Wozu sind Banken da?

Es soll Menschen geben, die tatsächlich glauben, daß über die Frage, welche Aufgaben ein Banksystem zu erfüllen habe, Einigkeit unter Ökonomen herrschen würde. Vordergründig scheint es auch so zu sein, denn in der Regel kommen auf die Frage nach der volkswirtschaftlichen Funktion von Banken die Transformations-Antworten: Fristen-, Losgrößen- und Risikotransformation. Die meist weitschweifigen Erklärungen rund um diese Begriffe überzeugen dann den Wißbegierigen bald davon, daß er es mit einer seriösen Antwort zu tun hatte. Und mit dem wohligen Gefühl, daß sich die halbe Bankbetriebslehre um die Sicherheit seiner Spargroschen kümmert, sowie dem Eindruck, daß es sich dabei um gesichertes Wissen handelt, wendet er sich dann anderen Themen zu.

Was nicht dazugesagt wird und was den meisten Sachverständigen auch durchaus unbekannt ist, ist der Umstand, daß alle diese Bankfunktionen aufgrund einer Theorie zurechtkonstruiert wurden, die von ihrer Grundanlage überhaupt nichts mit Geld oder Geldfunktionen zu tun hat. Denn die Zentraltheorie des ökonomischen Mainstream, salopp: die Theorie der freien Marktwirtschaft, ist von ihrer Grundanlage her eine Theorie relativer Preise, die per definitionem nichts mit Geld oder Kredit zu tun haben. In dieser Welt der Erstausstattungsökonomie in der die Akteure Wahlentscheidungen aufgrund von Nutzenerwägungen treffen ist es tatsächlich so, daß die privaten Akteure ihre Ressourcen entweder eintauschen oder behalten (horten) und damit darüber entscheiden, ob die Unternehmen Ressourcen für die Produktion bekommen oder nicht. Dieses Prinzip wurde dann unbekümmert im Analogschluß auf die Bankbetriebslehre gestülpt, wo nun der Sparer die bestimmende Zentralfigur für die Handlungsspielräume der Banken geworden ist. Zugegebenerweise klingt die Konstruktion ganz plausibel, aber stimmt sie auch?

Natürlich war das auch wieder mal ein Schuß in den Ofen. Das liegt im wesentlichen daran, daß man die Geldtheorie nicht mit den analytischen Hilfsmitteln einer Produktionstheorie behandeln kann und außerdem daran, daß Geld zwar auch produziert, aber sein Inverkehrbringen nicht nach den Kriterien produzierter Güter, sondern nach festgelegten Emissionsregeln erfolgt. Warum? Klarer Fall, Geld kann man nicht kaufen, sondern muß es sich leihen oder jemanden finden, der es einem für eine Gegenleistung überträgt. Ersteres nennt man Kredit, zweiteres Einkommen. Aus diesem kühlen Grunde verbietet es sich, die Existenz von Geld schlichtweg vorauszusetzen, wie es die ganze Transformationstheorie tut, denn sie verweigert sich der Frage, wie denn nun das Geld auf die Welt kommt. Die umfassende Antwort: durch einen Kredit der Zentralbank an eine an das Zentralbanksystem angeschlossene Bank. Sonst nicht; es wächst nicht auf Bäumen und auch nicht auf den Feldern, sondern ist Ergebnis des Beliebens von Zentralbankern, die einen Kredit gewähren oder auch nicht. Klingt nüchtern, ist es auch und ist natürlich kein Vergleich zu der blumigen Korntheorie des Zinses eines Ricardo, wo (angeblich) Wirtschaft und Natur in Einklang standen (stimmte natürlich noch nie)!

Wenn das aber so ist, was haben dann Banken für eine Funktion? Nun, da das Geld nicht produziert sondern per Kredit emittiert wird, können die Banken nun Unternehmer damit ausstatten, die ihnen glaubhaft darstellen, daß sie mit dem Kredit ordentliche Sachen anstellen und durch den Verkauf der Güter oder Dienstleistungen den Kredit bedienen und ggf. auch tilgen können. Nun weiß die Bank, daß jeder Unternehmer sein Projekt auf jeden Fall für überragend hält, andererseits weiß sie auch, daß ein gewisser Prozentsatz der Kredite irgendwann notleidend wird und teilweise abgeschrieben werden muß. Sie weiß, daß es passiert, sie weiß aber nicht bei welchem Kredit es passiert. Also was tun? Man erhebe eine Versicherungsprämie von allen Kreditnehmern und bemesse sie so, daß in jedem Fall der Abschreibungsaufwand durch den Prämieneingang abgedeckt werden kann. Sollte nach dieser Ausgleichsbuchung noch von den Prämieneinnahmen etwas übrig sein, fällt diese Differenz der Bank zu. Man ahnt es schon: diese Risikoprämien nennt man auch Zinsen!

Was also sind Banken?

A) eine Durchleitstelle von Geld von der Zentralbank an die kreditsuchenden Unternehmer und

B) gleichzeitig eine Versicherung für die Gesellschaft, daß dann, wenn eine Investition fehlgeschlagen ist, die entsprechenden offenen Kreditbeträge durch die Prämien des Risikopools gesellschaftlich neutralisiert werden.

(Die Idee, daß Zinsen auch Risikokomponenten enthalten, scheint den heutigen Banken irgendwie abhanden gekommen zu sein!)

Daß die Verwaltung monetärer Angelegenheiten durchaus einen Preis hat ist vergleichsweise selbstverständlich. Ob diese Vergütung jedoch über die Erzielung von Nettozinseinnahmen oder über die Inrechnungstellung von Kosten an die Kunden erfolgt ist nicht nur reine Geschmacksfrage, denn je nach Regulierungsumfeld wird mal das eine oder mal das andere attraktiver sein. (Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal darauf hinweisen, daß es keine Bank“gebühren“ gibt, weil der Begriff Gebühren zu den öffentlich-rechtlichen Institutionen gehört.)

Und wo bleiben denn nun die Sparer um die sich doch alles drehen sollte? Im Grunde sind Sparer für die Banken nichts anderes als Ertragsfaktoren bei dem Verkauf von Verwaltungsdienstleistungen und Liquiditätslieferanten, die man so gut wie nicht bezahlen muß. Und wenn es um die Frage der Geschäftsausweitung geht: Sparer sind bereits schon der Reflex einer vorangegangenen Geschäftsausweitung und nicht deren Ursache. In letzter Konsequenz kann zusätzliche Liquidität für ein Bankensystem sowieso nur von der Zentralbank kommen, Sparer sind dafür mit ihren bekannten Zicken denkbar ungeeignet.

Was bleibt also von den ganzen Transformationsantworten und der überragenden Stellung der Sparer übrig? Eben: nichts! Was nicht heißt, daß diese Vorstellungen nicht doch in den meisten Köpfen selbsternannter oder fremdernannter Experten herumschwirren und dafür sorgen, daß es zu einer vernünftigen Diskussion um die Frage der gegenwärtigen Bankenprobleme überhaupt nicht erst kommt.

