestandes der privaten Sektoren führt, womit im Endeffekt eine Aufblähung der Vermögenspreise induziert wird. In gleicher Richtung wirkt die von den „Vollgeld“-Vertretern angeregte Liquidisierung der Staatsschulden durch die zwangsweise „Deckung“ der von den Banken vergebenen Kredite mit Zentralbankgeld, was in der Vorstellung der „Vollgeld“-Vertreter im Grund dadurch erfolgen soll, daß die Geschäftsbanken ihren Bestand an Staatsschuldtiteln durch eine Bargeldhaltung, mit Hilfe eben dieser Liquidisierung von Staatspapieren, substituieren sollen. Heißt auf gut Deutsch: die Banken sollen statt Staatspapiere Zentralbankgeld halten, um die von ihnen vergebenen Kredite zu „decken“!

Eine unmittelbare Folge davon wäre ein großflächiger Zusammenbruch des Geschäftsmodells der Kapitalsammelstellen, weil deren Funktionsweise daran hängt, über „sichere“ Wertpapiere jedwede notwendige (Re-)Finanzierung geräuschlos bewerkstelligen zu können. Denn Staatsschuldtitel sind die unabdingbare Geschäftsgrundlage von Finanzmärkten, weil deren Liquidität die Flexibilität der Operationen von Finanzmärkten gewährleistet. Man kann ja meinen, daß das alles nicht notwendig sei, eine stillschweigende Inkaufnahme potentieller Katastrophen ist jedoch nicht das, was man von einer gelungenen Finanzmarktreform erwartet.

Das hat auch was mit der Frage zu tun, was das „Wesen“ von Staatsschulden angeht: kurz gesagt sind Staatsschulden in letzter Konsequenz in Vorjahren konsumiertes Sozialprodukt, welchem in der Gegenwart kein entsprechendes Güter- und Leistungsangebot gegenübersteht. Staatsschulden sind demzufolge „vergangenes Nichts“. Aus diesem Grunde ist jedoch die Abhängigkeit von Staat und Kapitalsammelstellen nicht auflösbar, sondern gehört eher zu einer spezifischen Qualität des Staatsschuldenkonzepts von Ökonomie. Denn insoweit es die Bestrebung der privaten Akteure zur Bildung von Nettogeldvermögen gibt gilt für die Verklammerung von Staat und Kapitalsammelstellen: It´s not a bug (Teufelskreistheorie), but a feature! Und das gilt auch und insbesondere für die Zinsen von Staatsschulden, welche im Grunde genommen mit den Zinsen finanziert werden, die vom Staat „gezahlt“ werden. Oder anders: Staatsschulden werden stets revolviert und die Zinsen auf die Staatsschuld werden mit den kurz zuvor vom Staat gezahlten Zinsen finanziert, indem diese in gleicher Höhe der Staatsschuld zugeschlagen werden. Man glaubt es kaum, das funktioniert! (OK, manchmal muß auch die Zentralbank deutlich machen, daß es so zu funktionieren hat – was anderes hat Draghi mit seiner OMT-Ankündigung auch nicht gemacht.)

Was gibt es sonst noch zu der „Vollgeld“-Szene zu sagen? Ach ja, natürlich verwechseln diese „Protagonisten“ wie üblich Schulden mit Geld, denn daß Zentralbankgeld und Sichtforderungen zwei verschiedene Dinge sind, kann man als „Vollgeldler“ nicht akzeptieren, weil sonst das ganze Konzept in sich zusammenfällt. Mal abgesehen davon, daß Sichtforderungen („Einlagen“ oder „Giralgeld“ ist eigentlich eine Falschbezeichnung) eine Folge der Kreditvergabe der Geschäftsbanken sind und nicht umgekehrt. (Einlagen hat man in den Schuhen und nicht auf der Bank!) Leider trägt auch die Bundesbank zu diesem Mißverständnis bei, indem immer wieder die „Einlage“ bei einer Geschäftsbank zu einer Ursache der Kreditgewährung hochstilisiert wird. Aber das ist im Vergleich zu der „Vollgeldler“-Konzeption ja noch harmlos.

