EURO-Bonds einmal anders…

bugDie Geschichte aus dem letzten Post kulminierte in dem Punkt, die Risikoprämien, die ja immer in den Zinsen enthalten sein sollen, dahingehend ernstzunehmen, daß damit praktisch ein Versicherungsbeitrag von allen Kreditnehmern zu entrichten ist, der es erlaubt, die Verluste aus der Abschreibung einzelner Kredite zu kompensieren. Damit entsteht ganz nebenbei auch eine monetäre Zinstheorie, die nicht aus der Introspektion aktueller persönlicher Befindlichkeitslagen heraus resultiert, sondern eine monetäre Größe – das Kreditabschreibungsvolumen – mit einer weiteren monetären Größe – dem zinsbedingten, eigenkapitalerhöhenden (Brutto-) Gewinn aus der G+V – zueinander in Beziehung setzt. Wenn man so will ist mit der Formulierung der quantitativen Beziehung einer monetären (Risikoprämie: Bruttozinsvolumen) zu einer anderen monetären Größe (Zukunftsunsicherheit: Abschreibungsverlust) das simpelste Grundprinzip eingehalten, daß begriffliche Entitäten, die eine Beziehung aufweisen sollen auch eine Bezugsebene besitzen, anhand derer sie auch vergleichbar sind. Leider hat das unbekümmerte Zusammenrühren inkommensurabler Sachverhalte in der ökonomischen Theorie eine unrühmliche Geschichte, indem beispielsweise die Zusammenstellung der Dinge, die in der sogenannten Quantitätstheorie bzw. -gleichung miteinander in Beziehung gebracht werden, ein mehr als abschreckendes Beispiel liefert.

Aber da die Ökonomen ja mehrheitlich glauben, sie hätten tatsächlich etwas, was die Bezeichnung “Zinstheorie” rechtfertigen würde, lasse ich das an dieser Stelle mal so stehen und möchte eher auf eine kleine Geschichte eingehen, die sich im Nachgang zu dem vorausgegangenen Post wie ein Elfmeter eigentlich für jeden von selbst angeboten hätte. Ausgangspunkt der ganzen Angelegenheit war ja, daß Banken nicht nur als “Transformatoren” von Risiko gesehen werden, sondern als Neutralisierungsinstanz von Risiken, die deswegen eine Risikoprämie bekommen, damit sie auch die finanziellen Schäden ausgleichen – daß die Banken inzwischen dazu übergegangen sind die ‘muppets’ für die Risiken haften zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Entscheidend dabei ist, daß die Banken als Verleiher von “Kredit”, d.h. Zahlungsfähigkeit, ein Arrangement dafür vorhalten, welches gewährleistet, daß ihre unvermeidlichen(!) Fehleinschätzungen der Gesellschaft insofern nicht zur Last fallen, als durch die “übermäßige” Vergabe von Kredit der Inhalt der Vorstellungen von Geldforderungen nicht (inflationär) beeinträchtigt werden (wobei Letztere auf einer irgendwie gegebenen phänomenologischen(!) Vorstellung von der “Kaufkraft des Geldes” beruhen). Typischerweise ist das Zahlenverhältnis von Bank und Kunden dergestalt, daß einer einzelnen Bank eine Vielzahl von Kunden gegenübersteht, woraus sich – wie halt bei einer Versicherung üblich – ergibt, daß das ‘pooling’ der Risiken durch eine zentrale Instanz bewerkstelligt werden kann. So weit, so gut.

Bei der ganzen Geschichte muß man sich an dieser Stelle mal merken, daß es der Gläubiger ist, welcher den eingetretenen Vermögensschaden durch eine Foerderungsabschreibung zu tragen hat und nicht der Schuldner. Dieser haftet ja auch “nur” nach Maßgabe der vertraglichen Bedingungen und ist gegebenenfalls nach Leistung der vereinbarten Haftungsmasse von einer weiteren Leistung (Schuldturm) freigestellt – zumindest in Staaten, die über ein modernes Insolvenzrecht verfügen. Man könnte diese Modernität der Behandlung der Übernahme von Residualrisiken auf eine Einsicht in die gegenwärtige Struktur des Geldsystems interpretieren, allein mir fehlt der Glaube in diese Version, da die versammelte Bankwirtschaftslehre immer noch die Legende von den Ersparnissen pflegt, die dann zu Investitionen führen sollen.

Bezieht man nun diese Aufgabenverteilung auf das Verhältnis von (Privat-) Gläubigern und Staatsschuldnern erhält die Haftungsfrage auf einmal eine neue Bedeutung, auch und gerade wenn man dies auf das umstrittene Thema Eurobonds anwendet. Auch wenn in diesem Fall einer Vielzahl von Gläubigern eine vergleichsweise kleine Anzahl von Schuldnern gegenübersteht, könnte man sich ein Arrangement vorstellen, daß für den Fall, daß ein Staat die vorgesehenen Zahlungen nicht leisten kann, lediglich ein Teilausgleich der ausfallenden Forderung von den mitbürgenden Staaten erfolgt, während der komplementäre Abschreibungsanteil als Abschlag auf die Nominalforderung ALLEN Eurobond-Gläubigern angerechnet wird. Das heißt, daß sobald ein Schuldnerstaat – was im Eurobond-Verbund vorab intern geregelt sein muß – mit seinen Zahlungen auf die Staatsschuld in Verzug gerät, wird die Anpassungslast nach einem vorab definierten Schlüssel auf die Garantiestaatengemeinschaft, aber auch und insbesondere auf die Gläubigerhaftungsgemeinschaft aufgeteilt. Das muß nicht fifty-fifty sein (eine Egalitätsvorstellung ist in ökonomischen Sachfragen ohnehin keine Leitlinie der Problembehandlung), sondern es kann auch auf einer Basis von z.B. 20% Staatshaftung und 80% Privathaftung sein, der Beschäftigung mit den möglichen Auswirkungen sind da keine Grenzen gesetzt.

Durch ein derartiges Arrangement kann die Haftungsfrage im Vorhinein geklärt werden, ohne daß es zu einer 100%igen Haftungsübernahme kommen muß, wie es derzeit im Fall der EURO-Krise gang und gäbe ist. Der Vorteil dabei ist, daß eine Rettungsaktion zu 100% für die EURO-Staaten nicht mehr attraktiv ist und selbst das Risiko für die “systemrelevanten” Banken kann dadurch auf ein handhabbares Maß reduziert werden, mal vorausgesetzt die Engagements bewegen sich auf einem “vernünftigen” Niveau. (Sobald aber wieder ein ‘run’ auf die vermeintlich risikolosen EURO-’bonds’-mbH  einsetzt, ist der Effekt der Risikodiversifizierung natürlich gleich wieder für die Katz! Sorry Katzi!)

Im Gegensatz zu der üblichen Behandlungsweise von Eurobonds, wo der Fokus der Diskussion darauf liegt, eine komplette Absicherung der Gläubiger zu gewährleisten, was zu Recht auf einhellige Ablehnung seitens derjenigen Staaten stößt, welche die voraussichtlich eintretenden Lasten zu tragen hätten, gilt nun eine vorab definierte Lastenverteilung, welche niemanden aus seiner Verantwortung entläßt – weder Gläubiger noch Schuldner. Eigentlich ist es einerseits nicht zu verstehen, daß eine derartige Konstruktion überhaupt noch nicht in die Diskussion gekommen ist, denn die Möglichkeit einer Privatinsolvenz ist genau die Blaupause die man braucht, um sich ein derartiges Arrangement als Grundlage von europäischen Schuldverschreibungen vorstellen zu können. Zum Anderen würde dadurch endlich mal die Vorstellung (teilweise) aus der Welt geschafft, es gäbe so etwas wie risikolose Geldanlagen, die Vorschriften über mündelsichere Anlageformen hin oder her. Eurobonds wären dann für die prospektiven Bürgen dann nur noch ein Engagement mit begrenzter Haftung – was will man mehr? Das Schönste dabei ist: das firmiert alles unter dem gütigen Siegel der europäischen Solidarität!