Aber vielleicht sehe ich das zu schwarz!

Update, muß ich noch loswerden:

Spareinlagen sind gewissermaßen der “Restmüll” der ursprünglichen Kreditvergabe, der nur noch verwaltet werden will.

 

32 Kommentare

Eingeordnet unter Geldtheorie, Wirtschaftstheorie

32 Antworten zu “Wozu sind Banken da?

  1. Einspruch!
    A) Banken seien „eine Durchleitstelle von Geld von der Zentralbank an die kreditsuchenden Unternehmer“:

    Theoretisch können wir uns eine Ökonomie völlig ohne Bargeld und sogenannte Mindestreserven vorstellen und vielleicht sogar realisieren. Die Banken schaffen also mit dem Kredit Buchgeld, das mit dem Eigentum des Schuldners besichert ist. Die Buchgeldschöpfung ist ein rein privatwirtschaftlicher Vorgang zwischen der Bank und dem Schuldner.

    Dass es Bargeld gibt, welches dem Kontoinhaber für sein Guthaben an Buchgeld ausgezahlt werden muss, ist zwar Tatsache, aber weder für die Ökonomie noch für die Vergabe von Krediten wirklich nötig.

    Mit dem Zentralbankgeld kommen wir nur vom Thema Kreditschöpfung ab.

    B) Zinsen als „Prämien des Risikopools“:

    Sicher enthalten die Zinsen auch eine Risikoprämie, aber eigentlich nur, wenn die Kredite nicht wirklich besichert sind. Für den grundsätzlichen Fall, dass Kredite ausreichend durch den Kreditnehmer besichert werden müssen, erklärt das Risiko also die Zinsen und deren Höhe nicht.

    C) Es fehlt völlig:

    Die Steuerung der Konjunktur durch die Notenbank über das Bankensystem mit ihrer Zinspolitik, also der Erhöhung und Senkung der Sätze für das Zentralbankgeld, das sich die Banken wegen des Bargeldumlaufs und der vorgeschriebenen „Mindestreserve“ leihen müssen.

    Die kurzfristigen Zinsen können von der Zentralbank so weit angehoben werden, dass den Kreditnehmern die Lust auf die Aufnahme von Schulden vergeht. Es wird also weniger gekauft und die Konjunktur bricht ein. Die Folge ist Krise und Massenarbeitslosigkeit mit sinkenden Löhnen und Preisen.

    Die Zentralbank kann auch die Zinsen für Zentralbankgeld so weit senken, dass die Aufnahme von Krediten gefördert wird und die Konjunktur durch steigende Güternachfrage wieder anspringt. Dann steigen auch wieder die Löhne und Preise.

    Die Zinspolitik dient also der Steuerung der Konjunktur und damit der Preise (Inflation/Deflation) durch die Notenbank. Das ist die zentrale „Erklärung“ für die Zinsen und deren Höhe. Natürlich muss das Bankensystem auch etwas Geld mit den Zinsen verdienen, aber das ist nicht der springende Punkt.

    Meine Homepage zu der Thematik Geldpolitik und Wirtschaftskrisen:

    http://www.wolfgang-waldner.com/

    Gruß

    W. Waldner

    • Sehr geehrter Herr Waldner,

      wenn man die Begriffe Giral-/ Buchgeld mal aus der Diskussion streichen würde und sich nur noch des korrekten Begriffs Sichtforderungen/ -verbindlichkeiten bedienen würde, wäre für die Diskussion rund ums „Geld“ schon viel gewonnen. Dann wäre auch viel leichter einzusehen, daß Banken bei der Kreditvergabe nichts anderes tun, als ein Schuldverhältnis zu erzeugen. Dieses lautet auf die Übergabe/ Verfügungsmöglichkeit über das gesetzliche Zahlungsmittel. D.h. die Bank verpflichtet sich nach Anforderung des Kreditnehmers entweder Banknoten zur Verfügung zu stellen, oder für den Kunden eine/ mehrere Überweisungen auszuführen. Dafür braucht die Bank Banknoten/ Zentralbankgeld, mit der Ausnahme der Umbuchung im eigenen Haus. Ausgehende Überweisungen müssen von der Bank selbstverständlich auch mit Zentralbankgeld bezahlt werden, d.h. es gibt für den Kunden zwar eine bargeldlose Zahlung aber es gibt keine zentralbankgeldlose Zahlung. Dieser Unterschied wird viel zu wenig beachtet! Die Erläuterung dazu steht in meinem Post: Was ist clearing?

      Zu B) Das ist es doch gerade, ausreichend besichert waren alle US-Häuserkredite oder auch die spanischen Bauten. Wenn sich nun aber die Preise ändern, geraten die Kredite unter Wasser, weil das Besicherungsobjekt im Schätzwert schrumpft. Man kann zwar hinterher immer sagen, daß man das hätte wissen können, aber – wie war das mit den Voraussagen, welche die Zukunft betreffen? Das heißt: man kann sich noch so sehr auf der sicheren Seite wähnen, das „Restrisiko“ kann sich auf einmal als Desaster entpuppen – inclusive der Abschreibung der Hauptforderung!

      Zu C) Ob die Zentralbanken überhaupt das leisten können, was ihnen immer wieder angedichtet wird, ist ja eben die große Frage. Denn kreislauftheoretisch gesehen lassen sich mikroökonomische Argumente halt logisch nicht halten. Wenn Sie dafür ein kreislauftheoretisch zwingendes Argument vorbringen könnten, wäre ich daran sehr interessiert, aber zunächst sind Zinsen Ertragsposten, die gesamtwirtschaftlich zu einem durchlaufenden Posten werden können. Natürlich kann man sagen „Die Leute sparen zu viel!“, aber das ist eben eine künstliche ad hoc Beschränkung, welche die Wirksamkeit der Zinspolitik an eine bestimmte Verhaltensweise bindet. Klar, so was geht immer, das ist aber auch nicht wirklich interessant.

      Ich bin gespannt!

  2. Sehr geehrter Dr. Renée Menéndez!

    Zum ersten Punkt muss ich darauf bestehen, die Frage nicht juristisch, sondern ökonomisch zu betrachten. Für den Juristen ist das Geld der Zentralbank das „gesetzliche Zahlungsmittel“ und die Schuld ist mit der Übergabe des gesetzlichen Zahlungsmittels getilgt.