Was lernt man daraus?
Die Vollgeld-Phantasie ist nur dazu geeignet Verwirrung zu stiften, sonst nichts. Es ist ja verständlich, daß die Suche nach einer Alternative zu der herrschenden Geldtheorie kuriose theoretische Vorstellungen hervorbringt. Das heißt aber nicht, daß dadurch die Errungenschaften des Kreditgeldkapitalismus völlig vor die Hunde gehen müssen. Auch wenn´s schwerfällt – ja, die gibt es!

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Die Rüstung der Bundesbank

Die Geldtheorie ist immer wieder eine goldige Spielwiese für „was wäre wenn“ Überlegungen, deren Vorteil es ist, niemals in eine ernsthafte Realitätsdimension vorzustoßen zu können. Darum eignet sie sich auch hervorragend dazu, Ängste vor Eventualitäten zu schüren, die nur dann einzutreten pflegen, wenn Juristen versuchen, ökonomische Sachzusammenhänge entscheiden zu wollen. Der letzte Versuch, Juristen dazu zu bringen, ökonomische Sinnfragen zu entscheiden, blieb an der (aus der Sicht der Kläger) Intransigenz bzw. der Professionalität der Verfassungsrichter hängen. Zum Glück!

Das Neueste an Verwirrung liefert die „Was wäre wenn“-Philosophie in Bezug auf die Schadenfolgeabschätzung in Bezug auf den Fall, daß es zu einem Zusammenbruch der EURO-Währung kommen würde. Das erfolgt mit dem Hintergrund, daß das deutsche Selbstverständnis – nachdem es, mehr oder weniger erfolgreich, von jedem völkischen Denken „bereinigt“ wurde – sich in dem Erfolg des Nachkriegs-Wirtschaftswunders wiederfinden konnte. Dabei wurde die Stabilität der D-Mark, welche mit der Zusatzbeschreibung „Härte“ doch eher an Krupp-Stahl denn an erfolgreiche Kooperation erinnert, das abstrakte(!) Paradepferd, welches als Ausweis überlegener Wirtschaftskraft erfolgreich darstellbar war.

Umso mehr trifft es dieses Selbstverständnis, wenn nun der EURO ins Zwielicht gestellt wird, indem Zweifel daran gesät werden, ob sich der Wechsel von D-Mark zu EURO nicht doch zu einem unabsehbaren Desaster auswachsen könnte oder nicht. Leitlinie dieser Hysterie ist die Insinuierung, daß „unser schönes Geld“ bei einem fehlschlagenden Versuch in Sachen EURO lediglich für ein irreales EURUNION-Traumgebilde verbrannt worden wäre, wobei die Verantwortung für dieses Desaster selbstverständlich in einer nicht-deutschen Arbeitsethik gesucht werden müsse. (Dieses Argument ist zur Hälfte richtig, allerdings geldtheoretisch nicht stichhaltig – was es umso problematischer macht, es abzuwehren!)

Was also bereitet der deutschen Seele – made in USA – die größten Unannehmlichkeiten? Richtig: die Sorge um den Erhalt des „schönen Geldes“! Und wer ist der Retter? Wiederum richtig: die Bundesbank!

Das „Was-wäre-wenn“-Szenario findet sich in diesem Fall in der Frage, was passieren würde, wenn es zu einem Zusammenbruch des EURO käme und welche Stellung dann einer Bundesbank zukäme, die ja dann wieder in Deutschland zu der alleinigen Hüterin der Währung reavancieren würde. Dabei soll es an dieser Stelle erstmal nicht um die anscheinend immer noch nicht verstandenen TARGET-Salden gehen, welche ja inzwischen dazu herhalten müssen, jegliche Kritik an der Krisenpolitik der Bundesregierung abzuwehren, weil das Argument, die Krisenpolitik sei deswegen alternativlos, weil sonst mehr als eine halbe Billion EURO (je nach Phantasie auch gerne mehr) als Verlust zu befürchten seien, ohne eine fundierte Kenntnis der tatsächlichen Sachverhalte nur schwer abgewehrt werden kann. Daß die TARGET-Salden natürlich von sachunkundigen Juristen zu einem gesamtwirtschaftlichen Verlust umdefiniert werden können, muß man ja nicht bestreiten – richtig ist jedoch, daß diese Verrechnungssalden unter Zentralbanken eben das sind: nämlich Verrechnungssalden und eben weder Forderungen noch Verbindlichkeiten darstellen. Und damit auch kein Forderungsausfallgegenstand.