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Zinsen – Individual- oder Gemeinschaftskonzept?

skyrestSchon zu meiner Schulzeit war es so, daß dann, wenn ein Lehrer versucht hat irgendwelche Klassifikationen zu erläutern mit schönster Regelmäßigkeit keine sinnvollen Schlüsse aus seinen Bemühungen gezogen werden konnten. Das aufgeführte Sammelsurium an Begriffen war meist nicht sinnvoll kombinierbar, geschweige denn, daß sich die vorgestellten Termini sogar gelegentlich widersprochen haben. Bis heute ist das Gefühl übriggeblieben, daß damit auch nichts erklärt werden sollte, sondern vielmehr ein Scheinwissen zur Schau gestellt wird und somit lediglich eine Simulation von Wissen stattgefunden hat.

Dasselbe Gefühl beschlich mich, als ich eine Tabelle zu Gesicht bekam, in der nicht weniger als 25 Zinsfunktionen enthalten waren und die Autorin daranging diese in mehr oder weniger lose Zusammenhänge zu stellen. Erwartungsgemäß war auch an diesem großangelegten Klassifizierungsversuch kaum etwas Vernünftiges zu erkennen, zumal eine wesenserhebliche Funktion überhaupt nicht explizit aufgeführt war. Zwar war durchaus was man erwarten konnte der Zins als Risikoprämie aufgeführt, doch die unmittelbare Konsequenz daraus fehlte einfach. Das hat natürlich seinen Grund, der auch einen wohlklingenden Namen hat und mit “methodologischer Individualismus” genau auf den Punkt gebracht wird. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als das simple Postulat(!), daß alles, was nicht aus der Wahlentscheidung eines Individuums heraus erklärbar ist, nicht zu dem Fachgebiet Ökonomie gerechnet werden soll. Mit einem derart schlaffen Postulat wird beispielsweise begründet, warum die DSGE-Modelle das nonplusultra der ökonomischen Theorie sein sollen oder warum Argumente, die sich aus saldenmechanischen Gedanken ableiten mit dem Vorwurf(!) “Das ist ja Saldenmechanik!” als ökonomisch nicht gehaltvoll diskreditiert werden sollen. Komplett lächerlich wirkt ein derartiger Vorwurf vor dem Hintergrund, daß laut “methodoligischem Individualismus” eine angemessene Analyse makroökonomischer Prozesse dadurch gewährleistet sein soll, daß lediglich die mikroökonomisch fundierten Wahlentscheidungen eines “repräsentativen Wirtschaftssubjekts” betrachtet werden. (Das ist die logisch inkonsistente Forderung nach einer “Mikrofundierung der Makroökonomie”!) Da schon häufiger die Frage angesprochen wurde, wie das Verhältnis vom Teil zum Ganzen strukturiert ist, sei hier lediglich G. Bateson zitiert: “Insofern, als die Verhaltenswissenschafter noch immer die Probleme der ‘Principia Mathematica’ ignorieren, können sie Anspruch darauf erheben, 60 Jahre im Rückstand zu sein.” (Das Buch aus dem dieses Zitat stammt ist aus dem Jahr 1972!)

Num ist ja die Eigenschaft des Zinses, ein Indikator für das Risiko einer Investitionsentscheidung zu sein, vergleichsweise unbestritten. Es ist ja nicht so, daß individualistische Fragestellungen sich nicht ökonomisch fruchtbar verwenden ließen. Worum es allerdings hier geht ist die Frage, was aus dieser Eigenschaft abzuleiten ist. Irgendwie sollte doch eine Konsequenz mit der Existenz einer Risikoprämie verbunden sein, denn als risikobezogene Größe kann sie nicht lediglich als Argument dafür herhalten, Zinsen als riskante Einkommensquelle zu definieren. Das heißt, daß mit dem Zinsanteil, welcher mit der Risikoprämie verknüpft ist, eine andere Konsequenz verbunden sein muß, als diejenige, Zinsen zu einem Einkommenselement zu stilisieren. Es handelt sich dabei um den schnöden Umstand, daß – bevor sich irgendjemand um die Verwendung von Bruttozinseinnahmen zur Einkommensaufbesserung kümmern kann – es zunächst mal darum gehen muß, und zwar ohne Wenn und Aber, daß damit die Verluste aus abgeschriebenen Forderungen kompensiert werden müssen. Das heißt, daß Zinsen, wie alle anderen Erträge auch, für die Deckung des Aufwands aus Kreditabschreibungen herhalten müssen. Denn auch wenn Forderungsabschreibungen eigentlich eine aktivische Bestandsverringerung darstellen, wird damit die (hoffentlich) eigenkapitalerhöhende Wirkung eines G+V-Überschusses nachträglich reduziert. Die unausweichliche Folge davon ist, daß Zinsen unmittelbar dazu beitragen Bilanzverluste der Banken aus Kreditabschreibungen zu kompensieren.

Das hat unmittelbare Konsequenzen für die Zinstheorie, deren Focus hauptsächlich darin gesehen wird für Sparer ein Zinseinkommen zu generieren, was ja auch durch die herrschende Geldtheorie nahegelegt wird. Dabei ist diese Theorie, daß die Sparer die Quelle von Geld zur Kreditvergabe darstellen und deswegen zur Zurverfügungstellung von Spareinlagen “angereizt” werden müßten die Paten-theorie für die felsenfeste Überzeugung, daß Sparer einen Zins zu beanspruchen hätten. Natürlich wird diese Vorstellung durch die Zentraltheorie des Kapitalismus, der allgemeinen Gleichgewichtstheorie nahegelegt, wo die privaten Wirtschaftssubjekte ihre Ressourcen aka Erstausstattungen den Unternehmen gegen einen Leihertrag zur Verfügung stellen, soweit es sich um “Kapitalgüter” handelt. In das gleiche Horn stößt die Theorie der multiplen Geldschöpfung, deren Credo sich daraus speist die Einlagen von Sparern an den Anfang der Ableitungskette zu setzen.

Welche Konsequenz ergibt sich nun aus der Sichtweise Zinserträge als Kompensation für fehlgeschlagene Kreditengagements zu sehen? Dazu muß man sich zunächst einmal klarmachen, was eine Kreditabschreibung bedeutet. Sie bedeutet, daß ein Kreditnehmer in dieser Höhe Ressourcen in Anspruch genommen hat, denen auf dem Markt kein konkurrenzfähiges Angebot gegenübergestellt wurde. Dies bedeutet, daß der Mechanismus, der dem Kreditgeld überhaupt erst seinen “Wert” verleiht, durchbrochen wird. Denn dieser besteht essentiell daraus, daß alleine der Schuldendruck dem sich der Kreditnehmer ausgesetzt sieht ihn dazu veranlaßt, gegen Geld reale Leistungen anzubieten, um Zins, Tilgung und (hoffentlich) einen Gewinn zu erzielen. Eine Kreditabschreibung dagegen bedeutet, daß die durch den Kredit finanzierte hoffnungsvolle Investition sich als bloßer Konsum von Ressourcen herausgestellt hat und deswegen ein Kreditvolumen im volkswirtschaftlichen Rahmen “zuviel” da ist, welches keinen Beitrag zur gesellschaftlichen Leistungserstellung mehr liefert. Die Neutralisierung dieses überschüssigen Kreditvolumens wird dadurch gewährleistet, daß Zinszahlungen gegen dieses konsumtive Kreditvolumen gegengerechnet werden.