    Für die Ökonomie hat die juristische Betrachtung jedoch keine weitere Bedeutung. Ökonomisch betrachtet handelt es sich auch beim gesetzlichen Zahlungsmittel nur um eine offene Forderung an die Zentralbank, die vom Schuldner an seinen Gläubiger bei der Bezahlung seiner Schuld übergeben wird. Das Bargeld ist eine umlauffähige Forderung im Gegensatz zur in der Regel nicht weiter dokumentierten und verbrieften Forderung eines Verkäufers an seinen Kunden. Der Verkäufer hat also für die nicht weiter besicherte und daher nicht umlauffähige Forderung an seinen Kunden eine besicherte und umlauffähige Forderung an einen Nachschuldner (Bank oder Zentralbank) erhalten.

    Forderungen entstehen eigentlich durch einen Kauf, sie können erst wirklich getilgt werden, wenn der Verkäufer in der Höhe seiner Forderung selber wieder bei seinem oder einem anderen Schuldner kauft und mit der erhaltenen umlauffähigen Forderung (Bargeld oder Buchgeld!) bezahlt.

    Ihr Einwand zu B ist sicher in der Praxis häufig maßgeblich und richtig. Theoretisch können wir uns aber leicht vorstellen, dass auch für über jeden Zweifel erhabene und mehrfach ausreichend besicherte Kredite ein Zins verlangt wird. Daher ist der Punkt mit dem Risiko nur eine mögliche, aber keine ausreichende und erschöpfende Erklärung für den Zins. Zum Teil lässt sich der Zins also mit dem Risiko der Nicht-Rückzahlung erklären, aber andere Erklärungen wie etwa das Inflationsrisiko und Kursrisiko bei langlaufenden Krediten sollten dabei nicht übersehen werden.

    Ihr Einwand zum Punkt C irritiert mich etwas, weil ich gerade nicht mikroökonomisch zu argumentieren pflege. Die kreislauftheoretische Betrachtung der Konjunktur ist für mich die Grundlage meiner Thesen zur Geldpolitik der Notenbanken und zur Steuerung der Konjunktur über den Zins und die Kreditschöpfung. Auf meiner Homepage finden Sie eine PPT-Datei zum Download, in der die Saldenmechanik der Schuldenbremse beispielhaft für das Thema erörtert wird (sie benötigen Powerpoint zur Betrachtung, der Download ist frei und die Datei ebenfalls frei für jede Verwendung).

    Die Saldenmechanik der Schuldenbremse:
    http://www.wolfgang-waldner.com/volkswirtschaftslehre/saldenmechanik/

    Herzliche Grüße

    W. Waldner

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 23. Juli 2012 | Die Börsenblogger

  4. Vandermonde

    Ich hätte gedacht, Spareinlagen sind für die Banken eine günstige und alternative Form der Refinanzierung?

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/banken-welche-folgen-die-neuen-eigenkapitalregeln-haben-11043774.html

    • Die Geschichte läuft so: die Banken schaffen mit jedem Kredit (Bankforderung) auch die entsprechenden Sichtforderungen (Kundenforderung). Sichtforderungen und Sparforderungen unterscheiden sich lediglich durch die Fristigkeit, in jedem Fall sind sie Forderungen einer Nichtbank. Wenn nun aber eine Nichtbank eine Anlage bei einem Fonds tätigt, verliert die kreditgebende Bank die von ihr zugesagte Liquidität (Zentralbankgeld). Da sie jedoch diese Liquidität wiederum benötigt, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen muß sie nun am Kapitalmarkt die notwendigte Liquidität wieder per Kredit aufnehmen. Und zufällig ist da ein Fonds, der genau die Liquidität „übrig“ hat, welche die Bank gerade benötigt. Im Grunde genommen handelt es sich bei der „Refinanzierung“ über den Kapitalmarkt lediglich um eine Kreditkette: Bank kreditiert Kunde, Kunde kreditiert Fonds, Fonds kreditiert Bank. Mehr ist es nicht – was nicht heißt, daß diese Ketten doch noch etliche Zwischenstationen aufweisen können. Kostengünstige „Spareinlagen“ heißt daher auf gut Deutsch: Ausschaltung der Zwischenhändler!

  5. sebi

    Danke für den Beitrag. Was mir noch nicht ganz klar ist: Wenn die Banken keine Spareinlagen benötigen, um Kredite zu vergeben, warum bekommen die Sparer dann Zinsen?

    • Man muß dabei was trennen: die Vergabe eines Kredites ist lediglich die Absichtserklärung Geld zahlen zu wollen. Sobald eine Bank ihr Kreditversprechen einhält und auf Anweisung des Kreditnehmers eine Verfügung über (in ihrem Eigentum befindliches) Zentralbankgeld vornimmt, muß sie halt auch in Zentralbankgeld zahlen. Dadurch verliert sie ZB-Geld. Um diesem Abfluß von ZB-Geld entgegenzuwirken hat es sich eingebürgert dann eine Prämie zu zahlen, wenn jemand für eine gewisse Zeit auf die Verfügung von ZB-Geld verzichtet. Damit wird der Abfluß von ZB-Geld wieder kompensiert und das Prinzip „Fristenkongruenz“ eingehalten.

      Was man dabei begreifen muß ist, daß „Guthaben“ kein Geld, geschweige denn ZB-Geld darstellen, sondern nichts anderes als Sichtforderungen. Das wird allerdings schon dadurch erschwert, daß auf dem Kontoauszug „Haben“ steht wenn man „im Plus bei der Bank“ ist, obwohl man das entsprechende Geld ja gerade NICHT hat.

      • sebi

        Jo, macht Sinn. Ein weiterer Grund wäre sicher die Kundenbindung. Im Eintrag zu Refinanzierung bei Wiki steht allerdings, dass die Banken sich 2010 zu „34 % aus Sicht- und Termineinlagen von Nichtbanken, 28 % aus Interbankverbindlichkeiten, 27 % aus Bankschuldverschreibungen und zu 9 % aus Spareinlagen“ refinanzierten. Eigentlich müsste doch ein Zufluss von Zentralbankgeld über Guthabenzufluss für die einzelne Bank gleichzeitig den Abfluss für eine andere Bank bedeuten. Der gesamte Bankensektor bzw. der Durchschnitt der Banken hat also einen Zufluss von Null und kann sich nur über die Zentralbank refinanzieren. Wie passt das mit der Wiki-Aussage zusammen? Daran anschließend, warum wirkt eine Erhöhung des Leitzins überhaupt erhöhend für Sparzinsen?

      • „Eigentlich müsste doch ein Zufluss von Zentralbankgeld über Guthabenzufluss für die einzelne Bank gleichzeitig den Abfluss für eine andere Bank bedeuten.“

        Sie müssen mal anfangen zu differenzieren: „Zufluß von Zentralbankgeld über Guthabenzufluß“ ist genau der intellektuelle Kopfschuß, den sich die Geldtheorie bis heute gibt. Solange man dieses Durcheinander (für sich) nicht geklärt hat, wird es nie was mit der konkurrenzfähigen Theorie im Gegensatz zur Neoklassik!