Aber nehmen wird mal an, es käme tatsächlich zu einem Forderungsausfall, welcher für die Bundesbank zu einer Bilanzkonstellation führte, wo der Posten „Eigenkapital“ auf der „falschen“ nämlich auf der Aktivseite stünde. Denn das ist zumindest für normal wirtschaftende Unternehmen der Punkt, an dem die Insolvenz qua Überschuldung beantragt werden muß. Denn ein Eigenkapitalsaldo auf der Aktivseite bedeutet, daß das Vermögen nicht mehr die Schulden deckt und somit – wie auch bei dem Kriterium Illiquidität – das Ereignis Überschuldung den Gang zum Insolvenzrichter notwendig macht.

Doch das gilt natürlich nicht für die Bundesbank. Die steht natürlich in alter Nibelungentreue für die Prinzipien der „harten“ D-Mark (die nicht mehr wiederkommen wird) und stellt sich dem Drachen „Forderungsverluste“ gegenüber der untergegangenen EZB heldenhaft entgegen, indem sie trotz des Makels eines negativen Eigenkapitals die Zukunft des deutschen Geldwesens in verantwortungsvoller Weise zu führen imstande wäre und damit eine wiedergewonnene D-Mark-Freiheit mitgestaltete!

Aber nun mal ernsthaft: soweit eine Zentralbank hinsichtlich desjenigen Zentralbankgeldes, welches sie selbst emittieren kann, in Anspruch genommen wird, gibt es kein Vertun: sie ist immer und unbedingt zahlungsfähig. Das liegt an einer kleinen Geschichte im Zentralbankrecht, daß die Geschäfte auf eigene Rechnung von einer Zentralbank mit Zentralbankgeld bezahlt werden könnten. Heißt: Zentralbanken können Gehälter oder sogar Luxusbauten mit selbst emittiertem Geld bezahlen. (Nur das ist das, was mit „inflationsfördernder Geldschöpfung“ bezeichnet wird. Das hat was mit der Frage der Integration von Zentralbankgeld zu tun – ein verwickeltes Problem.) Das heißt, das Zentralbanken laufende Kosten mit einer Bestandsveränderung des Bilanzpostens Zentralbankgeld ausgleichen können und nicht dazu gezwungen sind, entsprechende Einnahmen erzielen zu müssen. Obwohl die Bundesbank in ihrer Geschichte noch nicht zu dieser Zuflucht greifen mußte und jegliche Zahlungsanforderung aus den ihr zufließenden Zinserträgen finanzieren konnte, gibt dieser Aspekt die Antwort auf die Frage, ob eine Zentralbank mit einem negativen Eigenkapital weiterhin eine geldwertstabilisierende Funktion wahrnehmen kann: JA, sie kann es!

Das gilt immer und unbedingt. (Das gilt nicht insoweit eine Zentralbank Zahlungsanforderungen in einer Währung zu erfüllen hat, welche sie selbst nicht emittieren kann.) Es ist daher nicht notwendig, daß die Bundesbank irgendwelche anderen Tricks anwendet, es ist auch nicht nötig, daß „die Bürger ihr Vertrauen in die Zentralbank“ aufrechterhalten. Denn solange eine Zentralbank die Möglichkeit hat den Umlauf an Zentralbankgeld derart zu steuern und sie damit die Kreditkonditionen der Geschäftsbanken, die sich als allererstes auf den Interbankenmarkt auswirken, beeinflussen kann, ist ihrer Gestaltungsmacht keine Grenze gesetzt.

Auf das Vertrauen der Bürger kann sie getrost verzichten!