Das bedeutet aber, da auch erfolgreiche Unternehmer Zinsen zahlen, daß Zinsen gesamtgesellschaftlich als eine Art Versicherungsprämie angesehen werden können, die alle Kreditnehmer zahlen, obwohl nur (hoffentlich) einzelne Kreditnehmer in die Insolvenz gehen und damit unbezahlte Kreditlinien hinterlassen. Das läßt sich sehr schön mit der Kfz-Versicherung vergleichen, da diese den meisten Menschen als Risikoversicherung bestens bekannt ist. Eine Risikoversicherung zeichnet sich dadurch aus, daß sie die Prämien der Versicherungsnehmer dazu verwendet, die Schäden, die von einzelnen dieser Versicherungsgemeinschaft angerichtet werden, aus den Beiträgen aller Versicherungsnehmer zu decken. Dabei ist für die Betrachtung hinsichtlich der Interpretation von Zinsen als Versicherungsprämie noch wesentlich einen besonderen Aspekt zu betrachten: denn immer dann, wenn die Risiken bzw. die Wahrscheinlichkeit der Schäden zunehmen, fangen die Prämien für diese Versicherung an zu steigen, da ein höheres Schadenvolumen abgedeckt werden muß. Wenn man dieses berücksichtigt und auf die Konzeption, Zinsen als Versicherungsprämien zu sehen überträgt, wird auf einmal auch klar, daß genau dann, wenn die Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen steigt (typischerweise in einer Krise/ Rezession) auch die entsprechenden Risikoprämien/ Zinsen zu steigen beginnen. Insofern mutet es ziemlich rührend an, wenn von allen Seiten unisono in einer Rezession gefordert wird, daß die Notenbank die Zinsen senken müsse, um den Unternehmen “das Geld billiger zu machen” und die Unternehmen damit “angereizt” werden mehr investieren. Das kann die Notenbank zwar tun indem sie mit ihren Reizen nicht geizt, wird aber dennoch keine Effekte hinsichtlich der prognostizierten Kreditabschreibungen erzielen können, was eine wesentliche Vorbedingung dafür wäre die Banken zu veranlassen ihre Kreditzinsen zu senken.

Wenn Banken anfangen ihre Zinsen zu senken, dann aus einem anderen Grund: nämlich dann, wenn sich die Aussichten für die Rentabilität von Investitionen wieder verbessern und die Konkurrenz um die “besten” Schuldner einsetzt, die mit immer besseren Zinsgeboten gelockt werden sollen, wobei die Verringerung der Wahrscheinlichkeit für Kreditabschreibungen (gewissermaßen die “finanziellen Schäden”) diesen Spielraum für diese verbesserten Zinskonditionen überhaupt möglich macht. Letzteres funktioniert allerdings erst dann, wenn durch ausreichende Zinseinnahmen die abzudeckenden “finanziellen Schäden” weitgehend ausgeglichen sind und nicht noch in den Büchern latente Risiken lagern, deren Existenz eine “verringerte Schadenvorsorge” praktisch unmöglich machen. Soweit das wie derzeit aktuell der Fall ist können Zinsreduktionen der Zentralbank keine nennenswerten Effekte erzielen, auch wenn die versammelte Presselandschaft bisher üblicherweise jede 0,25%ige Zinssenkung als “wichtiges geldpolitisches Signal” zu interpretieren gewillt war. Leider übersetzt sich ein sinkender Diskontsatz nicht automatisch in eine großzügige Zinssenkung bei den Krediten und ist nach den vorstehenden Erkenntnissen auch nur als blauäugiges Wunschdenken der Zentralbanken zu interpretieren. Daß die üblichen Begründungen für die weitgehende Zurückhaltung bei der Kreditvergabe dann dahingehend lauten, daß die Wirtschaft sich in einer Konstellation der “Liquiditätsfalle” befinde, beweist nur, daß das herrschende makroökonomische Denken bisher noch nicht über die Betrachtung intrinsischer Motivationslagen einzelner Wirtschaftssubjekte hinausgekommen ist.

Diese Sichtweise auf die eigentliche Natur von Zinsen wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Theorie, welche versucht Zinsen aus einem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage abzuleiten. Denn was – um mal von der Krise wegzukommen – passiert in einem Aufschwung? Das Geldangebot müßte aufgrund der höheren Ausgabenbereitschaft und der korrespondierenden sinkenden Sparbereitschaft sinken und damit die Kreditzinsen in die Höhe treiben, genauso wie eine höhere Geldnachfrage aufgrund einer höheren Investitionsbereitschaft die Zinsen ansteigen lassen müßte. Man kann zwar ökonometrisch so ziemlich alles ableiten, aber die Zinssenkungstendenzen bei Banken in einem Aufschwung sind vergleichsweise unübersehbar, während die Zinserhöhungstendenzen einer Zentralbank, getragen von einer Motivation, eine “Überhitzung der Konjunktur” zu verhindern dagegen doch vergleichsweise putzig wirken und ihre intendierten Effekte regelmäßig verfehlen. Umgekehrt, umgekehrt.

Vielleicht noch ein letztes Wort zu dem eingangs erwähnten Kriterium dafür, was Ökonomie ist und was nicht. Die hier vorgestellte Sichtweise wird deswegen nie als ökonomisch akzeptiert werden, weil hier eine Abkehr von dem “methodologischen Individualismus” vorliegt und es sich damit für die ‘mainstream’-Ökonomie von vornherein verbietet, derartige Erwägungen ernst zu nehmen. Nun ist ein methodologisches Prinzip keine göttliche Gravur auf einer Steintafel, sondern eine spezifische Art der Gewinnung von Erkenntnis, wodurch natürlich nicht ausgeschlossen wird, daß nichtindividualistische Erkenntnismethoden nicht auch valide Erkenntnisse erbringen könnten. Auch wenn die Aussichten für diese Zinstheorie nicht so rosig sein dürften wird doch wohl eins nicht passieren: daß von der Ökonomie das Prinzip der Risikoversicherung deswegen abgelehnt wird, weil es sich nicht aus individuellen Präferenzen ableiten läßt. Obwohl, man kennt ja Ökonomen: die können auch ableiten, daß es eine positive oder steigende Zahlungsbereitschaft, d.h. eine Nachfrage nach höheren Beiträgen für eine Risikoversicherung geben kann, wenn einerseits die Schadenssumme angestiegen ist und die individuelle Schadeneintrittswahrscheinlichkeit gesunken ist. Das nennt man dann Altruismus oder so… :-)

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Jesse James oder die Abstraktheit sozialer Verpflichtungsrelationen

tank surrealDie Story, welche die Funktionsbedingungen des Geldes im Kreditgeldkapitalismus beschreiben kann, läßt sich anhand einer merkwürdigen Geschichte aufzeichnen, die die Differenz von Geld und Gold in besonderer Weise akzentuiert.

Was ist das Problem, wenn Jesse James einen Bankraub plant und nicht konkret bestimmen kann, wieviel Beute zu erwarten ist. Jeder Kenner der Western Materie wird wissen, daß das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen nur auf eine Weise zwischen den Beteiligten verteilt werden kann: es wird eine Quote festgelegt, die jedem einen bestimmten Anteil an der Beute in Aussicht stellt. Denn je nachdem wie hoch die Ausbeute an – üblicherweise – Gold ausfällt ist der Anteil des Einzelnen höher oder niedriger ~ sofern der einzelne Teilnehmer dieser Aktion diese auch überlebt.