        Natürlich verliert die eine Bank Zentralbankgeld (Aktiva), wenn sie eine Überweisung ausführt. Und die Gruppe der Banken kann dadurch keinen Nettozugang von Zentralbankgeld erhoffen. Ich hoffe jedoch, daß ich darüber, daß sich „die Banken … aus Sicht- und Termineinlagen…“ (Passiva) refinanzieren würden, nichts mehr Sarkastisches sagen muß.

  6. „Was also sind Banken? A) eine Durchleitstelle von Geld von der Zentralbank an die kreditsuchenden Unternehmer“

    Ist der Satz nicht etwas ungenau? Banken wollen von der Zentralbank Geld, welches aber erst dadurch entsteht, dass sie es wollen. Bei der Zentralbank mögen ja dicke Bündel frisch gedrucktes Papier herumliegen (oder „Bits“ vorrätig gehalten werden😉 ), diese Bündel erhalten den Status „Geld“ aber erst durch die Anforderung der Bank, und erst ab jetzt ist das Wort Geld gerechtfertigt, da der Doppelpack „dingliches Objekt“ + „Kreditvertrag“ existiert. Vor der Anforderung der Bank ist ja nur ein dingliches Objekt da. So habe ich das zumindest bisher verstanden?!

    Wobei ich beim schreiben gerade merke…., dass die bereits schon existierenden Kreditverträge ja keinen ganz bestimmten Geldschein zur Tilgung haben wollen, sondern nur irgendeinen. So gesehen wären die noch nicht verbuchte Geldscheine im Zentralbankreservepapierlager auch schon Geld.

    „Durchleitstelle von Geld“ klingt so, als reiche man etwas weiter, was schon existiert, so wie bei einer Eimerkette der Wassereimer weitergegeben wird. Ich finde beim obigen Satz kommt nicht deutlich genug heraus, dass vor dem allerersten Kredit noch kein Geld existiert.

    • Hallo Herr Goldammer,

      sicherlich genügt diese Formulierung keinen wissenschaftlichen Kriterien, hat aber demgegenüber den Vorteil suggestiv auszudrücken, um was es eigentlich geht. Denn das „Durchleiten“ drückt aus, daß Banken ihre Zahlungsversprechen dadurch erfüllen, daß sie dem Verfügungsberechtigen Geld auszahlen oder für ihn transferieren. Daß alles Geld zunächst mal von der Zentralbank kommt ist eine Sache. Die Vorstellung, bei der Zentralbank lägen Bündel von Banknoten in der Kasse geht dagegen fehl, weil Banknoten für eine Zentralbank kein Aktivum sind.

      Aus logischen Gründen kann bei einer Zentralbank kein Geld als bilanzielles Aktivum existieren, weil es erst in Erscheinung tritt, wenn es emittiert wird, d.h. wenn eine Kreditzusage erteilt wird (hier ist der einzige Fall, wo die Bezeichnung „Giralgeld“ korrekt ist) und daraufhin eine Lieferung von Banknoten erfolgt. In keinem der beiden Fälle ist Bargeld für die Zentralbank ein Aktivum, weil jeder Eingang/ Bestand von Bargeld sofort gegen den Banknotenumlauf gegengebucht wird, mithin das Geld somit bei Einzahlung de-emittiert wird.

      Das macht auch den kategorialen Unterschied von Zentralbank und Geschäftsbank aus, denn bei Geschäftsbanken ist Zentralbankgeld ausschließlich auf der Aktivseite zu finden (bar oder unbar), während die Gegenposition bei der Zentralbank entweder eine Schuldposition oder einen Merkposten über die emittierten Geldscheinchen darstellt – der Banknotenumlauf. Insofern existiert Zentralbankgeld nicht, solange die Zentralbank dies nicht durch eine (gewünschte) Kreditzusage emittieren kann. Dennoch sind die Banken eine „Durchleitstelle“, weil sie sich mit ihrer Kreditzusage an einen Kunden für seine Zahlungsfähigkeit verbürgen, weil sie ihm diese gewährt hat. Und da die Zahlungsversprechen von Banken auch üblicherweise zu Zahlungsvorgängen führen, müssen die Banken mit dem zahlen, was sie nicht „schöpfen“ können: dem Zentralbankgeld auf ihrer Aktivseite – egal ob in bar oder als Forderung gegen die Zentralbank.

      Und die Geldscheinchen im Keller einer Zentralbank sind Lieferungen von bedrucktem Papier (Baumwolle), ohne daß diese schon Zentralbankgeld wären. Diesen „Ritterschlag“ bekommen sie erst dann, wenn eine Zentralbank eine Auszahlung vornimmt.

      • Dass das Zentralbankgeld im Keller der ZB wertlos ist, ergibt sich nach meiner Auffassung daraus, dass es für die ZB eine Forderung gegen sich selbst wäre. Das kann in einer Bilanz nicht als Wert verbucht werden.

        Außerhalb der ZB ist ZB-Geld als Forderung gegen die ZB auch für den Eigentümer von Wert und kann in einer Bilanz erfasst werden.

      • rubycon

        Geldmengenumlauf statt Banknoten- ?

      • @ Wolfgang Waldner/keynesianer

        „…ZB-Geld als Forderung gegen die ZB…“??? Sie scheinen hier dem gleichen Irrtum zu unterliegen wie Wolfgang Münchau: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/01/20/qe-versus-ml/

        ZB-Geld ist sicherlich keine Forderung. Sie haben lediglich das Recht, hiermit im jeweiligen Währungsgebiet eine Zahlungsverpflichtung zu erfüllen, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Da man aber aus der Erfahrung heraus mit ZB-Geld etwas käuflich erwerben kann, habe ich mal in einer Diskussion mit Herrn Menéndez von einem ‚unspezifischen‘ Anspruch auf das Sozialprodukt gesprochen. Etwas fordern – im rechtlichen Sinne – kann man allerdings nicht.

        LG Michael Stöcker

      • @Michael Stöcker

        Da kann ich Ihnen nicht folgen. Wenn Geld keine Forderung wäre, hätte ich nur ein Stück Papier in der Hand, das jeder nur nach seinem künstlerischen Wert oder aus sonstigen individuellen Vorlieben in Zahlung nehmen würde und nicht zu dem aufgedruckten Betrag.

        Natürlich ist Geld nicht die konkrete Forderung auf die Herausgabe von einem Kuchen oder einem Schnitzel, sondern die Forderung besteht darin, dass ich beim Kauf des Kuchens oder Schnitzels meine Schuld damit tilgen kann. Der Verkäufer muss das Geld annehmen.

        Dass Geld auch durch irgendwelche Ereignisse als Zahlungsmittel wertlos werden kann, ändert daran nichts. Nach der Währungsreform ist es bedrucktes Papier und hat einen Sammlerwert, ist nicht mehr Geld und damit auch keine Forderung. Auch andere Forderungen können völlig wertlos oder gegenstandslos werden.