Denn eine Zentralbank ist nicht deswegen mächtig, weil sie Erträge erwirtschaftet, sondern weil sie das ihr angeschlossene Banksystem dazu veranlassen kann, einen soliden Bonitätsstandard einzuhalten. Das macht sie dadurch, daß sie die Verfügbarkeit von Zentralbankgeld so knapp hält, so daß sich die Geschäftsbanken stets einem Liquiditätsproblem ausgesetzt sehen, was letztere postwendend durch eine solide Geschäftspolitik honorieren müssen.

Das Problem mit den TARGET-Salden ist, daß – richtig betrachtet – das Einflußpotential der Bundesbank bei einem EURO-Zusammenbruch dadurch reduziert würde, daß sie einen Kassenbestand ausweisen müßte, welcher das latente Forderungsvolumen der Geschäftsbanken widerspiegelt. Auf die Verwendung dieser „Schuldpositionen“ hat die Bundesbank keinen Einfluß! (Denn ein positiver TARGET-Saldo bedeutet, daß die Bundesbank eine Geldschöpfungsposition übernimmt, die sie selbst nicht geschaffen hat!) Darauf hat als einziger Ökonom bisher H.-W. Sinn hingewiesen – trotz seiner teilweise abstrusen geldtheoretischen Vorstellungen! Respekt!

Dieser Verpflichtungsanteil ist es, welcher der Bundesbank für einige Zeit die „Herrschaft“ über den deutschen Geldmarkt entziehen würde. Denn der Abbau der TARGET-Salden wird erst dann passieren, wenn die EURDM (so es sie jemals geben würde) zu einer Weltleitwährung wird und damit die Knappheitsdoktrin der Bundesbank wieder zu einer bindenden Restriktion wird. (Für Buchhalter: Kassenbestand gegen Auslandsforderung – simpler Aktivtausch!)

Es ist nicht zu erwarten, daß das der bisherigen Leitwährung gefällt!

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Was ist ‚clearing‘?

Der Verlauf der TARGET-Debatte hat gezeigt, daß es erhebliche Unsicherheit darüber gibt, was als endgültige Zahlung einer NZB gegenüber einer anderen NZB anzusehen ist. Das hat auch was damit zu tun, daß gelegentlich auch im Zusammenhang mit dem Interbankenclearing im Geschäftsbankenbereich darüber Verwirrung herrscht, ob nun die Geschäftsbanken „Geld aus Luft“ schaffen können oder nicht. Angelagert an diese Falschvorstellung ist auch der Irrglaube, daß es eine bargeldlose Zahlung ohne eine korrespondierende Bewegung von Zentralbankgeld (ZBG) gäbe und so der Vorstellung Vorschub geleistet wird, das Geldsystem sei ja doch nur „virtuell“ und nicht real. Dabei ist es nicht so schwer, die Unterschiede auseinanderzuhalten.

Der Grundsatz ist: die Übergabe von ZBG bewirkt eine endgültige Befreiung von einer Geldschuld. Im Grunde genommen ist das trivial, denn sobald das Geforderte übergeben wird, ist eine Schuld erloschen. Denn selbiges gilt auch, wenn das Geforderte nicht ZBG ist, sondern wie beim „Kaufmann von Venedig“ in einem Pfund Fleisch des Schuldners besteht. (Das hindert aber chartalistisch orientierte Geldtheoretiker nicht daran aus dieser Selbstverständlichkeit ein Theoriegebäude zusammenzuzimmern, welches von der Anlage her bereits den Defekt aufweist, auf einer Nullaussage zu beruhen.)

Im Zusammenhang mit dem Überweisungsverkehr zwischen Geschäftsbanken wird dieser Punkt deswegen virulent, weil sich die Üblichkeiten des Bankverkehrs darauf verständigt haben, daß zum Ende eines Banktages offene Salden des Zahlungsverkehrs ausgeglichen werden müssen. Dazu stehen – wenn man sich auf die Frage der endgültigen Zahlungen konzentriert – zwei Möglichkeiten zur Verfügung.

Die beiden Möglichkeiten zum ‚clearing‘ sind durch die beiden Doppelpfeile markiert und betreffen

a) eine Zahlung in ZBG in Banknoten (Kasse)
b) eine Zahlung in ZBG in Forderungen gegen die Zentralbank.