Was passiert nun, wenn der Bankraub  halbwegs seinen erwarteten Erfolg hatte und es nun um die Verteilung des gemeinsamen Ertrages geht? Die Anzahl der erbeuteten Goldstücke stellt den verteilungsfähigen Bestand dar, der nunmehr gemäß des vorab ausgehandelten Verteilungsschlüssels den anspruchsberechtigten Überlebenden zugerechnet wird. Nehmen wir mal an, daß es keinen Streit gibt (ja ist unrealistisch, aber trotzdem): die Verteilung der Goldstücke sieht aus wie eine Zahlung für die Leistung “Teilnahme an Bankraub”, ist aber in diesem Sinne keine. Denn in dieser Transaktion ist die Übergabe des Beuteanteils gleichbedeutend mit der Übergabe einer Ware, während die Erlöschung des ausgehandelten Anspruchs des Einzelnen dasjenige darstellt, was die Zahlung zum Erwerb einer Ware darstellt. Denn eine Zahlung im geldtheoretischen Sinne ist dadurch charakterisiert, daß damit eine Schuld gelöscht wird, die in diesem Fall aus der Verpflichtung von Jesse James besteht die gegen ihn gerichteten Forderungen durch die Übergabe des vereinbarten relativen Warenanteils zu erfüllen.

Das Wesentliche was zu der Verbindung zu Geld führt ist, daß der Anspruch z.B. 10% der Beute, erst durch das konkrete Ergebnis des Raubzuges materialisiert wird. Denn erst durch diese Materialisierung (die im Vorfeld lediglich erwartet! werden kann) wird der entsprechende Anspruch zu einem realen Wert. Das kann man auch ganz profan dadurch ausdrücken, indem man Geld (interpretiert als Anspruch auf ein gemeinsames Projektergebnis) als relatives Maß des Bankraubes erkennt, welches den Output der gemeinsamen Aktivität in Beziehung zu dem individuellen Input (Pferd, Sattel, Colt oder wahlweise Winchester, Kugeln und persönliche Existenz) setzt. Genau das ist es nämlich, was eine Preiskalkulation macht, indem die Kosten auf das Produktionsergebnis aufgeteilt werden – nachdem das Produktionsergebnis feststeht. Was man nur sehen muß ist, daß die 100% der Kosten (=Ansprüche) auf das Ergebnis der “Produktion” aufgeteilt werden und somit die ‘a priori’ nicht definierbaren bzw. mengenmäßig konkretisierbaren realen Ansprüche in abzählbare Ansprüche auf Waren (nein, nicht Güter) übersetzt werden.

Was an dieser Konstellation so interessant ist, ist der Umstand, daß sich hier vermeintlich zwei Geldkonzepte kreuzen, die nicht miteinander vereinbar scheinen, denn die Vorstellung von Gold als Geld beißt sich mit der institutionalisierten Konzeption, Geld als Anspruchsgefüge innerhalb sozialer Beziehungen zu interpretieren. Das ist dann kein Widerspruch, wenn Gold als die zu liefernde Ware angesehen wird – die es auch ist -, während Geld die Anspruchsbeziehung darstellt, welche die Verpflichtungen zwischen Personen begründet oder eben auflöst. Im Gegensatz zu Marx, der darüber nachgedacht hatte, daß das gesellschaftliche Verteilungsproblem durch Stundenzettel nicht zu lösen sei, da es sich hierbei um ein absolutes Maß der Produktion handelt, weil von der Grundidee her sich auf dem Markt Äquivalente austauschen (weil die Waren in Stundenzetteleinheiten bewertet werden sollten), kann man demgegenüber dennoch zu einer Lösung kommen, indem man dazu übergeht die Ansprüche relativ! zu formulieren.  So könnte Jesse James die Anspruchsberechtigungen derart ausgestalten, daß er den einzelnen Beteiligten den Anspruch auf z.B. 10% der Beute schriftlich ausstellt, der bei Einlösung (wie bei einem Lagerschein) wieder ausgehändigt werden muß, um die Anspruchsberechtigung zu beweisen. (Daß ein solcher Beweis erst dann notwendig wird, wenn die soziale Gruppengröße anfängt unübersichtlich zu werden muß an dieser Stelle nicht stören.)

Was man an dieser Stelle verstehen kann ist der Umstand, daß dieser 10%-Schein die Vorstufe zu sozialen Beziehungen darstellt, die über abstrakte und relative Ansprüche geregelt werden, denen aus der Konstruktion der Beziehung heraus ein absoluter Wert oder eine konkrete Menge an Sachgütern nicht zugerechnet werden kann. Letzteres liegt daran, daß die Zukunftsunsicherheit (Keynes) darüber, was das Ergebnis der sozialen Anstrengung konkret sein wird, eine direkte Assoziierung von gegenwärtigem Anspruch und zukünftigem Gegenwert schlichtweg verbietet!

Daß diese Verabstraktierung (Hypostasierung) von Verpflichtungen dann auch in einer zweiten höheren Abstufung zu dem gegenwärtigen zweistufigen Geldsystem führt, sei an dieser Stelle nur am Rande angemerkt. Aus dieser Sichtweise folgt allerdings bereits unmittelbar, daß jegliche Vorstellung einer “Gesellschaft ohne Geld” oder ein “Geld ohne Schuld” davon ausgeht, daß eine Gesellschaft ohne Verpflichtungsbeziehungen existieren könnte – na dann viel Spaß! Mal abgesehen davon, daß Adam Smith sein  Konzept der Arbeitsteilung einstampfen könnte, welches in der Form von Unternehmen, in denen einander unbekannte Personen miteinander arbeiten im Laufe der Geschichte zu dem Wohlstand geführt hat, der zumindest in den Industrienationen (partiell) neidlos konstatiert werden kann.

Die Lehre aus dieser Geschichte ist, daß Geld alias soziale Verpflichtungsrelation nicht durch eine reale Entität substituiert werden kann und deswegen alle Versuche, dem Geld eine reale “Deckung” anzuhängen scheitern müssen – alle, bis hin zur Quantitätstheorie, deren reziprokes Preisniveau sich auch nur als Wareneinheit entpuppt, was sich nach kurzem Nachdenken wie von selbst ergibt!

Fazit: die Substanz von Geld sind soziale Verpflichtungsrelationen und keine konkreten Gegenstände! Deswegen heben sich auch Forderungen und Verbindlichkeiten gesellschaftlich gesehen auch auf, und zwar nicht nur manchmal, sondern immer! Auch auf den lustigen “Finanzmärkten”.

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TARGET-Nachlese

spider cubeWenn man ein bißchen länger darüber nachdenkt, ist die Geschichte mit den TARGET-Salden nicht ganz so schlimm wie sie sich üblicherweise darstellt. Denn zunächst sind sie eigentlich nur Verrechnungsposten zwischen nationalen Zentralbanken, die demselben EURO-Währungsverbund angehören, in dem es 17 nationale Zentralbanken gibt, die alle dasselbe Recht haben EURO zu emittieren. Das eigentliche Problem dieser Salden besteht ja daraus, daß z. B. die Bundesbank für die Geldemission einer anderen Zentralbank einstehen muß als hätte sie es selbst getan. Daß damit die geldpolitische Strategie der Bundesbank unterlaufen wird muß man in Frankfurt nicht lustig finden, man kann aber dort auch nichts dagegen tun!