        In Ihrem Fall vermute ich, dass Sie halt ihre Geldgeschenke der ZB damit dem Publikum unterjubeln wollen, dass dieses ZB-Geld ja nach Ihrer Theorie keine Forderung wäre und damit dessen Verteilung keine Verschuldung der ZB und damit des Staates bewirke. Da werden Sie aber mit Ihren Argumenten in offene Messer rennen, denn Ihre Gegner werden behaupten, dass Sie die Probleme der Wirtschaft „mit Gelddrucken“ lösen wollen und das wäre ja völlig unsolide.

        Ich ziehe es vor, wegen der Logik der Sache, das Geld grundsätzlich als Forderung zu betrachten. Denn sonst geht das Theater mit den schwäbischen Hausfrauen wieder von vorne los, dass für ihr gespartes Geld sich doch auch niemand verschulden müsse und selbstverständlich könnten alle Haushalte sparen, ohne dass sich der Staat oder das Ausland dafür zu verschulden hat. Sie müssten halt alle nur weniger ausgeben, als sie einnehmen, dann habe auch niemand Schulden und alle hätten viel Geld gespart für die Zeiten der Not.

      • @ Wolfgang Waldner

        Ihre Behauptungen und Vermutung gehen völlig in die Irre und widersprechen jeglicher Logik: Forderungen und Verbindlichkeiten werden durch Verträge begründet und nicht durch ein Portemonnaie. Dem fehlt irgendwie die Rechts- und Geschäftsfähigkeit. Sollte doch eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein: https://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

      • @keynesianer

        Sie müssen die „Forderung“ von „dem Ding das gefordert wird“ trennen. Eine Forderung ist ein menschenerdachter Willensakt. Das Ding was gefordert wird, ist „nur“ irgendein Ding. Ich merke mir das immer so: Wenn alle Menschen sich in Luft auflösen würden, verschwinden alle Forderungen (und Verbindlichkeiten), aber die Dinge, sprich z.B. die Banknotenobjekte, bleiben.

        Das Wort „Geld“ (dinglich verstanden, also korrekt verstanden) hat m.E. einen Doppelcharakter. Es benötigt notwendigerweise ein „Ding“ + zusätzlich ein externes Forderungs-Verbindlichkeiten-Paar. Geld ist ein Ding, welches zusätzlich mit einer (unsichtbaren) juristischen Schicht überzogen wurde.

        Geld ist zwar der Forderungsgegenstand eines Kredites, also Kredit —> Geld, aber Geld zeigt auf nichts, also Geld —> „Nichts“, denn wie soll ein Geldschein auf etwas zeigen, also etwas fordern? Dazu müsste er ja selbst ein Vertrag sein. Aber Vertrag und Vertragsgegenstand sind zwei komplett verschiedene Ebenen. Wo ist denn der Vertrag, den sie mit dem Händler geschlossen haben, nur weil sie seinen Laden betreten und Geldscheine in der Tasche haben? Da ist kein Vertrag, also ist Geld auch keine Forderung.

      • Hallo Herr Goldammer,

        ich würde statt des Begriffs „Ding“ eher den Begriff „Sache“ verwenden, weil damit die juristische Differenz noch deutlicher zum Vorschein kommt. Der Bezug zu der „Referenz auf“ ist gut gewählt!

      • @Stephan Goldammer

        Der Händler unterbreitet jedem Kunden ein Angebot, indem er in seinem Laden Güter für Geld anbietet. Willige ich in sein Angebot ein, ist mein Geld eine Forderung auf die Begleichung meiner Kaufschuld.

        Für die Geschäftsbank ist das ZB-Geld eine Forderung auf Gutschrift bei der ZB und eventuell die Herausgabe der dort als Sicherheiten eingereichten Anleihen.

        Geld ist kein Ding und der Geldschein hat als solcher nur Papierwert. Der Wert ist allein die auf dem Papier dokumentierte Forderung. Als Ding könnten Sie das Geldpapier in der Bilanz nur zum Brennwert verbuchen. Sie verbuchen den Geldschein aber zum aufgedruckten Betrag, weil es sich um ein Forderungsdokument handelt. Eine Forderung ohne Termin (sofort) und damit zinslos.

      • „Der Händler unterbreitet jedem Kunden ein Angebot…“

        Das ist schlicht und ergreifend falsch, denn eine Auslage, die auch noch mit einem Preisschild versehen ist, ist kein Angebot, sondern eine Aufforderung ein Angebot zum Kauf abzugeben. Im Juristendeutsch nennt man das „invitatio ad offerendum“. Erst an der Kasse gibt der Kunde sein Kaufangebot ab, der Verkäufer bestätigt dieses – oder eben nicht – und erst dann ist eine schuldrechtliche Vereinbarung zustandegekommen. Aus dieser ergibt sich die sachenrechtliche Übertragung der Sachen „Ware“ einerseits und „Schuldendeckungsmittel“ (Geld) andererseits. (Eigentlich ist die Ware ja auch ein Schuldendeckungsmittel, denn die Schuld lautet auf Übertragung der Ware.)

      • Wenn sie in den Laden des Händlers eintreten, existiert nur ein (juristisch irrelevantes) „optisches Angebot“, also ein „Herumliegen“ von Obst in den Auslagekörben. Das kann ich mir anschauen und wieder rausgehen, ohne das irgendein Vertrag geschlossen wurde. Ob ich Geldscheine in der Tasche habe, spielt auch keine Rolle.

        Erst wenn ich einen Kaufvertrag mit dem Händler abschließe, habe ich einen (Kauf-)Vertrag. Dann wird sein Obst und mein Geld zum Forderungsgegenstand dieses Kaufvertrages. Trotzdem ist Geld auch hier keine Forderung. Sie, Herr Waldner, haben anscheinend ein hartnäckiges Sprach(verstehens)problem. Nicht das Geld fordert etwas, sondern Verkäufer und Käufer fordern im Moment des Kaufvertragsabschluss etwas, nämlich der eine das zu übergebende Obst-Ding und der andere das zu übergebende Geld-Ding.

        „Der Händler unterbreitet jedem Kunden ein Angebot, indem er in seinem Laden Güter für Geld anbietet. Willige ich in sein Angebot ein…“

        Sie verwenden hier das Wort „Angebot“ unzulässigerweise doppelt und damit verwirrend. Das eine ist nur ein „optisches Angebot von Obst“, das andere ist eine „Kaufvertragsangebot von Obst“. Das erstere verpflichtet zu gar nichts, das zweite schließt, wenn sie einwilligen, einen Kaufvertrag ab.

        Es gibt einen konstruierten Spezialfall der Geldscheine zu einer „Forderung“ werden lässt: Sie müssen den Geldschein nehmen und direkt auf ihn drauf schreiben, z.B. mein Nachbar hat mir heute 3 Eier gegeben, ich gebe ihm am Sonntag 4 Eier zurück. Dann ist das Geldscheinpapier tatsächlich zum materiellen Träger einer darauf festgehaltenen Forderungs-Verpflichtungs-Beziehung geworden. Sie haben mit ihrem Nachbarn einen Vertrag geschlossen und den Geldschein als Vertragspapier genutzt.