Der erste Fall sieht so aus:

Das Publikum verfügt über seine Forderungen an die Geschäftsbanken per Überweisung und per Saldo schält sich am Ende des Tages ein Saldo von Netto 20€ heraus, der von der Bank B durch einen Griff in die Kasse und den Transport des Geldes zu der Bank A bewerkstelligt werden kann. Damit ist der Saldenausgleich endgültig erfolgt, auch wenn die Verbringung von Geld unpraktisch, teuer und riskant ist. Das Grundprinzip bleibt jedoch so wie es ist. (Letztlich gehören deswegen auch die Kassenbestände der Geschäftsbanken zum Zentralbankgeld – deren Herausrechnung muß man wohl als Kotau gegenüber der Quantitätstheorie interpretieren, welche ebenso auf einer Nullaussage beruht.)

Im Grunde genommen nichts anderes ist es, wenn der Saldenausgleich über ein Konto bei der Zentralbank erfolgt.

Das liegt daran, daß Banknoten und Forderungen an eine Zentralbank, die das Geforderte selbst emittieren kann, identisch sind. Zu beachten ist hierbei, daß diese endgültige Zahlung aus einem „Passivtausch“ der Zentralbank besteht und daß andererseits – ob bei Banknotentransfer oder Zentralbank-‚clearing‘ – dieselbe Bilanzverlängerung bzw. -verkürzung stattfindet.

Ergebnis: ‚clearing‘ ist für die zahlende Bank B stets mit einem ZBG-Abfluß verbunden während die empfangende Bank A einen ZBG-Zufluß realisiert. Das heißt, daß eine bargeldlose Zahlung in keiner Weise auch eine zentralbankgeldlose Zahlung ist. Dieser feine Unterschied wird in der wirtschaftspolitischen Diskussion zu oft schlichtweg ignoriert.

Und TARGET?

Die einfachste Version beim €-TARGET-Zahlungsverkehr ist diejenige, wo es sich bei der z.B. zahlenden Bank um eine Zentralbank handelt, die keine EURO-NZB ist. Denn dort erfolgen Zahlungsverrechnungen bei der EZB nur auf Guthabenbasis (grün unterlegt), d.h. wenn die EZB gegenüber der z.B. dänischen Zentralbank eine Verbindlichkeit aufweist.

Auch in diesem Fall verändern sich die Bilanzgrößen wie im nationalen Geschäftsbankenverkehr und das ‚clearing‘ durch die EZB erfolgt wie vorher von der Zentralbank durch einen „Passivtausch“ zwischen den Konten der Bundesbank und der DK-Zentralbank. Das ist deswegen so, weil die DK-Zentralbank kein Mitglied des EURO-Raumes ist und deswegen die Zahlungsfähigkeit der DK-Zentralbank in Bezug auf EURO nicht unbeschränkt gegeben ist. Durch die Umbuchung der Zahlung vom DK-ZBKonto auf das BB-ZBKonto ist die Zahlung endgültig rechtswirksam erfolgt.

In diesem Fall würde sicherlich niemand auf die Idee kommen, daß die TARGET2-Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB NICHT Zentralbankgeld darstellt, denn die Umbuchung von einem Guthabenkonto stellt ja wie gehabt eine endgültige Zahlung durch das ‚clearing‘ seitens der EZB dar.

Der Unterschied zu einer Zentralbank des EURO-Raumes besteht darin, daß die EZB für die NZBen keine Guthabenkonten führt bzw. zu führen braucht. Denn die Konstruktion des ESZB als Einheit führt dazu, daß innerhalb des ESZB die Frage des Forderungsausgleichs deswegen keinen Sinn macht, weil davon ausgegangen wird, daß alle NZBen die gleichen Kriterien bei der Emission von ZBG anlegen. (Daß das eine politisch motivierte Schönwettervorstellung gewesen ist, macht das EURO-Desaster aus, interessiert hier jedoch nicht.) Die entsprechenden Buchungen sehen damit so aus:

Man könnte versucht sein zu argumentieren, daß ja der Zahlungsausgang nicht erfolgt sei, da ja die „normale“ Bilanzverkürzung bei der ZB Spanien nicht eintritt. Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß eine Zentralbank die Eigenschaft aufweist, daß eine Verbindlichkeit von ihr zum Zentralbankgeld gehört und eine Geltendmachung dieser Verbindlichkeit z.B seitens einer Geschäftsbank bei ihr nicht als ein Kassenausgang gebucht wird, sondern als eine Erhöhung des ZBG-Umlaufs. Durch diesen Vorgang wird zwar ZBG emittiert welches dann tatsächlich in der Kasse der Geschäftsbank landet – einen Kassenausgang kann eine Zentralbank deswegen jedoch nicht buchen! (Gut, wird vielleicht für die logische Sekunde mit der Länge Null gemacht, ändert aber am Prinzip nichts, daß Zentralbanken dafür keine „Kassenbestände“ vorhalten.)

Damit stellt sich jedoch die entscheidende Frage: Ist es gerechtfertigt, eine Forderung der EZB an eine NZB als Zentralbankgeld anzusehen oder nicht? Beantwortet man diese Frage mit JA ist alles gut, denn dann hätte die EZB unmittelbar Zugriff auf das geschuldete Geld. (Das ist wie bei Forderungen der Geschäftsbanken gegen eine Zentralbank, denn auch diese Forderungen gehören zum Zentralbankgeld.) Somit stellt eine TARGET2-Forderung der Bundesbank bzw. der EZB eine schuldbefreiende Zahlung der ZB Spaniens dar, ist mithin das ‚clearing‘ bzw. das ’settlement‘ seitens der EZB endgültig erfolgt.

Beantwortet man diese Frage mit NEIN, müßte geklärt werden wie eine NZB an eine andere NZB zahlen könnte, da ja damit behauptet würde, daß eine Forderung gegen eine NZB eben KEIN Zentralbankgeld darstellt. Somit wird die Frage virulent, WOMIT denn eine NZB tatsächlich schuldbefreiend zahlen kann. Die simple Antwort ist, daß eine NZB einen Passivtausch vornimmt, den TARGET2-Saldo auf den ZBG-Umlauf bucht und dann das emittierte Zentralbankgeld per Koffer – nach Durchleitung über die EZB – an die empfangende NZB (physisch) transferiert. Das hätte zur Folge, daß die empfangende NZB zwangsweise einen Kasseneingang buchen müßte. Damit wäre wohl für jeden Zweifler sichtbar, daß tatsächlich Zentralbankgeld gezahlt worden wäre. Damit wäre man wieder bei dem ‚clearing‘-Verfahren: physische Übergabe von Zentralbankgeld. (Daß die empfangende NZB nicht weiß was sie damit soll, steht auf einem anderen Blatt!)

Ob das ein Fortschritt ist?

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Stufen von Geldsystemen – ein Kurzdurchlauf

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EINS

Ein einstufiges Geldsystem ist dadurch gekennzeichnet, daß Zahlungen mit Werten erfolgen. Prototypisch steht dafür die Goldwährung. Gold dient dazu, die Tauschrelationen abzubilden, d.h. der “unsichtbaren Hand” einen gegenständlichen Ausdruck zu geben.

Die Quantitätstheorie ist denn auch eine Theorie des Tauschmittels. Daher muß Geld (=Gold) von der Zentralbank im Notfall exogen bereitgestellt werden. Seither laborieren Zentralbanken an dem Glauben herum, sie seien für die Entwicklung des Geldwertes verantwortlich.

Eigentlich ist in einem einstufigen Geldsystem eine Zentralbank entbehrlich, denn sie erfüllt nur die Funktion bei dem Aufkommen von Vertrauenskrisen einzuspringen. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die Zentralbanken auch heute noch als “lender of last resort” verstanden werden. Das bedeutet, daß eine Zentralbank letzten Endes die Funktion eines Wertspeichers erhält und wegen der Endlichkeit der Vorräte in dem Tauschmittel (Gold) illiquide werden kann!