Was dabei auffällt ist der Umstand, daß es aufgrund der bei z.B. deutschen Banken entstehenden Erhöhung des Basisgeldbestandes nicht zu den viel beschworenen inflationären Entwicklungen kommt, die üblicherweise davon erwartet werden müßten. Das wird von mehr oder weniger informierten Meinungsproduzenten üblicherweise damit begründet, daß sich die “Ökonomie” in einer “Liquiditätsfalle” befinden und von daher eine Wirkung auf das Preisniveau ausbleiben würde. Das mag so sein, heißt aber nicht, daß es nicht noch andere Gründe dafür geben könnte. Denn das was bei einer TARGET-Überweisung passiert ist, daß eine Forderung einer “Süd”-Geschäftsbank zu einer Forderung einer “Nord”-Geschäftsbank gegen die jeweilige Zentralbank wird. Was dabei nicht klar ist, ist die Frage, inwieweit diese Transaktion auch zu einer entsprechenden zusätzlichen Emission von Basisgeld führt, von der ja stets angenommen wird, daß sie Preisauftriebstendenzen Nahrung gibt.

Nun gibt es ja den berühmten “Geldmengenmultiplikator”, den es zwar nicht(!) als theoretisches aber dennoch als statistisches Konzept gibt. Dieser besagt, daß das Kreditvolumen einer Ökonomie ein Vielfaches der Basisgeldmenge ist. Letztere besteht aus dem Banknotenumlauf sowie den Forderungen der Geschäftsbanken gegen die zuständige Zentralbank.

Wenn also eine “Süd”-Geschäftsbank eine “Auslandsüberweisung” vornimmt, reduziert sich automatisch das Volumen des Basisgeldes im sendenden Land, während es sich im Empfängerland dementsprechend erhöht. So weit, so gut!

Nun ist es ja so, daß im Senderland nicht nur Basisgeldmenge insgesamt geschrumpft ist sondern auch das Kreditvolumen und die Geschäftsbanken deswegen einen geringeren Bedarf an Basisgeld haben, so daß, auch wenn der Bestand des Basisgeldes teilweise wieder aufgefüllt werden muß, das ursprüngliche Volumen nicht mehr erreicht wird. Das liegt daran, daß die Wahrscheinlichkeit eines Abflusses von Basisgeld bei den “Süd”-Geschäftsbanken entsprechend geschrumpft ist. Diesen Effekt kann man auf etwa 10% bis 15% einschätzen, was einen endgültigen Nettoverlust an Basisgeld im betreffenden Land bedeutet.

Was passiert demgegenüber in einem Empfängerland wie Deutschland? In Deutschland verzeichnen die Geschäftsbanken einen Zufluß an Basisgeld, der ihr Kreditvolumen unmittelbar erhöhen müßte. (Zumindest dann, wenn man die Theorie der “fraktionellen Geldschöpfung” ernst nehmen würde – was man nicht muß.) Die Frage ist: was passiert tatsächlich in einem Land, welches einen Nettozustrom von Basisgeld realisiert? Nehmen wir realistischerweise mal an, daß der Bedarf an Basisgeld nicht vorhanden ist, dann besteht auch kaum ein Bedarf an irgendwelchen zusätzlichen Reserven. Der Grund dafür könnte z.B. der sein, daß in Deutschland nach den LTRO-Operationen der EZB die Liquidität der deutschen Banken ohnehin einen Status erreicht hat, der in Bezug auf den Bedarf an Basisgeld als redundant bezeichnet werden kann.

Was wird also passieren? Eben, die deutschen Banken werden nichts anderes tun als das ihnen zugeflossene Basisgeld dahingehend zu verwenden, um frühere z.B. Wertpapierpensionsgeschäfte aufzulösen, was die kühle Folge hat, daß das Basisgeldvolumen um eben diesen Betrag schrumpft! Was ist das Ergebnis? Zum einen schrumpft das Basisgeldvolumen im Senderland aufgrund sinkender Liquiditätserfordernisse, zum anderen sinkt das Basisgeldvolumen im Empfängerland aufgrund des mangelnden Bedarfs an Basisgeld in den Empfängerländern, weil die LTRO Operationen der EZB eine Liquiditätsvorsorge für “Nord”-Länder quasi entbehrlich gemacht haben.

Also was denn nun? Ganz einfach: man kann davon ausgehen, daß die durch Kapitalflucht bedingten TARGET-Salden dazu führen, daß die Basisgeldmenge in EURO-Land insgesamt gesehen SINKT! (Das könnte ein wesentlicher Grund dafür sein, daß sich deutsche Banken noch nie wirklich über die TARGET-Salden beschwert haben. Warum? Weil sie daran verdienen! Eine Liquiditätsrente muß niemand vehement ablehnen!) Inflation? Fehlanzeige!

Lustig, nicht?

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Pitticoin die Lieben – und Platsch

rouletteNun muß man sich ja nicht als kompletter Laie outen, indem man in Bezug auf das Phänomen Bitcoin von einer Währung spricht. Es ist eher angemessen von einem künstlichen Tauschmittel oder künstlichem “Wertgegenstand” oder meinetwegen von einer “virtuellen Sache” zu reden, welche es zu einer gewissen Prominenz gebracht hat. Genau dasselbe ist auch schon bei Kunstwerken, Tulpenzwiebeln und einer Unzahl anderer Modeobjekte passiert, ohne daß die Kommentatorenwelt sich entblödet hätte, dabei von einer Währung zu faseln.

Das liegt daran, daß sich kaum jemand darum Gedanken macht, was eine Währung tatsächlich auszeichnet. Eine Währung des modernen Typs ist dadurch gekennzeichnet, daß sie nicht das Tauschverhältnis von Hirsch und Biber, sondern das Stecknadelbeispiel von Adam Smith adressiert. (Dazu gibt es demnächst einen weiteren Post!) Es ist nicht der Tausch, der die Grundlage für das Denken über Ökonomie legen sollte, sondern die Arbeitsteilung, welche auch das Rezept für das Reüssieren moderner Gesellschaften liefert. Der Grund dafür ist darin zu sehen, daß die operative ökonomische Elite instinktiv den Fokus der Bedeutung nicht auf die sogenannten flows, sondern auf die Qualität der stocks legt! Das heißt zwar auch, daß es gelegentlich auch zu Pannen kommt wo Bestände entwertet werden müssen, was dann unproblematisch ist, wenn diese auch einer entsprechenden Abschreibung unterzogen werden (können). Das jüngste Beispiel ist nicht von ungefähr die ‘dotcom’-Blase, die deswegen so glimpflich verlaufen ist, weil die durchgeknallten “Investitionen” vorwiegend mit Eigenkapital (IPOs) finanziert wurden und sich niemand darum schert, ob eine Abschreibung von Aktieninvestments erforderlich ist oder nicht.

Letzteres hat natürlich mit Bitcoins nichts zu tun. Denn Bitcoins sind ja nichts anderes als eine Phantasie, deren Bedeutung sich aus einer Vorstellung speist, die sich daraus ergibt, daß ein Glaube existiert, daß sie deswegen, weil sie aus einem “realen” Prozeß entstanden sind auch einen “Wert” haben müßten. Das kann man ja glauben, nur: das hat nichts mit irgendeiner Realität zu tun! (Ich habe ja eher den Verdacht, daß dieser Hype eine Marketingmaßnahme von Hardwareherstellern war.)

Das Lustige dabei ist, daß sich die Vertreter des Bitcoin dazu versteigen dessen Existenz als Alternative zu einer Währung zu stilisieren, obwohl dahinter nichts weiter ist, als daß ein Schaumprodukt zu einem Popanz hochdefiniert wird, was letztlich nichts anderes bedeutet, als daß eine lustige Truppe von Nerds sich einen Spaß daraus macht die versammelte Elite der Geldtheorie vorzuführen! Denn wenn irgendwer “Tauschmittel” ruft, stürzen sich orthodox indoktrinierte Ökonomen sofort auf diese vermeintliche Bestätigung ihrer Vorstellungswelt. Wer dabei an Schande denkt, liegt richtig!