        Meines Wissens nach haben auch Jurastudenten im Studium ziemlich lange ein Problem damit, diesen Unterschied zwischen Forderung und Forderungsgegenstand etc. zu verstehen.

      • …das andere ist eine “Kaufvertragsangebot von Obst” (seitens des potentiellen Käufers). Das erstere verpflichtet zu gar nichts, das zweite schließt, wenn sie (gemeint ist der Verkäufer, der einwilligen muß) einwilligen, einen Kaufvertrag ab.

        Also:
        Ausgangspunkt:
        0. „invitatio ad offerendum“ (optische Auslage)
        danach wird es rechtserheblich:
        1. Käufer macht Kaufangebot – Angebot -, dann:
        2. Verkäufer nimmt das Angebot an – Annahme -, dann:
        3. Entstehung eines gültigen Kaufvertrages – Einigung -.

        Wichtig ist: 2. folgt NICHT automatisch aus 1., sondern ist ein eigenständiger Willensakt!

      • Vandermonde

        Interessant dazu vielleicht: In der Historie der Dollarnoten lässt sich die Transformation zu einem Kredit Geldsystem betrachten:

        Z.B „Twenty Silver Dollars payable to the bearer on demand“ auf den Silberzertifikaten und die Transformation zu „Will pay to the bearer on demand Twenty Dollars“ auf der 20 Dollar Note mit den Zusätzen „Redeemable in Gold …“ und später „Redeemable in Lawful Money…“

        d.h. auf dem Zahlungsmittel stand, dass 20 Dollar in 20 Dollar gesetzlichem Zahlungsmittel ausgezahlt werden. Das wirkt zumindest etwas redundant auch wenn unter http://www.federalreserve.gov/faqs/currency_15197.htm der Unterschied zwischen Legal Tender und Lawful Money erläutert wird.

      • Man muß sich über die Entstehung des Kreditgeldsystems keine Illusionen machen, denn das war nicht etwa eine vorab geplante Geschichte, sondern im Grunde genommen ein Ergebnis dessen, was auch in dem verlinkten Artikel zum Ausdruck kommt: es geht ständig darum Staat und Banken zahlungsfähig zu halten. Deswegen wird ja auch der Eindruck erweckt, daß „federal reserve notes“ etwas anderes sind als Schuldendeckungsmittel für Geldschulden, nämlich Schulden des Staates, wobei suggeriert wird, daß dort eine „Einlösung“ dieser Schuld stattfinden würde. Wenn es dann zum Schwur kommt stellt sich – selbstverständlich – heraus, daß das illusionierte „Schuldversprechen“ nicht in irgendeine Ware einlösbar ist. Der Grund für diese zwanghafte Verfahrensweise ist die Geldtheorie, welche stets und ständig behauptet, daß die Akzeptanz von Geld auf „Vertrauen“ beruht und die „Menge“ des Geldes daher zu beschränken sei. Dieser Vertrauenspopanz führt dann zu den sonderbarsten Illusionskonstruktionen wie eben der, daß eine Banknote eine Schuld des Staates sei und bei Nichtvertrauen in die Banknote immerhin Zölle, Steuern und sonstige Abgaben damit entrichtet werden können. Das chartalistische Argument trieft dabei aus allen Poren – wird aber irgendwie nötig, weil der Ansatz Geld als Tauschmittel zu konzipieren dieses Vertrauensproblem überhaupt erst generiert.

        Dadurch wird auch klar was in Bretton Woods passiert ist, weil das Interesse der Amis ja darin bestand die kriegsbedingt angeschwollenen Geldvermögensbestände mit Gold zu „decken“. Da traf es sich gut, daß seinerzeit Nordamerika dazu prädestiniert war Leistungsbilanzüberschüsse zu generieren, was darauf hinausläuft, daß es zu einem Goldzustrom kommen mußte und so die „Vertrauensbasis“ der US-Banknoten signifikant erhöht werden konnte. In Verbindung mit der aggressiven externen Kreditvergabe, (die Illusionsmaschinerie macht daraus die „Wohltat“ des Marshall-Plans, woran viele Trottel noch heute glauben) welche ja in Folge Zinseinkünfte – denen ein Goldzustrom folgen würde – erzeugt, ist natürlich klar, daß sich die Amis nie auf den Keynes-Plan eingelassen hätten, weil der Ausgleich der Außenhandelssalden schlichtweg nicht in ihr Konzept gepaßt hat. Als sich die Goldflüsse soweit verkehrt hatten, daß es zu fühlbaren „Vertrauensverlusten“ in den Dollar kam, wurde der Illusionsvorhang einfach fallen gelassen und Nixon verkündete einfach „April, April“ und damit war die Sache erledigt.

        Sobald man dagegen Geld als Kreditgeld akzeptiert wird dieses „Vertrauensproblem“ weitgehend eliminiert, weil nur noch das Vertrauen darauf, daß bei einer Zahlungsstörung eines Kreditverhältnisses irgendwann der Gerichtsvollzieher kommt und das Eigenheim wegpfändet, erforderlich ist. Das heißt, daß Schuldner stets daran interessiert sind für Geld reale Leistungsangebote zu machen und somit der Effekt auftritt, daß Anbieter um die monetäre Nachfrage konkurrieren müssen – was bedeutet, daß es für Geld etwas zu kaufen gibt. Es ist also nicht das Vertrauen in das Geld, sondern der Schuldendruck auf die i.d.R. Unternehmer, der dazu führt, daß Geld für die Einkommensverwender einen „Wert“ aufweist. Unter diesen Auspizien gibt es keine Veranlassung für irgendwelche Mätzchen, die dem Geld irgendwelche „Werthaftigkeit“ andichten wollen, weil es das Problem „mangelhaftes Vertrauen“ in das Geld aus dieser Perspektive schlichtweg nicht gibt. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wie sich Rechtsverdreher anstrengen müssen, um etwas juristisch zu begründen, was aus einer fehlerhaften Geldtheorie entstanden ist. Daß man dann darüber dicke Monographien schreiben kann um zu dem Ergebnis zu kommen, daß das alles sehr komplex ist, versteht sich von selbst. Hier drängt sich als Vergleich die Tatsache auf, daß im Gegensatz zu konzentrischen Kreisen als Beschreibung eines heliozentrischen Weltbildes die mathematische Formulierung des geozentrischen Weltbildes höllisch kompliziert ist. In beiden Fällen steht der individuelle Glaube an liebgewonnene Vorstellungen vor der nüchternen Analyse.