ZWEI

Zweistufiges Bankensystem bedeutet, daß ausschließlich die Zentralbank, Zentralbankgeld emittieren darf (und zwar per Kredit) und somit die Geschäftsbanken ein Liquiditätsproblem haben. Das ist deswegen erforderlich, weil das Delegationsproblem zwischen Zentralbank und Geschäftsbank, gelöst werden muß, da eine Zentralbank nicht alleine die Qualität der Kreditvergabe des Geschäftsbankensystems kontrollieren kann. Daher unterliegen Geschäftsbanken einem Liquiditätsproblem, welches permanent gelöst werden muß, damit keine Exklusion vom Interbankenmarkt erfolgt, die unmittelbar die Gefahr einer Insolvenz aufgrund von Illiquidität nach sich zieht. Das Delegationsproblem zwischen ZB und GB kann also nur so gelöst werden, daß der Interbankengeldmarkt gewissermaßen zur Kontrollinstanz wird, die darüber entscheidet, ob das Geschäftsgebaren einer Bank den allgemeinen Bonitätserfordernissen entspricht oder nicht. Verschlechtert sich die Bonität einer Geschäftsbank, steigt deren Refinanzierungszins, ansonsten bleibt er gleich, was den Effekt hat, daß bei einem ausgeglichenem Liquiditätssaldo zwischen bonitätsmäßig gleichen Banken der Refinanzierungszins zu einem durchlaufenden Posten der bankinternen Kalkulation wird. Heißt: das Kontrollproblem der Zentralbank hinsichtlich der Bonität der Kreditforderungen der Geschäftsbanken wird auf die Ebene des Interbankengeldmarktes verlagert!

Nur die Zentralbank darf den Zahlungsmittelstandard emittieren. Das bedeutet, daß die Geschäftsbanken von sich aus zu einer zentralbankgeldsparenden Operationsweise übergehen. Damit ist nicht die Werteinlage des Publikums bei der Bank der Ursprung für den Umfang des Kreditvolumens, sondern die Möglichkeit der Banken Zentralbankgeldabflüsse durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank zu kompensieren. Denn Geschäftsbanken werden aus Kostengründen versuchen, ihren Zentralbankgeldbedarf möglichst gering zu halten.

Das führt zu der geldtheoretischen Erkenntnis, daß die primäre Funktion von Zentralbankgeld im Zusammenspiel von Zentralbank und Geschäftsbanken die Nivellierung von Bonitätsnormen ist und nicht, wie es eine Nutzen- und Produktivitätstheorie will, die Erleichterung eines Tausches von Gütern. Letzteres kann zwar durchaus mal passieren. Jedoch reflektiert die emotionale Unmittelbarkeit des Austausches von Ware gegen Geld nicht die wesentliche Funktion des Geldes im Liquiditätsausgleich des Interbankenmarktes gewissermaßen zum Lackmustest dafür zu dienen, inwieweit die Kreditvergabepolitik der einzelnen Bank den allgemeinen Anforderungen an die Bonitätsnormen entspricht.

DREI

Das Grundproblem zwischen EZB und NZBen ist wie vorher, daß die zentrale Währungsbehörde (EZB) nicht alleine in der Lage ist die Kontrollaufgaben hinsichtlich der Bonität der Kreditvergabepolitik von NZBen zu überwachen. Im Fall der EZB wird jedoch stets die Vorstellung verbreitet, daß das Verhältnis von EZB zu NZBen quasi so geartet sei, wie das Verhältnis der Bundesbank zu den ihr angeschlossenen Landeszentralbanken. Diese Ansicht gewinnt ihre Nahrung aus dem Umstand, daß die NZBen an sich “nur” die Beschlüsse des EZB-Rates umsetzen, ohne daß es dabei zu länderspezifischen Besonderheiten kommen würde. Diese Theorie hat jedoch einen empfindlichen Schönheitsfehler, der zum einen daraus bestand, daß die jeweiligen NZBen durchweg die Wertpapiere “ihres” Staates ohne Risikovorbehalte akzeptierten, obwohl die Bonitätskriterien für die jeweiligen Staatshaushalte diese Gleichbehandlung keineswegs nahelegen. Zum anderen ist ebenso unklar, inwieweit die NZBen die Anforderungen an die Bonität für rediskontfähige Wertpapiere in gleicher Weise behandeln. Man darf jedoch bezweifeln, daß das Rating (es geht hier nicht um die Spaßagenturen) der Portfolios der NZBen einem einheitlichen Standard entspricht.