Der entscheidende Unterschied besteht daraus, daß ein Tauschmittel kein Zahlungsmittel ist!  Das eine ist ein fiktiver Wert, während das andere ein Medium ist, welches “nur” dazu da ist, Schulden zu tilgen. An dieser Stelle wird nämlich klar, daß das hochgelobte “Vertrauen” in eine Währung nämlich nur dann vonnöten ist, wenn es niemanden gibt, der darauf angewiesen ist, diese Währungseinheiten deswegen zu erwirtschaften, weil er in dieser Währung Schulden zu tilgen hat. Das viel gescholtene Schuldgeldsystem bezieht nämlich seine Funktionsfähigkeit daraus, daß Unternehmer einem Schuldendruck unterliegen und das der einzige Grund für ihre Bereitschaft ist, gegen (substanziell wertloses) Geld reale Leistungen (i.e. für den Konsumenten werthaltige Waren) zu verkaufen.

Im Gegensatz dazu ist ein Bitcoin als “schuldfrei” (immer wieder lustig) geschöpfte “Währung” auf Vertrauen angewiesen, weil es für niemanden eine wesentliche Motivation gibt, diese virtuellen Zahlenkolonnen durch ein Leistungsangebot erwirtschaften zu müssen. Die Pannen, die demgegenüber mit Währungen passieren können sind immer dann möglich, wenn es nicht gelingt für die fraglichen Währungseinheiten ein ausreichendes Interesse zu generieren. Im Kreditgeldsystem wird dieses “Interesse” dadurch erzeugt, daß die Durchsetzung des Schuldendienstes(!) das “Verdienen” dieser Scheinchen zur “conditio sine qua non” des Wirtschaftslebens macht. Das ominöse “Vertrauensproblem” existiert für ein Kreditgeld, wo Kredite effizient eingetrieben werden, schlichtweg nicht! (Das ist übigends der eigentliche Grund dafür, daß Deutschland vergleichsweise geringe Probleme mit der Finanzkrise hat, auch wenn die Bewältigung der ‘subprime’-”Investitionen” eine deutliche Scharte in die Qualität deutscher Banken geschlagen hat. Von den USA lernen heißt heutzutage eben abschreiben zu können und nicht siegen zu lernen! So ändern sich die Zeiten! Das werden die Chinesen auch noch lernen – sorry folks!)

Der wesentliche Unterschied zwischen Bitcoins und einer Währung ist jedoch der, daß in der modernen Welt hauptsächlich die Referenz(!) auf das Zahlungsmittel zur Abwicklung von Zahlungen Verwendung findet und nicht das Zahlungsmittel selbst. Der ganze Überweisungsverkehr ist davon geprägt durch Anweisungen auf Zahlungsmitteltransfers die Verwendung des Zahlungsmittels in der Interaktion von Zahlendem und Zahlungsempfänger entbehrlich zu machen. Der Transfer des Zahlungsmittels nämlich wird durch die beteiligten Banken abgewickelt, woraus sich auch deren Bezeichnung als Zahlungsverkehrdienstleister herleitet. Im Gegensatz dazu werden Bitcoins selbst hoch wohl persönlich übertragen, so wie es sich für ein Tauschmittel gehört. Was die Eigenschaften eines Tauschmittels angeht: man kann sich sogar bei den Ösis davon überzeugen, daß die Bitcoins als “Konkurrenzwährung” zu interpretieren sind – ein wirtschaftstheoretischer Kopfschuß sondergleichen!

Wenn Bitcoins zur Währung werden wollen müßten Kredite in Bitcoins ermöglicht werden, womit auch bei Bitcoins die üblichen Probleme entstehen wie sie bei konventionellen Banken existieren. Dann ist es auch mit der Dezentralisierung vorbei, denn dann besteht auch postwendend der Bedarf nach einer Bitcoin-Zentralbank. Dann ist es insbesondere mit der hochwohlgelobten währungspolitischen Anarchie endgültig vorbei, die sowieso nie existiert hat! Als süchtigmachendes “Investment” und zur Entsorgung jeglicher ökonomischer Vernunft sind sie jedoch ein hervorragendes Spielzeug. Kommt gleich nach Gold!

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Von der Alternativlosigkeit

castleWie steht es nun um die Alternative, welche von der AFD angeboten wird?  Diese Frage läßt sich nicht einfach damit beantworten, daß eine erneute Einführung der DM als Lösung für die Probleme des EURO vorgestellt wird. Denn Währungsprobleme werden nicht dadurch behoben, indem man einfach auf eine kleinteilige Lösung setzt. Und das auch noch vor dem Hintergrund, daß die internationale Akzeptanz des EURO nach einer reichlich turbulenten Einführungsphase inzwischen so gut wie unbestritten ist. Es scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, daß es seitdem eine weitere Weltwährung gibt, deren Existenz nicht einfach so per Beschluß wieder aufgehoben werden kann. Insofern ist das Ziel der AfD auf die Rekonstituierung einer Situation gerichtet, deren Charakteristika von ebenfalls permanenten Rettungsaktionen geprägt war. Zu dieser ablehnenden Haltung gesellen sich auch noch nationalistische Aspekte, die kaum zu einer sinnvollen europäischen Währungspolitik passen.

Es ist natürlich nicht zu bestreiten, daß die Konstruktion der EURO-Zone mit einigen Defekten erfolgte, die zu den aktuell beobachtbaren Problemen führen. Diese liegen aber nicht in irgendwelchen Zinsdifferenzen oder wer für wen was bezahlt und schon garnicht in der Frage einer europäischen Transferunion geschweige denn einer politischen Vereinigung, sondern in einer unterschiedlichen Qualität der Bonitäten von Nord- und Südbanken, welche inzwischen – aufgrund der Behandlungsweise der europäischen Schuldenkrise – einen (auch nach Zypern vergleichsweise unbehinderten) Geldvermögenstransfer von Süd nach Nord bewirken. Das Entscheidende, was eine Änderung des ‘status quo’ stets verhindern wird ist dabei, daß die Möglichkeit, einen EURO von Süd nach Nord zu verlagern von den dort ansässigen Eliten als unschätzbarer Vorteil gegenüber einer eigenen Währung angesehen wird.  Für diese Freiheit haben unsere Kapitalverkehrfreiheitsapostel ganze Arbeit geleistet. Man mag es für bescheuert halten: der EURO wird aufgrund der (fast) unbeschränkten Transferfähigkeit NIE von den Eliten der Südländer aufgegeben werden. Denn das Problem von hart erschwindelten Millionen in diesen Ländern war es stets, die Drachmen, Lira, Peseten oder Escudos zu einem halbwegs vernünftigen Wechselkurs in DM, Dollar oder Pfund umzutauschen, um eine Währung zu erhalten, die eine Sicherung des Vermögens in einem vernünftigen Maße erlaubt. Und das möglichst bevor die nächste Abwertung auf der Tagesordnung steht. Wenn noch irgendjemand einen Grund für das Wachstum der ‘offshore’-Märkte sucht: das ist er (auch). Denn es ist doch immer schade, wenn die schönen Millionen durch Abwertungen entwertet werden, mal abgesehen davon, daß man im Süden (weniger im Norden) weiß, daß man einen Learjet oder eine Luxusjacht nicht mit Drachmen bezahlen kann – nicht mal in Griechenland! (Wegen derartiger Sachverhalte und der Ignoranz monetären Interessen gegenüber werden aus Komikern auf einmal Witzfiguren.)