      • @soffisticated Der Kommentar von Ihnen gefällt mir sehr gut. Womit ich mir aber immer noch das Gehirn verbiege, ist das Stichwort „Gewinne und Wachstum“. Kann man ohne volkswirtschaftliches Wachstum Gewinne machen? Wie hängt das mit Kredit-Geld-Theorie vs. Tausch-Geld-Theorie zusammen? Ich höre oft so Sätze wie „Ohne Wachstum geht es nicht“ usw. Aber bezieht sich so eine Aussage auf eine unzureichende Neoklassische Theoriegrundlage oder ist das auch in einer richtig verstandenen Kredit-Geld-Systemtheorie so? Oder sind solche Aussagen von vornherein Unsinn? Haben Banken in einer nicht-wachsenden Volkswirtschaft eine Theoriegrundlage die Ihnen Gewinne ermöglicht oder ist dann Haifischbecken angesagt?

      • Hallo Herr Goldammer,

        „Kann man ohne volkswirtschaftliches Wachstum Gewinne machen?“

        Ja das geht, das war der Inhalt des Posts
        https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/

        Was die Neoklassik angeht, dort ist der Gewinn wegen der Grenzproduktivitätstheorie an eine „Mehr-Menge“ gebunden, so daß sich diese üblichen Sprüche erklären. Insofern sind derartige Aussagen nicht von vornherein Unsinn, sondern folgen aus einer bestimmten Theorie. Diese Theorie ist aber keine Theorie, die sich auf Geldwirtschaften anwenden läßt und der unternommene Versuch es doch zu tun führt dann zu solchen intellektuellen Verrenkungen, wie man sie aus den Diskussionen um die Quantitätstheorie kennt. Also: der Spruch aus einer neoklassischen Perspektive „Ohne Wachstum geht es nicht!“ ist mit Zielrichtung auf eine Kreditgeldwirtschaft als unangemessen zu bezeichnen, weil damit nur etwas über die neoklassische Modellwelt ausgesagt wird aber nicht über die Welt in der wir leben – und daß wir es mit Kreditgeld zu tun haben bestreiten ja noch nicht einmal Neoklassiker (sic)!

        Im obigen Post findet sich gewissermaßen das einfachste Modell einer Kreditgeldwirtschaft, in der bei Vorliegen bestimmter Reaktionsparameter ein ’steady-state‘-Gleichgewicht vorliegen kann – aber nicht muß. Dort erzielen die Unternehmen einen stetigen Gewinn (flow), den man mit ein paar Fingerübungen zwischen Banken und Unternehmen aufgeteilt darstellen kann, womit ein Finanzgleichgewicht bei einem im Durchschnitt konstanten Kreditvolumen möglich wird.

        Man muß da allerdings selbst erst mal ein bißchen herumgebastelt haben, damit man die Funktionszusammenhänge versteht.

  7. Wozu sind Banken da?
    Sehr aktuelle Frage nach dem EZB-Beschluss 1.140 Milliarden € zum Austausch risikobehafteter Sekundäranleihen diesen anzubieten.
    Wo landen diese frischen Euros?

  8. @Vandermonde

    „…d.h. auf dem Zahlungsmittel stand, dass 20 Dollar in 20 Dollar gesetzlichem Zahlungsmittel ausgezahlt werden…“

    Nun, so steht es auch heute noch auf den Pfundnoten: „I promise to pay the bearer on demand the sum of …“ verspricht dort der jeweilige Chief cashier der BoE. Die haben halt Tradition, die Engländer, und einen feinen Sinn für Humor. Denn den muss haben, wenn man verspricht, gegen Vorlage einer 5 Pfund Note den Betrag von 5 Pfund auszuzahlen. Diesen feinen Humor teilen die Amis offenbar nicht mehr, und weil Religion in den USA ja auch eine grössere Rolle spielt, schreiben die auf ihre Dollars gleich „In God we trust“. Naja, ist ja auch irgendwie das Gleiche. Bezüglich der Auseinandersetzung über den Forderungscharakter von Geld bevorzuge ich die Definition, dass Geld keine Forderung, sondern ein Forderungs-Aufbewahrungsmittel darstellt.

    • „…Forderungs-Aufbewahrungsmittel…“

      Das klappt nur in einem Mikro-Umfeld, wo der Emittent der Verpflichtung auch der Einlöser des Anspruchs ist. Im Jesse James-Post geht es auch um diese Geschichte, weil z.B. ein Zettel mit der Aufschrift: „Anspruch auf 10% der Beute aus dem Bankraub am x.x.18xx der „goldmoney-bank“ in Tombstone.“ quasi ein Inhaberpapier darstellt, bei der das Recht auf einen Beuteanteil aus dem Papier entsteht, d.h. ohne das Papier kann der „Rechtsanspruch“ (gegen den Anführer der Bande) nicht durchgesetzt werden.

      Sobald aber diese „Schuldversprechen“ unspezifisch werden, d.h. sich nicht auf einen genau bestimmten Schuldner bzw. Schuldgegenstand beziehen, geht der direkte Rechtstitel bzw. die direkte Rechtswirkung verloren, weil niemand verpflichtet werden kann für emittierte Schulden eines anderen gerade zu stehen. Das Substitut für diesen Mangel ist demgegenüber die Verpflichtung der Schuldner zur Leistung des Schuldendienstes, was ziemlich sicher garantiert, daß diese die Schuldentilgungsmittel als Zahlung akzeptieren. Damit ist also nicht die Werthaltigkeit von Schuldentilgungsmitteln (Geld) entscheidend, sondern der Umstand, daß es für den (abstrakten) Schuldendienst benötigt wird. In beiden Fällen beobachtet man also das Phänomen, daß gegen eine abstrakte Sache (Inhaberpapier bzw. Banknote) eine reale Leistung erbracht wird – der Grund dafür ist jedoch jeweils ein völlig anderer. Die Modernität des Kreditgeldkapitalismus ist es ja gerade ohne die Beschränkungen der persönlichen Verpflichtungsebene auszukommen. Auch wenn das manche bedauern, zu den „guten alten Zeiten“ will dann ja doch niemand zurück!🙂

    • Vandermonde

      @Frankie – danke für den Hinweis – das ist in diesem Fall ein deutlich besseres Beispiel für die Selbstreferentialität, wie es auch die offizielle Erklärung unter http://www.bankofengland.co.uk/banknotes/Pages/about/faqs.aspx beschreibt:

      „Exchange into gold is no longer possible and Bank of England notes can only be exchanged for other Bank of England notes of the same face value.“

  9. felsberger2012

    Mir sind gerade einige Gedanken von O.Spengler über Geld begegnet:

    >Die doppelte Buchführung ist eine reine Analysis des Wertraums, bezogen auf ein Koordinatensystem, dessen Anfangspunkt »die Firma« ist. Die antike Münze hatte nur ein arithmetisches Rechnen mit Wertgrößen gestattet. Wiederum stehen sich Pythagoras und Descartes gegenüber. Man darf von der Integration eines Unternehmens sprechen, und die graphische Kurve ist in der Wirtschaft wie der Wissenschaft das gleiche optische Hilfsmittel. Die antike Wirtschaftswelt gliedert sich wie der Kosmos Demokrits nach Stoff und Form. Ein Stoff in der Form der Münze ist Träger der wirtschaftlichen Bewegung und drängt die Bedarfsgrößen von gleichem Wertquantum an den Ort ihrer Verwendung. Unsere Wirtschaftswelt gliedert sich nach Kraft und Masse. Ein Kraftfeld von Geldspannungen liegt im Räume und erteilt jedem Objekt, unter Absehen von dessen besonderer Art, einen positiven oder negativen Wirkungswert, der durch einen Bucheintrag dargestellt wird. »Quod non est in libris, non est in mundo.« Aber das Sinnbild des hier gedachten funktionalen Geldes, das was allein mit der antiken Münze verglichen werden darf, ist nicht der Buchvermerk und auch nicht der Wechsel, Scheck oder die Banknote, sondern der Akt, durch welchen die Funktion schriftlich vollzogen wird und als dessen bloßes geschichtliches Zeugnis das Wertpapier im weitesten Sinne zu gelten hat.

    Aber daneben hat das Abendland in starrer Bewunderung der Antike Münzen geprägt, nicht nur als Hoheitszeichen, sondern in dem Glauben, daß das bewiesenes Geld sei, dem Wirtschaftsdenken wirklich entsprechendes Geld. Ganz ebenso ist schon in gotischer Zeit das römische Recht übernommen worden mit seiner Gleichsetzung von Sache und körperlicher Größe, und die euklidische Mathematik, die auf dem Begriff der Zahl als Größe aufgebaut war. So kam es, daß die Entwicklung dieser drei geistigen Formenwelten sich nicht wie die der faustischen Musik in rein aufblühender Entfaltung vollzog, sondern in Gestalt einer fortschreitenden Emanzipation vom Größenbegriff. Die Mathematik ist bereits mit dem Ausgang des Barock zum Ziele gelangt. Die Rechtswissenschaft hat ihre eigentliche Aufgabe bis jetzt noch nicht einmal erkannt, aber sie ist diesem Jahrhundert gestellt, und zwar fordert sie, was für den römischen Juristen selbstverständlich war, die innere Kongruenz von Wirtschaftsdenken und Rechtsdenken und die gleiche Vertrautheit mit beiden. Der durch die Münze symbolisierte Geldbegriff deckt sich vollkommen mit dem Geist des antiken Sachenrechts; für uns ist das nicht im entferntesten der Fall. Unser gesamtes Leben ist dynamisch angelegt, nicht statisch und stoisch; deshalb sind Kräfte, Leistungen, Beziehungen, Fähigkeiten – Organisationstalent, Erfindergeist, Kredit, Ideen, Methoden, Energiequellen – das Wesentliche, und nicht das bloße Dasein körperlicher Sachen. Das »römische« Sachdenken unsrer Juristen ist deshalb ebenso lebensfremd wie eine Geldtheorie, die bewußt oder unbewußt vom Geldstück ausgeht. Der gewaltige Münzbestand, der in Nachahmung der Antike bis zum Ausbruch des Weltkriegs stets vermehrt worden ist, hat sich zwar eine Rolle abseits vom Wege geschaffen, aber mit der inneren Form der modernen Wirtschaft, ihren Aufgaben und Zielen hat er nichts zu tun, und sollte er infolge des Krieges endgültig aus dem Verkehr verschwinden, so würde damit nichts verändert sein.

    Unglücklicherweise entstand die moderne Nationalökonomie im Zeitalter des Klassizismus, wo nicht nur Statuen, Vasen und steife Dramen als die allein wahre Kunst galten, sondern auch schön geprägte Münzen als das allein wahre Geld. Was Wedgwood seit 1768 mit seinen zartgetönten Reliefs und Tassen, das erstrebte im Grunde Adam Smith eben damals mit seiner Werttheorie: die reine Gegenwart greifbarer Größen. Denn es entpricht durchaus der Verwechslung von Geld und Geldstück, wenn der Wert einer Sache an der Größe einer Arbeitsmenge gemessen wird. Da ist »Arbeit« nicht mehr ein Wirken innerhalb einer Welt von Wirkungen, das Arbeiten, das dem inneren Range, der Intensität und der Tragweite nach unendlich verschieden ist, in immer weiteren Kreisen fortwirkt und wie ein elektrisches Kraftfeld gemessen, aber nicht abgegrenzt werden kann, sondern das ganz stofflich vorgestellte Resultat davon, das Gearbeitete, ein greifbares Etwas, an dem nichts bemerkenswert erscheint als eben der Umfang.

    Aber die Wirtschaft der europäisch-amerikanischen Zivilisation ist ganz im Gegenteil auf einer Arbeit aufgebaut, die einzig durch ihren inneren Rang gekennzeichnet ist, mehr als jemals in China und Ägypten, um von der Antike zu schweigen. Wir leben nicht umsonst in einer Welt wirtschaftlicher Dynamik: die Arbeit der Einzelnen wird nicht euklidisch addiert, sondern steht in funktionaler Beziehung zueinander. Die lediglich ausführende Arbeit, von der Marx allein Kenntnis nimmt, ist nichts als die Funktion einer erfindenden, anordnenden, organisierenden Arbeit, die der andern erst Sinn, relativen Wert und die Möglichkeiten gibt, überhaupt getan zu werden. Die ganze Weltwirtschaft seit Erfindung der Dampfmaschine ist die Schöpfung einer ganz kleinen Zahl überlegener Köpfe, ohne deren hochwertige Arbeit alles andere nicht da wäre, aber diese Leistung ist schöpferisches Denken und kein »Quantum«,69 und ihr Gegenwert besteht also auch nicht in einer Anzahl von Geldstücken, sondern sie ist Geld, faustisches Geld nämlich, das nicht geprägt, sondern als Wirkungszentrum gedacht wird aus einem Leben heraus, dessen innerer Rang den Gedanken zur Bedeutung einer Tatsache erhebt. Denken in Geld erzeugt Geld: das ist das Geheimnis der Weltwirtschaft. Wenn ein Organisator großen Stils eine Million auf ein Papier schreibt, so ist sie da, denn seine Persönlichkeit als Wirtschaftszentrum bürgt für eine entsprechende Erhöhung der Wirtschaftsenergie seines Gebietes. Das und nichts anderes bedeutet für uns das Wort Kredit.>

    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Spengler,+Oswald/Der+Untergang+des+Abendlandes/Zweiter+Band%3A+Welthistorische+Perspektiven/5.+Kapitel%3A+Die+Formenwelt+des+Wirtschaftslebens/1.+Das+Geld/4.

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