Als Konsequenz dieses Kontrollproblems müßte das gleiche Prinzip auf der Ebene zwischen EZB und den NZBen existieren. Ein dreistufiges Bankensystem benötigt daher zwei Geldmedien. Das heißt, daß zwischen der EZB und den NZBen ein separates clearing-System existieren müßte, welches für die NZBen einen Zahlungsmittelstandard definiert, der von den NZBen nicht geschaffen werden kann. (Ich nenne diesen Zahlungsmittelstandard an dieser Stelle mal EUROR!) Die EZB emittiert demnach ein bestimmtes Volumen von EUROR, welches nach üblichen Auktionsverfahren auf die angeschlossenen NZBen aufgeteilt wird. Für die NZB ist das von ihr “ersteigerte” Volumen an EUROR die Bemessungsgrundlage für ihren Kreditvergabespielraum, der sie dazu befähigt an die an sie angeschlossenen Geschäftsbanken Kredite in EURO zu gewähren.

Das Prinzip des Liquiditätsausgleiches ist somit für die NZBen in EUROR dasselbe, wie zwischen Geschäftsbanken in Bezug auf EURO. Das bedeutet, daß eine NZB dafür Sorge tragen muß, daß durch EURO-Überweisungen des Publikums ins Ausland der von ihr verwaltete EUROR-Bestand nicht abschmilzt und sie daher genötigt wäre, eine restriktivere Kreditvergabepolitik zu etablieren. Das clearing zwischen den NZBen übernimmt dann die EZB, die sich erst in dieser Funktion tatsächlich als europäische Zentralbank etablieren würde! Warum? Weil die NZBen den InterNZB-Zahlungsmittelstandard EUROR nicht selbst schaffen können und sie bei der Kreditgewährung an die Geschäftsbanken an die Verfügung über EUROR gebunden bleiben.

NUN DIE TATSACHEN

Was haben wir stattdessen? Eine TARGET-Regelung, die jede NZB dazu zwingt, auf jede Überweisungsanforderung eine entsprechende Zentralbankgeldemission genehmigen zu müssen. Das heißt auf gut Deutsch, daß die überweisende NZB in ihrer Zahlungsfähigkeit gegenüber anderen NZBen nicht beschränkt ist, weil jede NZB den Zahlungsmittelstandard EURO selbst emittieren kann.

Und das ist für die Nachhaltigkeit eines Zahlungssystems der eigentliche Knackpunkt: da es nicht zu einem Zahlungsbegehren der “nördlichen” Zentralbanken kommen kann, weil eine Forderung gegen eine Zentralbank, die diesen Zahlungsmittelstandard emittiert, bereits Zentralbankgeld ist und auf der anderen Seite aber auch keine Liquiditätsrestriktion bei der “südlichen” Zentralbank existiert (die ELA-Fazilität ist der greifbarste Ausdruck dieser Unbeschränktheit), ist dieses Zahlungssystem tendenziell davon bedroht, aufgrund der im “Süden” nachlaufenden bzw. überbordenden Zentralbankgeldemission (Ponzi-Finanzierung)  in eine Bonitätskrise zu geraten. Letzteres äußert sich im relativen Preis zu Alternativwährungen, die eine höhere Geldvermögenssicherheit versprechen.

Wenn man so will, ersetzt der EUROR die Funktion des Goldes, indem er die Kreditschöpfungsmöglichkeit einer NZB steuert. Denn die Funktionsbedingungen eines Goldstandards laufen ja auch darauf hinaus, daß die Zentralbank, die einen Goldabfluß realisiert, die Zinsen bzw. die allgemeinen Bonitätsstandards anheben muß, um dem Goldabfluß entgegenzuwirken. Um diesen Mechanismus zu erhalten, ist jedoch die Verwendung von Gold entbehrlich, sondern nur die Durchsetzung des Prinzips, daß eine Nichtzentralbank den Zahlungsmittelstandard, in dem sie zahlen muß, nicht selbst schaffen kann, erforderlich.

Its that simple!

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