Man kann es natürlich auch umgekehrt sehen: die Freiheit überall mehr oder weniger ungehindert “investieren” – sprich: Kredite vergeben – zu können scheitert hinsichtlich der an sich geplanten Rentabilität daran, daß die Bestandsqualität der nach “Süden” vergebenen Kredite keine akzeptable langfristige Rentabilität erwarten läßt und man sich deswegen eigentlich fragen müßte, warum nur so viele Professoren von einer “Freiheit” des Kapitals so viele segensreiche Wirkungen erwarten. Realitätsbewußtsein sieht anders aus! Sicher ist dabei nur eins: das verliehene Geld kommt auf jeden Fall wieder zurück, nur nicht als Zins und Tilgung, sondern als Kapitalflucht!

Nun ist der professorale Angriff auf die EURO-Politik der Bundesregierung hauptsächlich aus wissenschaftlichen sowie prinzipiellen juristischen Erwägungen heraus geboren; das qualifiziert ihn aber noch nicht dazu ein abschließendes Urteil über die Verfahrensweise hinsichtlich der EURO-Politik zu fällen. Denn auf der Einhaltung der europäischen Verträge zu insistieren ist zwar ein legitimes Anliegen, dem man nicht mit dem Argument des Populismus begegnen kann, ohne sich selbst dem Vorwurf der Rechtsbeugung auszusetzen! Das scheint derzeit auch der CDU nicht klar zu sein, deren besoffenes Machtbewußtsein offenbar den klaren Blick auf die aktuelle Situation vernebelt! Da hilft es auch nicht solche supranationale Organisationen wie den ESM zu installieren, um zu vertuschen, daß damit die europäischen Verträge ihrem Inhalt nach ausgehebelt werden. Man braucht nur in das deutsche Steuerrecht sehen, wo es Passagen gibt, die formulieren was der Begriff Gestaltungsmißbrauch bedeutet. Was das angeht, hat die AfD eindeutig Recht!

Das zentrale Versagen der AfD ist auf einer anderen Ebene zu verorten. Denn mit der Forderung nach einer Eliminierung des EURO wird die AfD – entgegen ihrem eigenen Anspruch – den eigentlich virulenten Fragen des EURO nicht gerecht. Die fehlende Adressierung besteht nämlich daraus, den Konflikt zwischen unterschiedlichen Philosophien hinsichtlich der Behandlung der Qualität von Kreditforderungen nicht ins Kalkül zu ziehen, und das, obwohl die AfD maßgeblich von Professoren gesteuert wird, denen der Unterschied zwischen Ertrag und Risiko durchaus bekannt sein sollte. Denn das eigentliche Problem des EURO mit der gegenwärtigen Institutionalisierung ist, daß es keine einheitliche Bonitätspolitik gibt, die sicherstellen würde, daß die Kreditkonditionen eines Kredites im Süden mit der eines Kredites im Norden vergleichbar wäre. Das Witzige dabei ist, daß diese Vergleichbarkeit innerhalb eines Landes jederzeit herstellbar ist. Das liegt schlichtweg daran, daß eine nationale Bankenaufsicht es immer erreichen kann, daß die Bonitätsnormen der angeschlossenen Banken insoweit einheitlich gestaltbar sind, daß sie stets aktive Teilnehmer des nationalen Interbankenmarktes sein können (und müssen) – und das selbstverständlich auch unter Berücksichtigung völlig unterschiedlich strukturierter Kundenkreise mit durchaus unterschiedlichem Bonitätsgrad.

Wenn man möchte kann man sich die kleine Geschichte über das Land Daneia von Stützel ansehen, in der klargemacht wird, daß selbst strukturschwache Regionen einen Bonitätsstandard aufweisen können ohne Probleme mit einem Defizit der Leistungsbilanz zu bekommen. Das scheitert üblicherweise an zwei Dingen: zum einen wird wider besseren Wissens aus 50 Jahren fehlgeschlagener Entwicklungspolitik immer noch daran festgehalten, daß nachholende Entwicklung mit einem monetären Kapitaltransfer einhergehen müsse. Zum anderen ist das Interesse der jeweiligen begünstigten Eliten davon geprägt, genau diese Kapitalströme zu erzeugen, um durch einschlägige geschäftliche Transaktionen, (wobei die im Zuge dieser Transaktionen erforderlichen Kredite sich von vornherein durch einen Mangel an Bonität auszeichnen), diese Transfers postwendend auf ihre privaten Konten zu leiten. Was dabei auf der Strecke bleibt ist das wesentlich schwierigere Problem der inneren Strukturentwicklung was im Gegensatz dazu auf langfristige Aufbauleistungen abzielt und rein monetär gesehen eine undankbare Leistung ist, aber es wäre eine Leistung, welche man dann auch mit dem Epitheton “staatsmännisch” belegen könnte!

Man darf sich also durchaus fragen, warum der geballte Sachverstand der AFD nicht sieht, daß die virulente Aufgabe in EURO-Land darin besteht die Kriterien und die Verfahrensweisen der Kreditvergabe europaweit anzugleichen, so daß Forderungen aus strukturschwachen Regionen auch bei Banken von strukturstarken Regionen beleihbar sind und sich aus diesem Grund keine gespaltenen Geldmärkte ergeben wie es derzeit geschieht. Daß dieses Ziel – eigentlich eine ‘conditio sine qua non’ der EURO-Zone – nicht mit einer europäischen Bankenaufsicht erreichbar ist, wenn diese in London angesiedelt ist, sollte nach kurzem Nachdenken nicht überraschen. Möglicherweise kann dieses Problem durch eine EURO-interne Bankenaufsicht behoben werden, auch wenn das  Etikett Bankenunion andere Assoziationen hervorruft. Man muß jedoch dieses Problem, was in diesem Blog und selbstverständlich auch bei der EZB unter Europäische Geldspaltung diskutiert wurde endlich mal ernst nehmen. Die Rosenkränze über die Glorifizierung  einer kleinteiligen Währungslösung, welche in den Köpfen der professoralen AfD-Elite herumspuken, sind für die Lösung des EURO-Problems nicht zweckdienlich!

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Das vergangene Märchen der ‘seigniorage’

KrötchenEs gibt wohl kaum ein besseres Beispiel für die Ignoranz der Wirtschaftstheorie dem monetären Komplex gegenüber als die Tatsache, daß ein Überwintern historischer Konzepte bis in die Gegenwart möglich ist, obwohl sich die Rahmenbedingungen in der Zwischenzeit fundamental geändert haben. So ist das Konzept der ‚seigniorage’ in einer Zeit entstanden, als es tatsächlich noch Zahlungsmittel gab, die aus Gold gefertigt wurden. Aus diesem Grund ist der historische Teil des oben verlinken Artikels insoweit korrekt.

Was danach folgt kann man nur noch mit Grausen betrachten. Die folgende Begriffserklärung bezieht sich einmal auf einen “Zuwachs des nominalen Bestandes an Zentralbankgeld”, womit bereits völlig naiv eine Gleichsetzung von Goldgeld mit dem heutzutage verwendeten Kreditgeld insinuiert wird. Ganz so als hätte es die Aufhebung des Goldstandards durch Nixon 1971 nie gegeben – mal abgesehen davon, daß der Goldstandard im Wesentlichen bereits seit Bretton Woods Toast war, denn seitdem regierte de facto der Dollar-Standard, auch wenn es danach noch ein paar Verwicklungen wegen einiger Goldbarren gab.

