Bonität: die leitende gesellschaftliche Differenzierungsnorm

Gold war eigentlich immer nur der Standard für Verpflichtungsrelationen. Der Irrtum der Zahlungsmitteltheoretiker besteht darin nicht zu sehen, daß es dabei eine spezifische Funktionalität gibt. Gold war stets nur der Begrenzungsrahmen für Kredit, aber nicht das eigentliche Zahlungsobjekt. Anders gesagt: der ‘standard of account’ war immer nur dann Zahlungsobjekt, wenn in die Kreditbeziehungen das Mißtrauen eingekehrt war.

Auch die Zigarettenwährung war nur im Sinne des ‘standard of account’ gültig. Das schließt nicht aus, daß manchmal auch damit gezahlt wurde. Der kolportierte Glaube daran, daß Zigaretten tatsächlich stets “die Hände gewechselt” haben, ist dem 200jährigen Irrtum der Quantitätstheorie anzulasten. Denn die nimmt ja nur die Phänomenologie für den eigentlichen Mechanismus, der in der Etablierung von Verpflichtungsrelationen besteht.

So gesehen müßte der Liquiditätsausgleich in der EURO-Zone im Inter-NZBen-Markt in einem Standard erfolgen, der von den NZBen nicht geschaffen werden kann. Das scheint mir das Prinzip bei dem Liquiditätsausgleich der US-Zentralbanken zu sein. Nur: so gesehen ist eine Zahlung im ‘standard of account’ eigentlich eine ‘contradictio in adjecto’. Deswegen ist auch Bargeld als Zahlungsmittel ein Anachronismus. In einer Goldwährung muß i.d.R. genausowenig mit Gold gezahlt werden, wie in einem Zentralbankgeld. Deswegen heißt es ja auch Zentralbankgeld und ist im Grunde genommen nur für den Liquiditätsausgleich zwischen Geschäftsbanken vorgesehen, womit das Liquiditätsproblem als Bonitätsproblem konstituiert wird. Denn Zahlungen erfolgen im Kreditgeldkapitalismus stets mit Hilfe von Forderungen auf den ‘standard of account’. Das liegt daran, daß Kreditwürdigkeit, also Bonität, die leitende gesellschaftliche Differenzierungsnorm ist.

Das kann man allerdings nicht verstehen, wenn man die Quantitätstheorie als Erklärungsmuster im Hinterkopf hat. Denn die versucht ja das, was aus Verpflichtungsrelationen entsteht daran zu binden, was REAL passiert. Das kann natürlich Rückwirkungen haben, ist jedoch deswegen nicht entscheidend, weil der Kreditgeldkapitalismus als funktionelle Leitlinie die Bedienung (und nicht wie fälschlicherweise immer wieder kolportiert wird die Rückzahlung) von Forderungen aufweist.

Der landläufige Irrtum dabei besteht darin zu glauben, daß es realwirtschaftliche Prozesse sind, welche die Bonität garantieren. Das Beispiel der USA sollte jedem zeigen, daß es überhaupt nicht darum geht, wie eine Geldforderung bedient wird, sondern nur, daß sie bedient wird. Auf gut Deutsch: keine Sau der Welt interessiert sich dafür, ob die USA das Geld, was sie für die Bedienung ihrer Schulden zahlen auch realwirtschaftlich verdienen! Es reicht, wenn sie zahlen. Und wenn gezahlt wird, geben die Gläubiger das Geld auch brav wieder als nächsten ‚roll-over‘-Kredit zurück.

Die Nummer ließe sich in EURO-Land genauso durchziehen. Wenn Finanzinstitute bezahlt werden wollen, dann sollte man einfachheitshalber zahlen. Wo ist das Problem? Bei einem Schuldner der zahlen kann, will kein Gläubiger sein Geld zurück! Sonst müßte er sich ja einen neuen Schuldner suchen, der die erforderliche Bonität aufweist. Nur darum gehts. Wen interessieren da schon Produktivitäten oder Leistungsbilanzsalden?

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Wirtschaftstheorie

Eine Antwort zu “Bonität: die leitende gesellschaftliche Differenzierungsnorm

  1. Vandermonde

    So gesehen ist ja auch ein Währungsverhältnis eigentlich nichts anderes als ein Ausdruck einer Bonitätsrelation über der Ebene der Zentralbank.

    Insofern stellt sich bei ihrem (späteren) EUROR Vorschlag die Frage, was jetzt eigentlich der konkrete Unterschied zu nationalen Währungen ist (abgesehen von den Details)

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