Die nachfolgende Definition von Issing ist es jedoch wert genauer unter die Lupe genommen zu werden. Das Erste was dabei auffällt ist, daß dort über “reale Erträge” gesprochen wird, ganz so, als sei es nicht angebracht diese Erträge vielleicht mal monetär zu definieren. (Herzlichen Glückwunsch an die Geldtheorie, die sich über „reale Erträge“ definieren soll!) Und woraus bestehen diese nun? Daraus, daß “Private zinslos Zentralbankgeld halten”. Dazu muß man eines wissen: für Ökonomen ist der „Wert“ einer Sache stets durch die Opportunitätskosten definiert, welche deswegen entstehen, daß mit der Wahl einer Alternative stets der Verzicht auf eine andere Verwendung einhergeht. Das ist im Wesentlichen eine werttheoretische “was wäre wenn” Argumentation, die sich in vielen Argumentationen wie auch z. B. in der Konzeption der Liquiditätsprämie wiederfindet. (Übrigends auch in der “wertstiftenden” Arbeitskraft von Marx, die angeblich durch “Ausbeutung” zu einer monetären Akkumulation Anlaß geben soll – selten so gelacht, was allerdings die Versuche, die Neoklassik geldtheoretisch nutzbar zu machen genauso betrifft. Klassik ist halt Klassik! Zur Ehrenrettung: das hat Marx selber gesehen, seine ‘follower’ dann schon nicht mehr! Ja, ja, R. Luxemburg ist ein anderes Kapitel!) Nun ist an dieser Stelle die relevante Alternative eine zinstragende Anlage des Geldes, so daß eigentlich eine monetäre Begründung gegeben scheint. Bei dieser Geschichte bleibt allerdings die Frage offen, ob und inwieweit der entgangene Zinsertrag auf der einen Seite auch auf der anderen Seite zu einem Zinsgewinn führt – wofür nicht mal im Ansatz eine Begründung geliefert wird. Das ist jedoch, wie der weitere Inhalt des Artikels zeigt, nicht die ‚seigniorage’ die gemeint ist, denn in einer folgenden Formel wird sie doch tatsächlich als der um das Preisniveau bereinigte Zuwachs der “realen” Geldmenge formuliert. Was damit suggeriert wird ist, daß der Zuwachs an Zentralbankgeld tatsächlich zu einem Vermögenszuwachs bei den monetären Autoritäten und letztlich beim Staat führt.

Dieser Sachverhalt ist jedoch durch nichts gedeckt, denn die Emission von Zentralbankgeld erfolgt im Kreditgeldsystem im Wesentlichen im Zuge einer Kreditgewährung der Zentralbank gegenüber einer Geschäftsbank, was zwar die Bilanz der Zentralbank verlängert, aber keineswegs zu einem “Wohlfahrtszuwachs” der Zentralbank führt. Denn das Einzige was eine Zentralbank davon hat ist eine Forderung, von der sie hofft, daß diese auch bedient wird. Wie man aus einer derartigen Transaktion schließen kann, daß damit ein Realtransfer stattfinden würde muß eigentlich auf ewig unerfindlich bleiben. (Man kann es auch anders ausdrücken: diese Sichtweise postuliert kraft eigener Wassersuppe, daß die Vergabe eines Kredites bereits einen monetären Nettovermögenszuwachs bedeuten würde – was jedem halbwegs erfahrenen Buchhalter Magenkrämpfe bescheren würde.)

Der Grund dieser Verwirrung liegt wohl eher darin, daß auch hier wieder der klassische Irrtum über das Verhältnis von Geld und Forderungen bei der Formulierung dieser Definition Pate gestanden hat. Denn obwohl jeder, der schon mal einen Kredit bedienen mußte weiß, daß Geld das Geschuldete ist, krallt sich der Irrtum über die Eigenschaft des Geldes entweder Forderung oder Verbindlichkeit zu sein wie eine fixe Idee in den Köpfen von Ökonomen – und vielen die sich dafür halten – fest.

Und es geht weiter: unter fiskalischer ‚seigniorage’ wird diese definiert aus der monetären ‚seigniorage’ was nichts anderes heißt, daß das defekte Konzept der monetären ‚seigniorage’ nun auch für die Formulierung eines weiteren Kunstbegriffs verwendet wird, was die Sache natürlich nicht besser macht. Da die Voraussetzung schon nicht stimmt, muß man sich darüber erst garkeine Gedanken machen. Obwohl: richtig witzig wird die ganze Sache dadurch, daß man sich daraufhin darüber Gedanken machen kann, warum nicht erzielte Zinseinnahmen zu einem zinsbedingten fiskalischen Ertrag führen sollen. Man kann es nur so sehen: auf eine fehlerhafte Fragestellung gibt es keine sinnvolle Erklärung! Und: die Erklärung, daß die ‚seigniorage’ durch den Gewinn der Notenbank gemessen werden kann, steht mal einfach so im Widerspruch zu der formelpräsentierten Darstellung, die sich ein paar Zeilen weiter oben findet, daß nämlich die ‚seigniorage’ aus einer Bestandsveränderung der monetären Entität „Zentralbankgeldzuwachs“ entstammen soll. (Wie soll man sich eigentlich über einen Artikel lustig machen, wenn er sich sogar schon selbst zerlegt?)

Die Katastrophe dabei ist, daß diese Definition von ‚seigniorage’ von einem Ökonomen stammt, der bis vor ein paar Jahren noch Chefökonom der EZB war. Das ist schon schlimm genug, aber es ist ja nicht so, daß sich nicht irgendwelche ‚follower’ der Sache verschrieben hätten und solche Dinge raushauen, wie z.B.: die „Opportunitätskosten-Seigniorage“ ist „der Zinsertrag, der erzielbar ist, wenn der Gegenwert der Zentralbankgeldmenge zum Marktzins angelegt wird.“ Fragt sich eigentlich von diesen „Ökonomen“ überhaupt einer, wo der „Gegenwert“ der Zentralbankgeldmenge steht? Richtig, auf der Passivseite der Zentralbank, wobei der Posten des Zentralbankgeldumlaufs in der Zentralbankbilanz letztlich nur einen Merkposten darüber darstellt, wieviel Zentralbankgeld von der Zentralbank im Zuge irgendwelcher Kreditvergaben ausgegeben (geliefert) worden ist. Aus einem Merkposten über geliefertes Zentralbankgeld abzuleiten, daß daraus ein „realer Wert“ entstünde, überstrapaziert selbst den geduldigsten Menschenverstand. (Wer meint eine buchhalterische Begründung dafür zu haben, daß diese Argumentation richtig sei, mag sich in einem Kommentar melden. Falls es tatsächlich jemand tut: das wird nicht jemand sein, der in buchhalterischen Dingen auch nur halbwegs bewandert sein kann!) Aber gemach: auch die Theoretiker der „Liquiditätspräferenz“ sind nicht davor gefeit, die intrinsischen Gefühle der Geldbesitzer als Argument für knallharte Sachfragen zu verwenden. So hat jeder sein Kuckucksnest! Man kann es auch anders ausdrücken: wenn ein Wirtschaftssubjekt sich für eine Sache entscheidet heißt das nicht, daß die Nichtentscheidung für die Alternative für jemand anderes einen (monetären) Gewinn bedeutet. Noch einfacher: wenn ich auf etwas verzichte, hat ein anderer erst recht nichts davon! (Kennt man aus dem Sparparadoxon! Und: ‘school-shootings’ mal ausgenommen!)

Daß irgendwelche Leute, die derart lustige Theorien vertreten, ob sie nun beanspruchen das (angeblich) maßgebliche Internetlexikon zu repräsentieren, oder ob sie nun derart krude Theorien über eingebildete “Erträge” vertreten, auch noch Einfluß auf die europäische Geldpolitik hatten (haben), kann man nur noch mit Humor ertragen.

Ich möchte an dieser Stelle noch Michael Gunczy dafür danken mir die Inspiration für diesen Post vermittelt zu haben! (Ach so, die Vollgeldler sind diesmal noch glimpflich davongekommen!)

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